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25 Jahre

ARCHE

BURGDORF


Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer. Antoine de Saint-ExupÉry


4 E i nle i tu ng Markus Breitenstein

6 Theater mach t f re i Alex Muheim

8 die S chau s pi e ler 12 端berF lu t Bildserie

74 D i e arche ges t er n u n d he u te Thomas Keller

76 in und um d i e A rche bildserie

96 Dank & impressum


Markus Breitenstein Institutionsleiter alias «Kapitän»


25 Jahre Arche Burgdorf Und Gott sprach:

Jedoch eines muss ich ihnen zu Gute halten. Irgendwie erinnert mich das Ganze an die Arche Noah. Soviel originelle Gestalten, ein Lärm ab dem man sich nerven könnte, alle nehmen es jedoch sehr gelassen. Ein motiviertes Schaffen und kreatives Werken zeichnet die Gemeinschaft aus. Man spürt förmlich, dass alle auf ein Ziel hinarbeiten. Ja, mit dieser Gemeinschaft kann man zu neuen Ufern aufbrechen.

Das ist das Zeichen des Bundes, den ich stifte zwischen mir und euch und den lebendigen Wesen bei euch für alle kommenden Generationen: meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Bundeszeichen sein zwischen mir und der Erde

Der Alltag in der Arche ohne dieses «Theater» sieht meist schon harziger aus. Jedes hat so seine Probleme, Lebensschwierigkeiten und sucht seinen Weg aus der Krise. Dies kann dann eine Eigendynamik entwickeln, in welcher sich jedes um seine eigenen Sorgen dreht. Es braucht dann viel Kraft und Durchblick, jedem Hoffnung, Mut und kleine Schritte in die Zukunft zu vermitteln. Der Theaterbetrieb ist auch für mich als Arche-Leiter ein «Lehrplätz». So wie die Theatergruppe ans Werk geht – so kreativ, motiviert und zielorientiert. Dies ist ganz sicher eine Grundlage mit der Lebensschwierigkeiten überwunden werden können, ja, neue Schritte und Wege möglich werden. Ich bin selber sehr motiviert und habe Freude auf dieser Arche der «Kapitän» sein zu dürfen.

Ge n es i s 9 , 1 2 - 1 3

Schon wieder haben wir in der Arche so ein «Theater»! Wie im vergangenen Jahr, vom Frühsommer bis September. Manchmal tönt es laut ja fast unheimlich aus dem Gruppenraum, eine schon fast verschworene Gemeinschaft ist auffällig aktiv und geht immer so geheimnisvoll ans Werk. Zudem stehen, liegen und hängen überall Kleider, Gegenstände und komische Utensilien herum. Könnte etwas ordentlicher zu und her gehen meine ich! Was macht dieser Alex nur mit den Archeanern? (BewohnerInnen und MitarbeiterInnen der Arche) Er hat ja als Theaterpädagoge den Auftrag, ein «Theater» einzuüben für das Arche-Fest, an welchem wir den 25. Geburtstag feiern. Aber kommt das gut? Könnte es nicht auch etwas geordneter zu und her gehen. Seit Mitte August steht nun auch ein Festzelt im Arche-Garten. Ein erstes sichtbares Zeichen, dass wir ein Fest feiern werden. Nun hat die Theatergruppe eine ganze Woche lang das Zelt in Beschlag genommen. Alle laufen in originellen Kostümen herum und besetzen das Zelt. Dazu kommt noch der Lärm den sie machen.

In diesem Sinne verstehe ich die Arche-Geschichte und sie hat für mich auch eine «unendliche Dimension» der Lebenshilfe. Gerne schliesse ich meine Einleitung mit den Worten von Dietrich Bonhoefer:

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag. D i e t r i ch B o n h o e f er

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Alex Muheim R e g i e T h e a t e r « ü b e r FLUT »


Theater macht frei D e r M e n s c h i s t n ur d a g a n z M e n s c h w o e r s p i e l t – F r i e dr i c h S c h i l l e r

Alex, bitte stell dich kurz vor.

Was ist dein Ziel für die SchauspielerInnen?

