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Segelschulschiff Gorch Fo c k Bordkameradschaft ehem. Stammbesatzung

Das Gorch Fock Magazin • Ausgabe 5 • Dezember 2009

Jahresrü c k b l i c k Crewtreff e n

So war es in Wittensee und Mainz

Aus Gold und Diamanten Die kleine Schwester der „Gorch Fock“

Rückblick auf die 33. AAR Nicht nur ein Ritt auf den Wellen

w w w. G o rc h F o c k . d e

Kurs Südamerika Auf die längste Reise, die im kommenden Jahr unter dem Kommando von Kapitän zur See Norbert Schatz statt findet, kann sich die Stammbesatzung des Segelschulschiffs „Gorch Fock“ freuen. Nach einer langen Werftliegezeit, die gleich Anfang 2010 beginnen wird und nach einem Arsenalaufenthalt in Wilhelmshaven wird die „Gorch Fock“ Anfang August ihrer Patenstadt Hamburg einen Besuch abstatten um anschließend an den Feierlichkeiten anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Marineschule Mürwik teil zu nehmen. Mit der ersten Segelcrew wird man nach der Vereidigung der Offizieranwärter, zu der auch Bundespräsident Horst Köhler anwesend sein wird, zurück nach Kiel verlegen um dort die äußerst knapp bemessene Zeit für die Segelvorausbildung zu nutzen. Denn am 20. August heißt es schon „Alle Leinen los und ein!“. Bevor es jedoch nach Las Palmas über den Atlantik geht, kann man die „Gorch Fock“ ein letztes Mal für längere Zeit in Deutschland sehen, denn sie nimmt teil an der Sail 2010 in Bremerhaven. Kurz danach geht es Richtung Südamerika: Bahamas, Argentinien, Uruguay, Chile, Mexiko, Kolumbien, Florida, Bermudas: „Gorch Fock“ erobert als Botschafter in Weiß den (süd-) amerikanischen Kontinent. Aufgrund des langen Törns wird der Crewwechsel jeweils nach nur einem Auslandshafen statt finden: Las Palmas / Gran Canaria, San Salvador / Bahamas und in Buenos Aires / Argentinien. Die jeweils 14 Tage Aufenthalt in diesen Häfen werden zur Segelvorausbildung der neuen Crew genutzt.

Im Gegensatz zu früher bietet die Bundeswehr heute die Möglichkeit, dass Ehefrauen der Stammbesatzungsmitglieder den Flieger, der die neue Segel-Crew bringt, nutzen können, um ihre Männer im Ausland besuchen zu können. Nachdem in Argentinien der dritte Lehrgang der Offizieranwärter von Bord gegangen ist, wird die Stammbesatzung mit Soldaten, vorwiegend der seemännischen Fachrichtung aufgefüllt, die dann überwiegend bis Kiel an Bord bleiben wird. Zum Einlaufen am 26. Juni 2011 darf die „Gorch Fock“ dann erneut einen sogenannten Heimatwimpel tragen. Das ist, so der Flensburger Hersteller, ein ca 95 Meter langes Stoffband, das Marineschiffe beim Einlaufen nur als Zeichen für die lange Abwesenheit setzen dürfen, wenn sie über sechs Monate auf Reise waren. Seit 2007 hat es das für den Großsegler nicht mehr gegeben. „Unser Ziel ist es, pünktlich zur Großseglerparade der Kieler Woche 2011 am 26. Juni wieder einzulaufen“, betont Kapitän Schatz. Ein schöner Gedanke, wenn man sich vorstellt, dass sich bei der Windjammerparade 2011 alle Schiffe aus der Kieler Förde begeben, um die „Gorch Fock“ abzuholen, damit diese dann als Flagschiff der Armada mit gesetztem Heimatwimpel nach einer mehr als zehn-monatigen Reise in Kiel einläuft.

Vorwort

Inhalt Vorwort

3

Jahresrückblick

4

Lieb e Leserinnen und Leser, lieb e Kameraden der B ordkameradscha f t!

Crewchef Peter Jacobs resümiert

Die Bordkasse

5

Zur Finanzlage und zum DMB

Quo vadis – BK?

6

Wohin geht es mit der BK

Jahresplanung 2010

8

10 Monate Südamerika

Von der Ostsee an den Rhein 10 Ein Tampen geht auf Reise

Treffen Wittensee

16

Das Größte der BK-Geschichte

Treffen Mainz

19

Maritimes in der Garnisonsstadt

Ein Souverän feierte

22

Ein Kommandant wird 85

Nordlandreise 1969

25

Nicht nur ein Ritt auf den Wellen

Kleine Rahsegelkunde

30

Nicht nur für „Sehleute“

Jahrgedächnis in Laboe

34

Das Kondolenzbuch wurde überreicht

Wir nehmen Abschied

36

Eine neue Außenhaut

38

Wird „Gorch Fock I“ wieder flott? Impressum

Spendenkonto

BK „Gorch Fock“ Guido Oeltermann Konto Nr. 151 99 74 BLZ 460 512 40

Redaktion

Hermann Dirkes

S P E N D E

chön, wenn man einem Menschen voll und ganz vertrauen kann. Zu Hause, bei Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten gelingt uns das meist recht gut. Schwieriger wird es offensichtlich, wenn es darum geht, einen uns nicht so gut bekannten Menschen oder eine unbekannte Situation gut und richtig einzuschätzen. ersönlichen „Vertrauensvorschuss“ zu gewähren, dazu besteht dann manchmal die Notwendigkeit oder uns einfach auf ihn zu verlassen. Dennoch wissen wir, dass Vertrauen etwas ist, was nicht von selber kommt, sondern wachsen oder erst erarbeitet werden muss. s gilt wohl für jeden Menschen und in ganz besonderem Maße auch für uns, die wir als Vorstandsmitglieder das Vertrauen der Mitglieder der Bordkameradschaft erringen und behalten müssen.

icht ganz einfach, wenn man wie es unsere Bordkameradschaft ehemalige Stammbesatzung Segelschulschff „Gorch Fock“ in ganz Deutschland und darüber hinaus verteilt wohnt, die Kommunikation meist per E-Mail erfolgt, selten per Telefon und alle „Jubeljahre“ persönlich. aher freue ich mich sehr, dass sich an der Erstellung zu diesem fünften Bordmagazin zum ersten Mal ein Redaktionsteam zusammen gefunden hat, deren Mitglieder als ständige Mitarbeiter diesem ja noch jungen Magazin einen neuen „drive“ geben wird. rgebnisse dieser Zusammenarbeit liegen nun in einer hoffentlich beeindruckenden Vielfalt von Themen vor, wozu ich jedem einzelnen Mitglied dieses Teams sehr herzlich gratulieren möchte. Besonders freut es mich, Kameraden mit Lust am Schreiben gefunden zu haben, denn das Schreiben ist viel mehr als nur ein Mittel der Verständigung. Es ist ein Weg, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken. Wir leben in einer Kultur, die Fehler zulässt!? Wenn man sich nach einem Fehler massiven Angegriffen und unwahren Behauptungen ausgesetzt sieht, kann die Verarbeitung ein schmerzlicher, aber auch erfolgreicher Prozess sein. Das ist eng miteinander verbunden und die Erkenntnis daraus lautet „Vertrauen“. Vertrauen in das Können und Wollen des Redaktionsteams. Man muss den Ball an Andere abgeben können und gleichzeitig seinen eigenen Stärken und Fähigkeiten vertrauen und den Schuss ins Tor wagen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. Nicht einfach. Aber wer das meistert, hat ein Team, das sich aufeinander verlassen kann. Schaut man sich unser neues Bordmagazin an, haben wir das ganz gut hinbekommen.

Sparkasse Burbach-Neuenkirchen

Steinbach 14 37581 Bad Gandersheim Telefon (0 53 82) 95 82 91 Info@gorchfock.de

Redaktionsteam Das Redaktionsteam besteht aus den Kameraden Ulrich Hühne, Peter Schiweck, Reinhard Claves, Hajo Strotkamp, Raimond Ramolla, Michael Brzoza, Manfred Ohde sowie den Vorstandsmitgliedern.

Durch das Forum auf der Homepage haben wir einen Sponsor gewonnen. Er unterstützt Projekte die ihm am Herzen liegen, denn er verfolgt das Motto: Nicht nur nehmen sonderen auch geben! „Ihr und die GorchFock.de seid so eines meiner Projekte, die ich gerne unterstützen möchte … „ Unser Sponsor hat Wasserverwirbelungsdüsen entwickelt, die das Wasser nach einer exak-ten Bewegungsbahn verwirbeln und wieder mit Sauerstoff anreichern. Mit einem Satzt: „Wir stellen das Wasser wieder so her wie es von der Quelle kommt“. Viele Infos und Filme im Web. Wir bitten um Beachtung: www.kogelbauer-water.com

BORDKAMERADSCHAFT Segelschulschiff Gorch Fock



Pe t e r J a c o b s

Ja h re s rü ck blick Ein Jahr neigt sich dem Ende entgegen und der Crew-Chef blickt zurück. Hallo Kameradinnen und Kameraden! Das Jahr 2010 rückt unaufhaltsam näher und das alte Jahr 2009 geht bald zu Ende, es sollte eine Betrachtung wert sein. Drei Kameraden sind auf Ihre letzte große Reise abberufen worden. Am 12.07.2009 verstarb Günther Bockelmann genannt „Hein Mück aus Bremerhaven“ im Alter von 64 Jahren. Radio Bremen hatte für Günther am 8. August eine schöne Trauerfeier vor dem Auswandererhaus ausgerichtet. Anschließend wurde er mit dem alten Forschungsschiff „Grönland“ auf See beigesetzt. Günter Schwellnuss und ich haben an der Trauerfeier teilgenommen. Am 09.09.2009 verstarb Erhardt Holzbecher aus Stuttgart im Alter von 96 Jahren. Er war unser ältester Kamerad . Im Namen der Bordkameradschaft hat Erich Rapp der Trauerfeier beigewohnt. Am 24.10.2009 verstarb Dieter Waack im Alter von erst 52 Jahren. Allen Kameraden werden wir ein ehrendes Andenken bewahren. Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen. Allen Erkrankten wünschen wir eine hoffentlich baldige Genesung. Vom 17.-19. April hatten wir unser 2-jährliches Treffen in Mainz. Dazu möchte ich folgendes sagen: eine Äußerung von Herrn Kapitän von Stackelberg Hermann Dirkes gegenüber ließ die Vermutung zu, dass die Marine ihm zu seinem 85. Geburtstag 2009 eine Fahrt mit der „Gorch Fock“ spendieren würde und er hätte dann die B.K. auf die „Gorch Fock“ eingeladen. Der Vorstand hatte überlegt, gleichzeitig das 2-jährliche Treffen zu veranstalten. Wir konnten diese Äußerung natürlich nicht an die große Glocke hängen, denn das wäre ein Vertrauensbruch gewesen. Nach geraumer Zeit merkten wir, dass uns die Zeit davonlief, um ein Treffen zu organisieren. Da machte der Kamerad Gottfried Eisen uns das Angebot, kurzfristig ein Treffen in Mainz auf die Beine zu stellen. Er hatte schon einige andere Treffen in Mainz organisiert und wir haben das Angebot gerne angenommen. Leider war die Resonanz nicht so, wie wir uns



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das für dieses Treffen vorgestellt hatten. Woran hat es gelegen? 2007 Treffen in Cuxhaven, 2008 die schöne Fahrt mit der „Gorch Fock“ und dann 2009 schon wieder ein Treffen. Vielleicht hat es daran gelegen, das der zeitliche Abstand zu kurz war? Aber es gab auch jemanden der quergeschossen hat, ohne sich vorher zu erkundigen, wie die Einzelheiten zustande gekommen sind. Finde ich nicht unbedingt gut. Es kann jeder mit mir reden. Der Vorstand ist nicht verpflichtet jede Sache die er erörtert, gleich in den Äther zu pusten. Ich finde das Internet ist eine gute Erfindung, kann mich aber damit nicht anfreunden, das überlasse ich den jungen Leuten. Ich habe zwar eine E-Mail-Adresse die meine Tochter für mich abruft, notgedrungen, aber ich sitze nicht stundenlang vorm Computer, um jedem mitzuteilen, wann bei mir ein Pups quersitzt. Außerdem übe ich noch andere ehrenamtliche Tätigkeiten aus und ich habe, wie jeder andere Mensch, auch Hobbys und Familie. Wir haben seit dem Treffen in Mainz einen neuen Kassenwart, es ist Guido Oelterman, wir wünschen ihm viel Erfolg in seinem neuen Job. Dem alten Kassenwart sagen wir herzlichen Dank für die gute Kassenführung in den letzten Jahren. Die neue Bankverbindung der B.K. „Gorch Fock“: Guido Oeltermann – B.K. „Gorch Fock“ Konto Nr. 1519974, BLZ 46051240 Sparkasse Burbach-Neuenkirchen So, nun zu einer anderen Sache. Vorweggenommen: Alle vier Vorstandsmitglieder machen Ihre Arbeit ehrenamtlich, wohlgemerkt ehrenamtlich. Zwei Kameraden stehen noch im Berufsleben, zwei sind Rentner, aber alle vier haben ihre Hobbys und vielleicht noch ein Ehrenamt. Sie haben Familie und dann sind sie noch für die Bordkameradschaft tätig. Vor allen Dingen sind wir Kameraden Menschen, Menschen die auch Fehler machen. Hermann hat den Fehler gemacht, dieses Jahr noch kein Magazin herauszugeben, in dem auch unser Treffen in Mainz aufgearbeitet werden sollte. Nach dem Treffen in Mainz hatte er mit seinem Hobby „Hund“ einigen

Stress und dann waren Ferien, wo meistens nichts passiert. Bei einem Spaziergang durch Bad Gandersheim fand Hermann ein altes Haus, das der Familie Dirkes` neues Heim werden sollte. Ein Blick in die private Portokasse und das Haus war gekauft und die damit verbundene Arbeit auch. Das Haus sollte bald bezogen werden, damit rückte unser Magazin wieder in den Hintergrund. Das ist nun einmal das reale Leben! Trotzdem gibt es jetzt zum Jahresende wieder ein Magazin! Die Ruhe nach dem Treffen in Mainz hat einem Kameraden nicht so recht gepasst, weil er vielleicht etwas zu ungeduldig war. Er hat durch seine Äußerungen im Internet Unruhe in die Kameradschaft gebracht. Da ich die genauen Zusammenhänge nicht weiß, möchte ich mich dazu erstmal nicht äußern. Man muss immer beide Seiten hören! Kameraden des schnellen Internets seid nicht so ungeduldig, denn von unserem Treffen hängt nichts Wichtiges im Leben ab. Das reale Leben ist nicht so schnell, wie das Internet. Wir wollen uns nur alle zwei Jahre treffen und gemütlich bei einem oder auch zwei Glas Bier von den Reisen mit unserer alten Lady „Gorch Fock“ erzählen. In diesem Sinne, wünsche ich allen Mitgliedern der B.K. „Gorch Fock“ eine schöne Vorweihnachtszeit, ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2010! In diese Weihnachts- und Neujahrsgrüße schließe ich alle Besatzungsmitglieder der Marineschiffe die sich Fern der Heimat im Auslandseinsatz befinden mit ein und wünsche ihnen eine glückhafte Heimkehr. Mit kameradschaftlichen Grüßen Euer Crewchef Peter Jacobs P.S. Bei Euren Weihnachtseinkäufen denkt auch an den D.M.B, gönnt ihm eine Spende.

K la u s - P e t e r H o ffstetter

D i e B o rd kasse

Bericht des Kassenwartes am 18.4.2009 In einem emotional vorgetragenen Bericht stellte der Kassenwart die Finanzlage der Bordkameradschaft (BK) dar. Auf sein Verlangen wurde die Kasse außerplanmäßig von den Prüfern, den Kameraden Dietl und Jung, am 27. März 2009 geprüft – auch im Hinblick auf die Tatsache, dass der Kassenwart für eine mögliche Wiederwahl nicht zur Verfügung stand. Ergebnis: Kassenbuch und Belege ergaben keine Beanstandungen. Zwei Schwerpunkte wurden vom Kassenwart gesetzt: a) die Finanzlage der BK im Allgemeinen b) die Mitgliedschaft von Kameraden im Deutschen Marinebund (DMB) einschließlich deren DMB-Beitragssituation Zu a) Der Kassenwart hat vor 4 Jahren die Kasse bei rund 65 (!) Mitgliedern mit einem Bestand von 5.550,00 Euro übernommen. Der Kassenbestand zu Zeitpunkt des Crewtreffens in Mainz betrug 4.844,10 Euro – und das bei rund 200 (!) Mitgliedern; also dem dreifachen Mitgliederbestand! Das spricht absolut nicht für eine kameradschaftliche Zahlungsmoral der erbetenen Spenden – auch weil immerhin ca 15 % der Mitglieder seit ihrem Beitritt zur BK mit keiner Spende in Erscheinung getreten sind. Es kann nicht sein, dass Kameraden mit teilweise großzügigen Spenden (Spitzenbetrag 180,00 Euro!) andere mit „durchschleppen“. Aussage des Kassenwartes:

„So kann es nicht weitergehen!“ An zwei Beispielen erläuterter Kamerad Hoffstetter Ausgaben wie folgt: Abgesehen von den Druckkosten des Magazins (jeweils über 1.000,00 Euro) fallen allein beim Versand pro Magazin bei rund 200 Mitgliedern Portkosten von 2,20 Euro = rund 440,00 Euro an. Und für die Einladungen zum Crewtreffen in Mainz bei rund 200 Mitgliedern in Höhe von 0,55 Euro = über 100,00 Euro. Da ist es dann besonders frustrierend, wenn rund die Hälfte der angeschriebenen

Mitglieder noch nicht einmal eine Antwort (Zusage bzw. Absage) für nötig hält. In diesem Zusammenhang brachte der Kassenwart die Möglichkeit einer Art „Aufnahmegebühr“ bzw. „Mindestspende“ ins Gespräch – Beschlüsse dazu wurden noch nicht gefasst. Wenn sich jedoch bis zum nächsten Crewtreffen keine durchgreifende Verbesserung im Spendenverständnis aller Kameraden zeigt, gehört dieses Thema auf die Tagesordnung und zur Abstimmung! Zu b) Zurzeit sind 24 Kameraden sowie 4 Familienangehörige auch Mitglied im Deutschen Marinebund (DMB). Der dafür fällige DMB-Jahresbeitrag von zurzeit 3,60 Euro monatlich (43,20 Euro jährlich), 2010: 3,80 Euro mtl. (45,60 Euro jährlich), 2011: 4,00 Euro mtl. (48,00 Euro jährlich) ist von den DMB-Kameraden rechtzeitig der BK-Kasse zu überweisen, damit der Kassenwart fristgerecht diese Beiträge an den DMB weiterleiten kann. Auch hier ist Zahlungsverzug an der Tagesordnung! So musste der Kassenwart mehr als 10 Kameraden telefonisch an ihren überfälligen Beitrag erinnern und um kurzfristige Überweisung des DMB-Beitrages bitten, der auch von den Angerufenen zugesagt wurde – aber auch nach zwei Wochen nicht von allen eingehalten wurde. Da war es dann ärgerlicher Weise, neben den Telefonkosten auch noch Zeit und Portokosten für Briefe zu investieren. Vom Kassenwart wurde angeregt, von den DMB-Kameraden eine Einzugsermächtigung für den jeweils gültigen DMBBeitrag zu verlangen. Darüber hinaus hat dann dieser Personenkreis immer noch die Möglichkeit Spenden – in unbegrenzter Höhe – separat an die BK-Kasse zu überweisen.

In der sich anschließenden lebhaften Debatte wurde u.a. mehrfach gefordert, dass die DMB_Kameraden direkt dem DMB ihre Beiträge überweisen sollen und somit die Bordkasse nicht tangieren. Der Kassenwart gab den Hinweis, dass das in der DMBSatzung nicht vorgesehen ist, weil diese Kameraden dann „Einzelfahrer“ nach dem Verständnis des DMB sind. Über die „Einzelmitgliedschaft“ entscheidet auf schriftlichen Antrag der DMB-Präsident. Die Höhe des Beitrages für Einzelfahrer wird vom DMBPräsidium festgesetzt – wie auch die Aufnahme von Einzelfahrern von der Erteilung einer Einzugsermächtigung abhängig gemacht werden kann (siehe dazu die DMB-Satzung!). Bezüglich der in seinen voran gegangenen Ausführungen angeregten Einzugsermächtigung der DMB-Mitgliedsbeiträge werden die Kameraden, die auch gleichzeitig über di BK SSS „Gorch Fock“ dem DMB angehören, vom Schriftführer angeschrieben und um Vollzug einer Einzugsermächtigung gebeten. Damit ist gewährleistet, dass dem Kassenwart fristgerecht die DMB-Beiträge zur Weiterleitung an den DMB zur Verfügung stehen.

Hoffstetter

Kassenwart

Beispiel zurzeit: 50,00 Euro zu überweisen und dann auf dem Überweisungsträger zu vermerken: DMB-Beitrag, Rest Spende – dann kann sich jeder ausrechnen, dass in diesem Jahr (2009) für die DMB-Kasse nur 6,80 Euro und im Jahr 2010 als Spende ganze 2,00 Euro übrig bleiben … BORDKAMERADSCHAFT Segelschulschiff Gorch Fock



He r m a n n D i r k e s

QUO VADIS –BK? Bericht des Schriftführers beim Crew-Treffen am 18.4.2009 in Mainz. Anlässlich unseres Crew-Treffens in Mainz trug ich mithilfe einer Präsentation meinen Bericht als Schriftführer vor, den ich hier in Textform mit ein paar Abbildungen wiedergeben möchte.

die Mitglieder. Er stellt eine Zusammenfassung der verschiedenen Aktivitäten in Form von Eckdaten dar, die eher Stichpunkte als Erlebnisberichte sein sollen. Es ist das Anliegen einen Überblick zu geben, der über die BK informiert, Gewesenes resümiert und zu Kommendem animiert. • Rückblick: Gründung, Treffen, Chronik • Zwei Jahre Schriftführer der BK • Mitgliederentwicklung und -zahlen • Bord-Magazin, Aufbau, Kosten, Auflage • Rhythmus und Örtlichkeit der Treffen

Vor zwei Jahren, bei unserer letzten Mitgliederversammlung in Cuxhaven wurde ich zum Schriftführer gewählt. Dies ist der erste Bericht, den ich als Schriftführer der Bordkameradschaft vortragen darf. In der Zwischenzeit ist die Bordkameradschaft um sehr viele Mitglieder angewachsen. Der betrachtete Zeitraum erstreckt sich deshalb nicht nur auf die beiden vergangenen Jahre sondern schließt auch Aktivitäten vor meinem Eintritt in die Bordkameradschaft und vor der Wahl zum Schriftführer mit ein.

meradschaft ehemaliger Stammbesatzungen der Segelschulschiffe der Reichs-, Kriegs und Bundesmarine („Niobe“, „Gorch Fock“, „Horst Wessel“, „Albert Leo Schlageter“ und „Gorch Fock II“). Geschrieben von Kapitän (A6) Adolf Cornelius, der als Korporal auf „Horst Wessel“ fuhr und 1998 verstarb.

