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EXTRABLATT SONDERAUSGABE – JULI/AUGUST 2020

Endlich dicht!

Warum der Kaufhof schließen sollte Der Weg ist das Ziel Wie Chemnitz versucht, sein Fahrrad-Problem zu lösen Prinz Lieschens Spuren Eine Schweizerin und die Exotik des Erzgebirges Soziale Skulptur im Heckert Kunstfestival sucht Lebens-Entwürfnisse Außerdem Neue Bars, neue Events, neue Ausstellungen


GEGENWARTEN PRESENCES

15. AUGUST — 25. OKTOBER CHEMNITZ vera nsta ltet

von

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371 / WEB-APP-MAG / SONDERAUSGABE – JULI/AUGUST 2020

Endlich dicht! Warum der Chemnitzer Kaufhof schließen sollte. Eine Meinung. Die Galeria Kaufhof will schließen. Der sächsische Ministerpräsident, der Wirtschaftsminister und die Oberbürgermeisterin fordern den Erhalt der Chemnitzer Filiale. Eine Menschenkette wurde demonstrativ um das Haus gebildet. Dabei ist die KaufhofSchließung die vielleicht größte Entwicklungschance für die Chemnitzer Innenstadt seit langem. Meine Schwiegermutter ist eine sehr ordentliche Frau mit Mode-Geschmack und Sinn für wertige Ware. Sie kauft WMF-Töpfe und „Markenkleidung“. Seit einigen Jahren ist sie im Ruhestand und genießt es, gemütlich durch die Galeria Kaufhof zu schlendern. Sie liebt dieses Kaufhaus. Hin und wieder steckt sie uns ein Rabattkärtchen zu, 20 % auf alles (Tiernahrung gibt es im Kaufhof nicht). In unserem Küchenschrank stapeln sich diese Kärtchen. Ich wüsste nicht, was ich davon kaufen sollte. Im Kaufhof. Meine Schiegermutter ist die einzige Person, die ich kenne, die dieses Kaufhaus vermissen wird. Wobei, und das habe ich ihr letzthin gesagt, vielleicht muss sie ja gar nicht darauf verzichten. Vielleicht, liebe Schwiemu, wird alles bald viel, viel besser. Zunächst ist es natürlich sehr unwichtig, ob ich oder andere das Kaufhaus-Konzept für überholt halten. Auch das Kaufverhalten meiner Schwiegermutter ist nicht repräsentativ. Es geht also nicht darum, ob man Kaufhof gut und schlecht findet, es geht darum, dass die Galeria Kaufhof in Chemnitz schließt. Florierende Läden schließen für gewöhnlich nicht für immer ihre automatischen Türen. Die Schließung der Chemnitzer Filiale des Unternehmens Galeria Karstadt-Kaufhof ist das Ergebnis schlecht laufender Geschäfte des Gesamtkonzerns, der übrigens Teil der österreichischen Signa Unternehmensgruppe ist. Die Geschäfte laufen nicht erst seit „Corona“ schlecht, erst im letzten Jahr fusionierten die letzten beiden KaufhausKonzerne Karstadt und Kaufhof. Karstadt war schon vor zehn Jahren pleite und ist nur aufgrund des Verkaufs ihrer Immobilien weiter am Leben erhalten worden. Auch bei Kaufhof lief es schon seit Jahren nicht mehr rund.

Das ist wie bei der Titanic, nur dass seit Jahren alle schreien „Pass auf, da vorn kommt ein Eisberg!“. Bis 2022 rechnet der Konzern mit einem Minus von bis zu 1,4 Milliarden Euro. Mittler-

weile befindet sich das Unternehmen in einem sogenannten Schutzschirmverfahren, quasi die Vorstufe zur Insolvenz. Sieht so ein potenter, innovativer Player aus? Ist es verantwortungsbewusst gegenüber den zahlreichen Einzelhändlern, gerade den ohne Konzernbindung, dieses halbtote Pferd weiter vor den Karren der Innenstadtentwicklung spannen zu wollen? Never ride a dead horse. Die Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig beschrieb, dass ihr gegenüber die Kaufhof-Vertreter immer gemeint hätten, dass Chemnitzer Haus befände sich in der Umsatzmitte aller Häuser in Deutschland. Das beruhigte Frau Ludwig offensichtlich. Barbara, Umsatzmitte aller Kaufhof-Häuser bedeutet Mitte von Scheiße! Das ist wie bei der Titanic, nur dass seit Jahren alle schreien: „Pass auf, da vorn kommt ein Eisberg!“. Karstadt-Kaufhof ist dem Untergang geweiht. Warum das so ist, dass kann man seit zehn Jahren und länger in jedem Wirtschaftsteil seriöser Zeitungen nachlesen. Oder man geht mal rein und genießt die schläfrige Stimmung in so einem Kaufhaus (vielleicht sollte man Eintritt verlangen und vorne ranschreiben: Museum für Einkaufskultur. Untertitel: Erleben Sie, wie man im 20. Jahrhundert einkaufte.). Selbst wenn wider Erwarten die Schließung doch noch abgewendet wird: Es wird nicht mehr besser. Karstadt-Kaufhof wird nicht glorreich wieder auferstehen. Und je länger das Siechtum dauert, desto länger leidet auch die Chemnitzer Innenstadt.

Schleift die Entwicklung der Innenstadt als Shoppingareal nicht trotz sondern wegen des Kaufhofs? Und jetzt kommen wir zur entscheidenden Frage: Welche „Frequenz“ erzeugt so ein InnenstadtKauhof? Von den 68.000 Quadratmetern Einzelhandelsfläche in der Chemnitzer Innenstadt entfallen allein 20.000 auf den Kaufhof. Das ist fast ein Drittel. Hat irgendjemand mal den Gedanke gewälzt, dass die Entwicklung der Innenstadt als Shoppingareal nicht trotz, sondern wegen des

Kaufhofs seit 20 Jahren so schleift? Ich wage zu behaupten, dass der Kaufhof mit seinem antiquierten Konzept und dem putzigem Sortiment weit mehr von den Geschäften drumherum profitiert als umgedreht. Immer wieder haben sich in den letzten Jahren namhafte Marken aus der Innenstadt verabschiedet. Wären sie geblieben, weil der zentrale Platz der Stadt mit einem attraktiven Branchenmix und zeitgemäßen Läden belegt gewesen wäre? Kommen Zara und Co. vielleicht sogar zurück, wenn sie gemeinsam mit anderen zugkräftigen Marken die 1A-Lage haben können? Und genau deshalb ist es gar nicht so schlau, jetzt Aktionismus an den Tag zu legen und der Signa-Holding zum Einlenken aufzufordern. Wenn der Kaufhof sich verabschiedet, wird die Eigentümerin der Immobilie, die Frankfurter DIC Asset AG sich schon was einfallen lassen. Der Adressat für intensive Gespräche bezüglich wünschenswertem Branchenmix, Laufwegen und der Entwicklung der Innenstadt allgemein heißt folglich nicht Signa, sondern DIC Asset. Sicher wird in Zukunft kein Einkaufen auf fünf Etagen mehr möglich sein. Muss auch nicht, ist halt oben noch ne Fitnessbude drin. Läuft doch in Chemnitz. Unten jedoch, im Erdgeschoss und in der ersten Etage, entstehen Läden, die mehr Menschen gern mögen. Ich würde das ganze Neumarkt- Galerie nennen. Ein Einkaufszentrum. Die Idee klingt so einfach, so plausibel, so nah. Und ich glaube, dass in so einem Einkaufszentrum auch mehr als 140 Mitarbeiter*innen beschäftigt sind. So viele Menschen sehen in der Galeria Kaufhof nämlich gerade ihrer Kündigung entgegen. Klar. Es kann auch anders kommen. Kaufhof macht dicht und in den nächsten Jahren dient die Glasfassade nur noch zum Wildplakatieren, innen wird es einmal im Jahr für so Kunstgedöns genutzt. Durch die Innenstadt rollen Wüstenteufel, nur der Schlüpfermarkt sorgt noch für Stimmung. Stimmt - ich hab keine Ahnung. Vielleicht sollte ich mal meine Schwiegermutter fragen. Apropos: Meine Schwiegermutter hat auch immer einen neuwertigen Laptop auf dem Esstisch stehen. Sie geht damit häufig shoppen. Ihr letztes WMF-Topfset hat sie online gekauft. Text: Lars Neuenfeld Grafik: Christian Selent


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Im Flügelnussrauschen Der Parksommer steigt ab Mitte Juli Mit den Veranstaltungskalendern ist es wie mit dem Ifo-Index. Erst großer Knick jetzt großer Boom. Noch mehr Kultur, noch mehr Draußen. In diesem Jahr ist ja irgendwie jedes Event im Freien, mitten zwischen Menschen so was wie der kalte Gebirgsbach nach drei Tagen in fetten Wandersocken ein großes „oh, tut das gut“. Der Parksommer reiht sich da nahtlos in die Reihe der „schön, dass du wieder da bist“-Momente ein. Ab dem 16. Juli kehrt die Veranstaltungsreihe zurück in den Stadthallenpark und wird mit 72 Veranstaltungen, 28 Tagen und 40 Akteuren wieder einmal quer durchs Kulturbeet jazzen. „Gerade auch im Bewerbungsjahr zur Kulturhauptstadt 2025 ist es besonders wichtig, zu zeigen, dass Kultur im öffentlichen Raum auch in schwierigen Zeiten möglich ist und zu unserem Alltag gehören kann“, sagt dazu Ralf Schulze, Veranstalter und Geschäftsführer der C³. Den Besucher*innen darf der Beweggrund natürlich gern egal sein, so lang sie sich im Programm wiederfinden. Damit das klappt, steht jeden Wochentag (außer den Montagen) ab 20 Uhr eine andere Stilrichtung auf der Bühne: Dienstags findet die Jazznacht statt, Mittwoch gibt es

Folkmusik, Donnerstag ist Klassikabend, Freitag Poetry-Slam, am Samstag treten Singer-Songwriter auf und die Womens Night am Sonntag will starke Frauenstimmen einladen. Vorher, um 17:00 Uhr, gibt es von Dienstag bis Freitag ein Programm für Kinder - etwa mit Hula-Tanz, Basteln oder Kinder-Yoga. Ab 18 Uhr gibt es täglich Yoga auch für Erwachsene. Da der Eintritt wieder frei ist, wird erneut ein Teil der Finanzierung über die Crowd bewältigt. Auf www. viele-schaffen-mehr.de/parksommer2020 können Gäste wieder dabei helfen, den Parksommer fürs nächste Jahr zu sichern, was seit dem Start 2017 ganz gut geklappt zu haben scheint. Wegen der Hygiene wird es in diesem Jahr übrigens keine Leihstühle geben. Also Decke oder den fancy Klappstuhl mit Becherhalter einpacken. Es lohnt sich, und wenns nur

Sommer im Hof Kino, Konzerte und Kulinarik als Open Air-Event Mit Themenabenden will das Metropol-Kino wöchentlich Cineasten in den Tuffner-Hof locken. Dort w i n ke n S or g l o s - Pa ke t e f ü r e i n e n kulturell-kulinarischen-Kinoabend.

