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Editorial

Warum die Ostsee ? Vorwort zur aktuellen Ausgabe

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evor ich über die aktuelle Ausgabe spreche, will ich erst einmal einen Blick zurück werfen, auf die ersten beiden Ausgaben. Über 500 interessierte Leser/innen haben sich bereits season angenommen und ehrlich gesagt überrascht uns die Zahl schon ein wenig. Ohne Werbung, ohne das Schalten von Anzeige, ohne also die Werbetrommel geführt zu haben. Wir vermuten einfach mal, dass sich das Magazin herumgesprochen hat, letztendlich hat wohl auch ein Blog-Eintrag bei David Luther im Juni diesen Jahres dazu geführt, dass unsere Leserschaft monatlich wächst. Darüber freuen wir uns und danken an dieser Stelle für ihr Interesse. Jetzt zu Ausgabe, am Anfang steht ein Name, sechs Wörter und die große Frage, wie man daraus ein Magazin machen kann. In erster Linie muss man sich Gedanken machen, für was die Ostsee denn eigentlich steht. Wie ist der geschichtliche und wirtschaftliche Kontext dieses Meeres? Danach schaut man sich um, wie haben andere Magazine das Thema Ostsee behandelt. Inspirieren, nicht abgucken ! Unsere Autoren haben sich anschließend ihre eigenen Gedanken gemacht season-Ostsee

und Geschichten, Berichte und Fotos zu diesen komplexen Thema produziert. Ich denke, die Mischung ist gelungen, nicht zu gesellschaftlich, ein wenig Politik, Wirtschaft und das große Thema Umweltschutz. Gekrönt wird das ganze mal wieder von einem großartigen Fotografen, der sein erstes Portfolio in einem Magazin erhält. Am Ende möchte ich auf eins hinweisen; mit Absicht haben wir auf das Gustloff- sowie Estonia-Unglück verzichtet. Wir wollen diese tragische Geschichte nicht wieder aufwärmen. Die Ostsee hat weitaus schönere Geschichten, die erzählt werden müssen. Das soll kein Ignorieren der Schicksale bedeuten, eher ein respektvolles Schweigen. Viel Spaß nun mit Ausgabe Nr. 3. Viel Vergnügen mit der Ostsee.

Johannes Brümmer Herausgeber & Chefredakteur

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Inhalt

Season Die Fehmarnbeltquerung

6-7

von Johannes Brümmer

Leuchttürme der Ostsee

8-19

Zahlenspiel

20-21

Die alte Frau am Meer

22-25

von Thomas Besenitz

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Das Streitgespräch

26-27

Literatur für die Ostsee

28-29

Todeszone Ostsee

30-31

von Mathias Anschütz

Miami an der Ostsee von Achim Stett

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Inhalt

Ostsee Bilderrahmen Stockholm Baden Selin

6-7 8-19 20-21

Leserbriefe

22-25

Rettet den Dorsch

26-27

von Frank Mayek

season-Ostsee

Wo liegt Vineta ?

44-47

von Manfred Schamp

Portfolio: Dirk Wiemer

48-59

Impressum

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Bildnachweis

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Politik

Die deutsch-dänische Entscheidung Die Fehmarnbelt-Querung von Johannes Brümmer

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teht man in Puttgarden am Hafen, kann man ungefähr erahnen, welche Dimension diese Brücke haben muss. Die Verbindung zwischen Deutschland und Dänemark wäre der krönende Abschluss einer jahrzehntelangen Schöpfungsphase, die mit der Öresundbelt begann und

Weg dorthin war riskant, alles hing vom wirtschaftlichen Erfolg der Öresundbelt ab, wie würde sie angenommen werden? Wäre der ökologische Schaden doch so groß, wie Unweltschützer zunächst angenommen hatten? Am Ende war und ist sie ein Erfolg, in dem von der dänischen

nun endlich ihr architektonisches Finale feiert. Diese Verbindung wird es möglich machen, in München einzusteigen und in Kopenhagen wieder auszusteigen. Europa wäre damit endgültig verbunden. Der

und deutschen Regierung herausgegeben Infopapier wird diese öfter erwähnt. Man hat gute Erfahrung gesammelt und will nun endlich ausholen: Zum letzten, großen Wurf in Sachen europäische Vereinigung.

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Politik

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ie Pläne sehen eine oberirdische Überquerung zwischen Puttgarden auf Fehmarn und Lolland vor. Es gab, wie bei dem Öresundbelt-Projekt, die Überlegung, einen Tunnel durch die Ostsee zu treiben. Allerdings wäre hierfür der finanzielle Aufwand größer gewesen. Auch eventuelle umwelttechnische Einwirkungen hatte man nicht ganz ausgeschlossen. Am Ende entschied man sich für eine komplette oberirdische Verbindung. Diese sieht eine doppelgleisige Bahnverbindung unterhalb- und eine doppelspurige Autobahn oberhalb der Hängekonstruktion

vor. Die Brücke hätte dabei eine Breite von fast 30 Meter und eine Länge von 9 Kilometer. Über die Breite wurde lange diskutiert, denn nach Meinung einiger Verkehrsexperten wäre eine vierspurige Autobahn season-Ostsee