Rückblick

Zwei Jahre Schriftführer

Seit der Gründungsversammlung 1987 gab es regelmäßige Rundschreiben, die oftmals zum Jahresende verschickt wurden – die Weihnachtspost. Diese „Weihnachtspost“ waren die Vorläufer des jetzigen Bordmagazins. Mit viel Aufwand und ohne technische Hilfmittel wie PC und Drucker liebevoll hergesgestellte Hefte. Erstellt von meinem Vorgänger Herbert Ries. Nach seiner Ablösung verfasste „Klein Refü“ noch einen Rückblick über die vergangenen Jahre mit Text und Fotos.

Ein neues Logo mit hohem Wiedererkennungswert wurde entwickelt. Es findet sich auf dem Aufkleber, der Satzung (die neue, in Cuxhaven beschlossene Satzung wurde als kleines Heftchen umgesetzt), dem Banner und dem Bordmagazin, (bis jetzt 5 Magazine mit insgesamt 168 Seiten) auf dem Briefbogen und auf den Mitgliederlisten wieder. Ein einheitliches Erscheinungsbild ist nun gegeben durch die Entwicklung von T-Shirts, Poloshirts, Bordcaps, Pins und Namenschilder. Der Internetauftritt der Bordkameradschaft wächst unaufhaltsam, mit vielen Begriffen wird sie bei den Suchmaschinen an erster Stelle gelistet. Bei der Vielzahl an Artikeln und Berichten erhielt ich von einigen Mitgliedern bereits tatkräftige Unterstützung. Dies und ein Online-Forum, sowie eine Bildergalerie mit vielen Tausend Fotos ist Grund für mehrere Hundert Besucher pro Tag.

Der Bericht wendet sich, neben offiziellen Einrichtungen, denen er Einblick in Leben und Wesen der Bordkameradschaft bieten soll, vor allem an



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Ein ganz anderes Dokument erhielt ich vom ehemaligen Wachtmeister Claus Wedemeyer. Es handelt sich um die Chronik von der Ka-

In den vergangenen zwei Jahren durfte ich an erschiedene Aktivitäten teilnehmen: Buchvorstellung in Kiel „50 Jahre „Gorch Fock“ – verbunden mit einer Einladung an Bord, die Reservistenkameradschaft Marine Kiel wurde unser Partnerverein und freut sich über jeden Besuch, unvergesslich: das Treffen 2008 in Groß Wittensee mit Besuch der Windjammerparade und der Ehemaligenfahrt am 29. Juni 2008 auf der „Gorch Fock“, ein Besuch in Bamberg bei Fritz Baumann anlässlich seiner 50-jährigen Mitgliedschaft im DMB, Teilnahme an der Trauerfeier Jenny Böken, Tampenübergabe im Kindergarten in Köln sowie eine Besprechung bei der Marinekameradschaft „Eisbrecher Stettin“ in Bonn.

Redaktionsmitarbeiter gesucht! Die Verantwortung für das Bordmagazin sollte auf mehrere Schultern verteilt werden. Dafür soll ein Redaktionsteam aufgebaut werden. Der Aufgabenbereich umfasst: Planung, Recherche, Texterfassung, Textkorrektur, Bildbearbeitung, Satz und Gestaltung . Wünschenswert wäre ebenfalls eine Unterstützung beim Internetauftritt. Interessierte können sich jederzeit bei mir melden (Ein Redaktionsteam wurde inzwischen gebildet).

Mitgliederentwicklung

Rhythmus und Örtlichkeit

Anfang 2006, als ich Mitglied wurde, zählte die Bordkameradschaft inklusive einiger Ehefrauen 61 Mitglieder. Durch Bekanntmachung im Internet erlebten wir einen enormen Zulauf von ehem. Gorch-Fock- Fahrern. Im März 2007 waren es 95 Mitglieder, Anfang 2008 schon 123 Mitglieder. Ein wahrer „Run“ auf die Bordkameradschaft setzte vor und während der Ehemaligenfahrt ein. Heute zählen wir über 200 Mitglieder. Sehr bemerkenswert ist der Umstand, dass es sich dabei um Kameraden handelt, die in allen fünf Jahrzehnten auf der Gorch Fock gefahren sind. Darunter viele, die schon 1958 an Bord gingen, ja sogar schon vor Indienststellung zum „Kommando Gorch Fock“ gehörten und einige junge Kameraden, die erst im vergangenen Jahr von Bord gingen.

Unser Leben wird von unterschiedlichsten Rhythmen geprägt: vom Wechsel von Tag und Nacht zum Beispiel, dem 28-Tage-Zyklus des Mondes, dem Aufeinanderfolgen der Jahreszeiten, aber immer mehr auch von künstlich geschaffenen, wie Quartals- und gar Monatsabschlüssen und dem Druck, in immer kürzerer Zeit immer mehr zu erreichen. Wie der Takt in der Musik, der uns einmal aufpeitscht und ein anderes Mal beruhigt, können die Rhythmen des Alltags ganz unterschiedlich auf uns wirken. Sie können uns unterstützen und unserer Zeit eine Struktur geben. Sie können uns aber auch antreiben, ohne auf unsere Grenzen Rücksicht zu nehmen. Manche entsprechen uns und tun uns gut. Und andere werden uns aufgezwungen und bringen unseren inneren „Fahrplan“ durcheinander. Wir können den Rhythmus auch völlig verlieren und aus dem Tritt geraten. In diesem Kontext fühlt sich der Rhythmus unserer Bordkameradschaft, unseres Vereinslebens, für mich sehr anorganisch an. Er gibt mir nicht das Gefühl von Weite, nicht das Gefühl von einem etwas längeren Atem. Ich kann bei den bisherigen Treffen keine Kontinuität erkennen – weder im Zeitpunkt noch in der Örtlichkeit. Bei jedem Verein – und die Bordkameradschaft wird von der Struktur her wie ein Verein geführt – gibt es feste Rhythmen. Der wiederkehrende Fixpunkt im Ganzen ist dabei die Jahresversammlung. Sie gibt dem Vereinsjahr eine Struktur mit vielen Freiräumen und sorgt dafür, dass alles „seine Zeit“ hat. Meist ist der Anfang des Jahres die Zeit, um eine Rückschau zu halten und die wichtigsten Ereignisse der vergangenen zwölf Monate zusammenfassend festzuhalten. Dies geschah in der Vergangenheit durch die „Weihnachtspost“. An diese Tradition knüpfte ich gerne an. Pünktlich zu Weihnachten gab es in den vergangenen zwei Jahre ein Bordmagazin. Meist eine „Punktlandung“. Im Laufe der Jahre wird aus all diesen Berichten, aus der „Weihnachtspost“ und aus den jetzigen Magazinen eine Chronik der Bordkameradschaft entstehen, die uns mit unseren Wurzeln, mit unserem Schiff verbindet: dem Versprechen, das wir uns damals bei der Gründung der Bordkameradschaft selbst gegeben haben: Die Aufrechterhaltung der alten Bordkameradschaft und Pflege der Freundschaft unter den ehemaligen Gorch-Fock-Fahrern. Solange dies in uns lebendig ist, können wir wachsen und uns entfalten, ohne die Kameradschaft untereinander und auch ohne

Bordmagazin Es ist das offizielles Organ der Bordkameradschaft. Der Aufbau des Magazinsbesteht aus Jahresrückblick, Kassenbericht, Kameradengalerie, Treffen – Vor- und Nachberichterstattung, Jahresplanung, Werftberichte, Reiseberichte, Aktuelles von Bord, Damals und Heute, Dit un Dat, Presseberichte, DMB und Angebote aus dem Gorch Fock Shop. Die Druckkosten sind abhängig vom Umfang des Magazins (der Seitenanzahl) und von der Auflagenhöhe. Beispiele: Juni 2008 32 Seiten, Auflage 500 = 916 € Dez. 2008 44 Seiten, Auflage 500 = 1135€. Der Direktvertrieb erfolgt an Mitglieder, Segelschulschiff Gorch Fock, Marinestellen und DMB Landesgruppen. Durch die Auftragsvergabe an unsere EU-Nachbarn im Osten sind die Kosten überhaupt erst für uns erschwinglich geworden.

das familiäre Miteinander zu verlieren und immer wieder neue Antworten auf die Erfordernisse der Zeit finden, ohne dass die „Seele“ unserer Bordkameradschaft verloren geht. Vor 25 Jahren haben wir zusammen die Welt gesehen darum wollen wir Kameraden auch heute noch zusammenstehen. Einst entlassen mit Pinne oder Hut und Stock blieb unser Herz doch in Kiel auf SSS Gorch Fock. So steht es geschrieben auf der Urkunde, die im Februar 1987 von den gut 20 Gründungsmitgliedern unterschrieben wurde. Wo sich andere Vereine durch nicht vorhandenen Nachwuchs in Auflösung befinden, haben wir uns mit anderen Problemen zu beschäftigen. Es zeichnet sich ab, dass vielen Mitgliedern der bisherige Rhythmus und das Angebot bei den Crewtreffen als nicht ausreichend erscheint. Man will nicht zwei oder gar drei Jahre auf das nächste Treffen warten. Viele ältere Kameraden gaben auch zu bedenken, das eine Teilnahme an ein Treffen in sechs Jahren (wenn man eines hat ausfallen lassen müssen) aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr sicher planbar ist. Dadurch verlieren wir den Rhythmus und kommen aus dem Tritt. Wie alle anderen Vereine sollten auch wir in Zukunft eine Jahresversammlung abhalten. Immer zu einer bestimmten Zeit und immer an einem bestimmten Ort. „Blieb unser Herz doch in Kiel auf SSS Gorch Fock“, heißt es im Gründungsschreiben. Warum also nicht eine Jahresversammlung in Kiel? Wenn dann aus familiären Gründen oder aus Krankheitsgründen einmal ein Treffen ausfallen muss, ist es nicht so schwerwiegend, denn dann wird man im nächsten Jahr dabei sein. Dieser Rhythmus entspräche uns und täte uns und der Bordkameradschaft gut. Dies bedeutet nicht, dass es keine Treffen mehr in Süd-, Ost- oder Westdeutschland geben wird. Es gibt ja derartige Treffen, sie werden geplant und teilweise schon durchgeführt. Zwar im kleineren Kreis, manchmal familiär, immer aber unter Freunden. Geburtstags- und Silvesterfeiern Besuche auf der BOOT, ein gemeinsamer Segeltörn, vieles wurde vorgeschlagen und auch zum Teil schon durchgeführt. Für weitere Anregungen ist die Crewführung immer dankbar. Liebe Kameraden, verehrte Gäste, liebe Anwesende! Ich komme nun zum Ende meiner Zusammenfassung und hoffe, das ich einen Überblick über Gewesenes in der Bordkameradschaft ehemalige Stammbesatzung SSS Gorch Fock vermitteln konnte und bin sicher, das wir gemeinsam dem Kommendem gelassen entgegensehen können.

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J a h re splanung 2 010 / 201 1 Schon ab dem 4. Januar 2010 geht die „Gorch Fock“ bis Anfang Juli 2010 in die Werft. Schon bald nach dem Besuch in Hamburg vom 5.-8. August und der Teilnahme des 100-jährigen Jubiläums der Marineschule Mürwik in Flensburg vom 12.-15. August wird das Ausbildungsschiff der Marine ihre längste Reise, die 156. / 157. AAR, unter ihrem jetzigen Kommandanten, Kapitän zur See Norbert Schatz antreten. In Bremerhaven, der ersten Station auf der Reise wird sie als Flagschiff an der Sail 2010 zum letzten Mal für längere Zeit in Deutschland zu sehen sein, um nach Las Palmas (23. September - 7. Oktober) Europa Richtung Karibik und Südamerika zu verlassen. Rechtzeitig zur Kieler Woche und nach gut zehn Monaten wird die „Gorch Fock“ dann gegen Ende Juni 2011 zur Kieler Woche zurück erwartet. Nachstehend die bis jetzt bekannte Planung:



4.1.2010 18.5.2010 5.7.2010 6.7. - 8.7.2010 15.7. - 16.7.2010 5.8. - 8.8.2010

Verlegungsfahrt zur Werft Erprobungsfahrt Verlegungsfahrt Werft - Kiel Segelerprobung Schiffsicherung (AZS) Hamburg

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12.8.2010 14.8.2010 20.8.2010 25.8. - 31.8.2010 23.9. - 7.10.2010 3.11.- 17.11.2010 8.12. - 22.12.2010 29.12. - 2.1.2011

Verlegungsfahrt Kiel-Flensburg Teilnahme anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Marineschule Mürwik Verlegungsfahrt Flensburg-Kiel Auslaufen Kiel zur 156/157. AAR Einlaufen Bremerhaven Teilnahme als Flagschiff Sail 2010 Las Palmas / Gran Canaria Crewwechsel und Segelvorausbildung San Salvador / Bahamas Crewwechsel und Segelvorausbildung Buenos Aires / Argentinien Crewwechsel und Segelvorausbildung Montevideo / Uruguay

Der weitere Verlauf der Reise führt die „Gorch Fock“ über Ushuaia (14.-16.1.11); Kap Horn; Puerto Montt, Chile (5.-10.2.11); Trujillo, Venezuela (1.-5.3.11); Acapulco, Mexiko (23.-27.3.11); Panamakanal; Cartagena, Kolumbien (12.-16.4.11); Fort Lauderdale, Florida (27.4.-4.5.11); Hamilton, Bermudas (13.-17.5.11), Ponta Delgada, Azoren (3.-6.6.11); Einlaufen Kiel zur Kieler Woche am 26. Juni 2011. Alle Angaben ohne Gewähr!

Gorch Fock Kalender Die neue Auflage des Kalenders zeigt bislang noch nicht veröffentlichte tolle Fotos von den Reisen 2009 der „Gorch Fock“. Das Titelfoto wurde von Gunnar Örn Árnason aus Reykjavik zur Vefügung aufgenommen, das Foto auf der Januarseite von dem PIZ Marine, Manfred Ohde war bei der Kieler Woche dabei, von ihm ist das Foto auf der Juliseite und das Novemberblatt zeigt die Gorch Fock in der Wasserwand. Das Foto stellte Ramona Amstutz zur Verfügung. Der Wandkalender ist 34 cm breit und 46 cm hoch und von hochwertigem Offsetdruck auf 170 g Papier. Er besteht aus einem Deckblatt, 12 Monatsseiten, einer Seite, die die Reisedaten und Aufenthalte in 2010 enthält sowie einem stabilen Karton als Abschluss. Gebunden ist der Kalender oben mit einer weißen Metallspirale, der sogenannten Wire-O-Bindung. Dort befindet sich auch die Aufhängung. Der Preis: 21,00 Euro zzgl. 5,50 Euro Versand. Der Kalender kann beim Schriftführer per Telefon unter (0 53 82) 95 82 91 oder per E-Mail info@gorchfock.de bestellt werden.

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D i e Zipfelmützen Wie ein Tampen des SSS Gorch Fock zu den Zipfelmützen nach Köln kam. Vorgeschichte Seit 14 Jahren trotzte das alte Hanfseil Wind und Urgewalten. Manch gewagtes Manöver wurde erst durch seine griffige und robuste Struktur möglich. Ungezählte und glückliche Momente bescherte es seiner Mannschaft, weil sie sich stets darauf verlassen konnte. Doch nun war es „hin“. Die Rede ist nicht von einem Seil aus der Takelage eines stolzen Seejammers, sondern eher von einem Kletterseil. Und auch das hing nicht als stehendes oder laufendes Gut zur seemännischen Nutzung oder an einem Mastbaum, sondern an Bäumen in einem Garten in Köln. Auch die besagte Mannschaft war keine seemännische (noch nicht); sie bestand im Wesentlichen aus Kindern – sie selbst nennen sich „Zipfelmützen“ - die bei jeder sich bietenden Gelegenheit während ihrer Anwesenheit im Kindergarten am Seil kletterten. Ein neues Seil musste her.

Woher nehmen Nach ersten Marktpreiserkundungen stand fest, dass der Kletterspaß im Kindergarten wohl ein unvermeidbares Ende hatte. Ein neues Kletterseil war viel zu teuer. Nach vielem hin und her Überlegen erinnerte sich die Mutter einer Zipfelmütze, von einem riesigen Segelschiff gehört zu haben. Das hatte eine Menge Seile. Dort könnte man doch jemanden fragen, ob er nicht eventuell ein Seil übrig hätte. Eines, das er nicht mehr gebrauchen konnte aber sich dennoch gut zum Klettern für die Kinder eignete. Nach Recherchen im Internet stieß sie dann auf die Webseite unserer Bordkameradschaft. Sie entschloss sich, mit dem Webmaster Kontakt aufzunehmen, um dort ihren Wunsch vorzutragen.

„Großer Bahnhof“ war zur Begrüßung der Abordnung angesagt und so manches einstudierte Seemannslied wurde von den Zipfelmützen vor maritimer Kulisse vorgetragen.

Und so kam es Im Oktober letzten Jahres erreichte Hermann Dirkes die Bitte der Zipfelmützen. Das benötigte Seil sollte 45 Meter lang sein. Und kosten durfte es nichts. Als Gegenleistung boten sie so etwas wie die Übernahme einer „Seilpatenschaft“ der Gorch Fock gegenüber den Zipfelmützen an. Auch wollten sie ihr hölzernes Spielschiff auf den Namen Gorch Fock taufen und gaben dazu ihr Klabautermannehrenwort. Und der hatte wohl letztendlich auch weiter seine Finger im Spiel. Hermann leitete die E-Mail mit einer entsprechenden Bitte an das Schiff weiter. Das befand sich zu dieser Zeit im Atlantischen Ozean an der Südseite Spaniens. Die darauf folgende Rückantwort vom Decksmeister Steffen Kreidl lautete: „Ein Moin Moin von See! Wir segeln mit 10 Knoten im Golf von Cadiz bei bestem Wetter, es ist ein Traum! Natürlich werden die Zipfelmützen ihren Tampen bekommen. Meine Frage ist wo und wann möchtet ihr den Tampen abholen? Ich würde ihn mit Einlaufen am 12. Dezember bereit haben. Gruß an Alle, Steffen“

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Einer Übergabe des Tampens stand nun nichts mehr im Wege. Hermann kümmerte sich darum. Er beschaffte den Tampen, mobilisierte ein Übergabekomitee unserer Bordkameradschaft aus der ortsnahen Umgebung und vereinbarte einen Übergabetermin mit den Zipfelmützen.

Die Übergabe So standen Hermann Dirkes, Reinhardt Epding und ich am Freitagnachmittag, den 16. Januar 2009, vor Ort bereit. Die Aktion konnte starten. Wir waren der feierlichen Übergabe entsprechend in 1. Geige erschienen und hatten den Tampen am Mann. Als wir die Turnhalle betraten, wurde es mucks-mäuschen-still. Da standen sie. Die Zipfelmützen hatten sich durchweg alle als Piraten verkleidet. Geschminkt, mit Kopftüchern und Entermessern. Und groß aufge-

rissenen Augen. Sie waren um eine große Bootsattrappe versammelt. Die Turnhalle war mit vielen Gorch Fock Bildern und reichlich Seemännischem ausstaffiert. – Auch einige Eltern und die ortsansässige Presse waren da. Die Leiterin der Zipfelmützen begrüßte uns herzlich und bedankte sich überschwänglich für den mitgebrachten Tampen. Sie erklärte, dass die Kinder die Turnhalle bereits 2 Wochen vorher für unseren Besuch vorbereitet hätten. – Damit wir uns dort so richtig wohlfühlen. Auch hätten sie Lieder für uns auswendig gelernt, die sie uns anschließend vorsangen. Wir ließen es uns nicht nehmen

dem mitgebrachten Tampen den Palstek, der den Tampen künftig an den Bäumen im Garten der Zipfelmützen befestigen sollte. Und das ging so. Einer von den Zipfelmützen stellte sich als „Baum“ vor Reinhardt auf. Dieser schlang den Tampen um ihn herum und knotete den Palstek. Anschließend hob Reinhardt die Zipfelmütze mit Hilfe des Tampens hoch, um die Festigkeit des Palsteks zu prüfen. Und dann gings los. Hinter der ersten Zipfelmütze bildete sich wie von Geisterhand eine lange Schlange der Anderen. Es schien, als ob jeder angebunden und angehoben werden wollte. Reinhardt gab sein Bestes. Er fertigte Einen nach dem Anderen ab.

Als Randprogramm führte Hermann den geworfenen Achterknoten vor. Dazu knotete er zuerst einen Achterknoten – und und stimmten unsererseits in den Shanty warf ihn anschließend weg. Nachdem sich „My Bonny is over the ocean“ mit ein. Das die Enttäuschung der Anwesenden über machte bei den Zipfelmützen großen Eindiesen „blöden Gag“ ein wenig gelegt hatte, druck. Auch waren die Zipfelmützen vom holte Hermann nochmals aus. Und diesmal anschließenden Arbeitseinsatz von Reinmachte er es tatsächlich. Er griff ein kurzes hardt Epding begeistert. Er zeigte ihnen mit Seil an seinen beiden Enden und ließ es im Bogen nach unten hängen. Dann führte er mit seinen Armen eine ruckartige Drehbewegung durch und warf gezielt ein Ende des Seils von oben durch das bei der Verdrehung entstandene Auge. Fazit: Der geworfene Achterknoten! Die Anwesenden Die große Freude ist den Beiden anzusehen. waren begeistert.

