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FRAUENEXZELLENZ – EXZELLENZUNI Absolventinnen stellen sich vor


Zehn Portraits

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Simone Westerfeld | Zürich/Basel

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Katarina Sikavica | München 10 Regula Ruflin | Bern 12 Stephanie Hrubesch-Millauer | Bern

14

Lisa Herzog | St. Gallen 16 Karin Kreutzer | Wiesbaden 18 Sibylle Minder Hochreutener | St. Gallen 20 Kathrin Sele | Toulouse 22 Constanze Semmelmann | Maastricht 24 Bozena Mierzejewska | New York 26

Wir danken dem Bundesprogramm Chancengleichheit für die finanzielle Unterstützung. Impressum © 2012 Universität St. Gallen (HSG) Die Informationen in dieser Broschüre entsprechen dem Datenstand November 2012. Redaktion Servicezentrum Chancengleichheit | Universität St. Gallen Konzept und Gestaltung Marcel Bischof | www.2b-gestaltung.ch

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Einleitung

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Liebe Leserin, lieber Leser Gegenwärtig beginnen in der Schweiz gleich viele Frauen wie Männer ein Studium an einer Universität und schliessen es mit ebenso guten Leistungen wie diese ab. In der weiteren Laufbahnentwicklung nimmt allerdings der Anteil von Frauen über die einzelnen Karrierestufen hinweg kontinuierlich ab. In akademischen Lebensläufen beispielsweise sinkt der Frauenanteil über die Doktorierenden (44 Prozent) und Dozierenden (29 Prozent) bis zur Professur auf 18 Prozent. Gleichzeitig liegt die Schweiz mit Ausgaben für Forschung und Entwicklung von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts weltweit im Spitzenfeld. Damit hat sie sich eine Position errungen, die sie im globalisierten Wettbewerb nur durch die enorme Leistungsbereitschaft und intellektuelle Exzellenz ihrer Wissenschaftler/innen behaupten kann. Es liegt auf der Hand, dass die Schweiz es sich nicht leisten kann, auf dem Weg zur Professur einen grossen Teil ihres Potentials verloren gehen zu lassen.

Als eine der führenden Wirtschaftsuniversitäten Europas sieht sich die Universität St.Gallen aufgefordert, Studentinnen und Nachwuchswissenschaftlerinnen, die sich für Spitzenpositionen empfehlen, besonders zu unterstützen – hier, indem sie Role Models präsentiert, die das Exzellenz-Stereotyp der männlichen Führungskraft aufbrechen. Im vorliegenden Band stellen wir zehn herausragende HSG-Alumnae vor, die die Grenzen solcher Stereotypen verschieben und damit neue Leitbilder erzeugen. Es sind Frauen mit individuellen Werdegängen, die inner- oder ausserhalb der Akademie eine Führungsrolle übernommen haben: solche, welche die Karriereleiter schon weit hochgeklettert sind, und andere, die auf einem guten Weg dahin sind. Lassen Sie sich von ihnen inspirieren, Ihren eigenen Weg zu gehen, Selbstzweifel auszuräumen und vermeintliche Rückschläge als Chance zu begreifen.

Prof. Dr. Ulrike Landfester Professorin für Deutsche Sprache und Literatur Prorektorin für Internationale Beziehungen und regionale Verankerung

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Vorwort

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Power for business und research

Die Universität St.Gallen (HSG) zeichnet sich als Hochschule für Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften sowie Internationale Beziehungen durch ihre Praxisnähe aus. Entsprechend fördert sie ihre Talente sowohl im Hinblick auf eine Karriere in der Akademie als auch in der Wirtschaft. Seit ihrer Gründung von 1898 als Handelsakademie nimmt die Universität St.Gallen zudem neben der Fachausbildung auch die Persönlichkeitsbildung in den Fokus. Mit diesem einzigartigen ganzheitlichen Ansatz unterstützt die Universität St.Gallen gezielt Studentinnen, Doktorandinnen und Postdoktorandinnen in ihrer beruflichen Laufbahn. Erste Anlaufstelle für HSG-Frauen aller Stufen ist das Projekt netz+ – HSG Women, das dem Servicezentrum Chancengleichheit angegliedert ist. Das Projekt vermittelt seit 2004 karrierestrategische Handlungskompetenzen, öffnet Netzwerke, regt die Persönlichkeitsentwicklung an und gibt Impulse zur sozialen sowie beruflichen Orientierung. Zu diesem Zweck werden Vernetzungsanlässe, Workshops, Mentoringformate und Coachings angeboten, die finanziell durch das Bundesprogramm Chancengleichheit von Frau und Mann an den Schweizer Universitäten grosszügig gefördert werden.