sinnvoller gewesen. Aus Kostengründen wurde darauf am Ende verzichtet. Die Kosten für das gesamte Projekt liegen nach Schätzungen beider Regierungen bei 4,1 Mill. Euro allein für die Brücke und weitere 6 Mill. Euro für die Hinterlandanlagen. Gutachten gehen heute davon aus, dass sich die Querung bereits in 25 Jahren bezahlt machen wird. Jährlich werden etwa 50 Mio. Euro an Mautgebühren für den Schienenverkehr erwartet. Wie viel die Maut letztendlich für das Auto beträgt, ist noch nicht entschieden, Experten gehen aber von einen vergleichbaren Preis wie mit einer Fähre aus. Die Brücke ist ein gewaltiges Projekt, ca. 60 000 Menschen wird sie Arbeit verschaffen und auch nach dem Ende der Bauarbeiten soll sie die regionale Infrastruktur ankurbeln. Vergleichbar mit der Öresundbelt würde das ein Zuwachs von 3 Prozent an Arbeitsplätzen in der Umgebung bedeuten. Ökologisch scheint die Brücke keine Gefahr darzustellen, Vögel würden für die Dauer der Bauarbeiten auf andere Gebiete ausweichen, aber nach deren Beendigung an ihren alten Stellen zurückkehren können. Fast scheint es so, als würde dieses Projekt ökologisch niemanden schaden. Vergleiche mit anderen Brücken haben jedoch unterschiedliche Ergebnisse hervorgebracht, also ist eine Frage von Jahren, um zu beobachten, wie sich die Tierwelt mit der deutsch-dänischen Entscheidung arrangiert.

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Architektur

Leuchtt端rm

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Architektur

me der Ostsee Von rechts oben im Uhrzeigersinn: D채nemark, Kiel, D채nemark, Warnem체nde, Lettland, Prerow, Travem체nde, Danzig

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Zahlenkunde Architektur

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Zahlenkunde Architektur

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Zahlenkunde Title Architektur

von

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Architektur

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Architektur Gastbeitrag

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Architektur Gastbeitrag

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Architektur Gastbeitrag

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Architektur Gastbeitrag Title

von

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Architektur Gastbeitrag

Bild / Text von: Michel Lohmann

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Architektur Gastbeitrag

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Zahlenspiel

Rauminhalt des Meeres: ca. 20 000 km² Tiefste Stelle in Meter: 459 Größe der Ostsee: 413 000 km² Geschätztes Alter der Ostsee: 12 000 Jahren

Größte Insel Deutschlands: Rügen Größte Insel Dänemarks: Seeland Größte Insel der Ostsee: Saaremaa

.

Zahl der finnischen Ostseeinseln und Eilande: 80 000

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Zahlenspiel

Wasservolumen der Ostsee: 21 631 Kubikkilometer Durchschnittliche Tiefe: 52 Meter Größter Salzgehalt: 25 PSU, im Skagerrak

Höhe des höhsten Kliffs: 60 m Anzahl der Tote beim GustloffUnglück im Jahre 1945: 9000 Anzahl der Staaten, die an der Ostsee angrenzen: Südlichster Punkt der Ostsee: Stettiner Haff bei Stettin. Nördlichster: schwedisch-finnische Landesgrenze am Bottnischen Meeresbusen Östlichste: Stankt Petersburg Westlichste: Westende der Flensburger Förde season-Ostsee

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Menschen

Die alte Frau und das Meer Wie eine Frau auf ihren verlorenen Mann wartet, seit 55 Jahren Von Reinhard Gebrisch

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raussen rüttelt der Wind an die Fensterläden, der Hund zieht einsam seine Runden ums Haus, das Rauschen der Ostseewellen ist zu hören, idyllisch kräht die Seemöwe. Die Ruhe durchbricht Latvita, 76, als sie Tassen und Teller auf den alten Küchentisch stellt. Sie summt dabei eine Melodie und redet mit ihrer Katze, Tuschi. Latvita ist guter Dinge, nicht oft bekommt sie Besuch, ihr Haus ist alt und riecht nach Fisch, aber jetzt, da Besuch da ist, holt sie Kekse und macht uns beiden starken Kaffee. Als alles an seinem rechten Platz ist, seufzt sie und schaut durch das Küchenfenster nach draußen. Die Geschichte, die sie mir jetzt erzählen wird ist tief verwurzelt im Gedächtnis der alten Frau, sie beginnt stockend zu erzählen, wählt die Worte weise und mit Bedacht. Sturm lag über die litauische Küste, als der junge Fischer sich von seiner jungen Ehefrau Latvita verabschiedete, sie war in Sorge, er redete ihr gut zu und verwies auf seine Erfahrung. Sie küssten sich und winkten einander nach, Morgen bin ich zurück, ist das letzte, was sie von ihm hört. Er verschwindet hinter Dunst und Nebel 22

und taucht nie wieder auf. Der Regen wird stärker, Latvita macht sich Sorgen. Am nächsten Morgen ist der Sturm vorbei, der Regen fällt in leichten Tropfen und die Menschen auf dem Land denken an ihre Angehörigen auf dem Wasser. Ihre Ankunft wird für den Mittag erwartet, viele Frauen haben Angst, dass etwas passiert sein könnte, mit dem Wetter ist nicht zu spaßen. Gegen 11 macht sich auch Latvita auf, um ihren Mann am Hafen zu empfangen. Es werden bange Minuten, aus denen bald Stunden werden. Kein Fischerboot trifft ein, die Unruhe wächst. Am Nachmittag legt ein Fischerboot aus dem Nachbarort an, die Geschichte der Fischer klingen nach Tod, Trauer. Gegen 23 Uhr am vorherigen Abend will man das Boot mit 5 Mann Besatzung noch gesehen haben, trotz Regen Sturm winkten sich die Fischer zu. Als der Sturm stärker wurde, kümmerte sich jede Besatzung um das eigene Boot, später in der Nacht dann auch um das eigene Leben. Der Kapitän spricht von Monsterwellen, auch er ist glücklich, mit dem Schrecken davon gekommen zu sein. Bei dem Wetter hätte man niemals auslaufen sollen. Das war ein Fehler.

