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25 JAHRE ERASMUS

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NEUE PERSPEKTIVEN NEUE HORIZONTE

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Inhaltsverzeichnis Vorwort von Androulla Vassiliou 

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Ann Katherine Isaacs Maurizio Oliviero

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Paula Pietilä  Elina Ylipelkonen 

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Vorwort von Jacques Delors 

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Maria Hadjimatheou Stavroulla Antoniou

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Hans Åhl Karl-Fredrik Ahlmark

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Überblick6 

Aleksejs Naumovs Madara Apsalone

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Julia Kennedy  Kate Samways

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Erfahrungsberichte 

Vilma Leonaviciene Tadas Zukas

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Katica Šimunović Jelena Simić

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Hugo Marquant Marc Goffart

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Rumyana Todorova Boryana Klinkova

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Milada Hlaváčková Tomas Vitvar

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Connie Væver Nina Siig Simonsen

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Christiane Biehl Katja Krohn

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Sirje Virkus Helen Margus 

20 21

Miriam Broderick Jessica Gough

22 23

Katerina Galanaki-Spiliotopoulos24 Maria Kaliambou  25

Lucien Kerger 38 Matthieu Cisowski39

Mustafa Çoban66 Begüm Yurdakök 67

Mária Dudás Piroska Bakos

40 41

Guðmundur Hálfdanarson 68 Ása Kjartansdóttir 69

John Schranz  David Friggieri

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Hansjörg Hilti  Gerold Büchel

Bram Peper Désirée Majoor

44 45

Wolfgang Laschet  72 Frederik Strand Sardinoux 73

Elena Luptak René Kremser

46 47

Antoinette Charon Wauters 74 Marco Amherd 75

Ryszard Zamorski  Diana Dmuchowska

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José Marat-Mendes Filipe Araújo

50 51

Ion Visa Laura Popa

52 53

Fidel Corcuera Manso Tomás Sánchez López

26 27

Vesna Rijavec Jure Kumljanc

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Nathalie Brahimi  Julien Pea

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Jozef Ristvej Jana Vitvarová

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Eröffnungskonferenz zum 25-jährigen Jubiläum des Erasmus-Programms, Brüssel, Belgien, 30.-31. Januar 2012

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Vorwort Es ist beeindruckend zu sehen, wie viel sich in 25 Jahren verändern kann. Erasmus, das bekannteste aller europäischen Programme, hat das Studieren in Europa innerhalb eines Vierteljahrhunderts – dem Zeitraum einer Generation – grundlegend verändert. Erasmus hat gezeigt, was die Europäische Union mit einer klaren Vision, Enthusiasmus und der Bereitschaft zur Zusammenarbeit erreichen kann. Erasmus hat das Leben von fast drei Millionen jungen Menschen verändert und zur Offen­‑ heit und Aufgeschlossenheit der ersten wahrhaft europäischen Generation beigetragen. Diese Broschüre hebt hervor, welchen Beitrag das Programm zur ursprünglichen europäischen Vision – nämlich Nationen zusammenzubringen, indem man die Menschen bei der Schaffung eines vereinten Europa in den Mittelpunkt stellt – geleistet hat. Ein Auslandsaufenthalt eröffnet den jungen Teilnehmern die Möglichkeit, sich Wissen und Kompetenzen anzueignen und bietet ihnen die Chance, ihr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zu stärken. Diese Erfahrung verschafft ihnen einen Vorteil auf dem zunehmend wettbewerbsorientierten Arbeitsmarkt und wirkt sich auch in ihrer weiteren beruflichen Laufbahn positiv aus. Das kommt am besten in den Worten der Erasmus-Botschafter zum Ausdruck, die im Folgenden über ihre Erfahrungen berichten. Durch die Tatkraft und Energie der teilnehmenden Lehrkräfte und Studierenden wurde Erasmus zum größten und erfolgreichsten Studienaustauschprogramm der Welt. Dank seines guten Namens und dem fortdauernden Engagement und Interesse der Hochschuleinrichtungen und ihrer Studierenden in ganz Europa wird das Programm auch in Zukunft noch stärker und erfolgreicher werden. Die Kommission teilt dieses Engagement und hat kürzlich eine deutliche Erhöhung der für die EU-Programme in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung bereitgestellten Mittel vorgeschlagen. Das neue Pro­ gramm „Erasmus für alle“, das 2014 eingeführt werden soll, wird getreu nach den Erasmus-Prinzipien weiteren fünf Millionen Menschen bis 2020 die Möglichkeit bieten, im Ausland zu studieren, eine Ausbildung zu absolvieren oder als Freiwilliger aktiv zu werden. Die inspirierenden Geschichten der Erasmus-Botschafter erinnern daran, in welchem Maße Erasmus das Leben junger Menschen beeinflusst und welche Veränderungen Erasmus in den Hochschuleinrichtungen herbeiführt. Sie stehen für den Erfolg des Programms in den letzten 25 Jahren. Dieses Silber-Jubiläum sollten wir gebührend feiern! Androulla Vassiliou Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit, Jugend und Sport

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Eröffnungskonferenz zum 25-jährigen Jubiläum des Erasmus-Programms, Brüssel, Belgien, 30.-31. Januar 2012

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Vorwort Der unbestreitbare Erfolg des Programms ERASMUS ist einer der wesentlichen Beiträge zum „Europa der Bürgerinnen und Bürger“, für das es so viel zu tun gibt. Den fünfundzwanzigsten Geburtstag dieses Programms gebührend zu würdigen, beinhaltet auch, eine Bilanz der auf der Ebene des Hochschulstudiums durchgeführten Maßnahmen zu ziehen. Daher muss ich an die Bedeutung des Bologna-Prozesses zur Harmonisierung des dritten Zyklus und des „Masterabschlusses“ erinnern, durch den ein Anreiz für den Studentenaustausch und eine gemeinsame Bewertung der Kurse geschaffen wurde. Ich habe meine Worte in den Kontext von „Europa der Bürgerinnen und Bürger“ gestellt, denn die „Kinder von ERASMUS“ haben gelernt, einander besser zu verstehen und auch die Realitäten anderer Länder wahrzunehmen als nur die Realitäten ihres eigenen Landes. Natürlich sind auch andere Programme gestartet worden, damit dieses Europa des Austauschs und der Bildung sich nicht auf diejenigen beschränkt, die die Möglichkeit hatten, ein Hochschulstudium zu absolvieren. Es muss alles getan werden, damit die gesamte europäische Jugend diesen Wissensdurst, andere Länder und Menschen kennen zu lernen, verspürt und an dem europäischen Abenteuer teilnehmen kann. Ich möchte allen gratulieren, die an dieser Politik meisterlich mitgewirkt haben, und gleichzeitig zwei Aspekte unter­ streichen, die ich für wichtig halte. Erstens trägt ERASMUS zur Beschäftigungspolitik bei, da es den Studierenden, die dieses Programm absolviert haben, größere Möglichkeiten eröffnet. Zweitens bringt ERASMUS die – etwas zu oft vergessene – Rolle der Universitäten in Erinnerung, ihre politische und gesellschaftliche Verantwortung, ihren Beitrag zur Ideendebatte und zur Suche nach dem Gemeinwohl. Im Bericht über die Bildung im 21. Jahrhundert, den ich 1996 zusammen mit einem Gremium internationaler Persön­ lichkeiten der UNESCO vorgelegt habe, hatte ich es so formuliert: „Bildung, darin versteckt sich ein Schatz.“ Und dieser Schatz be­fin­det sich im Herzen der Traditionen und der Zukunft unseres Europas.  Jacques Delors Ehemaliger Präsident der Europäischen Kommission (1985-1995)

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Überblick 17. Juni 1987 Beginn des Erasmus-Progamms mit dem ersten Austausch von etwas mehr als 3 000 Studenten zwischen 11 Mitgliedstaaten (Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Niederlande, Portugal, Spanien und Vereinigtes Königreich). 1988 Luxemburg tritt Erasmus bei. 1992 Sechs Länder der Europäischen Freihandelszone (EFTA) treten dem Programm bei (Finnland, Island, Norwegen, Österreich, Schweden und Schweiz). 1994 Liechtenstein tritt Erasmus bei. 1996 Die Erasmus-Intensivsprachkurse (EILC) werden eingeführt. 1997 Der Erasmus-Lehrkräfteaustausch wird eingeführt.

Erasmus ist das Flaggschiff unter den EU-Programmen für allgemeine und berufliche Bildung und ermöglicht Studenten im Ausland zu studieren oder ein Praktikum zu absolvieren. Das Programm unterstützt auch Einzelpersonen im Hochschulbereich und in der freien Wirtschaft, die an einer Hochschule im Ausland lehren möchten. Im Laufe der letzten 25 Jahre kam das Programm 2,7 Millionen Studierenden zugute und derzeit erhalten rund 4 % aller Studierenden der teilnehmenden Länder in Europa während ihres Studiums eine Förderung für einen Auslandsaufenthalt. Eine Auslandserfahrung bereichert das akademische Wissen und die beruflichen Kompetenzen der Studierenden, unterstützt ihre persönliche Entwicklung, formt eine europäische Identität und trägt dazu bei, die Mobilität von Menschen während ihrer gesamten Lebenszeit – als zentrales Element des europäischen Projekts – Realität werden zu lassen. Der Erfolg des Programms half dabei, die Hochschulbildung in Europa zu gestalten und bewirkte folgende Entwicklungen: • Beginn des Bologna-Prozesses, mit dem vergleichbare und kompatible Studienabschlüsse eingeführt wurden; • Einführung des Europäischen Systems zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen (ECTS), das Studierenden ermöglicht, Leistungspunkte während des Studiums im Ausland zu sammeln; • Internationalisierung der Hochschulbildung und Hochschuleinrichtungen; und • Neue und verbesserte Dienste, Lern-, Lehr- und Arbeitsmethoden in Hoch­ schuleinrichtungen sowie neue Formen der Zusammenarbeit und größere Bekanntheit bestehender Bildungsmöglichkeiten über ihre Grenzen hinaus.

Erasmus im Laufe der Jahre Das Erasmus-Programm hat sich in seinen unterschiedlichen Phasen erfolgreich weiterentwickelt. • Ursprünglich handelte es sich um ein Einzelprogramm für 11 Mitgliedstaaten. Im ersten Jahr gingen 3 244 Studierende ins Ausland. Für viele von ihnen war es ein erster Einblick in andere Kulturen und Lebensweisen. • In den 1990-er Jahren wurde Erasmus Teil des viel umfassenderen Programms für Hochschulbildung „Socrates“.

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Feier anlässlich des 1 000 000sten Erasmus-Studenten, Brüssel, Belgien, 24. Oktober 2002

• 2003 wurde die Erasmus-Hochschulcharta eingeführt und damit die Qualitätssicherung des Austauschs für Studierende und Hochschulmitarbeiter untermauert. • Seit 2007 ist Erasmus Teil des Programms für lebenslanges Lernen und neue Aktivitäten wurden ins Programm aufgenommen, wie z. B. die Möglichkeit für Studierende, ein Praktikum im Ausland zu absolvieren.

1998 Sechs mittel- und osteuropäische Länder treten dem Programm bei (Polen, Rumänien, Slowakei, Tschechische Republik, Ungarn und Zypern).

33 Länder beteiligen sich derzeit an Erasmus und fast alle Hochschuleinrichtungen in Europa sind involviert.

1999 Sechs weitere mittel- und osteuropäische Länder treten dem Pro­ gramm bei (Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen und Slowenien).

Auch in der Zukunft wird Erasmus im Rampenlicht stehen, und zwar mit dem neuen Programm „Erasmus für alle“, das mehr Menschen mehr Möglichkeiten zum Lernen, zum Arbeiten oder als Freiwilliger ins Ausland zu gehen, bieten wird.

Die Vorteile von Erasmus Das Lernen im Ausland bereichert die Teilnehmer mit einer Vielzahl von Kom­ petenzen, einschließlich besserer Fremdsprachkenntnisse, die von Seiten der Arbeitgeber immer mehr geschätzt werden. Über das dabei angeeignete Fach­ wissen hinaus, verhilft das Verständnis für andere Sichtweisen und Kulturen den Erasmus Studenten zu mehr Selbstsicherheit, Unabhängigkeit und interkultureller Kompetenz. Erasmus kommt auch Studierenden zugute, die in Unternehmen ein Praktikum absolvieren. Durch die zeitweilige Beschäftigung in einem Unternehmen im Ausland vertiefen die Studierenden ihre Kenntnisse über andere Volkswirtschaften und erhalten zugleich die Chance, fachliche Fertigkeiten zu entwickeln. Seit dem Beginn des Erasmus Programms wurden über 300 000 Aus­tau­ schaufenthalte von Lehrkräften für einen Lehrauftrag oder eine Fortbildung im Ausland finanziell unterstützt. Zusätzlich zu den Lehraufträgen wurde das Programm für administrative und akademische Mitarbeiter ausgeweitet. Sie können unterschiedliche Formen der Fortbildung im Ausland wahrnehmen, wie z. B. Job-Shadowing oder berufsbezogene Konferenzen und Workshops. Erasmus finanziert außerdem Intensivprogramme, bei denen Dozenten und Studierende für eine Dauer von bis zu sechs Wochen zusammenkommen. Diese kurzen Studienprogramme regen zu multinationalem Lernen in spezifischen

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2000 Malta tritt Erasmus bei. 2002 Feier anlässlich des 1 Millionsten Erasmus-Studenten. 2003 Die Erasmus-Hochschulcharta wird eingeführt. 2004 Die Türkei tritt Erasmus bei. 2007 Beginn des Programms für lebenslanges Lernen mit neuen Erasmus-Aktivitäten, wie z. B. Praktika für Studierende und Fortbildungen für Hochschulmitarbeiter.

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Feier anlässlich des 2 000 000sten Erasmus-Studenten, Lund, Schweden, 5. Oktober 2009

2009 Feier anlässlich des zwei Millionsten Erasmus-Studenten und Kroatien tritt dem Programm bei. 2009/2010 3 000 Hochschuleinrichtungen entsenden Studenten und Hochschulmitarbeiter ins Ausland. 2011 Die Schweiz tritt dem Programm wieder bei (33 Länder beteiligen sich heute an Erasmus). 2012/2013 Es werden voraussichtlich drei Millionen Erasmus-Studenten erreicht. 2014 Beginn des neuen Programms „Erasmus für alle“.

Studienfächern an und bieten den Studierenden Zugang zu akademischem Wissen, das nicht in einer Hochschuleinrichtung allein verfügbar ist. Im akademischen Jahr 2009-2010 wurden 384 Intensivprogramme in 29 Ländern organisiert.

Die Erasmus-Botschafter Diese Broschüre veranschaulicht, wie Erasmus das Leben der Teilnehmer – sowohl von Studierenden als auch Hochschulmitarbeitern – beeinflusst hat. Die vor­ gestellten 66 Erasmus-Botschafter haben am Programm in seinen Anfängen bis zur heutigen Zeit teilgenommen. Sie kommen aus den 33 teilnehmenden Ländern und ihre Erfahrungen zeigen eine Reihe von Bereicherungen auf persönlicher, fachlicher und beruflicher Ebene auf, die sie der Teilnahme an Erasmus zu verdanken haben. Die Studierenden-Botschafter haben zwischen drei Monaten und einem Jahr im Rahmen ihrer unterschiedlichen Studiengänge im Ausland verbracht. Sie haben die Erfahrung gemacht, Lehrveranstaltungen in anderen Sprachen zu besuchen und haben oft viele fortbestehende Freundschaften geschlossen. Diese Kom­ bination aus akademischen und sozialen Bereicherungen steht bei der Stu­ dienerfahrung mit Erasmus im Mittelpunkt. Für die Erasmus-Botschafter aus den Reihen der Hochschulmitarbeiter hat sich die Teilnahme sowohl auf ihre berufliche Entwicklung als auch auf ihre Hochschuleinrichtung insgesamt ausgewirkt. Viele engagieren sich seit Jahren dafür, Studienaufenthalte im Ausland und die Internationalisierung ihrer Hochschule zu fördern. Als Erasmus-Koordinatoren, -Administratoren, -Professoren und -Dozenten sehen sie alle den großen Nutzen für ihre Einrichtungen und die Studierenden. Die Geschichte der ersten 25 Jahre von Erasmus ist von Erfolg geprägt. Erasmus hat sich von den ersten Bestrebungen zum bekanntesten und größten Austauschprogramm der Welt entwickelt – dank dem Engagement, der Energie und der Leidenschaft der Mitwirkenden.

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Heute blickt Europa dem künftigen Programm „Erasmus für alle“ entgegen, das ab 2014 an den Start geht, und kann sich sicher sein, dass die heutigen Errun­ genschaften ein festes Fundament für die Zukunft sein werden.

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Erfahrungsberichte der Erasmus Botschafter (Studierende und Hochschulmitarbeiter)

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Hugo Marquant

„Erasmus heute ist Europa morgen“ Heimateinrichtung: Leonardo da Vinci Kolleg, Belgien Haute École Léonard de Vinci, Belgique Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Im Ruhestand – davor Leiter des Internationalen Büros Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 1986

Mit seiner 30jährigen Erfahrung in der Umsetzung von Europäischen Pro­ grammen glaubt Hugo Marquant, dass Erasmus drei wichtige Bereiche umfasst, die die teilnehmenden Studierenden und Mitarbeiter betreffen. „Erstens die funktionelle Mobilität, die sicherstellt, dass die Gaststudenten das Gleiche studieren wie die einheimischen Studenten. Zweitens die europäische Bürgerschaft und drittens die Unabhängigkeit und die Entwicklung von Selbstvertrauen, um Initiativen zu ergreifen und Entscheidungen zu treffen.“ Für Studierende, die mit Erasmus ins Ausland gehen, „bedeutet das, so zu studieren, zu leben und an Kursen teilzunehmen, als seien sie lokale Studenten. Genau das ist der Sinn eines Erasmus-Austauschs“. Vor seiner Pensionierung als Leiter des Internationalen Büros entwickelte er zusammen mit vielen anderen Universitäten einen gemeinsamen MasterAbschluss und führte das Europäische System zur Übertragung und Akku­ mulierung von Studienleistungen (ECTS) ein. Dies war „eine praktische Art, Probleme zu lösen. Nicht jeder tut das Gleiche zur gleichen Zeit, aber Erfolg muss immer und überall anerkannt werden“. Das Erasmus Programm entwickelte alle Initiativen der Universitäten, da die Partnerhochschulen ihre Kooperationsvereinbarungen verstärkten. In der Anfangsphase, als Kollegen und Studierende noch vom Wert einer europäischen Sicht für das Lernen überzeugt werden mussten, erlangte das Leonardo da Vinci Kolleg „eine internationale Präsenz und Reputation“.