Nachdem Frauenförderung bislang als Sonderfunktion dem Servicezentrum Chancengleichheit übertragen wurde, soll sie ab 2013 als Querschnittsaufgabe in den täglichen Geschäftsabläufen verankert werden. Ziel ist es, Gleichstellungsbewusstsein innerhalb der gesamten Organisation zu schaffen und die Genderperspektive in den kompletten Führungskreislauf einzubeziehen. Dadurch werden die in netz+ – HSG Women erprobten und bewährten Praktiken zukünftig in andere Bereiche der Universität St.Gallen integriert. Wir haben in den letzten Jahren hunderte von jungen Talenten ein Stück auf ihrer Laufbahn begleitet, sie geschult, beraten und informiert. Zehn Absolventinnen der Universität St.Gallen haben wir exemplarisch nach ihren Erfahrungen mit der universitätseigenen Frauenförderung befragt. Interessiert hat uns besonders, welche Fähigkeiten sie rückblickend aus den netz+ – HSG Women-Angeboten erlangt haben und welche Tipps sie zukünftigen Absolventinnen mit auf den Weg geben können.

Dr. Sonja Rüegg Leiterin Servicezentrum Chancengleichheit Judith Schwanke Projektleiterin netz+ – HSG Women

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Frauenspezifische Förderung ist wichtig, ersetzt aber eine hohe Leistungsbereitschaft nicht !

Simone Westerfeld  |  ist Professorin für Banking & Finance am Institut für Finanzmanagement an der Hochschule für Wirtschaft FHNW in Basel, Privatdozentin für Banking an der Universität St.Gallen (HSG) und Geschäftsführerin der Westerfeld & Partner GmbH. Bevor sie 2010 an der HSG mit einer venia legendi für Betriebswirtschaft, insbesondere Banking und Finance habilitiert wurde, war sie für mehrere renommierte Banken tätig, zuletzt als Direktionsmitglied in leitender Funktion. Simone Westerfeld lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in Zürich.

Haben Sie während Ihrer Ausbildung an der HSG von gezielten Frauenförderungsmassnahmen profitiert?

Welche Möglichkeiten ergaben sich hieraus für Ihren persönlichen und beruflichen Werdegang?

Ich habe insbesondere zu Beginn meiner Habilitation von Förderangeboten an der HSG profitiert, da ich mich in einer Gruppe des Peer Mentoring mit anderen jungen Forscherinnen zusammengefunden habe, die sich eine Verbesserung in den Methoden der empirischen Forschung als Ziel gesetzt hatten. So konnten wir im Team Schlüsselkompetenzen erwerben und uns gezielt dazu austauschen. Die regelmässigen organisierten Zusammentreffen von Habilitandinnen haben mich in meinem Vorhaben unterstützt und mir geholfen, Herausforderungen des Projekts auch im Team zu diskutieren.

Mein persönlicher Werdegang wurde insbesondere durch den Austausch mit anderen jungen Wissenschaftlerinnen positiv beeinflusst. Mein Vorgehen konnte ich durch und mit den anderen Peers reflektieren. Das eigene Vorgehen wurde so durch ähnliche Erfahrungen oder Tipps der Peers geprägt.

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Wurde Ihre Karriere durch einen Aspekt überraschend positiv oder negativ beeinflusst? Meine akademische Karriere wurde durch meinen Mentor positiv beeinflusst, der mich stets motiviert hat, das Habilitationsziel konzentriert und mit seiner Unterstützung zu verfolgen. Ausserdem hat mein Mann meine Karriere wesentlich beflügelt. Seine Unterstützung, insbesondere hinsichtlich der Fertigstellung meiner Habilitation nach der Geburt unserer Zwillinge, hat viele Karriereschritte überhaupt erst ermöglicht.

Was würden Sie heutigen Studentinnen mit auf den Weg geben, um abgesehen von einer hohen Leistungsbereitschaft und guter Ausbildung ihre Karriereziele zu verwirklichen? Ich halte es für wichtig, in der Karriereplanung sehr strategisch vorzugehen, die Rahmenbedingungen zu verstehen und gleichzeitig flexibel genug zu bleiben, stets auf sich ändernde Verhältnisse reagieren zu können. Frauenspezifischen Fragestellungen sollte dabei Aufmerksamkeit geschenkt werden. Es lohnt sich, gezielte Fördermassnahmen für Frauen wahrzunehmen und den Blick für das Themenfeld zu öffnen; keinesfalls sollte die Frauenthematik jedoch das zentrale eigene Anliegen überlagern!

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Erfolg heisst Selbstständigkeit. Frauenförderung macht Frauen selbstständig !

Katarina Sikavica  |  ist seit 2009 Stipendiatin der Europäischen Union (Marie Curie Fellow, IEF) an der Ludwig-Maximilians-Universität München und aktuell als Visiting Assistant Professor an der Wharton School of Management, University of Pennsylvania, tätig. 2008 schloss sie ihre Promotion mit summa cum laude an der Universität St.Gallen ab, nachdem sie mit einem Stipendium des Schweizerischen Nationalfonds an der Kellogg School of Management, Northwestern University geforscht hat. Zu ihren wissenschaftlichen Interessen zählen u. a. Aktionärsverhalten und Corporate Governance.