Inmitten der Stadt, wo sich mit der Zwickauer und der Reichstraße zwei Hauptverkehrsadern kreuzen, gibt es einen kleinen lauschigen Platz, halb verborgen, der in diesem Sommer zum Austragungsort für Kultur werden soll. „Es ist ein Kleinod, kaum jemand kennt den Ort“, sagt Maret Wolff, die Betreiberin des Kinos Metropol. Die Rede ist vom Tuffner-Hof, der in diesem Jahr erneut für Mottoabende, in denen Abendessen, Kinofilme und Kleinkunst miteinander kombiniert werden, geöffnet wird. „Unsere Idee ist es, ein schönes kleines Kulturgut zu schaffen, einen Lieblingsort zu kreieren“, sagt Maret Wolff. Um das zu schaffen, arbeitet sie mit der TuffnerMöbelgalerie und dem Oberdeck Hand in Hand. Erstere fungieren quasi als Gastgeber und stellen das gemütliche Mobiliar, das Oberdeck sorgt für Getränke und Wolffs Metropol kümmert sich um die künstlerische Ausgestaltung. Die drei Geschäftspartner setzten sich zusammen und überlegten sich gemeinsam die Themen für die

für die Tatsache ist, dass ihr mal unter einer kaukasischen Flügelnuss ein Jazzkonzert gesehen haben wollt. Programm und Infos unter: parksommer.de Text: Michael Chlebusch Foto: Fabian Thüroff

Abende. Am 28. August wird es beispielsweise eine Gospel-Nacht geben. „Als ich herausfand, dass es in Chemnitz einen Gospelchor gibt, war mir klar: das müssen wir nutzen“, sagt die Kinobetreiberin. Der Chor wird einen Auftritt haben, danach wird der Film „Amazing Grace“ gezeigt – und wie an jedem Abend wird das Catering auf das Motto abgestimmt. Das Konzept funktionierte im vorigen Jahr schon gut und sorgte für ausverkaufte Veranstaltungen, also soll das „Freiluftkino im Tuffner Hof“ in diesem Jahr expandieren. „Wir haben 15 Veranstaltungen geplant, im Vorjahr waren es nur sechs“, erklärt Maret Wolff. Sollte es regnen, werde die Veranstaltung ins Oberdeck verlagert. Um die Corona-Hygienebestimmungen einhalten zu können, dürfen jeweils 60 bis 70 Gäste eine Veranstaltung besuchen. Der Vorverkauft läuft online oder direkt im Metropol-Kino, Vorbestellungen sind nicht möglich. Eröffnet wird die Veranstaltungsreihe am 10 Juli mit einer Rock‘n‘Roll Nacht, die ganz im Zeichen von Udo Lindenberg steht. Gezeigt wird daher auch das Biopic „Lindenberg!“ und Lindenberg-Double El Paniko wird die Gäste unterhalten. Der Abend wird am 12. Juli wiederholt. Das komplette Programm, sowie alle Termine finden sich unter www.freilichtkino-chemnitz.de. Text: Sarah Hofmann Foto: Lukas Photographie


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371 / WEB-APP-MAG / SONDERAUSGABE – JULI/AUGUST 2020

Der Weg ist das Ziel Wie Chemnitz versucht, sein Fahrrad-Problem zu lösen Chemnitz und Fahrrad, das sind ins leere laufende Radwege, unbezwingbare Hügel, für Tour de France bekleidete S p o r t ra d l e r u n d i m m e r h ä u f i g e r elektrisch angetriebene Ausflügler auf dem Chemnitztalweg und dem Radweg entlang des Kappelbaches. Ist aber Alltagsradeln auch für Chemnitz denkbar? „Ich würde nie die Reichsstraße hochfahren, weil ich da Angst um mein Leben habe.“ „Die Wege sind schlecht markiert.“ „Die Kaßberg-Auffahrt, da wird sehr knapp überholt.“ „Der gesamte Innenstadtbereich ist komplett ungünstig.“ „An der Baustelle Zschopauer Straße Richtung Bahnhofstraße ändert sich gefühlt jeden Tag die Verkehrsführung.“ „Und dann kommen noch die vielen gepflasterten Stellen dazu, die gerade bei Regen und im Herbst sowieso kritisch sind.“ Fragt man Chemnitzer Radfahrende, wie sie ihre Stadt auf dem Zweirad erleben – dann bekommt man genau solche Aussagen. „Auch solche“, betont Maria Kreußlein, die gemeinsam mit ihren Kollegen an der TU Chemnitz 300 Kurzinterviews auf Chemnitzer Straßen führte. Mit der „DRadEsel-Befragung“ untersucht ihre Forschergruppe die Verkehrssicherheit an urbanen Knotenpunkten. „Ich fahre selbst sehr gern und viel mit dem Rad und habe dabei ziemlich viele potenziell gefährliche Situationen beobachtet“, so Kreußlein. Doch dieses Gefühl will die Forscherin nun verifizieren. Die Ergebnisse der Studie sollen helfen, den Radverkehr sicherer zu machen. „Denn ganz klar ist: Je sicherer die Radinfrastruktur ist, umso eher setzen sich Menschen auch im Alltag aufs Rad“, sagt Maria Kreußlein. Doch wo steht Chemnitz heute in Sachen Radsicherheit? Tatsächlich schneidet Chemnitz im Fahrradklimatest des ADFC mittelmäßig ab. Kein Grund, sich zu verstecken also? „Stimmt schon, Chemnitzer Radler haben ihre Wege in der Stadt gesucht und gefunden und gehen Gefahren möglichst aus dem Weg. Doch fragt man mal Radfahrende, die das erste Mal in Chemnitz unterwegs sind, fällt zuallererst auf: Radwege hören einfach unvermittelt auf“, sagt Thomas Lörinczy vom Chemnitzer ADFC. „Die Wegeführung ist Stückwerk und das leider schon viele Jahre.“

Gefährliches Stückwerk Das sollte eigentlich schon ganz anders aussehen. Im Jahre 2009 hat sich die Stadt eine Radverkehrskonzeption gegeben und wollte den Anteil des Radverkehrs an den täglichen Wegen ihrer Bewohner bis 2020 auf 12% erhöhen – eine Verdoppelung gegenüber 2008. „Das konnten wir nicht erreichen, aktuell liegen wir bei

etwa 7%“, gesteht Alexander Kirste, Leiter der Abteilung Verkehrsplanung im Tiefbauamt der Stadt Chemnitz. Obwohl so einige Lücken geschlossen wurden. „Ganz aktuell etwa die dringend benötigte Fortführung des Radweges an der Zwickauer Straße entlang des Kappelbaches“, so Kirste. Ihm und seinen Kollegen sind die noch bestehenden Lücken in der Stadt durchaus bewusst und ein Dorn im Auge – man wäre gern schon weiter mit dem Ausbau. Doch zum einen sei der Verkehrssektor seit Jahrzehnten unterfinanziert. Und dann ist da noch die Flächenkonkurrenz: ÖPNV, PKW, Fußgänger und Räder brauchen ihren Platz. Spätestens mit dem Trend zum E-Bike und Pedelec sind die Räder in den Geschwindigkeiten den PKWs näher als dem Fußgänger. „Deshalb ist eine Lösung, wo nicht genug Platz für einen Fahrradweg ist wie etwa auf der Kaßberg-Auffahrt, die Räder auf die Straße zu leiten und dort mit Überholverbot für gegenseitige Rücksichtnahme zu sorgen“, so Kirste. „Unglücklich“ nennt indes Thomas Lörinczy genau diese Lösung. „Wer da mit dem Fahrrad hochfährt und kein passionierter Sportradler ist, kommt vielleicht auf 15 km/h. Da können Sie mal fünf Minuten lang beobachten, wie viele Autofahrer sich auf das Tempo runterbremsen und vom durchgängigen Mittelstreifen vom Überholen abhalten lassen...“ Er hätte sich zumindest bergan und in der S-Kurve einen Fahrradweg gewünscht. Helfen würde es den Stadtplanern auch, wenn sie auf engen Straßen wie auf Sonnen- und Kaßberg die innerstädtische Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 km/h reduzieren könnten. „Solche Maßnahmen erlaubt uns das Bundesverkehrsministerium aber nur unter sehr besonderen Voraussetzungen“, erklärt Kirste. Deshalb prüfe man, ob Nebenstraßen als ausgewiesene Fahrradstraßen Entspannung in den Konflikt bringen können.

Mobilitätsmanagement und Modellrouten Aktuell arbeiten Alexander Kirste und sein Team an einer Fortschreibung der 2009 gefassten Verkehrskonzeption, die viele Akteure involviert. Auch der ADFC ist dabei. „Im Herbst wollen wir damit an die Öffentlichkeit gehen und auch die Bürger an der Planung beteiligen.“ Ein wesentlicher Baustein des Konzeptes ist Mobilitätsmanagement. „Dabei geht es uns darum, mit Verkehrsteilnehmern direkt ins Gespräch zu kommen. Denn klar ist auch: Viele Chemnitzer kennen die tollen Angebote ihrer Stadt gar nicht“, so Kirste. In kaum einer anderen Stadt kann man etwa im öffentlichen Nahverkehr und im gesamten Verkehrsverbund sein Fahrrad kostenfrei mitnehmen.

