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Dani Winter

Dani Winter

Rausch und Risiko

Macht Cannabis schizophren? Sind Partydrogen harmlos? Wann spricht man von Sucht und wie kann man sich davon befreien? Dieser Ratgeber vermittelt das nötige Wissen, um sich im Drogendschungel zurechtzufinden. Vom legalen Suchtmittel Alkohol über Cannabis und die «harten Stoffe» bis zu den Designerpillen beschreibt das Buch alle gebräuchlichen psychoaktiven Substanzen. Es zeigt, wie Eltern ihre Kinder unterstützen und mit ihnen über Drogen reden können. Das Buch weist Angehörigen den Weg aus der Ko-Abhängigkeit und informiert über Sucht, Therapien und rechtliche Fragen. Der übersichtliche Aufbau und die leicht verständliche Sprache machen «Rausch und Risiko» zum modernen Nachschlagewerk für alle, die in Sachen Drogen mitreden wollen.

Beobachter

Beobachter

ISBN 3 85569 271 8

Drogenratgeber für Jugendliche und Eltern

Ein Ratgeber aus der Beobachter-Praxis

Verlieren Sie bei Cannabis, Ecstasy, A2, MDMA oder Psylos die Orientierung? Hier kommt der Überblick.

Rausch und Risiko

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Rausch und Risiko Drogenratgeber f端r Jugendliche und Eltern

Ein Ratgeber aus der Beobachter-Praxis

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Der Autor Dani Winter (1966), Journalist BR, ist Mitbegründer der in.f.a.m. Medienbüro GmbH in Basel und Autor zahlreicher Publikationen zum Thema Drogen und Gesundheit. Mitarbeit: Udo Theiss, Journalist, Basel Autor und Verlag danken Richard Müller, Direktor Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme SFA für das Fachlektorat dieses Ratgebers.

Beobachter-Buchverlag © 2003 Jean Frey AG, Zürich Alle Rechte vorbehalten www.beobachter.ch Herausgeber: Der Schweizerische Beobachter, Zürich Juristische und fachliche Beratung: Marc Caprez und Walter Noser, Beobachter-Beratungszentrum, Zürich Lektorat: Ursula Binggeli, Zürich Umschlaggestaltung: Atelier Binkert, Zürich Layout und Satz: Focus Grafik, Zürich ISBN 3 85569 271 8

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Inhalt Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13

1. Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 Was dieses Buch will und wie Sie es brauchen können . . . . . . 16 Nichts ist mehr so, wie es war . . . . . . . Drogen als Mittel zur Freizeitgestaltung . . . Kleine und grosse Fluchten aus dem Alltag . Herausforderung für Erziehende . . . . . . . .

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2. Drogenkonsumentinnen und -konsumenten . . . . . . . 23 Richi – zweimal täglich Heroin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 Marc – das Leben als Party . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 Reto – das High aus der Natur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 Karin – Kiffen statt Meditieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29 Verena – Trinkerin auf dem Trockenen . . . . . . . . . . . . . . . . . 30

3. Drogen und Sucht – eine Einführung . . . . . . . . . . . . 33 Was sind Drogen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 Hart und weich – fliessende Grenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 Süchtig oder abhängig? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 Sucht – wie sie entsteht und verläuft Veränderungen im Gehirn . . . . . . . . . . Wer ist gefährdet? . . . . . . . . . . . . . . . Seelische und körperliche Abhängigkeit . Die Stadien der Sucht . . . . . . . . . . . . .

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Misch- und Mehrfachkonsum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41 Ko-Abhängigkeit von Angehörigen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 Prävention – was heisst das? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 Ziele und Schwerpunkte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43 Die drei Ebenen der Vorbeugung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43

4. Rund um den Rausch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 Der Rausch und seine Geschichte . . . . . . . Die lange Reihe der Verbote . . . . . . . . . . . Der Schutz des Individuums . . . . . . . . . . . . Gibt es ein Recht auf Rausch? . . . . . . . . . .

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5. Drogen und ihre Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49 Alkohol – Volksdroge Nummer Eins . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 Rauschbericht: «Mein erstes grosses Besäufnis» . . . . . . . . . . . . . 55 Nikotin – der legale Killer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57 Cannabis – das umstrittene Kraut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60 Rauschbericht: «Ein unfreiwilliger Haschischtrip» . . . . . . . . . . . . 65 Heroin & Co. – die Opioide . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 Rauschbericht: «Mit Heroin war alle Tage Sonntag» . . . . . . . . . . 71 Kokain – Doping fürs Ego . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73 Überblick: Partypillen und Designerdrogen . . . . . . . . . . . . . . 78 Safer Use und Erste Hilfe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79 Speed – die Leistungsdroge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83 Ecstasy – Trips für Raver . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87

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A2 – die Alternative zu Ecstasy . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 GHB – «Liquid Ecstasy» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92 2C-B & Co. – nicht nur angenehme Halluzinationen . . . . . . . . 95 Ketamin – «Special K» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 PMA – die «Finger weg!»-Pille . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100 LSD – psychedelische Träume . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102 Überblick: Pilze, Kräuter, Samen, Wurzeln . . . . . . . . . . . . . . 106 Psilos – die Zauberpilze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108 Rauschbericht: «Ich hatte Angst, in der Psychiatrie zu landen» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110 Meskalin – Dope vom Kaktus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113 Salvia divinorum – der Wahrsagesalbei . . . . . . . . . . . . . . . . 115 Argyreia nervosa – Hawaiian Baby Woodrose . . . . . . . . . . . . 117 Ephedra – der Mormonentee . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 Schnüffelstoffe – die Arme-Leute-Drogen . . . . . . . . . . . . . . 120 Poppers – die Sex-Droge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123 Lachgas – flüchtiges Party-Vergnügen . . . . . . . . . . . . . . . . . 125 Überblick: Medikamente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127 Barbiturate – riskante Beruhiger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129 Rauschbericht: «Man merkt gar nicht, wie verladen man ist.» . . . 130

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Benzodiazepine – die weit Verbreiteten . . . . . . . . . . . . . . . 132 Benzodiazepinähnliche Substanzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133 Stimulanzien / Weckamine – die Muntermacher . . . . . . . . . . 134 Opioide, Schmerz-, Husten- und Schlafmittel – die Ersatzdrogen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 135

6. Sucht ohne Stoff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137 Die Sucht nach einem Verhalten . . . . . . . . . Spielsucht – Spielen bis zur Verzweiflung . . . . Essstörungen – Nahrung als Zwang . . . . . . . . Muskeldysmorphie – die Sucht der Bodybuilder

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7. Drogen und Recht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 143 Konsum: Das Gesetz kennt kein Pardon . . . . . . . . . . . Unterschiedlich strenge Kantone . . . . . . . . . . . . . . . . Entkriminalisierung gefordert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Realität: Jeder Kontakt mit illegalen Drogen ist strafbar .

