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Kultur bl端ht auf

turoffensive

StuRa startet neue Campuskul


Am 1. Mai 1980 wurde der Fuchsbau, ein ehemaliger Heizungskeller der TU Chemnitz, den Studenten als Veranstaltungsort übergeben. Olaf Walter (geb. 1959) gehört zur Gründergeneration des Fuchsbaus, nach der Wende übernahm er die Leitung des Clubs. Im Interview mit dem 371 gewährt er einen Blick hinter die Kulissen und berichtet von 30 Jahren Clubgeschichte.

„Ich habe immer Kommunikation verkauft“ Der FX Fuchs wird 30 Wie kam der Fuchsbau zu seinem Namen? Zum einen hat das wohl seinen Ursprung im ver winkelten Kellergeschoss, zum anderen hatte der damalige Clubleiter Ulrich Jugel eine entsprechende Haarpracht. Da wird heute noch gewitzelt, was letztendlich den Ausschlag für die Namensgebung gegeben hat.

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Text: Benjamin Lummer und Foto: André Koch

Der Fuchs erlebte knapp zehn Jahre DDR. Wie war das Arbeiten in einem Studentenclub zu dieser Zeit? Es gab damals das gleiche Hobby der Studenten wie heute: Feiern. Und alle die dazu nötigen Mittel mussten besorgt werden. Wir sind auch schon mal mit einem alten War tburgKombi ins Erzgebirge nach Bärenstein gefahren und haben uns dort aus einer Abfüllung von Brambach Tonic besorgt. Wie erlebte der Fuchs die Wende? Nach dem Geldumtausch haben wir uns an den Altbundesländern orientiert. Ich bin mit meinem Lada mit Anhänger in die Metro nach Nürnberg gefahren und habe dort die ersten Westprodukte gekauft. Außer an dem Tag des Geldumtausches hatten wir in der Wendezeit stetig geöffnet. Ich vergesse dem Publikum nie, dass sie – trotz der Unsicherheit dieser Zeit – sehr treu waren und trotzdem kamen. Wurde früher anders gefeiert als heute? Die Feierwelt basiert auf einer relativ geringen Anzahl an Bausteinen, alles andere ist nur gleicher Wein in neuen Schläuchen. Ich verkaufe Alkohol und Musik, aber eigentlich habe ich immer Kommunikation verkauft.


Wie oft wurde der Fuchs umgebaut? So lange wie der Fuchs existiert, wurde auch an ihm rumgeschraubt. Ganz groß umgebaut wurde er 1993 und 1997, 2001 gab es noch mal eine räumliche Erweiterung – seitdem aber fast gar nicht mehr. Der größte Umbau 1997 hat bei den Gästen Unmut erzeugt, weil sie ihre geliebte Umgebung nicht verändert sehen wollten. Jemand hat mal geschrieben: „Die Dinge, die mich am meisten nerven sind: Wenn mein Kühlschrank leer ist, meine Freundin mit mir Schluss macht und meine Lieblingskneipe renoviert wird.“ Und das stimmt. Was war die schönste Zeit im Club? An sich ist immer die aktuelle Zeit die spannendste und schönste. Aber die Zeit großer Freude und Dankbarkeit war für uns der Sommer 2001, als es dem Fuchsbau sehr schlecht ging. Wir hatten uns zu stark auf Wave Gothik und Black Metal konzentrier t und dann 2001 einen radikalen Schnitt gemacht. So wie wir das gemacht haben, ist das eigentlich der Todesstoß eines jeden Unternehmens, d.h.

Gäste vergraule ohne neue Gäste zu haben. Dass die Leute trotzdem wiedergekommen sind und den Fuchs angenommen haben, ist unsere größte Freude. Was war das skurrilste Ereignis im Fuchsbau? Da gibt es viele. Skurril ist aber eigentlich nach wie vor, wenn heute ein Gast zu mir kommt und sagt: „Meine Eltern haben sich im Fuchsbau kennen gelernt und ich bin das Ergebnis.“ Muss der Besitzer eines Clubs seinen eigenen Club mögen? Ja, muss er, alles andere wäre kaltes Geschäft und Heuchelei. Wenn du das nur machst, um Geld zu verdienen, dann merkt das das Publikum.

