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Kunst aus der Akte In den 70ern und 80ern wurde die Gruppe Clara Mosch von der Stasi überwacht. Ein Teil der dabei entstandenen Fotos hängt nun als Kunst im Museum.

Chemnitz ist durchzogen vom Nimbus der Künstlergruppe Clara Mosch. Zugezogenen und Nachgeborenen zeigt sich das, wenn sie mit offenen Augen das Kulturleben der Stadt streifen. Die meisten Mitglieder des 1977 gegründeten und 1982 wieder aufgelösten Bundes wirken immer noch in Chemnitz, haben in der Stadt ihre Spuren hinterlassen und – im Wortsinn – gestalten sie noch heute. Was davor war, muss man wohl erlebt haben. Aber ein bisschen nacherleben kann man es seit Ende Februar. In der Sonderausstellung „Clara Mosch und Ralf-Rainer Wasse – Aktion und Fotografie“ zeigen die Kunstsammlungen am Theaterplatz bis zum 17. Mai Fotos, die die Aktionen der Künstlergruppe dokumentierten und begleiteten. Angefertigt wurden diese Bilder vom befreundeten Fotografen Ralf-Rainer Wasse. Und es ist eine Ironie der Geschichte, dass die umfangreichste Dokumentation der teils spontanen Aktionskunst der Clara Mosch durch einen Künstler entstand, der die gezeigten Werke auch im Auftrag der Staatssicherheit anfertigte, welche die alternative Gruppe überwachte. So sind die Fotos und Montagen dreifach wichtiges Zeitdokument: Sie zeigen das Schaffen der Clara Mosch, das Kunstverständnis von Wasse und das Spannungsverhältnis zwischen Kunst und staatlicher Repression.

Schon zur Zeit ihrer Entstehung waren die Bilder diesem Widerspruch ausgesetzt. Sie landeten in Stasiakten ebenso wie in der Mail Art, die innerhalb der alternativen Kunstszene der DDR zirkulierte. Da so ein komplexes wie spannendes Geflecht nicht unkommentiert bleiben will, planen die Kunstsammlungen auch mit einem umfangreichen Begleitprogramm. Am 4. März gab es ein Gespräch mit den Clara-Mosch-Künstlern Gregor-Torsten Kozik und Thomas Ranft. Letzterer spricht erneut am 4. April mit Claus Löser, Autor und Filmhistoriker über „Überschreitungen: Die Filme der Clara Mosch im Kontext des unabhängigen DDRKünstlerfilms“. Am 22. April dann ein weiteres Gespräch mit den Künstlern Michael Morgner und Thomas Ranft. Ein Vortrag von Lutz Dammbeck, Künstler und Filmemacher, befasst sich am 29. April mit der Gleichung „Revolution – Konterrevolution = Evolution?“. Und zur Museumsnacht am 16. Mai geben vier Vertreter der Clara Mosch abschließend einen Rückblick auf Clara Mosch und die Kunstszene der DDR in den 1970er und 1980er Jahren. Wer die jüngere Chemnitzer Kunstgeschichte verstehen will, findet in den kommenden Wochen also ausreichend Gelegenheit.

Text: Michael Chlebusch Foto: Kunstsammlungen Chemnitz / R. Wasse „Tripel-Spiegelei“ (Ausschnitt)

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371 Stadtmagazin März 2020  

Stadtmagazin Chemnitz März 2020, Planer - Chemnitz -Veranstaltungskalender, ausgehen in Chemnitz

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