Doch auch ich war gefordert. Ich stellte mich den vielfältigen Fragen zu meinen Erfahrungen auf der Gorch Fock und dem alltäglichen Leben auf einem Segelschiff. Die Fragen drehten sich beispielsweise um die Funktion einer Schiffsglocke, über die Notwendigkeit von Hängematten an Bord, bis hin zu der Frage, warum es eigentlich Segelschiffe gibt. Der anschließende Nachmittag verging mit viel Klönschnack bei Kaffee, Sekt und auch etwas Essbarem.

Gute Zusammenarbeit Es hat uns drei Kameraden viel Spaß bereitet, sich an diesem Tage mit den Zipfelmützen zu beschäftigen. Beim Abschied hatten wir das wohlige Gefühl, etwas Gutes im Auftrag des Schiffes getan zu haben. Mir wurde klar, dass es wieder einmal auf die gute Zusammenarbeit zwischen Bordkameradschaft und Schiff zurückzuführen war. – Weiter so. – Vielen Dank – auch im Namen der Zipfelmützen – an die Kameraden, den Decksmeister Stefan Kreidl und den Kommandanten Kapitän zur See Norbert Schatz. Raimond Ramolla

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Au s G o l d u n d Diamanten

Kleine Schwester der „Gorch-Fock“ In Kirschweiler ist ein Nachbau aus Bergkristall, Gold und Diamanten entstanden. KIRSCHWEILER. Das deutsche Segelschulschiff Gorch Fock hat zum 50. Jahrestag seiner Indienststellung ein weiteres und diesmal hochkarätiges Schwesterschiff erhalten. 150 Mal kleiner als das Original ist das Modell, das aus Bergkristall, Gold und Diamanten in der Werkstatt des Edelsteinkünstlers Manfred Wild in Kirschweiler (Landkreis Birkenfeld) gefertigt wurde. In einer Arbeitszeit von rund 3000 Stunden bauten unter der Aufsicht, Anleitung und Mitarbeit von Wild über ein Jahr lang ein Edelsteinschleifer, ein Graveur und ein Goldschmied in Teamarbeit an dem Kunstwerk. Das Schiffsmodell besitzt feine und maßstabsgerechte Details - so unter anderem HanseWappen und Schriftzüge an Masten und Rumpf, zudem bestehen die Bullaugen aus Diamanten und die goldenen Schotte zeigen selbst ihre Verriegelungen. Darüber hinaus hat die Galionsfigur in Form eines Albatros ein diamantenes Auge und die Schiffsglocke ist federnd gelagert, wobei auch die Beiboote und das Ruder beweglich sind.

23 Segel aus aufwendig geschliffenem Bergkristall stehen an den Masten, an denen sich 27 aus Golddraht gedrehte Taue mit einer Querschnittsdicke von bis zu 0,8 Millimeter und einer Gesamtlänge von etwa 60 Metern hinziehen. Insgesamt 53 Kilogramm Bergkristall, über drei Kilogramm 18-karätiges Gold sowie zehn Karat an Diamanten sind verarbeitet worden und machen das Schiffsmodell allein nur vom materiellen Wert her sehr kostbar. „Während der Bauzeit wurden unter

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anderem auch 120750 Laserschweißpunkte gesetzt, und der Goldschmied hatte zeitlich gesehen wohl die meiste Arbeit damit“, erinnert sich Wild. Er war schon als Kind an der Seefahrt interessiert und eine Meldung in den Medien machte ihn auf den Jahrestag der Gorch Fock aufmerksam. Schwierig erschien anfangs allerdings die Suche nach Materialien zur Vorlage. Doch schon bald fanden sich etliche Bildbände zur Gorch Fock, die auch detailgenaue Zeichnungen und Pläne enthielten. Außerdem erreichten unzählige Fotos des

Schiffes aus Kiel die Werkstatt und so konnte das Werk detailgenau begonnen werden, freut sich der Edelsteinkünstler, der zugleich Kurator des Deutschen Edelsteinmuseums in Idar-Oberstein ist. In dieser Eigenschaft bedauert es Manfred Wild, dass das Modell wahrscheinlich nicht in Deutschland bleiben wird. Die hiesigen Museen hätten kein Geld für solche Exponate. Dies sei sehr traurig, denn diese Werke seien ja in der Region gefertigt worden und seien ein Zeugnis des regionalen Kunsthandwerks. „Die meisten meiner großen Stücke gingen daher bislang ins Ausland“, so Wild.

Über einen Verkauf der Gorch Fock aus Edelstein will er zunächst noch nicht nachdenken, zu sehr erfreut ihn noch selbst der Anblick des Modells. Wild wird nun erst einmal Kalkulationen über den Wert des Objekts anstellen. Mit einem Verkauf eile es ihm gar nicht, sagt er. Über einen eventuell notwendigen Transport des Schiffes aus Edelstein macht er sich dennoch schon Gedanken. Dazu wird ein Spezialbehälter gebaut, in dem das Schiff sicher verzurrt wird. In seiner Werkstatt habe man schließlich schon beste Erfahrungen mit diesen Dingen, merkt Manfred Wild an. Nein, weder die Besatzung noch der Kapitän der Gorch Fock wüssten bislang von der Existenz des Modells, sagt sein Schöpfer. Fotos des Edelsteinschiffes sollen aber bald nach Norden gesandt werden, etwa zur Marineschule bei Kiel und zum Kapitän des Schulseglers. Anrufe vom Militärattaché aus der deutschen Botschaft in Norwegen erreichten Wild unterdessen, denn die Gorch Fock wird im März ihre erste große Fahrt nach dem Jubiläum zuerst nach Norwegen und dann nach Island machen. Nach ihrer Indienststellung am 17. Dezember 1958 ging es schließlich auch zuerst nach Norwegen. Dort soll sie von der deutschen Botschaft empfangen werden, sagt Wild. „Die Gorch Fock ist der freundlichste und schönste Botschafter aus Deutschland unter weißen Segeln. An ihrem Schicksal habe ich schon immer Anteil genommen und so war es mir eine große Freude, sie im Team als wertvolles Modell nachzubauen.“ Quelle: Rhein Main Presse, Fotos: Wolfgang Ziegler

Besuch der „Gorch-Fock“ in Bergen

Der Botschafter überreicht das Bild.

In der Mitte die stv. Bürgermeisterin von Bergen, Frau Trude Drevland.

Der Botschafter Roland Mauch im Gespräch mit dem Kommandanten.

Der Commander Joint Warefare Center Stavanger, GenLt Wolfgang Korte

Kommandant und Verteidigungsattaché Oberstleutnant i.G. Rolf Becker mit Bild der Gorch Fock.

Fotos: Deutsche Botschaft Oslo.

Der Kommandant zeigt den Gästen das Bild.

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Pet e r S c h i w e c k

Mythos Gorch Fock – oder warum ausgewachsene Männer weiche Knie bekommen Was macht ihn aus, den Mythos des Segelschulschiffes Gorch Fock?

Da wird einem das „älter geworden sein“ schon bewusst – eben der viel zitierte circle of life.

Diese Frage stellt sich unweigerlich, wenn man – wie zum Beispiel auf der Ehemaligenfahrt am 29.Juni 2008 – sieht, wie gestandene Kerle feuchte Augen und einen völlig verklärten Gesichtsausdruck bekommen.

Aber dann kommt auch die Erkenntnis: ich gehöre zwar nicht mehr aktiv dazu, aber im Herzen habe ich das Schiff über all die Jahre immer bewahrt, voller Stolz kann ich sagen: ich bin Gorch Fock Fahrer geblieben.

Nun, zum einen ist es sicher das Bewusstsein, auf dem VorzeigeSchiff der Deutschen Marine zur Stammbesatzung gehört und einen Teil der mittlerweile fünfzigjährigen Geschichte des Windjammers mitgeschrieben zu haben. Man war dabei, wenn die See sich einmal mehr von ihrer stürmischen Seite zeigte; man gehörte dazu, wenn das Schiff als Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland in vielen Auslandshäfen begeistert empfangen und wehmütig verabschiedet wurde. Zum anderen ist die Erinnerung an die Dienstzeit auf der Gorch Fock für die meisten Ehemaligen auch immer ein Blick weit zurück auf die eigene Jugendlichkeit, die Unbeschwertheit und Sorglosigkeit des gerade erwachsen gewordenen jungen Mannes, der man damals noch war. Kehrt man nach langer Zeit an Bord zurück und sieht die jetzige Besatzung ihren Dienst versehen, dann wird einem schon bewusst: Hey, das ist vorbei – die jungen Frauen und Männer sind jetzt am Ruder, Du bist nur noch Teil der Vergangenheit des Schiffes.

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Und so kommt es, dass gestandene Männer mit glasigen (Argus-) Augen beobachten, wie die aktive Crew das Schiff segelt und dabei feststellen: die können’s doch mindestens genauso gut wie wir, da ist das Schiff doch in den allerbesten Händen. Und so gibt man sich dann der ganzen Wucht der Emotionen hin und genießt es, wieder einmal auf „seinem“ Schiff zu sein. Man schaut der Besatzung zu und kann sich ein weises Lächeln nicht verkneifen: im Moment sind wir für die aktive Besatzung die Dinosaurier der Seefahrt, aber in ein paar Jahren sind aus den derzeit Aktiven Ehemalige geworden, die dann vielleicht auch als Mitglied der Bordkameradschaft mit wehmütigem Blick als gern gesehener Gast an Deck ihrer Gorch Fock stehen …

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Der Geist der „Gorch Fock“ 6RODQJHHVGHQ0HQVFKHQJLEW VRODQJGHU0HQVFKJODXEWKDVVWXQGOLHEW VRODQJHJLEWHVDXFK*HVFKLFKWHQ GLHYRQ*HLVWHUQXQVEHULFKWHQ 9RQ.REROG(OIXQG7UROOXQGGDQQ YRQ6FKORVVJHVSHQVW.ODEDXWHUPDQQ XQGDOOHGDVZHL‰MHGHV.LQG GRFKQXULP7UDXPZDKUKDIWLJVLQG 'RFKHLQHQ*HLVWHVZLUNOLFKJLEW HLQJXWHU*HLVWGHQMHGHUOLHEW (UZRKQWLP5XPSI'HFN5DKXQG1RFN GHUÅ:HL‰HQ/DG\´GHUÅ*RUFK)RFN´ 'XUFKGULQJWGDV6FKLIIYRQ/XYQDFK/HH YRP.LHOELVLQGHU0DVWHQ+|K YRP.OYHUEDXPELV5XGHUEODWW GHU*HLVWGRUWVHLQ=XKDXVHKDW (VLVWQLFKWGHU:HLQJHLVWGHUGRUWZRKQW DXFKQLFKW3RVHLGRQGHUGRUWWKURQW XQGDXFKQLFKWGHU.ODEDXWHUPDQQ GHUXQVYLHOhEOHVEULQJHQNDQQ 'HQÅ*RUFK)RFN´*HLVWGHQHLQ]LJZDKUHQ NHQQWMHGHUGHUDXI,+5JHIDKUHQ XQGKDWLKQVRLVWGDVJHVFKHKHQ YRQ$XJ]X$XJVFKRQDQJHVHKHQ .HLQHP6HHPDQQLVWHUIUHPG HUJlEIULKQVHLQOHW]WHV+HPG 'HQQZDKUOLFKLVWVHLQJXWHU*HLVW GHU*HLVWGHU.DPHUDGVFKDIWKHL‰W

Ralf Pulheim, Köln

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R a i m o n d R a m o lla

Bericht über das Treffen in Wittensee im Juni 2008 Vorgeschichte Ein Jahr war es nun schon wieder her, als wir alle zusammen an dem für mich und bestimmt auch für die anderen Kameraden so wundervollen Treffen in Cuxhaven-Altenbruch teilnahmen. Unvergesslich waren noch die Eindrücke der Festlichkeit, des Ausflugs und des „einfach so Zusammenseins“, die ich auf Bitten von Hermann Dirkes in einem Bericht für die Bordzeitung niederschreiben sollte. Dieser dann doch etwas reichlich ausgefallene „Report“ führte als Leitartikel in der 1. Ausgabe unseres neuen „Gorch Fock“ Magazins ein wenig zu gefühlter Wind- und Wellenwarnung und konnte letztendlich unbeschadet von mir abgewettert werden. – An dieser Stelle möchte ich mich bei allen entschuldigen, denen ich durch meine „freche“ Berichtsweise etwas zu Nahe getreten bin. Aber so ist das mit der wahrhaften Berichterstattung. Da sollten meines Erachtens gnadenlos die eigenen Eindrücke möglichst unverfälscht mitgeteilt werden. So bin ich nun mal. Also nochmals, tut mir leid. Doch die Ausgabe enthielt auch einen interessanten Ausblick auf ein weiteres Treffen in Wittensee. Es handelte sich um eine Veranstaltung, die auf Wunsch der Kameraden der 70er Jahre von den Kameraden Klaus Schmidt und Albert Ochs bereits detailliert vororganisiert war. 50 Anmeldungen lägen bereits vor. Immer noch überschwänglich begeistert von dem letzten Treffen, ließ mich der Gedanke nicht los: Da muß ich auch hin. Also hab ich den Kameraden Schmidt angerufen. Erst mal fragte ich, ob die Einladung nur für einen bestimmten Teilnehmerkreis, nämlich nur für die 70er gelte. Doch er erklärte, dass das so nicht gemeint war. Er sehe, genau so wie ich in meinem Bericht abschließend geschildert, alle Generationen der ehemaligen „Gorch Fock“ Stammbesatzungen im Ganzen. Er würde sich zwar auch mit ausgewählten Kameraden ab und zu „nur mal so“ treffen, halte aber im Allgemeinen nichts von Abgrenzungen innerhalb der Bordkameradschaft, die letztendlich ja immer andere Gruppen ausschließen. Nach kurzer Rücksprache mit meiner kleinen Kameradschafts-Gruppe habe ich mich dann verbindlich angemeldet. Und zwar so, wie die Initiatoren das Treffen vorgesehen hatten: Mit Beiboot (Ehefrau oder dergleichen).

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Kurze Zeit später passierte etwas Kurioses. Hermann Dirkes rief mich an und erzählte mir so was wie, „willst Du mal wieder mit der „Gorch Fock“ mitfahren“ oder „wir haben Kontakt zum Kommandanten aufgenommen wegen der 50 Jahre Feier nächstes Jahr“. Ich dachte nur, was redet der da für ein Zeug, „mit der „Gorch Fock““ mitfahren, wie soll denn das bitte gehen. Doch das hatte Festlich geschmückte Bühne mit dem neuen BK-Banner plötzlich eine unvermuund vielen Fotos von Manfred Ohde. tete Wirkung auf mich. Ich träumte nun immer wieder, ich würde auf dem Schiff mitfahren. – Und kannte ich noch keine der anderen beiden. Hoffentlich wird das gut gehen, dachte ich. dann geschah wieder etwas völlig unerwartetes. In der 2. Ausgabe des „Gorch Fock“ Magazins stand Und es ging gut. Wir waren auch gut vorbereitet. auf Seite 5 unter der Überschrift Einladung: „ Das Um so stressfrei wie möglich das Wochenende verSegelschulschiff „Gorch Fock“ wird am 29.06.2008 bringen zu können, hatte ich schon mal für Freitag eine Ehemaligenfahrt durchführen…“ und „Ich und auch für den angrenzenden Montag Urlaub möchte 50 Personen Ihrer Vereinigung hiermit ganz genommen. Also waren meine Frau Silvia und ich herzlich zu dieser Fahrt einladen“ Unterschrift: bereits Freitagmorgen auf dem Weg. Groß-WitNorbert Schatz, Kapitän zur See. Die Katze war tensee erreichten wir wie geplant so gegen 15:00 aus dem Sack. Ab da glühten die Telefone und die Uhr. Hier gibt es einige Geschäfte und das größte eigene Phantasie ging auf Reisen. Im Vordergrund Hotel am Platz, den Schützenhof, unser Hotel. stand die Frage: „Werde auch ich teilnehmen?“ Wahrzeichen des Ortes ist die denkmalgeschützte Und die stellte sich wohl jeder. Windmühle „Auguste“ von 1874. Geprägt wird das Dorf von den zum Teil unter Denkmalschutz Ich war hoch erfreut, dass ich aufgrund eines stehenden Gebäuden. Die Reiter- und Ponyhöfe ausgetüftelten Auswahlverfahrens (siehe Seite 10, sind weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. „Gorch Fock“ Magazin, Ausgabe 3 vom Juni 2008 Für Naturfreunde, Wanderer, Angler, Reiter und „Ehemaligenfahrt“) zu den glücklichen AuserwählWassersportler ist die Gemeinde Groß Wittensee ten zählte. Wie sich später herausstellte, waren und ihr Umland ein wahres Paradies. In Groß meine speziellen Kameraden auch mit dabei. Die Wittensee gibt es zwei große Badestellen mit Freude war unendlich groß. Spiel- und Liegewiese, Grillplatz mit Schützhütte und einen Campingplatz. – Doch um von diesen Das Treffen vielfältigen Angeboten Gebrauch zu machen, blieb uns mal wieder keine Zeit. Die Hinfahrt nach Wittensee erinnerte mich an Nach dem problemlosen Einchecken im Hotel meine Zeit der sogen. „Nato-Rallye“. Damals bin bezogen wir erst einmal unser Zimmer. Es hatte eiich die Strecke, wenn ich nicht zur See fuhr, von nen wundervollen Ausblick auf die Seenlandschaft Kiel jeden Freitag hin und jeden Sonntagnachmitdes Wittensees. Nach einem kleinen Nickerchen tag wieder zurückgefahren. Doch diesmal gab es zur Stärkung machten Silvia und ich uns ein wenig einen wesentlichen Unterschied. Damals hatte ich frisch und gingen dann in den Saal. Geeignete keine Frau mit dabei. Das war jetzt anders. Und Plätze wurden gesucht und auch schnell gefunden. schon schlichen sich da ein paar Bedenken über Obwohl schon viele Kameraden mit ihren Frauen den weiteren Verlauf des geplanten Wochenendes anwesend waren, gab es noch genügend freie ein. Auch die anderen Kameraden brachten nun Plätze. Der Saal war groß und geräumig und hätte ihre Frauen mit. Bis auf die Frau von Hermann

sender und Empfänger in Radio Norddeich am 30.11.1996 abgeschaltet wurden. Das heißt, wenn ich mit meinem damaligen Equipment der Kurzwellensenderei (besonders Tastfunk) hantieren wollte, würde mich keine offizielle Marine-Funkstation in good old Germany empfangen können. Also – Fragen über Fragen; das wird bestimmt eine unruhige Nacht. Da es ja am nächsten Morgen frühzeitig losgehen sollte und die lange Anfahrt, das gute Essen und die überstrapazierte Sprechmuskulatur langsam an den Konditionsreserven nagten, wurde nicht so lange gefeiert. Ab in die Koje.

Das „Holsteiner Buffet“ entsprach genau unseren Vorstellungen … wohl noch ein paar mehr Gäste verkraften können. Am Ende des Saals, so im Linksknick um die Ecke, befand sich das bereits vorher hoch gepriesene Holsteinbuffet, dass seinem Ruf alle Ehre machte. Es waren vielfältige Speisen, kalt und warm, im Angebot. So wie ich das beurteilen kann, kam hier jeder zum Zuge. Reichlich war es natürlich auch allemal. Und so verbrachten wir im Kreise unserer lieben Kameraden einen wunderschönen Abend bei angemessenen Getränken, dem guten Essen und natürlich viel Klönschnack. Auch begegnete ich dem einen oder anderen bekannten Gesicht. Besonders ein griesgrämig dreinschauender älterer Herr (er möge mir verzeihen) mit wallendem weißen Haar und einem mächtigen weißen Schnauzbart, ähnlich dem von dem sympatischen Gangster aus dem Film „Spiel mir das Lied vom Tod“ kam mir unheimlich bekannt vor. Das war doch tatsächlich der damalige Schmadding, Hauptbootsmann Pischon. Eigentlich hatte er sich gar nicht verändert. Und zu allem Überdruss erkannte er mich auch noch. Er teilte noch kurz mit, er fände es komisch, dass er die „Jüngeren“ von damals erkenne, an die „Älteren“ sich aber weniger erinnern könne. Man merkte wohl ein leichtes Prickeln im Saal. Dabei ging es zu fortschreitender Stunde immer mehr um die bevorstehende Ausfahrt auf unserer „weißen Lady“. In welchem Licht wird sie uns wohl erscheinen? Wie werden wir beim ersten und auch dem weiteren Kontakt mit dem Schiff meistern und wie werden wir von dessen Besatzung akzeptiert? Hat sich an Bord viel verändert nach dem ja allseits bekannten Umbau? Ich persönlich machte mir auch viele Gedanken über die Ausstattung des Funkraumes. Da hatte sich ja technisch einiges verändert in den letzten 30 Jahren. Ganz abgesehen davon, dass die letzten Kurzwellen-

An der Rezeption traf ich dann noch auf ein besonderes Original. Da stand ein offensichtlicher Bootsmann in seiner Marineuniform, den ich vorher im Kreise der Kameraden nicht wahrgenommen hatte. Ich fing ein kurzes Gespräch mit ihm an und erkundigte mich dann im weiteren Verlauf darüber, von welchem Schiff er denn komme. „Vom Knüppelkreuzer mit den …matrosen.“ sagte er kurz und bündig. Das hatte ich irgendwie in der vorgerückten Stunde nicht verstanden. Ich wandte mich an einen meiner Kameraden und fragte dort nach. Knüppelkreuzer, …matrosen, was das wohl sein mochte. Es stellte sich schließlich heraus, dass er die „Gorch Fock“ meinte und mit …matrosen stellte er wohl ein wenig übertrieben dar, dass jetzt auch Frauen an Bord waren, die dort wie vorher nur Männer ihren Dienst bei der Marine absolvierten. Der das sagte, war Hein Mück, wie sich später herausstellte. So, genug, nun ab in die Koje.