Haben Sie während Ihrer Ausbildung an der HSG von gezielten Frauenförderungsmassnahmen profitiert?

Welche Möglichkeiten ergaben sich hieraus für Ihren persönlichen und beruflichen Werdegang?

Ich habe im Rahmen des HSG Peer Mentoring als Gruppenleiterin zweimal erfolgreich Mittel für unser Projekt «Publication Network» eingeworben. Ziel des Publication Networks war es, sich in Eigeninitiative mit Workshops, Eigenpräsentationen und anderen gemeinsamen Veranstaltungen gezielt Publikationskompetenzen anzueignen. Wir haben zu diesem Zweck Methoden- und «Academic Writing»Workshops veranstaltet. Darauf aufbauend haben die Gruppenmitglieder gemeinsam Artikel verfasst und diese an Tagungen präsentiert.

Ich habe mir wichtige Kompetenzen aneignen können: erste selbstständige Antragsstellung inkl. Budget; Verantwortung für Zielerreichung und Gruppenleitung; schliesslich: Kontakt zu Prof. Ed Zajac, auf dessen Einladung hin ich als SNF-Stipendiatin ein Jahr an der Kellogg School of Management forschen konnte.

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Wurde Ihre Karriere durch einen Aspekt überraschend positiv oder negativ beeinflusst? Positiv hervorzuheben ist meine akademische Selbstständigkeit: ich habe mich weitgehend aus Drittmitteln finanziert, die ich selbst einwarb. Leider hatte ich auf dem Weg keine MentorInnen oder WegbereiterInnen, welche mir den einen oder anderen Stein aus dem Weg hätten räumen können.

Was würden Sie heutigen Studentinnen mit auf den Weg geben, um abgesehen von einer hohen Leistungsbereitschaft und guter Ausbildung ihre Karriereziele zu verwirklichen? Sich nicht nur hohe Ziele zu setzen, sondern sich überlegen, wie diese Ziele erreicht werden können: Welche Kompetenzen brauche ich dafür? Wer kann mir dabei helfen? Wo bekomme ich wichtige Informationen? Gibt es jemanden, der bereit ist, die Mentoring-Rolle zu übernehmen? Last but not least: Spass haben!

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Differenziertes und wertfreies Unterstützungsangebot von und für Frauen !

Regula Ruflin  |  ist Sozialarbeiterin und promovierte Staatswissenschaftlerin (Dr. rer. publ. HSG). Sie hat mit ihren Erfahrungen als Unternehmensberaterin und Projektleiterin im Sozial- und Gesundheitsbereich 2006 die Beratungsfirma socialdesign ag mitbegründet. Als Teilinhaberin steht Regula Ruflin mehrheitlich Nonprofit-Organisationen und Verwaltungen im Sozial-, Bildungsund Gesundheitswesen bei Innovationen und Change-Managementprozessen beratend zur Seite. Ausserdem übernimmt sie Lehraufträge im tertiären Aus- und Weiterbildungsbereich.

Haben Sie während Ihrer Ausbildung an der HSG von gezielten Frauenförderungsmassnahmen profitiert?

Welche Möglichkeiten ergaben sich hieraus für Ihren persönlichen und beruflichen Werdegang?

Ja, das habe ich. Ich erinnere mich noch gut an einen kurzen, aber hilfreichen Workshop zu Gesprächs- und Verhandlungsführung. Auch nahm ich als «Zaungast» an verschiedenen Peer Mentoring-Anlässen teil, ein Angebot von netz+ – HSG Women für Doktorandinnen und Postdoktorandinnen. Spannend war dabei die Vernetzung mit Doktorandinnen auch anderer Universitäten.

Während meiner Promotion stellte sich mir die Frage, ob und wenn ja, auf welche Art ich eine akademische Karriere anstreben sollte. Das Bewerbungsverfahren zur Bildung einer eigenen Peer Gruppe und verschiedene Veranstaltungen zur Karriereplanung und Vernetzung verhalfen mir hier zu mehr Klarheit. Nützlich war dabei der Austausch mit anderen Doktorandinnen: welche Träume und Vorstellungen hatten wir, welchen Preis waren wir zu zahlen bereit und was machte uns Spass?

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Wurde Ihre Karriere durch einen Aspekt überraschend positiv oder negativ beeinflusst? Noch heute bin ich mit dem Institut für Systemisches Management und Public Governance sehr verbunden. Die Möglichkeit, im Rahmen des Sino Swiss Management Training Programms während der Abschlussphase meiner Dissertation unterrichten zu dürfen, öffnete mir Augen und Ohren für die vielfältigen Möglichkeiten des Lehrens und Lernens – und des Selberherstellens. Theorie und Praxis zu verknüpfen und in politischen und organisationalen Kontexten im Hinblick auf konkrete Realisierung und Umsetzung zu beraten, ist seither «mein Ding». Es ist wunderbar, dies tagtäglich im Rahmen der von meinem Partner und mir gegründeten socialdesign ag leben zu dürfen.

