Page 1

Beerdigt – und doch nicht tot Die Rückkehr der Dipl.Ings


Obwohl von der Bolognareform gar nicht beabsichtigt, ist der Diplomabschluss im Zuge dieser an den deutschen Universitäten weitgehend abgeschafft worden. Jetzt erlebt der Abschluss eine ungeahnte Renaissance – wenn auch nicht überall.

Beerdigt – und doch nicht tot Die Rückkehr der Dipl.Ings

zehn Semestern einen Masterabschluss erlangen. Bereits im kommenden Sommer würden 14 Studenten, die sich im Moment im siebten Semester befinden, ihre Diplomarbeit schreiben. Der ebenfalls an der Fakultät für Elektro- und Informationstechnik angesiedelte Studiengang Multimediatechnik will nach Aussage des Prorektors für Marketing und Internationale Beziehungen Michael Hösel nachziehen. Allerdings sei es bisher nicht geplant, das System flächendeckend an der Hochschule Mittweida einzuführen: „Das Ganze ist ein Alleingang der Fakultät für Elektro- und Informationstechnik und zudem ein Versuch.“ Dekan Schulz zufolge könne man mit dem Stufensystem im Bolognaprozess bleiben und zeitgleich den weltweit gefragten Titel Diplomingenieur erhalten.

Run auf Diplomstudiengänge in Dresden Im Detail ist dieses Verfahren in Sachsen einzigartig, in der Sache reiht es sich aber in die Bestrebungen einiger anderer Universitäten ein, dass Diplom wieder oder weiterhin zu verleihen. So zum Beispiel an der Universität Leipzig. In drei Studiengänge mit dem Abschluss Diplom können sich Studienanfänger hier immatrikulieren, darunter beispielsweise in Mathematik. Pressesprecherin Manuela Rutsatz zufolge haben sich zum Wintersemester 2010/11 193 Studenten in die Diplomstudiengänge eingeschrieben, demgegenüber hätten etwa 2.500 Studierende ein Bachelorstudium aufgenommen. An der Technischen Universität Dresden wurde zum Wintersemester 2010/11 sogar in 15 Diplomstudiengänge neuimmatrikuliert. Die Hochschule Mittweida war wohl die vorerst letzte sächsische Hochschule, die das totgeglaubte Diplom wiederbelebte. Im November verkündete der Dekan der Fakultät für Elektro- und Informationstechnik Christian Schulz gegenüber der Freien Presse, es werde im Studiengang Elektrotechnik künftig ein abgestuftes Abschlusssystem geben. So könne man nach sechs Semestern Studium einen Bachelor-, nach acht Semestern einen Diplom- und nach 2

Insgesamt haben sich laut Pressesprecherin KimAstrid Magister 2.000 Studenten für die Aufnahme eines Diplomstudiengangs entschieden, allein knapp 600 davon für Maschinenbau. Für die Einführung der modularisierten und damit Bologna-kompatiblen Diplomstudiengänge war unter anderem der neue Rektor der Universität Hans Müller-Steinhagen verantwortlich. Die Streichung des Abschluss Diplomingenieur, so Steinhagen im


Juli gegenüber dem Deutschlandfunk, sei ein großer Fehler: „Damit hätten wir eine Gleichmacherei, die unseren Absolventen eigentlich schaden würde, weil unsere Abschlüsse auch anders sind als vergleichbare Bachelor- oder PhD-Abschlüsse.“ Sachsens Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) begrüßte den Schritt – nicht ohne im gleichen Atemzug darauf hinzuweisen, dass die Studiengänge natürlich trotzdem den Anforderungen des Bolognaprozesses entsprechen, also eine Stufung und Modularisierung enthalten müssten.