Leinen los Am nächsten Morgen ging es dann nach einem ordentlichen Frühstück mit dem Bus in Richtung Kiel zum Tirpizhafen. Dort, an der südlichen Seite der Tirpizmohle ist nun der Heimathafen unserer weißen Lady. Die Tirpitzmole bildet zusammen mit der gegenüberliegenden Scheermole die Begrenzung des Tirpitzhafens zur Kieler Förde. An der Tirpitzmole liegen unterschiedliche Fahrzeuge der Bundesmarine, wie u.a. auch einige Fregatten, wenn ich das so richtig erkennen konnte. Die Tirpitzmole hat eine Gesamtlänge von ca. 500 m und wurde neuerdings auf eine Breite von 16 m umgebaut. Als wir uns von Norden der „Gorch Fock“ näherten, war das schon ein komisches Gefühl. Es ging vorbei an Kasernengebäuden auf der einen und an modernen Kampfschiffen mit ihren grauen Anstrichen auf der der anderen Seite. Was war das früher anders. Da kamen die Gedanken auf an das Hindenburgufer hinter dem Landtag und an die Blücherbrücke. Da lag unser Schiff stets an der, der Kieler Förde zugewandten Seite. Was für ein Bild. Doch nun zurück in die Realität. Ich kann es nicht anders sagen, aber auch hier an der Tirpizmole macht die alte Dame eine gute Figur. Schön war sie anzusehen, so wie sie da lag.

…und alle ließen es sich schmecken. Auch hier traf ich einen alten Kameraden. Der war noch im aktiven Dienst und hatte es zum respektablen Rang eines „Kalois“ gebracht. Der damalige Obermaat Glaser war zu meiner Fahrenszeit noch sehr jung. Er kam wohl aus Norderney. Das wusste ich noch, weil dem Kerl nicht im Entferntesten schlecht wurde, bei welchem Seegang auch immer. Ich bin damals nie ein Risiko eingegangen. Als Funker saß ich ja genau an der richtigen Adresse für die eingehenden Wind- und Wellenwarnungen. Wenn die Tendenz zum Sturm oder womöglich Orkan aus ihnen zu ersehen war, schränkte ich vorsichtshalber meinen Nikotin-, Alkohol- und fettigen Essensbedarf ein wenig ein. Doch er erkannte mich erst nicht. „Backe“, sagte ich zu ihm. Er war ein wenig irritiert. „Wie bitte?“ entgegnete er. Ich sagte nochmals „Backe, das war früher mein Spitzname, erinnerst Du Dich nicht?“ Dann erkannte er mich und eine anschließende herzliche Begrüßung folgte. Das Wetter schien sich zu halten. Nach einigen Fotosessions mit und ohne Damen, allein, in der Gruppe usw. ging es dann an Bord. Ich ließ es mir nicht nehmen, meine Silvia auf die bevorstehende Zeremonie des Flaggengrußes beim Betreten des Schiffes vorzubereiten. Ich empfand die daran anschließende, praktische Ausführung ihres Flaggengrußes als kläglich gescheitert. Nun gut, jetzt war ich dran. Mir klopfte das Herz bis zum Hals. Ich betrat die Gangway, blieb kurz in aufrechter Haltung stehen, die Hände an der Hosennaht, in Richtung Flagge am Achterdeck. Dann betrat ich endlich das Mitteldeck. Mich durchfuhr ein wohliges Kribbeln. Ich vermeinte plötzlich eine Stimme zu hören, ganz tief in mir drin. „Hallo Raimond“, sagte diese, „da bist Du ja wieder.“ Das muss das Schiff gewesen sein. Und tatsächlich, ich hatte das Gefühl, wieder zu Hause zu sein. Man könnte fast meinen, dass es sich so anfühlte, als ob ich erst gestern von Bord gegangen wäre. Und heute bin ich nun wieder da. Ich beobachtete die restlichen Kameraden, die wohl Ähnliches erlebten. Erst jetzt wurde mir allmählich so richtig bewusst, was hier für ein Traum für mich in Erfüllung ging. Kurz bevor wir ablegten, verließen unsere Angehörigen, die vorerst mit an Bord durften, das Schiff. Für sie war vorgesehen, dass sie uns bei unserer Ausfahrt auf die Kieler Förde mit zwei bereitlieBORDKAMERADSCHAFT Segelschulschiff Gorch Fock

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genden V-Booten und der Motoryacht „Tromp“ der Bordkameradschaft mit dem gleichlautenden Namen begleiteten. Leinen los, enter auf und Segel gesetzt. Wie oft habe ich dieses Treiben miterlebt. Es war mir mehr als vertraut. Ich hörte die Befehle aus der „Flüstertüte“, vernahm die typischen Pfiffe aus der Bootsmanns-Maaten Pfeife und dann war es soweit. Wieder einmal schmiegte sich der Schiffskörper an den Takt der Wellen, glitt einfach so mit Windkraft in angenehmer Weise vorwärts dahin und wir nahmen Fahrt auf. Was für ein Gefühl. Erschreckend vertraut und eine Welle fast vergessener Erinnerungen wuchs in mir heran. Ich nahm wahr, dass alle Kameraden in meiner Nähe wohl Ähnliches empfanden. Ich gab dem plötzlichen Drang nach, auszuschwärmen und das Schiff näher zu erkunden. Zuerst nahm ich mir das Deck des Schiffes vor. Alles pico bello, wie auch aus der einstigen Zeit gewohnt. Dann das Innere des Schiffes. Mein besonderes Augenmerk galt der Unteroffiziersmesse. Hier hatte ich mich neben dem Funkraum die meißte Zeit auf der „Gorch Fock“ aufgehalten. Als ich die Messe betrat, kam sie mir irgendwie kleiner vor, als ich sie noch in Erinnerung hatte. Auch der Schlafraum mit dem sogen. Hüpferrack kam mir äußerst klein vor. Wie habe ich das nur damals alles ausgehalten? Mit damals 27 Kameraden auf dem engen Raum? Auch das Equipment auf dem Achterdeck hatte sich verändert. Die Wachstände sahen aus wie ein Steuerstand einer modernen Yacht. Die Brücke schien extrem aufgeräumt. Da lagen keine Seekarten kreuz und quer herum, die mächtigen Radarbildschirme und auch das klobige Dekka-Navigationsgerät waren nicht mehr da. Der Funkraum sah eher aus wie ein kleines Internet Cafe. Nachdem ich dann doch einen jüngeren Offizier auf der Brücke nur einfach so über diese immensen Veränderungen angesprochen hatte, musste ich mir dann auch noch zuallerletzt einen Vortrag über den erweiterten Nutzen der computerdominierten Ausstattung auf Schiffen anhören. Auch mein Kamerad Peter Schiweck kam auf seine Kosten. Nachdem ich ihn mit verklärtem Blick habe am Backbordsteuerstand „rumlungern“ sehen, so als wolle er gleich das Kommando selbst über das Schiff übernehmen, erfasste er sofort die Gelegenheit, sich anderweitig nützlich zu machen. Ohne Zögern reihte er sich als letzter in die Reihe der Schotenziehenden ein und pullte, was das Zeug hielt. Dabei fiel mir auf, dass bei dieser Tätigkeit nicht mehr das laute „Hol weg“ gerufen wurde. Irgend ein leiser Ruf war zu vernehmen, den ich nicht so recht zuordnen konnte. Auch auffallend war der moderate Umgangston der einzelnen unterschiedlichen Rangträger untereinander. Zu meiner Zeit war zwischen den einzelnen Rängen ein sehr deutlicher Unterschied im Um-

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gang miteinander üblich. Jetzt empfand ich ihn als wohl verständlich, fast freundlich. Da war wenig von unerbittlicher Härte in den Anweisungen und Befehlen. Und doch klappte alles einwandfrei. Ich könnte mir als Grund die Anwesenheit der weiblichen Besatzungsmitglieder vorstellen, die dem vorherrschenden Umgangston ein wenig das Rauhe genommen hat. Und ich hätte im Grunde auch nichts dagegen, wenn sich in dieser Hinsicht etwas geändert hat. Und so verbrachten wir zusammen ein paar wundervolle Stunden auf der Kieler Förde. Hier wurde auch ein musikalisches High-Light geboten. Hein Mück versammelte uns auf der Back um das Spill herum und wir sangen gemeinsam das Lied über das Schiff, das wir alle so lieben. Beim kleinen Snack, der für uns in den Mannschaftsdecks gereicht wurde, gesellte sich auch die Nichte von Johann Wilhelm Kinau, dem eigentlichen Namen des Synonyms „Gorch Fock“, zu uns. Sie hatte damals beim Stapellauf 1958 unsere weiße Lady getauft.Nicht übel hätte ich Lust gehabt weiter zu fahren. Hinaus aufs Meer, auf zu neuen Abenteuern. Als wir wieder anlegten, trug ich ein glückliches Gefühl in mir. Das wird wahrscheinlich das letzte Mal in meinem Leben gewesen, dass ich nochmals auf „meinem Schiff“ mitfahren durfte. In fast liebevoller Art und Weise verabschiedete ich mich bei meinem abschließenden Flaggengruß von „meiner“ weißen Lady. Bei einem zünftigen Einlaufbier am Ende der Tirpizmohle, bei dem auch ein kleiner Imbiss in Form von Bockwürsten gereicht wurde, hatten wir nochmals die Gelegenheit, die gemachten Eindrücke auszutauschen und einen kleinen Smalltalk mit dem Kapitän zu halten.

Der Seemannsabend Wieder im Hotel angekommen, wurden bereits die Vorbereitungen für den anstehenden Seemannsabend getroffen. Dabei hatte ich für mich etwas Besonderes ausgedacht. Galt es doch, so hatte ich es mir pers��nlich vorgenommen, den 50-sten Geburtstag unserer alten Lady auch mit einem gebührenden Outfit meinerseits besonders zu würdigen. Also nahm ich die extra für diesen Anlass mitgebrachte „erste Geige“ mit und nahm somit an dem darauf folgenden Fest in Schlips und Kragen teil. Das dargereichte Labskaus-Buffet war genau das richtige Essen für einen solchen Seemannsabend. Selbst diejenigen unter uns, die keinen Fisch und dergleichen mochten (so wie meine Silvia) kamen auch nicht zu kurz, da für sie ein extra Ausweichessen bereitgehalten wurde. Auch an der musikalischen Unterhaltung fehlte es nicht. Besonders fiel mir dabei Hein Mück mit seinem Akkordeon auf, der es meines Erachtens, wie bereits bei unserer Ausfahrt auf der „Gorch Fock“, in besonderer Weise verstand, die Teilnehmer der Veranstaltung in seinen Bann zu ziehen.

2008: Ulli Kinau mit Kapitän Schatz auf dem Klavier. 50 Jahre zuvor ließ die die damals 14-jährige eine Sektflasche am Bug zerschellen und taufte das Schiff mit den Worten: „Boben dat Leben steiht de Dod, aber boben den Dod steiht wedder dat Leben. Ick döp di op den Naam ‚Gorch Fock‘!“ Auch an diesem Abend traf ich einen alten Kameraden. „Guten Abend Maat Ramolla“ sagte mein Gegenüber, den ich so im ersten Augenblick nicht so richtig zuordnen konnte. Doch nach Austausch von einigen gemeinsamen Erlebnissen fiel es mir dann wieder ein, dass sein damaliger Spitzname Gonzo lautete. So verbrachten wir bei allerlei Klönschnack einen weiteren wundervollen Abend im Kreise der Kameraden. So kam es, dass ich von den vorgetragenen Reden von Klaus Schmidt und anderen nichts so richtig mitbekam und darüber auch nicht ansatzweise berichten kann. Ich bitte das zu entschuldigen.

Kieler Woche Am Sonntag war dann der eigentliche Rückreisetag für den Großteil der Kameraden und deren Frauen. Da ich mir vorsorglich noch den Montag frei genommen hatte, konnte ich mit Silvia und meiner kleinen Kameradschaftsgruppe noch die vielfältigen Darbietungen der Kieler Woche am Sonntag ansehen. Also, Hindenburgufer rauf und runter. An der Blücherbrücke kamen wir auch vorbei. Irgendwie fehlte für mich das gewohnte Bild der dort liegenden „Gorch Fock“. Dadurch, dass dort nun Traditionssegler liegen, hat „unsere alte“ Blücherbrücke noch eine geeignete Weiterverwendung gefunden. Den Abend ließen wir dann in Eckerförde bei einem guten Essen beim Italiener und Anschauen eines Fußball-Länderspiels vergehen. Am nächsten Morgen machten wir uns dann auf den Heimweg. So long, bis zum nächsten treffen in Mainz. Mein besonderer Dank gilt dem Kameraden Klaus Schmidt, dem Kommandant Norbert Schatz und allen, die mit organisiert haben. - Das war Spitze. Organisator Klaus Schmidt führte souverän durch den Abend.

Raimond Ramolla

Ra i m o n d R a m o lla

Bericht über das Treffen in Mainz im April 2009

Gottfried Eisen organisierte ein Treffen in der alten Garnisionsstadt Das diesjährige Kameradschaftstreffen folgte einer früher eingeführten und bisher bewährten Praxis, im zeitlichen Abstand von 2 Jahren den Ort des Treffens einmal in den Norden und danach in den Süden Deutschlands zu legen. Dadurch sollte Kameraden, die aus dem südlichen Teil Deutschlands am Treffen teilnahmen, der beschwerliche lange Anfahrtsweg erleichtert werden. Für die Kameraden im Norden galt natürlich im 2-Jahreswechsel das Gleiche. So fuhren wir diesmal nach Mainz. Für mich und meine Silvia dauerte die Reise aus Köln kommend gerade mal 2 Stunden. Wir waren also Nutznießer der o.g. Regelung. Das für das Treffen vorgeschlagene Hotel lag etwas weiter weg von unserem diesjährigen Veranstaltungsort, dem Restaurantschiff „„Pieter van Aemstel““. Es lag an der Pier am gegenüberliegenden Rheinufer neben der Theodor Heuß Brücke und vor den Mainzer Reduit, einer alten Wehranlage. Das Schiff wurde 1964 in Scheveningen als Dreimastschoner gebaut und danach bis 1974 als Heringsfänger auf der Nordsee und dem grönlandischen Eismeer betrieben. Nachdem es 1975 als Nobelrestaurant umgebaut wurde und in Gronningen bis 1986 Verwendung fand, kam es anschließend nach Mainz. Die „Pieter van Aemstel“ ist 41 m lang, knapp 7 ½ m breit bei einem Gewicht von 640 Tonnen. Die Höhe vom Kiel bis zur Spitze des 1. Mastes beträgt 28 Meter. Die Schiffswand besteht aus einem Stahlmantel mit der Breite von 1-1,5 cm. – Ein wahrhaft geeigneter Ort für unser Treffen!

Doch diesmal stand unser Treffen auch unter keinem guten Stern. Wir hatten die Kameradin Jenny Böken auf See verloren. Im Anschluss an die Beerdigung hatte die Bordkameradschaft ein Kondolenzbuch hergestellt, in das sich die Kameraden auf dem Treffen noch eintragen konnten. Das Kondolenzbuch sollte im Verlauf des Treffens an die Mutter von Jenny, Marlis Böken, übergeben werden. Sie plante im Rahmen unseres Treffens, uns eine von ihr mit prominenter Unterstützung gegründete Stiftung vorzustellen. Ziel der Stiftung ist es, verunglückten Bundeswehrangehörigen und deren Hinterbliebenen unkompliziert und schnell mit Rat und Tat sowie finanziell zu helfen. – Es kam aber anders. Als ich in Mainz eintraf, erfuhr ich von einem schrecklichen Unfall, den Marlis Böken bei einer Autofahrt durch Friesland erlitten hätte. Dabei sei sie sehr schwer verletzt worden und könne folglich nicht am Treffen teilnehmen. Ihr Rechtsanwalt übernahm dann letztendlich die Aufgabe, uns über den geplanten und weiteren Verlauf der Stiftung zu informieren. Doch noch eine schlechte Nachricht erreichte uns. – „Hein Mück“, unser lieb gewonnener Kamerad von unserem letzten außerordentlichen Treffen in Wittensee war unheilbar erkrankt. Trotz all dieser unabwendbaren Ereignisse geht das Leben halt weiter und wir ließen es uns nicht nehmen, trotzdem zu feiern. Ich bin davon überzeugt, würden wir Marlis Böken

Fertig zur Stadtbesichtigung – und es gab viel zu sehen.

Ein Wiedersehen in angenehmer Umgebung: Das Marineheim der MK Mainz.

Der Crewchef der Bordkameradschaft, Peter Jacobs, überreicht dem Vorsitzenden des Marinevereins 1889 e.V. Mainz, Rüdiger Stettner, ein Gorch-Fock-Wappen.

und auch Hein Mück trotz dieser unglücklichen Geschehnisse bei uns gehabt haben, sie würden diesen Gedanken unterstützen. So ging es im Anschluss an ein kurzes Beisammensein auf der „Pieter van Aemstel“ hinüber zum Mainz-Kasteler Reduit. Die Reduit war

Ein Wiedersehen in angenehmer Umgebung: Das Marineheim der MK Mainz.

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Bier, Wein und Ribbscher einen wunderbaren Abend bei unseren neuen Freunden in Mainz.

St. Stephan Kirche: Drei der neun Chorfenster von Marc Chagall.

ein Teil der Festung Mainz und das Bollwerk, das den rechtsrheinischen Brückenkopf der Schiffbrücke über den Rhein in der Nähe der heutigen Theodor-Heuss-Brücke schützte. Die Reduit wurde zwischen 1830 und 1834 von österreichischen Pionieren errichtet. Sie besteht aus einem zweistöckigen Hauptbau mit Nebengebäuden. Sie schützte landseitig den Zugang und kontrollierte wasserseitig die Schiffsbrücke. Zur Zeit des Deutschen Bundes bildeten preußische und österreichische Soldaten die Garnison der Reduit. Um 1900 war das 2. Nassauische Infanterieregiment Nr. 88 der 21. Division dort stationiert. Im zweiten Weltkrieg wurde die Reduit beschädigt, in den 1950ern und 60ern jedoch wieder hergerichtet. Heute sind in ihr mehrere Kasteler Vereine, unter anderen auch der Marine Verein 1889 e.V. der uns bereits in seiner Gaststube erwartete. Das alte Gemäuer mit seinen Schießscharten und Bogengewölben bot genau den richtigen Rahmen für urige Gemütlichkeit. Auch für das leibliche Wohl hatten die KameradenInnen des Marine Vereins 1889 e.V. gesorgt. Dem Dialekt nach konnte ich zwar erst nicht so richtig zuordnen, was es gab. Es gab „Ribbscher“, was immer das sein sollte, mit Sauerkraut. Später stellte sich heraus, dass damit so eine Art Kassler gemeint war. Also verbrachten wir bei

Ulrich Hühne studiert mit dem Chor einen Canon ein: Heho, Heho …

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Der nächste Tag war dann wieder einem vororganisierten Programmplanpunkt gewidmet. Wir waren zu einem Sektempfang mit anschließender Führung in den Osteiner Hof in Mainz am Schillerplatz eingeladen. Der Osteiner Hof wurde zwischen 1747 und 1752 errichtet. Auffallend nehmen sich die drei vorspringenden Wölbungen (Risalite) in der Mitte der Fassade und an den Seiten des dreiflügeligen Profanbaus aus. Den Mittelrisalit wölben Toreinfahrt und längsovaler Festsaal nach außen. Die Giebelaufsätze über den Risaliten tragen Puttenfiguren und in der Mitte eine Wappenkartusche, die von einem Kurhut bekrönt wird. Das Wappen zeigt den Osteiner Windhund, sowie das „Mainzer Rad“. Rokokokartuschen über den Fensterrahmen, wie die Symbole für die Elemente Erde, Luft und Wasser sowie Diana und Mars über den Balkontüren, dekorieren ebenso das Gebäude wie die an den beiden Seitenwänden der Einfahrt zierenden Reliefs mit Musikinstrumenten. Bei Beginn des deutsch-französischen Krieges war der Osteier Hof Hauptquartier des Prinzen Friedrich Karl von Preußen. 1914 wurde vom Mittelbalkon aus der Mainzer Bevölkerung der Ausbruch des Ersten Weltkriegs (1914-1918) durch General Hugo von Kathen bekanntgegeben. Im Zweiten Weltkrieg brannte auch dieses Gebäude völlig aus, wurde aber auf Betreiben der Besatzungsmacht Frankreich bereits 1947/48 wiederhergestellt. Heute dient es noch als Standortkommandantur der Bundeswehr und als Ort der alljährlichen Verkündung der „5. Jahreszeit“. An jedem 11.11. um 11:11 Uhr wird vom Balkon die närrische Zeit ausgerufen. Nach erfolgreichem Empfang mit anschließender Innenhausbesichtigung ging es dann hinaus in die Altstadt. Auch hier wurden Führungen zu den Sehenswürdigkeiten von Mainz angeboten. Meine kleine Gruppe hat sich da ein wenig herausgenommen und einfach abgesondert. Ich selbst stellte mich als Stadtführer zur Verfügung, da ich hier in Mainz studierte und durch meinen mehrjährigen Aufenthalt einiges an Ortskenntnis besaß. Nach einer Stärkung mit Kaffe und Sahnetorte ging es erst einmal über den Marktplatz mit seinen überreichlichen Angeboten an allem, was die Region an Obst, Gemüse und sonstigem Selbstgemachten hergab. Anschließend nahmen wir den Mainzer Dom unter die Lupe. Ein dort auf Grabtafeln mehrfach dargstelltes, uns letztendlich unbekanntes Zeichen gab uns bis zum heutigen Tage ein ungeklärtes Rätsel auf. Es ging vorbei an meiner damalige Hochschule,

Alleine das Gutenbergmuseum ist eine Reise nach Mainz wert, fanden viele.

die sich neben dem Holzturm in der Mainzer Innenstadt befand. Hier saß damals der über die Landesgrenzen hinaus bekannte Schinderhannes im Gefängnis. Weiter ging es durch die touristische Attraktion Augustinergasse, hindurch durch alte Gassen mit mittelalterlich anmutenden Häuserzeile, hinauf zur großen Weißgasse. Dort hatte ich meine erste Studentenbude. Aber dort befand sich auch die weltberühmte St. Stephan Kirche, deren Chorfenster in Deutschland einzigartig sind und ab 1978 von Marc Chagall gestaltet wurden. Chagall wollte sein Werk als Beitrag zur jüdisch-deutschen Aussöhnung verstanden wissen. St. Stephan wählte er wegen seiner Freundschaft zum damaligen Pfarrer von St. Stephan, Monsignore Klaus Mayer. Bis zu seinem Tod 1985 schuf Chagall insgesamt neun Fenster, die in ihren verschiedenen leuchtenden Blautönen biblische Gestalten und Ereignisse darstellen. Eine der bekanntesten Szenen ist die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies. Nach seinem Tod wurde die Arbeit an den restlichen Fenstern von einigen seiner Schüler fortgesetzt und beendet. Am Abend rundete dann eine gesellige Mitgliederveranstaltung das Treffen ab. Der Rechtsanwalt der Jenny Böken Stiftung stellte in einem Vortrag die wesentlichen Eckpunkte der Stiftung vor. Die Vorstandsmitglieder berichteten umfassend über ihre vergangene Amtsperiode. Maritimes Highlight stellte an diesem Abend ein ortsansässiger Shanty-Chor dar. Sie outeten sich zu Anfang ihrer Darbietungen, dass noch niemand von ihnen zu See gefahren sei. Der Chor und im besonderen die hoch engagierte Chorleiterin brachten eine derartige Vorstellung, dass es richtig rund ging auf dem Schiff. Wieder einmal hatten wir es geschafft, ein geselliges Treffen im Kreise unserer Kameraden und deren Frauen hinzubekommen. Silvia und ich freuen uns schon auf das nächste Wiedersehen im Norden. Raimond Ramolla

Hajo Strotkamp

Wir g ra t u l i e re n ! In diesem Jahr feierten folgende Mitglieder der Bordkameradschaft runde Geburtstage (ab 50 Jahre).