Mobilität an den Bedürfnissen der Stadtbewohner orientieren, das will auch das Projekt NUMIC erreichen. Gerade hat das Forscherteam die Chemnitzer über drei potenzielle Modellrouten entscheiden lassen. Zur Wahl standen Route A, die den Brühl für Radfahrende besser an die Innenstadt anbinden will, Route B zwischen Zentrum über die Reitbahnstraße zur TU Campus und Route C, die zwischen den Stadtteilen Bernsdorf, Gablenz und dem Yorckgebiet verläuft. „Für jede der Routen gilt: Wir schauen uns den Ist-Zustand an und prüfen Probleme und Herausforderungen an der Strecke. Und dann erstellen wir einen Maßnahmenkatalog, wie man die Wege für Radfahrer und Fußgänger attraktiver machen kann“, erklärt Bjarne Lotze vom beteiligten Tiefbauamt Chemnitz. Gerade die Strecke C bietet hier gleich mehrere Potenziale: „Zum einen ist zwischen den Stadtteilen das Fahrrad als alltägliches Fortbewegungsmittel attraktiv. Zum anderen liegen auf der Strecke einige Naherholungsgebiete wie der Knappteich oder der Stadtteilpark Fürstenstraße, die wir integrieren werden“, so sein Kollege Johannes Fischer. Nach den nötigen Baumaßnahmen und neuen Beschilderungen ist es dann auch Teil des Projektes, die Modellroute erlebbar zu machen. „Hier hoffen wir auf die Zusammenarbeit mit dem Stadtteilmanagement und streben einen Ideenwettbewerb mit den Bewohnern an, wie die Strecke noch attraktiv werden könnte“, so Fischer. Selbst wenn diese Modellroute nur ein weiteres Stück in flickenhaften Radwege-Netz wäre – vielleicht ist das ja der Chemnitzer Weg zu einer fahrradfreundlichen Stadt. In kleinen unaufgeregten Schritten, ohne dass es die Noch-Mehrheit der Autofahrer bemerkt. Text: Peter Altmann


Prinz Lieschens Spuren Eine Schweizerin und die Exotik des Erzgebirges in die Stadt. Dort wurde sie schnell nicht nur für ihre Bühnenrollen, sondern auch für ihre Umtriebe als Gründungsmitglied des Künstlerkollektivs „Glamnitz“ bekannt. Nach dem Ende ihrer Zeit am Stadttheater suchte sie nach neuen Wegen und fand diese in einer Stadt, die sich ebenfalls auf diese Suche begeben hat. „Ich wollte schon lange schreiben und dachte, jetzt ist der Zeitpunkt, da probiere ich das einfach aus“, sagt die Künstlerin – und für die Gegend interessiere sie sich auch schon lange. „Dieser Ort hier ist für Außenstehende unglaublich exotisch – der Ort erzähle Geschichte bis ins 12. Jahrhundert“, so Leuenberger. Sie selbst interessiere sich aber vor allem für die Punkte, die nicht offen erzählt werden, etwa Prinz Lieschen. Ihr nächstes Projekt in Augustusburg solle sich aber um den Ist-Zustand der Stadt drehen. Sie habe vor, Frauen vor Ort zu ihrem Leben, ihren Wünschen zu befragen und daraus ein Kunstprojekt zu starten, welches gleichzeitig Ortsgeschichte konserviert. „Wir Künstler sollen hier in der Stadt selbst denken und unsere Aufgaben finden, dafür sind wir hergeholt worden“, erzählt die Künstlerin – die einzige Auflage sei eine Residenzpflicht gewesen. Daher können sie auch ihren Arbeitsalltag selbst einteilen und eigene Themen suchen.

Die Schauspielerin und Künstlerin Seraina Leuenberger kam gerade so richtig in Chemnitz an – nun blickt sie aber schon i n den Nachbaror t Augustusburg, wechselt das künstlerische Metier und wurde prompt zur Stadtschreiberin ernannt. Die Schauspielerin und Künstlerin Seraina Leuenberger kam gerade so richtig in Chemnitz an – nun blickt sie aber schon in den Nachbarort Augustusburg, wechselt das künstlerische Metier und wurde prompt zur Stadtschreiberin ernannt. Seraina Leuenberger läuft jeden Morgen eine Runde rings ums Schloss Augustusburg. Sie schwatzt mit den Menschen, beobachtet sie, lässt die Stadt auf sich wirken. Sieht Sommerfrischler und Motorradfahrer, die schon am frühen Morgen Ausstellungen im Schloss besuchen möchten. Überhaupt ist sie viel auf Achse in der Stadt, läuft bergauf, bergab (das ist in Augustusburg unumgänglich), wird Teil der Stadt. Das muss sie auch, ist sie doch Stadtschreiberin von Augustusburg. Da sie ihre Stelle im März antrat, inmitten des coronabedingten Social Distancings, beschloss sie, eine historische Figur zum Leben zu erwecken: Prinz Lieschen. Heute ist sie das Sinnbild einer Eulenspiegelin, einer geschickten Hochstaplerin, eine Metapher. Im 18. Jahrhundert jedoch sorgte Sophie Sabina Apitzsch

für einen Skandal. Die Weberstochter floh vor einer Hochzeit von der Rochsburg, reiste durch Europa und gab sich unter anderem als Kurprinz August aus – mit Erfolg. Auch in Augustusburg war „Prinz Lieschen“ unterwegs. Mittlerweile ist die umtriebige Frau weitestgehend in Vergessenheit geraten. Seraina Leuenberger möchte das ändern und gibt der historischen Figur eine Stimme. Sie ersinnt interaktive Geschichten rings um „Prinz Lieschen“, macht deren (fiktives) Leben und Wirken zugänglich und in einem Blog erfahrbar. Um an diesen Punkt zu kommen, zog die Künstlerin als Stadtschreiberin für ein halbes Jahr nach Augustusburg. Sie folgte dem Ruf des Vereins „Auf weiter Flur“, der in den kommenden Jahren alle sechs Monate jeweils drei Künstler*innen in die Stadt holt. Seraina Leuenberger gehört zur ersten Gruppe, ebenso wie Georg Scherlin, dessen Aufgabenbereich die Beteiligung der Augustusburger Bürger ist, und die Chemnitzerin Danielle Tändler, die die Digitalisierung der Stadt voranbringt. Um Stadtschreiberin zu werden, musste Seraina Leuenberger ihr künstlerisches Metier wechseln. Die gebürtige Schweizerin machte ihre ersten Regie- und Schauspielerfahrungen in Basel, studierte an der renommierten Schauspielschule Ernst Busch in Berlin und kam für ein Engagement am Chemnitzer Schauspielhaus

„Jeder Ort hier sucht noch nach dem, was er heute sein kann – in der Schweiz ist alles schon so fertig.“ Und wie geht es im Herbst weiter? Die Schauspielerin will sich weiter künstlerisch ausprobieren. Ihren Lebensmittelpunkt behält sie in Chemnitz, doch in diesem Jahr ist noch ein Theaterprojekt in Frankreich geplant – das Stück soll sich um Sprache drehen und befindet sich in der Entwicklungsphase. Auch einen Filmprojekt über Landes- und Kulturunterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz schwebt Seraina Leuenberger vor. „Jeder Ort hier sucht noch nach dem, was er heute sein kann – in der Schweiz ist alles schon so fertig“, sagt sie, das werde ihr auch in Augustusburg bewusst. Wo ihr eigener Weg sie nach den aktuellen Vorhaben künstlerisch hinführen wird, ist noch nicht klar – an Ideen mangelt es ihr jedoch nicht, da wird noch einiges kommen. Vielleicht fühlt sich die Künstlerin daher auch zu Sophie Sabina Apitzsch hingezogen – auch die verließ bekannte Wege, versuchte Neues. Nachlesen: stadtschreiberin.augustusburg.blog Text: Sarah Hofmann Foto: privat


Mond an. Film ab. ...noch bis 30. August 2020

pur

Juli-Programm

AB Fami 12.07. lie Tage n- und skino Alle In fos da rer W zu auf ebse ite

unse

Sonntag, 12.07. // 21:30 Uhr

Mittwoch, 01.07. // 21:45 Uhr

Donnerstag, 23.07. // 21:30 Uhr

Das Leben des Brian

Sonic the Hedgehog

Little Women Oscar-Donnerstag

Donnerstag, 02.07. // 21:45 Uhr

Judy

Ein Dokumentarfilm über Couchsurfing von Christoph Pehofer

Oscar-Donnerstag

Montag, 13.07. // 21:30 Uhr

Freitag, 24.07. // 21:30 Uhr

Couch Connections

Grease

Filmemacher Christoph Pehofer zu Gast!

Kult-Filmnacht

Outdoor-Doku-Montag www.couch-connections.com

Freitag, 03.07. // 21:45 Uhr

Regie / Kamera / Buch / Schnitt CHRISTOPH PEHOFER Buch MANUEL PAMMER Musik THOMAS BÖCK, FELIX RAUCHWARTER, SEBASTIAN SEIDL Tonmischung TOBIAS SCHREIBER Tonstudio BLAUTÖNE Colorist MANUEL PORTSCHY Titel Animation SHIR CATZ, ZOHAR LEE KATZ Executive Producer ANDREAS GESIERICH

Nightlife

Samstag, 25.07. // 21:30 Uhr

Dienstag, 14.07. // 21:30 Uhr

Bad Boys for Life

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl KARL - Neues deutsches Kino

Samstag, 04.07. // 21:45 Uhr

Rammstein: Paris Musik-Samstag

Sonntag, 26.07. // 21:30 Uhr

Mittwoch, 15.07. // 21:30 Uhr

Undine

Die Chemnitzer Kurzfilmnacht

präsentiert von Filmfest Dresden in Kooperation mit 371

Sonntag, 05.07. // 21:45 Uhr

Emma

Donnerstag, 16.07. // 21:30 Uhr

Montag, 27.07. // 21:30 Uhr

Bombshell

European Outdoor Film Tour Open Air 19/20 Outdoor-Doku-Montag

Montag, 06.07. // 21:45 Uhr

Über Grenzen

Mit Margot Flügel-Anhalt als Gast!

Dienstag, 28.07. // 21:30 Uhr

Freitag, 17.07. // 21:30 Uhr

Ballon

Knives Out - Mord ist Familiensache KARL - Neues deutsches Kino

Dienstag, 07.07. // 21:45 Uhr

Samstag, 18.07. // 21:30 Uhr

Enkel für Anfänger

Rocketman

KARL - Neues deutsches Kino

Musik-Samstag

Mittwoch, 08.07. // 21:45 Uhr

Sonntag, 19.07. // 21:30 Uhr

Der Junge muss an die frische Luft

Mittwoch, 29.07. // 21:30 Uhr

Der Leuchtturm

Donnerstag, 30.07. // 21:30 Uhr

1917

Der Distelfink

Oscar-Donnerstag

Besucherliebling

Donnerstag, 09.07. // 21:30 Uhr

Montag, 20.07. // 21:30 Uhr

Jojo Rabbit

Besser Welt als nie

Oscar-Donnerstag

Mit Dennis Kailing zu Gast!

Freitag, 10.07. // 21:30 Uhr

Dienstag, 21.07. // 21:30 Uhr

Joker

Man from Beirut KARL - Neues deutsches Kino

Samstag, 11.07. // 21:30 Uhr

Der Tatortreiniger Best of

Musik-Samstag

Die Filmnächte-Seriennacht

Tickets und Infos auf www.filmnaechte-chemnitz.de

Jumanji: The Next Level

Save

ate!

the d

Samstag, 01.08.

Die Große Dirty Dancing Nacht

Mittwoch, 22.07. // 21:30 Uhr

Ich war noch niemals in New York

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Freitag, 31.07. // 21:30 Uhr

Samstag, 15.08.

Die Große ABBA-Nacht mit dem Film Mamma Mia!