Diplom hat schweren Stand an der TU Chemnitz Was in Leipzig, Dresden und Mittweida funktionierte, scheiterte in Chemnitz: Die hiesige Fakultät für Mathematik versuchte zwei Jahre lang einen modularisierten Diplomstudiengang einzuführen. Der erste Versuch scheiterte dem Prorektor für Lehre und Forschung Albrecht Hummel zufolge an einer fehlenden Stufung, ein zweiter Anlauf schaffte es nicht zur Abstimmung im Senat. In der Folge konnte zum Wintersemester 2010/11 nicht in die Studiengänge Technound Wirtschaftsmathematik immatrikuliert werden, nur insgesamt 33 Studenten schrieben sich neu an der Mathe-Fakultät ein. Die Schuld dafür trägt laut Mathe-Fachschaftsratmitglied Christian Jantz die Universitätsleitung, die sich in einer „diktatorische Grundsatzentscheidung“ gegen das Diplommodell ausgesprochen habe. Dabei, so Jantz, sei es der Fakultät nicht mal so sehr um den Namen, sondern um mehr Flexibilität gegangen – die im klassischen Diplom noch gewährleistet gewesen sei. Derzeit wird an einem neuen Entwurf gearbeitet, berichtet Albrecht Hummel. Dieser sehe einen flexiblen Übergang vom Bachelor zum Master vor, konkret soll es beispielweise möglich sein, unter bestimmten Voraussetzungen schon im Bachelorstudium Veranstaltungen aus dem Master zu besuchen. Der Prorektor zeigt sich zuversichtlich, dass der Studiengang zum kommenden Sommersemester angeboten werden könne.

Eine Wiedereinführung des Diplom im klassischen Sinne oder ein 6/8/10-Modell wie in Mittweida ist demnach an der TU Chemnitz ausgeschlossen. Dagegen komme laut Hummel aber eine Äquivalenzbescheinigung wie sie auch die TU9 vertreten infrage. Die TU9 sind ein Zusammenschluss der nach eigenen Aussagen neun führenden technischen Universitäten in Deutschland, darunter neben der TU Berlin und der TU München auch die TU Dresden. In den Grundsätzen der Vereinigung heißt es: „Die TU9 Universitäten fordern, dass sie zu den von ihnen verliehenen akademischen Graden den Zusatz TU hinzufügen können, und sie werden für ihren Mastergrad die Äquivalenz zum Dipl.-Ing. TU bescheinigen.“ Im Klartext: Zwar wird am zweistufigen Bachelor-Master-System nicht gerüttelt, dafür soll aber allen Master-Absolventen bescheinigt werden, dass ihr Abschluss dem eines Diplom-Ingenieurs entspricht.

Master gleich Diplom?

Dieses Vorgehen wird auch an der Technischen Universität Chemnitz begrüßt. Albrecht Hummel zufolge spreche nichts gegen eine „inhaltliche Gleichwertigkeitsfeststellung von Master und Diplom“. Konkret, so erklärt Hummel, könne das so aussehen, dass auf der Abschlussurkunde hinter dem Titel Master das Wort Diplom angefügt wird, alternativ könnte auch eine Fußnote auf die Gleichwertigkeit der Abschlüsse hinweisen. Bisher wurden noch keine derartigen Urkunden ausgehändigt – was dem Prorektor zufolge einen einfachen Grund hat: „Es hat noch keine Fakultät einen Antrag dafür gestellt.“ Mit der nächsten Masterabschlusswelle werde es aber vermutlich die ersten Diplomzusätze geben. Allerdings wohl nur zeitlich begrenzt, etwa zehn Jahre hält Hummel für angemessen. Dann, davon ist er überzeugt, werde sich das Bachelor/Mastersystem auch an allen anderen Universitäten inklusive der in Dresden und Leipzig durchgesetzt haben: „Die Epoche des Diplom ist einfach vorbei.“ Text: Benjamin Lummer Foto: Hast du den Flow? / photocase.com

3


Jahrestage sind unter anderem dazu da, über das Erreichte nachzudenken und eine Bilanz zu ziehen. Nicht anders ist das beim Bildungsstreik, der sich in diesen Tagen erstmalig jährt. Am 25. November 2009 besetzten mehr als 600 Studenten der TU Chemnitz das Audimax, den größten Hörsaal der Universität. 550 von ihnen sprachen sich am selben Tag in einer Abstimmung für einen dauerhaften Bildungsstreik aus. Eine zweite Vollversammlung am 9. Dezember mit dann nur noch 350 Anwesenden bestätigte den Streik noch einmal, bis Weihnachten hielt die Besetzung an. Das Anliegen des Streiks war – neben der Solidarisierung mit zahlreichen anderen besetzten Universitäten in Europa – die Verbesserung der Studienbedingungen an der TU Chemnitz. Die Diskussion darüber mündeten schließlich in einen Forderungskatalog an die Universitätsleitung.