85 Jahre

Mechthild Noßol (9.7.) Horst Stange (23.7.) Gerhard Schott (18.10.) Peter Watzlawik (14.12.) Fritz Röttgers (20.12.)

Kapitän zur See Hans Freiherr von Stackelberg (23.8.)

60 Jahre

70 Jahre Günter Schwellnus (23.1.) Herbert Ries (15.2.) Peter Jacobs (16.2.) Horst „Olle“ Kleibauer (28.3.) Heinz Isgen (8.4.) Kapitän zur See Nickels Peter Hinrichsen (2.5.) Karl-Heinz Preis (12.6.) Klaus-Peter Hoffstetter (21.9.) Gottfried Eisen (23.10.) Jürgen Noßol (4.11.) Wolfgang König (15.11.) Heinz Schwartz (25.12.)

65 Jahre Hermann Toelstede (5.1.) Peter Hesse (2.2.) Manfred Theobald (28.3.) Klaus Saazer (31.5.)

Ich bin am 27.7.1951 in Hückeswagen geboren. Nach der abgeschlossenen Schulausbildung habe ich eine Lehre zum Bau- und Möbelschreiner begonnen und abgeschlossen. Noch in der Ausbildung bekam ich Post vom Bund und man wollte mich in einen Panzer stecken. Dort wollte ich aber nicht hin. Am 2.10.1971 habe ich dann als Z 4er „Seeziege“ im Zug nach Brake gesessen und fuhr zur Marine. Von Januar bis Mai habe ich auf Borkum den Gastenlehrgang und F 1 besucht. Dann folgten Ari-Schule in Ellenberg und MUS in Plön. Wegen der Olympiade aber nur für 6 Wochen. Die restlichen 6 Wochen war ich in Kiel-Schilksee und durfte dort die Segel-Olympiade mit erleben. Im Oktober kam dann mein Wunsch-Bordkommando SSS “GORCH FOCK“ und ich bezog meine Koje im Hüpfer-Rack des U-Decks. Ich erlebte unter dem Kommandanten Kpt. z.S. Hans Freiherr von Stackelberg und dem IO Kpt. Horst Wind und später Kpt. Immo von Schnurbein eine wunderschöne Zeit. Insgesamt 6 Reisen durfte ich mitmachen (41. 46. AAR). Die schönsten Erlebnisse waren die Regatta von Kopenhagen nach Gdingen, die Fahrt unter Segel die Themse hoch und mit Vollzeug

Klaus Schmidt (14.3.) Volker Sturmat (29.3.) Wolfgang Glatzel (23.7.) Kurt Kaulfuß (27.7.) Gerhard Reinhard (7.9.) Wolfgang Dieter Werner (7.9.)

50 Jahre Heinz Schlaback (21.9.) Der Vorstand der BK und die Mitglieder des Redaktionsteams wünschen Gesundheit, Wohlergehen und Zufriedenheit. Zum Geburtstag Zufrieden sein ist große Kunst, zufrieden scheinen bloßer Dunst, zufrieden werden großes Glück, zufrieden bleiben Meisterstück. - Sprichwort -

Claus Epp Am 12. Februar 1935 bin ich in Danzig geboren. Im März 1945 mussten wir fliehen und fanden in Bützfleth bei Stade eine neue Heimat. Seit 1965 wohne ich mit meiner Familie in Buxtehude. Nach meiner Berufsausbildung zum Bau- und Möbeltischler kam ich am 1. November 1957 als Freiwilliger zur Grundausbildung zur 4. Schiffsstammabteilung (4.S.St. A.) nach Eckernförde. Es folgten A- und B-Lehrgang (seemännisch) und der Maatenlehrgang (MUS) in Eckernförde. Am 1.November1958 kam kam ich als Obergefreiter auf das Segelschulschiff Gorch Fock. In Hamburg bei Blohm & Voss habe ich in der Takelage gearbeitet, die SSS „Gorch Fock“ am 17. Dezember 1958 mit in Dienst gestellt und bei jedem Wetter mit eingesegelt. 1961 und 1962 als Ausbilder. Nach vielen Reisen mit unvergesslichen Erlebnissen ging ich zum 1. Oktober 1962 als Obermaat von Bord und kehrte nach meiner Marinezeit zum 31. Oktober 1962 zurück

ins Zivilleben. Am 1. Januar 1971 fing ich als Schulassistent in der Halepaghen-Schule (Gymnasium) in Buxtehude an und blieb dort bis zum Rentenalter.

unter der Towerbrigde durch, sowie die Reise mit dem damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann.. Am 3.10.1975 packte ich zum letzten Mal meinen Seesack, gab ihn bei der Kleiderkammer ab und fuhr mit meinen Siebensachen nach Hause zu Frau und Tochter. Ich begann dann die Ausbildung bei der Polizei des Landes NRW und wechselte nach Abschluss zur Wasserschutzpolizei. Dort hatte ich wieder meine Wäsche „Vorn“. Nur das Abziehbild auf dem Ärmel störte ein wenig das Erscheinungsbild. Mit unserem 17,50 m / 22 to Streifenboot habe ich seit 1979 jede Menge Sicherheit auf dem Rhein produziert. In der Bordkameradschaft nutze ich die Möglichkeit bei den immer wieder stattfindenden Treffen die alten Fahrensleute wiederzusehen.

Horst Kleibauer „Olle“ Noch während meiner Jahre zum Elektroinstallateur von 1954 - 1957 hatte ich mich bei der Marine beworben. Am 27. / 28. März 1957 war dann in Wilhelmshaven Werfttor 1 die Aufnahmeprüfung. Da meine Gesellenunterlagen nicht schnell genug in Wilhelmshaven waren kam ich erst am 2.12 1957 zur 1/1. SSTA nach Schlicktown. Nach der Grundausbildung ging es nach Bremerhaven zur TMS II als ME43er. Am 1. 8.1958 kam ich dann als E - Heizer nach Hamburg zu Blohm und Voss: Baubelehrung Segelschulschiff. Unser Büro und unsere Unterkunft waren auf dem Wohnschiff Alter Hafen. Anhand der alten Gorch Fock Zeichnungen und an Bord auf den Helgen lernte ich sehr schnell das Schiff von oben bis ganz unter kennen. Die ersten fünf Reisen machte ich mit und kam am 6.1.1961 zur TMS II zum F1 Lehrgang und anschließend zur MUS nach Plön. Am 1.10.1961 war ich dann wieder auf der Gorch Fock bis zum 31.12.1963. Zwischenzeitlich liefen noch Lehrgänge auf der Bundeswehr-Fachschule und ein Kompaßlehrgang. Ab Januar 1964 war ich sechs Jahre Betriebselektriker und habe in dieser Zeit in Abendschule meinen Elektromeister gemacht. Danach war ich 34 Jahre bei Alfa Laval ( jetzt Tetra Pak Processing ) beschäftigt. Am 31.3.2004 bin ich nach 50 Arbeitsjahren in den wohlverdienten Ruhestand eingetreten. 1965 war ich vier Wochen auf der MUS und habe dort den FeldwebelLehrgang absolviert. Dann gab es noch 1967 und 1970 zwei MOBÜbungen beim 4. Minensuchgeschwader auf dem KM-Boot Paderborn. Man kann sagen : „Er kam als Matrose und ging als Obermaat!“ In meiner Freizeit bin ich im Schützenverein und schieße über Kreis,Bezirks,- und Landesmeisterschaften bis zum Deutschen Ältestenschießen in Dortmund. Im Sommer segeln wir noch mit vier Mann mit einer 12 m Yacht wochenlang auf der Ostsee. 21 BORDKAMERADSCHAFT Segelschulschiff Gorch Fock

Ein Souverän feierte 85. Geburtstag Wir gratulieren unserem Mitglied Kapitän zur See Hans Freiherr von Stackelberg Geboren 1924 in Reval (Estland), nach Abschluss der Oberschule Dienst in der Marine als U-Boot-Wachoffizier, 1956 Eintritt in die Bundesmarine als Oberleutnant zur See, 1958 - 1960 Besuch mehrerer Ausbildungslehrgänge in den USA, sowie Bordkommandos auf Amphibienfahrzeugen und Zerstörern, sämtliche Offiziersdienstposten auf der „GORCH FOCK“ durchlaufen, vom Segeloffizier bis zum Kommandanten (1972 -1978), danach Referent im Führungsstab der Marine für die Handelsmarine in Hamburg, und ab 1984 Präsident der „Sail Training Association Germany“. Kapitän zur See Hans Freiherr von Stackelberg hat erlebt, wovon viele nur träumen: Abenteuer auf hoher See, Seemanns-Romantik, echte Kameradschaft und den Besuch von Königen, Staatspräsidenten und Politprominenz aus aller Welt. Unzählige Geschichten wurden über ihn geschrieben. Im New Yorker Hafen ritt er im Sattel eines Polizeipferdes an Bord. Von Stackelberg war es auch, der das Gorch-Fock-Lied „Weiß ist das Schiff, das wir lieben / Weiß seine Segel, die sich blähn...“ geschrieben hat. Er war der fünfte von den bis heutigen zwölf Kommandanten „unseres“ Schiffes. Zur stillen Verwunderung vieler Seeleute hat er es geschafft, „Mister Gorch Fock“ zu werden. Kein Treffen der Bordkameradschaft ohne ihn. In letzter Zeit ist dieses

1975: Feier im Stammdeck: Günther Bartusch, Kpt. von Stackelberg, Bartolomäus Maierthaler. Heute: Mitglieder der Bordkameradschaft.

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BORDKAMERADSCHAFT Segelschulschiff Gorch Fock

aus gesundheitlichen Gründen nur gedanklich möglich. Aber schriftliche Grüße an die Kameradschaft mit einem Spruch oder Gedicht treffen immer ein. Jedes Ereignis, an dem das Schiff beteiligt ist, stößt auf allergrößtes Interesse. Oft lässt er es sich bis heute nicht nehmen, dabei zu sein, wie die Fotos auf diesen Seiten belegen. Als sich der Abschied von Bord abzeichnete und feststand, dass er sein Kommando an Kapitän Horst Wind übergeben würde, schrieb Peter Pedersen nachstehenden Bericht, den wir hier gerne als Laudatio stehen lassen.

Der Botschafter in Blau geht von Bord PETER PEDERSEN | © DIE ZEIT, 09.12.1977 Nr. 51

Gorch-Fock-Kapitän Stackelberg war ein „Crack“ der Meere Hamburg Der meist genannte, meistfotografierte, meist gefilmte deutsche Seemann ist ein für allemal an Land gegangen. Nach dreizehn Jahren Dienst auf der „Gorch Fock“, die letzten sechs als Kommandant, wechselt der Kapitän zur See Hans Freiherr von Stackelberg, 53 Jahre alt, auf einen Führungsstabsposten in festen vier Wänden. Als „Botschafter in Blau“ hat man ihn gerühmt. Vergleichbar allenfalls mit jenem Grafen Luckner, der in den zwanziger Jahren „Amerika eroberte“, wie man triumphierend von dessen Sympathiefeldzug für Deutschland berichtete, hat er die erfolgreichsten Kaperfahrten in den Regionen nationaler PR, der public relations für die Republik, unternommen. Sein Schiff war sozusagen vollbeladen mit Vertrauenswerbung. Sein Bild, vom Fernsehen verbreitet bis in den tiefsten Bayernwald, haben Millionen Menschen gesehen: wie der Souverän auf dem Achterdeck seinen

Kapitän zur See Hans Freiherr von Stackelberg, 1972 - 1977 Kommandant der „Gorch Fock“.

Blick gen Horizont und sodann auf Masten, Rahen, Wanten richtet und knappe Befehle erteilt, die unverzüglich unter dem Gerufe und Geschrei der Offiziere und Maate, verstärkt durch Megaphone, überschrillt von Pfiffen, ein Gewimmel von Kadetten irgendwas aufführen lassen, was sich ausnimmt wie die wohl geordnete Vorstellung eines Irrenhauses, ein Segelmanöver mithin, und wie dabei gottväterliches Wohlgefallen sich ins strenge Kommandantenauge schmuggelt; und weiche Blende von der Großaufnahme zur Totalen: Die Bark rauscht in frischer Brise dahin ... Das Leben ein Drehbuch? Von der Karriere des Hans von Stackelberg könnte man‘s getrost behaupten. Doch wer ihm Starattitüden nachsagte, hatte die Brille des Neides auf der Nase. Ein Star war er nicht; er wurde, sportlich ausgedrückt, ein Crack auf dem Weltmeer. In Wettfahrten der Großsegler brachte er die „Gorch Fock“ stets an oder mindestens in die Spitze. Er hat die bislang letzte Regatta dieser Art, mit achtzehn Schiffen aus vierzehn Ländern, aus Anlass der 200-Jahr-Feier der USA, glänzend ge-

1972: Kommandoübernahme von Kapitän zur See Ernst von Witzendorf.

wonnen. „Und auf der Heimreise setzte er im vergangenen Sommer gleichsam das Ausrufezeichen hinter die Beweise seines seemännischen Könnens: Mit 306,5 Seemeilen erzielte die „Gorch Fock“ das beste Etmal, das man für ein Segelschiff gemessen hat. Ein Etmal ist die von Mittag bis zum nächsten Mittag zurückgelegte Strecke (in diesem Fall rund 568 Kilometer; eine Seemeile gleich 1852 Meter). Zu diesem Rekord gehörte natürlich Wetterglück. Aber, im Wetterunglück, wie im Orkan während seiner letzten Fahrt mit der „Gorch Fock“, hat Hans von Stackel-

1975: Mit Vollzeug unter die Tower Bridge hindurch.

berg sich erst recht als Seemann ersten Ranges erwiesen. „Stürme, Sport und Staatsbesuche“ heißt sein (fünftes) Buch, das in Kürze herauskommt. Mit dem Sport allerdings ist nicht nur das Segeln gemeint. Der aus dem Baltenland stammende Baron kann sich alle deutschen Reiter- und Fahrerabzeichen ans Marinejackett stecken, ist geprüfter Reitlehrer, amtiert als Turnierrichter und hat seine Reisen mit dem Segelschulschiff immer wieder zu reiterlichen Abenteuern genutzt. Er ritt auf Mustangs in den Rocky Mountains, auf Ponys auf Island, auf Berberhengsten in der Wüste und sogar auf Picadorenross in spanischer Stierkampfarena. In Marokko absolvierte er die Springreiterausbildung an der Kavallerieschule. Etwa vierzigmal hat er in England und Irland an Fuchsjagden teilgenommen. Dass der Botschafter in Blau auch im roten Rock beeindruckte, hat seine Popularität im Ausland noch erhöht. An Bord hat er Dutzende von Staatsoberhäuptern und Regierungschefs begrüßt. Die „Gorch Fock“, das unbewaffnete Kriegsschiff in nostalgischer Segelpracht, ist in jedem Hafen willkommen. Ihr Kommandant hat erfahren, „dass die Völkerverständigung auf dieser Ebene im Grunde eine sehr einfache Sache ist“ (wie er im „Hamburger Abendblatt“ erklärte). Sprüche, die dennoch auf Schwierigkeiten hindeuten, dürften ihm zwar nicht unbekannt sein: „Gott schütze uns vor Sturm und Wind und den Deutschen, die im Ausland sind“; und gewiss kennt er die lapidare Warnung an den braven Seemann: „Die Haie sitzen an Land!“ Aber zweifellos hat er recht: PR per Segelschulschiff fällt leicht. Er selbst hat aber auch konstatiert, dass die Aufgabe der „Gorch Fock“ eigentlich „nicht Öffentlichkeitsarbeit, sondern Ausbildung“ ist. Der Kommandantenwechsel könnte da Anlass bieten, wieder einmal über Sinn und Zweck der schon fast zwanzig Jahre alten, ins Schiffsgreisenalter kommenden Bark nachzudenken. Man weiß, dass KostenNutzen-Rechner im Bundesverteidigungsministerium mit der „Auslastung“ des Segelschulschiffs nicht zufrieden sind. Es gibt den Spott der Technokraten, dass man, bitte sehr, Soldaten, bevor sie in Leopard-Panzern fahren, vierspännig üben lasse; und ernsthaft hat man überlegt, ob es nicht besser sei, die Ausbildung unter Segel von dem einen großen Schiff auf mehrere

2008: Ansprache bei der Buchvorstellung 50 Jahre „Gorch Fock“.

kleinere mit etwa dreißig, vierzig Mann Besatzung zu verlegen. Billiger wär‘s wohl. Doch den public relations-Wert der „Gorch Fock“ könnte man damit nie erreichen. Vorerst geht sie zur Überholung in die Werft. Es sieht so aus, als werde die Nation sich das bisschen Volkswirtschaftsluxus eines großen Segelschulschiffes weiterhin leisten, einen Luxus, der keiner ist. „Seemännisch“, sagt der Seemann Hans von Stackelberg, „kann die Ausbildung gar nicht besser sein.“ Und darüber, dass die weiße Bark, wo immer sie aufgekreuzt ist, den „hässlichen Deutschen“ nach Lee verdrängte, braucht er kein Wort zu verlieren. Ihr nächster Kommandant ist designiert. Er war schon Erster Offizier auf der „Passat“, dem Segelschulschiff der Handelsmarine, das mittlerweile an den Pfählen in Travemünde stilliegt, und in gleicher Dienststellung fünf Jahre auf der „Gorch Fock“. Er heißt Horst (nomen est omen) Wind. Peter Pedersen

Kiel: Windjammerparade 2008. BORDKAMERADSCHAFT Segelschulschiff Gorch Fock

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Gorch-Fock-CD

DVD Gorch-Fock 1958 wurde das Segelschulschiff der Deutschen Marine fertig gestellt. Gezeigt wird der Bau mit vielen spannenden Detailinformationen. Erleben Sie hautnah den Stapellauf des größten Segelschiffs der Deutschen Marine. Die anschließende Sicherheitsprüfung zeigt, welchen Gefahren vorgebeugt werden muss. Aber das Schönste sind die Bilder der stolzen Bark, wenn sie sich unter vollen Segeln auf den Weltmeeren zeigt.

Großsegler - Faszination unter Segeln Sie sind die Königinnen der Meere und der Stolz jeder Nation: die majestätischen Großsegler. Einst beherrschten sie die Sieben Weltmeere, doch schließlich liefen ihnen die Dampfer den Rang ab. Doch an Schönheit und Erhabenheit haben sie bis heute nichts eingebüßt. Jedes Jahr aufs Neue strömen Zehntausende von begeisternden Zuschauern zu den großen WindjammerRegatten an der Nord- und Ostsee. Dieser praktische Taschenguide aus der erfolgreichen PPV-Reihe »Typenkompass« nennt alle wichtigen Fakten und wissenswerten technischen Daten zu den wichtigsten Windjammern, die heute noch segeln.

Inhalt: F 0306 Sicherheitserprobung des Segelschulschiffes „Gorch Fock“ (1960), 27 Min, sw Wichtige Prüfungen zur Festigung der Stabilität und der Sicherheit. F 0307 Bau und Ausrüstung eines modernen Segelschulschiffes (Gorch Fock) (1960), 24 Min, sw. Bauarbeiten an der „Gorch Fock“ auf der Schiffswerft Blohm & Voss, Hamburg, in den Jahren 1957/58.

Ausschnitte aus: F 0133 Bundesmarine seeklar (1958), 1 Min, sw. U.a. das Segelschulschiff Gorch Fock mit seinen Seekadetten während der Ausbildung. F 0698 Marine (1967), 5 Min, Farbe. Ausbildung der Überblick über die gesamte Bundesmarine. Prädikat „wertvoll“. V 1085 Die nasse Flanke (1978), 1 Min, Farbe. Portrait der Marine und ihrer Soldaten. Prädikat „wertvoll“.

Offizielle Euro-Gedenkmünze 50 Jahre Segelschulschiff Gorch Fock Herkunftsland: Deutschland Prägestätte: Staatliche Münze Berlin Feingewicht: 16,65 Gramm Feinheit: 925/1000 Silber (999,9/1000 mit Gold veredelt) Nennwert: 10 Euro Durchmesser: 32,5 mm Prägejahr: 2008 Erhaltung: Stempelglanz Verpackung: gekapselt

Preise: Gorch-Fock-DVD Großsegler Faszination unter Segel Gedenkmünze teilvergoldet Bestellungen bitte an: Hermann Dirkes Steinbach 37581 Bad Gandersheim Telefon (0 53 82) 95 82 91 E-Mail: info@gorchfock.de

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BORDKAMERADSCHAFT Segelschulschiff Gorch Fock

19,95 Euro 9,90 Euro 19,90 Euro

N i c h t n ur ein Ritt au f d e n Wellen Ein Erlebnisbericht des Wachtmeisters Oberbootsmann Claus Wedemeyer Die 33. AAR der „Gorch Fock“ KielTromsö-Akureyri-Kiel vom 27.7. bis 2.9.1969 unter Kapitän Ernst von Witzendorf und dem 1. Offizier Freiherr Hans von Stackelberg war in jeder Hinsicht ein besonderer Segeltörn. Acht Schüler, die ein Preisausschreiben der Bundesmarine gewonnen hatten, begleiteten die Fahrt durch den Großen Belt, das Kattegat, vorbei am Feuerschiff Skagen und die Südküste Norwegens entlang. Das norwegische Kadettenschulschiff „König Haakon VII“, ebenfalls auf Ausbildungsreise, wünschte per Morselampe „Gute Fahrt“.