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Beichtstühle & Lichtschwerter Lydia Thomas über künstlerische Inspiration und Unterstützung in Chemnitz Lydia wurde 1987 in Karl-Marx-Stadt geboren, wuchs in Oberbayern auf und schloss 2015 ein Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in München ab. Heute lebt sie als freischaffende Künstlerin wieder in Chemnitz. Nach eigener Aussage wird sie bei jeder Ausstellung und jedem Auftrag mit neuen Herausforderungen konfrontiert. „Das ist eigentlich das Schöne daran, dass man immer versuchen muss, neue Lösungen zu finden” beschreibt Lydia ihre Tätigkeit als Malerin. Um sich als freie Künstlerin zu etablieren, versucht sie so gut es geht kontinuierlich zu arbeiten, etwas, das ihr immer Halt gibt. Der Schaffensprozess und die Bedeutung ihrer Kunst haben sich mit den Jahren gewandelt. Das schnelle Darstellen reicht ihr nicht mehr. Immer öfter stellt sie sich die Frage „Was willst du eigentlich damit?”. Dementsprechend brauchen ihre Werke länger, umso tiefer werden aber auch deren Bedeutungen. Schon seit vielen Jahren befasst sich Lydia Thomas in ihrer Kunst mit Realität und Parallelwelten, versucht, das nicht Sichtbare zu ergründen. Sie will ihre Themen künstlerisch anpacken, ohne dass es zu inhaltslastig oder mit einem zu erhobenen Zeigefinger wirkt. Von ihrer ehemaligen Professorin hat sie gelernt, dass Kunst immer politisch ist, denn es ist reine Interpretationssache, was der Betrachter im Bild sieht.

Viele ihrer ausgestellten Werke zeigen kirchliche Motive. „Das ist der oberbayrische Einfluss”, erklärt Lydia. Während ihrer Schulzeit sind alle Klassenkameraden regelmäßig zur Beichte gegangen. Sie war nicht getauft, doch ein Interesse für das was da passierte, hatte sie schon damals. In der aufwendigen Schnitzkunst und dem Detailreichtum der barocken Beichtstühle lassen sich Figuren und Gesichter erkennen, deren mystische Stimmung Lydia Thomas in ihren Werken aufnimmt. Die Wasserspeier zum Beispiel, die sich in mehreren ihrer Bilder wiederfinden, konnte sie im Regensburger Dom von einer seltenen Nähe studieren. Die klassischen kirchlichen Motive werden dann aus ihrem Kontext genommen und in einen zeitgenössischen gesetzt. In Chemnitz findet Lydia noch immer viel Inspiration und will die Stadt auch künftig mitgestalten. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass die bestehende Kulturszene noch mehr gefördert wird, nicht nur im Rahmen der Bewerbung als Kulturhauptstadt. „Die Galerie Weise unterstützt mich immer. Das ist schon viel wert”,

äußert sich Lydia dankbar. Galerist Bernd Weise erklärt seine langjährige Begeisterung für ihre Kunst: „Sie ist für mich in den letzten 30 Jahren die beste Künstlerin, die ich kennengelernt habe, und das interessanteste Talent, das mir bisher über den Weg gelaufen ist”. Künftig würde er sie gerne bei der Herstellung einer großen Skulptur unterstützen, sowie bei einer Wandarbeit für eine öffentliche Einrichtung. Bernd Weise will weiterhin Leute für Lydias Bilder begeistern, bis es vielleicht irgendwann zu einer Museumsausstellung kommt: „Dafür ist man in dem Alter leider noch zu jung. Also müssen wir weiter daran arbeiten, bis es mal so weit ist.” Text: Nina Fitterling Foto: Galerie Weise Form.Farbe.Chemnitz, noch bis zum 8. August 2020, Galerie Weise im Rosenhof. Neben Gemälden von Lydia Thomas sind Stahlskulpturen von Wolfram Schneider.

Kopfschmaus im Subbotnik Auch wenn das Festival „Kantine“ zunächst nach kulinarischen Genüssen klingt, geht es vielmehr um Nahrung fürs Hirn. Vom 24. bis zum 30. August laden die Vereine WkB und Subbotnik erneut zu einer Woche voller Vorträge, Workshops und vielem mehr ein. Ein Theoriefestival, was soll das bitte sein? Das Orgateam der Kantine Benjamin hat sich auf die Fahne geschrieben, ein solches zu veranstalten. Und das nicht zum ersten, sondern bereits zum dritten Mal. Bei der Kantine „Marx“ und der Kantine „Luxemburg“ wurde in den letzten beiden Jahren eine Woche lang dazu eingeladen, sich dem Leben dem Werk der DenkerInnen und AktivistInnen zu beschäftigen. Daher das mit dem Theoriefestival: auch wenn Musik und Kunst im Programm vertreten sind, liegt der Fokus auf den Vorträgen, Lesungen und Workshops. In diesem Jahr will das Kantine-Team das Augenmerk auf den Philosophen, Kulturkritiker und Autor Walter Benjamin legen. Anlass dafür ist sein

80. Todesjahr. 1940 nahm er sich an der spanischen Grenze auf der Flucht vor den Nationalsozialisten das Leben. Walter Benjamin, dessen Aufsatz „Das Kunstalter im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ heute zum Standardprogramm vieler Kunsthochschulen gehört, lebte in düsteren Zeiten. Er war Zeuge des 1. Weltkriegs, der wirren Jahre der Weimarer Republik und des Aufstiegs der Nationalsozialisten, die sein Leben bedrohten, weil er Jude und Kommunist war. Für Benjamin stand aus diesen Erfahrungen die Frage im Mittelpunkt, wie sich ein „so weiter“ der Gesellschaft verhindern lässt. Verbunden war er in seiner Arbeit mit befreundeten DenkerInnen wie Theodor W. Adorno oder Bertolt Brecht. Der Veranstaltungsort ist das Subbotnik, eine ehemalige Mensa in Bernsdorf. Daher das mit der Kantine. Das mitten in einer riesigen Grünfläche gelegene Gebäude bietet sowohl viel Platz für die Vorträge, aber auch Raum zum ausruhen und diskutieren auf der Wiese nebenan. Neben dem eher theoretischen Teil, indem es beispielsweise um Benjamins Auseinandersetzung mit dem Flanieren

gehen wird, wird es wieder auch Musik, Filme und eine kleine Ausstellung geben. Die Veranstalter*innen der Kantine „Benjamin“ betonen, dass ihr Hygienekonzept eine entspannte Teilnahme ermöglichen soll. Also: Schaut euch doch am besten selbst einmal an, was es mit diesem Theoriefestival und dem Subbotnik auf sich hat. Das Programm der Kantine „Benjamin“ und mehr findet ihr auf www.kantine-festival.org


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Karl Schmidt-Rottluff, Mädchen (Detail), 1920, Foto: bpk/Kunstsammlungen Chemnitz/May Voigt © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

JAHRE

25. Juli – 25. Oktober 2020 Kunstsammlungen am Theaterplatz

»Im Morgenlicht der Republik« kunstsammlungen-chemnitz.de


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Soziale Skulptur im Heckert Das Kunstfestival Begehungen sucht Lebens-Entwürfnisse Mitte August findet zum 17. Mal das Kunstfestival Begehungen statt , diesmal unter dem Titelthema „Entwürfnisse: Ring 8“. Was es mit diesem kry ptischen Titel auf sich hat und wie man ein Festival unter Pandemierbedingungen vorbereitet und durchführt wollten wir von der Begehungen-Crew erfahren. Die Festivalvorbereitung fiel genau auf den Pandemie-Zeitraum, der ja bis heute anhält. Wie hat das eure Arbeit beeinflusst? Mit Beginn der Ausgangssperren haben wir unsere Orgatreffen auf Telefonkonferenzen umgestellt. Das hat erstaunlich gut funktioniert. Meist waren mehr Leute anwesend als sonst. Wir haben das bis jetzt beibehalten, also diese kontaktlose Vorbereitung. Ansonsten haben wir viel Zeit damit verbracht, Corona-Ausnahmen zu debattieren und vorzubereiten. Vieles davon war sehr sinnvoll, manches ist von der Zeit überholt worden. Habt ihr jemals an eine Absage gedacht? Nicht wirklich. Mitte/Ende März, als die Ausgangsbeschränkungen noch ganz frisch waren, wurden wir unsicher, weil wir unsere Ausschreibung an die Künstler und Künstlerinnen rausschicken mussten. Wir mussten also schon früh eine Entscheidung treffen. Dabei war es sicher eine Entscheidungshilfe, dass Supermärkte zu diesem Zeitpunkt geöffnet waren und wir eine ehemalige Kaufhalle bespielen wollten. Wenn das geht, geht auch unser Festival, so unsere Meinung. Aber natürlich war da viel Zweckoptimismus dabei. Man muss aber auch sagen, dass ein frühes Gespräch mit dem Kulturbürgermeister Ralph Burghardt uns zuversichtlich gestimmt hat. Er hat uns sehr unterstützt.

Wie war die Reaktion den Adressaten der Ausschreibung? Klar hatten wir Bedenken, dass sich diesmal nur wenige Künstler und Künstlerinnen bewerben. Die letzten Jahren waren immer über 300 Bewerbungen an uns geschickt worden, gut die Hälfte davon aus dem Ausland. Die Ausschreibung startete diesmal Anfang April und lief bis Mitte Mai. Am Anfang erreichten uns tatsächlich sehr wenige Bewerbungen, aber ab Anfang Mai rollte dann die Lawine. Am Ende waren es doch wieder über 300. Erstaunlich viele aus dem Ausland. Aber da war doch eher klar, dass diese einreisen können. Das ist richtig. Aber es gibt bei jeden Begehungen zwei Möglichkeiten der Beteiligung: Entweder als Residenzkünstler*in, die mit einem 4-wöchigen Aufenthalt in Chemnitz verbunden ist, oder als Einsendung. Da bewirbt man sich mit einem einzelnen Kunstwerk, das bei Auswahl dann an uns geschickt wird. Letzteres wäre ja jederzeit möglich gewesen. Bei den Residenzen wollten wir nicht von vornherein Menschen aus bestimmten Ländern ausschließen. Außerdem kamen in den letzten Jahren zahlreiche Einreichungen von ausländischen Künstlern oder Künstlerinnen, die ihren Lebensmittelpunkt aber in Berlin, Leipzig oder Wien haben. Das sind nun mal Zentren der Kunstproduktion. Aber wir haben für diesen Fall noch eine weitere Idee geboren: Die Remote Residency. Das ist quasi unsere Corona-Innovation. Okay, und was verbirgt sich dahinter? Einfach gesagt: Der oder die Künstler*in arbeitet von einem Residenzort in seiner Heimat aus, das Werk wird bei den Begehungen aber real ausgestellt. Wir haben dazu befreundete Kuratoren in Manchester und Ljubljana eingebunden, die ihrerseits uns dann jeweils eine/n Künstler*in aus ihrer Stadt vorgeschlagen haben. Nun freuen wir uns auf Lizz Brady und Danilo Milovanovic. Beide produzieren also eigens ein Werk für unser Festival, natürlich, wie alle Residenzler*innen, im Zusammenhang mit dem Thema „Entwürfnisse“. Apropos „Entwürfnisse“: Wie ist das Thema zu verstehen? Darauf kann sich natürlich erstmal jeder und jede selbst einen Reim machen. Für uns steht dieses Kunstwort stellvertretend dafür, dass die großen Lebenspläne meist nicht funktionieren und das liegt