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Marc Goffart

„Ich hätte nie gedacht, dass alles so schnell gehen würde“ Heimateinrichtung: Universität von Gent, Belgien Universiteit Gent, België Gasteinrichtung: Freie Universität Amsterdam, Niederlande Vrije Universiteit Amsterdam, Nederland Studiengebiet: Germanistik, Lehrerausbildung Aufenthaltsdauer: 3 Monate (1990)

Als er 1990 für drei Monate von der Universität Gent an die Freie Universität von Amsterdam ging, gehörte Marc Goffart zu den ersten Studenten, die für die Teilnahme seiner Universität am Erasmus-Programm ausgewählt wurden. „Ein Jahr zuvor hatte ich von dem Programm erfahren und dachte‚ Wie schön für meine Kinder! Nie hätte ich gedacht, dass alles so schnell gehen würde, dass ich selbst davon profitiere.“ Er fand die Erfahrung spannend. „Ich hatte mir Flandern und die Niederlande immer viel einheitlicher vorgestellt – sprachlich, kulturell und politisch. Das hat mich veranlasst, über meine eigene Identität nachzudenken, als Belgier mit flämischen Wurzeln und Niederländisch als Muttersprache.“ Auch zwischen den Lehrmethoden stellte er einige erhebliche Unterschiede fest. „Die Niederländer legen viel Wert aus Selbststudium, Essays und kleinere Diskussionsgruppen. Das flämische Lehrsystem, vor allem damals, war theoretischer, und mehr ex cathedra.“ Zurück in Gent, hat er den lokalen Zweig des Erasmus-Studentennetzwerks mitbegründet. Seine Erasmus-Mobilität war „einer der Hauptgründe, warum ich einen Job im Rahmen der internationalen Beziehungen der Uni bekam, was mir die Tür zu Europa öffnete“, und dann zu seinem aktuellen Posten bei der Europäischen Kommission führte. Eines Tages sind die meisten nationalen Politiker hoffentlich ehemalige Erasmus-Studenten, sagt er. „Dann denken sie europäischer und sehen Regieren in Europa umfassender.“

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Rumyana Todorova

„Jede Erfahrung ist anders und jeder Besuch eine neue Herausforderung“ Heimateinrichtung: Universität von Shumen, Bulgarien Шуменски университет, България Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Vizerektorin für internationale Beziehungen und Leiterin des Fachbereichs Anglistik Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 2003

Die Austauschprogramme haben Rumyana Todorova ermöglicht, an vielen Universitäten zu lehren. Jedes Mal macht sie eine andere Erfahrung, und „obwohl man sich einbildet, mit der Kultur, die man antreffen wird, vertraut zu sein, gibt es letztlich immer etwas Neues zu lernen“. Diese Erfahrungen lässt sie in den Unterricht mit ihren Studenten in Bulgarien einflieβen, was das Interesse an der Teilnahme an Austauschprogrammen weckt und ihre Vorlesungen bereichert. Ihre Arbeit im Ausland ist Werbung für die Universität und gleichzeitig eine Gelegenheit, Beziehungen mit Partnerhochschulen zu vertiefen. Sie hatte „erwartet, dass Austauschaktivitäten zu Verbesserungen zu Hause führen würden, aber erstaunlicherweise sind die Standards im ganzen Sektor ähnlich“. An der Universität wirbt sie für Erasmus bei Mitarbeitern und Studierenden. Sie rät ihren Studenten, „diese Chance wahrzunehmen, da sie wahrscheinlich keine zweite bekommen. Es macht sich auch gut in einem Lebenslauf, da Arbeitgeber immer an einem gewissen Extra interessiert sind“. Ihrer Erfahrung nach sind Studenten, die einen Erasmus-Austausch absolviert haben, bei Arbeitgebern beliebter, „weil sie gezeigt haben, dass sie neue und verschiedene Situationen bewältigen.“

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Boryana Klinkova

„Es hat mein Leben verändert“ Heimateinrichtung: Freie Universität Burgas, Bulgarien Бургаски свободен университет, България Gasteinrichtung: Technische Universität Chemnitz, Deutschland Studiengebiet: Fremdsprachen Aufenthaltsdauer: 3 Monate (2001)

Boryana Klinkova gehörte zu den ersten Austauschstudenten der Freien Universität Burgas. Damals wusste sie nicht, was alles auf sie zukommt, da noch niemand an der Universität einen Erasmus-Austausch abgeschlossen hatte. Ihre Kenntnisse über Westeuropa hatte sie vor ihrem Aufenthalt in Deutschland vor allem aus dem Fernsehen und dem Rundfunk bezogen. Aber dann war vor Ort alles anders – die Universitätskurse, die Unterkunft und das echte Leben in einer fremden Stadt. „Ich musste so viel selbst machen, ohne die Hilfe meiner Freunde und Familie. Ich war danach so stolz auf mich und hatte das Gefühl, durch das Programm erwachsen geworden zu sein.“ Am Ende des Erasmus-Austauschs hatte ihr das internationale Büro der Gastuniversität eine Hilfskraftstelle sowie ein Stipendium für einen zweiten Abschluss in Deutschland angeboten. Sie lernte dadurch immer mehr über die internationalen Tätigkeiten einer Hochschule und arbeitet heute als Aus­ landsstudienberaterin an einer anderen deutschen Universität. So „unterstütze ich junge Leute, damit auch sie im Ausland studieren können. Unser Team organisiert jedes Jahr Auslandsaufenthalte für über 700 Studierende, von denen 400 an Erasmus teilnehmen“. Der Erasmus-Austausch hat sie nicht nur zu einer Karriere im internationalen Bereich, sondern auch zu ihrem Ehemann geführt. „Erstaunlich, wie viel sich in den letzten zehn Jahren in der Organisation von Erasmus geändert hat, und wie sehr das Programm mein persönliches und berufliches Leben beeinflusst hat.“

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Milada Hlavácková

„Türen zu Europa öffnen“ Heimateinrichtung: Technische Universität von Ostrava, Tschechische Republik Vysoká škola báňská – Technická univerzita Ostrava, Česká republika Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Dozentin und Erasmus-Koordinatorin Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 2004

Seit 1995, als nur ein paar ausländische Studierende die Technische Universität von Ostrava besuchten, hat sich viel getan. Erasmus hat geholfen, der Universi­ tät Türen zu öffnen. Mit über 30 bilateralen Vereinbarungen in der Fakultät für Maschinenbau können Studenten nun als Teil ihres Abschlusses überall in Europa studieren. Als Koordinatorin der Fakultät trifft Milada Hlaváčková alle akademischen Voraussetzungen für an Erasmus teilnehmende Mitarbeiter und Studierende. Für sie sind „ausländische Studenten die beste Werbung für die Fakultät, die Universität und die Tschechische Republik.“ Und die Studenten aus Ostrava, die ins Ausland gehen, „kommen mit besseren Sprachkenntnissen zurück, und mit einem Plus in ihrem Lebenslauf, das sie von anderen Absolventen unterscheidet“. Dass ausländische Studenten nach Beendigung ihres Kursus nach Tschechi­­­en zurückkommen, zeigt ihrer Meinung nach, wie wichtig es ist, „Verständnis und Zusammenarbeit zwischen Ländern und Kulturen“ zu entwickeln. Und wenn manche dieser Studenten lokale Jobs finden oder ihre Studien hier fortsetzen, ist dies ein sehr „greifbares Ergebnis des internationalen Konzepts der Universität. Ohne die praktische und finanzielle Hilfe der EU wäre dies nicht möglich gewesen“. Durch ihre eigene Teilnahme an Intensivprogrammen hat sie neues Lehrmaterial und eine englischsprachige Version der Fakultäts-Website entwickelt sowie das Verständnis für die kulturellen Unterschiede, mit denen im Ausland Studierende konfrontiert sind, vertieft.

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Tomas Vitvar

„Der Beginn meines internationalen Lebens“ Heimateinrichtung: Technische Universität von Prag, Tschechische Republik České vysoké učení technické v Praze, Česká republika Gasteinrichtung: Cork Institut für Technologie, Irland Cork Institute of Technology, Ireland Studiengebiet: Informatik Aufenthaltsdauer: 6 Monate (2000)

Im Rahmen seines Doktorandenzeit übernahm Tomas Vitvar einen Lehrauftrag in Irland. „Ein anspruchsvoller Job: jede Woche drei Stunden unterrichten und vier praktische Sitzungen organisieren. Ich habe aber mein Englisch verbessert, viele tolle Leute getroffen und gelernt, ohne die Hilfe von Familie und Freunden zu leben.“ Dank dieser Auslandserfahrung arbeitete er in Deutschland als Consultant und bekam später eine Post-Doktorandenstelle an der Nationalen Universität von Irland. Dort leitete er ein internationales Team von Forschern aus Europa, Asien und den USA. Bei der Feier „Ein Millionster Erasmus-Student“ 2002 in Brüssel vertrat er die Tschechische Republik. So lernte er seine Frau kennen, die die Slowakei repräsentierte. „Mein erster Besuch als Erasmus-Student in Cork in Irland hat letztlich mein persönliches Leben verändert und mir die Praxis für meine heutige Arbeit vermittelt.“ Er arbeitet nach wie vor im internationalen Kontext. Nach dreieinhalb Jahren in Irland zog er für weitere drei Jahre nach Innsbruck in Österreich. Im Sommer 2011 übernahm er eine leitende technische Position bei der Oracle Corporation und arbeitet heute in Europa, dem Nahen Osten und Afrika. „Nach fast zehn Jahren Ausland kann ich sehen, dass der Erfolg bei der Arbeit stark von gegenseitigem Verständnis und Respekt abhängt. Erfahrungen, wie Erasmus sie bietet, sind Grundlage für ein wirklich integriertes Europa, da das enge Beziehungen zwischen Nationen und Gemeinschaften schafft.“

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Connie Væver

„Erasmus hilft, eine eigene Fachgemeinschaft aufzubauen“ Heimateinrichtung: VIA Universitäts Kolleg, Dänemark VIA University College, Danmark Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Dozentin für Textildesign Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 2007

Als Dozentin für Textildesign arbeitet Connie Væver in einem Fachbereich, in dem ein Studentenaustausch eher selten ist. Doch als sich die Chance ergab, ins Ausland zu gehen, wurde sie sehr herzlich von Kollegen aufgenommen, die daran interessiert waren, Ideen und Wissen auszutauschen. „Durch meinen Aus­ landsaufenthalt habe ich neue Kollegen kennen gelernt, die mich inspirieren.“ Bei ihrem ersten Besuch in den Niederlanden stellte sie zwar viele Ähnlichkeiten, aber auch viele Unterschiede fest. „Es war interessant zu sehen, wie hier – im Vergleich zu Dänemark – den Studenten Feedback gegeben wurde.“ Die Zeit in den Niederlanden brachte ihr Anregungen und Ideen für ihre eigenen Studenten und half ihr, „internationale Klassen einzurichten“. Und sie weiβ jetzt aus eigener Erfahrung, was Studenten erleben, wenn sie an einem Austauschprogramm teilnehmen. Ihre Erfahrungen motivierten sie, mehr Studenten ins Ausland zu schicken, vor allem, um in auf Design spezialisierten Firmen zu arbeiten. So „können Studie­ rende aus einem kleinen Land über den Tellerrand sehen, ihren Lebenslauf aufwerten und für Arbeitgeber interessanter werden“. Alle ihre Studenten sollten die Chance ergreifen, ins Ausland zu gehen, denn sie kommen anders zurück: „passionierter, engagierter, und oft mit neuen Ideen und Konzepten“.

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Nina Siig Simonsen

„Durch Erasmus habe ich mich als Teil der europäischen Integration gefühlt – politisch, historisch und vor allem kulturell“ Heimateinrichtung: Roskilde Universität, Dänemark Roskilde Universitet, Danmark Gasteinrichtung: Mykolas Romeris Universität, Litauen Mykolo Romerio universitetas, Lietuvos Respublika Studiengebiet: Politikwissenschaften Aufenthaltsdauer: 4 Monate (2009)

Nina Siig Simonsen war sich unschlüssig, ob sie in Litauen studieren wollte. Als sie ankam, war es grau, regnerisch und kalt. „Am Abend des zweiten Tages trafen wir unsere litauischen Mentoren und alles sah besser aus. Wir erfuhren, dass Vilnius im Frühling erblühen würde – und das war dann auch so!“ Der litauische Lehransatz war anders. „In Dänemark wurde ich ermuntert, kritisch zu denken, unabhängig zu arbeiten und meinen Lehrern Fragen zu stellen. Hier wurde mir klar, dass andere Dinge auch eine Rolle spielen und mehr Gewicht auf Wissen und Informationsabruf gelegt wurde.“ Ihr Austausch war Teil ihres Abschlusses in Politikwissenschaften. Doch zurück in Dänemark, sattelte sie auf europäische Studien um. Ihre Erfahrung in Litauen regte sie zum Nachdenken über europäische Kultur und Geschichte an und half ihr, Jobs in Europa in Betracht zu ziehen. Für sie wäre ihr Studienwechsel und das anschlieβende Praktikum in einem dänischen Regionalbüro in Brüssel ohne Erasmus unmöglich gewesen. „Den kulturellen Wert eines Austauschs kann man sich nicht anlesen. Das muss man erleben. Litauen ist mir immer noch sehr nahe. Ich habe dort neue Freunde aus ganz Europa gefunden und fühle mich heute mehr als Europäerin als vor meinem Aufenthalt in Vilnius.“

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Christiane Biehl

„Ich möchte dazu beitragen, dass jede Studierendengeneration diese Chance bekommt“ Heimateinrichtung: Universität zu Köln, Deutschland Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Sachgebietsleiterin für die Bereiche EU-Programme/Studieren und Forschen im Ausland/KölnAlumni WELTWEIT Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 1997

Die Erfahrungen, die Christiane Biehl während ihres Auslandstudiums in den USA in den 90er Jahren gemacht hat, inspirierte sie im Bereich internationale Bildung arbeiten zu wollen. „Diese Erfahrungen waren sehr wichtig für mich. Ich dachte über meine Lebensweise nach, gab alte Gewohnheiten auf und probierte Neues aus. Ich würde mir wünschen, dass jede Studierendengeneration diese Chance bekommt.“ An der Universität zu Köln koordiniert sie das Erasmus Programm und andere europäische Bildungsprogramme und unterstützt das internationale EhemaligenNetzwerk, dem auch Erasmus-Studierende angehören. „Die Universität hat das Erasmus-Programm genutzt, um Organisationsstrukturen einzurichten, Stu­ dienergebnisse anzuerkennen und die Anzahl von Studierenden und Mitarbei­tern, die ins Ausland gehen, zu erhöhen.“ Durch die stetig wachsenden Austauschzahlen ist Erasmus für sie „zu einem regulären Teil des Univer­sitätslebens geworden statt etwas, das nur für die besten Studierenden vorgesehen ist“. Sie hat auch als externe Gutachterin für das Programm Sokrates in Brüssel gearbeitet und ist nationale Erasmus-Expertin für den Deutschen Akademischen Austauschdienst. In dieser Funktion berät sie Universitäten in Deutschland und diskutiert mit anderen nationalen Experten über neue Möglichkeiten, um die Erasmus-Strukturen für Mitarbeiter und Studierende zu verbessern. „Was meine Universität betrifft, so hat Erasmus internationale Mobilitätsprogramme normalisiert, Strukturen geschaffen, um den Austausch zu erleichtern und Stu­ dierende motiviert. Diese Chancen zu nutzen, ist ein wahres Geschenk für Mitarbeiter und Studierende.“

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Katja Nina Krohn Siig Simonsen

„Die Post-Erasmus-Depression bewältigen“ Heimateinrichtung: Universität Greifswald, Deutschland Gasteinrichtung: Universität von Oviedo, Spanien Universidad de Oviedo, España Studiengebiet: Englische und amerikanische Literatur Aufenthaltsdauer: 5 Monate (2007)

Ihr Auslandsstudium machte Katja Krohn bewusst, dass sie beides war – Europäerin und Deutsche. Während ihres Austauschprogramms war so vieles anders – das Studium selbst, aber auch auβerhalb der Universität. „Ich war an die Semesterabschlussprüfungen in Deutschland gewöhnt, aber in Spanien musste ich alle zwei Wochen Arbeiten schreiben. Es gab viele kulturelle Unterschiede, beispielsweise wann alle zu Abend essen. Zuerst habe ich alles mit Deutschland verglichen, aber nach einiger Zeit dann nicht mehr.“ „Als ich an meine Heimatuniversität zurückkehrte, merkte ich, wie sehr ich mich verändert hatte. Die internationale Umgebung fehlte mir, und ich bekam eine Art Post-Erasmus-Depression, die nur Leute verstehen können, die an einem Austausch teilgenommen haben.“ Sie schloss sich dem lokalen Zweig des Erasmus-Studentennetzwerk (ESN) an, um mit internationalen Studenten in Kontakt zu bleiben, ihre Sprachkenntnisse zu trainieren und ihre Manage­ mentfähigkeiten zu entwickeln. So wurde sie für ein Jahr Vizepräsidentin von ESN Deutschland und danach seine nationale Vertreterin auf internationalen Begegnungen. Heute ist sie als Vizepräsidentin von ESN International in Brüssel tätig. Dazu gehört auch, „Studierenden zu ermöglichen, anderen Studierenden zu helfen, damit jeder seinen Weg in neue Kulturen und Situationen findet“. Sie arbeitet jetzt mit vielen nationalen Agenturen zusammen und wird dieses Jahr die meisten europäischen Länder besuchen, bevor sie an ihre Heimatuniversität zurückkehrt, um ihren Abschluss zu machen.

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Sirje Virkus

„Erasmus hat unser Wissen über Lehren und Lernen erweitert“ Heimateinrichtung: Tallinn Universität, Estland Tallinna Ülikool, Eesti Studienfach/Stellenbezeichnung: Dozentin Fachbereichskoordinatorin Erasmus Mundus Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 1999

Sirje Virkus nimmt am Erasmus Programm teil, seit es 1999 erstmals in Estland angeboten wurde. Die Beteiligung von Studierenden und Mitarbeitern hat nach einem langsamen Start stetig zugenommen. „Ein wichtiges und sichtbares Ergebnis des Mobilitätssystems war, dass unser Fachbereich immer internationaler wurde.“ Dank Partnerschaftsvereinbarungen in über 15 Ländern unterrichten Lehrkräfte für eine gewisse Zeit in anderen Ländern. Sirje nahm diese Möglichkeiten wahr und erweiterte so ihr Wissen in vielen beruflichen Bereichen, vor allem über die Lehr- und Lernmethoden der Partnerhochschulen. „Erasmus ist eines der EU-Modellprogramme für Bildung, deren. Erfolge zu anderen Kooperationen führten.“ Sie verweist auf die Entwicklung eines MasterStudiengangs im Rahmen des Erasmus Mundus Programms, die Teilnahme an europäischen Forschungsprojekten, Veröffentlichungen, Konferenzen und auf die Arbeit zu Qualitätssicherung. Als Mitglied des Internationalisierungsrates der Universität hat sie viele berufliche Kontakte durch eine strategische Vision vereinigt, die die internationale Arbeit in Tallinn vorantreibt. Diese Strategie beinhaltet die Entwicklung virtueller Mobilität. „Da die meisten Studenten studieren und gleichzeitig arbeiten, kann ein Auslandsstudium für sie finanziell schwierig sein. Virtuelle Seminare zeigen ihnen, wie es sein könnte.“ Diejenigen, die wirklich im Ausland studieren, kommen „mit gestärktem Selbstvertrauen, besseren Sprachkenntnissen und internationalen Kom­ petenzen zurück“.