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Befragungen durch die Polizei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146 Antwort verweigern erlaubt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146 Protokoll: Zuerst lesen, dann unterschreiben . . . . . . . . . . . . . . 148 Drogentests am Arbeitsplatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 148 Die Datenschutz-Richtlinien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 148 Kündigung wegen Heroinkonsums? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149 Kiffen und Strassenverkehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150 Die Nachweiszeiten von Drogen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151 Unzuverlässige Drogentests . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 152

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Das neue Betäubungsmittelgesetz Die laufende Revision . . . . . . . . . . Umstrittene Liberalisierung . . . . . . Europaweite Aufmerksamkeit . . . . .

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8. Internet: Drogendeals und mehr . . . . . . . . . . . . . . . 157 Der grosse Online-Markt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158 Berauschendes auf Bestellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158 Infos vom World Wide Web . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 159 Austausch in der Szene . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 159

9. Drogenprävention – Suche nach dem sinnvollen Weg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 161 Drogenerziehung statt Drogenprävention? . . . . . . . . . . . . . . 162 Ziel: Drogenmündigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 162 Das Schweizer Modell: am Alltag angebunden . . . . . . . . . . . 163 Autonomie versus Anpassungsfähigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . 164

10. Mit Drogen richtig umgehen – Ratschläge für Familien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 165 Prävention in der Familie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166 So stärken Sie Ihr Kind . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166 Triple P: Eltern lernen erziehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167 Über Alkohol reden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169 Warum trinken wir wann? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169 Über Drogen reden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 170 Runter mit dem Zeigefinger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 170

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Wenn Ihr Kind harte Drogen konsumiert . . . . . . . . . . . . . . . 172 Dialog statt Drohungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 172

11. Angehörige – Wege aus der Hilflosigkeit . . . . . . . 175 Der Ko-Abhängigkeit entrinnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176 Rechtzeitig Unterstützung suchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176 «Hilfe durch Nichthilfe» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177 Elternvereinigungen – gegenseitige Neue Zeiten, andere Probleme . . . . . Professionelle Beratung . . . . . . . . . Drogenpolitisches Engagement . . . . .

Unterstützung ........... ........... ...........

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12. Therapie – der Sucht begegnen . . . . . . . . . . . . . . . 183 Der Alkoholsucht entkommen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 184 Aus eigener Kraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 184 Mit fremder Hilfe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185 Den Drogenkonsum beenden oder verändern . . . . . . . . . . . Hektik ist kontraproduktiv . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Via Entzug zur Abstinenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Integration durch Methadon- oder Heroinprogramm . . . . . . . . Therapien in der Diskussion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie eine Therapie finanziert wird . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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13. Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 197 Glossar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 198 Suchtberatungsstellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201 Schweizerische Suchthilfe-Websites . . . . . . . . . . . . . . . . . . 204 Websites rund um Drogen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 204 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 206 Verzeichnis der in der Schweiz verbotenen Substanzen . . . . . 208 Register . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 212

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Vorwort Informationen über Drogen finden sich wie Sand am Meer – Dutzende von Broschüren, Tausende von Internet-Seiten. Wozu also ein Drogenratgeber für Jugendliche und Eltern? Gerade diese Flut von Informationen über Drogen – legale und illegale – macht es so schwer, sich zurechtzufinden, macht viele, die Auskünfte wollen und Rat suchen, hilflos. Hinzu kommt, dass der Wissensstand der Eltern über Drogen meistens niedrig ist, jener der Jugendlichen oft widersprüchlich. Dies erschwert die Kommunikation über Drogen zwischen Eltern und Kindern. Der vorliegende Ratgeber versucht, Informationen in leicht fasslicher Weise zu sichten und zu bündeln, und erfüllt damit eine wichtige Aufgabe. Denn heute steht Interessierten eine so breite Palette von Drogen zur Verfügung wie noch nie. Wer Drogen konsumieren möchte, muss nicht lange nach ihnen suchen; das Angebot ist leichter zugänglich als je zuvor. Umso wichtiger ist es, genau Bescheid über die verschiedenen Substanzen zu wissen. Der Ratgeber stellt die in der Schweiz gängigen Drogen schematisch vor und vermittelt Jugendlichen, Angehörigen und Lehrpersonen damit zentrale Informationen – und gleichzeitig eine solide Basis für Diskussionen über Drogen, Drogenkonsum und die möglichen Folgen. Möglichst unvoreingenommen und lebensnah – weder banalisierend noch dramatisierend – berichtet das Buch zudem über Motive und Risiken des Konsums verschiedenster Drogen, diskutiert die Flucht in die Sucht und zeigt Wege, die hinausführen können. Wie sollen Eltern über Alkohol und Drogen mit ihren Kindern reden? Was ist zu tun, wenn Kinder Drogen konsumieren? Wo findet man Hilfe? Dies sind nur einige Fragen, deren Beantwortung diesen Ratgeber lesenswert macht. Richard Müller, Direktor der SFA, Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme, Lausanne, August 2003

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1. Einleitung Der Drogenmarkt, die Drogenszene und die Konsumgewohnheiten haben sich in den letzten Jahren stark ver채ndert. Auch die Gesellschaft und der Staat gehen mit dem Thema Drogen heute anders um als fr체her. Im Vordergrund steht die sachliche Information 체ber Drogen und die Risiken ihres Gebrauchs. Diesem Ansatz folgt auch das vorliegende Buch.