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ie ganze Nacht über kämpft die Mannschaft um ihr Leben, einige werden verletzt aber als sich das Wetter in den Morgenstunden beruhigt, leben alle noch. Nur vom anderen Boot fehlt jede Spur. An dieser Stelle unterbricht Latvita, sie denkt nach, lange lange ist das schon her. Sie lächelt, als ich frage, ob ihr Mann ein Abenteurer war. “Er war ein Held für mich, wissen Sie”. Helden werden ausgezeichnet, bekommen Medaillen. Die Fischer, die Anno 1952 ihr Leben für ein paar Fische gaben, bekamen keine Orden, nicht einmal ein Grab bekamen sie. Die Wut auf die damalige Sowjetregierung hatte sie verbittert gemacht. Latvita macht uns neuen Kaffee, dabei singt sie ein altes Heimatlied, die Melodie klingt traurig, als ich frage, ob sie traurig 24

sei, schaut sie mich an und sagt, dass sie seit 55 Jahren traurig sei, nie habe sie ihren Mann beerdigen können, ihn an seinem Grab Blumen legen können. Als sie wieder sitzt und mir die zweite Ladung starkem Kaffee nachgießt, erzählt sie von den Tagen danach. Im kleinen Küstendorf sei nicht viel passiert, solange kein U-Boot vermisst werde, kümmere sich die Regierung nicht darum. Die Fischer suchten selber, tagelang schipperten sie auf der Ostsee umher, an der Hoheitsgrenze war aber immer Schluss, Schnellbote der Marine seien immer dabei gewesen, geholfen aber haben sie nicht. Die Frauen haben gelitten, jeden Abend, wenn das Boot in den Hafen zurückkehrte schauten die Angehörigen hoffnungsvoll auf den Kapitän. Er schüttelte dann den Kopf. Wieder nichts. Nach zwei langen Wochen voller Unge-

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wissheit und Hoffen ist es wieder ruhig im Hafen. Die Frauen beweinen ihre Söhne, Männer und Väter und Latvita macht sich darauf gefasst, ein Witwenleben zu zu führen. 1952 war das. Es ist spät geworden die Katze schmiegt sich an meinen Beinen und Latvita zeigt mir Bilder ihres Mannes. Sie habe lange nicht glauben wollen, dass ihr Mann weg sei. Die Hoffnung, dass er eines Tages zurückkomme, hatte sie immer. Die alte Frau ist müde, wie verabschieden uns und wollen uns am nächsten Tag am Strand treffen, da habe sie jahrelang auf das Fischerboot ihres Mannes gewartet. Als ich in die kalte, windige Nacht hinaus gehe winkt mir Latvita nach. Der Hund schaut mich desinteressiert an. Die Wellen brausen auf das Ufer zu, der Hund von Latvita kommt mir entgegen, Latvita zeigt auf das Meer, als wolle sie zeigen, da, dort liegt mein Mann begraben. Seit Jahrzehnten schaut sie aufs Meer, auf einen Mann, der nie mehr zurückkommen wird. Latvita ist jetzt 76, ihr Herz macht ihr zu schaffen, das Haus mache sie einsam, ihre Augen drücken Traurigkeit aus. . Ihr Ehering aus bleichem Gold funkelt mir entgegen. Liebe, die auch die Gier der Ostsee nicht aufhalten kann. Wenn sie stirbt, sagt sie, soll ihre Asche über der Ostsee verstreut werden. Damit sie wieder bei ihrem Mann ist. Nach 52 Jahren hätte das Warten dann ein Ende. Von Thomas Besenitz season-Ostsee

Die Frauen haben gelitten, jeden Abend, wenn das Boot in den Hafen zurückkehrte, schauten die Angehörigen hoffnungsvoll auf den Kapitän. Er schüttelte dann den Kopf. Wieder nichts.

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Streitgespräch

Nordsee ! Ostsee ! Ein Gespräch über die Meere Mit Uwe Voss und Franz Langhammer UV: Ostsee, das klingt schon nach See, nach Kleinklein und das Streben nach etwas Internationalem ! FL: Jetzt aber mal halblang, die Ostsee ist genauso international wie die Nordsee. Immerhin liegen dort mehr Staaten an der Ostsee als an der lieben Nordsee. UV: Jaja, aber was ist sie denn, ein kleines Binnengewässerchen, kaum 50 Meter tief, so was gibt es doch in jeder Bucht. International ist Essen auch, trotzdem tituliert sie sich nicht als Metropole. FL: Sie sind doch nur neidisch, weil es an der Ostsee bessere Strände gibt, dort kann man noch gemütlich Baden, ohne Ebbe und Flut. UV: Ebbe und Flut, sie sprechen es an! Ob Atlantik oder Pazifik, alle haben sie ihre Gezeiten, außer ihre Ostsee. Dort gibt es sowas nicht. Eindeutlich provinzmäßig. FL: Was soll denn das auch mit Ebbe und Flut, wie haben gleichbleibenden Wellengang, bei uns muss ein Schiff nicht auf die Flut warten, um auslaufen zu können.. UV:..was für Schiffe ? FL: Auch in der Ostsee verkehren Containerschiffe, jetzt verschließen sie mal nicht die Augen ! 26

UV: Was hat denn die Ostsee großartiges zu bieten ? Keine mondäne Insel wie Sylt, kein Surferparadies wie St. Peter Ording, keine bekannten Meeresbewohner. FL: Rügen ist dafür ein Stück weit größer als ihr Sandhäufchen Sylt, Usedom hat nur mal nebenbei die größte Sonnenscheindauer in Deutschland und zu guter Letzt sind wir hinter Bayern Urlaubsregion Nummer Eins in Sachen Badeurlaub. UV: Pah, aber wo wohnen die Reichen ? Auf Sylt. Augstein, Springer... FL: Lieber Herr Voss, dafür sind wir ja auch eine Familieninsel, wo man noch vernünftig baden kann und nicht am ekligen Salzwasser verkommt. UV: Das ist eben ein Zeichen von Internationalität. Kleinere Binnengewässer haben nicht diese Weitläufigkeit, dieses Große. Das hat immer etwas provinzielles und vor allem etwas amateurhaftes. Die Nordsee ist Kraft, das bedeutet Sturm, Fischfang und das große Mysterium. Sie ist rau und eben ein echtes Meer. FL: Das hat die Ostsee auch, sie sinnieren ja gerade so, als sei die Nordsee ein Ungetüm in Ausmaßen eines Atlantischen Ozeans. Die Nordsee ist nur ein Meeresbusen