Die Polarkreistaufe Am 2.8.1969 wurde der Polarkreis nördlicher Breite passiert. Seit Tagen war die Anspannung unter den Täuflingen spürbar und immer wieder fanden die schlimmsten Rituale, die Neptun und seine Trabanten den Täuflingen über den Bordfunk prophezeiten, ängstliche Zuhörer. Die wüstesten Drohungen mit dem aufhängen einer Puppe in der Takelage und umgehängten Schild um den Hals „So ergeht es jedem Nep-

tunnachahmer“ konnten auch durch die Flugblättern, mit denen Neptun als „Papiertieger“ bezeichnet wurde, nicht mehr für Entspannung sorgen. An Steuerbord kamen die Schneebedeckten Berge der Lofoten in Sicht und die Meldung, das jeden Moment Neptun und sein Hofstaat über das Seefallreep an Bord kommen. Der Kommandant meldete auf dem Mitteldeck die Besatzung zur Polarkreistaufe angetreten. Neptun nahm Platz und macht in seiner Ansprache deutlich, dass nur wenige Menschen den nördlichen Polarkreis überfahren haben und noch weniger dieses auf einem Segelschiff, was eine besondere Ehre für uns Täuflinge sei. Wilde Trabanten stürzten sich dann Tauende schwingend auf die Täuflinge, zerrten sie vor Neptuns Füße, die sie küssen mussten, verabreichten Gewürzpillen und spülten diese mit scharfem Trank mittels Spritze den Rachen hinunter. Einige Täuflinge wurden an den Pranger gekettet, mit Holzmessern der Kopf geschoren und dann kopfüber in den Badebottich getaucht. Mit einem Quast voller Lauge wurde der Mund ausgespült und der Täufling danach durch den Windsack getrieben, auf den die Trabanten mit Ruten einschlugen und an dessen Ende dann mit einem Strahl Wasser aus den Feuerwehrschläuchen der Täufling in Empfang genommen wurde. Nach reichlichen Blessuren und blauen Flecken wurde mit einem Becher voll „Feuerwasser“ der nun getauft und für würdig empfundene Seemann entlassen. Bei Kaffee und Kuchen aus der Bordküche verteilte der Kommandant am Nachmittag die Taufurkunden

Vor Anker bei der Insel Andöy Die 8 Schüler, die uns bis hierher begleitet hatten, wurden mit einem U-Bootjäger der Bundesmarine von der Insel zurück nach Deutschland geflogen.. Für sie mit Sicherheit ein einmaliges Erlebnis. Bei strahlendem Sonnenschein kam zur Mittagszeit mit dem üblichen Zeremoniell der

Deutsche Botschafter in Norwegen zu uns an Bord, der uns bei der Fahrt durch die Vjorde über Tromsöe mit Kurs über das Nordkap begleitete.

Kurs auf Grönland und Törn nach Island Unterwegs hatte wir erheblich mit dem Wind und dem Wetter zu kämpfen. Die Segel mussten geborgen und vielfach gerefft werden. Kommandant und Obersteuermann setzten den Kurs auf Grönland fest. Das Auftauchen einer Herde von fast 30 Walen, mit ausblasen der Luft, ein tolles Schauspiel, die Begleitung der Bark durch viele Tümmlergruppen ließen immer wieder die Kameras an Bord klicken und Erinnerungsfotos für die Fotoalben schießen. Einige Tage mit dichtem Nebel und dadurch sehr konzentrierten Wachgängen und Signalgebung durch unser Nebelhorn, wurden mit der Maschine gefahren um besser das Schiff manöverieren zu können.

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Unterwegs auf dem Rücken der Islandpferde Mit dem Einlaufen in Akureyri sollte ein großes Abenteuer für alle Offiziere und Portepeeunteroffiziere der „Gorch Fock“ beginnen Nach langer Vorbereitung und regem Briefwechsel zwischen dem deutschen Konsul in Akureyri und dem 1. Offizier und begeistertem Reiter Freiherr von Stackelberg standen 25 Reit- und zusätzlich Packpferde für einen Biwakritt zur Verfügung. Im Rahmen der „körperlichen Ertüchtigung“ sollte ein Zwei-Tage-Distanzritt durch die Isländische Gebirgswelt folgen. Theoretische und praktische Kenntnisse im Umgang mit den Ponys wurden vom 1. Offizier in einem einstündigem Reittraining allen Teilnehmern vermittelt. Doch schon die ersten Reiteinlagen brachten Lachsalven und die ersten Bodenkontakte durch unfreiwilliges Absitzen. Unter großem Hallo und Ahoi und mit mulmigen Gefühlen setzte sich der Tross in Bewegung.

Zwei einheimische Führer als Begleiter zeigten den Weg Richtung Fnjöshader Tal. Die besondere Gangart der Pferde, der „Tölt“ oder Streckgalopp zwang zu besonderer Aufmerksamkeit. Es ging über Stock und Stein über Anhöhen und durch Nebelfelder wurde das Ziel, ein verlassenen Bauernhof „Sölastadir“ inmitten eines herrlich gelegenen Tales durch den sich der Fnjoshafluss schlängelt, erreicht. Die Pferde wurden abgesattelt , die Hafersäcke umgehängt und auf die Koppel getrieben. Über dem entfachten Lagerfeuer wurden Spieße mit Hammel und Spanferkel gehängt. Bratwürste und weitere Stärkung warteten auf dem Grill auf die hungrigen Münder. Bei Gitarrenklängen, vom 1. Offizier gezupft, wurden Volkslieder und Seemannslieder mit den Gästen und Bordkameraden gesungen. Um Mitternacht verließen der Botschafter und der Konsul das Biwak. Der Tross kroch in die Schlafsäcke mit der ausgegebenen Parole „Wir reiten um acht!!“ Mit dem Klappern des Kaffeegeschirr und dem Geruch frischen Kaffee´s wurden die müden Geister geweckt. Auf der Koppel wurden die Pferde gesattelt und breitbeinig wie die Cowboys nach dem „round up“ wurden die Pferde bestiegen, von Druckstellen

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und blauen Flecken geplagt. Bei herrlichem Wetter wurde Akureyri erreicht und somit der Pferdestall als Ausgangspunkt und Endpunkt des Ausrittes. Nach dem Absitzen waren sich alle Reiter einig, ein grandioses, einmaliges Erlebnis als Seemann auf einer AAR erlebt zu haben.

Rückreise nach Kiel Auslaufen, hieß es im Bordbefehl, am 21. 08. 1969 um 09.00 Uhr, nach Kiel. Durch die Dänemarkstraße ging es in die Irminger See. Kräftig pustet uns der Wind in Richtung Heimathafen durch den „Rosengarten“, wie der Atlantik zwischen Island und Färör Inseln genannt wird. Mit einem Etmal von 276 Seemeilen - eine Strecke von 12.00 Uhr mittags bis 12.00 Uhr mittags des folgenden Tages - legten wir eine große Distanz zurück. Vorbei an den Fair Islands, einer Inselgruppe zwischen den Shetlands und Orkneys liegend, erreichen wir ruhigere Dünung im Atlantik. Nach der Zollabfertigung in der Eckernförder Bucht waren wir 2 Tage später, nach einer zurückgelegten Distanz von 4633 Seemeilen, 37 See- und 7 Hafentagen in unserem Heimathafen Kiel. Geändert, zusammengefasst und gegliedert von Reinhard Claves für das Magazin der Bordkameradschaft. Originalbericht von Claus Wedemeyer

D e r Au fe n t h a l t a u f A k u re y r i - Is land Volker Sturmat erinnert sich. Nachdem wir mit der Gorch Fock Tromsö angelaufen hatten, mit Besuch der Walfangstation, nahmen wir Kurs auf Akureyri-Island. Wir ließen die herrlichen norwegischen Fjorde, die hohen Berge und die schroffen Felsen, die bis zum Wasser steil abfielen, hinter uns. Diejenigen, die mit dabei wahren, erinnern sich bestimmt daran, wie unfreundlich uns das Nordmeer begrüßte. Nebel, Nebel, und nochmals Nebel. Der Klang des Nebelhorns begleitete uns Tag und Nacht. Unser Kommandant, Kapitän zur See von Witzendorf, ließ verschärft Ausguck gehen, da Eisberge nicht ausgeschlossen waren. Zum Glück blieben sie verborgen. Dafür begleitete uns ein Wal, der abwechselnd mal an Backbord und mal an Steuerbord auftauchte und blies. Tuut-tuut-tuut. Manch einer war genervt von dem tage- und nächtelangen anhaltendem Geheule des Nebelhorns. Blick voraus – das Auge sieht nur grau! Blick nach Backbord – grau! Blick nach Steuerbord – grau! Blick Achteraus – grau! Beim Blick nach oben sind die Toppen nur noch verschwommen zu erkennen. Die Segel hingen wie graue Lappen an den Rahen, sofern Sie gesetzt waren. Bei manch einem kamen Aggressionen hoch. Doch dann näherten wir uns der Dänemarkstraße und – oh Wunder – nach mehr als 14 Tagen lichtete sich der graue Vorhang und die grönländische Insel kam in Sicht. Eine unwirkliche, graue Küste. Keine Spur von „Grünem Land“. Endlich verstummte das Nebelhorn – eine Wohltat für die Ohren. Jeder an Bord atmete auf. Kurs Süd-Süd-Ost. Bei gutem Wind segelte die Gorch Fock in Richtung Island, die Insel aus Feuer und Eis. Die Gorch Fock lief in den weit ins Land reichenden Egiafjördur-Fjord ein mit Kurs auf Akureyri. Akureyri liegt etwa 50 km südlich des Polarkreises und wurde 1602 von den Dänen gegründet. 1786 erhielt Akureyri das Stadtrecht und erlebte dann Ende des 19ten Jahrhunderts einen stürmischen Aufschwung. Nicht zuletzt auch durch die Trawler-Fischerei. Heute kommt der Tourismus als bedeutender Wirtschaftsfaktor hinzu. Mittlerweile ist Akureyri die viertgrößte Stadt Islands mit ca.17.253 Einwohner (Stand 01.02.07). Akureyri besitzt Schulen, eine Universität und einen eigenen Flughafen. Soviel an Informationen über die Stadt, in deren idyllischen Hafen wir nun einliefen. Alle Mann stürmten gespannt an Land. Legenden von Walfängern, Nordmännern, Polareroberung, Eskimos und nicht zuletzt die Aussicht auf die herben blonden Schönheiten des Nordens spukten

in unseren Köpfen herum und ließen unsere Herzen höher schlagen. Die blonden Schönheiten waren auch durchaus da – jedoch wenn Sie den Mund aufmachten: Ich sage nur „Die Zähne“. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, das Zitronen und Frischobst begehrte Handels- und Tauschobjekte wahren. (Das ist 40 Jahre her und ich denke, das sich inzwischen einiges geändert hat). Die Schiffsführung hatte sich auch etwas einfallen lassen, um uns Kultur und Landschaft dieser herrlich Insel näher zu bringen. So starteten wir zu einem Ausflug in die vulkanischen Landschaft, mit einem Feld von Geysiren. Übrigens bedeutet Geysir nichts anders als: wirbeln – strömen. Auf der Fahr dorthin bot sich schon eine Besonderheit: Am Ortsausgang befand sich eine kleine Kapelle. In die flüchteten sich die Einwohner vor einem früherenVulkanausbruch. Und jetzt geschah das Unfassbare: Vor der Kapelle teilte sich der Lavastrom und floss rechts und links an der Kapelle vorbei. Die Kapelle(Steinbau) wurde nicht zerstört, die Menschen überlebten. Die erstarrten Lavamassen sind heute noch zu sehen. Eine weitere Sehenswürdigkeit wahren die kahlen, rötlich-gelben, schwefelhaltigen Felder der Geysire. Überall blubberte und gluckerte es in heißen Löchern mit Schwefelwasser und ein fürchterlicher Gestank, wie von faulen Eiern, lag in der Luft. Die Wege dazwischen waren wie bei uns im Watt mit Staken markiert. Es wahr eine unheimliche, eine unwirkliche Landschaft. Ein weiterer Ausflug brachte uns zu einem der bekanntesten Wasserfälle Islands, dem GodafossWasserfall. Er liegt in der Gemeinde Pingeyjarsveit im Norden nahe dem Anfang der SprengsanderHochlandpiste. Mit donnerndem Getöse stürzt sich dieser ca. 30 Meter breite Wasserfall 12 Meter in die Tiefe. Das ist Island! – Natur pur. Man möchte mit Ponys durch die Tundra reiten. Ja, und dann darf man das Bad in der freien Natur nicht vergessen. In einer Erdspalte gibt es Höhlen mit sehr warmen Wasser. Während die mittlere Temperatur im Juli bei 11 Grad liegt, ist es ein Genuss, splitternackt in diesen warmen Höhlen zu planschen. So gingen ereignisreiche Tage in Akureyri vorüber, die mit einem Höhepunkt zum Abschluss endeten: einem zünftigen Bordfest. Dazu eingeladen waren selbstverständlich auch die Schönheiten des Städtchens. Das Stammdeck, früher noch von Backbord bis Steuerbord offen, wurde zum Tanzsaal und es wurde ein gelungener Abend. Ja und wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. Nach diesem tollen Besuch in Akureyri hieß es wieder: Leinen los Richtung Heimat. Fortsetzung folgt!

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Re i n h a r d C l a ves

Wir lagen vor Porto Santo – und kein Offizier war mehr Bord! 23. AAR Kiel – Funchal de Madeira – Lissabon – Kiel Ankertage vor Porto Santo Der stolz Schwan „SSS GORCH FOCK“ sollte nach den rauen und stürmischen Fahrten durch die Biscaja und den Atlantik wieder in frischem Glanz erstrahlen, bevor wir den Hafen von Funchal de Madeira, unserem ersten Ziel, erreichten. Bei herrlichem Sonnenwetter waren die Mannschaften nicht gerade erpicht auf Rostklopfen, Pönen und Klarierung der Takelage und des Oberdecks. Da waren wir doch erstaunt als ein Kutter klar gemacht wurde, die Offizierscrew die Riemen aufnahm und dem Strand entgegen pullten. Kapitän zur See Peter Lohmeyer hatte einen Grund ersonnen, dem eintönigen Decksbetrieb zu entrinnen. Dem Hafenkapitän sollte ein Antrittsbesuch gemacht und bei dieser Gelegenheit das Inselleben „erforscht“ werden.

Grillfest mit großem Gelage unter schattigen Palmen Die Landung am Strand verbreitete sich mit Windeseile und der Empfang durch den Hafenmeister lockte viele Insulaner an, die unter den Palmen am Dorfbrunnen anfingen, die ersten Weinkrüge zu füllen. Die Einladung zum Grillen von Fleisch und Fisch konnte bei soviel Gastfreundschaft nicht abgelehnt werden. So verrannen die Stunden und nur mit der herzlichen Einladung an den Hafenkommandanten zum Gegenbesuch an Bord der Gorch Fock konnte man dem Trubel entrinnen. Der Gegenbesuch war für den frühen Abend vorgesehen und so war für ein erfrischendes Bad im Meer doch noch reichlich Zeit um im kühlen Nass des Meeres sich eine kleine Erfrischung zu gönnen, gaben die Mengen an Rotwein und gutem Essen doch die ersten Zweifel, den bevorstehenden Gegenbesuch am Abend bewältigen zu können.

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Alle Mann ins kühle Nass Sich der Bekleidung entledigt ging es nackt in die Fluten sich sicher wähnend, außer Sicht vom Strand und Schiff entfernt zu sein. Spritzige Wasserspiele folgten und so achtete niemand auf das näherkommen eines Bootes. Der Hafenkommandant mit fröhlicher Besatzung tuckerte heran und sah die Offiziere ohne Bekleidung im Wasser schwimmen. So konnte er auch den Kapitän ohne Uniform und Mütze nicht so gleich erkennen , dieser auch nicht so schnell im Kutter nach seiner Kleidung greifen. Notdürftig mit einem Hemd umschlungen kletterte die Crew ins Boot, war der Gegenbesuch des Hafenkommandanten doch erst für den frühen Abend vorgesehen. So wurden eiligst die Riemen aufgenommen und zur Gorch Fock zurück gerudert unter lustiger Begleitung des Hafenbootes. Ein lauter Ruf und Befehl scheuchte alle an Oberdeck „Schaffenden“ auf die Uferabgewandte Bordseite, den Blick Richtung offene See zu richten, um die halbbekleideten Offiziere bei ihrem „an Bord kommen“ nicht unnötig zu bestaunen!

So ganz konnte keiner ein Kichern und Lachen unterdrücken und die wildesten Gerüchte und Geschichten über eine wohl tolle Strandparty auf Porto Santo machten die Runde. Nach der Besichtigung des Schiffes durch den Hafenkommandanten mit seiner Eskorte, wurde mit der Verkostung deutscher Biere edler Brände und Leckerein aus der Bordküche, der Abend in der Offiziersmesse beendet. Für Hafenkapitän und unsere Offiziere brachte der nächste Tag unter heißer Sonne wohl die Erkenntnis besser unter Deck zu bleiben und Erholung zu suchen von einem wohl nicht so schnell zu vergessenem Erlebnis vor Porto Santo.

W i l l i - G ü n t h e r Bartusch

Alte Kameraden beim Segeltörn auf der Ostsee … und plötzlich steht Smarting Balke vor uns. Zuerst war es nur ein Gedanke – doch dann wurde dieser schnell und sehr gut geplant in die Tat umgesetzt. Angefangen hatte alles beim Treffen Ehemaliger aus den Siebzigern auf der „BOOT“ in Düsseldorf im Januar 2008. Nach einem feucht-fröhlichen Abend in der Altstadt trafen wir uns am Sonntag-

Wir waren alle total begeistert und wollten diesen Törn angehen. Der Skipper war auch schnell gefunden und er wurde beauftragt, mal was zu planen. Alle haben wohl gedacht, dass es nicht dazu kommen würde. Doch am Ende stand der Törn, es blieben 6 Kammeraden bei der Stange und stachen am 27. 6. 2009 von Heiligenhafen mit der Segelyacht Johanna in See Richtung Fehmarnsund. Der Wind stand, um unser Ziel zu erreichen, sehr ungünstig. Also voll von Vorne und so wurde gejockelt, wie wir es ja noch aus alten GF Zeiten gut kannten. Nachdem wir die Fehmarnsund-Brücke passiert und genug Höhe hatten, haben wir dann die Segel gesetzt, um in Richtung Lübeck-Neustadt zu segeln. Bei Wind von 5-6 Windstärken und ungünstiger Windrichtung ließ sich die Jacht sehr schlecht auf Kurs halten. Es dauerte nicht lange, bis es auch den erfahrensten Seeleuten unter uns,besonders mir und meinem Neffen,so schlecht ging, so dass wir einer nach dem anderen den Fischen in der Lübecker Buch ein sehr opulentes Mahl bescherten, nämlich die frischen Fischbrötchen vom Markt in Heiligenhafen und die Tüten Haribo. Es ging uns so schlecht, dass wir uns zur Vorsicht, wenn wir an Oberdeck waren, mit

morgen auf der „BOOT“ und besichtigten eine stattliche Anzahl von sehr schönen und sehr teuren Segeljachten. Und plötzlich dachte man an einen gemeinsamen Segeltörn auf der Ostsee und einen Besuch auf unseren alten weißen Lady „Gorch Fock“. unserm Sicherheitsgurt sicherten. Unsere Kameraden haben uns dann sicher in den Hafen von Neustadt manövriert. Es wurde dann aber noch ein schöner Abend in einem Hafenrestaurant. Nach ein paar Bierchen waren die Anstrengungen des ersten Seetages schnell vergessen. Das Wetter wurde von Tag zu Tag besser und über Fehmarn-BurgtiefeBagenkop in Dänemark erreichten wir am 30.6.2009 Kiel. Das Glück war mit uns und bescherte uns einen Liegeplatz im Kieler Yachthafen, direkt an der Kiel-Linie, keine 100 Meter von der Gorch Fock entfernt. Nach der normalen Einlauf Routine gingen Ted und ich los, um uns beim Hafenmeister anzumelden. Wir wollten gerade die Straße überqueren, als ich jemanden mit dem Fahrrad auf uns zufahren sah und ich glaubte unseren alten Smarting, Hauptbootsmann Erich Balke zu erkennen. Also rief ich instinktiv: „Hallo, Schmadding Balke!“ und man glaubt es nicht, er war es wirklich. So trafen wir unsere alte seemännische Nr. 1 aus den Jahren 1974-1975. Nach kurzer Begrüßung verabredeten wir uns für den nächsten Tag. Haben aber schnell noch ein Foto gemacht. Für den nächsten Tag hatten wir einen Termin mit dem Presseoffizier der „Gorch Fock“ vereinbart. Wir wollten uns gegen 14:00 Uhr an Bord treffen! Bei unserem Frühstück am Morgen bemerkten wir schon große Unruhe an Bord der „Gorch Fock“, haben uns aber keine Gedanken gemacht.