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Einleitung

Was dieses Buch will und wie Sie es brauchen können Mit Aufklärung und objektiver Information zu Minderung der Risiken von Drogen beizutragen, ist die Absicht dieses Ratgebers. Er gehorcht der Einsicht, dass Angst und Unwissen auch in Drogenfragen schlechte Ratgeber sind. Das Wissen um die Gefahren ist die Grundlage eines vernünftigen Umgangs mit legalen und illegalen Drogen.

Keine Aufforderung zum Drogenkonsum Die Informationen über die Wirkungen und Risiken einzelner Substanzen sollen keinesfalls eine Aufforderung oder Anleitung zum Drogenkonsum darstellen. Drogen, ob legal oder illegal, sind immer ein Risiko und oft schädlich für die Gesundheit. Drogen können süchtig machen und viel Leid verursachen, sowohl bei denen, die sie konsumieren, als auch bei ihren Angehörigen. Ausserdem ist der Handel, Erwerb und Konsum der meisten Drogen nach wie vor strafbar. Die Informationen zu den verschiedenen Substanzen wurden nach bestem Wissen zusammengetragen und möglichst akkurat wiedergegeben. Auch die genausten Hinweise können die mit dem Konsum von Drogen einhergehenden Risiken jedoch nicht aus dem Weg schaffen. Wer Drogen konsumiert, tut dies immer auf eigene Gefahr.

• Eine Einführung ins Thema In den ersten Kapiteln stellen wir Ihnen Drogenkonsumentinnen und -konsumenten vor. Zudem finden Sie die präzisen Definitionen von Begriffen wie Drogen, Sucht und Abhängigkeit sowie Checklisten, die Ihnen helfen sollen, Ihren eigenen Suchtmittelkonsum zu hinterfragen. Anschliessend erhalten Sie einen Einblick in die Geschichte des Drogengebrauchs. • Die einzelnen Substanzen Im Mittelteil werden Drogen und ihre Wirkung beschrieben. Natürlich kann man über die dabei vorgenommene Einteilung der Substanzen in

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Wirkstoffgruppen streiten. Es ging uns aber weniger um die pharmakologisch präzise Klassifizierung als um eine sinnvolle und überschaubare Darstellung, die auch Faktoren wie der Verbreitung einer Droge, Konsumgewohnheiten und ähnlichem Rechnung trägt. Wir haben versucht, die Informationen zu den einzelnen Substanzen einheitlich zu strukturieren, damit Sie sich möglichst leicht zurechtfinden. So können Sie beim Nachschlagen jeweils direkt zu dem Abschnitt springen, der Sie interessiert. Eine Haftung für die Vollständigkeit der Angaben können wir nicht übernehmen. • Recht, Prävention, Therapie Im dritten Teil schliesslich erhalten Sie Auskunft zu rechtlichen Fragen, die sich im Zusammenhang mit Drogenkonsum stellen können. Zudem erhalten Eltern und Angehörige Hinweise für die Auseinandersetzung mit Söhnen und Töchtern, Partnerinnen und Partnern, die Drogen konsumieren. Das abschliessende Kapitel widmet sich der Therapie, stellt die verschiedenen Formen vor und geht auf die Frage der Finanzierung ein. Wer aus einer Sucht aussteigen will, findet dort eine Darstellung der ersten Schritte sowie hilfreiche Adressen. Und wer sein Wissen vertiefen will, findet im Anhang nützliche Internetlinks und Buchtipps sowie ein Stichwortverzeichnis.

Wie Sie den Ratgeber nutzen können Dieses Buch lässt sich auf unterschiedliche Weise brauchen. Sie können • es von vorne bis hinten durchlesen. Nach der Lektüre wissen Sie über das Thema Drogen besser Bescheid. • sich anhand des Inhaltsverzeichnisses einen Überblick verschaffen und das Kapitel nachschlagen, das Sie speziell interessiert. • das Buch oder einzelne Kapitel als Grundlage verwenden, um zu zweit, in der Familie oder in der Klasse über bestimmte Drogen und /oder über Drogenkonsum zu diskutieren. • dieses Buch nutzen, um Ihre Neugier in Sachen Drogen zu stillen und sich über die Risiken, Nebenwirkungen und das Suchtpotenzial bestimmter Substanzen zu informieren, bevor Sie sie konsumieren. Vielleicht lassen Sie es dann lieber bleiben!

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Nichts ist mehr so, wie es war Früher war nicht alles einfacher, aber zumindest übersichtlicher. So auch der Drogenmarkt. Es ist noch nicht sehr lange her, dass sich das Angebot an illegalen Rauschmitteln im Wesentlichen auf Cannabis, LSD, Speed, Kokain und Heroin beschränkte. Wer Drogen nahm, tat dies nicht zuletzt aus Protest gegen die Gesellschaft oder um sich von der Masse abzuheben. Der durchschnittliche Drogenkonsument konzentrierte sich in der Regel auf eine Substanz und probierte hin und wieder mal etwas anderes.

Drogen als Mittel zur Freizeitgestaltung Seither hat sich vieles geändert. Anders als früher werden Drogen heute kaum mehr aus Nonkonformismus konsumiert. In den letzten 20 Jahren hat sich der Anteil der Personen mit Cannabis-Erfahrung in der Schweiz mehr als verdoppelt. Der Anteil der Kiffenden unter den 15- bis 24-Jährigen ist im selben Zeitraum von 20 auf 49 Prozent angewachsen. Gerade noch jeder vierte Kiffer verbindet seinen Cannabiskonsum mit gesellschaftskritischen Motiven. Die grosse Mehrheit – immerhin ein Viertel der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Schweiz – sieht in Cannabis eine Freizeitdroge, die man konsumiert, um sich vom Alltagsstress zu erholen. Der Joint hat für sie den Stellenwert bekommen, den für andere das «wohlverdiente Bierchen» nach Feierabend einnimmt. Cannabis ist nicht die einzige Droge, die entmystifiziert worden ist. Heroin kostet heute 50 bis 100 Franken pro Gramm. Vor 15 Jahren noch zahlte man fünf bis zehn Mal soviel. Nach einer vorübergehenden Zunahme zu Beginn der Neunzigerjahre ging die Zahl der Neueinsteiger unter den verzeigten Heroinkonsumenten zurück. Zwar geht man davon aus, dass die Zahl der Heroinkonsumenten stabil geblieben ist. Doch gibt es mehr sozial unauffällige Konsumentinnen und Konsumenten, von denen viele polizeilich gar nicht erfasst werden. Die grössten Sorgen bereitet den Gassenarbeitern mittlerweile nicht mehr der Heroin-, sondern der stark zunehmende Kokainkonsum und der anhaltende Trend zum Mehrfachkonsum.