Ich bin 59 jährig, arbeitete lange als Sozialarbeiter, unter anderem in der Psychiatrie. In den 70er-Jahren reiste ich für ein Wochenende nach Italien, um mir dort ein Bild über die «Anti-Psychiatrie» Bewegung und über die gelockerte Psychiatrie-Arbeit mit den Patienten machen zu können. Die Bewohner probten für ein Theater, was mich so beeindruckte, dass ich, als ich wieder zu Hause war, zum Chefarzt ging und ihm sagte, dass ich auch eine Theatergruppe aufbauen möchte – Ich bekam grünes Licht. Um meine Theaterkenntnisse zu erweitern besuchte ich die Schauspielschule – seitdem arbeite ich seit 30 Jahren als Schauspieler und realisiere regelmässig Theaterprojekte in sozialen Einrichtungen.

Theater ist das ideale Medium für Einrichtungen wie die Arche. Aus diesem Grund habe ich von ihnen die Aufgabe erhalten, zum 25-jährigen Jubiläum mit den BewohnerInnen und den MitarbeiterInnen zusammen ein Theater zu produzieren. Sie sind alle gleichgestellt und kämpfen für ein gutes Theater.

Irgendwo schlummert in allen ein Theatertrieb, den ich wachrütteln will!

Wie ist es ein Theater mit Laien zu entwickeln?

Interessant und begeisternd! Die SchauspielerInnen sind motiviert und arbeiten in allen Bereichen bis hin zur Mithilfe bei Requisiten und den Kostümen, die von meiner Frau Pia, Kostümbildnerin, entworfen werden. Nach ein paar Proben verschwindet oft die Skepsis und der Theatervirus schlägt ein. Interessant finde ich den Moment, wenn die Kostüme da sind. Das ist für die SchauspielerInnen sowas wie eine zweite Haut, das gibt ihnen einen Schub und erneuten Mut. Diesen Effekt kann man beobachten, wenn Leute an der Fasnacht Dinge tun, die sie ohne Verkleidung niemals wagen würden.

Innerhalb des Theaters können sich die SchauspielerInnen in Rollen ausprobieren, welche im Alltag Probleme verursachen würden. Wir lachen während den Proben jeweils sehr viel. Die meisten werden bei diesem Theater zum ersten Mal auf der Bühne stehen und den unglaublichen Moment der Aufführung vor einem Publikum erleben. Das schafft Selbstvertrauen und Gewissheit für später, dass sie das einmal geschafft haben. Ich hoffe, dass alle SchauspielerInnen diese Erfahrung in ihren Alltag mitnehmen können.

Womit beginnt man ein Theater ohne Drehbuch?

In eine solche Produktion stecke ich jeweils sehr viel Zeit und Energie. Ich bin nicht nur Regisseur, der sicherstellen muss, dass das Stück theatralisch stimmt und die Geschichte in sich abgeschlossen ist, sondern ich bin auch Animator, Tröster und Mutmacher.

Wie siehst du deine Rolle als Regisseur?

In dem wir in der Gruppe Ideen austauschen und einen Plan erarbeiten, was wir erzählen möchten, was unser Ziel ist und dann die SchauspielerInnen einfach mal spielen lassen. Der Text entsteht bei den Proben mit den Leuten zusammen.

Was erzählt uns das Stück «überFLUT»?

Wie machst du aus den Leuten SchauspielerInnen?

Hier geht es um die Flut an Informationen, Ereignisse sowie Radio- und Fernsehsendungen, denen wir täglich ausgesetzt sind und für viele BewohnerInnen der Arche ein Problem darstellen. So kamen wir auf die Idee, uns eine Arche zu bauen, mit der wir in «See» stechen, um uns dieser Flut für lange Zeit an einem Ort zu entziehen, wo der Einzelne wieder mehr zählt. Ich hoffe mit diesem Stück auch die Schwellenangst der Besucher gegenüber Institutionen wie der Arche Burgdorf abzubauen.