Was würden Sie heutigen Studentinnen mit auf den Weg geben, um abgesehen von einer hohen Leistungsbereitschaft und guter Ausbildung ihre Karriereziele zu verwirklichen? Nützen Sie unterstützende Angebote. Sie helfen, realistisch Möglichkeiten und Wege zu erkennen. Hören Sie bei Ihrer Karrierewahl und Ihren beruflichen und privaten Schritten unbedingt auch auf das, was Ihnen Ihr Bauchgefühl sagt. So ist denn jede Karriere gut und sinnvoll, sofern sie dem entspricht, was Sie gerne machen und woran Sie Freude haben. Solange Sie sozioökonomisch diese Wahl haben, nutzen Sie das Privileg wählen zu können.

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Vernetzt zum Ziel !

Stephanie Hrubesch-Millauer  |  geboren 1975 und aufgewachsen in Deutschland und der Schweiz, ist Rechtsanwältin und seit 2010 ordentliche Professorin für Privatrecht der Universität Bern. Während den Jahren ihrer Promotion und Habilitation an der Universität St.Gallen erwarb sie 2003 ihr Anwaltspatent und schloss zudem eine Mediationsausbildung ab. Sie war als Gerichtsschreiberin am Kantonsgericht St.Gallen, Dozentin an der Universität St. Gallen, Rechtsanwältin und von 2007 bis 2010 als Assistenzprofessorin an der Universität Bern tätig. Stephanie Hrubesch-Millauer ist verheiratet und hat eine Tochter.

Haben Sie während Ihrer Ausbildung an der HSG von gezielten Frauenförderungsmassnahmen profitiert?

Welche Möglichkeiten ergaben sich hieraus für Ihren persönlichen und beruflichen Werdegang?

Als Teilnehmerin eines Peer Mentoring-Programms war die Vernetzung mit anderen Habilitandinnen, aber auch Professorinnen und Professoren der eigenen und anderer Universitäten möglich. Der Gedankenaustausch mit Frauen in gleicher oder ähnlicher Situation bzw. mit gleichem Berufsziel ist sowohl in persönlicher als auch in beruflicher Hinsicht sehr wertvoll.

Wir aus unserer Peer Mentoring-Gruppe «Vernetzt zum Ziel» haben heute noch Kontakt und treffen uns (mehr oder weniger) regelmässig. Networking ist – natürlich neben anderen Faktoren wie etwa hoher Leistungsbereitschaft, Soft Skills, optimalem Zeitmanagement usw. – ein nicht zu unterschätzender Faktor für eine erfolgreiche Karriere.

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Wurde Ihre Karriere durch einen Aspekt überraschend positiv oder negativ beeinflusst? Mein Doktorvater hat mich bereits während des Studiums gefördert und gefordert, mich zur Dissertation und später auch zur Habilitation animiert. Er sowie meine Familie haben mich auf meinem Weg von der Studentin, Doktorandin, Habilitandin, Oberassistentin hin zur Assistenzprofessorin und schliesslich zur Ordinaria begleitet und sind mir stets beiseite gestanden.

Was würden Sie heutigen Studentinnen mit auf den Weg geben, um abgesehen von einer hohen Leistungsbereitschaft und guter Ausbildung ihre Karriereziele zu verwirklichen? «Mache dir einen Lebensplan und verfolge ihn konsequent; sei dabei unbeugbar in deinem Ziel, aber beweglich in den Mitteln.» (William McDougall, Psychologe, 1871–1938). Es ist notwendig, den eigenen Weg trotz allfälliger Schwierigkeiten und Unebenheiten selbstbewusst und zielgerichtet zu gehen. Nur so können Träume verwirklicht werden.

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Organisierte Frauenpower – yes we can !

Lisa Herzog  |  ist Habilitandin an der Universität St. Gallen. Sie studierte Volkswirtschaftslehre, Philosophie und Politologie in München und Oxford und promovierte von 2008 bis 2011 als Rhodes Scholar in Oxford. Für ihre Dissertation «Inventing the Market. Smith, Hegel, and Political Theory» erhielt Lisa Herzog 2011 den Sir Ernest Barker Prize und 2012 den Ernst-Bloch-Förderpreis. Die passionierte Hobbycellistin forscht und lehrt an der Schnittstelle von Philosophie und Ökonomie und schreibt gelegentlich für Zeitungen und Blogs.

Haben Sie während Ihrer Ausbildung an der HSG von gezielten Frauenförderungsmassnahmen profitiert?

Welche Möglichkeiten ergaben sich hieraus für Ihren persönlichen und beruflichen Werdegang?