Protest ohne Folgen Ein Jahr nach dem Bildungsstreik gibt es nur wenige vorzeigbare Ergebnisse

Keine Forderung ist bis heute umgesetzt Auf den ersten Blick fällt eine Bilanz ein Jahr nach den Ereignissen enttäuschend aus. Von den insgesamt 31 Forderungen ist bis heute nahezu keine umgesetzt worden. Die umstrittene Anwesenheitspflicht wurde schon in den ersten Tagen des Streiks von der Universitätsleitung für nichtig erklärt. Eingeleitet hatte dies aber vorab bereits die TU Dresden, mit dem Streik stand diese Entscheidung nicht im Zusammenhang. Wohl eine Folge des Streiks sind die verlängerten Öffnungszeiten der Universitätsbibliothek. Diese hatte letzten Sommer eine Umfrage unter ihren Nutzern durchgeführt, seit Beginn des Wintersemesters öffnet die am stärksten genutzte Campusbibliothek I im Pegasuscenter wochentags bis 24 Uhr und Samstags bis 18 Uhr. Das entspricht nicht ganz den damals geäußerten Forderungen nach einer Rund-um-dieUhr-Öffnung der Bibliothek, bleibt aber dennoch die Forderung, der am ehesten nachgekommen wurde. Die Streikinitiatoren sehen das nicht viel anders. Marius Klein wirft einen nachdenklichen Blick auf den ausgedruckten Katalog: „Wenn ich mir die Forderungen so anschaue, haben wir davon fast nichts erreicht.“ Sein Werdegang ist symbolisch für die damaligen Streikinitiatoren. „Viele, die sich vor einem Jahr engagiert haben, haben das fortgesetzt und sind heute Fachschaftsrat- oder Studentenratsmitglieder“, berichtet Stura-Mitglied Anni Fischer. Für sie steht vor allem der ideelle Wert der Aktion im Vordergrund.