Streitgespräch

Pro Ostsee

Pro Nordsee

des Atlantiks, das scheinen sie immer wieder zu vergessen. Das was sie so als provinziell bezeichnen steht ja mehr für Nordsee. Im Gegensatz dazu ist die Ostsee ein Multikulti-Teich. Schweden, Dänemark oder Lettland, die Ostsee ist ein internationales Gewässer, ganz so viele Staaten kann die Nordsee nicht vorweisen. Von der geschichtlichen Rolle in der Hansezeit mal ganz abzusehen. UV: Hanse, London und Rotterdam waren auch in der Hanse, also spielen sie nicht mit gezinkten Karten. Nordsee ist lyrisch, das heißt Hauke Haien bzw. Theodor Storm. Kann da die Ostsee etwa mithalten? FL: Ja in der Tat: Gerhard Dallmann und seine Dornenzeit. UV: Kenn ich nicht FL: Sie sollten öfter mal über den Deich hinausschielen. UV: Herr Langhammer, die Ostsee ist doch nun wirklich nicht damit zu vergleichen, ich meine welches Gewässer lässt sich sonst mit so vielen Brücken verbinden? FL: Wäre es andersrum hätten sie auch nichts dagegen tun können ! UV: Herr Langhammer, egal ob nun Ostsee oder Nordsee, beide kann man nicht miteinander vergleichen, das wäre ja so, als vergleichen sie rot und grün. Beides hat so seine Reize. FL: Da haben Sie recht, doch welche wäre denn rot? UV: Das diskutieren wir ein andermal aus. FL: Einverstanden. Aufgezeichnet im Oktober 2007

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Literatur

von

Christoph Neidhart „Ostsee- Meer i. d. Mitte“ Marebuchverlag Hamburg 2007 407 Seiten 24,90 Euro

Gerhard Dallmann „Dornenzeit“ Vision Verlag 1993 386 Seiten 19,90 Euro

Das Meer in der Mitte über die Bewohner ringsum.

Ein gewaltiges Buch über eine so zarte Insel

Der Autor Christoph Neidhart hat die Länder, Städte und Inseln des Ostseeraums aus unterschiedlichen Perspektiven in den Blick genommen und berichtet klug und lyrisch von vielen verschiedenen Orten in und an der See der Idyllen und Ideen. Er zeichnet ein liebevolles Bild der Anrainerstaaten und zeigt ihre Bräuche und Traditionen. Jede Episode ist bespickt mit vielen Details und Hintergrundinformationen. Ostsee ist das Werk für die Ostsee, nicht zu langweilig und nicht zu ordinär. Ein Buch, was die Ostsee besser verstehen hilft und die Menschen interessanter erscheinen lässt. Mit diesem Buch beweist der Marebuchverlag sein Gespür für gute maritime Bücher. Michael Stark

Gerhard Dallmann schafft mit diesem Inselroman ein Monument für die zu oft vergessene Insel Hiddensee. In einem Zeitraum von 1740 bis 1810 lässt er seine Protagonisten die damaligen gesellschaftlichen Schwierigkeiten erleben. Das ist mehr als ein Heimatroman, es ist ein Stück Geschichte, exzellent recherchiert und spannend erzählt. Dornenzeit lässt die Geschichte dieser Insel eindrucksvoll erleben. Keine Details sind kitschig und dröge, vielmehr ist das Buch ein Tagebuch einer einsamen Insel hoch oben in Deutschland. Der Autor lenkt den Lesern auf alltägliches und spart nicht mit sozialkritischen Passagen. Eines der wenigen Bücher, die die Geschichte der Insel so vielfältig wie ein Kaleidoskop präsentieren. Die rund 400 Seiten lesen sich hervorragend. homas Gerlings

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Literatur

Goldmann&Wermusch „Vineta“ Lübbe 2001 288 Seiten 8,90 Euro

Hellmuth Henneberg “Meuterei auf der Seebad Binz” Hirnstorff 2002 181 Seiten 9,90 Euro

Tauchen Sie ein in die Mystik der Stadt Vineta.

Was geschah wirklich 1961 auf der Seebad Binz?

Das sagenumwobende Vineta: Die Stadt galt wegen ihres unvorstellbar großen Reichtums und ihrer Macht als das „Venedig der Ostsee“. Vor etwa 850 Jahren soll die geheimnisvolle Stadt Vineta in der Ostseeküste versunken sein. Doch wie wie konnte eine solch große und prächtige Stadt vom Erdboden verschwinden? Laut einer Sage ist die prächtige Stadt den gewaltigen Fluten der stürmischen Ostsee zum Opfer gefallen sein. Nichts blieb von ihr übrig. Die beiden Autoren Klaus Goldmann und Günter Wermusch haben nach jahrelangen Untersuchungen in Archiven und Orten das Rätsel gelöst. Das aufsehenerregende Ergebnis und weitere spannende Fakten machen dieses Buch zu einen Erlebnis. Ein hervorragendes Buch !

Die Welt im August 1961. Fünf Tage nach dem Bau der Berliner Mauer bricht dasFahrgastschiff Seebad Binz in Saßnitz auf in Richtung der Küste von Bornholm. 250 Gäste an Bord wollen einen schönen Tag auf See verbringen. Doch dann geschiet das Unglaubliche, einige Fahrgäste wollen den Kapitän zwingen, das Schiff in einen Hafen auf Bornholm zu lenken. Stunden später werden die vermeintlichen Rädelsführer in Mukran verhaftet. Die zwischen 17 und 25 Jahre alten Jugendlichen werden des Landesverrats angeklagt. Doch vieles bleibt ungeklärt, der spätere Schauprozess verhängt harte Strafe für die jungen Meuterer. Doch was geschah wirklich an diesen schicksalhaften August-Tag? Der Autor entwirrt die vielen Legenden um diese vermeintliche Meuterei und entdeckt erstaunliches.