In dem wir zu Beginn viele Spiele machen, improvisieren und ich ihnen die unterschiedlichen Umgangsformen zwischen Alltag und Theater aufzeige. Ich erkläre nur die Situationen und die Gemütslagen, in der sich eine Figur befindet und gebe Tipps zur Darstellung. Vorspielen tue ich nicht, da ich nicht möchte, dass die SchauspielerInnen mich nachspielen, sondern sich in ihren Rollen selber entwickeln und über sich hinauswachsen. 9


Die Schauspieler

Das graue Mäuschen

Ich will endlich Ruhe!

Der Autorennfahrer

Ich  muss  trainieren, ich habe ein wichtiges Rennen!

Der Fussballspieler

Ich will euch nur provozieren!

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Die Diva

Diese B체hne ist zu klein f체r mich.

Der Maler

Diese H채nde tragen keine Koffer!

Ein Got thelf

Folgt mir L채mmer, ich bin euer Hirte!

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Der Hauswart

GrĂźessech

Die Musikerin

BĂśrgdorf, I love you!

Der Seemann

Land in Sicht!

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Der Ausl 채nder

Ig nix verstehe!

Der Akrobat

Komm, lass uns eine Show zusammen machen!

Der Spinner

Lassen wir uns von dieser Flut beeindrucken?

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chen, a m e g in D r te a e h T . n n Die Leute kรถnnen im a k n te is e l t h ic n n Leben e l a e r im h ic s n a m die


Wenn die Probe beendet ist, ist das wieder der Peter u nd das ist wied er Philipp.


Die Konsequenzen im Th eater sind nicht dieselben wie im ric htigen Leben.


Es ist wie im Leben, wo man Herausforderungen begegnet.


he c s i n i z i d e m r e d t nich t r e i s s e r e t n i h c i M n, e s s i w l l i w h c i ; son n e h c Bericht einer Per s i r e l t s n 端 k d n un e h c s i r e l e i p s u a h c welche s n! e k c e t s n e h c s n e nem M i e n i e t n e l a T


Eine Theatergruppe ist keine «Wohlfühloase», ich will aus di esen Leuten so viel wie möglich rausholen!


ter Schön ist, wenn das Thea sst – ie fl er b ü g ta ll A en d in E

! n e b a h z t a Pl g a t l l A m i l s sol


Die Arche gestern und heute T h om a s K e l l e r

Was sich heute Arche Burgdorf nennt, begann in den Köpfen einiger Christen verschiedener Kirchen aus Burgdorf und Umgebung. Ein Traum hatte sich festgesetzt: «In Burgdorf sollte ein Ort entstehen, wo Menschen mit psychischen Problemen oder solche aus zerrissenen Verhältnissen Halt finden und im Leben wieder erstarken können». Der Traum wurde im Verein Arche zur Realität und 1986 konnte am heutigen Standort eine Villa gemietet werden. Mit viel Enthusiasmus und Leidenschaft zogen die «Gründerväter und –mütter» ein und begannen die Liegenschaft umzubauen. Von Anfang an bot die Villa Wohnraum für Menschen in Not. Bald schon wurden die Platzverhältnisse zu eng, die Mitarbeitenden zogen aus und kamen für die rund um die Uhr Betreuung in die Arche.

Die Arbeitstherapie macht einen wesentlichen Teil der Tagesstruktur aus. In Atelier, Hauswirtschaft und Schreinerei können die arbeitsspezifischen Fertigkeiten geübt, gefördert und vertieft werden. Ein weiteres Angebot der Arche Burgdorf ist das «Betreute Wohnen Villa Vita». In kleineren Wohngemeinschaften und einzelnen Wohneinheiten werden 10 Menschen begleitet. Als Grundsatz gilt:

So wenig Hilfe wie nötig, so selbständig wie möglich. Eine wichtige Voraussetzung für das Wohnen in der Villa Vita ist in der Regel eine mind. 50% externe Arbeitsstelle.