Chemnitz im Dezember 2009: Besetzter Hörsaal und zahlreiche Forderungen 4


Man habe etwas bewegt, die Studenten animiert sich gegen Unzulänglichkeiten zur Wehr zu setzen und eine Plattform für den Austausch von Meinungen und Ideen geschaffen. Zudem habe sich im Nachlauf des Streiks auch die Kommunikation zu Dozenten und dem Rektorat verbessert: „Damals haben wir sehr auf Konfrontation gesetzt, jetzt versuchen wir das im Diskurs zu klären.“ Das bedeutete aber auch: Weg von der Basisdemokratie, zurück in die etablierten Gremien. Ja, bekundet Anni Fischer, das sei in der Tat die einzige praktikable Lösung gewesen, quasi ein Mittelweg zwischen erneut streiken und gar nichts mehr tun. In den Gremien habe man aber seitdem für einige Veränderungen und eine neue Arbeitsweise gesorgt. bei der Bewertung der Prüfungsbelastung gefordert. Insgesamt konstatiert der Bericht jedoch, „dass eine Großteil der kommunizierten Probleme, und dies betrifft auch Forderungen aus dem Bildungsstreik Frontalkritik funktioniert nicht 2009, auf Missverständnisse, mangelnde Kommunikation bzw. Information/Transparenz [...] sowie auf Einzelfälle und/oder -personen zurückzuAlbrecht Hummel, Prorektor für Forschung und führen sind.“ Will sagen: Es gibt nahezu keine strukLehre an der TU Chemnitz, sieht den Bildungsstreik turellen Probleme. ein Jahr danach durchaus positiv: „Der Streik hat etwas bewegt.“ Das Rektorat habe die Besetzung ernst genommen, allerdings seien die aufgestellten Prozess in Gang gesetzt Forderungen zu pauschal und unstrukturiert gewesen: „Meine Erfahrung: Frontalkritik funktioniert nicht. Man muss sich mit den Unzulänglichkeiten in den einzelnen Studiengängen oder sogar Lehrveranstaltungen Der Bericht liegt seit mittlerweile fünf Monaten beschäftigen.“ vor. Viel ist seitdem nicht passiert, berichtet SturaMitglied Anni Fischer: „Im Moment hakt es an allen Im Anschluss an den Streik hat das Rektorat eine Ecken und Kanten.“ Die TU Chemnitz nimmt sie dabei temporäre Arbeitsgruppe, der auch Studenten und aber teilweise in Schutz. Viele Probleme seien nicht Dozenten angehörten, gebildet. Diese identifizier- allein von den Hochschulen zu lösen, sondern hätten te sechs Problembereiche, darunter die Themen auch mit der Bildungspolitik des Freistaates Sachsen Prüfungsdichte, Transparenz und Informationsfluss. und der Bundesregierung zu tun. Das sieht auch Zu diesen gab es Gespräche mit Vertretern aller Prorektor Hummel so. Ihn stört vor allem die detailFakultäten. Die Protokolle dieser Gespräche und die lierte Überregulierung von Prüfungsangelegenheiten Ergebnisse der Arbeit der temporären Arbeitsgruppe durch das Hochschulgesetz, hier müsse es weitere liegen seit Juni 2010 in Form eines mehr als Nachbesserungen geben. 150-seitigen Berichts vor. Unter dem Punkt „Verbesserungspotenziale“ fasst der Bericht 34 Es wird also weiterhin diskutiert und getagt werden. Probleme und mögliche Lösungsansätze zusammen. Konkrete Ergebnisse des Bildungsstreiks sind ein Jahr Zumeist sind das organisatorische Aspekte wie bei- danach Mangelware. Vielleicht ist es aber auch noch spielsweise die Vermeidung der Überschneidung zu früh für eine derartige Bestandsaufnahme, vieles von Prüfungsterminen bei fakultätsübergreifen- ist eben immer noch im Prozess. Bis dieser konkrete den Studiengängen oder die Möglichkeit auch im Ergebnisse zeitigt, muss man sich wohl damit zufrieSommersemester in alle Studiengänge zu immatriku- den geben, dass der Prozess überhaupt erst einmal in lieren. Darüber hinaus wird ein Überarbeitungsbedarf Gang gesetzt worden ist. Und das ist dann wiederum bei der Modulstruktur konstatiert und ein Umdenken wohl der Verdienst des Bildungsstreiks. Text & Fotos: Benjamin Lummer

5


Der Weltraum, die Raumfahrt, da braucht es keinen kleinen Prinzen, um Raketen total romantisch zu finden oder ins Träumen zu geraten, wenn sie sich zischend vom Boden in den Himmel schrauben. Zugegeben, fremde Welten werden die Modellraketen der Chemnitzer Bastler nicht erreichen, aber für einen Weltmeistertitel reicht es allemal.

Mäuse (fast) im Weltall

die Feststofftriebwerke liefert ein Hersteller aus Tschechien. Den Tüftlern obliegt es vielmehr, die passende Hülle dazu zu bauen. Hier gibt es verschiedene Wettbewerbe, etwa den Strömer, mit dem Stephanie Uhlig Weltmeisterin wurde. Dieser sollte so hoch wie möglich fliegen und dann am Wendepunkt in zwei Teile zerplatzen, die an einem sich entfaltenden Flatterband heil wieder zur Erde zu kommen. Auch Modelle mit Fallschirmen oder Gleitrotoren gibt es. Im Wettbewerb gewinnen die Raketen, die bei drei Versuchen am längsten in der Luft bleiben.

Wie eine Chemnitzer Chemiestudentin Raketenmodellbauweltmeisterin wurde Den nämlich erreichte Stephanie Uhlig in diesem Sommer bei der Raketenmodellbausport-Weltmeisterschaft im slowenischen Ljubljana - und dabei träumte sie als Kind nicht mal davon, Kosmonautin zu werden. Das Thema Raketenmodellbau kam mit Stephanie Uhligs Jahresarbeit, die sie während der Schulzeit anfertigen musste. Darin ging es ihr um Wernher von Braun und seine Raketentechnik im Zweiten Weltkrieg. Ein Tipp brachte sie dabei zur Modell-AG im Chemnitzer Kosmonautenzentrum, die es dort schon seit den frühen sechziger Jahren gibt. Als Stephanie Uhligs erstes eigenes Modell entstand hier eine V2. Sie blieb dabei und ihre Folgemodelle waren auch weniger martialisch. Doch da startete sie – der Wortwitz sei zu verzeihen – durch wie eine Rakete: 2006 die erste Sächsische Meisterschaft, 2007 die erste deutsche Meisterschaft, 2008 der erste Weltcup und in 2010 gewann sie schließlich die Weltmeisterschaft und wurde fast nebenbei vom Deutschen Aeroclub zur Sportlerin des Jahres gewählt. Stephanie Uhlig trägt offenbar nicht umsonst den Spitznahmen „Raketenmaus“.