Seit Frühjahr 2012 bin ich Mitglied und Co-Leiterin in der Peergruppe «HSG Postdoc Peers». Wir sind zehn Nachwuchswissenschaftlerinnen und organisieren füreinander Workshops und Treffen mit erfolgreichen weiblichen Vorbildern, teilen Informationen und unterstützen uns gegenseitig – auf fachlicher und persönlicher Ebene. netz+ – HSG Women stellt dafür das Funding bereit und steht uns mit Rat und Tat zur Seite.

Es ist sehr bereichernd, in der Gruppe zusammenzuarbeiten, sich bei Fragen und Problemen Beistand zu leisten und sich über Erfolge gemeinsam zu freuen. Nebenbei schult es in Projektmanagement und Teamarbeit. Wir sind ziemlich verschieden, nicht nur in Bezug auf Fächer und Charaktere, sondern auch in Bezug auf unsere Lebens- und Karrierewege. Diese Vielfalt zu sehen, macht Mut, den ganz individuellen Weg zu finden.

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Wurde Ihre Karriere durch einen Aspekt überraschend positiv oder negativ beeinflusst? Die Philosophie war traditionell eine Männerdomäne, und Frauen sind immer noch unterrepräsentiert. Daher war und ist es sehr wichtig für mich, mich mit anderen Frauen und auch mit feministischen Theorien auseinanderzusetzen, um eigene und fremde Rollenerwartungen und Denkmuster besser zu verstehen und bewusst Position dazu zu beziehen. Und: ohne die Unterstützung durch meinen Partner und meiner Familie wäre ich nicht, wo ich heute bin.

Was würden Sie heutigen Studentinnen mit auf den Weg geben, um abgesehen von einer hohen Leistungsbereitschaft und guter Ausbildung ihre Karriereziele zu verwirklichen? Findet heraus, was Euch wichtig ist, beruflich und privat – dann lohnt es sich auch, dafür zu kämpfen!

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Augen offen halten und Gelegenheiten nutzen !

Karin Kreutzer  |  ist seit 2011 Juniorprofessorin des Danone Stiftungs-Lehrstuhls für Social Business an der European Business School Wiesbaden. Nachdem sie 2009 ihre Promotion an der Universität St.Gallen abgeschlossen hat, war sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Strategisches Management der HSG und Co-Leiterin eines vom SNF finanzierten Forschungsprojekts tätig. Karin Kreutzer besitzt einen Masterabschluss in Management von Nonprofit-Organisationen der Universität SDA Bocconi, Mailand sowie einen Diplomabschluss der Kulturwirtschaft der Universität Passau. Die 33-jährige Ökonomin ist Mutter von zwei Kindern.

Haben Sie während Ihrer Ausbildung an der HSG von gezielten Frauenförderungsmassnahmen profitiert?

Welche Möglichkeiten ergaben sich hieraus für Ihren persönlichen und beruflichen Werdegang?

Während meiner Promotion war ich Co-Leiterin der Peer Mentoring-Gruppe «Peers for Success», die sich das Ziel setzte, «Wege zum Lehrstuhl» kennenzulernen. Ausserdem habe ich an Seminaren von netz+ – HSG Women teilgenommen.

In der Peer Mentoring-Gruppe hat mir vor allem der Austausch mit den Doktorandinnen und Doktoranden geholfen, mir über meine persönlichen Stärken und Ziele bewusst zu werden. Mit einer Ausnahme sind inzwischen alle Mitglieder unserer Gruppe in fortgeschrittenen wissenschaftlichen Positionen an renommierten Universitäten auf der ganzen Welt beschäftigt, und ich profitiere immer noch von dem regelmässigen Kontakt mit ihnen.

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Wurde Ihre Karriere durch einen Aspekt überraschend positiv oder negativ beeinflusst? Ich wurde auf meinem bisherigen Weg immer wieder durch Mentorinnen und Mentoren besonders unterstützt und gefördert. Das hat sich mehr oder weniger zufällig ergeben und ich bin dafür sehr dankbar. Durch die flexible Arbeitszeitgestaltung, die in einer wissenschaftlichen Position möglich ist, ist es mir bisher sehr gut gelungen, meinen Beruf und unsere beiden Kinder unter einen Hut zu bekommen.

Was würden Sie heutigen Studentinnen mit auf den Weg geben, um abgesehen von einer hohen Leistungsbereitschaft und guter Ausbildung ihre Karriereziele zu verwirklichen? Mein Werdegang war so sicher nicht vorhersehbar und planbar. Ich denke, es ist wichtig, die Augen offen zu halten und wenn sich eine gute Gelegenheit bietet, diese dann auch beim Schopf zu packen.

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Hilfe zur Selbsthilfe !

Sibylle Minder Hochreutener  |  ist seit 2008 Professorin für Betriebsökonomie, Fachbereichsleiterin Wirtschaft und Prorektorin an der FHS St.Gallen, Hochschule für angewandte Wissenschaften. Ausserdem ist sie als Lehrbeauftragte an der Universität St.Gallen tätig, wo sie ihr Studium der Betriebswirtschaft absolvierte und 2001 im Bereich Wissens- und Innovationsmanagement in KMU promoviert hat. Von 2005 bis 2008 wirkte die Ökonomin als Professorin für Unternehmensführung und Organisation an der Berner Fachhochschule.