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Große Geburtstagspartys gibt es am 5., 7. und 8.Mai. www.clubfx.de

Interview: Benjamin Lummer Foto: André Koch

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Das zuletzt verwaiste Kulturreferat des Studentenrates (StuRa) der TU Chemnitz ist wieder besetzt und die neuen Kulturreferenten sind sofort aktiv geworden: ein Kulturplan verspricht regelmäßige Lesungen und Konzerte. Das könnte auch dem Ansehen des gesamten StuRa zu Gute kommen, der hatte zuletzt mit einem angekratzten Image zu kämpfen.

Kulturelle Wiederbelebungsversuche Der Studentenrat der TU Chemnitz verfasst einen Kulturplan Sucht man nach Unterschieden zwischen dem westdeutschen und dem ostdeutschen Hochschulsystem, so werden diese vor allem bei der Vertretung der Studierenden deutlich. Während im Westen der Republik die angehenden Akademiker zumeist durch ein Studierendenparlament und einen Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) repräsentiert werden, sind Legislative und Exekutive auf dem Gebiet der ehemaligen DDR überwiegend in einem einzigen Gremium vereint: dem Studentenrat. Der StuRa ist damit ein vergleichsweise mächtiges Organ und: Er ist die einzige Lobby der Studierenden. Einmal jährlich sind die zur Wahl ihrer Fachschaftsräte aufgerufen, aus diesen werden dann – je nach Größe der Fakultät – zwischen sechs und zwei Mitglieder in den Studentenrat entsandt. Laut sächsischem Hochschulgesetz können zudem Vertreter direkt gewählt werden. Der neugewählte StuRa der Technischen Universität Chemnitz zählt derzeit 30 Mitglieder. Inhaltlich gliedert er sich in verschiedene Referate auf, die gleichzeitig den Zuständigkeitsbereich und die Aufgaben dieses Gremiums treffend beschreiben. So ist zum Beispiel das Referat „Verkehr“ für die Verhandlungen über das Semesterticket zuständig, „Hochschulpolitik“ setzt sich mit Rektoren und Ministern über Gesetze und Ordnungen auseinander und „Lehre und Studium“ bietet unter anderem Prüfungsberatungen an. Neu gegründet werden sollen zukünftig eventuell ein Referat für Umwelt, für Antirassistische Arbeit und für Gleichstellung. 4

Elisa Gerbsch Eric Stahnke und Großes Aufgabenspektrum, ramponiertes Ansehen Es wartet also viel Arbeit auf die neuen StuRaMitglieder. Arbeit, die ihnen nicht nur Zeit abverlangt, sondern die auch einer gewissen finanziellen Grundlage bedarf. Pro Semester erhebt der Rat deswegen einen Betrag, der von jedem Studenten mit dem Semesterbeitrag überwiesen wird. Im Sommersemester 2010 wurde er erstmalig seit 1992 angehoben, statt vier werden jetzt sieben Euro fällig. Diesen Anstieg erklärt Studentenrat Marco Unger mit stagnierenden Studierendenzahlen und gewachsenen Aufgaben. Alles in allem stehen dem Gremium damit künftig pro Semester etwa 75.000 Euro zur Verfügung. Bedeutende Aufgaben, beachtliche finanzielle Mittel und eine nahezu konkurrenzlose Position im Institutionengefüge der Universität – und doch litt der StuRa in den vergangenen Jahren an einem schlechten Image. Die Diskussion um das Semesterticket, Ungereimtheiten bei der Aufstellung von Wahllisten, nicht-beschlussfähige Sitzungen und zuletzt bekannt gewordene Zahlen über angeblich zu hohe Aufwandsentschädigungen, die sich die Studentenräte selbst bewilligten – das Ansehen hatte erheblichen Schaden genommen. Marco Unger erklärt dies mit mangelnder Öffentlichkeitsarbeit, für Neu-Mitglied Eric Stahnke steckt aber auch ein strukturelles Problem dahinter: Ein fehlendes Grundverständnis für demokratische Arbeit lasse die Schere zwischen Erwartungen und Ergebnissen zu weit auseinander klaffen, dem Bologna-Prozess geschuldete Hektik und Durchlaufmentalität habe sich zudem negativ auf jegliches ehrenamtliche Engagement ausgewirkt.