selten an uns selber. Wir sind nunmal keine isolierten Wesen. Die Auswirkungen der Coronapandemie haben das sehr anschaulich gemacht. Unser Festivalort erzählt genau ein solches „Entwürfnis“: Weite Teile des Gebiets, in dem das Festival stattfindet, wurden erst 1989 fertiggestellt und zehn Jahre später wieder abgerissen, weil keiner mehr dort wohnen wollte. Eigentlich erstaunlich, denn man wohnt da recht idyllisch, mit sehr viel Grün und Blick ins Erzgebirge. Es geht also auch um das Hinterfragen von Stadtplanung? Ja, auch. Chemnitz ist mit seinen stadtplanerischen Kehrtwenden der letzten 120 Jahren ein realexistierendes Entwürfnis. Diesen Aspekt werden wir mit Stadtplaner*innen und Architekt*innen diskutieren. Die Künstler und Künstlerinnen in der Ausstellung und im Festivalprogramm thematisieren dagegen eher individuelle Erfahrungen. Ihr hattet angekündigt, diesmal ein deutlich kleineres Festivalprogramm zu fahren. Wie wird das aussehen? Ganz so abspecken müssen wir nun doch nicht. Es gibt gute und klare Regeln für solche Veranstaltungen und wir haben genug Platz im Außengelände, um diesen Regeln gerecht zu werden. Das Rahmenprogramm findet komplett Open Air statt, es gibt spannende Performances, Lesungen, Gesprächsrunden, die das Festivalthema aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten, und sogar Konzerte. Aber wir haben beim Booking strikt darauf geachtet, dass es keine Tanzmusik ist, denn tanzen ist ja tatsächlich verboten. Deshalb mussten wir auch Abstriche machen. Unseren Wunsch, Trettmann, der aus dem Heckert kommt, auf dem Dach unseres Festivalzentrums auftreten zu lassen, mussten wir fallenlassen. Das geht nicht mit Abstand und ohne tanzen. Welche Regeln müssen die Besucher und Besucherinnen beachten? Das sind die üblichen Regeln, die auch bspw. für den Besuch der Kunstsammlungen gelten. 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen halten, Mundschutz tragen, usw. Es gibt keine Türen, die man anfassen müsste, wir sorgen für eine gute Durchlüftung der Räume, um böse Aerosolwolken gar nicht erst entstehen zu lassen. Die größte Herausforderung wird werden, die klassischen Stoßzeiten, also Samstag- und Sonntagnachmittag aufzufangen. Daher generell die Bitte an unser Publikum, nicht unbedingt genau da anzureisen. Wir installieren übrigens auf unserer Website eine Ampel. Wenn die auf Grün steht, kann man problemlos kommen, bei Rot sollte man einfach mal noch zwei Stunden warten. Werden aber trotzdem viele machen? Richtig, aber da haben wir den Plan, die Menschen klug zu verteilen. Erstmal liegen zwischen


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den beiden Festivalorten, der alten Kaufhalle und dem leeren Plattenbau, gut 500 Meter Weg. Darüber hinaus ist unser Außengelände groß. Und dann bieten wir genau in dieser Zeit verstärkt Rundgänge durch das Wohngebiet an. Der Autor Norbert Engst wird uns dabei unterstützen genau wie das Institut für Ostmoderne. Wie viele Besucher und Besucherinnen erwartet ihr? Eigentlich sind uns Besucherzahlen nicht wichtig. Normalerweise freuen wir uns einfach, wenn es voll ist. Diesmal hoffen wir, dass sich die Besucher-

gruppen gut verteilen. Am meisten freuen wir uns glaube ich, wenn Anwohner und Anwohnerinnen reichlich den Weg zu uns finden. Das wird dann spannend. Die Begehungen sind ja immer auch so eine Art soziale Skulptur, um am Ende auch noch mal Joseph Beuys ins Spiel zu bringen. Anmerkung: Das Interview entstand per E-Mail und enthält daher keine alleinig antwortende Person. Fotos: Johannes Richter

problems bis 1990 als Staatsziel formuliert wurde. Damit begann – begründet mit den Prinzipien des Bauhauses – die großflächige Planung der Plattenbaugebiete. Im Zuge dieses Masterplans entstand auch das Wohngebiet „Fritz Heckert“ in KarlMarx-Stadt (heute: Chemnitz).

Der Festivalort Die größte Plattenbausiedlung von Chemnitz wird die Kulisse für die diesjährigen „Begehungen“ sein. Als Wohngebiet „Fritz Heckert“ – umgangssprachlich auch Heckertgebiet – wurde es ab 1972 in Karl-Marx-Stadt erbaut. Es erstreckte sich über die drei Stadtteile Kappel, Helbersdorf und Markersdorf und war mit knapp 90.000 Einwohnern die drittgrößte Plattenbausiedlung der DDR. Unterteilt war es in die neun Baugebiete 0 bis VIII. Letzteres entstand in den 1980er-Jahren. Dessen zweiter Teilabschnitt war einer der letzten Atemzüge des DDR-Wohnungsbaus. Zu den erst kurz vor der Wende fertig gestellten Gebäuden gehörte das Einkaufszentrum an der Straßenbahn-Endhaltestelle Hutholz. Die mittlerweile seit Jahren verlassene Kaufhalle wird das Zentrum unseres diesjährigen Festivals sein. Zunächst ein kleiner Exkurs in die Geschichte der ostdeutschen Plattenbaugebiete: Mit der Formalismusdebatte zu Beginn der 1950erJahre wurden die Errungenschaften des Bauhauses in Kunst und Architektur abgelehnt. Die Neubauten orientierten sich in der DDR am „sozialistischen Realismus“, der heute unter anderem noch an der Karl-Marx-Allee (ehemals Stalinallee) in Berlin Mitte und Friedrichshain zu finden ist. Bereits ab Mitte der 50er-Jahre wurde zunehmend – vor allem aus ökonomischen Gesichtspunkten – die Industrialisierung des Wohnungsbaus gefordert. Man besann sich zunehmend auf die Ideen des Modernen Bauens, was schließlich darin gipfelte, dass 1971 die Beseitigung des Wohnungs-

Das Festivalzentrum – eine ehemalige Kauf halle – liegt im letzten Teilabschnitt, der erst kurz vor der Wende fertig gestellt worden ist. Die Kaufhalle selbst ist ein Produkt des volkseigenen Wohnungsbaukombinats „Wilhelm Pieck“ Karl-Marx-Stadt. Hier wurden neben den verschiedenen Typenbauten für Wohngebäude auch die Sonderbauten wie Versorgungszentren, Schwimmhallen und eben auch Kauf hallen geplant und landesweit nach gleichem Muster gebaut. Die Kaufhalle war eines der letzten Gebäude, die im Wohngebiet „Fritz Heckert“ fertig gestellt worden ist. Sie eröffnete 1989 und diente als Nahversorgungszentrum. Mit dem gesellschaftlichen Umbruch in der DDR verloren die Plattenbaugebiete in der gesamten DDR an Attraktivität, zusätzlich gab es einen erheblichen Bevölkerungsrückgang durch Abwanderung. Die Folge war ein hoher Leerstand in diesen Siedlungen. Ende der 1990er-Jahre begann ein großflächiger Rück- und Umbau des Wohngebietes. Es wurden ganze Häuserzeilen abgerissen oder auch Gebäude um einige Etagen gekürzt. Insgesamt wurde das ehemalige Fritz Heckert Gebiet (gemessen an den Wohneinheiten) bis 2009 um rund ein Drittel „verkleinert“. Der Umbau und die Umstrukturierung sind im direkten Umfeld des Festivalzentrums gut sichtbar. Die Nachbarschaft rings um die Kaufhalle teilen sich sanierte und unsanierte Plattenbauten mit ganz jungen Neubauten der vergangenen Jahre und den freien Feldern am Rande von Chemnitz. In diesem Spannungsfeld richten wir das diesjährige Festival aus. (MD)

Die Künstler und Künstlerinnen 2020 Ausstellung Christoph Mügge (Malmö) Lena Kemmler (Berlin) Jonathan McNaugton (Leipzig) Sven Bergelt & Kai-Hendrik Windeler (Leipzig) Alexander Sacharow (Berlin) Juliane Meckert & Nadja Hoppe (Berlin/Leipzig) Boohri Park (Dresden) Yiannis Pappas (Berlin) Jana Mertens (Leipzig) Thomas Georg Blank & IŞIK KAYA (San Diego) Michael Heindl (Wien) Andrea Ziegler (Hamburg) Adam Knight (London) Anne Arndt (Köln) Christian Krieter (München) Valeria Drotskaja (Leipzig) Frenzy Hoehne ( Leipzig) Theresa Hattinger (Wien) Constanze Klar (Braunschweig) Florian Schurz (Leipzig) Arijit Bhattacharyya (Weimar) Lizz Brady (Manchester) Danilo Milovanovic (Ljubljana) im Festivalprogramm (u.a.) Dominik Intelmann & Moritz Bachmann (Hutholz/Schweiz) Carolin Krahl (Leipzig) Gudrun Gut (Berlin) (Das genaue Festivalprogramm wird ab Mitte Juli online einsehbar sein) Begehungen No. 17, 13. - 16. August, ehem. Kaufhalle Walter-Ranft-Straße 79 und Wohnblock Friedrich-Viertel-Straße 48-52, www.begehungen-chemnitz.de


12 schon während des Studiums verbrachte er viel Zeit hinter städtischen Tresen mit dem Shaker in der Hand. Nun hat er gemeinsam mit Tobias Tittes sein Hobby zum Hauptberuf gemacht. Als die frühere Bar „Martinic“ an der Hartmannstraße zu Beginn des Corona-Ausbruchs im März die Türen schloss, griffen die beiden zu. Vor Corona und den Auswirkungen der Pandemie auf die Gastro-Betriebe der Stadt haben die beiden wenig Angst. Sie sind, wie sie sagen, optimistisch, dass ihre Bar ihr Klientel in der Stadt finden wird. Auch die späte Neueröffnung kam ihnen zugute. „Wir haben von der Pause profitiert, wir wollten eigentlich schon im April öffnen, nun hatten wir aber mehr Zeit, alles in Ruhe vorzubereiten“, erklärt Tobias Tittes.