Thomas Gerlings

Micheal Stark season-Ostsee

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Naturschutz

Todeszone Ostsee Wie EU-Subventionierungen die Ostsee tĂśtet von Mathias AnschĂźtz

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Naturschutz

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er Algenteppich vor Bornholm in diesem Sommer war nicht zu übersehen. Und es war beileibe nicht der erste und bestimmt nicht der Letzte in der Ostsee. Jedes Jahr entstehen in der Ostsee sog. Todeszone, das heisst Gebiete, in denen der Sauerstoffgehalt zu niedrig ist und sich so vermehrt Algenteppiche bilden können. Über 70.000 Quadratkilometer seien das mittlerweile, in dem kein Leben mehr möglich sei. Algen breiten sich hier besonders schnell aus und greifen die einzigartige Flora und Fauna der Ostsee an. Nach einen Bericht der WWF sind Subventionen der EU maßgeblich daran schuld. Seit Jahren fördere die europäische Agrapolitik Landwirte, die ihre Felder übermäßig stark düngern. Die giftigen Stoffe gelangen wie beispielsweise über die Peene in die Ostsee und führen zu Sauerstoffmangel in der Ostsee. Preisgünstiger Dünger verleite die Bauern dazu, ihre Felder zu überdüngen, finanziert wird das ganze aus Brüssel. Untersuchungen haben ergeben, dass die Menge, die auf Feldern nahe der Ostsee gesprüht werden, um ein vierfaches höher liegt, als der vorgeschriebene Wert. Auch in den Anrainerstaaten wie Polen und dem Baltikum werde kräftig gedüngt, eine einheitliche Grenze gibt es nicht, jedes Land entscheidet nach Ermessen. Wissenschaftliche Untersuchungen des WWF-Büros in Stralsund hätten season-Ostsee

erschreckende Ergebnisse ans Tageslicht gebracht. Demnach enthalte die Ostsee acht Mal mehr Phosphor und vier Mal mehr Stickstoff als noch vor hundert Jahren. Jährlich kämen demnach rund eine Million Tonnen Stickstoff neu hinzu. Die Folgen wären katastrophal. Trotz zahlreicher Umweltschutzprogramme hat sich die Situation kaum verändert. In den vergangen Jahren spitzte sich die Lage noch zu: Viele Schweinemastbetriebe wandern in Baltikum ab, hier sind die Vorschriften weniger streng, die Bauern leiten den Dung direkt in die Ostsee ab und zerstören so direkt einer ihrer Wirtschaftsfaktoren - Den Tourismus. Der WWF fordert nun ein Handeln seitens der EU, folgen keine neuen Gesetze wäre das der Todesstoß für die Ostsee. Ein neues Programm solle beispielsweise die Fördergelder für Landwirte beschränken, wenn diese eine Überdüngung betreiben. Man wolle nicht, dass die Ostsee zu einer Kloake verkomme, so ein Umweltschützer. Im November treffen sich Vertreter der Regierung der Ostseestaaten in Rahmen des HELCOM-Abkommens um ein weiteres Sterben der Ostsee zu verhindern. Experten rechnen aber mit keinen nennenswerten Ergebnissen. Wahrscheinlich wird es ein Einlenken der Landwirte es geben, wenn sie beim Baden in der Ostsee im nächsten Sommer von Algenteppichen gestört werden. 31

Gesellschaft

Miami an der Ostsee Deutsche Rentner entdecken die Küste Eine Glosse von Archim Stett

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entner, kommet in Scharren, denn die Ostsee erwartet euch! Früher blieb man in seiner schimmeligen, muffigen Wohnung, bis der Leichenmann kam und Sohnemann die Wohnung bei ebay verscherbelte. Doch heute ist der Mensch über...ja das weiß eigentlich nur Gott, selbstsicherer und weiß was er will. An die Ostsee, da wo‘s schön ist. Nach Mecklenburg-Vorpommern, gleich neben Polen. Da kann man dann den ganzen Tag über das Wetter meckern, sich über die lauten Nachbarn ärgern und die Bäderpolizei mit Nichtigkeiten den Tag versüßen. Aber halt, wohin sollen all die ganzen Perückenträger/in nur hin ? Hotels und Ferienwohnungen sind für Familien reserviert, da macht sich eine Horde von schleichendem Tod nicht so gut. Da will Vater nicht an Oma denken, die zu Hause im Altersheim vor sich hin stirbt. Also muss ein Ausweichquartier gefunden werden und das fällt sogar leicht, das alte KdF Areal bei Prora. Da werden die Senioren sich freuen, kennen es doch die meisten noch unter den damaligen verwirrten Diktator. Da wäre Platz, da könnten die dann soviel rummäkeln, wie sie wollen, keiner schenkt ihnen Auf32

merksamkeit. Für die NPD wäre das sicher auch ganz toll, so könnten etliche braune Parolenbrüller Nachhilfe bei ehemaligen Armeeschuhträgern erhalten und endlich einmal den Begriff NS erklärt bekommen. Das wird viele wohl wachrütteln, wenn Opa den gebildeten arbeitssuchenden Hauptschüler erklärt, dass der crazy Typ aus Österreich nicht ganz klar im Kopf war. Aber wäre das Bundesland mit den vielen Industriestandorten denn überhaupt auf die Granufink-Fraktion vorbereitet? Extrastände für die BILD-Zeitung müssten her, mehr Bänke für Oma und Opa auf den Wegen müssten entstehen und zu guter Letzt würde Karl Moik mind. einmal pro Woche auf der Bühne des örtlichen Kurhauses auftreten. Das wäre toll, Meck-Pomm wäre wieder voller Leute, die Kassen der Ostseekomunen voll und Prora hätte doch dann endlich seinen Zweck erfüllt. Alt werden an der Ostsee, vielleicht zieht es ja dann auch die Reichen an, entstehen teure Hochhäuser voller reicher Senioren ? Miami an der Ostsee. Dann ist es nicht mehr weit mit CSI: Ahlbeck. Danke Rentner, danke für euren Mut. Ihr seid hier herzlich willkommen. Noch jedenfalls.....