Mehr Konstanz im Kulturreferat Das Kulturreferat des StuRa ist ein gutes Beispiel dafür. Trotz 5.000 € Finanzmittel, die in der Vergangenheit pro Semester zur Verfügung standen – nach den Referaten Hochschulpolitik und Sport der größte Posten – blieb das Referat im letzten Jahr weitgehend verwaist, vom StuRa organisierte Kulturveranstaltungen hatten eher Seltenheitswert. Die neugewählten StuRa-Mitglieder haben sich diesem Problem nun angenommen und einen Kulturplan entwickelt. Kerngedanke des Kulturplans ist es, Kontinuität in das Referat zu bringen, erklärt einer der Kulturreferenten Eric Stahnke: „Wir wollen einen Rahmen und ein Konzept vorgeben, damit neue Mitglieder das Rad nicht immer neu erfinden müssen.“ Bisher war der Kulturbereich zumeist von einem Kopf abhängig, war dieser studienbedingt oder durch Abwahl nicht mehr da, brach auch häufig das Referat zusammen. Neben Konstanz legt das Referat auch viel Wert auf ein professionelles Niveau, eingeladene Künstler sollen laut Kulturplan eine „gewisse Flächenwirkung“ haben. Konkret planen die Kulturreferenten eine Konzertund eine Lesungsreihe. Unter dem Titel „hörbar“ sollen einmal monatlich Live-Konzerte stattfinden, für die erste Veranstaltung ist bereits Apparatschik aus Berlin gebucht. Die Reihe „lesbar“ wird mit einer Lesung mit Markus Hendrix, dem Autor von „Generation Praktikum“, eröffnet, ein musikalisches Rahmenprogramm soll für einen runden Abend sorgen. Zudem ist eine „sichtbar“-Reihe in Planung, der StuRa möchte hier als Kurator für Vernissagen auftreten. Momentan noch Vision ist die Idee, eine Hörspielnacht nach Leipziger Vorbild in Chemnitz zu institutionalisieren. Für eine generelle Belebung Die Organisation eigener Veranstaltungen ist bei alledem nur die Hälfte dessen, was die Kulturreferenten als ihre Aufgabe ansehen. Viel Zeit wollen sie zukünftig auch in die Vernetzung Kulturschaffender am Campus investieren. Die Unterstützung studentischer Initiativen und die Etablierung einer festen Anlauf- und Beratungsstelle für all jene, die eine Kulturveranstaltung planen, stehen ganz oben auf der Liste. Das alles soll nicht unbedingt

mehr als die bisher zur Verfügung stehenden 5.000 Euro kosten, auch wenn sich Kulturreferent Stahnke durchaus des einzigartigen Vorteils des StuRas bewusst ist: „Wir sind in der vorteilhaften Lage, dass wir uns – in Zeiten wo die Kommunen sparen müssen und es leider Einschnitte bei der Kulturförderung gibt – in Ausnahmefällen ein Minus bei Kulturveranstaltungen leisten können.“ Ein ansprechendes Kulturprogramm und eine solide finanzielle Ausstattung – wird der Studentenrat damit nicht zur Konkurrenz für die Stadt und von ihr organisierte Kulturveranstaltungen? Eric Stahnke möchte das nicht verneinen, man müsse natürlich erst einmal Besucher für die eigenen Veranstaltungen begeistern. Letztendlich strebe der StuRa aber eine Vernetzung mit allen Chemnitzer Clubs und Vereinen an, die im Kulturbereich aktiv sind: „Wir möchten, dass es eine allgemeine Belebung gibt.“