Der nächste große Start findet für die Weltmeisterin und alle Interessierten dann an Silvester statt. Dazu gibt es am 29. Dezember einen öffentlichen Workshop unter fachkundiger Anleitung. Das Modell dafür, an dem sie gerade bastelt, ist zugegeben nicht ganz so windschnittig wie ihre Wettkampfraketen. Auch das orangefarbene Fell will nicht so recht flugtauglich wirken. Inzwischen studiert Stepahnie Uhlig im fünften Aber wenn die fliegende Maus erst einmal ferSemester Chemie an der TU Chemnitz. Das hilft tig ist, wird auch sie sicher eine gute Figur beim ihr beim Modellsport allerdings wenig, denn Abheben machen. 6

Text & Foto: Michael Chlebusch


An den Hochschulen in Chemnitz, Zwickau, Mittweida und Freiberg studieren und arbeiten über 30.000 Menschen. Das „371“ will wissen, was dort so alles erforscht wird. Notwendig oder unsinnig, interessant oder einfach schräg - hier erfahrt Ihr, was Forscher so forschen.

Heureka im Hörsaal Schein und Sein an der Universität

Machen wir uns nichts vor, machen wir uns nicht immer etwas vor oder andere uns? In den Medien, in der Werbung, in der Politik, in sozialen Netzwerken und im beruflichen, wie im privaten Bereich. Wo verläuft die Grenze zwischen Authentizität und Inszenierung, zwischen Inszenierung und bewusster Manipulation? Solche und andere Fragen stehen im Fokus der 7. Studentischen Medientage, die am 9. und 10. April 2011 an der TU-Chemnitz stattfinden und den Titel tragen: Einstudieren. Aufpolieren. Zelebrieren. Dimensionen medialer Inszenierung. Explizit richtet sich diese seit 2005 stattfindende Fachkonferenz vor allem auch an Studierende, so Stefan Klix, einer der Hauptorganisatoren: „Studenten, die Hausarbeiten oder Abschlussarbeiten

zum Thema Medien-Inszenierung schreiben oder geschrieben haben, können bis zum 31. Dezember noch Bewerbungen für studentische Vorträge abgeben.“ Laut Stefan Klix haben sie so die Möglichkeit, Konferenzerfahrungen zu sammeln. Ein Vorteil sei aber auch, dass so wirklich über ihre Arbeiten diskutiert wird. Klix selbst, der mit Mareike Schück dieses Jahr die Organisation übernimmt, studiert seit 2007 an der TUChemnitz und ist gerade dabei seinen Master zu machen. Doch natürlich arbeiten hier im Hintergrund noch mehr Personen. „Für diese Veranstaltung gibt es verschiedene Projektteams mit jeweils einem Gruppenleiter und dessen Stellvertreter. Also man kann sagen, dass im engen Kreis so ca. 20 Personen beteiligt sind und im Ganzen an die 50, die sich um verschiedene Aufgabenbereiche, wie Sponsoring, Kontakte zu anderen Universitäten oder Kontakte zu den Medien kümmern“, fasst Stefan Klix zusammen. Anders wäre eine solche Veranstaltung, die jedes Jahr mehr Besucher und Interessierte aufzuweisen hat, sicherlich auch nicht zu bewerkstelligen. Vor drei Jahren waren es noch 400 bis 500 Gäste. Jetzt sind es mittlerweile bis zu 700. Das liegt vor allem wohl auch daran, dass sich die Medientage in bloßen Vorträgen nicht erschöpfen. So sollen auch dieses Mal zahlreiche Workshops rund um das engere Kernthema stattfinden, wie z.B. Fotographieworkshops oder einen Videoraum für studentische Filmprojekte, um einen schnellen und interessanten Übergang von der Theorie in die Praxis zu ermöglichen. Stefan unterstreicht, dass die 7. Medientage generell für alle Besucher offen sind und sich auch an Schüler und andere Medieninteressierte richten. So steht also alles in den Startlöchern für eine interessante Veranstaltung rund um Schein und Sein, deren Besuch sicher lohnt.