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Helen Margus

„An die Zeit im Ausland erinnert man sich für den Rest seines Lebens“ Heimateinrichtung: Tallinn Universität, Estland Tallinna Ülikool, Eesti Gasteinrichtung: Universität von Ioannina, Griechenland Πανεπιστήμιο Ιωαννίνων, Ελλάδα Studienfach: Psychologie Aufenthaltsdauer: 5 Monate (2005)

„Erasmus bietet Studierenden eine soziale oder eine wirkliche Chance – und es kann beides sein.“ Zu Hause hatte Helen Margus Arbeit und Universitätsstudium kombiniert. Griechenland bedeutete ein Vollzeitstudium, das Erlernen einer neuen Sprache, sich um alles selbst kümmern und sich an neue Studienmethoden gewöhnen. „Es ging nicht so sehr darum, was ich lernte, sondern darum, was ich erlebte. Wissen kann man überall erwerben, es kommt auf die ganze Erfahrung an. Ich rate jedem, die Chance zu ergreifen, dann daran erinnert man sich für den Rest seines Lebens.“ Der Erasmus-Austausch stärkte ihr Selbstvertrauen, weit weg von zu Hause zu leben, und machte sie offener gegenüber Menschen aus anderen Ländern. Dadurch verbesserte sie auch ihre Englischkenntnisse, konnte neue Freund­ schaften schlieβen und Probleme in einer anderen Sprache lösen. Nach dem Abschluss arbeitete sie als Studentenpsychologin an ihrer Hei­mat­ universität. Dank ihrer Auslandserfahrung konnte sie sich leichter in internationale Studierende einfühlen. Heute arbeitet sie als klinische Psychologin in einer Privatpraxis und als Psychotherapeutin in einem Beratungszentrum. „Ich habe den Alltag mit unterschiedlichen Leuten geteilt, wodurch ich heute mehr Ver­ständnis, Mut und Vertrauen in meine Arbeit und in mein soziales Leben habe.“

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Miriam Broderick

„Erasmus hat so viele Probleme für uns gelöst“ Heimateinrichtung: Dublin Institut für Technologie, Irland Dublin Institute of Technology, Ireland Studienfach/Stellenbezeichnung: Leiterin der Abteilung für Sprachen und Kulturwissenschaften Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 1989

Als Sprachexpertin an einem Technologieinstitut unterrichtete Miriam Broderick über 30 Jahre lang Ingenieur-, Wissenschafts- und Wirtschaftsstudenten. Bevor Erasmus auf den Plan trat, hatte sie kurze Austauschaufenthalte und Studen­ tenpraktika organisiert und ihre Einrichtung in viele europäische Jugendprojekte eingebunden. „Erasmus hat so viele Probleme für uns gelöst: Anerkennung des Studiums, Teilnahme von Studierenden in verschiedenen Stadien der Ausbildung und längere Praktika, die die Beschäftigungsaussichten verbessern. Mit Erasmus haben wir zum ersten Mal unsere eigene Arbeit wirklich mit Auslandsaufenthalten kombiniert.“ Erasmus hat Mitarbeitern und Studierenden noch weitere Möglichkeiten eröffnet, wie etwa „Stellen als externe Prüfer an Universitäten im Ausland, die Ent­wick­ lung gemeinsamer Erasmus-Mundus-Masterabschlüsse und eines aka­demischen Unterstützungsprogramms für ankommende Mitarbeiter und Studenten und der Beginn vieler guter Freundschaften“. Die Teilnahme an Erasmus hat die Internationalisierung des Dublin Institut für Technologie beschleunigt. Im Laufe der Jahre hat sich der Austausch über Ingenieur-, Wissenschafts- und Wirtschaftsstudien hinaus erweitert und umfasst nun zahlreiche Abschlüsse, von Tourismus über Lebensmittelwissenschaft bis zur frühkindlichen Erziehung. „Die Studierenden sind heute viel eher bereit, ins Ausland zu gehen. Und wer geht, findet sich mit etwas Vorbereitung leicht zurecht. Auch die Einführung von ständiger Bewertung und Semestern hat Mobilität für Studenten und Universi­ täten erheblich vereinfacht.“

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Jessica Gough

„Die Teilnahme bringt keinerlei Nachteile mit sich“ Heimateinrichtung: Universität von Limerick, Irland University of Limerick, Ireland Gasteinrichtung: Autonome Universität von Barcelona, Spanien Universitat Autonòma de Barcelona, España Studienfach: Angewandte Sprachen Aufenthaltsdauer: 5 Monate (2009)

In Jessica Goughs Studiengang Angewandte Sprachen war ein Auslandsaufent­ halt Pflicht. Doch da sie unter einer Zerebralparese leidet, die ihre Mobilität und ihr Gleichgewicht beeinträchtigt, wurde ihr angeboten in Irland zu bleiben. „Das kam für mich nicht in Frage. Ich bin eine Kämpfernatur und wollte die Her­aus­ forderung annehmen, trotz meiner Behinderung. Ich glaube sogar, dass ich dadurch noch fester entschlossen war, meinen Erasmus-Aufenthalt zu einem Erfolg zu machen.“ Fünf Monate im Ausland zu leben, eine persönliche Helferin für die alltäglichen Aktivitäten zu finden… lauter „Hindernisse, die zu bewältigen waren. Ich wollte diese wunderbare Chance unbedingt so gut wie möglich nutzen“. Da sie in Irland Irisch, Französisch und Spanisch studierte, studierte sie im Ausland neben ihren Spanisch-, Französisch- und Übersetzungskursen Katalanisch und nahm ein Comenius-Praktikum an einer Grundschule in Frankreich wahr. Im Rahmen dieses Praktikums hörte sie von Okzitanisch, eine von Frankreichs Regionalsprachen. Zusammen mit dem Katalanischen regte diese Entdeckung sie an, Minderhei­ tensprachen als Thema für ihre Diplomarbeit zu wählen. Sie habe „bewiesen, dass sie selbstständig in einem anderen europäischen Land leben und studieren kann, und ist dadurch menschlich gewachsen“. Sie glaubt, dass ihre „Entscheidung, an Erasmus teilzunehmen, mein Leben in vieler Hinsicht verändert hat und gewaltigen Einfluss auf meine akademische und persönliche Entwicklung hatte.“ Nach ihrem Hochschulabschluss im Jahr 2011 arbeitet sie heute als Assistenzlehrerin für Englisch an einer Grundschule in Südfrankreich.

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Katerina GalanakiSpiliotopoulos

„Mein Universitätsmotto für Erasmus – die Latte hoch legen“ Heimateinrichtung: Athener Wirschaftschaftsuniversität, Griechenland Οικονομικό Πανεπιστήμιο Αθηνών, Ελλάδα Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Leiterin Internationale Beziehungen Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 1987

Mit ihren vielen Partnerschaftsabkommen ist die Athener Wirschaftsuniversität wirklich europäisch ausgerichtet. Während Katerina Galanaki-Spiliotopoulos’ Zeit an der Universität ist die Zahl reinkommender Studenten pro Jahr von 3 auf 300 gestiegen. Der Aufbau von Partnerschaften ist allerdings sehr zeitaufwändig. „Bevor ich einen neuen Erasmus-Partner besuche, informiere ich mich über die Einrichtung, die akademische Struktur, das Studienprogramm, sprachliche Fragen und das Angebot für die Studenten Ich will möglichst viel erfahren, um eine neue Erasmus-Vereinbarung zu treffen, die zu hochwertiger Studentenmobilität führt.“ Nicht nur die Studenten profitieren von Erasmus, sondern auch sie selbst tat es. „Ich habe groβartige Beziehungen geknüpft und wundervolle Freunde und Kol­ legen in ganz Europa gefunden. Wir haben einen sehr guten Kontakt und vertrauen uns vollkommen. Wir können Probleme für unsere Studierenden immer bestens gemeinsam lösen.“ Dieser persönliche Aspekt hat maβgeblich zum Erfolg des Erasmus Austauschprogramms beigetragen. Die Regelungen an den Partneruniversitäten sind nicht immer geläufig. „Bei manchen gibt es Unterschiede vor allem in ihren akademischen Kalendern – ein Hindernis für Mobilität –, sowie bei der Unterbringung und in kulturellen Fragen.“ Ihre guten persönlichen Beziehungen helfen Studenten, praktische Probleme zu bewältigen, wobei Instrumente wie das Europäische System zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen (ECTS) die Angleichung akademischer Unterschiede ermöglichen.

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Maria Kaliambou

„Erasmus hat mein Leben verändert“ Heimateinrichtung: Aristoteles Universität von Thessaloniki, Griechenland Αριστοτέλειο Πανεπιστήμιο Θεσσαλονίκης, Ελλάδα Gasteinrichtung: Ludwig-Maximilians-Universität München, Deutschland Studiengebiet: Archäologie/Volkskunde Aufenthaltsdauer: 6 Monate (1995)

Durch einen Erasmus-Austausch entdeckte Maria Kaliambou ein Studiengebiet für ihre Dissertation. In Deutschland „fand ich eine Fakultät, die eine Ausbildung anbot, die es zu Hause nicht gab. Deshalb ging ich nach meinem ersten Ab­­ schluss in Griechenland nach Deutschland zurück“. Nach ihrer Doktorarbeit, die 2006 als beste deutsche Dissertation über orale Literatur mit dem LutzRöhrich-Preis ausgezeichnet wurde, betrieb sie in Frankreich post-doktorale Forschung. Danach ging sie mit einem Stipendium für weitere Forschungen in die USA an die Universität Princeton und arbeitet heute als Dozentin an der Universität Yale. „Ich kann ohne Übertreibung sagen, dass Erasmus mein Leben verändert hat.“ In ihrer derzeitigen Funktion arbeitet sie mit vielen Studierenden, die an ein Auslandsstudium denken. „Ich bin in der Lage, der nächsten Generation zu vermitteln, dass der persönliche und berufliche Nutzen eines akademischen Austauschprogramms ein Leben lang anhalten kann.“ Darüber hinaus hat Erasmus ihr Verständnis europäischer Sichtweisen vertieft – eine nützliche Einsicht, da sie oft gebeten wird, vor Studenten über Europa zu sprechen. Neben der beruflichen Seite hat sie auch für sich persönlich viel gelernt. „Als ich zurückkam, fühlte ich mich anders. Ich glaube nicht, dass es jeder schafft, allein im Ausland zu leben, ohne die Sicherheit der Familie. Im Ausland zu studieren, natürlich mit Erfolg, erfordert eine sehr bewusste Entscheidung, auch wenn man am Anfang nicht so recht weiβ, wohin es geht. Für diese Reise braucht man Selbstvertrauen, Geduld und Ausdauer.“

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Fidel Corcuera Manso

„Ein wichtiger Beitrag zu einer europäischen Identität“ Heimateinrichtung: Universität von Zaragoza, Spanien Universidad de Zaragoza, España Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Direktor des Fachbereichs Frankreich-Studien Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 1987

„Die Entwicklung von Erasmus war wesentlich für den Aufbau einer europäischen Gemeinschaft von Lernenden und Wissenschaftlern. Das Programm hat zu einer gemeinsamen, auf Bildung und Kultur beruhenden Identität beigetragen.“ Für Fidel Corcuera Manso hat die Einführung und die Erweiterung des ErasmusProgramms das akademische Wissen, die Sprachkenntnisse und kulturellen Kompetenzen von Mitarbeitern und Studierenden verbessert und der Bil­dungsge­ meinschaft ermöglicht, „gemeinsam Dinge zu entwickeln, aber auch Unterschie­de zu erkennen“. Es gab zwar seit jeher einzelne Enthusiasten, die in Austauschprogrammen und internationaler Forschung zusammengearbeitet haben, aber erst der MaastrichtVertrag von 1992 hat eine Wachstumsperiode für Erasmus eingeläutet. An der Universität von Zaragoza wurde Internationalismus dadurch zu einem Teil des Alltags. „Was früher als exotisch galt – die Anwesenheit ausländischer Studenten –, ist heute gang und gäbe.“ Seine Arbeit beim Ausschuss für Internationale Beziehungen und Zusammenar­ beit der Spanischen Universitäten (CEURI) trug dazu bei, eine gemeinsame Strategie und Politik für Mitarbeiter- und Studentenmobilität für alle Universitäten in Spanien zu entwickeln. Mit 30 Jahren Erfahrung in europäischen Mobi­ litätsprogrammen konnte er die wichtige Rolle von Bildung beim Aufbau einer gemeinsamen europäischen Identität feststellen. „Erasmus erweitert das akademische Wissen, aber auch die Sprachkenntnisse der Studierenden und ihr Verständnis anderer Kulturen und Lebensweisen. Sie lernen diese gemeinsame europäische Identität ebenso zu schätzen wie die Unterschiede, die Europa zu einem einzigartigen Kontinent machen.“

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Tomás Sánchez López

„Eine neue Sicht der Welt“ Heimateinrichtung: Polytechnische Universität von Valencia, Spanien Universitat Politècnica de València, España Gasteinrichtung: Helsinki Metropolia Fachhochschule, Finnland Metropolia Ammattikorkeakoulu, Suomi Studiengebiet: Informatik Aufenthaltsdauer: 12 Monate (2002)

Das Erasmus-Programm bildete das letzte Jahr von Tomás Sánchez López Master-Abschluss. „Es war mit Abstand das beste Jahr meines Studentenle­ bens. Ich habe neue Möglichkeiten genutzt, die an meiner Uni zu Hause nicht verfügbar waren, und viele gute Freunde gefunden.“ Er hat nicht nur neue Arbeitsmethoden in einer anderen Kultur kennen gelernt, sondern „durch das Erasmus-Jahr eine neue Sicht der Welt bekommen, die über mein Vaterland und sogar über Europa hinausgeht“. Während seines Auslandsjahres beantragte er ein Stipendium, um seinen Doktor in Südkorea abzuschlieβen. Diese internationale Erfahrung brachte ihm eine Post-Doktorandenstelle an der britischen Cambridge Universität ein. Heute hat er eine führende Stellung in dem weltweit ersten Technik- und Luftfahrtunternehmen EADS. Da seine Tätigkeit eine intensive Zusammenarbeit mit europäischen Uni­ versitäten beinhaltet, war ihm sein Studium in drei Ländern sehr nützlich. „Ich bin sicher, dass ich ohne die erste Chance, als Erasmus-Student ein anderes EU-Land zu besuchen, heute nicht da wäre, wo ich bin, und vor allem nicht der wäre, der ich heute bin.“ Das Erasmus-Programm hat ihn fraglos mobiler gemacht. „Meine internationale Karriere wird sich wahrscheinlich noch eine Weile fortsetzen, aber irgendwann möchte ich nach Spanien zurück. In der aktuellen Wirtschaftslage ein attraktives Extra im Lebenslauf zu haben, ist ein echter Vorteil – und das habe ich dank Erasmus.“

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Nathalie Brahimi

„Es gibt Dir neue Ideen für die eigenen Vorlesungen“ Heimateinrichtung: Lycée Ozenne, Toulouse, Frankreich Studiengebiet: Internationaler Handel Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 2007

„Vielfalt, gemeinsamen Austausch und Freude“ hat Nathalie Brahimi dank ih­­­­‑ rer Erasmus-Mobilität erlebt. Ihr ging es um zweierlei: „Der Hauptgrund war die Errichtung der Austauschstruktur für unsere eigenen Studenten. Aber ich habe die Gelegenheit auch dazu genutzt, in den Niederlanden zu unterrichten.“ Am Lycée Ozenne in Frankreich gab sie ihre Kurse – internationaler Handel – bereits auf Englisch, und sie wollte ihren Studenten mehr Erfahrung mit der Sprache vermitteln. Daher suchte sie einen Partner mit Englisch als Hauptsprache im gleichen Studienfeld. Und fand die Universität Saxion in den Niederlanden. „Als ich wieder in Frankreich war, habe ich meinen Kollegen am Lycée von Erasmus erzählt und sie ermuntert, auch teilzunehmen.“ Heute haben drei der technischen Abteilungen Partnerschaften mit acht Einrichtungen in den Nie­ derlanden, Portugal, Spanien, der Türkei und Deutschland. Demnächst kommt ein rumänischer Partner hinzu. Im Laufe von zwei Jahren haben 21 Studierende vom Lycée und 11 Mitarbeiter an dem Mobilitätsprogramm teilgenommen. Erasmus ist „eine groβe Bereicherung“, die sie anderen Einrichtungen nur empfehlen kann. „Am Anfang schreckt man vielleicht vor der damit verbundenen Arbeit zurück, aber es lohnt sich wirklich. Man lernt andere Lehrmethoden und Kulturen kennen. Und so bekommt man neue Ideen für den eigenen Unterricht. Fortschritt statt Routine.“ Doch vor allem ihre eigenen Studenten wissen Erasmus zu schätzen. „Ihre Begeisterung und ihre Berichte haben mich veranlasst, weiterhin neue Austauschpartner zu suchen.“

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Julien Pea

„Erasmus beschleunigt Chancen und Emotionen“ Heimateinrichtung: Universität von Franche-Comté, Frankreich Université de Franche-Comté, France Gasteinrichtung: Universität von Birmingham, Vereinigtes Königreich University of Birmingham, United Kingdom Studiengebiet: Anglistik, Geistes- und Kulturwissenschaften Aufenthaltsdauer: 9 Monate (2003)

Vor seinem Erasmus-Austausch wollte Julien Pea Englischlehrer werden. „Dies änderte sich bei meiner Rückkehr. Ich wollte neuen Studenten helfen, die an meine Heimatuniversität kamen, und gründete eine Vereinigung zur Unterstüt­zung internationaler Studenten.“ Er arbeitete dann als Freiwilliger für das Erasmus-Studentennetzwerk (ESN) und erhielt 2006 einen nationalen Posten. 2008 bewarb sich sein Team erfolgreich um die Organisation der Jah­reshaupt­ versammlung des internationalen ESN in Frankreich, an der über 500 Studen­ tenvertreter teilnahmen. Während seiner Auslandszeit entschied er, mit lokalen anstatt internationalen Studenten zusammenzuleben. „So bekam ich eine andere Sicht des britischen Lebens. Es half mir, die kulturellen Unterschiede zu erkennen, Dialekte zu verstehen und zu begreifen, wie leicht es zu Missverständnissen kommen kann.“ Heute ist er an einem Europäischen Informationszentrum in Frankreich tätig. Noch immer ist ihm seine Erasmus-Erfahrung bei seiner Arbeit und seinen ehrenamtlichen Aktivitäten mit dem ESN sehr nützlich. „Die vielen sozialen Vorteile von Erasmus führen zu einer neuen Sichtweise. Das Programm hat mir Anstöβe und Chancen gegeben, es hat meine Berufswahl inspiriert und meine Selbstwahrnehmung verändert.“

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Ann Katherine Isaacs

„Erasmus hatte einen gewaltigen Einfluß“ Heimateinrichtung: Universität von Pisa, Italien Università di Pisa, Italia Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Geschichte/Professorin für Frühneuzeitliche Geschichte Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 1989

Ann Katherine Isaacs, Geschichtslehrerin und Forscherin an der Universität von Pisa, hat zahlreiche Erasmus-Projekte koordiniert bzw. daran mitgewirkt und an neun Mobilitätsreisen für Mitarbeiter teilgenommen. Ihre erste Erfahrung machte sie 1989 in einem Pilotprojekt zur Entwicklung des Europäischen Systems zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen (ECTS). Sie ist immer noch aktiv und Mitverfasserin des neuen ECTS-Benutzerleitfadens für ein System, das heute von Millionen genutzt wird. „Ich hatte das Privileg, an der Entwicklung des Europäischen Hochschulraums mitzuwirken und ihn mit dem Europäischen Forschungsraum zu verbinden“, sagt sie. „Im Rückblick wird mir klar, wie wichtig diese ersten Schritte im ECTS und der Erasmus-Mitar­bei­ termobilität waren.“ Besonders lehrreich fand sie die Erasmus-Intensivprogramme: „Sie waren wie ein Labor für das Verständnis der verschiedenen Interessen, Forschungs- und Unterrichtsmethoden in den verschiedenen Ländern.“ Ihre Erfahrung floss in eine Reihe von Projekten unter dem Namen CLIOH („Creating Links and Overviews for a New History Agenda“) ein, darunter das europäische Geschichtsnetzwerk CLIOHnet2, das 2009 mit dem Goldenen Erasmus-Preis ausgezeichnet wurde, sowie CLIOHRES und CLIOHWORLD. Derzeit leitet sie die Geschichtsgruppe für Tuning, einem Prozess zur Ent­­wick­ lung von Leitlinien und Bezugspunkten zur Verbesserung der Qualität in der Hochschulbildung, und hat geholfen, diesen Prozess in andere Kontinente zu bringen. Erasmus „hatte einen gewaltigen Einfluß. Es war eine groβe Befrie­ digung für mich teilzunehmen und entscheidende Änderungen zu bewirken“. Ihr Motto für die Zukunft des Programms: „Tun wir alles, damit es immer besser funktioniert; machen wir weiter!“