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Breites Angebot, leicht erhältlich Die Zeiten, in denen ein Elternabend reichte, um sich über die gängigen Drogen ins Bild setzen zu lassen, sind vorbei. Heute werden mehr illegale Suchtmittel konsumiert denn je. Die Palette ist breit, und die Substanzen sind heute wesentlicher einfacher und auch ausserhalb der klassischen Drogenszene erhältlich. Der Techno-Boom hat den Drogenkonsum in Kreise getragen, die früher praktisch drogenfrei waren. Partydrogen wie Ecstasy, Amphetamine und Amphetamin-Derivate spielten bis vor 20 Jahren eine untergeordnete Rolle auf dem Drogenmarkt. Heute sind sie, trotz rückläufiger Beschlagnahmungen, die am zweithäufigsten konsumierten illegalen Substanzen. Ob Studentinnen, KV-Stifte, Bauarbeiter oder Krankenschwestern – die Partypille am Wochenende gehört für viele von ihnen einfach dazu. Mit dem Bedürfnis der Hippies, durch Drogen «das Bewusstsein zu erweitern», hat der Durchschnittskonsument von heute nicht mehr viel am Hut. Im Vordergrund steht der Wunsch, die eigene Stimmung und Leistungsfähigkeit nach Bedarf steuern zu können. Der Wunsch, unser Befinden nach Belieben regulieren zu können, kommt nicht von ungefähr. Er wird uns von klein auf anerzogen. Ratlose Eltern Viele Eltern beobachten den Drogenkonsum ihrer Kinder mit einer Mischung aus Besorgnis und Hilflosigkeit. Einerseits will man vielleicht nicht konservativer erscheinen als unbedingt nötig. Wenn praktisch jeder kifft, kann es ja wirklich nicht so schlimm sein. Und hat man nicht selbst seine Erfahrungen gesammelt in dem Alter? Und hat man nicht selbst seine Laster? Auf der anderen Seite fragt sich mancher, ob die Pillen, die sich die Söhne und Töchter unbeschwert einwerfen, wirklich so harmlos sind. Regelmässig genährt wird diese Sorge von Studien, die die Schädlichkeit von vermeintlich harmlosen Substanzen belegen – oder zumindest belegen wollen. Fakt ist, dass der Drogenkonsum in unserer Gesellschaft kaum mehr zu unterdrücken ist. Die Freiheit, sich zu berauschen, erscheint vielen Menschen unserer Zeit als ihr gutes Recht. Sie finden nichts Falsches daran, sich am Wochenende aus dem grauen Alltag auszuklinken und in eine, wenn auch mit künstlichen Hilfsmitteln herbeigeführte, heilere

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oder wenigstens farbigere Welt abzutauchen. Schliesslich kommt man am Montag ja wieder seinen gewohnten Pflichten nach.

Kleine und grosse Fluchten aus dem Alltag Der Wunsch, einen eintönigen Alltag durch aussergewöhnliche Erfahrungen zu bereichern, ist Teil unserer Gesellschaft. Der eine frönt leidenschaftlich einem Hobby, der andere betreibt Risikosportarten, wieder andere suchen das Aussergewöhnliche im Rausch. Das Risikopotenzial eines Drogentrips lässt sich durchaus mit dem einer Motorradfahrt vergleichen: Einige Risiken lassen sich reduzieren, wenn man bestimmte Vorsichtsmassnahmen trifft; ganz ausschliessen lässt sich ein Crash aber nie. Ein wesentliches Risiko beim Drogengebrauch stellt die Entwicklung eines problematischen Konsummusters dar. Die Grenze zwischen den kleinen Fluchten aus dem Alltag und der Flucht vor der Realität ist meistens nicht einfach zu ziehen. Wer den Alltag nur noch mit Drogen interessant findet, hat ein Problem. Dass man sich bei der Antwort auf die Frage, wieso man gewisse Drogen nimmt, etwas vormacht, liegt im Wesen der Sucht. Wenn man sich seine Sucht eingestehen kann, leidet man meistens schon eine ganze Weile darunter. Ob eine Substanz süchtig macht, hängt in erster Linie vom Individuum ab, das sie konsumiert. Das ist bei den illegalen Drogen nicht anders als etwa beim Alkohol. So wie es Genusstrinker gibt, die mit Alkohol vernünftig umgehen können, gibt es Kokaingebraucher, die ihren Konsum unter Kontrolle haben und auch nach Jahren nicht auffällig werden. Neben der Regelmässigkeit des Gebrauchs spielt die Art der Motivation eine entscheidende Rolle: Wer Substanzen konsumiert, um Konflikten auszuweichen oder unangenehme Stimmungen zu beseitigen, erhöht sein Risiko, süchtig zu werden, beträchtlich.