StuRa-Kultur im Mai: 11.05. / 20:00 Mensa, Uni Campus Lesbar mit Markus Henrik

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Markus Henrik liest aus seinem Debüt-Roman „Copy Man“, mit dem er gewohnt humorvoll, kritisch und charmant seine Stellung als Protestführer der „Generation Praktikum“ behauptet. Musikalische Unterstützung leisten Solche aus Chemnitz, die Moderation übernimmt der charmante LEO- und 371 Redakteur Michael Chlebusch. Eintritt frei. 20.05. / 20:00 Mensa, Uni Campus Hörbar mit Apparatschik Apparatschik steht für Ska, Polka, Punk und Volksmusik einmal anders – nämlich auf Russisch! Oljeg, Juri, Viktor und Fedia servieren einen musikalischen Cocktail aus Tradition und Moderne. VVK: StuRa, Universitas, Mensa, Kettler. Weitere Informationen unter: www.myspace.com/referat-kultur Text und Foto: Benjamin Lummer

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„Wenn du feststellst, dass du ein totes Pferd reitest, solltest du absteigen!“ Diese alte Indianer-Weisheit scheint in Chemnitz an Gültigkeit verloren zu haben. Das Pferd, das ist die Reitbahnstraße 84 bzw. das Projekt Experimentelles Karree mit allem was dazu gehört. Am Sterben scheint es schon lange zu sein, das Todesurteil wurde spätestens im Januar dieses Jahres gefällt, als die GGG als Besitzer den Mietvertrag zum 30. Juni 2010 kündigte. Der ursprüngliche Mieter, der Verein „Wiederbelebung kulturellen Brachlandes e.V.“ (WkB), hat bereits seinen Auszug angekündigt und steht mit der GGG in Verhandlungen über ein Ausweichobjekt. Ist das Pferd also tot? Mitnichten, meint die kurz nach der Kündigung gegründete Initiative „Reba Sí!“.

Mit in den Sattel genommen haben sie die Chemnitzer Stadtindianer, die über langjährige Erfahrung mit alternativen Wohnprojekten verfügen und vor allem technisches Know-how bezüglich der Instandsetzung von Gebäuden mitbringen. Ein Auszug kommt damit auf keinen Fall infrage, auch weil die Reba ein symbolisches Projekt für freie Kultur in Chemnitz geworden ist, erklärt Sören Gruner. Breite Unterstützung und mehr Erfahrung – Georg Spindler sieht der Zukunft optimistisch entgegen. Zu den jeden Montag Abend stattfindenden Plena (Foto) kämen mehr und mehr Leute: „Wir haben eine kritische Masse erreicht. Wir hoffen, dass der Druck so groß wird, dass die Stadt sich nicht mehr verweigern kann.“

Totgeglaubte reiten länger Die Initiative Reba Sí! versucht die Reitbahnstraße 84 zu retten Die von den beiden Vereinen ExKa und WkB unabhängige Gruppe vereint Künstler und Kulturschaffende aus Chemnitz. Ihr oberstes Ziel ist eine Weiternutzung des Gebäudes durch einen neuen Mietvertrag ab dem 01. Juli 2010. Bis dahin versucht die Initiative mit Kulturangeboten auf sich und die Problematik aufmerksam zu machen. Ende April findet eine Vernissage statt, ein Kunstfestival Anfang Juni wird zeigen, was in den vergangenen Jahren in der Reba entstanden ist. Außerdem soll eine „Selbsthilfegruppe GGG-Geschädigte“ all jene zusammenbringen, die schlechte Erfahrungen mit Die GGG wird sich davon wohl nicht beeinflussen dem städtischen Großvermieter gemacht haben. lassen. Die Initiative „Reba Sí!“ ist dem Vermieter nur aus den Medien bekannt, berichtet PressespreWarum sich die Initiative erst jetzt gegründet cher Erik Escher. Eine Weiternutzung des Gebäudes hat – diese Frage zu beantworten fällt auch Mit- durch die Gruppe sei aber nicht möglich, da nach glied Georg Spindler schwer. Es sei schon tra- dem 30. Juni 2010 „jegliche Nutzung, unabhängig gisch, dass erst dann, wenn so ein Projekt in von Personen oder Initiativen, für die weitere VerGefahr ist, so viele Menschen aktiv werden. wertung sprich Sanierung des Karrees beendet wer„Reba Sí!“ habe es aber vermocht, die Ener- den muss.“ Sollte eine Zwangsräumung anstehen, gie zu bündeln: „Die Bürgerschaft in Chemnitz wüsste sich „Reba Sí!“ nach eigenen Angaben mit hat immer ein bisschen mit dem Projekt sympa- öffentlichkeitswirksamen Aktionen zu helfen. Das thisiert – das war aber etwas wolkig. Wir wollten tot(geglaubt)e Pferd, es galoppiert also wieder. jetzt einfach mal die Solidarität konkretisieren.“ www.reitbahnstrasse.de