Als wir dann am Nachmittag den Termin wahrnehmen wollten, hat man uns leider nicht an Bord gelassen. Der Grund: Das Schiff musste bis auf die Wache evakuiert werden. Stromprobleme! Also „Frust“! Und der musste natürlich mit Bier reduziert werden. Ab in die Stadt und erst mal was essen und dann ran an den Frust. Als alte Kieler war das für uns die Richtung Innenstadt. Ein Lokal war schnell gefunden. Bei zwei Bayern in der Crew war klar wo: „Bayerisch“. Wir hatten einen sehr schönen Abend mit viel Weizenbier und Schnaps. Die Bedienung war sehr freundlich und kam auch aus Bayern. Unser Freund Reinhold Reimer aus Waldmünchen vereinbarte dann mit der Bedienung, uns am nächsten morgen ein original bayerisches Weißwurst-Frühstück zu servieren. Für den Einkauf gab er der Bedienung 50 Euro und verabredete die Frühstückszeit auf zehn Uhr. Am nächsten Morgen glaubte niemand von uns ernsthaft daran, dass es ein „Bayerisches Frühstück“ geben würde. Doch als es auf zehn Uhr zuging, hielten doch alle neugierig Ausschau. Kurz nach Zehn kam dann tatsächlich die Bedienung und brachte sogar noch eine Freundin mit – und 25 Weißwürste mit süßem Senf! Es war ein fantastisches Frühstück. Einen Tag später sind wir dann nach einer „Seite“ von Smarting Erich Balke wieder in Richtung Heiligenhafen ausgelaufen, wo wir dann unsere Yacht am Freitag den 3.7.2009 wieder abgegeben haben. Es war ein sehr schöner Törn mit einer guten Kameradschaft. Und ein kleines Abenteuer war es für uns auch. Ich durfte diesen Törn mit folgenden Kameraden machen. Ted Herold (Skipper), Karl Schulz (1O), Klaus Mintrup (Presse Offizier und Kameramann), Reinhold Reimer (Versorger und Edelbackschafter), Mark Bartusch (Rudergänger ) ich. Danke allen für eine schöne Zeit an Bord. Willi-Günther Bartusch (Segellastziege und Fischfutter Lieferant).

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Ha j o S t r o t k a mp

Kleine Rahsegelkunde für Anfänger Spieren, Masten, Rahen und Bäume Manch einer wird sich jetzt fragen, was soll denn das, kennen und wissen wir doch schon alles über das Segelschulschiff „GORCH FOCK“! Unser Magazin wird aber nicht nur von Seeleuten, sondern auch noch von „Sehleuten“ und „Landratten“ gelesen. Ihnen möchte ich die Begrifflichkeiten näher bringen, damit sie wissen, worüber wir alten Seebären so reden. Damit der Inhalt spannend bleibt, wird es Fortsetzungen geben. Für den Außenstehenden stellt sich so ein Großsegler als ein sehr unüberschaubares, aber in seiner Gesamtheit faszinierendes Schiff dar. Diese kleine Rahsegelkunde soll Klarheit in den Wirrwarr bringen. Über die Jahrhunderte haben unzählige Schiffsbauer, Zimmerleute und vor allem Takler und zu letzt Seemänner die Traditionen beibehalten, fortgeführt und immer weiter verbessert. Lassen wir also den Rumpf des Schiffes mal außen vor und beschäftigen uns mit dem Gehölz, dem stehenden und laufendem Gut, sowie den Segeln; kurzum der Takelage. Als Spieren werden alle Rundhölzer bezeichnet, die dem Rigg zur Aufnahme,

Großtopp Marssaling mit Pütting eisen und Püttingwanten.

Leitung oder Befestigung von laufendem Gut, Blöcken oder Segeln dienen. Sie selber sind in fast allen Fällen durch stehendes Gut abgestützt. Die Masten gibt es zum einen durchgehend, endend mit dem Masttopp oder als Untermast mit Stengen verlängert. Dann endet der Mast mit dem Eselshaupt. Das Eselshaupt ist einer Brille ähnliches Gebilde, das am Mastende angeschweißt ist und der Führung der Stenge dient. Die Masten stehen mit dem Mastfuß im Mastschuh. Dieser ist fest mit dem Kielschwein verbunden. Der Besan auf motorisierten Schiffen oder kleinere Masten sind in der so genannten Spur im untersten durchgehenden Deck verankert. Auf der „Gorch Fock“ endet der Vortopp auf dem nach unten abgestützten Zwischendeck, der Großtopp auf dem Doppelboden und der Besan auf dem Plattformdeck über dem Wellentunnel. In den Durchlässen an Oberdeck sind die Masten ordentlich verkeilt und mit einer dicken geteerten Segeltuchmanschette wasserdicht verschlossen.

Bugspriet mit Backstagen, Befestigung der Stagen, Fußpferd und Klüvernetz.

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Die Salinge nehmen die entsprechenden Wanten (Mars-, bzw. Bramwant) auf. Nach unten werden sie durch die Püttinge, (hier: Eisenstangen) zum Mast hin abgestützt,

auch ausgewebt und dann als Püttingswanten bezeichnet. Das Bugspriet ist eine schräg nach vorne aus dem Vorschiff ragende Spiere. Sie wird durch die Stagen des Vortopps nach oben, durch die Backstagen zur Seite, und durch das kleine und große Wasserstag nach unten gehalten. Die Stagen werden an einem stabilen Band am Bugspriet angeschäkelt, bzw. mit Spannschrauben versehen und zum Vorsteven, bzw. Vortopp geführt. Die Wasserstagen sind direkt am Vorsteven über der Galionsfigur, die Backstagen in Höhe des Fockhalsauslegers und der Anker befestigt. Vom kleinen Wasserstag geht im rechten Winkel eine starre Verbindung, der so genannte Stampfstock, zum großen Wasserstag. Das Bugspriet dient außerdem der Befestigung der Vorstagsegel, die mit ihrem Hals fest eingeschäkelt an den Vorstagen, vom Bugspriet ausgehend, gesetzt werden können. Das Klüvernetz unter dem Bugspriet dient dem Auffangen der niedergeholten Vorsegel. Den Vorsegelgasten dient es zum Bergen und Einpacken der Vorsegel. Im Klüvernetz befindet sich an beiden Seiten jeweils ein Fußpferd, um ein besseres Arbeiten zu gewährleisten.

Nockgasten bei der Arbeit auf dem Nockpferd. re. Rahgast auf dem Fußpferd.

Muss ein Mast nach oben verlängert werden, so geschieht das mit Stengen. Sie verlängern die Masten von der Bramsaling an aufwärts und tragen die Rahen der oberen Segel, Bram und Royal. Der Stengenfuß ragt durch eine entsprechende Öffnung in der Bramsaling. Durch eine Öffnung im Stengenfuß, oberhalb der Saling und quer zur Schiffsachse, wird das Schlossholz, ein Eisenkeil, gesteckt und trägt die Stenge. Etwas oberhalb des Schlossholzes befindet sich ein Scheibengatt. Durch dieses wird das Stengewindereep (wird anschließend mit dem Obermarsfall verbunden) geschoren, um die Stenge fieren zu können. Beide Stengen am Fock- und Großmast können im Bedarfsfall nach unten weggefiert werden z.B. bei der Passage des Kaiser-Wilhelm-Kanals, oder dem NOK, dem Nord-Ostsee-Kanal (siehe Bordmagazin Nr. 1: Stenge fieren – Knochenarbeit). Die Rahen tragen und halten die Rahsegel und geben ihnen die gewünschte Stellung zum Wind. Sie werden horizontal bewegt und gekantet durch die an ihren Enden angebrachten Brassen. Vertikal werden sie

bewegt durch die Toppnanten, soweit diese, wie bei der Fock- und Großrah, beweglich gehalten sind. Gefiert und geheißt werden die Rahen, soweit sie beweglich sind, durch die Fallen (siehe näheres unter „Laufendes Gut“). Die Unterrahen, Fock und Groß, sowie die Untermarsrahen sind feste Rahen. Obermars-, Bram- und Royalrah sind bewegliche Rahen, das heißt, sie werden beim Segelsetzen geheißt und haben demnach ein Fall. Die beweglichen Rahen hängen im weggefierten Zustand in festen Toppnanten, die hauptsächlich an den Rahnocken anpacken und diese tragen. Fock- und Großrah haben bewegliche Toppnanten und können mit deren Hilfe vertikal bewegt oder auch, wenn nötig, gestützt werden. Die Segel sind mit ihren oberen Lieken an die Rahen angeschlagen. Gleichzeitig nehmen die Rahen die Schoten der darüber befindlichen Segel auf und leiten diese an Deck. Auf der Rah befinden sich das Jäckstag, an dem das Segel und die Zeisinge angenäht sind sowie das Handpferd, in das sich der Rahgast einpickt, wenn er auf der Rah arbeitet und an dem die Zeisingbändsel gezurrt werden nachdem die Segel geborgen und verpackt sind. Unter der Rah befinden sich außerdem die Fußpferde. Bei den großen Rahen sind sie jeweils an den Nocken befestigt und gehen nach beiden Seiten etwas über die Rahmitte hinaus. Damit die Fußpferde nicht durchhängen, wenn nur ein Rahgast darauf steht, sind sie mit den Springpferden im gleichen Abstand nach unten an den Handstagen befestigt.

Eselshaupt.

Die kurzen Rahen, wie Bram und Royal haben durchgehende Fußpferde. Damit die jeweiligen Nockgasten besser arbeiten können, haben sie ein eigenes Fußpferd, das Nockpferd. Der verantwortliche Nockgast muss mittels Taljenreep das Schothorn am Nockbund, einem Metallband, an der Rahnock dichtholen. Auf dem aufsteigenden Ende des Fußpferdes stehend, würde er bei dieser Arbeit schnell das Übergewicht verlieren. Besanbaum und Gaffeln sind bewegliche Spieren am Besanmast. Sie nehmen zwischen sich den unteren und oberen Besan auf. Sie dienen zu deren Führung beim Einund Ausholen des Besan und geben den Besansegeln die nötige Stellung zum Wind. Genannt sei noch der Ladebaum, der am Großmast befestigt auf der Barring aufliegt. Er hat in der heutigen Zeit seine Bedeutung verloren, da der Mot-Kutter und die Komandanten-Pinasse durch leichtere Speedboote ersetzt worden sind, die eine eigene Aussetzvorrichtung haben. Quellen: Zeichnung: Luegers Lexikon der gesamtem Technik und ihrer Hilfswissenschaften Bd. 1 v. 1904. Fotos: Hajo Strotkamp.

Bramsaling mit Püttingeisen.

Fortsetzung folgt. BORDKAMERADSCHAFT Segelschulschiff Gorch Fock

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DIT UND DAT, VON JEDEM WAT Neuer Kassenwart

Guido Oeltermann 2009

Moin moin Kameraden, ich freue mich sehr, dass Ihr mir Euer Vertrauen geschenkt habt und ich die Nachfolge unseres erfolgreichen Schatzmeisters Peter Hoffstetter antreten durfte. Zu meiner Person: Ich bin Jahrgang 1970, aufgewachsen in der Marinestadt Wilhelmshaven, hat es mich nach Abitur und Ausbildung zur Marine gezogen. Nach erfolgter Grundausbildung als 26’er in Bremerhaven, wurde ich im Juli 1993 auf unsere Gorch Fock versetzt. Ursprünglich sollten es nur 2 Jahre werden, doch das Schicksal meinte es gut und es ergab sich die Gelegenheit, nach der Unteroffiziersausbildung in Plön und Verlängerung der Dienstzeit auf 4 Jahre, auch die restliche Zeit auf der Gorch Fock zu verbringen und somit die große Reise 1996 bis

1997 mitzumachen. Während dieser Reise gestaltete ich u. a. 4 Bordvideos, gemeinsam mit meinem damaligen SO OltzS Lürßen und unserem OSA Dr. Wegner. Insgesamt komme ich auf knapp 67.000 sm. Während meiner Zeit in der Navigation widmete ich mich der Aufarbeitung der Schiffsstatistik. Nach der Marinezeit wechselte ich zur Sparkasse Wilhelmshaven. Meine Marineverbundenheit blieb trotz des Wechsels in die zivile Wirtschaft bestehen. Seit 2002 bin ich aktiv im Vorstand des „Förderverein Deutsches Marinemuseum“ für die Vereinsfinanzen zuständig und gehöre nach meiner Teilnahme an einer Informationswehrübung im Jahr 2005 dem „Freundeskreis der Marine in Wilhelmshaven“ an. Auch nach meinem beruflichen Wechsel in das Siegerland halte ich hier die Kontakte und fühle mich weiterhin mit der Marine und ganz besonders mit unserer Gorch Fock verbunden. Guido Öltermeann

Tischwimpel und Flagge Liebe Leser, ich sitze hier vor meinem Schreibtisch und überlege, wie ich eure kreative Ader wecken kann. Dabei fällt mein Blick auf einige Redeereiflaggen (Tischwimpel) und mir kommt dabei folgender Gedanke: Beim vorletzten Treffen in Wittensee wurde von Hein Ruloffs seine GORCH FOCK – Flagge vorgestellt, die er vor Jahren mal für sich selbst anfertigen ließ. Die Resonanz darauf war groß.

eine Abstimmung wird dann zeigen welcher Entwurf dann auf eurem Schreibtisch stehen oder am Flaggenmast im Vorgarten hängen wird. Vielleicht findet ja die Marine auch Gefallen daran und nimmt die Wimpel als „Mitbringsel“ mit auf Reisen. Vielleicht lässt Hermann ja für den besten Entwurf aus der Fan-Ecke etwas rüberwachsen. Hajo Strotkamp

Marinekameradschaft Eisbrecher Stettin Im Anschluss an die Tampenübergabe im Januar 2009 war ein Besuch bei der Marinekameradschaft „Eisbrecher Stettin“ in Bonn geplant. Alle Mitglieder im Umkreis von 100 Kilometern wurden vorabe per EMail oder Telefonisch über dieses Vorhaben informiert. Der Eisbrecher „Stettin“ liegt während der winterlichen Liegezeit im Hamburger Museumshafen Oevelgönne und gehört einem Förderverein. Die Marinekameradschaft „Eisbrecher Stettin“ ist seit Beginn dabei und arbeitet während der Liege- und Fahrzeiten ehrenamtlich für den Erhalt dieses Schiffes. Mit der fantastischen Verbindung zu einem lebendigen Schiff hat man sich im tiefen Binnenland ein Standbein an der See erhalten. Die Lady ist noch gut in Schuss und wer weiß: Vielleicht ergibt sich ja auch einmal eine Ausfahrt für die Bordkameradschaft auf einem Eisbrecher. Hier bot sich also eine gute Gelegenheit für ein kleines Vorgespräch, zumal mir der ehemalige Vorsitzende, Reinhard Stenzel, der jetzt die Internetseite pflegt, seit längerem bekannt ist. Bei Ausfahrten ist er regelmäßig als Heizer an Bord des Eisbrechers. Mir erschien der Gedanke, einmal mit der BK eine Ausfahrt von Hamburg aus auf einem Dampfgetrieben Eisbrecher zu machen, sehr reizvoll.

H e i n R u l o f s s t e l l t s e i n e F l a g g e v o r.

Guido Oeltermann 1993

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BORDKAMERADSCHAFT Segelschulschiff Gorch Fock

So und nun kommt ihr wieder ins Spiel. Macht euch doch mal ein paar Gedanken darüber, wie eine Flagge / Tischwimpel aussehen könnte. Ein festes Element sollte das Wappen sein und auf marineblauem Grund. Ich könnte mir dann weiter vorstellen alles in Verbindung zu bringen mit der Silluette des Schiffes, dem Stockanker, dem Haspel (sorry, da kam bei mir der Binnenschiffer durch) meinte natürlich das Ruder u. ä. Lasst eurer Phantasie mal freien Lauf und

Schade, dass außer Kamerad Reinhard Epding niemand den Weg nach Bonn gefunden hat, dabei hatte die MK ihr Marineheim extra für uns geöffnet und eingeheizt. Hermann Dirkes

He r m a n n D i r k e s

Jahrgedächtnis und Übergabe des Kondolenzbuches Bordkameradschaft nimmt mit Marinesoldaten an Jahrgedächtnis teil. Am 3. September 2009 jährte sich erstmalig der Todestag von Matrose SanOA Jenny Böken, die während ihrer Ausbildung auf dem Segelschulschiff GORCH FOCK auf tragische Weise ums Leben kam. Aus Anlass des Todestages wurde durch die Marineschule Mürwik eine Andacht bzw. Gedenkfeier in den Räumlichkeiten des Marineehrenmals Laboe ausgerichtet.

Die Feier fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und war in erster Linie für die Familienangehörigen der Verstorbenen gedacht. Je eine Delegation der Marineschule Mürwik und der Bordkameradschaft GORCH FOCK bildeten dabei den feierlich-förmellen Rahmen. Die geistliche Leitung der Gedenkfeier hatte die katholische Militärseelsorge Kiel. Die organisatorische Leitung oblag dem Projektoffizier

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der Marineschule Mürwik, mit Unterstützung des Deutschen Marinebundes. Im Verlauf der Gedenkfeier wurde durch die Abordnung der Marineschule Mürwik ein Kranz nieder gelegt. Nach Ende der Feier und im Rahmen des abschliessenden, gemeinschaftlichen Kaffees im Scheerhaus wurde das Kondolenzbuches durch die Bordkameradschaft GORCH FOCK an die Familie Böken übergeben. Nach einer angemessenen Zeit, so bat Hermann Dirkes, möge der Vater der verunglückten Matrosin, Uwe Böken, das Kondolenzbuch an die Jenny-Böken-Stiftung

zum Verbleib übergeben. Die Marineschule Mürwik hatte sich eigentlich auf eine größere (An-) Teilnahme der Bordkameradschaft eingerichtet, aber leider fanden nur fünf Kameraden den Weg zum Ehrenmal in Laboe. Die Abordnung bestand aus dem ersten Vorsitzenden Peter Jacobs und dem Kassenwart Klaus-Peter Hoffstetter, die beide aus Wilhelmshaven anreisten, dem Schriftführer Hermann Dirkes und Benno Launert, die zusammen aus Bad Gandersheim anreisten und dem Kameraden Jochen Niemz, der aus Großenbrode anreiste. Fotos: Kathrin Wahrendorff

Das Kondolenzbuch Sehr viele Menschen waren in den Tagen nach dem schrecklichen Unfall den Geschehnissen in besonderem Maße verbunden und voll ehrlicher Anteilnahme. Mich, dem Betreiber der Internetseite www.gorchfock.de erreichten sehr viele Unterschriften, Briefe, Telefaxe und E-Mail. Schon kurz nach dem Unglück meldeten sich die Eltern und auch andere Angehörige der ertrunkenen Kameradin. Zuerst per E-Mail, dann per Telefon hatten wir die ganze Zeit über Kontakt, der auch weiterhin aufrecht erhalten wurde. Jeder, der auf Gorch Fock gefahren ist, wurde in irgendeiner Weise von dieser Tragödie berührt, war betroffen. Auch viele Besucher der Homepage, Angehörige und Freunde haben ihr Mitgefühl zum Ausdruck gebracht, indem sie einen Eintrag in

Forum oder Gästebuch schrieben. Oder sie schickten ein paar Zeilen und ihre Unterschrift per Post, oder per E-Mail. All diese Bekundungen wurden von mir zusammengefasst und sollten, wie es die Familie der Verünglückten wünschte, „gebündelt“ übergeben werden. So entstand die Idee zu einem außergewöhnlichen Kondolenzbuch. Mit vielen bedruckten Seiten sowie mit leeren Seiten für handschriftliche Einträge. Über dieses Vorhaben setzte ich die Marineschule Mürwik und die Schiffsführung in Kenntnis Zitat Kapt.z.S. Schatz: „Die Idee mit dem Kondolenzbuch ist gut. Bringt diese Buch doch sehr plastisch zum Ausdruck, daß es eine generationsübergreifende große Gemeinschaft gibt, die dem Schiff und damit auch dem Schicksal der jeweiligen Besatzung eng verbunden ist- und zwar nicht in sensationslüsterner Unkenntnis und Halbwahrheit, sondern durch den besonderen Umstand, selbst vieles auf diesem Schiff am eigenen Leib erlebt zu haben, sowohl gute, als auch schlechte Tage.“ Eine bekannte Buchbinderin bei Hildesheim hat aus diesen Seiten ein handgebundenes Buch erstellt. Der Umschlag besteht aus benutztem Segeltuch der „Gorch Fock“, dass die Segelmacherei Hinsch & Ruhland aus Glückstadt zur Verfügung stellte. Der Buchrücken wurde aus einem Stück Decksplanke gefertigt, es handelt sich um kleine handgedrechselte Belegnägel. Als Form des Buches habe ich ein Dreieck gewählt. Durch diese dreieckige Form, die an ein Segel erinnert, wurde versucht, einen direkten Bezug zum Schiff herzustellen. Finanziert wurde das Kondolenzbuch ausschließlich mit Spendengeldern, die auf das Konto der Bordkameradschaft mit dem Betreff „Jenny Böken“ eingegangen sind.

Jenny-Böken-Stiftung Jennys Mutter, Marlis Böken, gründete mit prominenter Unterstützung aus dem Deutschen Bundestag, dem Schleswig-Holsteinischen Landtag, der Bundeswehr sowie der Deutschen Marine die „Jenny-Böken-Stiftung“ und hat den Vorstandsvorsitz übernommen. Ziel der Stiftung ist es, verunglückten Bundeswehrangehörigen und deren Hinterbliebenen unkompliziert und schnell mit Rat und Tat sowie finanziell zu helfen.

Feierliche Übergabe der Stiftungsurkunde In einem feierlichen Rahmen und im Beisein des Schirmherrn, dem Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages, Reinhold Robbe, wurde am Montag, dem 16.11.2009, in Köln vom Regierungspräsidenten Hans Peter Lindlar die Urkunde der Jenny-Böken-Stiftung übergeben.

Die Schirmherrschaft Herr Reinhold Robbe, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages, hat sich bereiterklärt, die Schirmherrschaft über die JennyBöken-Stiftung zu übernehmen.

Präsenz im Internet Auf der Internetseite der Stiftung findet sich neben weiteren interessanten Informationen auch die Abbildung aller Seiten des Kondolenzbuches. www.jenny-boeken-stiftung.de BORDKAMERADSCHAFT Segelschulschiff Gorch Fock

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Wir nehmen Abschied von unseren verstorbenen Kameraden Wir gedenken den verstorbenen Kameraden der Bordkameradschaft Horst Helmut Wind Im Februar 2009 verstarb der ehemalige Kommandant des Segelschulschiffs Gorch Fock in Glücksburg. Horst Helmut Wind wurde im August 1927 geboren und trat mit der Crew X/44 in die Kriegsmarine ein. Bei Kriegsende war er Seekadett.