Herausforderung für Erziehende Die staatliche Drogenpolitik der Schweiz fusst auf der Erkenntnis, dass mit Repression allein den durch Drogenkonsum verursachten Problemen nicht beizukommen ist. Zwar sind die meisten Suchtmittel nach

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wie vor illegal. Die Durchsetzung der Verbote geniesst jedoch nicht mehr gleich grosse Priorität wie früher. Die erbitterten Debatten der Neunzigerjahre um das Heroinproblem und seine Begleiterscheinungen haben einer weitgehend sachlich geführten Diskussion Platz gemacht. Das Problem selbst wurde durch Betreuungs- und Substitutionsprogramme weitgehend medizinalisiert. Beim Cannabis führte die allgemeine Banalisierung und der anhaltende Boom zu einer faktischen Liberalisierung. In der ganzen Schweiz schossen Hanfläden aus dem Boden, Bauern bepflanzten ihre Felder mit dem berauschenden Kraut, die Renaissance des Hanfs war das Medienthema schlechthin. Touristen und juristisch weniger beschlagene Zeitgenossen konnten leicht den Eindruck erhalten, Cannabis sei in der Schweiz legal. Regeln und Grenzen setzen Mittlerweile ist die allgemeine Hanfeuphorie einer kritischeren Haltung gewichen. Doch die Tendenz, den Konsum nicht mehr mit staatlicher Repression zu unterbinden, wird sich mit dem neuen Betäubungsmittelgesetz, das voraussichtlich nicht vor 2005 in Kraft treten wird, aller Voraussicht nach fortsetzen. Für Eltern und Partner, aber auch für Lehr- und Betreuungspersonen ist das eine besondere Herausforderung. Jetzt ist es an ihnen, verbindliche Regeln und Grenzen aufzustellen und durchzusetzen. Damit macht man sich bekanntlich nicht immer beliebt. Und funktionieren kann es nur, wenn man selbst glaubwürdig bleibt und sich an die gleichen Regeln hält. An der Reflexion des eigenen Konsum- und vielleicht auch Suchtverhaltens kommt man dabei nicht vorbei. Eine der vier Säulen, auf die sich die schweizerische Drogenpolitik stützt, ist die Prävention. Da jede und jeder irgendwann mit Suchtmitteln in Berührung kommt, muss Prävention darauf abzielen, die Persönlichkeit bis dann so weit zu stärken, dass sie vernünftige und mündige Entscheidungen treffen kann. Nur wer das Leben auch nüchtern als wertvoll betrachtet, wird die mit dem Gebrauch einer Droge verbundenen Risiken ausreichend würdigen. Prävention muss aber auch akzeptieren, dass Drogenkonsum existiert. Dort, wo er stattfindet, muss sie versuchen, die Risiken zu minimieren.

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2. Drogenkonsumentinnen und -konsumenten Wenn es um Drogen geht, geht es um Menschen. Deshalb stellt Ihnen dieses Kapitel Frauen und Männer vor, die Drogen konsumieren. Sie entsprechen nicht dem Bild, das man sich gemeinhin von «Drögelern» macht. Die Portraits zeigen: Drogenkonsumenten von heute sind Leute wie Sie und ich.

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Richi – zweimal täglich Heroin Mit den zerlumpten Jammergestalten, die sich vor den Fixerstuben in den Schweizer Städten herumdrücken, hat der 40-jährige Richi nicht viel gemeinsam. Massig und breitschultrig, sieht man ihm an, dass er anpacken kann und das als Bauhandlanger auch täglich tut. Und doch: Richi ist das, was man einen Junkie nennt. Er braucht zweimal täglich seine Dosis Heroin. Seit fast zwanzig Jahren. Angefangen hat alles in den Jahren um 1980. Wie viele Jugendliche schloss sich Richi damals der Jugendbewegung an, die in jener Zeit die Schweiz erschütterte. Er besetzte Häuser, lebte in Wohngemeinschaften, nahm an Demonstrationen und politischen Aktionen teil – und experimentierte mit Drogen. «Ich wollte immer schon mal Heroin probieren. Und als sich dann die Gelegenheit ergab, wusste ich sofort: Das ist meine Droge.» Am Anfang blieb es beim gelegentlichen Konsum und beim Sniffen. Doch mit der Zeit konsumierte Richi immer mehr und immer regelmässiger. Schliesslich begann er den Stoff zu spritzen. Und es kam, wie es scheinbar kommen muss. Richi landete auf der «Gasse» und musste sich den Stoff mit Gaunereien und Dealereien finanzieren. Der Abstieg war schnell und gründlich. Wie die meisten Junkies machte Richi etliche Entzüge. Doch er wurde immer wieder rückfällig. Auch die Verschreibung der Ersatzdroge Methadon war keine echte Hilfe. Es zog ihn immer wieder zum Heroin zurück. Seine Rettung nahte schliesslich von völlig unerwarteter Seite. «In den Neunzigerjahren, als konkurrierende Dealerorganisationen den Markt mit billigem Heroin überschwemmten, kam für mich die Wende.» In kurzer Zeit sank der Preis für ein Gramm Heroin auf der Strasse von rund 500 auf 50 Franken. So wurde die Sucht für Richi erschwinglich. «Das Heroin war plötzlich so billig, dass sich jemand mit einem guten Job die Sucht leisten konnte, ohne zu verelenden.» Hilfreiche Jobs Doch ein gut bezahlter Job war für Richi so illusorisch wie ein Leben ohne Stoff. Der ungelernte Bauhandlanger wusste sich jedoch zu helfen. Er finanzierte seine Sucht mit vergleichsweise stressfreiem Haschischhandel, einem Stand am Flohmarkt sowie der Arbeit auf dem

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Bau und in Handwerksbetrieben. Während andere Junkies auf der Gasse oft jeden Kontakt zur «normalen» Welt verlieren, waren diese Aktivitäten für Richi immer das Verbindungsglied zur Gesellschaft und garantierten damit eine gewisse Normalität. Über die Arbeit und den Flohmarkt konnte er in all den Jahren der Abhängigkeit seine sozialen Beziehungen erhalten und pflegen – auch über den Haschischhandel. Denn praktisch alle seine Kunden sind Menschen mit geregeltem Lebenswandel, häufig sogar gehobenen beruflichen Positionen. Mit Richi ging es sozial und gesundheitlich wieder aufwärts. Um seine Gesundheit und besonders seine angegriffene Leber zu schonen, hörte er sogar auf, den Stoff zu spritzen, und rauchte ihn nur noch. Heroinprogramm als Chance Doch mit dem Afghanistankrieg wurde offenbar der Nachschub für billiges Heroin abgeschnitten. «Plötzlich war kein brauchbarer Stoff mehr zu haben. Die Preise blieben stabil, aber die Qualität wurde immer schlechter.» Schliesslich brauchte Richi wieder bis zu 5000 Franken im Monat nur für das Heroin. Gleichzeitig wurde durch das riesige Angebot von Cannabis die Konkurrenz immer grösser und der Haschischhandel immer schwieriger. Es drohte der erneute Abstieg. «Schliesslich hab ich mich für das Heroinprogramm angemeldet.» Heute bekommt Richi zweimal täglich eine Herointablette. Er ist, abgesehen von seiner Sucht, kerngesund. Seine Leberwerte sind wieder normal und er erscheint jeden Morgen pünktlich um 6.45 Uhr an seinem Arbeitsplatz – nachdem er sich seine Morgenration Heroin abgeholt hat. «Heute zahl ich sogar meine AHV-Beiträge. Eigentlich unterscheidet mich kaum noch was von einem hundskommunen Büezer.» Ausser vielleicht der Tatsache, dass Richi keinen Alkohol trinkt. Selbst die Zigaretten hat er vor ein paar Wochen aufgegeben – «mit Entzugserscheinungen, die mit denen von Heroin vergleichbar sind.» Kann er sich auch vorstellen, irgendwann das Heroin aufzugeben? «Nein! Ganz wie ein Mönch will ich nun doch nicht leben.»