Trinken mit Poesie Neue Bar in der Innenstadt Die „Anders“ Bar in den Räumen des ehemaligen Martinic setzt auf hochw e r t i g e G e t rä n k e u n d v e r r ü c k t e Eigenkompositionen. In der neuen Anders-Bar an der Hartmannstraße kann Mensch seit kurzem einen Cocktail trinken, der „Le Vent“ (französisch „Der Wind“) heißt. Dahinter verbirgt sich ein Gemisch aus verschiedenen, teils ausgefallenen Schnapsigkeiten. Unter anderem eine edle Flüssigkeit, die sich „Plum Bitter“ nennt. „Der Name soll dem Drink etwas

die Schwere nehmen“, erklärt Barmann Toni Steiger, der Erfinder von „Le Vent“. Die Idee für den Cocktail sei ihm auf einem Cocktailwettbewerb, gekommen. „Damals hatte ich einen anderen Drink mit spanischem Brandy – der hieß „Wind“ auf spanisch“, erklärt er. Mittlerweile habe er den Brandy aber gegen französischen Armagnac getauscht und auch den Namen in diese Landessprache übersetzt. „Le Vent“ ist Teil einer ganzen Reihe von sogenannten „Signature Drinks“, von Toni Steigers Eigenkreationen. Der 29-Jährige ist eigentlich studierter Wirtschaftsingenieur, doch

Nach kleinen Umbauarbeiten wurde am 11. Juni ein sogenanntes Soft-Opening gefeiert, eine Woche später ging es dann richtig los. Der Schwerpunkt soll klar auf den Getränken liegen. Daher können sich Steiger und Tittes auch gut vorstellen, künftig Barleute aus anderen Städten einzuladen, die jeweils für einen Abend ihre besonderen Drinks mischen. Die sollen nämlich immer wieder „anders“ ausfallen, so sagt es schon der Name der Bar. Wenn es nach Toni Steiger geht, soll kein Gast unzufrieden nach Hause gehen. „Wenn jemanden die Karte überhaupt nicht zusagt, sind wir gerne bereit, auf seine Wünsche einzugehen“, erklärt er. Text: Sarah Hofmann Foto: Michael Chlebusch Anders-Bar, Hartmannstraße 7 d, Mo-Do ab 18 Uhr, Fr & Sa ab 19 Uhr

Geh zu Diner Mutter Haus sucht Helfer Zugegeben: Dieses Projekt klingt doch sehr nach Born in Wolkenkuckucksheim. Aber wenn alles so klappt, wie es sich Sylvia Pohlers und Daniel Schneider vorstellen, hat es das Zeug zu etwas ziemlich Coolem. Aber der Reihe nach: Zunächst ist da Sylvia Pohlers. Die Meeranerin hat ihren Job als Textilingenieurin an den Nagel gehängt, um in Chemnitz ein Generationencafé namens „Diner Mutter“ zu eröffnen. In diesem Lokal auf dem südlichen Sonnenberg will sie bei Kaffee und Kuchen Menschen jeden Alters zusammenbringen. Stillraum und Spielecke sollen dabei auch junge Familien anlocken. Der Name des Cafés ist das Resultat eines Abends, an dem Sylvia mit ihrem Lebensgefährten Daniel über „Deine Mutter“-Witze scherzte. „Wo wollen wir uns treffen?“ „Lass uns doch zu „Diner Mutter“ gehen.“ Ihr Lebensgefährte Daniel Schneider ist ein bekanntes Gesicht in der Chemnitzer Kulturszene. Als Geschäftsführer des KulturTragWerks Sachsen e.V. war er in den vergangenen Jahren

einer der Köpfe hinter dem Urban-Art-Festival Ibug. Nun will der Verein ein leerstehendes Eckhaus mit Leben füllen. Jazie soll es heißen, weil es an der Ecke Jakob- zur Zietenstraße steht. „Diner Mutter“ soll dabei im Erdgeschoss so eine Art Basisfunktion zukommen. Über dem Café sollen Wohnungen, Atelier-Räume, ein Hostel, Meeting- und Upcyclingräume entstehen. „Das Haus wird eine Mischung aus Wohnund Hobby-Haus“, ergänzt Daniel Schneider. „Versierte Hobbyhandwerker sollen darin auch allein und eigenverantwortlich arbeiten können. Jeder soll sich ausleben können.“ Um das Projekthaus über die nächsten Jahre hinweg entstehen zu lassen, sind die beiden auf Fördergelder und Spenden angewiesen. Außerdem suchen Sylvia und Daniel jede Menge helfende Hände. „Wenn du dich mit Elektro-, Sanitär- oder Heizungsinstallation, mit Mauern und Verputzen oder Fensterbau, mit dem Verlegen von Fliesen und/oder Fußbodenbelägen, Malern oder Landschaftsbau auskennst, würden wir uns freuen, wenn du uns mit Rat und Tat zur Seite stehst“, beschreibt Daniel die umfangreichen To-do-List auf der Jazie-Facebookseite. Sowohl das Generationencafé als auch das Projekthaus sollen noch dieses Jahr eröffnen. Interessenten

können sich gerne via Facebook über „JaZie-Projekthaus“ bei Daniel und Sylvia melden. Text: Paula Thomsen / Lars Neuenfeld


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Vom Club zum Label Bands nutzen Club als Tonstudio Mit seinem Soli-Sampler hilft das Tesla sich selbst und Flüchtenden in Griechenland. Die kleine Schwester macht wieder Randale in der Stadt. Also natürlich nur die voll nette Art Randale, bei der sich die Nachbarn nicht beschweren müssen. Die Schwester heißt Balboa und hat gerade ihren ersten Geburtstag gefeiert. Während der große Bruder Nikola Tesla wegen Corona noch ne Entschuldigung von den Eltern hat. Und, so befürchtet Erzeuger Sir Henry, dass er auch für den Rest des Jahres wahrscheinlich keine Freunde mehr zu sich einladen darf. Damit ihm nicht langweilig wird, während im Balboa Außengastrobereich Gott sei Dank wieder die Negronis und Whiskey Sours fließen, hat der Tesla ein neues Hobby: Musik machen. Es ging natürlich damit los, dass die TeslaCrew kein Einkommen hatte aber auch nicht einfach nur nach Geld fragen wollte. Und so ein Soli-Sampler ist zwar keine neue Erfindung, aber immer noch eine echt gute Idee, wenn es um gute Musik geht. Das Besondere an diesem Sampler ist, dass da nicht nur Tesla drauf steht (eigentlich weiß ich jetzt gar nicht, ob das da irgendwo drauf steht - kauft den mal lieber und guckt nach) – das Besondere ist, dass der Sampler schwer nach Tesla klingt, weil er nämlich live dort eingespielt wurde. Flatty, der Haustontechniker, hat im Mai in drei Sessions mit je zwei Bands jeweils zwei Songs im Club aufgenommen. Der rohe Sound der Location war ihnen dabei wichtig. Weswegen die Aufnahmen wie ein Konzert mikrofoniert und mit Raumklang angereichert wurden.

Zusammen sind das dann 12 teils unveröffentlichte Tracks von Suralin, Integral, Mvrmansk, L‘appel Du Vide, Beam Orchestra und Nowaves. Die kommen jetzt auf ein Tape. „Wird schick werden“, sagen die Macher. Und wenn es schick genug wird, ist das auch der erste erfolgreiche Schritt auf dem Weg zu einem neuen Angebot des Clubs. Der ja, wie gesagt, wohl in diesem Jahr kein Club mehr sein wird und deshalb jetzt auch für Musikaufnahmen zur Verfügung steht. Erste Anfragen von Bands gibt es schon. Um das Angebot abzurunden, hat sich das Team gleich eine Siebdruckmaschine angeschafft, so könnt ihr noch den passenden Merch zur Aufnahme und Produktion eures Albums mitnehmen. Damit das neue Label komplett wird, fehlte also nur noch der Name: „It‘s 11 Records“. Ab August könnt ihr die erste Produktion von It‘s 11 dann als Kassette im Underworld oder Balboa erwerben oder auch als Download, wenn

Text: Michael Chlebusch Foto: It‘s 11 Records

Liebe LeserInnen, d ie s e S o n d e r au s g a b e e nt s t a n d au fg r u nd der Tatsache, dass es z.Z. zu wen ige Vera nsta ltu ngen in Chemnitz und Umgebung gibt. Deshalb entfällt unser gedruckter Veranstaltungskalender. P.S. Unser Online-Kalender unter 371stadtmagazin.de und in der 371APP wird tagesaktuell geführt und sagt euch immer, was gerade los ist. Probiert es aus! IMPRESSUM Cartell – Werbeagentur & Verlag GmbH Zwickauer Straße 132 09116 Chemnitz Fon 0371 3 55 030 Fax 0371 3 55 03 14 info@371stadtmagazin.de Geschäftsführung: Thomas Lehmann, Lars Neuenfeld

Notstrom für den Plattenkeller Mit einem eigens produzierten Doppel-Sampler will die lokale Szene der Elektronischen Musik „Spektrum“ die Chemnitzer Clubs unterstützen. Mit guten Ideen fängt‘s manchmal schon beim Namen an. Während es in den Chemnitzer Clubs zappenduster ist, wirft das ElektromusikNetzwerk Spektrum seinen Sampler Notstrom an, der den Heimstätten ihrer Kunst ein bisschen durch die Krise helfen soll. Die Idee zum Soli-Tonträger entstand im April, zwischen den Netzwerkern Octavio, Chris, Bastian und Kokoro, die daraufhin begannen, Tracks in der lokalen Szene zu sammeln, Design, Mastering und Produktion anzukurbeln. Aus 36 Einsendungen wählten sie 26 Titel aus, die zu gut zwei Drittel eigens für den Sampler aufgenommen

euer Smartphone noch kein Kassettendeck hat. Und weil Soli durch Zusatzsoli noch besser wird, gehen 3 Euro von jedem Tape an die Hilfe für Flüchtlingscamps in Griechenland.

wurden und allesamt Spenden der Künstler*innen an die Clubs sind. Ab dem 9. Juli soll das Doppelalbum dann schon zu kaufen sein. Es erscheint auf dem jungen Chemnitzer Tapelabel IN.EX. Allerdings ausnahmsweise nicht als Tape, sondern entweder als CD beim Underworld oder als Download bei Bandcamp. Das Medium sei, was Spieldauer, Verbreitung und Kosten angeht, hier einfach am effektivsten, schließlich sollen die Gewinne über den Hand in Hand e.V. an die lokalen Clubs weitergereicht werden. Bei den Produktionskosten half das städtische Kultur-Sichtbar-Programm. Weitere Infos mit Links zum Reinhören unter: spektrum-chemnitz.de

Verlags- und Redaktionsleitung: Lars Neuenfeld Fon 0371 35 50 312 Programmredaktion online: Lisa Kühnert Red. Mitarbeiter dieser Ausgabe: Sarah Hofmann, Jan Kummer, Nina Kummer, Paula Thomsen, Michael Chlebusch, Peter Altmann, Nina Fitterling, Illustration, Satz & Layout: Kai Rösler, Christian Selent Titelfoto: Dirk Hanus Druck: Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co KG Auslage: Gastronomie, Kultur- und Szenelocations in Chemnitz Redaktions-& Anzeigenschluß: Ausgabe 09/2020 17.08.2020


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Gegenstände gesucht Die Pochen-Biennale widmet sich in ihrer zweiten Auflage dem Thema Treuhand. Ein dickes Brett, zweifellos, aber das Team vom Spinnerei e. V. scheute ja schon beim ersten Festival vor zwei Jahren keine Fallhöhe. Damals ging es um die Wismut SDAG. Genau wie 2018 geht es auch diesmal darum, solch emotional aufgeladene Themen nicht einfach „nur“ zu verkunsten. Geschichten, Erzählungen, Objekte, die mehr über das Thema erzählen, sollen genauso Bestandteile der Biennale sein. Daher wird neben der Ausstellung unter Beteiligung internationaler Künstler*innen eine weitere Ausstellung in der Nachbarschaft

zur großen Halle des Wirkbaus stattfinden. Dort soll in Zusammenarbeit mit der Berliner Initiative „Museum für Werte“ eine Ausstellung entstehen, die anhand von Gegenständen und den damit verbundenen Erlebnissen das bisweilen brisante Wirken der Treuhandanstalt nachvollziehbar macht. Wer etwas zu erzählen hat, kann mitmachen. Ausgangspunkt der Erzählung soll ein Gegenstand sein, von welchen ein Foto angefertigt werden muss. Dieses Foto samt Geschichte kann dann einfach an die PochenMenschen geschickt werden. Wie und wohin ist auf pochen.eu/museum-fuer-werte beschrieben. Die Biennale unter dem Titel „Preis der Zukunft“ wird vom 22.10 — 01.11. 2020 stattfinden. (LN)