Title

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Gesellschaft Title

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Hallo du Schöne Die Kulturhauptstadt Europas 1998 ist eine Perle an der Ostsee. Schwedens Hauptstadt ist mit fast 800.000 Einwohnern einer der größten Städte im Baltikum. Verstreut auf mehreren Inseln umfasst die Stadt eine Fläche von 190 Quadratkilometern. Aber vergisst all die Zahlen und negativen Schlagzeilen, eine Nacht in Stockholm verändert das Bild dieser Stadt. Du wirst sie lieben. Und wieder kommen. Ganz bestimmt. Anne Hind

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Pack die Badehose ein ! Seit Jahren ist die Ostsee das beliebteste Reiseziel für Badeurlauber in Deutschland. Egal ob in Damp, Zingst oder anderswo, die Ostsee hat einen Reiz, den nur wenige widerstehen können. Nach der Wende wurden aus zahllosen Fischerdörfern wahre Urlaubsparadiese, bestimmt für jeden Geldbeutel. Und die Maschinerie geht weiter, neue Hotels entstehen, ganze Orte verwandeln sich zu Kleinstädten, mit einer gut funktionierten Infrastruktur. Marek Piosac

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Bilderrahmen

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Bilderrahmen

von Cathlen Thomas

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Mode

von Michelle Hussmann

Auferstanden aus Ruinen Zur DDR-Zeiten waren die Ostseebäder zwar gut besucht, aber erst nach der Wende entwickelten sich die Küstendörfer entlang der Küste zu Urlaubshochburgen. Doch anders als Usedom hat sich Rügen seiner Ursprünglichkeit immer bewahrt. Die Selliner Brücke wurde um die letzte Jahrtausend-Wende aufwendig rekonstruiert. Sellin ist bis heute eine eher ruhige Ostseegemeinde. Massentourismus wie an der westdeutschen Ostsee gibt es entlang der Küste von Mecklenburg-Vorpommern nicht. Tourismusbüros und spezielle Angebote sorgen dafür, dass das Flair der ruhigen Küstenorte auch so bleibt. Vielleicht auch, damit es kein zweites Damp 2000 gibt. Anne Malthesen

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Leserbriefe season Nr 2,

Gratulation zum zweiten Heft, es ist ihnen wirklich gelungen. Besonders gefallen mir diese Ausgewogenheit an Bildern und Texten und der Art von Texten. Man liest mit Freude das Magazin und freut sich bereits auf die nächste Ausgabe mit neuem Thema.

in Manhattan, was sich noch seiner Authentizität bewahrt hat. Ich fühlte mich an meiner eigenen Vergangenheit erinnert, denn auch mein Viertel hat sich seiner Tradition stets bewahrt und sie für die Nachwalt bewahrt. Monika H., Hamburg

Season Nr. 2, Literatur

Thomas H., Potsdam

Danke für die tollen Büchertipps, doch warum nur 4 Mit der neuen Ausgabe bin Bücher ? Für so eine kompleich sehr zufrieden, man erxe Metropole hätte man bekennt eine qualitative Steistimmt noch weitere Bücher gerung der Texte und Bilder. finden können. Sachbücher In einigen Jahren hoffe ich und auch Fotobände hätten das Magazin auch am Kiosk das Angebot sicher besser erwerben zu können. Idee und abgerundet. Bernd T., Aalen Umsetzung sind sehr gelungen. Martin W., Passau Season Nr. 1, Monrose Season Nr. 2, Port Authority Ein interessanter Artikel, ich selbst war schon des öfteren in New York und habe diese Informationen vorher noch nie gelesen. Für NYC-Fans ist diese Ausgabe ein Muss. Georg B., Essen

Season Nr. 2, Greenwich Village Ein wirklich schöner Bericht, diese Geschichte fand ich sehr schön, ich denke diese Gegend ist eines der letzten 40

Wer hätte das gedacht, aber die Band Monrose gibt es immer noch ! Ihr Verriss in allen Ehren, aber da hat sich ihr Autor gründlich verschätzt. Schauen sie nicht immer auf die omnipräsente Darstellung im TV, sondern besuchen Sie eines der Konzerte und Sie werden feststellen, das die Popband noch lange nicht tot ist. Ein Nachruf auf Tokio Hotel hat es auch schon gegeben und man sieht ja heute, wie bekannt und beliebt die Band in Europa ist. Das war ein Nachruf, der nicht not-

wendig war. Monrose lebt, sie sind noch lange nicht tot. Maike N., Hamburg

Season Nr. 2, Central Park Das der Central Park nachts gefährlich sein soll, ist schon so lange ein Gerücht, dass es immer wieder Spaß macht, über seine ach so große Gefährlichkeit zu lesen. Heutzutage ist es brisanter, bei rot über die Straße zu gehen als eine Nacht im Park zu verbringen. Denn mittlerweile haben selbst nachts Obdachlose und Drogendealer keine Ruhe vor Touristen und der Polizei. Aber es war schon aufregend, als ich meine erste Nacht im Park verbrachte. Deswegen liebe ich es, dass der Mythos vom heißen Pflaster Central Park vom season weiterhin am Leben erhalten wird. Danke. Mark-Thomas J., Virchen

Season Nr. 2, Portfolio Danke für die klasse Bilder von Michel Lohmann, das waren mal andere Ansichten von Big Apple. Ich wünsche mir, dass an dieser fotografischen Tradition weiter festgehalten wird. Es wertet das Magazin ungemein auf. Jakob Ö., Bremen