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Marc – das Leben als Party Marc (29) steckte sich vor sieben Jahren mit dem Techno-Fieber an. «Damals gab es in Basel noch richtig geile Clubs. Die Raves waren familiär und noch nicht so kommerziell wie heute, die Leute noch richtig gut drauf.» Marc entdeckte Ecstasy und feierte damit manchen Exzess. «Eine Zeit lang war ich fast jedes Wochenende drauf – und ich meine das ganze Wochenende. Manchmal fing es schon am Donnerstag an.» Während dieser Zeit habe er seine Arbeitsplätze gewechselt wie andere Leute die Unterhosen. Richtig glücklich sei er nirgends gewesen. «Aber das fand ich nicht sonderlich schlimm. Meine Prioritäten lagen ganz klar auf der Freizeit. Und da ging in dieser Zeit mächtig die Post ab.» Er habe die Raver-Szene als verbundene Gemeinschaft erlebt. Durch Techno habe er erst erfahren, was ein richtiges Fest sei. Gefälschte Pillen Das ging rund zwei Jahre so. Marc nahm so ziemlich alles, was ihm als Ecstasy verkauft wurde. Am Anfang hätten die Pillen mehrheitlich MDMA enthalten, den eigentlichen Ecstasy-Wirkstoff. Irgendwann sei es aber losgegangen mit den gefälschten Pillen. «Mal merkte man gar nichts, mal war es ähnlich wie Ecstasy, aber eben nicht gleich. Die Dealer wussten selbst nicht, was sie verkauften.» Marc reduzierte seinen Ecstasy-Konsum. Er ging nicht mehr jedes Wochenende auf einen Rave, und manchen besuchte er, ohne etwas zu nehmen. Dann experimentierte er mit LSD und den «Pilzli», die damals in den Hanfshops frei erhältlich waren. Als es hip war, Lachgas aus Ballons zu saugen, stand er ebenfalls nicht abseits. Als GHB aufkam, probierte er auch das. Und zwischendurch nahm er immer mal wieder ein paar Ecstasy-Pillen. Marc war in Drogenfragen nie ein Kind von Traurigkeit. Er trinkt, raucht und kifft, wenn auch nicht täglich, so doch regelmässig. «Anstatt mir lange den Kopf zu zerbrechen, wie eine Substanz wohl wirken könnte, probierte ich sie immer einfach aus.» Einer seiner Freunde landete nach seinem erstem LSD-Versuch in der Psychiatrie. Ein anderer katapultierte sich mit einem Mix aus GHB und Alkohol beinahe ins Koma. «Das gab mir schon zu denken. Mir selbst ist so etwas aber nie passiert.» Gegen Ende der Neunzigerjahre sei dann Speed in Mode ge-

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kommen. Auch Marc «peppte» auf den Partys fleissig mit. «Die Peaceand-Love-Atmosphäre ging damit endgültig flöten. Aber irgendwie war das eh schon länger vorbei. Irgendwann merkst du einfach, dass alles nur vorgegaukelt ist. Und dann wirkt es nicht mehr gleich.» Mit dem Speed habe auch die Aggressivität Einzug in die Szene gehalten. Heute treffe man Skins und Hooligans auf den Partys. Auch der Alkoholkonsum sei massiv gestiegen. Clean sein – es bleibt beim Vorsatz Auf Speed folgte Kokain. «So manchen Papi würde es glatt aus den Socken hauen, wenn er seine Tochter auf eine Party begleiten würde. Die Toiletten sind vollgestopft mit Koksern, manche sniffen das Zeug direkt vom Bartresen. Die Leute pfeifen sich in aller Öffentlichkeit alles Mögliche ein. Und kein Mensch sagt etwas dagegen.» Manchmal fragt sich Marc, wo das enden soll. Er selbst nehme sich immer wieder vor, clean zu bleiben. Aber anders als früher beim Ecstasy, fällt es ihm bei Speed und Koks viel schwerer, sich an den Vorsatz zu halten. «Wenn ich am Morgen nach Hause komm, bin ich meistens eben doch verladen. Ich kenne einfach eine Menge Leute, die mir das Zeug gratis offerieren.» Seit einem Jahr hat Marc einen festen Job und eine feste Beziehung. Auf Partys – und dazu gehören für ihn auch Drogen – will er trotz aller Bedenken nicht verzichten. «Der Alltag wäre mir einfach zu trist ohne diese Ausbrüche. Ausserdem würde mir der soziale Aspekt der Partys fehlen. Die meisten meiner Freunde bewegen sich nun mal in diesen Kreisen.»