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Text / Foto: Benjamin Lummer


An den Hochschulen in Chemnitz, Zwickau, Mittweida und Freiberg studieren und arbeiten über 30.000 Menschen. Das „371“ will wissen, was dort so alles erforscht wird. Notwendig oder unsinnig, interessant oder einfach schräg - hier erfahrt ihr, was Forscher so forschen.

Heureka im Hörsaal: Heute: Wo liegt Springfield?

Thema zu wählen? „Zum Ende meines Studiums erfuhr ich von einer Kommilitonin, die über die Simpsons ihre Abschlussarbeit schreiben wollte. Als großer Fan der Serie klang dies für mich sehr interessant. Doch dann wählte sie ein anderes Thema und ich stand mit leeren Händen und dem Begriff Sozialstruktur alleine da“, erklärt Carina. So begann sie als erstes, aus ihrem Serienwissen zu schöpfen. Carina schrieb über die Charaktere, Vorkommnisse und beschäftigte sich mit der Frage, ob Springfield an jedem beliebigen Ort der USA liegen könnte. „Viel schwieriger als dieses Kapitel war jedoch die Ausarbeitung und Kategorisierung der Sozialstruktur der USA unter Gesichtspunkten wie Sterblichkeit, ethnische Zusammensetzung, Einkommen, berufliche Situation und Bildungstand.“ Diese Recherchearbeit bildete gewissermaßen die Blaupause unter der Carina sich 19 der mittlerweile 21 Staffeln der Simpsons gezielt anschaute. Zehn Folgen pro Tag – und das über Wochen. Gab es zum Beispiel eine Szene mit einem großem Menschenauflauf, stoppte sie das Bild und zählte wie viele verschiedene Ethnien vertreten waren. Am Ende sammelte sich so allein Datenmaterial von 114 Seiten an. Hatte sie nicht irgendwann genug und brauchte nach sechs Monaten Arbeit an diesem Thema eine Auszeit von den kleinen gelben Figuren? „Natürlich, aber irgendwie auch nicht. Ich glaube, ich habe meine Familie in dieser Zeit ganz schön genervt. Und was die Auszeit angeht: zwei Wochen, anschließend wieder ausgewählte Folgen“, fügt sie hinzu.

Die von Matt Groening erfundene Zeichentrickserie Simpsons ist die am längsten laufende, erfolgreichste und im Popbereich am häufigsten zitierte Cartoonserie der Welt. Auch im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Aufarbeitung erscheinen immer mehr interessante Publikationen. Das jüngste Beispiel hierfür ist die Diplomarbeit der Chemnitzer Soziologin Carina Schierz: „Die Simpsons, Spring- Carina Schierz, die derzeit als Jugendhausleiterin field und die USA“ in Annaberg-Buchholz arbeitet, denkt mittlerweile über eine Fortsetzung ihre Beschäftigung mit Was zunächst klingt, als hätte hier jemand ledig- den Simpsons unter den Prämissen Modernisielich seine privaten Sehgewohnheiten zur wissen- rung und Globalisierung nach. Im Tectum Verlag schaftlichen Arbeit erhoben, entpuppt sich schnell hingegen kann man jetzt bereits ihre 150seitige als wirklich ernsthafte Auseinandersetzung mit Diplomarbeit als Buch erwerben und so vielleicht der Frage, inwieweit sich die tatsächliche Sozial- weniger über die Simpsons, aber mehr über die struktur der USA in der gezeichneten Serie wieder- reale USA im fiktiven Springfield erfahren. finden lässt. Doch wie kommt man dazu, dieses Text: chezz Foto: André Koch