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Maurizio Oliviero

„Jeder von uns kann die Welt verbessern“ Heimateinrichtung: Universität von Perugia, Italien Università degli Studi di Perugia, Italia Gasteinrichtung: Universität von Alicante, Spanien Universidad de Alicante, España Studiengebiet: Jura Aufenthaltsdauer: 9 Monate (1988)

Ein Erasmus-Studienaustausch nach Alicante, Spanien, sollte Maurizio Oliviero vielfältige Chancen eröffnen. Der junge Jurastudent aus Perugia wollte herausfinden, wie seine Kollegen für ihren künftigen Beruf als Rechtsanwalt ausgebildet wurden, „und um Europa in natura zu erleben“. „Es war sehr einfach, in einem anderen Land zu leben“, erinnert er sich. „Wenn man jung ist und voller Ideale, ist alles leicht. Wenn alle jungen Leute Gelegen­ heit hätten, andere Kulturen kennen zu lernen, gäbe es weniger Probleme mit Intoleranz“. Sein erster Kontakt mit einem anderen Rechtsmodell weckte sein Interesse an verschiedenen Rechtssystemen. So kam er zum Thema seiner Abschlussarbeit: die spanische Verfassungsreform. Auch Spaniens Geschichte, jüdische, christliche und islamische Rechtssysteme nebeneinander zu tolerieren, faszinierte ihn. „Die Geschichte zeigt, dass wir zusammenleben können, wir hatten diese Erfahrung. Wieder in Italien, habe ich meinen Professor gebeten, mir die Mög­ lichkeit zu geben, das islamische Recht in arabischen Ländern zu studieren, und begann Arabisch zu lernen.“ Heute als Professor für vergleichendes Recht an der Universität von Perugia und als Experte für islamisches Recht ist er Mitglied der Arbeitsgruppe, die derzeit die palästinensische Verfassung ausarbeitet. Er hilft bei der Reform des Rechts­ systems in Afghanistan und schult afghanische Richter. Diese neun Monate in Alicante waren „einzigartig, entscheidend und bunt“, sagt er. Und festigten seine Liebe zu Don Quichotte, der Windmühlen angriff, die er für Riesen hielt – „eine guter Standpunkt, auch heute noch. Wir alle können die Welt verbessern. Wir müssen nur die richtigen Wege finden“.

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Maria Hadjimatheou

„Studenten kommen positiver, unabhängiger und selbstbewusster zurück“ Heimateinrichtung: Universität von Zypern, Zypern Πανεπιστήμιο Κύπρου, Κύπρος Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Verwaltungsassistentin im Büro des internationalen Programms für lebenslanges Lernen, Forschung und internationale Beziehungen Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 1999

In den letzten 12 Jahren hatte Maria Hadjimatheou von Studierenden viele Geschichten über deren Zeit im Erasmus-Programm gehört. Als Mitarbeiterin des Erasmus-Büros der Universität von Zypern kannte sie andere Hochschulen nur aus dem Internet. Dann ergab sich die Gelegenheit zu einem Erasmus-Ausbil­ dungsbesuch und sie reiste erstmals ins Ausland. Ihre Zeit in Wien war „einmalig und unvergesslich. Eine echte Chance, die Erfahrungen zu machen, die ich nur aus den Erzählungen kannte“. Sie kann die Studierenden jetzt besser verstehen. „Besorgt, weil die Familie so weit weg ist, sich fremd und unsicher fühlen, zu Hause anrufen und sagen, ich bin gut angekommen – all die Dinge, über die die Studenten sprechen.“ Da so viele Studenten der Universität von Zypern während des Studiums zu Hause wohnen, wurde ihr klar, was für eine Veränderung es für sie war, allein zu leben und ihre Finanzen selbst zu regeln. Dank ihrer eigenen Erfahrung hat sie viel mehr Einblick in die Lage der Studierenden. Deshalb kommen auch so viele Studenten „positiver, unabhängiger und selbstbewusster“ nach Zypern zurück. Zurück an der Universität von Zypern, hat sie ihr während ihres Besuches erlangtes Wissen eingesetzt, damit Studenten das Online-Einschreibungssystem von Erasmus nutzen und um der Universität einen besseren Service zu bieten. „Ich habe auch andere Mitarbeiter zur Teilnahme an Erasmus ermutigt, denn diese Erfahrung ist einfach einmalig und unvergesslich.“

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Stavroulla Antoniou

„Erasmus verändert den Blick aufs eigene Leben“ Heimateinrichtung: Universität von Zypern, Zypern Πανεπιστήμιο Κύπρου, Κύπρος Gasteinrichtung: Roma Tre Universität, Italien Università Degli Studi Roma Tre, Italia Studiengebiet: Anglistik und vergleichende Studien Aufenthaltsdauer: 6 Monate (2004)

Italien ist bei Erasmus-Studenten aus Zypern sehr beliebt. Dies erlaubt Stavroulla Antoniou, sich mit anderen Studierenden zu unterhalten und sich gründlich zu informierte, bevor ihr Austausch begann. „Ich war leicht schockiert, her­­­ auszufinden, dass die meisten Kurse auf Italienisch erteilt wurden. Doch überra­ schenderweise schaffte ich es mit der Zeit, den Vorlesungen zu folgen und mir Notizen zu machen.“ Neben der Erfahrung neuer Lernmethoden „ist man auch persönlich sehr gefordert. Man lernt eine neue Stadt kennen, ihre Umgebung, die Leute, Klassenkameraden, Zimmergenossinnen, Professoren und einen neuen Lebensstil“. Sie „wollte schon immer eine Zeit im Ausland verbringen, und Erasmus war der ideale Weg: akademische Anerkennung, ein beachtliches Stipendium, die Chance, Sprachkenntnisse zu erwerben oder zu verbessern, und natürlich viel Reisen“. Trotz der Sicherheiten, an einem etablierten Austauschprogramm teilzunehmen, bedeutet „Erasmus auch, Mut zu zeigen, Neuland zu betreten, eine Reise ins Unbekannte. Ich habe viel Respekt vor allen Erasmus-Studenten, denn sie unternehmen etwas, worüber andere nur reden“. Der Erasmus-Austausch ermutigte sie, ihren Master-Abschluss in europäischer Politik zu machen. Heute arbeitet sie als Erasmus-Koordinatorin an der Tech­ nischen Universität Zypern und sagt ihren Studentinnen und Studenten, dass „Erasmus nicht euer Leben verändern wird, aber bestimmt die Art, wie ihr dazu steht. Dank Erasmus kann man sich fast überall in Europa wie zu Hause fühlen“.

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Aleksejs Naumovs

„Es ist wichtig, unseren Studierenden eine Wahl zu geben“ Heimateinrichtung: Kunstakademie von Lettland, Lettland Latvijas Mākslas akadēmija, Latvija Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Rektor Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 1999

Aleksejs Naumovs wurde von seinen Kollegen an der Kunstakademie von Lettland zum „Vater des Erasmus-Programms“ erkoren. Seit 1999 arbeitet er unermüdlich an der Förderung des internationalen Austauschs für seine Mitarbeiter und Studenten und hat rund 70 Vereinbarungen mit Kunstschulen in ganz Europa geschlossen. Jedes Semester fahren etwa 60 Studenten der Kunstakademie ins Ausland, während 20 bis 25 Studierende nach Lettland kommen. Heute als Rektor der Kunstakademie sagt er: „Ich habe mich bemüht, sehr aktiv zu sein und neue Kontakte für die Akademie zu knüpfen. Persönliche Kon­takte sind unersetzlich.“ Er wollte für die Akademie – und für sein Land – so gut wie möglich werben und seinen Studenten vielfältigere Möglichkeiten für ihr Auslandsstudium bieten. „Es ist wichtig, ihnen eine Wahl zu geben“, sagt er und fügt hinzu: „Wir arbeiten auch zusammen an der Entwicklung von Austauschkompetenzen und anderen Kooperationsprojekten.“ Zu den vielfältigen Vorteilen der über Jahre aufgebauten Kontakte gehören auch Studentenaustausch-Messen in Mainz und Nürnberg sowie in Riga für die Gaststudenten. Auβerdem hat die Kunstakademie an Kulturfestivals in St. Etienne und Straβburg in Frankreich und an einem Erasmus-Intensivprogramm am Musikkonservatorium von Cuneo in Italien teilgenommen. Von seinen Auslandserfahrungen bringt er Ideen mit nach Hause und ermuntert seine Mitarbeiter und Studenten, es ihm gleich zu tun. „Ich sage ihnen, wir brauchen neue Anregungen und ihr müsst wissen, wie es an anderen Schulen ist. Und sie sollen nach ihrer Rückkehr ihre Erfahrungen mitteilen und das, was sie gelernt haben, in unserem eigenen Lehrsystem anwenden.“

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Madara Apsalone

„Ich habe gelernt, dass man die Vielfalt Europas nie unterschätzen sollte“ Heimateinrichtung: Universität von Lettland, Lettland Latvijas Universitāte, Latvija Gasteinrichtung: Copenhagen Business School, Dänemark Copenhagen Business School, Danmark Studiengebiet: Globales Management/ Internationale Wirtschaftswissenschaften Aufenthaltsdauer: 5 Monate (2006)

Seit kurzem mit einem MBA von einer führenden US Business School in Arizona, zurück zu Hause, erinnert sich Madara Apsalone daran, wie Erasmus – und ein Stipendium ihrer eigenen Universität – ihr eine internationale Karriere eröffnet haben. „Ohne Erasmus wäre eine Ausbildung an der Copenhagen Business School, in einer der teuersten Städte Europas, undenkbar gewesen.“ 2006 in Kopenhagen musste sich die Studentin in Management und Wirt­ schaftswissenschaften an die teamorientierte Studienkultur gewöhnen. „In Lettland ist es viel theoretischer. In Dänemark hatten wir in manchen Fächern nicht mal Prüfungen, man wurde nach der Teamleistung bewertet. Das war sehr neu, die ganze Teamdynamik zu steuern.“ So erlangte sie „eine breitere Sicht des Lebens… und lernte, die Vielfalt Europas nicht zu unterschätzen“. Das motivierte sie zu einem weiteren Studienaustausch, diesmal nach Kalifornien. Um anderen zu helfen, das Beste aus ihrem Austausch herauszuholen, wurde sie im Erasmus-Studentennetzwerk (ESN) aktiv, „vielleicht die zweitbeste In­­ itiative für internationale Hochschulbildung der Europäischen Kommission, abgesehen von den Mobiltätsprogrammen“. Sie half die Struktur und das Profil von ESN zu verbessern, bevor sie zusammen mit fünf anderen ESN-Mitgliedern das von der EU geförderte Projekt PRIME – Anerkennung von Studienleistungen – und das Folgeprojekt PRIME II, dessen internationale Beraterin sie heute ist, leitete. „Aufgrund meiner Erfahrung mit ESN weiβ ich, dass Studenten selber Wege finden können, um internationale Mobilität und interkulturelles Verständ­ nis zu verbessern.“

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Vilma Leonaviciene

„Ich bin voller Ideen, wenn ich zurückkomme“ Heimateinrichtung: Litauische Pädagogische Hochschule, Litauen Lietuvos edukologijos universitetas, Lietuva Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Litauische Sprache und Kultur/ Dozentin Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 2005

„Erasmus ist ein wichtiger Teil meines Lebens und meiner Arbeit geworden“, sagt Vilma Leonaviciene, Leiterin des Zentrums für litauische Sprache und Kul­tur an der Litauischen Pädagogischen Hochschule in Vilnius, der landesweit größten Ausbildungseinrichtung für Lehrer, an der sie seit 1998 Sprachkurse organisiert. Sie liebt es, Litauisch zu lehren und hat zahlreiche Textbücher verfasst. Seit 2000 unterrichtet sie Erasmus-Studenten an ihrer Universität und macht sie mit der Sprache, der Kultur und dem sozialen Umfeld Litauens vertraut. Seit 2005 organisiert sie im Sommer auch Erasmus-Intensivsprachkurse (EILC), derzeit die beliebtesten EILC-Kurse in Litauen. „Ich bin danach stärker und mutiger“, meint sie. „Wenn man eine Gruppe mit rund zwanzig Nationalitäten unterrichtet hat, erscheint es so einfach, nur litauische Studenten zu haben.“ Sie macht auch jährlich Mitarbeiter-Mobilitätsbesuche bei der polnischen Universität Wroclaw, nachdem sie dort 2004 ein Jahr lang Litauisch und Geschichte gelehrt hat. Dabei beobachtet sie die institutionellen Unterschie­de, verfeinert ihre Lehrmethoden und sammelt Informationen, die sie zu Hause nutzen kann. „Ein richtiger Kreislauf. Ich gebe meinen Studenten hier ständig Feed­ back und Anregungen. Und bin voller Ideen, wenn ich wieder zurückkomme.“ Vor kurzem hat sie in Litauen an einem neuen Projekt „Erasmus für Schulen“ teilgenommen, in dem ehemalige Erasmus-Studenten Sekundarschulen besuchen, über ihre Erfahrungen reden und die Schülerinnen und Schüler inspirieren. „Erasmus bietet die Chance, ein breites Spektrum von Klischees in Frage zu stellen, das eigene Land zu repräsentieren und Ideen auszutauschen.“

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Tadas Zukas

„Es hat mir eine neue Welt eröffnet“ Heimateinrichtung: Mykolas Romeris Universität, Litauen Mykolo Romerio universitetas, Lietuva Gasteinrichtung: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Deutschland Studiengebiet: Jura Aufenthaltsdauer: 6 Monate (2001)

Als Tadas Zukas 2001 zu einem Erasmus-Austausch nach Kiel aufbrach, wusste er wenig über seinen Zielort. „Es war nicht weit weg von Litauen und eine der wenigen Partnerschaften, die wir hatten.“ Erst später erfuhr er, dass die Rechtsfakultät der Universität internationales Ansehen genoss. Er war neugierig und ehrgeizig und von den Einrichtungen überwältigt. „Ich studierte in einem kleinen, jungen Land, das gerade seine Gesetze reformierte. Und wo es fast keine Bücher gab. In Deutschland gab es dann zu jedem Thema 20  Bücher und hunderte Jahre von Erfahrung.“ Er besuchte möglichst alle Vorlesungen und arbeitete hart. Was ihn am meisten beeindruckte, war der freundliche Umgang zwischen Dozenten und Studierenden. „Bei den Prüfungen war nicht dieser schreckliche Stress, wenn der Professor nur wissen wollte, was man nicht weiβ“, sagt er. Er erzielte bestmögliche Bewertungen in seinen Kursen, kehrte nach Hause zurück und schloss als einer der Besten seines Jahrgangs das Studium ab. Ein Jahr später wurde er von der Europäischen Kommission zu Litauens millionstem Erasmus-Studenten gewählt. „Erasmus hat mir eine neue Welt eröffnet“, sagt er. Nach seinem Abschluss er­­ hielt er ein Stipendium für ein Master-Studium (LL.M.) in internationalem Wirtschaftsrecht in Zürich, wo er auch in der Rechtsabteilung von Siemens arbeitete. Einige Jahre später machte er in Vilnius das Anwaltsexamen und promovierte in Recht an der Universität Luzern mit summa cum laude. Heute ist er in einer führenden Schweizer Anwaltskanzlei tätig und hat kürzlich ein Praktikum in New York absolviert. „Nach zehn Jahren erkenne ich, wie sich das Puzzle zu­sammensetzt. Erasmus war der erste Schritt in meiner internationalen Karriere.“

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Lucien Kerger

„Es ist manchmal einfacher, eine neue Universität zu errichten als die Strukturen einer 500 Jahre alten Einrichtung zu verändern“ Heimateinrichtung: Universität Luxemburg, Luxemburg Université du Luxembourg, Luxembourg Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Vizepräsident (im Ruhestand) Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 1998

Mit knapp einer halben Million Einwohnern ist Luxemburg naturgemäβ nach auβen gerichtet. Lucien Kerger war von 1998 bis 2003 Direktor der nationalen Pädagogikhochschule und traf über 40 Mobilitätsvereinbarungen. „Es war wichtig für Lehrer, über die Grenzen unseres kleinen Landes hinauszublicken. Zweiundvierzig Prozent unserer Schüler haben eine andere Nationalität. Wenn ein Lehrer auf sie eingehen will, muss er andere Horizonte kennen gelernt haben.“ Die Partnerschaften gaben Einblicke in andere Hochschulprogramme und Bil­ dungssysteme – wertvolle Informationen, als das Land 2003 seine eigene Uni­ versität gründete. Er wurde Dekan der Fakultät für Geisteswissenschaften und 2008­Vizepräsident für Studienangelegenheiten. Eine der Gründungsregeln der Universität war, dass alle Studierenden in einem Bachelor-Programm im Ausland studieren müssen. „Das wurde für die, die nur luxemburgische Schulen kannten, für notwendig erachtet. Aber gleichzeitig war es völlig verrückt, niemand hielt es für möglich.“ Und heute ein bemerkenswertes Ergebnis: 96 % der Studierenden nehmen an Auslandsaufenthalten teil, zwei Drittel davon mit Erasmus. Der Erasmus-Effekt war „rundherum positiv“, sagt er. „Dank der internationalen Kontakte konnten wir Fehler anderer Universitäten vermeiden und haben gelernt, eine Mobilitätsstruktur und Studentenbetreuung einzurichten. Manchmal ist es einfacher, eine neue Universität zu errichten als die Strukturen einer 500 Jahre alten Einrichtung zu verändern.“

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Matthieu Cisowski

„Ich habe Leute kennen gelernt, die ich sonst nie getroffen hätte“ Heimateinrichtung: Paris IV Sorbonne Universität, Frankreich Université Paris-Sorbonne, Paris IV, France Gasteinrichtung: Universität Bremen, Deutschland Studiengebiet: Philosophie Aufenthaltsdauer: 10 Monate (2000)