Reto – das High aus der Natur Die ersten Naturdrogen, die Reto (23) konsumierte, waren Hanf und halluzinogene Pilze. Zwei seiner Freunde betreiben einen Ethnobotanik-Shop, in dem zahlreiche Naturdrogen erhältlich sind. Die Produktpalette reicht von halluzinogenen Woodrose-Samen über den Wahrsagesalbei bis hin zu Fliegenpilzen. Viele der Naturdrogen, die in den einschlägigen Shops erhältlich sind, hat Reto selbst probiert. Er bevorzugt Substanzen mit psychedelischer Wirkung. «Ich hab eigentlich nur

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positive Erfahrungen gemacht. Natürlich muss man sich vorher informieren, worauf man sich einlässt und was einen erwartet. Wenn man das macht, kann man viel lernen, auch fürs nüchterne Leben.» Seine Informationen bezieht Reto wie die meisten Biodrogen-Freaks aus dem Standardwerk der Ethnobotanik, der fast 1000-seitigen «Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen» des Schweizers Christian Rätsch (siehe Literatur Seite 207). Eine weitere Informationsquelle ist das Internet. Informationen über die Rauschwirkung bestimmter Pflanzen sind dort für jedermann frei abrufbar, ebenso Anwendungsbeschreibungen und Dosierungsangaben. Das Internet spielt auch eine wichtige Rolle beim Vertrieb der psychoaktiven Pflanzen. Da die meisten von ihnen völlig legal sind, kann man sie ohne grössere Umstände in einer ganzen Reihe von E-Shops bestellen. Horrortrips sind immer möglich Auch wenn er selbst nur gute Erfahrungen gemacht hat, kennt Reto doch Leute, die Horrortrips erlebten. «Eine Freundin von mir landete mal im Spital, weil sie sich eine Überdosis Stechapfel genehmigt hatte. Die quatschte zwei Tage lang total wirres Zeug und berichtete im Nachhinein von den seltsamsten Begegnungen, unter anderem mit dem Teufel. Das war mir eine Warnung.» Das Problem mit den Naturdrogen sei, dass sie oft unterschätzt würden. «Tatsächlich gibt es milde Mittelchen, bei denen man nur eine leichte Wirkung spürt. Andere aber wirken so stark wie ein LSD-Trip.» Keine Angst vor einer Sucht Angst, süchtig zu werden, hat Reto nicht. «Anders als chemische Drogen haben die natürlichen meistens eine Schwelle eingebaut, die einen übermässigen Konsum verhindert.» Naturdrogen schmecken oft abscheulich, erzeugen Brechreiz und andere Nebenwirkungen. Natürlich gibt es Ausnahmen: Der aufputschende Ephedra-Tee etwa hat durchaus ein gewisses Suchtpotenzial, wie Reto selbst feststellen musste. «Das erste Mal tranken wir von dem Tee, um uns in Fahrt zu bringen für eine Goa-Party. Das funktionierte bestens. Auch die Schlaffheit am nächsten Tag liess sich mit dem Tee problemlos beseitigen. Zwei Wochen lang trank ich das Zeug mehr oder weniger täglich, bis ich merkte, dass ich

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es langsam brauchte. Ich wurde immer fahriger und zappliger. Dann liess ich die Finger davon.»

Karin – Kiffen statt Meditieren Karin (42) kifft seit über 25 Jahren. Man sieht es ihr nicht an. Kein Henna im Haar, keine Wollsocken – Karins Stil ist sportlich elegant. «Abgesehen davon, dass er mir nicht gefällt, könnte ich mir den typischen Kifferlook gar nicht leisten.» Karin arbeitet in gehobener Position in einem international tätigen Grossunternehmen.Viele ihrer Kollegen seien stockkonservativ und allen Drogen gegenüber höchst kritisch eingestellt. Ihren ersten Joint rauchte Karin mit 16 Jahren. «Ich merkte rein gar nichts.» Das änderte sich schnell, und bald gehörten die Joints für sie zu jeder geselligen Runde. «Wir kifften in den Pausen, wie andere Zigaretten rauchten. Wir fanden die Schule einfach so stier, dass wir uns lieber bedröhnten. Das war in der Sek so, und später in der Handelsschule auch.» Das viel bemühte Null-Bock-Syndrom ist Karin nicht fremd. «Allerdings glaube ich, dass ich auch ohne Hasch keine Freude an der Schule und an der Lehre gehabt hätte. Irgendwie half das Hasch mir sogar, diese schwere Zeit durchzustehen.» Jeden Tag einen Joint Nach der Lehre ging sie mit einem Haschdealer. «Den ganzen Tag Kiffer in der Hütte, der Qualm hing immer in der Wohnung. Und der Typ bewegte seinen Hintern nur zweimal pro Woche aus dem Haus. Da wurde es mir zu viel.» Karin machte Schluss und zog aus. Fast vier Jahre lang liess sie die Finger von Cannabis. «Ich arbeitete in den unterschiedlichsten Jobs, reiste, sammelte Erfahrungen, bildete mich weiter, machte Karriere.» Irgendwann in den Ferien zog sie wieder mal an einem Joint, der ihr gereicht wurde. Seither kifft sie wieder. Und zwar mehr oder weniger täglich. «Pause mache ich eigentlich nur, wenn ich ins Ausland fahre.» Karin sagt selbst, dass sie wohl psychisch abhängig sei. «Wenn ich etwas im Haus hab, kann ich die Finger nicht davon lassen. Und wenn ich nichts im Haus hab, geh ich mir was kaufen.» Mittlerweile be-

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schränkt sich Karins Konsum aber auf einen Joint am Abend. «Den brauche ich einfach. Ich komme nach Hause, schenke mir ein Glas Wein ein, pflanze mich auf die Couch, hol meinen Mischeltopf raus – das Ganze ist ein Ritual, das fest zu meinem Tagesablauf gehört.» Karin bevorzugt Haschisch. Sie kauft es in einem Plattenladen, der die Ware inoffiziell verkauft. «Gras kratzt beim Rauchen so im Hals. Ausserdem sind mir die Power-Sorten, die heutzutage gehandelt werden, einfach zu stark.» Ihr Lebenspartner kifft übrigens nicht. «Manchmal fragt er mich, ob ich die Kifferei in meinem Alter nicht albern finde. Und ein bisschen hat er ja auch Recht. Andererseits profitiert er auch davon. Hasch ist für mich nämlich ein erstklassiges Aphrodisiakum. Und vernaschen lässt er sich immer noch gern von mir.»