Haben Sie während Ihrer Ausbildung an der HSG von gezielten Frauenförderungsmassnahmen profitiert?

Welche Möglichkeiten ergaben sich hieraus für Ihren persönlichen und beruflichen Werdegang?

Mir diente die Peer Mentoring-Gruppe «Publication Network» als Entscheidungshilfe für meinen persönlichen Weg. Ich stand damals vor der Klärung, ob ich eine Habilitation verfassen sollte. Im Rahmen unserer Gruppe halfen mir die fachlichen Diskussionen, aber auch der Austausch über die verschiedenen Karriereoptionen, um mir ein Bild meiner eigenen Zukunft zu malen. Ich realisierte in den vielen Gesprächen, dass ich – obwohl ich mir zutraute, eine Habilitation zu einem spannenden Thema zu verfassen – auf diesem Weg nicht glücklich werden würde. Meine Interessen und Potentiale wären zu wenig zum Zug gekommen und ich hätte mich auf einen zu einseitigen Weg konzentriert.

Neben der Klärung meiner Karrierewünsche konnte ich während der Zeit des Peer Mentorings auch einen Einblick in verschiedene Institutionen, zum Beispiel den Schweizerischen Nationalfonds, gewinnen. Dies diente mir später als gute Wissensbasis, als ich in den Stiftungsrat des Schweizerischen Nationalfonds gewählt wurde. Zudem freue ich mich, wenn ich ab und zu einem bekannten Gesicht aus dem Peer Mentoring in der Hochschullandschaft wiederbegegne.

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Wurde Ihre Karriere durch einen Aspekt überraschend positiv oder negativ beeinflusst? In meinem Fall haben sich viele Aspekte unerwartet im Laufe meiner Berufstätigkeit ergeben. Allerdings sah ich mich nie vor unüberwindbare Hürden gestellt. Ich kann mein jetziges Berufs- und Familienleben in wunderbarer Weise kombinieren. Dies ist mir aber nicht einfach so in den Schoss gefallen. Schon früh habe ich mir einen Coach gesucht, der zu mir passt. Seitdem nutze ich die Möglichkeit, Themen in meiner Berufstätigkeit oder meinem privaten Leben mit dem Coach zu diskutieren und zu reflektieren.

Was würden Sie heutigen Studentinnen mit auf den Weg geben, um abgesehen von einer hohen Leistungsbereitschaft und guter Ausbildung ihre Karriereziele zu verwirklichen? Eine wichtige Voraussetzung für ein ausgefülltes Leben ist das Setzen von persönlichen Zielen, die allerdings nicht zu stur verfolgt werden müssen. Das Leben bietet am Rande immer unvorhergesehene Optionen, die es zu nutzen gilt. Ausserdem lässt sich mit Geduld und Gelassenheit in jeder Situation eine geeignete Lösung finden, auch wenn wir das im ersten Moment nicht für möglich halten.

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Frauenförderung – ein tragender Wert in der Entscheidungsfindung !

Kathrin Sele  |  (Dr. oec. HSG) ist Assistenzprofessorin für Strategie und Innovation an der Universität Toulouse in Frankreich. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit frühen Phasen der Innovation und legt dabei besonderes Augenmerk auf Rhetorik und Sprache. Während und nach ihrem Studium der Kommunikationswissenschaften an der Universität Lugano arbeitete Kathrin Sele unter anderem bei Lemongrass Communications, Nose und BMW. Kathrin Sele ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Haben Sie während Ihrer Ausbildung an der HSG von gezielten Frauenförderungsmassnahmen profitiert?

Welche Möglichkeiten ergaben sich hieraus für Ihren persönlichen und beruflichen Werdegang?

Ich war Mitglied der Peer Mentoring-Gruppe «Publication Network». Zusammen mit anderen jungen Forscherinnen haben wir Seminare zu unterschiedlichen Aspekten der «Kunst des Publizierens» in Fachzeitschriften – Methodik, Sprache, Struktur etc. – organisiert. Neben der institutionalisierten Form der Förderung bin ich auf meinem Weg immer wieder Personen – Frauen wie Männern – begegnet, die mich unterstützt haben.

Innerhalb unserer Peer Mentoring-Gruppe ging es in erster Linie um die Aneignung von überfachlichen Kompetenzen. Der Austausch mit meinen Mentorinnen und Mentoren war und ist darüber hinaus vor allem in der Entscheidungsfindung sehr wertvoll. Bei der Förderung geht es für mich viel mehr um das Aufzeigen von Optionen als um das Eröffnen konkreter Möglichkeiten. Letztere müssen wir uns selbst erarbeiten.