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Weck den Tiger in dir Golf ist mehr als ein Mittelklasseauto

King Pin und Käselauf Größte Uni-Party setzt auf Bewegung

King Pin Im Sportprogramm der TU Chemnitz hat im Sommersemester 2010 eine neue Sportart Premiere: Golf. Was? Dieser Schnöselsport für Neureiche, Cabriofahrer und FDP-Wähler? Halt, halt! Was kann die kleine Kugel dafür, dass auch Idioten mir ihr spielen. „Golfsport gehört vermutlich zu den klischeebehaftetsten Sportarten überhaupt“, weiß auch Frank Joachim Seidel, der an der TU Sportwissenschaft und Psychologie studiert und gemeinsam mit fünf Freunden die Fachgruppe „Ictus Academicus“ initiiert hat. „Mit diesen Vorurteilen wollen wir aufräumen und den Spaß am grünen Sport vermitteln.“ Doch vor dem munteren Schlägerschwingen steht erstmal die so genannte Platzreife. Für Studenten gibt es den in 15 zweistündigen Übungseinheiten aufgeteilten Kurs für schlappe 79 Euro (Uni-Mitarbeiter 179 Euro). Der Kurs widmet sich den Grundlagen des Golfsports inklusive Techniktraining und Regelkunde und führt zur Spielberechtigung für alle Golfplätze. Wer mehr den Spaß sucht und sich für das Trainingsangebot entscheidet, kann an zehn Tagen jeweils eine Stunde golferisch dem Alltag entfliehen. Bei allen Kursen werden natürlich Schläger und Bälle gestellt. Wen dann die Golfsucht packt, der kann sich ja im Hochschulteam einschreiben und mit anderen Unimannschaften messen, Pokale einheimsen, reich werden, ein Cabrio kaufen und vielleicht sogar FDP wählen. 8

Die größte Uni-Party des Jahres - das CAMPUSund SPORTFEST - steigt am 26. Mai 2010 an der TU Chemnitz. Von 13 bis 3 Uhr wird rund um die Mensa an der Reichenhainer Straße ein buntes und in jedem Fall bewegungsintensives Programm geboten. Sportwettbewerbe, Shows, Konzerte und Partynacht garantieren einen knurrenden Muskelkater im Akademiker-Body. Sportlich steht die Fussball-WM als Thema Pate. Mit einer multikuturellen Reise nach Südafrika soll mit lustigen und teamfreudigen Wettkämpfen auf das Sportereignis des Jahres eingestimmt werden. Die Teilnehmerländer der Fußball-WM werden dabei symbolisch mit kuriosen Sportarten wie holländischer Käselauf, mexikanisches Bullenreiten oder englischer Teebeutelweitwurf dargestellt. 5er-Teams durchlaufen 15 Spielstationen - wer der 100 Punkte-Marke am nächsten kommt, gewinnt. Aber es gibt noch mehr Sportives zu absolvieren: Sumo-Arena, Fußball-Hüpfburg oder der reißerische Kampf um den „Mr. Mulu-Gulu Tauziehpokal“ sind nur Beispiele. Wem das alles zu anstrengend ist, der kann ja Tanzen gehen. Auf der Mensabühne rocken die Bands „King Pin“ und „Maila“, bevor Chemnitzer DJ-Papst Dirk Duske auch den letzten Bewegungsmuffel zum Abrocken animiert. Der Eintritt ist wie immer frei. Das vollständige Programm auf www.tu-chemnitz.de