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Wirtschaft

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ormalerweise untersucht und überwacht die Seeadler die Maschenweite von Netzen auf der Ostsee und kümmert sich um dessen artgerechtes Fischen , aber seit Wochen beobachtet die Besatzung auf dem Boot der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung das Auslaufen polnischer Fischkutter in der Nähe von Darlowo und Gdynia. Diese dürfen seit dem Sommer keine Dorsche fischen, tun es aber trotzdem und das zum Ärger der EU und vom Land Mecklenburg Vorpommern. Denn Polens Fischer schöpfen den Bestand der Dorsche regelrecht auf, dreimal mehr als offiziel angegeben landen in den Kisten der polnischen Kutter. Auch Strafen und Verbote schrecken die Fischer nicht ab. Deswegen fährt die Seeadler die Ostsee entlang und deswegen gibt es zur Zeit mächtig Krach zwischen Darlowo, Warschau und Brüssel. Einsichtig zeigt man sich in Polen nicht, man rotte den Kabeljau, wie der Dorsch auch genannt wird, nicht aus, man müsse schließlich fischen, denn es geht um die Existenz vieler Fischereien entlang der polnischen Ostsee, so die einteilige Meinung vieler Fischer in Polen. Deren stärkster Befürworter ist Grzegor Halubek, er spricht von Übertreibung und einer Notwendigkeit

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Wirtschaft

aus ökonomischer Sicht. Die Krise um den Kabeljau spitzte sie schliesslich zu, als der Vizechef des Instituts für Seefischrei in Gdyna seinen Rücktritt erklärte. Er hatte sich vehement gegen den Bruch des EU-Fangverbotes ausgesprochen und einen stärkeren Schutz für den Dorsch gefordert. Am Ende gab er resigniert auf, schlug eine Erhöhung der Fangquote auf 150 % vor, doch in Polen war man auch damit nicht zufrieden. Dabei geht es weniger um den Fisch Dorsch, vielmehr versucht Brüssel eine strikte Politik zur Einhaltung von Verordnungen und Verboten, der Dorsch mag dabei nur eine Vorreiterstellung einnehmen. Die Beamten lassen ökonomische Gründe nicht gelten, denn es geht um Verordnungen und die habe nun mal jedes Land einzuhalten.

Rettet den Dorsch Der Raubzug der Polen von Frank Mayek

Die Kontrollen allerdings sind so mager, dass eine Abschreckung gänzlich fehlt. Ganze zweimal seien Beamte an der Ostsee gekommen, um die Einhaltung der Fangquote zu kontrollieren. Viel zu wenig um potentielle Fischer abzuschrecken, zumal die Strafen gering sind. Da muss nach Meinung vieler Experten noch einiges getan werden, um den Lebensraum des Dorsches nicht endgültig zu zerstören.

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Geschichte

Wo liegt Vineta ? Eine Suche von Manfred Schamp

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s ist, als ob ein Geheimnis diese Ostsee umspüle, etwas mystisches in dieser gar langweiligen Gegend. Das Atlantis der Ostsee, aber wo ist sie ? Wo ist die Stadt, deren Sage nach unsagbar reich sein soll ? Wer sich auf die Suche macht, muss zuerst begreifen und wissen, was Vineta war. Die Stadt war reich, nicht nur an Geldern, auch an Wissen und Macht. Egal ob Gold oder edle Stoffe, Vineta hatte sie. Diese Üppigkeit und der Reichtum festigten die Saga der Stadt Vineta. Doch all der Glanz verschwand in einer rauen, stürmischen Nacht am Ostersonntag. Die Stadt verschwand in den Fluten der Ostsee. Seit jeher ist die Stoff für Theaterfestspiele und wilde Spekulationen. Vineta, dass ist auch ein Stück Marketing für abenteuerlustige Touristen. Doch bleibt die Frage, wo die einstige reiche Ostseemetropole lag. Wo also liegt Vineta? Bei Ausgrabungsarbeiten in Stettin 1895 stieß man auf zwei alte bronzene Glocken, flugs verbreitete sich in der preußischen Stadt die Kunde, dass das legendäre Vineta gefunden sei. Doch stimmt diese Aussage zu? Fakt ist, dass verschiedene Autoren unterschiedlichen geografische Bestimmungspunkte angaben, sie sind teilweise über 1000 Jahre alt und zeugen von einer langen Tradition des Finden von Vineta. Einer dieser Autoren vermutete um das Jahr 1200 die Stadt am Strom der Oder, nicht weit ab der Halbinsel Usedom, die damaligen Flussläufe sahen anders aus, somit die Legende geboren war. Vineta, also an der Odermündung bei Stettin? season-Ostsee

Als kleiner Bursche zog es mich sommertags immer an den Strand von Koserow auf Usedom, die Wellen rauschten ebenso hin und beruhigten mich ungemein. Ich kam mit einen alten redseligen Fischer ins Gespräch. Er kannte die Sage von Vineta anders, wohl auch kannte er die Geschehenisse von Stettin, doch er glaubte dem nicht. Alles falsch, die wahre Stadt Vineta liege genau vor mir, so der greise Mann und zeigte mit seiner wettergegerbten Hand auf das Meer. Dort verschwand damals die Stadt im Meer. Er erzählte mir von unheimlichen Ereignissen, die lange zurücklägen. Wenn man ein Sonntagskind sei, könne man die Glocken von Vineta an einen Ostersonntag frühmorgens hören. Dann erscheine die Stadt vor einem und man werde immerdar Glück im Leben haben. Der Fischer erwähnte das Örtchen Loddin, dass noch heute aus Erben von Vineta stamme. Sie hätten damals überlebt, weil sie auf dem Weg nach Usedom gewesen seien. Sie hätten sich alsdann in Loddin, nähe der verschwundenen Stadt niedergelassen und ein waches Auge auf Vineta gehabt. Damals war ich 12, ich besuchte Loddin und stieß auf eine Wand des Schweigens. Aberglaube und Gewäsch sei das alles, fuhr man mich an. Ich ging am Strand entlang und war in Gedanken versunken. Wenn es diese Stadt gegeben hat, muss es Berichte darüber geben, Handelsverträge mit anderen Städten. Doch was wäre, wenn Vineta zu einer Zeit existiert hätte, als es Rostock, Stralsund und all die anderen Hansestädte noch gar nicht gab? 45

