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Foto: Fischer

Das Spartenpräsidium wurde durch die WK-Wahl bestätigt: Obmann Christian Knill stehen als Stellvertreter weiterhin Remus-Chefin Angelika Kresch und GAWChef Jochen Pildner-Steinburg zur Seite.

Offenheit in Richtung Europa Sie wurden bei der Wirtschaftskammerwahl in Ihrer Funktion als Spartenobmann bestätigt. Was sind Ihre Ziele? Knill: Ganz klar die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen, die Attraktivierung des Standorts und effiziente Service- und Informationsdienstleistungen für die steirischen Industriebetriebe. Was benötigt die steirische Industrie besonders dringend? Knill: Wir brauchen Verbesserungen im Infrastrukturbereich, um den Standort weiter attraktiv zu halten. Das er-

Explosiv In Sankt Lambrecht wurde Europas modernste Emulsionsanlage eröffnet. Das Werk gehört zur amerikanischen „Austin Powder International“ und wird 14.000

fordert auch ein klares Bekenntnis von Politik und Verwaltung, Dinge schneller umzusetzen, etwa UVP-Verfahren. Es braucht auch ein offeneres Denken in Richtung Europa: Wichtige strategische Infrastrukturprojekte müssen europaweit außer Streit stehen, wir müssen globale Herausforderungen annehmen, nicht lokale. Was sind die Stärken des Industriestandorts Steiermark? Knill: Die Stärken der Steiermark sind auch die Stärken Europas. Europa ist nach wie vor ein Bildungskontinent mit exzellenten Experten, die wir bei uns behalten müssen. Nur so können wir mit den aufstrebenden Playern, wie China oder Indien, mithalten. Produktivität sowie Bildung und Ausbildung sind dabei wichtige Faktoren. Und eines darf man auch nicht

Tonnen Emulsionssprengstoffe pro Jahr produzieren – beinahe 100 Kilogramm pro Minute gehen übers Förderband. „Mit diesen modernen Sprengstoffen sind wir in der Lage, herkömmliches Dynamit weitgehend zu ersetzen“,

Geschäftsführer Schuster (Mitte) mit Ehrengästen

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vergessen: Das scheinbare Billiglohnland China ist längst auch als Markt interessant. Welche Branchen haben aus heutiger Sicht besonderes Potenzial? Knill: Der Bereich Umweltund Abfallindustrie wird weiter wachsen, ebenso die Humantechnologie. Bei den traditionellen Branchen wie Auto, Holz oder Papier ist eine Prognose schwierig. Der Automotive-Bereich erholt sich zwar langsam, liegt aber noch weit unter dem Niveau der Hochkonjunktur.

erklärt Geschäftsführer Wolfgang Schuster. Dem gelatinösen Sprengstoff, also dem Dynamit, durch das vor einigen Jahren ein guter Teil der Produktionsstätte bei einer Explosion zerstört wurde, kehrt man damit den Rücken. Rund fünf Millionen Euro wurden in den Neubau investiert. In Österreichs einzigem Sprengstoffwerk wird ausschließlich für zivile Zwecke produziert, also zum Beispiel für Steinbrüche, Tunnelbau und Lawinenschutz. Seit 2003 gehört das Werk zur „Austin“-Gruppe, einem der größten Anbieter von Sprengstoffen und Sprengdienstleistungen weltweit.

Industrie

Spartenobmann Christian Knill vertritt rund 1300 Industriebetriebe.

Gaulhofer investiert Ein massives Investitionspaket hat der österreichische Fenster- und Türenhersteller Gaulhofer geschnürt. Insgesamt zwölf Millio­ nen Euro werden in die Standorte Übelbach und Mäder investiert. Abgezielt wird dabei auf ganzheitliche Erneuerungen. Ein guter Teil des Geldes (sieben Millionen Euro) fließt in Forschung und Entwicklung, aber auch in den Bereichen Produktion, Ökologie und Personalqualifizierung wolle man auf dem neuesten Stand bleiben, so Vorstandssprecher Manfred Gaulhofer. Bereits realisiert

wurde eine Biomasse-Heizung in Übelbach. Die Holzabfälle aus der Produktion werden zum Heizen verwendet, die Emissionen konnten so dauerhaft auf weniger als 25 Prozent der gesetzlich erlaubten Werte gesenkt werden.

Manfred Gaulhofer

Freitag, 2. Juli 2010

Foto: Furgler

Spartenobmann Christian Knill über Herausforderungen der steirischen Industrie, den Bildungskontinent Europa und Wachstumsbranchen.


Steirische Wirtschaft, Ausgabe 21