Solvente Absolventen Frank Weißbach: Geld macht nicht glücklich

Leben im Uniumfeld Heute: Suppkultur 2.0

Kunst im Schloß

Anders als die lateinische Herkunft des Wortes Solvenz vermuten lässt, ist Geld eben nicht für alles die Lösung. Das fand etwa Frank Weißbach für sich heraus. Der diplomierte in Mittweida im Fach Angewandte Mathematik und ergatterte direkt nach seinem Abschluss eine Stelle bei den Maschinenbauern der TU Chemnitz. In virtuellen Realitäten band er dort echte Steuerungen an simulierte Maschinen an, was Frank Weißbach weit weniger spannend fand, als es klingt. Als das Projekt abgeschlossen war, verließ er darum die TU, um weniger einen ähnlichen Job, sondern vielmehr heraus zu finden, was er wirklich will. Seit einem dreiviertel Jahr habe er im kulturellen Chemnitz mehr gearbeitet als früher in der Festanstellung. So widmet er sich seinem Literaturblog „Stadt hinter dem Horizont“, beteiligt sich im Poetenpub, absolvierte ein Redaktionspraktikum und ein Existenzgründerseminar, setzt sich für die Reba 84 sowie das Kunstkombinat ein, voraussichtlich auch für die Sommerakademie (S. 7). Bei alledem ist er seiner Selbstfindung noch nicht bedeutend näher gekommen, als dass die Richtung vorwiegend schreiberisch und kreativ ist. Ein bisschen Abstand im Ausland könnte hier helfen, denkt sich Frank Weißbach, und bewarb sich jüngst für einen Europäischen Freiwilligendienst. Wird das nichts, könnte er sich vorstellen, am Deutschen Literaturinstitut Leipzig oder auch nochmal etwas anderes zu studieren. Man wünscht sich angesichts dieser Energie, Solvenz hätte öfter nichts mit Geld zu tun.

„Der Kaspar, der war kerngesund, ein dicker Bub und kugelrund. Er hatte Backen rot und frisch, die Suppe aß er hübsch bei Tisch …” Wie die Geschichte im Struwelpeter endete, ist bekannt: Ohne Suppe droht der Tod. Kein Problem, denn seit dem 24. März hat das Café Suppkultur vom Chemnitzer Kaßberg, bekannt für kreative Suppen und Eintöpfe, seine “Botschaft” im Campus-Viertel eröffnet. Doch das farb- und styleverliebte Café in Sichtweite zur Uni-Mensa ist keine Kopie vom Kaßberg, eher schon eine Suppkultur 2.0, die sich mit ihrem Angebot weit über den Tellerrand hinauswagt und deutlich auf die verschiedenen studentischen Eßgewohnheiten eingeht. Für Jan Lozek und Claudia Fischer sowohl eine gestalterische als auch kulinarische Herausforderung. Ihr bunter Speisenzettel schlägt einen geschmacklichen Bogen von klassischen und ausgefallenen Suppen und Eintöpfen, Italienischer Pasta, Sächsischer Kartoffelpizza, Berliner Currywurst , Fisch, vegetarischen Gerichten, hausgemachten Burgern bis zu Desserts und Kaffeespezialitäten. Dies alles täglich frisch und ohne Tricks aus der Retortenküche. Noch drücken sich die vorbeilaufenden Passanten nicht selten die Nase an der Schaufensterscheibe platt oder wagen einen verstohlenen Blick in den Schaukasten. Nichts genaues weiß man schließlich nicht. Doch schon der erste Besuch in der Suppkultur 2.0 könnte eine lange und leidenschaftliche Beziehung werden, die durch den Magen geht und dem Geldbeutel nicht auf den Magen schlägt. Café Suppkultur, Reichenhainer Str. 45, Fon: 3142858, Mo-Fr ab 10 Uhr, www.cafe-suppkultur.de 9

371 Stadtmagazin Campus Mai 2010  

371 Stadtmagazin Campus

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