Nach dem Kriege diente er bei der Wasserschutzpolizei und der Handelsschifffahrt und erlangte das Patent zum Kapitän auf Großer Fahrt. Zuletzt fuhr er als Erster Offizier des Segelschulschiffes „Passat“. Nach Eintritt in die Deutsche Marine diente er 1960 als Segeloffizier auf der Gorch Fock und brachte seine Segelschiffserfahrung in die Anfangsjahre der „Gorch Fock“ ein. Horst Helmut Wind durchlief verschiedene andere Tätigkeiten in der Marine, z. B. die Admiralstabsausbildung, Erster Offizier auf den Schulschiffen „Deutschland“ und „Gorch Fock“ sowie Lehrgangsleiter an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. 6. Kommandant der „Gorch Fock“ war Wind von April 1978 bis März 1982. Danach wurde er Standortältester in Hamburg und zuletzt Kommandeur der Marineschule Mürwik. Von dort schied er im Oktober 1985 als Flotillenadmiral aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Dienst. Nach seiner Pensionierung lebte Horst Helmut Wind sehr zurückgezogen in Glücksburg und ist dort auch begraben.

Fotos: Peter Schiweck, PIZ Marine

Nickels Peter Hinrichsen

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trat seine letzte, große Reise an Chorleiter der „Blauen Jungs aus Bremerhaven“ verstorben Günther Bockelmann (* 8. Juni 1945 † 12. Juli 2009) Alle kannten ihn nur als „Hein Mück aus Bremerhaven“, den Botschafter der Seestadt und der maritimen Musik schlechthin. Der beliebte Entertainer und Alleinunterhalter Günther Bockelmann (* 8. Juni 1945 † 12. Juli 2009) verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 64 Jahren in seiner Heimatstadt Bremerhaven. Bockelmann verstand es wie kein anderer, den maritimen Gruß der Küste auch über die Grenzen der Seestadt hinaus zu tragen und hat in Bremerhaven und der Region tiefe Trauer ausgelöst. Hinterlassen hat er aber seinen guten Geist, seine fröhlichen Lieder und in der Erinnerung seine stets gute Laune.

Günther Bockelmann ist einer der wenigen maritimen Sänger, der auch tatsächlich mit Seebeinen auf der Bühne der guten Unterhaltung stand. Als Schiffsjunge spürte er 1962 auf den Decksplanken des legendären Großseglers Passat erstmals Wind und Wellen. Später, bei der Bundesmarine formte er nicht nur die jungen Matrosen in der Seemannschaft sondern auch im Gesang im Bordchor. Als Oberbootsmann gehörte er auch zur Stammmannschaft des Segelschulschiffes Gorch Fock. Als Sohn aus einem musikalischen Haus, der Vater war Dirigent und Korrepetitor am Kieler Stadttheater, sah er sich bereits in jungen Jahren dem Wunsch des Vaters, Musik zu studieren konfrontiert, der sich mit seiner Sehnsucht ferne Länder zu entdecken erst einmal nicht unter einen Taktstock bringen ließ. Erst nach seiner aktiven Marinelaufbahn zollte er dem Wunsch des alten Herrn Tribut und absolvierte ein Musikstudium. Seine volle und ausgebildete Bassstimme war nicht nur für Shantys und Seemannslieder prädestiniert sondern bescherte ihm auch viele Erfolge im Bereich Klassik, der Operette, des Musicals und der gehobenen modernen Unterhaltung. Seine Liebe galt aber stets der leichten Muse, der lockeren Unterhaltung und ganz einfach dem Wunsch, den Menschen mit seiner freundlichen und offenen Art die Last

des Alltags für eine gewisse Weile mit seinen Liedern vergessen zu lassen. In zahlreichen Auftritten in der beliebten Radiosendung Hafenkonzert war er gern gesehener Gast und wusste zu begeistern. Auch auf Kreuzfahrtschiffen und unzähligen Veranstaltungen wusste er Menschen zu animieren und zu unterhalten. Mit Günther Bockelmann verliert Bremerhaven einen stets bescheidenen aber engagierten und überzeugten Musiker höchster Güte. Wir wissen, wenn wir bei stürmischer See und rauem Wind am Wasserstandszeiger am Weserdeich kurz innehalten, dass die Musik die uns dann scheinbar ins Gehör dringt, eigentlich nur der neue Chor von Günther Bockelmann sein kann und wir hören dankbar zu. Text: Joe Schmidt, Fotos: Manfred Ohde http://www.musikhaven.de/index. php?heinmueck

Fotos: Manfred Ohde.

Günther Bockelmann

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Volkswerft Stralsund

Eine neue Haut für die „Gorch Fock I“ Die Ilsenburger Grobblech GmbH liefert 18 Tonnen Schiffbaustahl für die Sanierung des 75 Jahre alten Seglers eine reportage von laura dieckmann (text ) und udo bojahr (fotos )

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Jetzt kann die Jetzt kann Sanierung Sanie beginnen: die beginnen „Gorch Fock I“ „Gorch Fo auf den Pallunauf den Pal gen der Volksgen der V werft Stralsund werft Strals

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»Schiffe sind wie Frauen – teuer in der Anschaffung, kompliziert im Unterhalt. Aber wenn man sich nun mal richtig verliebt hat ...« W U L F M A R q UA R D Vorsitzender Tall-Ship Friends e.V.

Die maroden Platten im Schiffsrumpf werden herausgebrannt

Die gesponserten StahlblechPlatten der Salzgitter AG 34 stil BORDKAMERADSCHAFT Segelschulschiff Gorch Fock 40

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wirkt wie eine Grande Dame, sich eine ie ie wirkt wie eine Grande Dame, diedie sich inin eine rumpelige Schlosserwerkstatt verirrt hat. Auf rumpelige Schlosserwerkstatt verirrt hat. Auf derder Werft herrscht ohrenbetäubender Lärm, riecht Werft herrscht ohrenbetäubender Lärm, es es riecht nach Metallstaub – und mittendrin liegt nach Metallstaub – und mittendrin liegt diedie inin diedie Jahre gekommene, aber immer noch wunderschöne Jahre gekommene, aber immer noch wunderschöne „Gorch Fock gebaut 1933 Blohm Voss. „Gorch Fock I“,I“, gebaut 1933 beibei Blohm && Voss. Mitte Oktober wurde ehemalige Segelschulschiff von seiMitte Oktober wurde dasdas ehemalige Segelschulschiff von seinem Liegeplatz Stralsunder Stadthafen zwei Meilen weiter nem Liegeplatz imim Stralsunder Stadthafen zwei Meilen weiter Volkswerft geschleppt, um dort saniert werden. Große inin diedie Volkswerft geschleppt, um dort saniert zuzu werden. Große Teile Unterschiffs müssen erneuert werden; rund Prozent Teile desdes Unterschiffs müssen erneuert werden; rund 2020 Prozent Jahre alten Stahlbleche sind dünn, dass man mit ihnen derder 7575 Jahre alten Stahlbleche sind soso dünn, dass man mit ihnen nicht mehr große Fahrt gehen kann. nicht mehr aufauf große Fahrt gehen kann. Gleicher Schauplatz, zwei Wochen später. Oje, große alte Gleicher Schauplatz, zwei Wochen später. Oje, diedie große alte Dame sich ihrer Umgebung angepasst: Total eingerüstet und Dame hathat sich ihrer Umgebung angepasst: Total eingerüstet und mit klaffenden Löchern Rumpf sieht schon nicht mehr mit klaffenden Löchern imim Rumpf sieht siesie schon nicht mehr ganz elegant wie noch Tagen. Aber wer wieder ganz soso elegant ausaus wie noch vorvor 1414 Tagen. Aber wer wieder

66-Jährige steht auch deshalb unter Strom, weil jeder Liegetag 66-Jährige steht auch deshalb unter Strom, weil jeder Liegetag Stralsunder Werft Geld kostet. Und knapp. aufauf derder Stralsunder Werft Geld kostet. Und dasdas istist knapp. Wulf Marquard widmet sich seit dem Kauf Bark 2003 Wulf Marquard widmet sich seit dem Kauf derder Bark 2003 dem Wiederaufbau Schiffes, den sich auch persöndem Wiederaufbau desdes Schiffes, fürfür den er er sich auch persönlich finanziell engagiert hat. 1988 den Verein Tall-Ship lich finanziell engagiert hat. 1988 hathat er er den Verein Tall-Ship Friends gegründet, Segeln großen Windjammern Friends gegründet, derder dasdas Segeln aufauf großen Windjammern populär machen und zum Erhalt Schiffe beitragen will. populär machen und soso zum Erhalt derder Schiffe beitragen will. selbst den 60ern zwei Jahre gefahren. „Viel ErEr selbst istist inin den 60ern zwei Jahre zurzur SeeSee gefahren. „Viel zuzu kurz“, wie Marquard sagt, aber gereicht, um seine Leidenkurz“, wie Marquard sagt, aber es es hathat gereicht, um seine Leidenschaft wecken. Was ihn fasziniert? „Ich sage immer, schaft zuzu wecken. Was ihn soso fasziniert? „Ich sage immer, einein Segelschiff einzige Ort Welt, deine KreditkarSegelschiff istist derder einzige Ort derder Welt, wowo dirdir deine Kreditkarnichts helfen. Hier zählen Fleiß, Verstand und Teamgeist. tenten nichts helfen. Hier zählen Fleiß, Verstand und Teamgeist. Sonst gehst unter.“ Und zwar wahrsten Sinne Wortes. Sonst gehst dudu unter.“ Und zwar imim wahrsten Sinne desdes Wortes. 1991 hatte Verein erste Mal Kontakt mit „Gorch 1991 hatte derder Verein dasdas erste Mal Kontakt mit derder „Gorch Fock Zeit unter ukrainischer Flagge „TowaFock I“,I“, diedie zuzu derder Zeit unter ukrainischer Flagge alsals „Towarischtsch“ (Kamerad) segelte. (Die ganze Historie Bark rischtsch“ (Kamerad) segelte. (Die ganze Historie derder Bark aufauf

Der aufgeschnittene Der aufgeschnittene Backbord-Wassertank Backbord-Wassertank

schön sein will, muss bekanntlich leiden Fragen doch mal schön sein will, muss bekanntlich leiden …… Fragen wirwir doch mal Wulf Marquard, Vorsitzender Eignervereins Tall-Ship Friends Wulf Marquard, Vorsitzender desdes Eignervereins Tall-Ship Friends e.V., gesamte Renovierung Beine gestellt hat. e.V., derder diedie gesamte Renovierung aufauf diedie Beine gestellt hat. Doch diesem Gewusel steckt nur? „Ich Bord. Doch wowo inin diesem Gewusel steckt er er nur? „Ich binbin anan Bord. Nun kommen schon rauf, oder soll etwa tragen!?“, Nun kommen SieSie schon rauf, oder soll ichich SieSie etwa tragen!?“, bellt Telefon. Oh, haben einen schlechten Tag bellt er er insins Telefon. Oh, oh,oh, haben wirwir einen schlechten Tag er-erwischt? Bord merken schnell: nein, keinen schlechten, wischt? AnAn Bord merken wirwir schnell: nein, keinen schlechten, aber einen typischen. Wulf Marquard ständig überall. aber einen typischen. Wulf Marquard istist ständig überall. ErEr be-begrüßt uns, ruft gleichzeitig seinen Leuten paar Anweisungen grüßt uns, ruft gleichzeitig seinen Leuten einein paar Anweisungen und schraubt auch noch einer Arbeitslampe herum. Der zuzu und schraubt auch noch anan einer Arbeitslampe herum. Der

Wulf Marquard glücklich über neuen Platten Wulf Marquard istist glücklich über diedie neuen Platten

Seite 37.) Schon damals war Schiff keinem guten ZuSeite 37.) Schon damals war dasdas Schiff inin keinem guten Zustand, und Vereinsmitglieder versuchten, dem Prachtstück stand, und diedie Vereinsmitglieder versuchten, dem Prachtstück helfen. „Es eben großartiges Schiff. Stellen sich zum zuzu helfen. „Es istist eben einein großartiges Schiff. Stellen SieSie sich zum Beispiel vor: Wenn alle Bullaugen geschlossen sind, kann sich Beispiel vor: Wenn alle Bullaugen geschlossen sind, kann sich diedie ,Gorch Fock I‘ aus einer 90-Grad-Schräglage wieder aufrichten.“ ,Gorch Fock I‘ aus einer 90-Grad-Schräglage wieder aufrichten.“ Wegen dieser soliden Eigenschaften segeln noch heute vier fast Wegen dieser soliden Eigenschaften segeln noch heute vier fast baugleiche Schiffe. Eines davon sogar unter gleichem Namen baugleiche Schiffe. Eines davon sogar unter gleichem Namen (siehe unten). (siehe unten). 2003 kaufte Verein „Towarischtsch“ – und ließ wie2003 kaufte derder Verein diedie „Towarischtsch“ – und ließ siesie wieihren ursprünglichen Namen „Gorch Fock“ zurücktau- ➣➣ derder aufauf ihren ursprünglichen Namen „Gorch Fock“ zurücktau-

gibtzwei zwei EsEsgibt „GorchFock“ Fock“ „Gorch

den sicheren Händen zweier Schlepper InIn den sicheren Händen zweier Schlepper

„Gorch Fock Stralsund DieDie „Gorch Fock I“ I“ in in Stralsund zwar Jahre älter und sieben istist zwar 2525 Jahre älter und sieben Meter länger – aber ansonsten Meter länger – aber ansonsten baugleich dem gleichnamibaugleich mitmit dem gleichnamiSchwesterschiff, 1958 gengen Schwesterschiff, dasdas 1958 ebenfalls Blohm Voss vom ebenfalls beibei Blohm && Voss vom Stapel Diese jüngere „Gorch Stapel lief.lief. Diese jüngere „Gorch Fock“ wurde kürzlich ebenfalls Fock“ wurde kürzlich ebenfalls grundüberholt und Schulgrundüberholt und istist alsals Schulschiff Deutschen Marine schiff derder Deutschen Marine aufauf Meeren unterwegs. denden Meeren unterwegs.

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stil3535 stil

Schöne Patientin in Sicht: Einen so geschichtsträchtigen Gast begrüßen die Mitarbeiter der Volkswerft nicht alle Tage

fen. Und seitdem bestimmt der Segler Wulf Marquards Leben: „Ich bin so oft es geht auf dem Schiff.“ Er koordiniert das Sanierungsteam, das ausschließlich aus ehrenamtlichen Helfern besteht, und entwickelt dabei fast die Multitasking-Fähigkeit routinierter Eltern: Er sorgt sich um das Mittagessen der Helfer, achtet auf die Sicherheitsbestimmungen, telefoniert, schraubt, hämmert – und findet das auch noch okay: „Alles nicht so wild; auf See war ich damals viel müder als heute.“ Ziel ist es, die „Gorch Fock I“ seetüchtig zu machen – auch aus rein ökonomischen Gründen. Spätestens Mitte Dezember soll die „Gorch Fock I“ wieder ihren Platz an der Pier in Stralsund einnehmen, kann besichtigt werden und soll so Geld verdienen. Besucher mit nostalgischem Anspruch können sich freuen: Unter Deck ist das Schiff original erhalten. Und für alle Verliebten gilt auch weiterhin, dass an Bord der „Gorch Fock I“ geheiratet werden kann – ein romantischer Service des Standesamtes Stralsund, den seit 2003 immerhin 74 Paare in Anspruch genommen haben. Um die „Gorch Fock I“ fit genug für küstennahe Tagestouren zu machen, sind rund 1,5 Millionen Euro nötig, die durch Geld- und Sachspenden abgedeckt werden. Die Ilsenburger Grobblech GmbH, ein Unternehmen der Salzgitter AG, spendierte zum Beispiel neun Bleche für die Außenhaut des Seglers. Bernd Eisenkrätzer, Verkäufer für Schiffbaustähle in Ilsenburg: „Die Bleche mit der Güte ,Germanischer Lloyd AH36‘ wiegen insgesamt rund 18 Tonnen und haben einen Wert von knapp 20 000 Euro.“ Und Bernd Gersdorff, Kommunikationschef der SZAG, sagt: „Wir haben uns an der Sanierung beteiligt, weil wir damit unsere traditionellen und engen Beziehungen zum Schiffbau untermauern wollen.“ Museum an Bord: original eingerichtete Ambulanz (links) und das ursprüngliche Doppelruder von 1933 mit Messingreifen

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Länge: Länge:82,1 82,1mm Tiefgang: Tiefgang:5,2 5,2mm Segelfläche:1797 1797mm Segelfläche: AnzahlSegel: Segel:23 23 Anzahl Masthöhe:41,6 41,6mm Masthöhe:

Ein beeindruckendes Bild: die „Gorch Fock“ 1937 unter Vollzeug

FOTOS: ARCHIV TSF

FOTOS: ARCHIV TSF

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Ein beeindruckendes Bild: die „Gorch Fock“ 1937 unter Vollzeug

Die drei bewegten Leben der „Gorch Fock I“

Die Geschichte der gebürtigen Hamburgerin dass„Gorch nicht nur Katzen mehrereI“ Leben haben Die drei bewegten Lebenzeigt,der Fock

Die Geschichte der gebürtigen Hamburgerin zeigt, dass nicht nur Katzen mehrere Leben haben ine faszinierende Zeit liegt hinter Bark in ihrem ukrainischen Heimathafen

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Kherson und wechselt unter ukrainische Flagge. 1995 soll die „Towarischtsch“ inBark in ihrem Heimathafen stand gesetztukrainischen werden, allerdings fehlen in Kherson und wechselt unter ukrainische der Ukraine die Mittel für die ReparaFlagge. soll die „Towarischtsch“ inturen,1995 deren Kosten auf fünf Millionen DMgesetzt geschätzt werden. Zu dieser Zeitin verstand werden, allerdings fehlen derdie Verein Tall-Ship dermittelt Ukraine Mittel für die Friends Repara-Hilfe für das Schiff, erleidet aber Millionen einige Rückturen, deren Kosten auf fünf schläge und zieht sich 2002 enttäuscht DM geschätzt werden. Zu dieser Zeit ver-aus dem Projekt zurück. Nach dem Auftreten mittelt der Verein Tall-Ship Friends Hilfe von Lecks lässt die Stadt Wilhelmshaven, für das Schiff, erleidet aber einige Rückin der das Schiff inzwischen liegt, die Bark schläge und zieht sich 2002 enttäuscht aus zum Marinemuseum überholen.

FOTOS: ARCHIV TSF

demDrittes ProjektLeben: zurück. Nach dem Auftreten 2003 wird dem Verein von Lecks lässt die Stadt Wilhelmshaven, Tall-Ship Friends die „Towarischtsch“ zum in Verkauf der das angeboten. Schiff inzwischen liegt, dieeinen Bark Stralsund bietet zum Marinemuseum überholen. Liegeplatz an. Experten bezeugen dem Dritteseinen Leben: 2003 besseren wird demZustand Verein als Schiff weitaus erwartet. Der Verein kauft und lässt zum sie mit Tall-Ship Friends die „Towarischtsch“ einemangeboten. Dockschiff Stralsund nach Stralsund Verkauf bietet bringen. einen Am 29. November 2003 wird dasdem Schiff auf Liegeplatz an. Experten bezeugen den Namen „Gorch Fock“ zurückgetauft. Schiff einen weitaus besseren Zustand als Seitdem vieleund engagierte erwartet. Der arbeiten Verein kauft lässt sie Hände mit daran, die „Gorch Fock I“ wieder seetüchSo schick sahen die Fähnriche der einem Dockschiff nach Stralsund bringen. tig zu machen. Fortschritte sind sichtbar. „Gorch Fock“ im Jahr 1937 aus borgen. In Rostock und Wismar wird das Am 29. November 2003 wird das Schiff auf Schiff wieder aufgebaut und istAnmerkung: 1951 un- Der Bericht den Namen „Gorch Fock“ auf dieser Seite und über zurückgetauft. die „Gorch Fock I“ (Seite 38-42) erschien in der STIL, stil 37 BORDKAMERADSCHAFT Gorch Fock ter dem Namen „Towarischtsch“ Schul- der Salzgitter Seitdem arbeiten viele engagierteWeise Hände dem Konzernmagazin AG und wurde uns dankenswerter für unser Bordmagazin zur VerfügungSegelschulschiff gestellt. schiff der sowjetischen Handelsmarine. daran, die „Gorch Fock I“ wieder seetüchSo schick sahen die Fähnriche der

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der „Gorch Fock I“. So bewegt, dass es für drei Leben reicht! ineErstes faszinierende Zeit läuft liegt hinter Leben: 1933 bei „Gorch Fock I“. Sonach bewegt, Blohmder & Voss in Hamburg nur 100 dassBaunummer es für drei Leben reicht! Tagen die 495 vom Stapel und wird auf Leben: den Namen Erstes 1933 „Gorch läuft beiFock“ (Pseudonym Finkenwerder SchriftBlohm & Voss indesHamburg nach nur 100 stellers Johann Kinau) getauft. Das Tagen die Baunummer 495 vom StapelSchiff warwird vonauf derden Reichsmarine in Auftrag und Namen „Gorch Fock“gegeben worden, weil sie ein neues Ausbil(Pseudonym des Finkenwerder Schriftdungsschiff brauchte. Bei Kriegsbeginn stellers Johann Kinau) getauft. Das Schiff kommt der Ausbildungsbetrieb zum Erwar von der Reichsmarine in Auftrag geliegen, und die „Gorch Fock“ wird in vergeben worden,Häfen weil sie neues Ausbilschiedenen alsein stationäres Schuldungsschiff brauchte. Bei Kriegsbeginn schiff und Logisschiff genutzt. Am 30. kommt der Ausbildungsbetrieb zum ErApril 1945 wird die Bark im Strelasund liegen, und die „Gorch Fock“ wird indie vergezielt versenkt, damit sie nicht in schiedenen als stationäres Hände derHäfen Sowjetarmee gerät. SchulLeben: 1947 wird Am das Wrack schiffZweites und Logisschiff genutzt. 30. im Auftrag desdie sowjetischen Militärs geApril 1945 wird Bark im Strelasund borgen. In Rostock Wismar wird das gezielt versenkt, damitund sie nicht in die Schiff wieder aufgebaut und ist 1951 unHände der Sowjetarmee gerät. ter dem Namen „Towarischtsch“ SchulZweites Leben: 1947 wird das Wrack derdes sowjetischen Handelsmarine. imschiff Auftrag sowjetischen Militärs geBei Auflösung der UdSSR verbleibt die

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M i t g e s e t z t e n S e g e l n l ä u f t d i e „ G o rc h F o c k “ a u s , v e r l ä s s t P o n t a D e l g a d a a u f d e n A z o re n u n d s e t z t H e i m a t k u r s . F o t o : F r a n k D re h e r


Gorch Fock Magazin 05