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Wurde Ihre Karriere durch einen Aspekt überraschend positiv oder negativ beeinflusst? Es gab und gibt immer wieder Aspekte, welche auf berufliche Entscheidungen einwirken. Ein anschauliches Beispiel hierfür ist die Geburt meines ersten Kindes während der Dissertation. Mein Mann erhielt zeitgleich ein Forschungsstipendium. So sind wir als Familie zuerst für sechs Monate nach Boston und dann mit seinem Professor von Harvard nach Toulouse gezogen. Für mich stellten sich zwei Fragen: Wie kann ich meine eigene Karriere weiterverfolgen und was mache ich bloss in Toulouse? Völlig unerwartet wurde mir dann kurz nach der Kontaktaufnahme eine Stelle als Dozentin angeboten – es fehlte in Toulouse an Dozierenden, die bereit waren, Vorlesungen auf Englisch zu halten. Ich habe nicht lange gezögert und zugesagt. Nach dem Abschluss der Dissertation bin ich nun für drei Jahre als Assistenzprofessorin angestellt. Eine scheinbar negative Ausgangslage ist so zu einer grossen Chance geworden.

Was würden Sie heutigen Studentinnen mit auf den Weg geben, um abgesehen von einer hohen Leistungsbereitschaft und guter Ausbildung ihre Karriereziele zu verwirklichen? Im Leben führt nicht nur der gerade Weg zum Ziel. Deshalb ist es stets wichtig, aus jeder Situation das Beste zu machen.

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Ein zeitgemässer Rahmen für Aktivitäten und Denkanstösse hinsichtlich eines leider immer noch hochaktuellen Themas !

Constanze Semmelmann  |  ist seit 2010 Lehrbeauftragte für Europarecht an der Universität St.Gallen und momentan Gastwissenschaftlerin an der McGill University in Montreal, Kanada. Während ihrer Promotion an der Universität St.Gallen war sie Mitglied der Peer Mentoring-Gruppe «GPS zur Professur». Es folgte ein dreijähriges vom SNF gefördertes Forschungsprojekt an den Universitäten Oxford, Michigan und Maastricht. Seit ihrer Promotion 2008 stand sie als Mentorin im Rahmen des Westschweizer Programms «Starting Doc» Doktorandinnen der Universitäten Genf und Neuenburg zur Seite.

Haben Sie während Ihrer Ausbildung an der HSG von gezielten Frauenförderungsmassnahmen profitiert?

Welche Möglichkeiten ergaben sich hieraus für Ihren persönlichen und beruflichen Werdegang?

Zu Beginn des Doktoratsstudiums gründete ich mit einigen anderen Doktorandinnen eine Peer Mentoring-Gruppe, die von netz+ – HSG Women gefördert wurde. Innerhalb der Gruppe erfolgte ein reger Austausch über Themen wie Networking oder die Rolle von Vorbildern, der zum Teil die Nachwuchsförderung allgemein betraf, zum Teil aber auch zur Sensibilisierung für spezifische Aspekte beitrug, die Frauen besonders betreffen. Auch wenn zuweilen der Eindruck entsteht, Themen wie Mentoring, Vorbild Role-Models oder Work-Life-Balance seien ausdiskutiert oder gar Frauenförderung nicht mehr notwendig, möchte ich dem entschieden entgegentreten: Im Laufe einer Karriere kann man und frau sich nicht früh genug ernsthaft Gedanken darüber machen, um in entscheidenden Momenten effektiv und nachhaltig agieren zu können.

Die Frauenförderung an der HSG hat bei mir Bewusstsein dafür geschärft, wie unerlässlich Mentoring, Nachwuchsförderung und Zusammenarbeit im akademischen Bereich sind. Dies gilt insbesondere, da Frauen in gewissen Hierarchiestufen und Bereichen weiterhin deutlich unterrepräsentiert sind. Aufgrund der Hilfestellungen, die ich selbst in der Peer-Gruppe erfahren habe, erachtete ich meine eigene Tätigkeit als Mentorin als selbstverständlich.

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Wurde Ihre Karriere durch einen Aspekt überraschend positiv oder negativ beeinflusst? Mein beruflicher Werdegang wurde – wie vermutlich jeder andere auch – von vielen Faktoren geprägt. Ohne persönlichen Einsatz, ein Gespür für Menschen, private wie berufliche Unterstützung und das Glück, manchmal im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein, funktionieren Karrieren in den wenigsten Fällen. Mobilität war für mich ein besonders hervorzuhebender Aspekt, der unverzichtbare Erfahrungen und aufschlussreiche Vergleiche ermöglichte und nicht zuletzt die für eine nachhaltige akademische Karriere unerlässliche Unabhängigkeit verlieh.