Mobiles Musizieren „Wir vom Mobilen Kinderproberaum bieten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, sich an unterschiedlichen Instrumenten auszuprobieren. Gerade der Erstkontakt mit Gitarre, Schlagzeug, Keyboard, etc. ebnet den Weg zur einer bewussteren Wahrnehmung von Musik und steigert das Interesse am Musizieren“, erzählt Sven Heinrich, der Projektleiter des Mobilen Kinderproberaums. Normalerweise wird Heinrich mit seiner mobilen Zeltfläche von 18 qm für verschiedenste Veranstaltungen gebucht. Da aber fast alle geplanten Veranstaltungen für den Sommer 2020 gecancelt wurden, suchte sich der Projektleiter eine Alternative. „So haben wir mit der Bürgerplattform Chemnitz Mitte-West das Projekt „GROOVY KIEZKIDS“ gestrickt, bei welchem wir in den Chemnitzer Stadtteilen Altendorf, Kaßberg und Schlosschemnitz

jede Woche einen Mobilen Kinderproberaum, natürlich nach aktuell geltenden Abstands- und Hygieneregeln, veranstalten.“ Kindern und Jugendlichen werden Gitarren, Bass, Schlagzeuge, Keyboards, Djembes, Cajon, Geige, Mikrofone und zahlreiche PercussionInstrumente zur Verfügung gestellt. „Da wir selbst Musiker sind, können wir die Faszination der Kinder für die Instrumente sehr gut nachvollziehen. Uns ist wichtig, dass die Kinder das Instrument ihrer Wahl auf ihre ganz eigene, ungezwungene Art und Weise erforschen.“, fügt der Gitarrist der Band Superflät hinzu. Wer schon einen kleinen Vorgeschmack haben möchte, ist am 11. und 12. Juli 2020 herzlichst auf den Brühl eingeladen. (PT)

Viele gute Gründe sprechen für Stoffwindeln. Und mit dem Chemnitzer Windelservice gibt es nun auch keine Ausreden mehr. Warum interessierst du dich für das InnenStoffwindeln leben von Garagen? … sind hautverträglich und ohne Chemie. Ich bin ...imsind Heckert groß vermeiden geworden Müll und da war nachhaltig, so ein riesiger Garagenhof bei unserem Haus. und schonen Ressourcen. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass dort nur … unterstützen eine gesunde selten Autos rausfahren. Die Frage, was stattHüftentwicklung und beim Trockenwerden. dessen in diesen Garagen drin ist, beschäftigt mich also schon lange und war Ausgangspunkt für die Fotoprojekt-Idee. Das Beste für

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Sackgassen zu Toren Ausstellungsprojekt belebt öffentlichen Raum Mit der Gestaltung des öffentlichen Raumes will das Ausstellungsprojekt GEGENWARTEN | PRESENCES die Auseinandersetzung der Stadt mit sich selbst künstlerisch anstoßen. Der Sommer der Verschiebungen (so wird der offiziell in den Geschichtsbüchern heißen) ging auch nicht spurlos am seit langem geplanten stadtweiten Ausstellungsprojekt GEGENWARTEN | PRESENCES vorbei. Am 15. August soll es mit einem Soft Opening aber endlich losgehen. GEGENWARTEN | PRESENCES ist ein Ausstellungsprojekt der Kunstsammlungen, das bis zum 25. Oktober im öffentlichen Raum von Chemnitz stattfindet und auf ebendiesen reagiert. Gezeigt werden Projekte von 20 internationalen Künstler*innen und Kollektiven, die sich in ihren ortsspezifischen Arbeiten – Interventionen und Skulpturen, Installationen und Performances – mit den jeweiligen gesellschaftlichen, politischen und urbanen Fragen der Stadt auseinandersetzen. Die Ideen dazu entstanden bereits im Sommer 2019 in einem Workshop, in dessen Rahmen die Künstler*innen Chemnitz besuchten. Die Ideen, die nun umgesetzt werden, nutzen vor allem vorhandene Strukturen und Orte als eine Art Anker für die künstlerische und gestalterische Auseinandersetzung mit der Stadt, ihrer Geschichte und natürlich ihren Gegenwarten. Sie rücken dabei auch und gerade solche Orte ins Blickfeld, die wir als Passanten oft links liegen lassen. Etwa die Bretgasse, die zwischen Bahnhofstraße und Markt an der alten Post vorbei führt. Eine Art unansehnlicher Hinterhof mit Tiefgarage und Betonpflaster. Diesen Platz wollen die Landschaftarchitekten von atelier le balto mit Bepflanzungen und Aufenthaltsmöglichkeiten vom Durchgangs- zum Verweilort transformieren. So ein Durchgangsort ist auch der Blinddarm der Brückenstraße, an deren Ende die namensgebende Brücke durch einen Asphaltplatz und Parkplätze von der sozialistisch geplanten Infrastruktur getrennt wird. Hier will die niederländische Künstlergruppe Observatorium mit dem Projekt Wandelgang ein Tor mit drei Portalen schaffen. „Wir versuchen, Raum zu schaffen für individuelle Erfahrungen inmitten von sozialen, ökonomischen oder ökologischen Zusammenhängen, sei es in der Dichte einer Stadtlandschaft, in einem öffentlichen Park oder im offenen ländlichen Raum. Schlussendlich halten wir es für notwendig, öffentliche Räume zu gestalten, die diese unterschiedlichen und getrennten Welten verbinden und Parameter für eine individuelle Erfahrung zu entwickeln“, beschreibt das Kollektiv seinen

Ansatz. „Was beginnt am Ende, was hört am Anfang auf ?“, fragt ein Schriftzug auf den Toren hintersinnig. Mit Worten wendet sich auch Mischa Kuballs Werkgruppe „public prepostion“ in iher Arbeit LOB DER MENSCHEIT an die Chemnitzer*innen. Ausgehend von der vierteiligen Reliefgruppe Lobgedichte, die zu Beginn der 60er an der Brückenstraße entstanden. Diese Skulpturen setzten dereinst Bertolt Brechts fünf Lobgedichte nach den Entwürfen von Joachim „Jo“ Jastram künstlerisch um. Das Gegenwarten-Projekt greift diese Arbeit in zwei Teilen auf. Einerseits mit einer offenen Bühne, die an der Brückenstraße aufgebaut wird und dazu einlädt, sie zu betreten. Dahinter stehen die Kernfragen: Was ist ein öffentlicher Raum und wem gehört die Stadt? Im Anschluss soll sich zeigen, ob und wie diese Bühne genutzt wird. Auch zum Projekt gehörend ist eine sich quasi selbst bespielende Bühne: die LED-Wand am Hauptbahnhof. Sie wird Auszüge ausgewählter Gedichte und Texte, u.a. von Bertolt Brecht, Jacques Lacan, Hannah Arendt und Paula Irmschler zeigen – eine breitbandige Auswahl, wurde letztere doch erst unlängst mit ihrem ChemnitzRoman „Superbusen“ bekannt. Bis Ende Oktober werden die Besucher*innen und Passant*innen so an Orten rund um die erweiterte Innenstadt entweder durch Kunst überrascht oder sie folgen einer Route, die

sie von den Kunstsammlungen am Theaterplatz durch und um die Innenstadt, über den Sonnenberg zum Chemnitzufer am Weltecho führt. Die Arbeiten folgen den verschiedensten Ansätzen und Sparten. Dabei sind unter anderem eine Komposition für das Carillon, Filmarbeiten (etwa ein Film nach dem HeymRoman „Schwarzenberg“), ein beleuchtetes im Schlossteich versenktes Auto, die Umgestaltung der Bazillenröhre, Texttafeln, Plakatierungen und Galerien. Informationen zum Programm gibt es voraussichtlich ab August unter: gegenwarten.info Text: Michael Chlebusch Anzeige


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GEROME RAGNI UND JAMES RADO MUSIK VON GALT MACDERMOT DEUTSCHE DIALOGE VON NICO RABENALD

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Ausstellungen Alte Schule zu Hennersdorf Augustusburger Straße 14 09573 Hennersdorf 22.05. – 04.10. Ausstellung mit Kupferstichen von Baldwin Zettl und Bronzeplastiken von Erik Neukirchner e.artis Theaterstr. 58 e-artis.de ab 10.07. Hanna Nitsch / MATRIX FEMININ – Die Mutter aller Bilder - Ikonografische Befragung weiblicher Rollenbilder In Chemnitz werden insgesamt 15 Arbeiten verschiedener Techniken zu sehen sein. Nitsch wählte zunächst hauptsächlich die Zeichnung als Medium – kraftvolle Tuschefarben prägen beispielsweise die perfekt inszenierten Porträts ihrer Kinder. In den letzten Jahren erweiterte sie ihr Repertoire, experimentiert mit Grafik und Keramik und Video. In ihren aktuellen fotografischen Arbeiten spürt man die Lust an der Revision jahrhundertelang eingeübter, vor allem durch die männlich geprägte Kunstgeschichte definierter visueller Codes, sowie an Travestie und Maskerade, die mehr enthüllt als verbirgt.