Text: Chezz Foto: Franziska Kurz

7


Der Mensch hinter...

deinem Semesterapparat Ganz oben, fast unter dem Dach des Universitätsgebäudes an der Straße der Nationen, befindet sich das Büro von Angela Malz. Sie ist Leiterin der Universitätbibliothek und Hüterin über Hunderttausende teils Jahrhunderte alte Bücher. Da kommt ein Hauch von Hogwarts auf, wenn man die alten Steinstufen hinaufsteigt. Der Beginn von Angela Malz‘ Karriere verlief allerdings wenig magisch. Denn eigentlich wollte die heute 49-jährige Freibergerin Germanistik studieren. Mangelnde Studienplätze und ein sogenanntes Umlenkungsgespräch brachten sie in den Genuss einer Immatrikulation in Metallurgie und Sozialistischer BWL. Da meldete sich Angela Malz nach kurzer Zeit lieber als Umzugshelferin ihrer Uni-Bibliothek. Dort blieb sie dann auch und wurde Diplom-Bibliothekarin - ein glücklicher Zufall, sagt sie heute. Auch wenn sie mit ihrem alten Job inzwischen nicht mehr viel zu tun hat. 1984 fing sie in der Teilbibliothek Wirtschaftswissenschaften der Chemnitzer Uni an - 16 Jahre und viele internen Stationen später ist sie ganz oben angekommen, im wahrsten Sinne des Wortes. Hier kümmert sich Angela Malz um das Management, Personal und die Finanzen. Die Bibliotheks-Schulungen für Studenten hat sie sich allerdings gerettet, denn der Kontakt zu den Nutzern läge ihr am Herzen. Ihr größter Wunsch sei es allerdings, diesen Studenten eine neue Bibliothek einzurichten. Einige ihrer Visionen konnte sie schon in die Planung der Zentralbibliothek in der Aktienspinnerei einbringen. Mit etwas Glück (und Geld) wird dort ab 2013 ein Hort des Wissens entstehen mit Ruhezonen und Leseräumen zum Treffen, Lernen und vielleicht auch ein bisschen zum Zaubern einladen. 8

Text & Foto: Michael Chlebusch

Chemnitz‘ next Topstudent Im Januar gibt es wieder eine Campuskulturnacht. Bei dieser schönen Veranstaltungsreihe geht es vor allem darum, studentische Kulturbeiträge vorzustellen. Für die vierte Auflage der Campuskulturnacht kann sich deshalb jeder Student und jede Studentin mit einem eigenen Beitrag melden. Also: Kannst du singen? Tanzen? Pfeifen wie ein Fuchs? Mensa-Löffel verbiegen? Oder einfach Sachen machen, die sonst nur Chuck Norris kann? Dann melde dich bei Gabriele Braun. Die ist quasi die Heidi Klum von Chemnitz. Natürlich können sich auch Teams anmelden. Mit einem kleinen Theaterstück, einem gespielten Witz oder einer fetzigen Kampfsportdemonstration. Alles ist zunächst einmal gewünscht und sollte bis zum 17. Dezember angezeigt werden. Der große Auftritt steht dann, vorausgesetzt euer Talent überzeugt die Veranstalter, für den 27. Januar in Haus. Genug Zeit also noch zum Üben, Löffel gerade kloppen und Chuck Norris-Filme gucken. Ach so: Eine kleine Aufwandsentschädigung für alle Auftretenden gibt es auch. Aber eigentlich geht es um den Ruhm für eine Mensanacht. Kontakt Gabriele Braun: 0176 – 78 72 33 73 oder melasvita@gmail.com

Foto: photocase.de/bernd_05


Studenten und Nachhilfe – bei diesen Themen kommt einem wahrscheinlich zuerst die aktive Konstellation in den Sinn. Für viele Studenten ist das Geben von Nachhilfe ein lukrativer Nebenjob, die meisten Nachhilfeinstitute würden ohne ihre studentischen Mitarbeiter wohl kaum existieren. Dass Studenten auch Nachhilfe in Anspruch nehmen, ist ein weitgehend ignoriertes Thema.