Der Franzose Matthieu Cisowski studierte an der Sorbonne, wollte jedoch eine Fremdsprache lernen und in einer neuen, unbekannten Umgebung leben. „Die persönliche Dimension hat mich interessiert, aber auch die Erforschung eines neuen Philosophieansatzes.“ Seine Reise nach Bremen, Deutschland, dauerte ein ganzes Studienjahr und übertraf seine Erwartungen – „um 130 Prozent“. Und er spricht jetzt Deutsch auf Profi-Niveau. „Ich habe die Realität Europas gelebt und entdeckt, dass unsere Gemeinsamkeiten gröβer sind als das, was uns trennt.“ Der Unterricht in Bremen war nicht so formal wie an der Sorbonne, und die Mitarbeiter waren zugänglicher. Der Unterschied gefiel ihm, aber er sagt, es war „eher ein philosophisches Kaffeehausgespräch als eine Vorlesung“. Am interessantesten fand er die vielen neuen Bekanntschaften. „Es gibt eine echte Erasmus-Gemeinschaft. Ich war mit Leuten zusammen, die ich sonst nie getroffen hätte.“ Diese Erfahrung bewog ihn zwei Jahre später, als er seine Dok­ torarbeit schrieb, zu einem weiteren Austausch, diesmal für drei Monate an die Universität Bergen in Norwegen. Auch hier bestätigten sich seine Erinnerungen an Erasmus als „glücklich, beruflich erfüllend und persönlich bereichernd“. Heute arbeitet er in Luxemburg als Personal-Manager für einen Industriekonzern. Dass er sich in einer internationalen Umgebung so wohl fühlt, führt er auf seine Erasmus-Auslandsaufenthalte zurück. „Das hat mir gezeigt, dass ich mich anpassen kann, und mich aufgeschlossener und toleranter gemacht. Ich habe mehr Selbstvertrauen entwickelt und gelernt, mehr Verantwortung zu übernehmen.“

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Mária Dudás

„Alter ist kein Hindernis – nur eine Sache der Einstellung“ Heimateinrichtung: Óbuda Universität, Ungarn Óbudai Egyetem, Magyarország Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Institutionelle Erasmus-Koordinatorin Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 1997

Seit 15 Jahren arbeitet Mária Dudás sehr aktiv für Europa. Vor kurzem feierte sie ihren 65. Geburtstag. Sie ist in Ungarn die dienstälteste Koordinatorin mit den meisten Erfahrungen. „Es war eine groβe Freude für mich, denn ich habe jede Minute meiner Erasmus-Arbeit genossen. Das wollte ich mit allen teilen.“ Am meisten freut sie die Auswirkungen auf die Studierenden. „Es vermittelt ih­­nen Wissen, stärkt ihr Selbstbewusstsein und begründet neue Freundschaften. Und es hilft ihnen, sich als Europäer zu sehen, und erhöht ihre Chancen auf dem Ar­­beits­ markt.“ Mit über hundert Partnerschaftsvereinbarungen haben reisewillige Stu­ denten eine vielfältige Auswahl. Und um reinkommende Studenten zu unterstützen, hat sie der Universität zugeredet, Kurse auf Deutsch und Englisch anzubieten. Für ihre internationale Arbeit hat sie viel Lob und Auszeichnungen erhalten, auch wenn manche Erfolge mehr zählen als andere: „Ich war wirklich stolz, als Erasmus den zwei Millionsten Studierenden gefeiert hat und der ungarische Vertreter von meiner Universität kam.“ Den Studenten und ihrer Universität zu mehr Internationalität zu verhelfen, war eine groβartige Leistung. Eine Ehema­ ligenvereinigung, Buddysystem, Doppelabschluss-Programme und präzise Informationen für die Teilnehmer haben alle zur Förderung der Mobilität bei­ getragen. „Auch wenn man nicht jeden überzeugen kann – die Zunftgesellen wussten seinerzeit, wie wichtig reisen war, um zu lernen –, und diese Philosophie gilt bis heute.“

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Piroska Bakos

„Alle Optionen offen halten“ Heimateinrichtung: Universität Pécs, Ungarn Pécsi Tudományegyetem, Magyarország Gasteinrichtung: Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder, Deutschland Studiengebiet: Ungarische Literatur und Linguistik; Kommunikationswissenschaften Aufenthaltsdauer: 6 Monate (1998-1999)

Als eine der ersten an Erasmus teilnehmenden ungarischen Studierenden konnte sich Piroska Bakos mit Fachliteratur auseinandersetzen, die noch nicht ins Ungarisch übersetzt war und sich Studiengängen zuwenden, die es an ihrer Heimatuniversität nicht gab. „Mein Studium in Massenmedien und Kom­mu­ nikation in Deutschland hat mir neue Denkweisen eröffnet. Ich war sehr beeindruckt. Das hat meine Sprachkenntnisse verbessert und mich offener für neue Erfahrungen gemacht.“ Nach ihrem Abschluss fand sie dank ihrer Erasmus-Erfahrung einen Job in der Medienindustrie. „Nach einigen Praktika in Deutschland arbeitete ich als Nachrichtensprecherin und Korrespondentin für deutschsprachige Länder beim öffentlichen Fernsehen.“ Ihre Auslandszeit kam ihr auch in ihrer Position als Sprecherin während Un­­ garns erstem EU-Ratsvorsitz 2011 zugute. „Interkulturelle Kommunikation, kulturelle Vielfalt und Migration sind heute wichtige Themen – die alle während meines Studiums vor über zehn Jahren behandelt wurden.“ In dieser Rolle konnte sie Studierende zu einem Studium im Ausland ermuntern. „Man muss aufgeschlossen sein und sich alle Optionen offen halten. Erasmus hilft, mehr über verschiedene Kulturen zu erfahren und zu verstehen, wie sie koexistieren und wie die Welt sich verändert.“

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John Schranz

„Man muss es nur aus Liebe zur Sache tun“ Heimateinrichtung: Universität von Malta, Malta Università ta’ Malta, Malta Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Theaterwissenschaften Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 2000

Für John Schranz, Dozent für Theaterstudien, war internationale Zusammenarbeit viele Jahre entscheidend für seine Erforschung dessen, was Kreativität antreibt. Als Malta endlich zur Erasmus-Familie stieβ, passte ihm das Programm „wie angegossen“. Er festigte seine Zusammenarbeit mit Theatermachern/-forschern, Neurowissenschaftlern, Kognitionspsychologen, Philosophen und Sport­ wissenschaftlern in ganz Europa. „Erasmus lässt dich in einem Netzwerk leben, das sich durch Nachdenken und Untersuchen auszeichnet.“ Im Verlauf von vielen Austauschaufenthalten wurde ihm klar, dass es die menschlichen Begegnungen sind, die auf den Punkt bringen, „worum es bei der EU und Erasmus letztlich geht“. „Es ist erstaunlich, wie leicht man andere Dozenten, Theatermacher und Studierende auf hohem Niveau sofort kennen lernt. Es geht weit über das hinaus, was man als gelegentlicher Besucher erleben kann. Man entwickelt ein Gefühl der Zugehörigkeit, das Gefühl, das noch viel mehr möglich ist.“ Eine Wende kam 2001, als er und Wissenschaftler von vier anderen Universitäten sich erfolgreich um einen Erasmus-Zuschuss zur Lehrplanentwicklung für einen neuen interdisziplinären Kurs bewarben. Das Ergebnis: ein gemeinsamer MasterAbschluss in der Wissenschaft der performativen Kreativität, 2007 gestartet und hauptsächlich von der Universität von Malta organisiert. Der Kurs untersucht Kontexte, die Kreativität hemmen und/oder zur Entfaltung bringen, indem die kreative Fähigkeit analysiert wird, die das menschliche Gehirn von dem anderer Spezies unterscheidet. Seine Botschaft an alle, die sich für einen Erasmus-Austausch interessieren: „Man muss es nur aus Liebe zur Sache tun. Tut es aus Liebe zur Forschung und Pädagogik und lasst euch voll darauf ein.“

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David Friggieri

„Besser als du je gedacht hättest“ Heimateinrichtung: Universität von Malta, Malta Università ta’ Malta, Malta Gasteinrichtung: Universität von Rennes, Frankreich Université de Rennes, France Studiengebiet: Jura Aufenthaltsdauer: 7 Monate (2000-2001)

Es war das erste Jahr, in dem das Erasmus-Programm den Maltesern offen stand, und so machte sich David Friggieri mit fünf anderen Jurastudenten, Pioniere ih­­ res Landes, von der Universität von Malta auf den Weg nach Rennes. „Wir hatten Glück, da zu sein, als es losging, denn ich wollte eine Zeit lang im Ausland leben und studieren.“ Er wurde nicht enttäuscht. Die Reise brachte „eine neue Lebensart und eine neue Lernerfahrung.“ Da er bereits an seiner Doktorarbeit schrieb, verbrachte er viel Zeit in der Bibliothek und war fasziniert von der französischen Methode, eine wissenschaftliche Arbeit zu präsentieren. „Sie tun alles auf diese kartesianische Art, teilen alles in zwei. Es ist ein ganz anderes mentales System.“ Er verlängerte seinen Aufenthalt von drei auf sieben Monate und schloss enge Freundschaften, die jetzt seit über zehn Jahren bestehen. „Vier von uns in Rennes wollten das Studium am Europa-Kolleg in Brügge fortsetzen. Wir diskutierten oft unsere Chancen, alle angenommen zu werden und erstaunlicherweise konnten wir unser akademisches Leben dort gemeinsam weiterführen.“ Die vier – zwei Malteser, ein Pole und ein Ungar – teilten dann eine Wohnung, als sie Prak­ tikumsplätze in EU-Institutionen fanden. Heute arbeiten sie alle für diese Einrichtungen. Während seines Erasmus-Austauschs begann er, ein Netzwerk mit Kontakten in verschiedenen Ländern aufzubauen. „Manche Studenten zögern teilzunehmen. Sie befürchten, ihre Zeit zu verlieren oder Probleme mit der Anerkennung ihrer Punkte zu bekommen. Aber keine Angst, nutze die Chance und kümmere dich später um die Folgen. Die sind wahrscheinlich besser als du je gedacht hättest.“

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Bram Peper

„Es ist inspirierend, die Zusammenarbeit von Studenten zu sehen“ Heimateinrichtung: Erasmus Universität Rotterdam, Niederlande Erasmus Universiteit Rotterdam, Nederland Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Soziologie/Dozent Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 1992

1992 nahm Bram Peper an einem Erasmus-Intensivprogramm teil, das vom soziologischen Institut seiner eigenen Universität in Rotterdam organisiert wurde. Der achttägige Kurs brachte Studierende und Dozenten verschiedener Länder in intensiver aber informeller Art zusammen. „Es war gut, mit anderen Studenten zu sprechen und über verschiedene Sozialsysteme zu diskutieren“, sagt er. Er setzte sein Studium fort und wurde Soziologiedozent. Seit 2005 ist er der akademische Koordinator des Erasmus-Intensivprogramms in Soziologie der Universität Rotterdam. Das erfolgreiche Programm – das 2012 seine 21. Sitzung abhält – bringt heute Mitarbeiter und Studenten aus 13 Einrichtungen zusammen. „Wir freuen uns jedes Jahr wieder, 50 bis 60 Studierende zu sehen, die so hart und so gut zusammenarbeiten.“ Die jährlichen Sitzungen bieten Raum für Ideenaustausch, führten zur Ver­ öffentlichung von vier wissenschaftlichen Büchern und sind für die Mitarbeiter nützlich, um andere Lehrmethoden zu beobachten. „Es ist hilfreich zu sehen, wie Kollegen ihre Klassen unterrichten“, sagt er. „Universitätsprofessoren sind sehr autonom und sehen meistens nicht, wie andere ihre Vorlesungen halten.“ Obwohl es viel Arbeit ist, betrachtet er es als äuβerst nützlich, ein Intensivpro­ gramm zu organisieren. „Die Arbeit lohnt sich doppelt und dreifach, für den Dozenten selbst und für den Aufbau eines akademischen Netzwerks mit neuen Kollegen. Und die Zusammenarbeit der Studenten zu sehen, obwohl sie acht oder neun verschiedene Sprachen sprechen. Das ist inspirierend, und macht Spaβ.“

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Désirée Majoor

„Erasmus war der Auftakt zu meiner Karriere“ Heimateinrichtung: Utrecht Universität, Niederlande Universiteit Utrecht, Nederland Gasteinrichtung: Universität von Bologna, Italien Università di Bologna, Italia Studiengebiet: Theaterwissenschaften Aufenthaltsdauer: 6 Monate (1987)

Als eine der ersten Erasmus-Austauschstudenten verbrachte Désirée Majoor sechs Monate in Bologna, wo sie für ihre Master-Abschlussarbeit Pub­ likumsreaktionen auf futuristische Theatervorstellungen untersuchte. Ein paar Monate später nahm sie an einem Erasmus-Evaluierungstreffen in Gent teil, wo über Lösungen von praktischen Problemen, die eine Reihe von Studierenden erlebt hatten, diskutiert wurde. Das Ergebnis war die Gründung des ErasmusStudentennetzwerk (ESN). „Wir hielten es für das Beste, wenn Studenten anderen Studenten helfen. So entstand das Buddy-Netzwerk. Ich lebte nicht weit von Brüssel entfernt und habe daher den Vorschlag ausgearbeitet.“ Sie gründete in Utrecht eine ESN-Sektion, andere von dem Treffen taten in ihrer Stadt das Gleiche. Ein Jahr später hielten die 22  Sektionen die erste Jah­ reshauptversammlung des Netzwerks ab, und sie wurde seine erste Präsidentin. „Es war ziemlich idealistisch, niemals ein Job. Wir waren Freiwillige.“ 2010 feierte das ESN seinen 20. Geburtstag in Utrecht. Es hat heute 370 Sektionen in 35 Ländern. „Erasmus war der Auftakt zu meiner Karriere“, sagt sie. Nach ihrem Studium ging sie auf Reisen und wollte dann unbedingt für eine internationale Or­ganisation arbeiten. „Dank meiner Erasmus-Erfahrung fand ich einen Job bei Nuffic, der niederländischen Organisation für die Internationalisierung der Hochschulbildung. So kam ich ins Hochschulmanagement.“ Heute sorgt sie als Dekanin der Fakultät für Kommunikation und Journalismus an der HU Fachhochschule Utrecht dafür, dass ihre Studenten die Austauschchancen optimal nutzen. „Es ist eine tolle persönliche Erfahrung. Man kann so viel lernen.“

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Elena Luptak

„Studentenaustausch zu einem normalen Teil des Universitätslebens machen“ Heimateinrichtung: Konservatorium Wien  Privatuniversität, Österreich Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Tanzdozentin und Koordinatorin der Erasmus-Abteilung Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 2004

Als Dozentin an einer relativ neuen Universität wollte Elena Luptak ins Ausland gehen, um zu sehen, wie andere Einrichtungen ihre Kurse organisieren. „Ich fand es hilfreich, über neue Methoden nachzudenken, und ich erhielt einen besseren Überblick über die im Ausland angewendeten Systeme und Konzepte. Dadurch brachte ich neue Ideen für meine Heimatuniversität mit.“ Für sie waren Auslandsreisen immer ein wichtiger Teil des Studentenlebens. Doch nicht immer stellen sich Studierende ihr Studium so vor. „Auslandserfahrung kann nur dann ein normaler Teil des Studentenlebens sein, wenn Unterstützung und regelmäβige Erneuerung erfolgt.“ Damit Tanzstudenten ihren Auslandsaufenthalt optimal nutzen, werden zwei Studierende ausgewählt, die zusammen reisen, „einer mit mehr technischem und einer mit eher künstlerischem Können“. Auch diejenigen, die zu Hause bleiben, profitieren, da die zurückkehrenden Studenten eine andere Sicht auf ihr Studium mitbringen, die allen neue Horizonte eröffnet. Neben der Organisation von Studentenaustauschen baute sie umfassende Kontakte in anderen Universitäten aus. „Das ist ein wichtiger Teil meines Uni­ versitätslebens. Es ist interessant, neue Kollegen und Studierende zu treffen, und ich freue mich auf die Zeit, wenn dies als normal angesehen wird.“

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René Kremser

„Hindernisse sind da, um bewältigt zu werden“ Heimateinrichtung: Fachhochschule Vorarlberg, Österreich Gasteinrichtung: VAMK, Fachhochschule, Finnland Vaasan ammattikorkeakoulu, Vamk, Suomi Studienfeld: Sozialarbeit Aufenthaltsdauer: 5 Monate (2005)

Bevor er nach Finnland kam, hatte René Kremser immer in Internaten oder bei seinen Eltern gelebt. Der Erasmus-Austausch gab ihm die Chance, unabhängig zu leben. Er ist blind und Rollstuhlfahrer, und es war klar, dass spezielle Vor­ kehrungen zu treffen waren. Zum Glück setzten sich sowohl seine Heimat- als auch seine Gastuniversität für ihn ein. Er sagt, „für mich war es wichtig, Dinge auszuprobieren – auch wenn es unmöglich scheint. Es lohnt sich, wenn man wirklich etwas tun will“. Um ins Ausland zu gehen, brauchte er einen persönlichen Assistenten. Durch eine Anzeige in der Lokalzeitung fand er einen österreichischen Landsmann, der ihn nach Finnland begleitete. So konnte er erstmals unabhängig leben. Auch wenn viele Hindernisse zu überwinden sind, rät er anderen behinderten Studierenden zu einem solchen Austausch: „Es hilft, für Dinge zu kämpfen, und man lernt andere Länder und Kulturen kennen.“ Im Ausland kombinierte er Universitätsstudium und Praktika: „So habe ich in vielen verschiedenen Einrichtungen meine Erfahrungen gemacht und einen guten Überblick über Finnlands Ansatz zu Behinderung bekommen.“ Da Aufgrund der positiven Erfahrungen mit Persönlicher Assistenz während seines Aus­land­ aufenthaltes, entschloss er sich, diese auch zum Thema seiner Diplomarbeit zu machen.