Galerie Borssenanger Straße der Nationen 2-4 www.borssenanger.de bis 11.07. „Am Strand“ – Malereien von Omar Osten. Galerie Oben Heinrich-Beck-Straße 35 galerieoben.com bis 04.07. – Malerei und Papierarbeiten von Oliver Kossack. 04.07. – 26.09. Leipziger Kunst 3x3 – Fotografie, Malerei, Papierarbeiten Galerie Weise Rosenhof 4 galerie-weise.de 10.06. - 08.08. FORM. FARBE. CHEMNITZ. - Gemälde von LYDIA THOMAS und Stahlskulpturen von WOLFRAM SCHNEIDER. Anlässlich der Ausstellung erschein eine Publikation mit dem Erstdruck des Essays von HANS BRINKMANN „Wo die Einfälle herkommen“, Kunstsammlungen Chemnitz Theaterplatz 1 kunstsammlungen-chemnitz.de bis 05.07. „Paris 1930 - Fotografie der Avantgarde“ - Die Ausstellung

Galerie e.artis: Hanna Nitsch „following my exotic destiny/ artemis“, 2018 FineArtDruck auf FotoRag

vereint Schlüsselwerke der Zeit, unter anderem von Man Ray, Brassaï, Florence Henri, André Kertész und Germaine Krull aus namhaften internationalen Sammlungen. Gezeigt werden aber auch hierzulande weniger bekannte Positionen wie JacquesAndré Boiffard, Eli Lotar und Jean Painlevé. 25.07. – 25.10. „Im Morgenlicht der Republik” – 100 Jahre Kunstsammlungen Chemnitz Mit Arbeiten vom Mittelalter bis zur Gegenwart, die aus den Gattungen der Malerei, Plastik, Grafik und Textilkunst stammen, wird ein Einblick in die historisch gewachsenen und vielfältig angelegten Sammlungen gegeben. Dabei bilden Werke der Romantik, des Impressionismus und der klassischen Moderne konzeptionelle Schwerpunkte. Inhaltlich werden die in den 1920er Jahren im KönigAlbert-Museum eingerichtete und deutschlandweit bekannte Galerie der Moderne und die Verluste während des Nationalsozialismus ebenso wie die unterschiedlichen Erwerbungsstrategien im Wandel der Zeit thematisiert. Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser Falkeplatz kunstsammlungen-chemnitz.de 19.05. – 02.08. – Christiane Bergelt. In ihren ausdrucksstarken Gemälden vermischen sich Fläche und Bildraum. Gestische Ausdruckskraft, manchmal als Schrift entzifferbar, ein anderes Mal verschlüsselt als zeichnerisches Element, trifft auf präzise Konstruktion. bis 23.08. „Otto Dix und die neue Sachlichkeit“ - Nach expressionistischen, futuristischen und dadaistischen Anfängen im künstlerischen Werk von Otto Dix kommt es um 1921 zu einer spürbaren formalen Beruhigung. Der Künstler entwickelt einen ganz eigenen kritischen Realismus, der altmeisterliche Technik mit beißender Gesellschaftskritik verbindet, und wird zu einem der bedeutendsten Protagonisten der Neuen Sachlichkeit. Kunstsammlungen Chemnitz - Schloßbergmuseum Schloßberg 12 kunstsammlungen-chemnitz.de bis 30.08. „und neues Leben blüht aus den Ruinen!“ - Anhand vielfältiger Dokumente, Fotografien, Filme, Modelle und Objekte schlägt die Ausstellung den Bogen von der pulsierenden VorkriegsCity über die alliierten „Air Raids“ von Februar bis April 1945 hin

zum Wiederaufbau, dessen erste Etappe 1954 mit der Bebauung der Inneren Klosterstraße abgeschlossen wurde. Lokomov Augustusburgerstr. 102 „#Fensterkunst“ – Zu sehen sind neun fensterformatfüllende Arbeiten der Künstler:innen Vivien Nowotsch, Daniel Jantsch, Anatoli Budjko, Henrike Schmitz, Uwe Mühlberg, Irini Mavromatidou, Katharina Bloch, Mandy Knospe, und Lysann Nemeth. Museum für sächsische Fahrzeuge Zwickauer Straße 77 fahrzeugmuseum-chemnitz.de 07.02. – 04.10. „Fix voran mit Frontantrieb – 90 Jahre DKWRennwagen” - Gezeigt werden in der Sonderausstellung eine Auswahl an Werksrennern, Rekordwagen, privaten Sporteigenbauten und Kinderrennautos aus drei Jahrzehnten. Neue Sächsische Galerie Moritzstraße 20 neue-saechsische-galerie.de bis 06.09. „aquarell“ - Der heutige Blick auf das Aquarell sieht ihren wesentlichen Charakterzug im Malerischen. Das war nicht immer so. In der Tradition der Sammlungen wird es neben der Grafik bewahrt, der Zeichnung verwandter gesehen. Die Ausstellung zeigt neben der unverdrossenen Arbeit am klassisch gewachsenen Maßstab, vor allem jüngere Künstler*innen als Entdecker*innen und unkonventionelle Experimentator*innen und sie zeigt Versuche, in der Ökonomisierung durch Innovation eine Chance zu gewinnen. Smac Stefan-Heym-Platz 1 smac.sachsen.de Dauerausstellung: Archäologische Exponate zeigen die Entwicklung Sachsens bis 12.07. „Leben am Toten Meer. Archäologie aus dem Heiligen Land“ Wasserschloß Klaffenbach Wasserschloßweg 6 bis 26.07. „Schriftkunst“ - Die Kalligraphin und Kuratorin der Ausstellung Christiane Kleinhempel führt in die Kunst der Schrift und Zeichen ein und präsentiert spannende Werke aus ihrer Arbeit. 01.08. – 25.10. Silbertriennale International. 19. Weltweiter Wettbewerb


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371 / WEB-APP-MAG / SONDERAUSGABE – JULI/AUGUST 2020

Letzte Frage

Gesellschaft von hunderten Te i l n e h m e r n g e s e h e n , dar unter A f D -A n hänger, Corona-Leugner, Impfgegner und Antisemiten. Das kam in der Öffentlichkeit und in seiner Partei gar nicht gut an. Einmal Geschmack am Rücktritt gefunden, gab er kurze Zeit später seinen Posten im FDPBundesvorstand auf.

Herr Kummer gibt Antwort Lieber Herr Kummer, Wirtschafts minister Möllemann trat einst zurück, weil er auf Ministeriums-Briefpapier für den Pfandchip seines Vetters geworben hatte. Bundespräsident Horst Köhler ließ das Amt sausen wegen eines unglücklich gestammelten Interviews, sein Nachfolger Wulff stolperte über ein Buggycar. Ich finde, früher war irgendwie mehr Rücktritt. Ob Oehme, Amthor, Weidel – warum ist der Rücktritt vom politischen Amt so aus der Mode gekommen?

P h i l i p p A m t h o r, d i e s e r unbedarfte Lausbub aus einfachen Verhältnissen, der dem Glamour geheimnisvoller Firmen erlag und auf falsche Freunde hörte, tritt immerhin von seiner Kandidatur für den CDU-Landesvorsitz in Mecklenburg-Vorpommern zurück. Apropos falsche Freunde, im coolen Freundeskreis des Unternehmens „Augustus Intelligence“ finden sich Rücktrittsprofis wie der große Plagiator Karl-Theodor zu Guttenberg und der peinliche Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen. Vielleicht zählt in diesem Männerbund ein gepflegtes Scheitern als Aufnahmekriterium.

Keine Bange, der Rücktritt kommt so schnell nicht aus der Mode. Ein schönes Beispiel ist der zügige Abgang des Thüringer FDP-Politprofis Thomas Kemmerich. Er blieb nur sagenhafte 25 Stunden offizieller Ministerpräsident. Nach dieser nervenaufreibenden Zeit musste der Ex-Landesvater unbedingt spazieren gehen – leider mit den falschen Leuten. In Gera verirrte er sich auf eine Demonstration gegen die pandemiebedingten Beschränkungen. Hier wurde Kemmerich in

In Chemnitz gab es zugegebenermaßen schon lange keinen spektakulären politischen Rücktritt mehr. Wer erinnert sich an CDU-Oberbürgermeister Dieter Noll? Er war in unserer Stadt Anfang der neunziger Jahre tätig und musste wegen Kompetenzüberschreitung und Korruptionsvorwürfen sein Amt niederlegen. Immerhin wurde in dessen kurzer Amtszeit durch seine persönliche Intervention der Abriss des Gebäudes der

Harlaß-Gießerei verhindert, in dem sich heute das Industriemuseum befindet. Keinerlei Nutzen hatte der Auftritt von Dieter Jörg List von Pro Chemnitz anlässlich eines Besuchs von Angela Merkel in unserer Heimatstadt. Er sorgte im Jahr 2018 für unfreiwillige Komik, als er die Bundeskanzlerin in der Hartmannhalle mit bebender Stimme öffentlich zum Rücktritt aufforderte. Vergebens, wie wir wissen, ist die Kanzlerin immer noch im Amt. Herr List trat übrigens später selbst zurück, vom Amt des Heimatzeitungs-Abonnenten. Nach 40(!) Jahren treuer Leserschaft erklärte er in einem eigens angefertigten Video seine Beweggründe und kippte dramatisch mehrere Säcke zerissener Zeitungsexemplare in das Foyer der „Freien Presse“. Die Zeitung konnte den Abo-Rückschlag verkraften, ob List Reinigungskosten in Rechnung gestellt wurden, entzieht sich meiner Kenntnis. Herr Oehme und Frau Weidel wiederum sind Mitglieder einer Truppe, deren Parteisoldaten bei Verfehlungen ihrer Funktionsträger stets ein Auge zudrücken. Ob ultrarechte Verbindungen, Schmusen mit Diktatoren, Spendenaffären oder Postenschiebereien, die AFD ist moralisch ohnehin im Keller, hier sind Rücktritte überflüssig. Grundsätzlich bin ich unbesorgt. Hochstapeleien, Bonus-Affären, Fehlgriffe, Betrug, Entgleisungen, Rücktritte und Rücktrittsforderungen werden uns auch in Zukunft begleiten und gut unterhalten. Auch ein Frage an Herrn Kummer? Mail: letztefrage@371stadtmagazin.de

Life-Style: Verwetten Sie ihren Bausparvertrag. Sie lieben es, gewagt zu leben. Job: Erfolg hat drei Buchstaben: T-U-N.

Horoskop Schütze
 23.11. - 21.12.
 Love: Sie verlieben sich in einen Bauarbeiter der ihnen hinterherpfeift. Life-Style: Fluten Sie ihre Garage. Die Badesaison steht bevor. Job: Eröffnen Sie in der ehemaligen Galerie Kaufhof ein Wildgatter oder Europas größte Apotheke. Steinbock 
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Job: Wenn die Sterne richtig stehen, erhalten Sie keine Spam-Mails mehr. Fische
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zum Fashion-Gott. Job: Machen Sie ein Work & Travel auf einem Erdbeerfeld in Brandenburg. Zwillinge
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 Love: Amouröse Komplikationen sind die Mitgift von Venus.

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 Love: Gehen Sie diesen Monat keinem Flirt aus dem Weg. Life-Style: Halten Sie Ihren Partner an der kurzen Leine. Job: Jeder Mensch ist der Architekt seiner eigenen Zukunft. Waage 
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 Love: Ihr Traumpartner betritt die Bühne. Sie wissen es, er ist der Richtige. Vorhang zu. Ende. Life-Style: Veranstalten Sie ein Balkonkonzert mit ihren Kochtöpfen. Die Nachbarschaft freut sich. Job: Der Chemnitzer SchlüpferMarkt benötigt Sie dringend als Werbegesicht. Skorpion 
24.10. - 22.11.
 Love: Aus Freundschaft könnte mehr werden. Life-Style: Das digitale Leben liegt Ihnen zu Füßen. Job: Wer seine Schweißtropfen zählt, wird nie Geld zählen.


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13. bis 16. August Heckertgebiet Endhaltestelle Hutholz

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371 Stadtmagazin Juli / August 2020  

Stadtmagazin Chemnitz Juli / August 2020, Extrablatt Chemnitz - Chemnitz NEWS

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