Teure Angelegenheit Nachhilfe für Studenten ist ungewöhnlich Eine Studie der Bertelsmann Stiftung vom Januar 2010 beziffert die Zahl der in Deutschland Nachhilfe in Anspruch Nehmenden auf etwa 1,1 Millionen, die Kosten für den Unterricht beliefen sich auf 1,5 Milliarden Euro. Untersuchte Gruppe: Kinder und Jugendliche, ausschließlich Schüler. Studenten spielten in der Studie keine Rolle, wie auch sonst: Es existieren keinerlei verlässlich Daten darüber, wie viele Studenten Nachhilfe in Anspruch nehmen. Auch die Sprecherin des Bundesverbands Nachhilfe- und Nachmittagsschulen e.V. Andrea Heiliger konnte nicht weiterhelfen, ihr liegen nur Daten zu Schülern vor, lässt sie auf telefonische Nachfrage hin wissen. Dabei sind Studenten mitunter auf die private Nachhilfe angewiesen – und bereit, große Summen zu investieren. Jura-Studenten bereiten sich beispielsweise auf ihre Examen mithilfe sogenannter Repetitoren vor. Einer der größten kommerziellen Anbieter in diesem Bereich, Alpmann Schmidt aus Münster hat über vierzig Standorte in Deutschland. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge, nehmen 70 bis 80 Prozent aller Jurastudenten vor der ersten juristischen Prüfung private Nachhilfe in Anspruch, die Kosten bei den großen Anbietern belaufen sich laut FAZ auf bis zu 250 Euro pro Monat. Noch teurer wird es für angehende Mediziner: Ein Intensivkurs zur Vorbereitung auf die schriftliche und mündliche Prüfung im Rahmen des Physikums kostet bei Medi-Learn aus Marburg 2399 Euro.

In Chemnitz nehmen Studenten vor allem in naturwissenschaftlichen und in geringerem Maße in sprachlichen Fächern Nachhilfe. Die Büroleiterin eines Chemnitzer Nachhilfeinstituts, das nicht namentlich genannt werden möchte, begründet die im Gegensatz zu anderen Fächern hohe Nachfrage in den Naturwissenschaften mit der schlechten Vorbereitung in der Schule: „Die Mathematik-Ausbildung im Gymnasium reicht einfach nicht für ein ingenieurwissenschaftliches Studium.“ Besonders problematisch sei es, wenn Studienanfänger aus anderen Bundesländern nach Sachsen kommen. Trotzdem machten Studenten nicht mehr als ein Zehntel der Nachhilfeschüler ihres Instituts aus. Hans-Jürgen Dörrwandt von der Paukkammer Chemnitz beziffert den Anteil der Studenten unter seinen Nachhilfeinteressenten auf etwa fünf Prozent. Es würden immer mal wieder Wirtschaftswissenschaften-Studenten aus den ersten Semestern zu ihm kommen und Nachhilfe in Mathematik in Anspruch nehmen. Zudem gebe es aber auch ab und an die Nachfrage nach EDV- und Fremdsprachennachhilfe.

Dass sich die Nachfrage bei den Instituten gering ist, hat vielleicht auch mit dem begrenzten Budget der angehenden Akademiker zu tun – und der Konkurrenz im Internet. Die Paukkammer Chemnitz wirbt mit „Nachhilfe bereits ab 50 €/Monat bei wöchentlich 1 Stunde Unterricht“. Auf der Internet-Jobbörse der TU Chemnitz finden sich in den letzten acht Wochen vier Nachhilfegesuche, die Preise, welche die Personen bereit waren zu zahlen, lagen zwischen 5,50 Euro pro Stunde und 40 Euro im Monat. Text: Benjamin Lummer

9

371 Stadtmagazin Campus Dezember  

371 Stadtmagazin Campus Dezember 2010

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you