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Geschäftsberichte lesen und verstehen

Allgemeine Fragen und Antworten zum

Geschäftsbericht Der Geschäftsbericht des Konzerns – die meisten an der Börse kotierten Schweizer Unternehmen haben eine solche Struktur – besteht aus dem Jahresbericht, den Jahresrechnungen des Konzerns («Konzernrechnung») und der Holdinggesellschaft («Holdingabschluss») sowie Informationen zur Corporate Governance.

Was sagt der Jahresbericht aus? 1

Der Jahresbericht stellt die verbale Berichterstattung der Konzernleitung bzw. des Verwaltungsrats dar. Er geht insbesondere auf den Geschäftsverlauf, die finanzielle Lage und die künftige Entwicklung der Unternehmung ein. Der Jahresbericht untersteht keiner Pflicht zur Prüfung durch die Revisionsstelle und muss auch nicht nach bestimmten Normen erstellt werden. Die Revisionsstelle ist jedoch gehalten, den Jahresbericht im Hinblick auf dessen Konsistenz mit der Konzernrechnung kritisch durchzulesen.

Rechnungslegungsstandards Da der schweizerische Gesetzgeber keine detaillierten Regeln für die Erstellung der Konzernrechnung erlassen hat, sondern lediglich eine Pflicht dazu statuiert hat und die Offenlegung der Konsolidierungs- und Bewertungsgrundsätze verlangt, kommen in der Konzernrechnung oft andere Regelwerke wie Swiss GAAP FER (schweizerische Fachempfehlungen zur Rechnungslegung), IFRS (International Financial Reporting Standards) oder US GAAP (US Generally Accepted Accounting Principles) zur Anwendung. Gesellschaften, deren Aktien gemäss Main Standard der SIX Swiss Exchange kotiert sind, müssen

entweder IFRS oder US GAAP befolgen. Für die Kotierung gemäss Domestic Standard ist die Anwendung mindestens von Swiss GAAP FER erforderlich. Die Zielsetzung all dieser Standards ist die Darstellung eines den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage (so genannte «true and fair view» bzw. «fair presentation»). Zwischen den Standards bestehen allerdings bedeutende Unterschiede und innerhalb eines Regelwerks gewisse Wahlrechte, weshalb ein genaues Studium der durch den Konzern angewandten und im Anhang offengelegten Rechnungslegungsgrundsätze erforderlich ist.

Anerkannte Standards der Rechnungslegung Die vom International Accounting Standards Board (IASB) herausgegebenen IFRS entwickeln sich mehr und mehr zum globalen Rechnungslegungsstandard. So sind diese bereits Pflicht für börsenkotierte Unternehmungen in der Europäischen Union, in Kanada, Australien, Brasilien und in Russland. Die wichtigsten Industrieländer, welche den Schritt zu den IFRS (noch) nicht vollzogen haben, sind momentan die Vereinigten Staaten von Amerika, China, Indien und Japan. Eines der Hauptziele des IASB ist seit einiger Zeit die Harmonisie-

rung der IFRS mit US GAAP. Seit 2007 anerkennt die amerikanische Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) von nicht amerikanischen Unternehmungen IFRS-Abschlüsse ohne so genannte Überleitung auf US GAAP. Dies erleichtert nicht amerikanischen Unternehmungen wesentlich den Gang an die New York Stock Exchange (NYSE) oder die Technologiebörse NASDAQ, sind doch Umstellungen oder Überleitungen von IFRS auf US GAAP mit beträchtlichen Kosten verbunden. Offen ist derzeit, ob die IFRS auch für amerikanische Unternehmungen für zulässig erklärt werden. Mit der Globalisierung der IFRS geht eine wesentlich bessere Vergleichbarkeit der Konzernabschlüsse einher, was angesichts der grossen Bedeutung grenzüberschreitender Kapitalbeschaffung und Unternehmenszusammenschlüsse unabdingbar ist. Dies bedeutet auch, dass die Anwendung der IFRS immer weniger von nationalen bzw. kulturellen Unterschieden geprägt sein darf. Dafür setzen sich einerseits die Prüfungsgesellschaften, andererseits aber auch die Aufsichtsbehörden der relevanten Börsenplätze ein. Bei kotierten Gesellschaften, deren Eigenund Fremdkapitalgeber mehrheitlich in der Schweiz ansässig sind, erfreuen sich die Swiss GAAP FER einer zunehmenden Be-


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