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Ryszard Zamorski

„Wenn dies das einzige EU-Programm wäre, dann wäre es schon ein guter Grund für das Bestehen der Europäischen Union“ Heimateinrichtung: Bydgoszcz Universität für Technologie und Naturwissenschaften, Polen Uniwersytet TechnologicznoPrzyrodniczy, Polska Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Pflanzenbiochemie/Prodekan Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 2000

Als begeisterter Unterstützer von Erasmus seit der Teilnahme Polens am Pro­gramm hat Ryszard Zamorski 50 der derzeit 54 institutionellen Vereinbarungen seiner Fakultät mit anderen Universitäten ausgearbeitet und an 40 Mitarbeiterbesuchen teilgenommen, um den Austausch von Studenten und Mitarbeitern vorzubereiten. „Erasmus ist eines der besten und spektakulärsten Programme der EU, es bringt zahllose Vorteile, nicht nur für das heutige Hochschulleben, sondern noch mehr für die Zukunft.“ Als Prodekan für Lehre und Studienangelegenheiten an der Fakultät für Land­ wirtschaft und Biotechnologie von 1999-2001 und erneut seit 2008 entwickelte er zunächst Partnerschaften über seine eigenen wissenschaftlichen Kontakte und baute viele Freundschaften auf. Gleichzeitig wurde er eine Art Experte für Bildungssysteme in der EU und der Türkei. „Ich suche immer nach niederländischen Lösungen. Wir bauen derzeit unsere Fakultät um und dabei sehe ich den Einfluss meiner Besuche.“ Bei seinen Auslandsbesuchen unterrichtet er an Biochemie interessierte Studenten und Mitarbeiter, diskutiert weitere Zusammenarbeit in Wissenschaft und Lehre sowie kulturelle Aktivitäten, um die Stadt und die Region zu ent­ decken. „Es hat mir immer mehr gebracht als erwartet, und die Gastfreundschaft überwältigt mich“, sagt er. „Ich sage den Studenten zu Beginn meines Vortrags: ‚Wenn dies das einzige EU-Programm wäre, dann wäre es schon ein guter Grund für das Bestehen der EU.’ Investitionen in junge Leute sind eine gute Sache, und alle, die gehen, kommen glücklich und begeistert zurück.“

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Diana Dmuchowska

„Es hat mir eine Richtung gegeben“ Heimateinrichtung: Medizinische Universität von Bialystok, Polen Uniwersytet Medyczny w Białymstoku, Polska Gasteinrichtung: Universität Duisburg-Essen, Deutschland Studiengebiet: Medizin Aufenthaltsdauer: 1 Jahr (2005)

Diana Dmuchowska studierte im fünften Jahr Medizin, als sie nach Essen aufbrach, auf der Suche nach „neuen Ideen“ und „etwas Auβergewöhnlichem“. Sie wählte Deutschland, weil sie die Sprache kannte und in der Lage sein wollte, ohne Übersetzer mit Patienten zu sprechen. „Mein Aufenthalt hat meine Erwartungen tausendmal mehr erfüllt, als erwartet. Ich habe neue Leute kennen gelernt und das Beste aus der Erfahrung herausgeholt, aber vor allem habe ich diese Ophtalmologie-Professorin getroffen. Ihre Begeisterung für Forschung und Chirurgie war überwältigend.“ Diese Begegnung änderte ihre Routine von Grund auf. Sie verbrachte Abende und Wochenenden im Labor und mit wissenschaftlicher Lektüre. „Manchmal war ich so vertieft in meine Arbeit, dass ich den Tagesanbruch kaum bemerkte.“ Als das Jahr um war, kehrte sie nach Polen zurück, um ihr Medizinstudium abzuschlieβen, und setzte gleichzeitig – betreut von der OphtalmologieProfessorin – ihre deutsche Doktorarbeit fort, die sie auf Englisch verteidigte und in Polen anerkannt bekam. „Erasmus hatte groβen Einfluss auf mein Leben. Es hat mir eine neue Richtung gegeben“, sagt sie. In den letzten drei Jahren hat sie eine Ausbildung absolviert, um in Polen als Augenärztin zu arbeiten. Letztes Jahr nahm sie in Essen an einem dreimonatigen Praktikum teil und vor kurzem besuchte sie dank eines Stipendiums der Europäischen Gesellschaft für Ophtalmologie das international bekannte Moorfields Eye Hospital in London. „Ausländische Einrichtungen zu besuchen ist wesentlich für meine berufliche Entwicklung. Ich habe meine Begeisterung für Forschung mit zurück nach Bialystok genommen und möchte es mit neuen Ideen und Erfahrungen genauso machen.“

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José Marat-Mendes

„Mein Hauptziel war, die Leute zu europäischen Bürgern zu erziehen“ Heimateinrichtung: Neue Universität von Lissabon, Portugal Universidade Nova de Lisboa, Portugal Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Dozent für Werkstoffwissenschaft/ Physik/Chemie und Ingenieurwesen (im Ruhestand) Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 1987

Der im Ruhestand befindliche Physikdozent José Marat-Mendes engagierte sich für Erasmus von Anfang an. Während einer Gastprofessur des British Council 1986 in Aberdeen hörte er einige Professoren aus Deutschland über Erasmus reden. „Ich hatte nie davon gehört und war fasziniert.“ Das Ergebnis war ein gemeinsames Projekt der Universitäten von Aberdeen, Mainz, Bonn, Sevilla und Lissabon, um – Chemiestudenten im Master- und Doktorstudiengang eine bessere Studienbegleitung zu bieten. Er erinnert sich an ein Treffen in Mainz mit einem Vertreter des Erasmus-Büros in Brüssel: „Wir hatten alle das Gefühl, dass ein neues Zeitalter anbrach.“ Wieder in Lissabon, war er fast 25 Jahre mit Begeisterung als Erasmus-Koordinator tätig, nahm selbst zehn Lehraufträge wahr und die Studierenden standen vor seiner Tür Schlange, um an dem Programm teilzunehmen. „Mein Hauptziel war es, die Leute zu europäischen Bürgern zu erziehen.“ In Physik initiierte er ein Forschungsprojekt, das zu einem Erasmus-Projekt zur Lehrplanentwicklung und einem Fortgeschrittenen-Intensivprogramm führte und Mitarbeiter und Studierende aus acht Universitäten für jährliche Kurse zusammenbrachte. „Sogar heute, viele Jahre nach Studienabschluss und Karrierebeginn, bestehen die Freundschaften der Studenten noch.“ Bei einer seiner letzten Vorlesungen an der Universität von Valladolid in Spanien wurde ihm in einer speziellen Feier eine Gedenktafel überreicht, die immer noch stolz an seiner Wand hängt. „Für José Marat-Mendes“, ist darauf zu lesen. „In Anerkennung der guten Arbeit – Erasmus 1992-1997“.

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Filipe Araújo

„Es gab mir eine starke europäische Identität“ Heimateinrichtung: Katholische Universität von Portugal, Portugal Universidade Catolica Portuguesa, Portugal Gasteinrichtung: LUMSA Universität, Italien Libera Università Maria SS. Assunta, Italia Studiengebiet: Medienwissenschaften Aufenthaltsdauer: 10 Monate (1999)

Ein einmonatiger Austauschbesuch in Frankreich im Alter von 13 Jahren inspirierte Filipe Araújo für das Ausland. Bei Freunden in Rom erhielt er einen Einblick in das Leben als Erasmus-Student. Sobald er konnte, schlug er den gleichen Weg ein. 1999 verlieβ er Lissabon für ein Semester Medienwissenschaften an der LUMSA Universität in Italien. Die fünf Monate vergingen wie im Flug, und er verlängerte seinen Aufenthalt. Einer seiner Dozenten, Direktor beim staatlichen italienischen Fernsehsender RAI, wusste, dass Araújo in Portugal als Journalist gearbeitet hatte, und verschaffte ihm für sein zweites Semester ein Praktikum bei dem Sender. „Eine tolle Chance, tiefer in die italienische Kultur einzutauchen und ihre Eigenheiten zu verstehen.“ Eins führte zum anderen: Er arbeitete danach als Korrespondent für portugiesische Medien, bis er eines Tages entdeckte, dass seine wahre Berufung beim Film lag. 2005 gründete er eine unabhängige Produktionsfirma und pendelt heute zwischen Lissabon und Madrid, mit einem Büro in Tallinn. Derzeit arbeitet er an einem von Erasmus inspirierten Dokumentarfilm über einen ehemaligen Studenten, der auf der Suche nach alten Freunden 15 Jahre später durch Europa reist, und über einen jungen Studenten, der zu seinem ersten Auslandsaustausch nach Skandinavien aufbricht. „Erasmus hat groβen Anteil an dem, was ich heute bin. Es hat mir eine starke europäische Identität und Vertrauen in Menschen und die Zukunft gegeben. Um ein europäisches Bewusstsein zu schaffen, muss man damit in ganz jungen Jahren beginnen. Kein besserer Weg, um Europa zu verstehen, als es zu leben, mit seinen Freuden und seiner Vielfalt. Genau das ist Erasmus.“

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Ion Visa

„Es hat wesentlich zur Änderung der Mentalität an unseren Universitäten beigetragen“ Heimateinrichtung: Transsilvanische Universität von Braşov, Rumänien Universitatea Transilvania Braşov, România Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Maschinenbau/Rektor Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 1997

Bei der Einführung des Erasmus-Programms in Rumänien gab es eine gewisse Skepsis, aber Ion Visa zweifelte keine Sekunde an den Vorteilen: „Manche wollten keine Studenten ins Ausland schicken. Sie hatten Angst, sie würden nicht nach Rumänien zurückkommen. Ich sagte ihnen, es sei für uns alle eine Chance, unser Denken und unsere Universitäten zu öffnen, und dass wir keine andere Lösung hätten.“ Der Professor für Maschinenbau koordinierte – und förderte – ab 1997 den Austausch von Studenten und Mitarbeitern an der Transsilvanischen Universität von Braşov, deren Rektor er 2004 wurde. Er brachte zahlreiche Partnerschaften und Erasmus-Projekte auf den Weg und entwickelte Abschlusskurse in Industrieund Produktdesign und Systemen für erneuerbare Energie zur Förderung der internationalen Mobilität und Forschung. „Dank Erasmus und dem Austausch von Studierenden und Mitarbeitern entwickelten wir unseren eigenen Lehrplan“, sagt er. Es ging ihm immer darum, „neue Kooperationsmöglichkeiten für unsere Studierenden und Mitarbeiter zu eröffnen“, um Lehre, Zusammenarbeit und Forschung zu verbessern. Die internationale Dimension sei für die Ausbildung seiner Studierenden sehr wichtig, sagt er. „In unserem Bereich arbeiten wir jetzt in komplexen Teams, die geographisch weit gestreut sind. Wir müssen junge Leute auf die Arbeit in diesem neuen Kontext vorbereiten.“ „Vor acht Jahren kamen jedes Jahr drei bis fünf Studierende zu uns. Heute sind es hundert. Es macht wirklich Freude, eine gute und dynamische Zusammenarbeit zu schaffen. Es hat auch wesentlich zur Änderung der Mentalität an unseren Universitäten beigetragen.“

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Laura Filipe Popa Araújo

„Der Mehrwert ist der Ausgangspunkt für den Aufbau seiner Karriere“ Heimateinrichtung: Wirtschaftsakademie Bukarest, Rumänien Academia de Studii Economice Bucureşti, România Gasteinrichtung: Istanbul Universität, Türkei İstanbul Üniversitesi, Türkiye Studiengebiet: Betriebswissenschaften Aufenthaltsdauer: 10 Monate (2008/2009)

Für das dritte Jahr ihres Management-Bachelors war Laura Popa entschlossen, ihre Komfortzone aufzugeben und Bukarest gegen Istanbul zu tauschen. Sie lernte genug Türkisch, um zurecht zu kommen und hatte „die beste Zeit ihres Lebens“. Einer ihrer dortigen Dozenten wurde ihr Mentor. „Ich wusste nicht, worauf ich mich als Graduierte spezialisieren sollte, und er hat mir bei der Entscheidung sehr geholfen.“ Sie folgte seinem Rat und schrieb sich für einen Master in Unternehmensführung und -strategie an der Business School der Universität von Nottingham ein. In Istanbul gründete sie den türkischen Zweig der Liga rumänischer Aus­ landsstudenten. Bei ihrer Rückkehr wurde sie zur zweimillionsten ErasmusStudierenden für Rumänien gewählt. Dies veranlasste sie, ihr Studium in Nottigham ein Jahr auszusetzen und an rumänischen Universitäten über ihre Erfahrung zu sprechen: „Ich wollte für Erasmus werben. Es hat mich viel Mühe gekostet, aber ich habe es als Zukunftsinvestition gesehen.“ Sie ist auch auf die Höhen und Tiefen eines Auslandsstudiums eingegangen. „Viele sagen, macht es, aber nur wenige erklären, wie man sich vorbereiten soll und schnell an eine neue Kultur anpassen kann.“ Neben der sozialen Dimension des Programms „besteht der Mehrwert im Ausgangspunkt für den Aufbau seiner Karriere“, sagt sie. Sie hat ihren Master inzwischen abgeschlossen und will ihre Erfahrungen nun in den beruflichen Bereich mitnehmen. „Ich will Erasmus unbedingt weiter fördern und eine Bildungsinitiative starten, um die Leistung an rumänischen Uni­versitäten zu verbessern.“

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Vesna Rijavec

„Es hat frischen Wind für alle gebracht, nicht nur für mich“ Heimateinrichtung: Universität von Maribor, Slowenien Univerza v Mariboru, Slovenija Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Jura Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 2000

Vesna Rijavec war schon seit langem vom Nutzen grenzüberschreitender Zusammenarbeit überzeugt und so aktivierte sie, sobald sich die Chance ergab, ihre Kontakte zum Aufbau von Erasmus-Partnerschaften zwischen ihrer Rechts­ fakultät in Maribor und Universitäten in ganz Europa. „Manche Rechtsprinzipien sind universal. Aber man kann sein nationales Recht nicht wirklich verstehen, ohne es mit dem anderer Länder zu vergleichen.“ Seit 2000 hat sie an acht Austauschaufenthalten für Lehrkräfte in Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Polen und Spanien teilgenommen und einen erheblichen Einfluss auf ihre Lehr- und Forschungstätigkeit festgestellt. „Ich habe mehr Selbstvertrauen bekommen und meine Vorlesungen und meine Forschung um substantielle, neue Elemente bereichert.“ Neben dem Austausch von Material, der Zusammenarbeit an Artikeln und der Entwicklung neuer Forschungsprogramme haben auch Maribors Studierende erheblich von ihren Bemühungen profitiert: Manche von ihnen arbeiten heute am Europäischen Gerichtshof. Der Zustrom ausländischer Studenten hat auch ihrer Fakultät geholfen. „Meine Kollegen arbeiten jetzt aktiver auf internationaler Ebene, da sie Kurse für ErasmusStudenten anpassen mussten. Es hat frischen Wind für alle gebracht, nicht nur für mich. Es ist ein groβer Unterschied, ob man sich in einer kleinen Gesellschaft verkriecht oder weltoffen ist und sieht, wie die Dinge anderswo funktionieren.“ Ihre Besuche haben sie auch auf ihre eigene Universität stolz gemacht. „Unsere Einrichtungen schneiden im Vergleich zu bekannten Fakultäten gut ab, und unsere Professoren tun ihr Bestes. Wir sind natürlich eine junge Universität, gerade mal 50 Jahre alt, aber die Unterschiede waren nicht so groß wie erwartet.“

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Jure Kumljanc

„Es war das unvergesslichste Jahr meines Lebens“ Heimateinrichtung: Fakultät für Tourismus Studien Portorož, Slowenien Turistica-Fakulteta za turistične študije Portorož, Slovenija Gasteinrichtung: Universitätscollege Birmingham, Vereinigtes Königreich University College Birmingham, United Kingdom Studiengebiet: Tourismusmanagement Aufenthaltsdauer 5 Monate (2007)

Für Jure Kumljanc war sein Studienaustausch in Birmingham eine Art Kulturschock. „Das Groβstadtleben und Kontakte mit Menschen aus verschiedenen Ländern und verschiedener Rassen war ich nicht gewohnt.“ Auβerdem fand er den Kurs in Tourismusmanagement sehr anspruchsvoll und musste sich einen Job suchen, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Trotz anfänglicher Ängste entdeckte er, dass die Menschen in der multikulturellen Stadt freundlich und offen waren. Er fand einen Job und arbeitete auch über Weihnachten, als die meisten anderen Erasmus-Studenten nach Hause fuhren. Die Dozenten waren zwar Erasmus-Studenten gegenüber nicht nachsichtiger – „mehr Aufgaben und Tests als in Slowenien“ –, aber ihm gefiel, dass Studierende den Zugang zu Forschungsaufträgen hatten und „unorthodox denken“ konnten, dass er Rückmeldungen und Korrekturen erhielt und nicht bloβ eine Note für seine Arbeit. Dass alles so gut geklappt hat, ist den Bemühungen des lokalen ErasmusKo­ordinators zu verdanken: „Er war immer da und hat uns bei allen Problemen geholfen. Es war groβartig zu wissen, dass man auf ihn zählen konnte.“ Er hat auf seinen Erasmus-Erfahrungen aufgebaut und arbeitet heute als OnlineMarketingleiter für LifeClass Hotels & Spa, der größten slowenischen Hotelkette. „Es fällt mir leichter, vor Publikum zu sprechen. Und ich habe von Studenten aus ganz Europa viel Interessantes gelernt. Für mich war es ein Durchbruch.“ „Es war das unvergesslichste Jahr meines Leben“, sagt er. „Es hat so vieles verändert: wie ich denke, Kontakte herstelle und arbeite.“

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Jozef Ristvej

„Meine Auslandsaufenthalte haben mich motiviert, noch härter zu arbeiten“ Heimateinrichtung: Universität von Žilina, Slowakei Žilinská univerzita, Slovensko Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Krisenmanagement/Prodekan für Entwicklung und internationale Beziehungen Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 2003

Ein fünfmonatiger Studentenaustausch 2003 an der Linköping Universität in Schweden spornte Jozef Ristvej an, sich neue Methoden anzueignen und sein Studium in Krisenmanagement auf einem höheren Niveau fortzusetzen. „Das Bildungsniveau war noch höher, als ich dachte, Studenten und Professoren hatten eine enge Beziehung und es wurde mehr Wert auf Selbststudium in der Bibliothek gelegt.“ 2007 schloss er seinen Doktor ab und wurde Dozent, spezialisiert auf IT-Systeme, die Entscheidungsfindungen im Krisenmanagement unterstützen. Heute als Prodekan für Entwicklung und internationale Beziehungen will er Studenten helfen, auch diese Erfahrung zu machen, die ihm so viel gebracht hat. „Ich habe durch meine Auslandsaufenthalte viele Fähigkeiten gelernt. Sie haben mich dazu motiviert, noch härter zu arbeiten.“ Weitere Besuche im Rahmen der Erasmus-Mitarbeitermobilität veranlassten ihn, die Strukturen in der Slowakei verbessern zu helfen. Derzeit ist er in einem multilateralen Erasmus-Projekt zur Modernisierung der Hochschulbildung aktiv, das seit drei Jahren läuft. „Unsere Fakultät hat als erste in der Slowakei Krisen­ management angeboten, und sie ist erst 12 Jahre alt. In Italien hingegen ist es ein etabliertes Fach, und Portugal war vor zehn Jahren in der gleichen Position wie wir heute. Unsere Entwicklung ist damit vergleichbar.“ Seine Erasmus-Besuche schätzt er – neben neuen Kontakten und neuen For­ schungspartnern – vor allem, weil sie neue Ideen auslösen. „Bei einem solchen Besuch kann ich in einer anderen Umgebung und auf andere Weise über Dinge nachdenken.“

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Jana Vitvarová

„Erasmus verleiht einem Flügel“ Heimateinrichtung: Universität von Žilina, Slowakei Žilinská univerzita, Slovensko

„Meine Eltern waren meine Erasmus-Botschafter“, sagt Jana Vitvarová. „Internationale Kontakte waren für beide in ihren Berufen wichtig – mein Vater war Informatikforscher und meine Mutter Französischlehrerin –, mir musste daher niemand die Vorteile eines Auslandsstudiums erklären.“

Gasteinrichtung: Nationales Institut für Telekommunikation, Evry, Frankreich Institut National des Télécommunications, Evry, France

Der betriebswirtschaftliche Schwerpunkt am Nationalen Institut für Tele­ kommunikation in Paris sagte ihr sehr zu. In Simulationen von echten Situationen entwickelten Studenten während intensiven dreitägigen Sitzungen Projektvorschläge für verschiedene Unternehmen. „Viele meiner Klassen­ka­ meraden hatten schon Praktika gemacht und ich konnte sehen, dass sie dadurch mehr Ahnung hatten.“

Studiengebiet: Telekommunikation

Sie schätzte es auch, ihre Arbeit präsentieren zu müssen, anstatt alles nur schriftlich vorzulegen. Dank dieser Erfahrung fand sie es bei ihrem späteren Job als Expertin für Netzwerke der nächsten Generation leichter, vor einer Gruppe von Leuten ihre Arbeit zu präsentieren. „Dank der erworbenen Vortragsfähig­ keiten erziele ich bessere Ergebnisse im Unterricht, in der Forschung und in Wirtschaftsfächern.“

Aufenthaltsdauer: 5 Monate (2000)

Als sie 2002 zur einmillionsten Erasmus-Studierenden aus der Slowakei gewählt wurde, war sie auf die Veränderungen in ihrem Leben kaum vorbereitet. Auf der Feier in Brüssel traf sie ihren zukünftigen Ehemann, einen ehemaligen ErasmusStudenten aus Tschechien. Das Paar zog nach Irland, dann nach Österreich und lebt heute mit zwei jungen Kindern in der Tschechischen Republik. „Erasmus verleiht einem Flügel. Es hängt von dir ab, ob du einen langen Flug oder nur einen kleinen Rundflug machen willst.“

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Paula Pietilä

„Erasmus steht jedem offen“ Heimateinrichtung: Universität von Turku, Finnland Turun yliopisto, Suomi Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Behindertenkoordinatorin Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 2010

Hochschulbildung jedem zu eröffnen, heißt auch zu prüfen, wie behinderte Studierende unterstützt werden können. Für Paula Pietilä, selbst betroffen, „ist das ohne internationale Zusammenarbeit kaum denkbar“. Um sich mit den in den nordischen Ländern angewandten Methoden vertraut zu machen, nahm sie an einem Studienbesuch in Dänemark teil. Dies half ihr bei ihrer Arbeit in Finnland, „wo die Systeme und Verfahren noch jung sind und mehr für behinderte Studenten getan werden muss, damit sie wirklich einen gleichen Zugang zu Hochschulbildung haben“. Im Anschluss an den Besuch untersuchte sie verschiedene Wege, Studierende mit psychischen Problemen oder physischen Behinderungen zu beraten und zu unterstützen. Der Besuch vermittelte ihr eine „ganzheitlichere Sicht“, die es ihr ermöglichte, „über Änderungen an der gesamten Universität nachzudenken“. Und auch über die Neugestaltung von Lehrmaterial, das Design von Webseiten und die Anpassung der physischen Umwelt. Nicht zuletzt half ihr der Besuch, an der Entwicklung der „Integrationspädagogik“ auf nationaler Ebene und innerhalb des Nordischen Netzwerks für Behindertenkoordinatoren mitzuarbeiten. Bisher haben nur wenige behinderte Studierende an Austauschprogrammen teilgenommen. Sie aber sagt, dass „Erasmus jedem offen steht“ und die Möglichkeit bietet, Dinge anders zu sehen und neue Erfahrungen zu machen.