Wer heute in die Arche kommt, dem fällt der moderne Neubau neben der stilvollen Villa auf. 2005 konnte das neue Gebäude eingeweiht und die Villa vom Verein Arche übernommen werden. Die Arche Burgdorf bietet 14 Therapieplätze mit interner Beschäftigung an. Ziel der Therapie ist es, Menschen mit psychischen Erkrankungen oder in Lebenskrisen eine berufliche und soziale Integration in die Gesellschaft bzw. Arbeitswelt zu ermöglichen. So können sie wieder selbständig ihr Leben gestalten. In der Wohngemeinschaft wird das Zusammenleben praktisch geübt. Sie gibt den Betroffenen Orientierung. Je nach erforderlichen Hilfestellungen wird ein individuelles Betreuungsangebot zur Verfügung gestellt. Wichtige Behandlungselemente sind die beratenden und therapeutischen Gespräche, sowie die konstante Beziehung mit einer Bezugsperson. Zudem fördern wir die Persönlichkeit, ihre sozialen Beziehungen sowie das Leben in der Gemeinschaft. Auch die Freizeit ist mit Sport und gemeinsamen Aktivitäten betreut. Externe ärztlich verordnete Therapien runden das Angebot ab. Beruflich können in unseren Werkstätten und Arbeitsbereichen erste Schritte gewagt werden, mit dem Ziel, einen Platz in der Berufs- und Arbeitswelt (neu) zu erarbeiten.

Die Arche ist seit 25 Jahren unterwegs. Viele Menschen kamen und gingen. Geblieben sind die Werte. Wir verstehen den Menschen als individuelles Geschöpf, das Verantwortung für sein Leben übernimmt. Darum leben wir in Respekt gegenüber den Mitmenschen und Gott. 77


In und um die Arche

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Ohne die fr端here Arche w端rd

e es uns nicht geben!


er, it e s n e s s u A e in e k t ib Es g u. z a d t r รถ h e g r e d je


kt je o r p s g n u h c s r o F in Die Arche – E onen ti a r e n e G r ß f


Fotoban d z u m 25 Jahre Ju b i l äu m 2011 mit freu n d li cher U n terstü tz u n g von:

Aeschlimann Architekten GmbH, Friedeggstrasse 5, 3400 Burgdorf Aeschlimann Dach- und Spenglertechnik AG, Lorraine 7, 3401 Burgdorf Amavita Grosse Apotheke, Bahnhofstrasse 61, 3400 Burgdorf BewegungPlus, Lyssachstrasse 33, 3400 Burgdorf H. Dürig Gipser + Maler AG, Krähholzweg 14, 3324 Hindelbank GEWA Stiftung für berufliche Integration, Alpenstrasse 58, 3052 Zollikofen Hirsbrunner Holzbau AG, 3537 Eggiwil Daniel Jutzi AG, Krauchthalstrasse 5, 3414 Oberburg Kummer Getränke, Pulverweg 7, 3400 Burgdorf Pfimi Burgdorf, Dammstrasse 30b, 3400 Burgdorf R. Rast Architekten AG, Beatusstrasse 19, 3006 Bern Rebmann Elektro AG, Steinhofstrasse 69, 3400 Burgdorf Herr Dr. med. Heiner Schneider, Gotthelfstrasse 23, 3400 Burgdorf Druckerei Schürch AG, Bahnhofstrasse 9, 4950 Huttwil UBS AG, Emmentalstrasse 14, 3400 Burgdorf Unico Treuhand AG, Dammstrasse 58, 3401 Burgdorf

V I E L E N DANK!

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IMPRESSUM FOTOG RA FI E, KONZEPTION & G ES TALTUNG Hélène Jordi-Marguet, 2ème Étage www.2etage.ch S chr i fte n Brandon Chaparral Pro Emmascript Pap i er Fischer Papier: Daunendruck White 1.5 Rebello Agro Design Dr u c k Druckerei Schürch AG www.schuerch-druck.ch Bindung Buchbinderei Grollimund AG www.grolli.ch Au fl ag e 300 Exemplare Te x te Markus Breitenstein Thomas Keller Markus Hänni

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Man lernt das Matrosenleben nicht durch Ăœbungen in einer PfĂźtze. F R A N Z K A FK A


Arche Burgdorf  

The book shows a photographic documentation of the developement of a drama by Alex Muheim in which the inhabitants of the "Arche Burgdorf" a...

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