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ch las einmal ein Buch, das sich mit dem Mythos Vineta auseinandersetzte. Demnach war von einer Stadt die Rede, die mit Tempeln und reich verzierten Häusern beschrieben war. Also musste es die Stadt lange vor der Besiedlung der pommerischen Küste gegeben haben. Im laufe der Zeit kamen neue Geschichten über den Untergang Vinetas ans Tageslicht. Die eine lautete so: Vineta war mächtig, reich und deren Bewohner genossen ein Leben in Üppigkeit und Verschwendungssucht. Andere Städte wurden alsbald neidisch auf diese Stadt und wollten sich ihrer habhaft machen. Ein Krieg entbrannte der das Schicksal der Stadt besiegelte. Dieser Geschichtsquelle nach waren die Dänen die Schuldigen, sie wollten die Stadt sich einverleiben und metzelten die Bewohner grausam nieder, was sie nicht an Besitztümer habhaft wurden, verbrannten sie. Damit zerstörten sie letztendlich auch die Stadt. Sie brannte nieder. Diese Quelle war natürlich erlogen, sie beweis zwar die Zerstörung, aber nicht ihr verschwinden von der Erdoberfläche. Nein, diese Sage ist wie viele andere auch erlogen. Doch vor einiger Zeit las ich ein Buch, welches ich in einer alten antiquarischen Bücherei in Stralsund fand. Das Buch war alt und zerlesen doch der Inhalt war sehr interessant. Sie enthielt Karten von alten Uferlinien der Ostsee, eine Karte zeigte die ungefähren Verläufe der Strandlinien vor rund 1000 Jahren. Was ich dort las, versetzte mich in Aufruhr. Dieser Karte nach, könnte Vineta tatsächlich auf Useseason-Ostsee

dom gelegen haben ! Jahrzehntelanges Abtragen von Sand und die Stürme erzeugten die heutige Uferlinie, doch damals war dieser Abschnitt anders beschaffen. Vineta soll auf einem Vorsprung, etwa 500 Meter vom eigentlichen Strand gelegen haben. Vineta war also eine Insel vor der Halbinsel. Mir fiel der Ort Loddin wieder ein, auch das Achterwasser konnte ich damit in Zusammenhang bringen. Das Buch will von einer gewaltigen Sturmflut wissen, die damals auf Rügen und Usedom zurollte. Eine alte Quelle erzählt in diesem Buch, dass durch die großen Sturmwellen, die tagelang wüteten, Hiddensee von Rügen getrennt wurde. Auch von einer Stadt, die nördlich von Anklam gelegen haben soll, soll durch die Fluten überschwemmt geworden sein. Damit kann nur Vineta gemeint sein ! Das Buch zog mich immer mehr in den Bann, es gebe Bücher, die über die Katastrophe berichten würde, so das Buch. Doch wo die Bücher liegen, verriet es mir nicht. Heute bin ich alt, an Vineta glaube ich immer noch, vielleicht werde ich es in meinen Leben nicht mehr sehen, aber das empfinde ich als nicht weiter tragisch. Vineta ist in den Büchern als eine Art Mythos verankert, es ist ein Ort für Zweifler, Archäologen und Heimatforschern. Doch finden wird man es nie, es ist ein Ort, wo der Wille und Glaube Vineta zum Leben erweckt. Jedes Kind kann es finden, vorrausgesetzt, es ist dazu bereit. Manfred Schamp starb 2007. Die Geschichte zeichnete er im März 2004 auf. 47

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FischlandDarß ist eine Halbinsel voller Schönheit. Genau wie die Bilder von Dirk Wiemer. Da erübrigt sich jeder weitere Kommentar. Bildnachweis

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Impressum

Wer dahinter steckt

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Herausgeber und Chefredakteur: Johannes Bruemmer (V.i.S.d.P.) Stellvertretender Chefredakteur Ullrich Starke Art Department blendmedia Fotoredaktion Max Kehner, Autoren Anne Hind, Marek Piocak, Malte Andresen, Frank Mayek, Mathias Anschütz Achim Stett, Uwe Voss, Franz Langhammer, Arne Mathesen, Johannes Brümmer, Thomas Besenitz, Manfred Schamp Anschrift Season magazine Sparrstraße 27 13353 Berlin redaktion(at)season-magazine.de 2007 seasonverlag

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Bildnachweis

Wer geknippst hat Verantwortlicher Redakteur Max Kehner Seite 1: photocase, Seite 7: Lars Sundström, Seite 10: Daniel H., Seite 11: Kai Gieseler, Seite 12: Gehard Kupfer, Seite 13: wikipedia, Seite 14: P.J., Seite 15 wikipedia, Seite 16-17: Kerstin Ziebandt, Seite 18: Stefan Günthner, Seite 20:, Seite 21: , Seite 24: photocase, Seite 27: Carmen C.,wikipedia, Seite 28-29: amazon, Seite 30: photocase, Seite 34-35: Frederick Dupont, Seite 36-37: photocase, Seite 38-39: Lichtjäger, Seite 37: photocase, Seite 38-39: amazon, Seite 43:Karina Sturm, Seite 48-52: Dirk Wiemer Wir danken allen Fotografen für ihre Zusammenarbeit. Alle Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Die Rechte liegen bei den genannten Fotografen. Wir danken photocase, stockexchange, mare, webhoster, Adobe Corp., Dirk Wiemer, Amnesty International, peta sowie allen Autoren Season magazine sowie das Logo sind urheberrechtlich geschützt. Season magazin wird herausgegeben vom seasonverlag

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