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Elina Ylipelkonen

„Mein Auslandsaufenthalt hat mir geholfen, zu entscheiden, was ich tun wollte“ Heimateinrichtung: Seinäjoki Fachhochschule, Finnland Seinäjoen ammattikorkeakoulu, Suomi Gasteinrichtung: Evangelische Fachhochschule Berlin, Deutschland Studiengebiet: Sozialarbeit Aufenthaltsdauer: 3 Monate (2006)

Da sie vorher schon in Berlin gewesen war, wusste Elina Ylipelkonen, dass die Stadt viele Möglichkeiten bot, Sozialarbeit zu studieren. Während des ErasmusAustauschs kombinierte sie die zweitägigen Vorlesungen an der Universität mit einem Praktikum als Bewährungshelferin für Jugendliche die restliche Woche über. „In Berlin habe ich viele Arbeitsstellen und Methoden gesehen, die in Finnland selten sind. Es war sehr lehrreich für mich, besonders die vielen neuen Ansätze in der Sozialarbeit.“ Die Erfahrung bestärkte sie in ihrer Berufsentscheidung und weckte ihr Interesse an multikulturellen Fragen. „Erasmus hat mir bei meiner Berufswahl geholfen.“ In ihrer praktischen Arbeit in Berlin hatte sie hauptsächlich mit Migran­ tengemeinschaften zu tun. Dies kombiniert mit drei Jahren Ganztagsarbeit beim Aufnahmezentrum für Asylanten in Helsinki, gab ihr die Gewissheit, was sie tun wollte – bei der Einwanderungspolizei arbeiten. Derzeit absolviert sie in Finnland eine Ausbildung als Polizeibeamtin, in ihren Augen – zusammen mit ihrer Berufsausbildung als Sozialarbeiterin – der ideale Berufsweg. „Ich würde auch anderen Sozialarbeitern eine Zeit im Ausland empfehlen. Erasmus sollte für alle sein. Wer es nutzen kann, sollte es tun!“

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Hans

Åhl

„Der letzte Unterrichtstag ist eine Heul-Party“ Heimateinrichtung: Mid Schweden Universität, Schweden Mittuniversitetet, Sverige Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Erasmus Intensivsprachkurs-Koordinator Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 1999

Hans Åhl hat – neben der Ausbildung von Lehrern für Schwedisch als Zweitsprache – von 1999 bis 2010 Erasmus-Intensivsprachkurse (EILC) an der Mid Schweden Universität koordiniert. Die kurzen Sommerkurse sollen Erasmus-Studenten Grundkenntnisse in der schwedischen Sprache und Kultur vermitteln und sie so auf ihren Studienaustausch vorbereiten. Heute im Ruhestand, erinnert sich Hans Åhl, dass er zunächst annahm, die Kurse in Härnösand würden wie alle anderen Sprachkurse sein. „Ich merkte schnell, dass es viel mehr war.“ Nämlich die Intensität des interkulturellen Austauschs. Die Studenten lernten Schwedisch und wurden bei Aktivitäten wie Kanufahren, Fischen und Waldwanderungen, die Teil des Kurses waren, mit­ einander vertraut. „Der letzte Unterrichtstag ist eine Heul-Party“, sagt er. Er schmunzelt über die Zahl von Facebook-Freunden, die er seinen EILC-Kursen verdankt. Und ist stolz auf die guten Kontakte, die sich zwischen den Studierenden entwickelt haben. „Ich bin sogar für eine Heirat verantwortlich! Das Paar hat heute zwei Kinder.“ Die Kurse brachten ihm eine Fülle von Material mit Beispielen, die er während des restlichen Jahres bei seinen Sprachlehrer-Studenten verwenden konnte. Und sie sorgten dafür, dass lokale und nationale Medien über die Universität berichteten. Angesichts seiner Erfahrungen bedauert er, dass nicht mehr schwedische Stu‑ dierende die Chance eines Erasmus-Austausches nutzen. „Wir haben weniger rausgehende als reinkommende Studenten. Vielleicht fürchten sie, es nicht zu schaffen. Aber ich kann es nur empfehlen. Ich habe es bei diesen Kursen gesehen – ein Auslandsstudium ist für das ganze Leben und für den Beruf nützlich.“

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Karl-Fredrik Ahlmark

„Ich habe gelernt, dass ich überall zurechtkomme“ Heimateinrichtung: Universität von Göteborg, Schweden Göteborgs universitet, Sverige Gasteinrichtung: Loughborough Universität, Vereinigtes Königreich Loughborough University, United Kingdom Studiengebiet: Europäische Studien Aufenthaltsdauer: 6 Monate (2008)

Die meisten Studenten in Europäischen Studien haben vor, auch im Ausland zu studieren. Keine ganz so leichte Entscheidung für den sehbehinderten KarlFredrik Ahlmark. „Ich musste die Reise gründlich vorbereiten, damit alle praktischen Regelungen bereits getroffen waren, bevor ich ankam.“ In Loughborough wurde er von Mitarbeitern und Freiwilligen umfassend unterstützt, auch wenn manches anders war als in Schweden und er für bestimmte Dienstleistungen zahlen musste. Er passte seine Studienmethoden auch an die Lehrstruktur an. In Schweden werden die Kurse nacheinander erteilt, im Vereinigten Königreich hingegen gleichzeitig. „Dadurch sind mir meine Möglichkeiten und Grenzen in Bezug auf meine Sehschwäche bewusst geworden. Ich habe gelernt, dass ich überall zurechtkomme.“ Die Reise machte ihm Lust auf mehr. Er hat anschlieβend an einem For­schungs­ institut in Istanbul gearbeitet und ein Praktikum an der Ständigen Vertretung Schwedens bei der EU in Brüssel absolviert. „Sie sagten, sie hätten mich auch deshalb ausgewählt, weil ich im Ausland gewesen und in Themen, die ich in Lough­ borough studiert hätte, spezialisiert sei.“ Heute ist er eine Identifikationsfigur für sehbehinderte Studierende zu Hause. „Ich kann diese Erfahrung jedem empfehlen. Man muss nur alles richtig vorbereiten. Um die praktischen Fragen kommt man nicht herum.“

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Julia Kennedy

„Ich hatte diese Kameradschaft nicht erwartet“ Heimateinrichtung: Robert Gordon Universität, Aberdeen, Vereinigtes Königreich Robert Gordon University, Aberdeen, United Kingdom Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Institutionelle Erasmus-Koordinatorin Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 1996

Nach 13 Jahren Erasmus-Arbeit an der Robert Gordon Universität in Aberdeen wollte Julia Kennedy ein paar neue Ideen. Zum Glück bot das Erasmus-Programm seit 2007 auch Ausbildungsmobilität für nichtakademische Mitarbeiter an. Sie hatte schon von vielen Partnern Anfragen für eine Ausbildungswoche bei ihr erhalten, die sie jedoch nicht erfüllen konnte. Als einziges Personalmitglied auf institutioneller Ebene für Erasmus zuständig war sie nicht in der Lage, einer einzigen Person eine ganze Woche zu widmen. Und so beschloss sie, ihre eigene Erasmus-Woche für Verwaltungsmitarbeiter zu organisieren und ihre Partnereinrichtungen einzuladen. Zur Vorbereitung reiste sie im Rahmen der Mitarbeitermobilität zu einer Internationalen Woche der FH Campus Wien. „Ich wollte sehen, wie sie organisiert wurde, was funktionierte, und Ideen für die Gestaltung meiner eigenen Woche finden.“ Die Erfahrung war „lehrreich, anregend und sehr amüsant“. In Wien wurde ihr einiges klar, zum Beispiel, dass es für nicht Muttersprachler ermüdend ist, nur auf Englisch zu arbeiten – es war also wichtig, bei der Organisation eines Programms Pausen einzuplanen. Mit am interessantesten fand sie, so die Sicht anderer Länder kennen zu lernen. „Eines der Probleme im Vereinigten Königreich ist, dass wir mehr Studenten aufnehmen, als wir ins Ausland schicken können, während es in anderen Ländern umgekehrt ist.“ Besonders schätzte sie die Chance, mit Personen zu sprechen, die eine ähnliche Arbeit machen wie sie selbst. „Ich hatte diese Kameradschaft nicht erwartet. Alle waren bereit, nicht nur Best Practice, sondern auch Ideen über Dinge auszutauschen, die verbessert werden konnten.“

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Kate Samways

„Meine Beschäftigungsfähigkeit hat sich verzehnfacht“ Heimateinrichtung: Universität von Cardiff, Vereinigtes Königreich Cardiff University, United Kingdom Gasteinrichtung: 2isa IT-Institut für behinderte Menschen in Aveyron, Frankreich Ca’ Foscari Universität Venedig, Italien 2isa Institut Informatique Sud Aveyron, France Università Ca’ Foscari Venezia, Italia Studiengebiet: Französisch und Italienisch Aufenthaltsdauer: 10 Monate (2008)

2008 wollte Kate Samways das dritte Jahr ihres Französisch- und Italienisch­ studiums im Ausland verbringen. Sie entschloss sich für ein von Erasmus unterstütztes Auslandspraktikum als Lehrassistentin für Englisch an einem IT-Institut für Menschen mit Behinderungen. „Es war so hart wie erwartet“, sagt sie. Mit rund 60 Männern und nur ein paar Frauen in einem Haus zu leben, ohne Küche, alle Mahlzeiten gemeinsam einzunehmen: „Es war total unter meinem KomfortNiveau, aber sehr gut für meine Kommunikationsfähigkeit.“ Die zweite Hälfte des Jahres studierte sie in Venedig. Wie in Frankreich stürzte sie sich ins lokale Leben, schrieb Kunstkritiken für ein Online-Magazin und traf „Tandem-Partner“ für Sprachaustausche. „Das fand ich sehr nützlich, so lernt man nicht nur die Sprache, sondern auch ein bisschen über die Jugendkultur in der Stadt.“ Darüber hinaus hat dieses Jahr „meine Beschäftigungsfähigkeit verzehnfacht.“ Sie machte danach einen Postgraduate-Abschluss in Rundfunkjournalismus und im Sommer 2011 ein zweimonatiges Praktikum bei Eurosport in Paris. 2010 wurde sie zur zweimillionsten britischen Erasmus-Studentin gewählt. „Erasmus hat mich gelehrt, jede Chance zu nutzen. Im Zweifelsfall sage ich mir‚ versuch es einfach.“ Es hat auch ihren journalistischen Ehrgeiz angestachelt. „Ich weiβ jetzt, dass ich ganz allein in einer französischen Kleinstadt zurechtkomme, also kann ich mir auch vorstellen, im Ausland zu arbeiten und eines Tages vielleicht sogar dort zu leben.“

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Katica Simunovic

„Lernen, in vier Sprachen zu arbeiten“ Heimateinrichtung: Josip Juraj Strossmayer-Universität von Osijek, Maschinenbaufakultät in Slavonski Brod, Kroatien Sveučilište Josipa Jurja Strossmayera u Osijeku, Strojarski fakultet u Slavonskom Brodu, Hrvatska Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Maschinenbau/Professorin Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 2010

Als Erasmus 2009 für Kroatien zugänglich wurde, sah Katica Šimunović die Chance, „etwas Neues zu tun“. Sie traf sofort die „spontane Entscheidung, teilzunehmen, auch wenn ich zu Beginn nicht viel über das Programm wusste. Auf der Basis bereits bestehender Kontakte organisierte ich einen Lehrauftrag in Ungarn“. Während ihrer Zeit im Ausland lehrte sie in Englisch, verwendete aber auch Ungarisch, Kroatisch und Deutsch. Die Möglichkeit, in einem internationalen Kontext zu arbeiten, half ihr, den Inhalt verschiedener Abschlüsse zu beurteilen, für ihre eigene Universität zu werben, Mitarbeiter- und Studentenpraktika zu arrangieren und ungarische Studierende und Mitarbeiter nach Kroatien einzuladen. „Da Kroatien 2011-2012 erstmals Erasmus-Mitarbeiter und Studenten empfängt, bot mir mein Besuch Gelegenheit, Mobilität zu fördern und zu verstehen, wie man sie organisieren kann.“ Als Erasmus-Koordinatorin ihrer Fakultät ist die Leitung von Programmen für reinkommende und rausgehende Studenten und Mitarbeiter ein wesentlicher Aspekt ihrer Funktion. Der kurze Auslandsaufenthalt bestätigte ihr den Wert internationaler Studien. „Ich konnte Lehrmethoden und Abschlüsse vergleichen sowie Kompetenzen und die Forschungsqualität verbessern. Und feststellen, wie wertvoll Mobilität in Bezug auf eine umfassende Sicht des Wissens ist und was Zusammenarbeit in Lehre und Forschung bringen kann.“

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Jelena Simic

„Es war rundherum perfekt“ Heimateinrichtung: Universität von Rijeka, Kroatien Sveučilište u Rijeci, Hrvatska Gasteinrichtung: Universität von Wrocław, Polen Uniwersytet Wroclawski, Polska Studiengebiet: Kroatische Philologie Aufenthaltsdauer: 4 Monate (2010)

Vor ihrer Teilnahme am Erasmus-Programm arbeitete Jelena Simić bei einem Stu­dentenradiosender. Da die Wochenschau auch Informationen über Studen­ tenaustausche umfasste, hatte sie viele Leute aus verschiedenen Kulturen und mit unterschiedlichen Lernerfahrungen getroffen. Dies regte sie an, sich für einen Erasmus-Austausch zu bewerben. „Ich wollte die Erasmus-Erfahrung unbedingt selbst erleben, also habe ich alles getan, damit es klappte. Erasmus hat mir Tü­ren zu Europa geöffnet.“ Ein wichtiges Element ihres Programms war die Forschung für ihre Dissertation. „Der Hauptzweck meines Auslandsaufenthalts war die Teilnahme an Beratungen mit meinem Mentor und ein zusätzlicher Polnischkurs.“ Doch der Austausch war mehr als nur die Fertigstellung einer Dissertation: die Gelegenheit, andere Sprachen zu lernen, Vorlesungen internationaler Experten zu hören, Leute aus aller Welt zu treffen und die Lage in Kroatien zu erklären, bereicherte ihre Zeit in Polen. Neben ihrem Studium arbeitete sie für einen Studentenradiosender und schickte ihre Erfahrungsberichte nach Hause. „Ich habe auch Sendebeiträge für meine Kollegen an der Universität Rijeka gemacht, um anderen Studierenden zu helfen, die am Erasmus-Programm interessiert waren.“ Die Zeit im Ausland bekräftigte sie in ihrem Wunsch, Kroatisch als Fremdsprache zu lehren und eng mit Menschen aus anderen Ländern zu arbeiten. „Kroatien empfängt 2011-2012 seine ersten Erasmus-Studenten, und das ist ein Gebiet, das mich interessiert. Ich möchte meine positiven Erfahrungen in Polen nutzen, um den Studierenden, die nach Kroatien kommen, die Dinge zu erleichtern.“

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Mustafa Çoban

„Unser Lehrplan hat sich durch Erasmus völlig verändert“ Heimateinrichtung: Akdeniz Universität, Türkei Akdeniz Üniversitesi, Türkiye Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Sozialarbeit (Seniorenbetreuung) Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 2007

2007 besuchte Mustafa Çoban im Rahmen einer Erasmus-Mobilität die Evan­ gelische Fachhochschule Berlin. Er war an der türkischen Universität Akdeniz Dozent für Sozialarbeit und gab einen neuen Ausbildungskurs über Senioren­ pflege. Er und seine Kollegen wollten von der sehr viel längeren Erfahrung in Deutschland lernen. „Wir wollten Kurse mit Einrichtungen integrieren, die Senio­ ren betreuen, wie z.B. Hospize und Pflegeheime.“ Der sechstägige Besuch war intensiv und anregend. Das Team traf Kollegen, besuchte Betreuungseinrichtungen und lokale Nichtregierungsorganisationen. Sie knüpften neue Kontakte, erhielten Einblick in eine andere Kultur der Seniorenbetreuung und diskutierten über die Situation zu Hause. „Unser Lehrplan hat sich durch diesen Besuch völlig verändert“, sagt er. Der Kurs wurde angepasst, und die erneuerte Struktur diente als Grundlage für 12 neu eingerichtete Seniorenpflegeprogramme an anderen türkischen Universitäten. Die Ergebnisse des Besuchs „haben den Ruf dieses Studienfachs verbessert“, sagt er. Sie haben auch zu weiteren Projekten in Berufs- und Erwachsenenbildung geführt und Studenten zur Teilnahme am Erasmus-Austausch angeregt. Und da die Zahl pflegebedürftiger türkischer Senioren in Deutschland steigt, vermittelte er seinen deutschen Gastgebern auch wertvolle Einblicke in die Pflegekultur in der Türkei. Jeder, der am Erasmus-Programm teilnehmen kann, hat „viel Glück“, sagt er. „Stell so viele Fragen, wie du willst, und beantworte die der anderen. Alle wollen etwas lernen.“

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Begüm Yurdakök

„Es verändert einen von innen heraus“ Heimateinrichtung: Ankara Universität, Türkei Ankara Üniversitesi, Türkiye

Begüm Yurdakök studierte in Ankara Veterinärmedizin, als sie 2004 für einen Erasmus-Austausch nach Italien ging. „Ich wollte sehen, ob ich ganz allein leben konnte. Es war, als klopfte in meinem Inneren etwas an die Tür, damit es herauskomme.“

Gasteinrichtung: Universität von Bologna, Italien Karolinska Institut Stockholm, Schweden Università di Bologna, Italia Karolinska Institute, Sverige

In Bologna erwarb sie praktische Kenntnisse an der Tierklinik der Universität. „Ich habe zum ersten Mal klinische Anwendungen miterlebt.“ Ihre Gastprofes­ soren organisierten Lehrausflüge für sie, damit sie an anderen italienischen Universitäten Kurse in Aquakultur und Bienenzucht – in der Türkei ein Muss, aber in Bologna nicht verfügbar – absolvieren konnte.