Was würden Sie heutigen Studentinnen mit auf den Weg geben, um abgesehen von einer hohen Leistungsbereitschaft und guter Ausbildung ihre Karriereziele zu verwirklichen? Grundsätzlich bedarf es einer Auseinandersetzung mit den eigenen Karrierezielen sowie der Bereitschaft, von Zeit zu Zeit kritisch zu hinterfragen, ob das, was man oder frau gerade tut, dem inneren Wunsch, den eigenen Fähigkeiten und einem in persönlicher und beruflicher Hinsicht nachhaltigem Lebensentwurf entspricht. Mut zum Risiko unter gleichzeitigem Bewusstsein gewisser Grenzen. Ansonsten ist es für Frauen hilfreich, männliche und weibliche Förderer zu gewinnen, die ihnen Integrität, langfristiges Denken und die Vereinbarkeit von Beruflichem und Privatem vorleben.

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Be Open for Unforeseen Opportunities !

Bozena Mierzejewska  |  ist Assistanzprofessorin für Communication and Media Management an der Fordham University, New York, USA. Zuvor forschte sie an der Universität St.Gallen, wo sie 2008 ihr Doktorat im Bereich Wirtschaftswissenschaften ablegte. Im Rahmen eines SNF-Stipendiums war sie während dieser Zeit für ein Jahr an der University of North Texas, USA, und von 2010 bis 2012 als Marie Curie-Stipendiatin an der Jönköping International Business School, Schweden. Bozena Mierzejewska besitzt sowohl einen Masterabschluss in Volkswirtschaft als auch in European Leisure Studies mit einemVerbunddiplom an fünf europäischen Universitäten. Die Expertin für Medienmanagement und Digitalisierung lebt mit ihrem Ehemann in New York und hat eine erwachsene Tochter.

Haben Sie während Ihrer Ausbildung an der HSG von gezielten Frauenförderungsmassnahmen profitiert?

Welche Möglichkeiten ergaben sich hieraus für Ihren persönlichen und beruflichen Werdegang?

Durchaus. Die Habilitandinnen-Lunches und andere Networking-Anlässe stellten immer sehr gute Möglichkeiten dar, neue Menschen und Ideen kennenzulernen. Ich habe auch von der Teilnahme an kompetenzorientierten Workshops wie Wissenschaftliche Karriereplanung, Academic Writing und Öffentliches Auftreten profitiert. Ausserdem kann ich das «Mentoring Deutschschweiz» empfehlen, welches gute Möglichkeiten eröffnet, mit einem Mentor oder einer Mentorin die eigenen Visionen und Ziele, aber auch die Herausforderungen und Hürden einer akademischen Laufbahn zu thematisieren.

Die Angebote eröffneten immer wieder neue Perspektiven auf die akademische Welt und halfen mir, meine eigene Richtung zu reflektieren. Das sind wertvolle Bausteine für mich, wenn ich mich mit der Frage auseinandersetze, wie die eigenen Laufbahnziele mit den familiären Aufgaben in Einklang gebracht werden können.

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Wurde Ihre Karriere durch einen Aspekt überraschend positiv oder negativ beeinflusst? Der Weg zum Ziel ist bekannterweise nicht immer einfach. Die Kunst ist es, Stolpersteine als lehrreiche Chancen zu begreifen. So habe ich an der HSG mehr Zeit und Energie aufgewendet als geplant, um eine neue Sprache und Kultur zu lernen. Dies eröffnet mir heute zusätzliche Möglichkeiten für die Lehre, in der wissenschaftlichen Diskussion und bei der Veröffentlichung meiner Forschungsergebnisse. Durch die Herausforderung, in der Doktoratsphase parallel auch die familiären Aufgaben als Mutter zu meistern, entwickelte ich zusätzliche Ausdauer und eine «Never give up»-Haltung. Schliesslich musste ich mich den Widrigkeiten und Unvorhersehbarkeiten von Forschungsfinanzierungen stellen. Seitdem ich die «Sprache der Evaluatoren» kenne, betrachte ich das Schreiben von Forschungsanträgen als intellektuelle Übung, andere von meinen Ideen zu überzeugen.

Was würden Sie heutigen Studentinnen mit auf den Weg geben, um abgesehen von einer hohen Leistungsbereitschaft und guter Ausbildung ihre Karriereziele zu verwirklichen? Ein Sprichwort sagt: «Don’t tell me how educated you are, tell me how much you travelled». Das kann ich nur unterstreichen. Durch meine berufliche Mobilität konnte ich unterschiedliche erfolgreiche Beispiele von Frauenförderung kennenlernen, beispielsweise die Möglichkeiten der Vereinbarkeit von akademischer Karriere und Familie in Schweden. Dies lehrte mich, Dinge nicht immer als gegeben anzusehen, und wenn es sinnvoll und möglich ist, Grenzen neu zu definieren.

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Universität St. Gallen Servicezentrum Chancengleichheit netz+ – HSG Women Bodanstrasse 1 | CH-9000 St. Gallen Tel +41 (0)71 224 21 52

© Universität St. Gallen | Konzept und Gestaltung | Marcel Bischof / www.2b-gestaltung.ch

netzplus@unisg.ch www.netzplus.unisg.ch

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