Studiengebiet: Veterinärpharmakologie und Toxikologie Aufenthaltsdauer: 9 Monate (2004) und 10 Monate (2008)

Unterdessen begeisterte sie sich für Fremdsprachen. „Ich begann, mich für Etymologie zu interessieren. Man erfährt dadurch so viel über die Denkweise und Kultur eines Volkes.“ Nach Italienisch verlegte sie sich auf Spanisch, Niederländisch und später Schwedisch. „Jetzt lerne ich auch Japanisch. Für mich ist es ein Denkspiel, wie Sudoku.“ Ihre Sprachkenntnisse und interna­ tionalen Kontakte haben ihrer Meinung nach dazu beigetragen, dass sie nach Abschluss ihres Doktors eine Stelle als Forschungsassistentin an ihrer Fakultät erhalten hat. 2008 ging sie erneut mit Erasmus ins Ausland, diesmal nach Stockholm. „Ich habe alle diese neuen Techniken mit einem der besten pharmakogenetischen Teams der Welt gelernt – es war sehr spannend.“ Heute freut sie sich über den Nutzen, den Erasmus anderen bringt: „Es ist schön, in meinem Büro Studenten zu sehen, die einen Erasmus-Austausch machen wollen. Sie kommen mit glänzenden Augen wieder zurück. Es verändert einen wirklich von innen heraus.“

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Gu  mundur Hálfdanarson

„Erasmus bietet kleinen Universitäten die Chance, international zu werden“ Heimateinrichtung: Universität von Island, Island Háskóli Íslands, Íslands Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Geschichtsprofessor Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 1992

Guðmundur Hálfdanarson wirkte maßgebend an der Förderung von Studen­ tenaustauschen im Fachbereich Geschichte mit, als Island 1992 Teil des ErasmusProgrammes wurde. „Es hat geholfen, Studierenden klar zu machen, dass sie einen Teil ihres Studiums im Ausland absolvieren können und sollten.“ Der Nutzen von Lehr- oder Studienaustauschen ist für jeden Fachbereich verschie‑ den, aber für Historiker ist er unschätzbar, sagt er. „Man lernt neue Ideen kennen, etwa wie verschiedene Gemeinschaften verschiedene Dinge handhaben.“ Ein groβer Vorzug für Universitäten ist, so sagt er, dass Erasmus ermöglicht, „strukturierte Zusammenarbeit rund um spezifische Programme zu entwickeln“. In seinem Fach führte das zu CLIOnet, dem preisgekrönten Erasmus-Geschichtsnetzwerk, dem 60 Universitäten angehören. Als einer der Hauptkoordinatoren – zusammen mit Prof. Isaacs, dem Erasmus-Mitarbeiterbotschafter aus Italien – hat er an mehreren Erasmus-Intensivprogrammen für Studierende und Lehrkräfte von verschiedenen Universitäten mitgewirkt. Das sei „eine wunderbare Art und Weise, Menschen auf intensive Weise zusammenzubringen, um unterschiedliche geschichtliche Erfahrungen darzulegen“, sagt er. Grundlegend war in seinen Augen die Entwicklung des Europäischen Systems zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen (ECTS), das „für die Qualität der Bildung in Europa erhebliche Vorteile gebracht hat“. Weiter sagt er: „Erasmus ist nicht elitär. Spitzenuniversitäten sind bereits international, aber für kleinere Universität gilt das nicht unbedingt. Erasmus bietet ihnen die Chance, wirklich international zu werden.“

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Ása Kjartansdóttir

„Erasmus ist immer noch ein wichtiger Teil meines Tagesprogramms“ Heimateinrichtung: Universität von Island, Island Háskóli Íslands, Íslands Gasteinrichtung: Umeå Universität, Schweden Umeå Universitet, Sverige Studiengebiet: Erziehungswissenschaften Aufenthaltsdauer: 5 Monate (1997)

Ása Kjartansdóttir entschloss sich spontan für ein Auslandsstudium, als ihre Universitätsprofessoren ihr und einem Mitstudenten zuredeten, an der Umeå Universität in Schweden zu studieren, die einen guten Ruf im Bereich der Erziehungswissenschaften hatte. Sie und rund 150 andere Studenten aus aller Welt wurden an der Umeå Universität herzlich aufgenommen. Die Unterschiede zwischen den Studienprogrammen in Island und in Schweden, wo die Kurse nacheinander in einem Modulsystem und nicht gleichzeitig erteilt wurden, faszinierten sie. „Ein Kurs nach dem anderen, das war sehr gut.“ Die Unterrichtssprache war hauptsächlich Schwedisch und es wurde mehr Wert auf Teamwork und Problemlösung gelegt als in Island. Wie viele ehemalige Erasmus-Studenten denkt sie gerne an das „niemals langweilige“ soziale Leben zurück. Nach ihrer Zeit in Schweden hat sie noch immer Kontakt mit anderen Erasmus-Studenten und hält sich über ihre beruflichen und privaten Entwicklungen auf dem Laufenden. Die fünfmonatige Erfahrung hat ihre Einstellung zum Leben verändert: „Ich bin unabhängiger, aufgeschlossener und weltoffener geworden.“ In ihrer derzeitigen Funktion als Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturattaché der isländischen Vertretung bei der EU in Brüssel verfolgt sie die Entwicklungen des Erasmus-Programms aufmerksam mit. Zuvor war sie für die Europäische Kommission als nationale Expertin im Bereich der Hochschulbildung und insbesondere für das Erasmus-Programm selbst tätig. „Die Erasmus-Erfahrung hat mein Leben stark beeinflusst, und die europäischen Programme, einschlieβlich Erasmus, sind immer noch ein wichtiger Teil meines Tagesprogramms.“ 69

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Hansjörg Hilti

„Es ist ein Qualitätskontrollsystem“ Heimateinrichtung: Universität Liechtenstein, Liechtenstein Studiengebiet: Architektur Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 2005

„Ich hatte bereits rund zehn Jahre meines Lebens im Ausland verbracht und wollte weiterhin internationale Beziehungen aufbauen. Wir leben in einer globalisierten Welt und müssen unsere Studierenden und Mitarbeiter international fit machen.“ Johann Georg (familiär Hansjörg) Hilti von der Architekturfakultät der Universität Liechtenstein sah seine Erasmus-Mobilität als „ein Qual­ität­skontrollsystem“ an. Kurze Besuche an Architekturhochschulen und Uni­versitäten in mehreren Ländern, wo er jeweils die Arbeit von 20 bis 40 Studenten überprüfte. „Das sind häufig Diplomarbeiten. Eine Überprüfung besteht aus Lehre, Beratung, Vergleich und Diskussion mit den Studierenden und Mitarbeitern. Unter den Architekturschulen ist ein reger Austausch üblich. Wir wollen immer wissen, was andere tun, und wir wollen, dass sie wissen, was wir tun. Das heiβt, sich die Qualität anderer Institutionen ansehen und sie mit meiner eigenen vergleichen.“ Er hat zwar Unterschiede in den Lehrmethoden festgestellt, doch diese hängen vor allem mit der Gröβe der Einrichtungen zusammen. „Die meisten dieser Universitäten sind viel gröβer als wir.“ Die Liechtensteiner Universität mag klein sein, aber sie ist sehr kosmopolitisch. Ihre 700 regulären Studenten kommen aus rund 40 Ländern. Er würde den Mitarbeitern jeder Hochschuleinrichtung eine Erasmus-Mobilität „wärmstens empfehlen. Ich halte das für sehr wichtig. Wir alle schicken heutzutage Studenten ins Ausland, also brauchen auch unsere Mitarbeiter internationale Ausbildung“. Gefragt seine Erasmus-Erfahrung in ein paar Worten zusammenzufassen, sagt er: „Es hat mir Freude und Freunde gemacht.“

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Gerold Büchel

„Ich wünschte, ich wäre länger geblieben“ Heimateinrichtung: Universität Liechtenstein, Liechtenstein Gasteinrichtung: Katholische Universität von Lyon, Frankreich Université Catholique de Lyon, France Studiengebiet: Wirtschaftsinformatik Aufenthaltsdauer: 6 Monate (2001)

Nach Beendigung einer vierjährigen Lehre machte Gerold Büchel sein Abitur an der Abendschule und kombinierte Arbeit und Studium. Ein sechsmonatiger Erasmus-Austausch und ein Leonardo-da-Vinci-Betriebspraktikum von acht Monaten gaben ihm die Chance, sich ausschlieβlich auf sein Studium zu konzentrieren. „Ich dachte, alle Vorlesungen würden auf Englisch sein. Aber dann landete ich bei Wirtschaftskursen auf Französisch und musste daher auch schnellstmöglich Französisch lernen. Rückblickend war das genau das Richtige, da ich nach meiner Graduierung mit einem Forschungs- und EntwicklungsZentrum im französischsprachigen Teil der Schweiz zusammengearbeitet habe.“ Eigentlich wollte er während seiner Lehrzeit keine Fremdsprachen lernen, aber „Erasmus hat mich dazu befähigt mit der amerikanischen Geschäftsstelle in Englisch, mit der Zentrale in Deutsch und mit dem Team in der Schweiz in Französisch zu kommunizieren“. Dank seiner Erfahrungen fühlt er sich im Ausland zu Hause und konnte die für die Arbeit in interkulturellen Teams notwendigen Kompetenzen entwickeln. „Die Kursinhalte bei meinem Austauschprogramm waren ähnlich, die Arbe­its­ methoden aber anders. Wir haben oft in gemischten Teams mit verschiedenen Sprachen und Lösungsansätzen von Problemen gearbeitet. Heute leite ich ein internationales Team in einer der gröβten Abteilungen eines europäischen High-Tech-Unternehmens.“ Der Austausch als solcher führte zwar nicht zu einem bestimmten Job, ermutigte ihn aber, etwas anderes zu suchen und machte ihn „aufgeschlossener“. Er wünschte, er wäre länger in Frankreich geblieben, da die Freundschaften und Kontakte, die er vor zehn Jahren geschlossen hat, ihm in seiner aktuellen herausragenden Rolle als Liechtensteiner Parlamentarier, eine Position, die er als groβe Ehre betrachtet, geholfen haben. 71

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Wolfgang Laschet

„Viele Träume sind durch unnötige Bürokratie zerstört worden“ Heimateinrichtung: Norwegische Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU), Norwegen Norges teknisk-naturvitenskapelige universitet, Norge Studiengebiet/Stellenbezeichnung: EU-Programmkoordinator Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 1992

Der gebürtige Deutsche Wolfgang Laschet ist EU-Programmkoordinator an der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU), und lebte vor seinem Umzug nach Norwegen in Schweden und Belgien. Ihm gefällt es, anderen zu helfen, eine Auslandserfahrung richtig zu nutzen. „Für Studenten ist es eine Chance, eine Spezialisierung zu erhalten, die es zu Hause nicht gibt. Und Lehrkräfte können andere Lehrmethoden kennen lernen und Kontakte knüpfen, die zu weiteren Projekten führen.“ Er hat sich besonders bemüht, die Formalitäten für Austauschstudenten zu reduzieren, und dazu einfache Online-Verfahren eingeführt. „Unsere Position als Norwegens beliebtestes Ziel für reinkommende Studenten ist wohl auch dem Ansatz der NTNU zu diesem Problem zu verdanken.“ Er bedauert, dass in manchen Einrichtungen offenbar der Trend besteht, im Hinblick auf Erasmus-Partnerschaften unflexibler zu werden, was die Studentenmobilität beeinträchtigt. „Viele Träume sind durch unnötige Bürokratie zerstört worden“, warnt er. Er hat entscheidend am Aufbau des ATHENS-Netzwerks technischer Univer­ sitäten mitgewirkt, dessen vor 15 Jahren gestartetes Intensivprogramm für Ingenieurwissenschaften sich heute selbst trägt. Die 15 Netzwerks-Hochschulen organisieren derzeit zwei internationale Wochen pro Jahr, mit 70 bis 90 Technikund Architekturkursen für rund 1 800  Studierende. Auβerdem führte er Sommerkurse in Norwegen ein, die heutzutage von 180 Studenten besucht werden und den Schwerpunkt auf Natur und Teambuilding legen. „In einem kalten See schwimmen ist sehr gut fürs Teambuilding!“, scherzt er. Seine ErasmusErfahrung in drei Worten: „Privileg. Selbstreflexion. Freude.“

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Frederik Strand Sardinoux

„Man kann noch mal von vorn anfangen“ Heimateinrichtung: Nationales Institut für angewandte Wissenschaften INSA Toulouse, Frankreich Institut National des Sciences Appliquées français, Toulouse, France Gasteinrichtung: Norwegische Universität für Wissenschaft und Technologie, Norwegen Norges teknisk-naturvitenskapelige universitet, Norge Studiengebiet: Akustik und Telekommunikation Aufenthaltsdauer: 6 Monate (2008)

Frederik Strand Sardinoux wuchs in Frankreich als Sohn einer norwegischen Mutter und eines französischen Vaters auf. Er studierte an dem Nationalen Institut für angewandte Wissenschaften INSA in Toulouse, bis er durch ausländische Studenten inspiriert, beschloss, die Erasmus-Chance zu nutzen und sein drittes Studienjahr in seinem Geburtsland zu verbringen. „Ich wollte mein Norwegisch und Englisch verbessern und Norwegen kennen lernen.“ Der Austausch wurde zur Reise ohne Rückfahrkarte. Norwegen gefiel ihm so gut, dass er übersiedelte und sein Studium an der Norwegischen Universität für Wissenschaften und Technologie abschloss. Er lebte sich leicht ein und die internationale Studentenszene gefiel ihm so gut, dass er am Ende seiner sechs Monate als Freiwilliger beim lokalen ErasmusStudenten-Netzwerks (ESN) begann, Studenten in der Stadt und an der Universität willkommen zu heißen und Ausflüge zu machen, um ihnen das Land zu zeigen. Er wurde Mitglied des Vorstands, Präsident und später nationaler Vertreter von ESN Norwegen.  Auβerdem hat er zwei Erasmus-Intensivsprachkurse (EICL) im Sommer organisiert. „Damals dachte ich nicht an die Vorteile. Aber dann wurde mir klar, dass ich so viel gelernt hatte, von Menschenführung bis zu internationaler Zusammenarbeit.“ Heute mit nur noch sechs Monaten Studium freut er sich schon auf eine Karriere mit einer internationalen Ausrichtung. Erasmus lohnt sich in jedem Land, sagt er: „90 % aller Leute, die es gemacht haben, sagen, es war die beste Zeit ihres Lebens.“ Für ihn war am wertvollsten „die Freiheit; keiner kennt einen und man kann noch mal ganz von vorn anfangen“.

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Antoinette Charon Wauters

„Den Erasmus-Traum lebendig halten“ Heimateinrichtung: Universität Lausanne, Schweiz Université de Lausanne, Suisse Studiengebiet/Stellenbezeichnung: Direktorin für internationale Beziehungen Beginn der Teilnahme an Erasmus im Jahr: 1991

Mit 20 Jahren internationaler Projekterfahrung hat Antoinette Charon Wauters viele Veränderungen beim Schweizer Engagement für Erasmus erlebt. Den Traum des Studentenaustauschs während dieser Zeit lebendig zu halten, erforderte Geduld und eine engagierte Vision von Mobilität und Internationalisierung. Sie hat daran mitgearbeitet, „das Schweizer Hochschulsystem bekannt zu machen“. Ihre Mitwirkung in europäischen Vereinigungen hat ihr geholfen, „mit europäischen Entwicklungen Schritt zu halten“ und anderen Universitäten in der Schweiz „die Erfahrungen weiterzuvermitteln“. Eine frühe Initiative das Europäische System zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen (ECTS) an der Medizinischen Fakultät einzuführen, erhöhte die Zahl der Studierenden, die ins Ausland gingen, binnen zehn Jahren von 5 auf 90. Sie wurde 1992 zur ersten „ECTS-Koordinatorin für die Schweiz“ ernannt. Ihre ECTS-Arbeit ging als Vizepräsidentin und Präsidentin der Europäischen Vereinigung für Internationale Erziehung während der gesamten 90er Jahre weiter und führte zu einer Einladung der Weltbank, mit der Universität Montenegro an europäischen Mobilitätsprogrammen zu arbeiten. Der Effekt auf die Universität? „Wir sind international geworden. Jetzt kommt es darauf an, das Beste aus den ausländischen Mitarbeitern und Studenten herauszuholen.“ 25 % der Studierenden und über 30 % der Lehr- und Forschungskräfte kommen aus anderen Ländern – es gibt also viele Gelegenheiten, in einem wirklich internationalen Umfeld zu lernen.

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Marco Amherd

„Mehr als bloβ die Universität wechseln“ Heimateinrichtung: Zürcher Hochschule der Künste, Schweiz Gasteinrichtung: Konservatorium für Musik und Tanz, Toulouse, Frankreich Centre d’Études supérieures Musique et Danse, Toulouse, France Studiengebiet: Musik Aufenthaltsdauer: 10 Monate (2011)

Marco Amherd hat lange gebraucht, um sich für eine Universität zu entscheiden. „Es geht mir weniger um die Universität als um den Lehrer. Als Musiker habe ich hauptsächlich Einzelunterricht und besuche nur selten Vorlesungen.“ Um die richtige Wahl zu treffen, suchte er Möglichkeiten in ganz Europa, besuchte einige Universitäten und bat Freunde und Lehrer um Rat. Seine Entscheidung, für das erste Jahr seines Master-Abschlusses in Toulouse zu studieren, beruhte auf dem internationalen Ruf seines Professors und dem in Frankreich verfügbaren Repertoire an Orgelmusik. Neben dem Einzelunterricht besucht er Vorlesungen mit anderen internationalen Studierenden. Für angehende Berufsmusiker, „ist der Aufbau eines Netzwerks von Spezialisten wichtig. Das ist für meine Konzertkarriere zentral.“ Vor seinem Erasmus-Austausch kombinierte er das Wirtschaftswissenschaftsstudium mit dem Musikstudium. Das kommende Jahr wird anders sein und ihm „erstmals erlauben, mich auf meine Musik zu konzentrieren. So lange weg von zu Hause zu leben wird mir auch helfen, selbstständig und willensstark zu werden – und das ist für einen Berufsmusiker ebenso wichtig“. Er begann seinen Erasmus-Austausch im September 2011. Schon jetzt sieht er die Unterschiede zwischen den Universitäten und dem Leben in Frankreich und der Schweiz. „Das wird dauern, bis ich mich zu Hause fühlen werde. Es ist eine groβe Chance, aber ich bin sicher, dass ich die kulturellen Unterschiede bemerken werde, auch wenn es für mich keine Sprachbarrieren gibt. Wer möchte, das alles so ist wie zu Hause, der sollte besser zu Hause bleiben.“

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Eröffnungskonferenz zum 25-jährigen Jubiläum des Erasmus-Programms

Brüssel, Belgien, 30.-31. Januar 2012

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Europäische Kommission 25 Jahre Erasmus – Neue Perspektiven, neue Horizonte Luxemburg: Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union 2012 — 80 pp. — 21 × 21 cm ISBN 978-92-79-21334-2 doi:10.2766/18534

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25 JAHRE ERASMUS NEUE PERSPEKTIVENNEUE HORIZONTE