Verena – Trinkerin auf dem Trockenen Verena (45) ist seit zwei Jahren trocken. «Mehr oder weniger», räumt sie ein. In den zwei Jahren hatte sie vier Rückfälle. «Der Alk ist einfach überall präsent. Und wenn du dich nicht vollkommen isolieren willst, ist der Alltag voller Stolperfallen.» Kollegen, die einen auffordern, mal eins mitzutrinken. Die gute Flasche Wein, die der Gastgeber zum Nachtessen aufmacht. Der blöde Blick des Barkeepers, wenn man ein Wasser bestellt. Aber nicht immer sind es die andern. Manchmal, gibt Verena zu, bekommt sie einfach unbändige Lust, sich zu besaufen. Verena, Sekretärin und allein erziehende Mutter zweier Töchter, war dreizehn Jahre lang auf Alk. «Meine Säuferkarriere war unspektakulär und relativ unauffällig. Als ich aufhörte zu trinken, wunderten sich viele meiner Bekannten. Ihnen war gar nicht aufgefallen, dass ich mehr trank als andere.» Wann sie zur Alkoholikerin wurde, weiss Verena selbst nicht so genau. «Einem Gläschen unter Freunden war ich noch nie abgeneigt gewesen. Lange trank ich, wie man es halt so macht. Nach Feierabend in der Beiz, beim Essen, nach dem Kino.» Mit ihrem damaligen Freund zog auch der Alkohol bei ihr zuhause ein. Und als die Beziehung in die Brüche ging, blieb der Alkohol bei ihr. «Für die Kinder bestellte ich beim Getränkelieferanten Mineralwasser und Limonade, für mich bestellte ich Bier.»

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Heimlichkeit und Schamgefühle Der Alkohol tröstete Verena, wenn sie zu Hause bleiben musste, während ihre Kolleginnen und Kollegen im Ausgang Spass hatten. Der Alkohol half ihr, die allgegenwärtigen Geldsorgen zu vergessen. Und er war ihr Lohn für den Verzicht, den Job, Haushalt und Kinder ihr abverlangten. «Ich trank immer erst nach dem Mittag und nie so viel, dass ich sturzbesoffen gewesen wäre», erinnert sie sich. Aber Tage ohne Alkohol gab es irgendwann überhaupt nicht mehr. «Mit der Zeit fing ich an, meinen Alkoholkonsum zu verheimlichen. Ich schämte mich wahnsinnig. Ich isolierte mich immer mehr, bis ich irgendwann merkte, dass es so nicht weitergehen konnte. Aber von diesem Punkt an dauerte es noch mehrere Jahre, bis ich mit dem Trinken aufhörte.» Entzug nach Zusammenbruch Eine Nachbarin sprach sie auf ihr Alkoholproblem an und lud sie zu einem Treffen der Anonymen Alkoholiker (AA) ein. Doch davon wollte Verena zu jenem Zeitpunkt nichts wissen. Erst als sie vor zwei Jahren einen Zusammenbruch erlitt, liess sie sich helfen. «Mein Arzt wies mich in eine Klinik ein, wo ich einen Monat lang blieb. Ich wäre am liebsten für immer dort geblieben. Nicht weil ich Angst hatte, rückfällig zu werden, sondern aus Angst davor, wie meine Familie und mein Umfeld reagieren würden.» Dem Chef hatte sie reinen Wein eingeschenkt, aber den Fragen der Kollegen musste sie sich erst noch stellen. Rückblickend stellt Verena fest, dass sowohl ihre Familie wie auch ihr übriges Umfeld sehr verständnisvoll reagierten. Keinerlei Verständnis hat sie selbst allerdings dafür, dass manche Bekannte sie auch heute noch zu einem Bierchen einladen wollen. Nach dem Klinikaufenthalt begab sich Verena in eine ambulante Psychotherapie, die sie bis heute fortsetzt. Seit anderthalb Jahren besucht sie die Treffen der Anonymen Alkoholiker. Denn nur in diesem Kreis ist sie unter Leuten, die das gleiche Problem haben wie sie. Dass sie je wieder Alkohol trinken wird, schliesst Verena aus. «Es quält mich, dass ich keinen unproblematischen Umgang mit der Droge Alkohol pflegen und ab und zu mal eins mittrinken kann. Aber es ist nun mal so. Und dank der AA-Treffen weiss ich, dass ich nicht die einzige bin, der es so geht.»

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3. Drogen und Sucht – eine Einführung Was sind Drogen? Wann spricht man von Sucht, und wie wird man süchtig? Was versteht man genau unter Abhängigkeit, und was unter Ko-Abhängigkeit? Dieses Kapitel erläutert die wichtigsten Begriffe, die im Zusammenhang mit Drogen und Sucht immer wieder auftauchen.

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Was sind Drogen? Das Wort «Droge» leitet sich vom althochdeutschen «drög» (trocken) ab. Im Mittelalter verstand man darunter Arzneien aus getrockneten Pflanzenteilen. Neben dem medizinischen Gebrauch wurden Drogen bei religiösen Ritualen und bestimmten Festlichkeiten verwendet (siehe Seite 46). Der Drogenkonsum zu Freizeitzwecken, sieht man vom Alkohol einmal ab, ist ein relativ junges Phänomen. Erst in den letzten beiden Jahrhunderten wurde der Drogengebrauch alltäglich. Dass der Begriff «Drogen» heute für viele Menschen negativ besetzt ist, kommt vor allem daher, dass der Begriff lange ausschliesslich für illegale Substanzen verwendet wurde. Tatsache ist, dass es sich auch bei legalen «Genussmitteln» um Drogen handelt. Obwohl legal, töten Nikotin und Alkohol mehr Menschen als alle illegalen Drogen zusammen.

Hart und weich – fliessende Grenzen Wenn in diesem Buch von Drogen die Rede ist, sind damit psychoaktiv wirkende Substanzen gemeint. Eine psychoaktive Wirkung liegt dann vor, wenn die Substanz so auf das zentrale Nervensystem wirkt, dass sich Auswirkungen auf Stimmung, Wahrnehmung, Denken, Fühlen und Realitätserleben ergeben. Der rechtliche Status einer Substanz spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Wie hart ist welche Droge? Zur gängigen Klassifizierung der psychoaktiven Substanzen in harte und weiche Drogen ist anzumerken, dass sich die Grenzen zwischen diesen Kategorien in den letzten zehn Jahren aufgeweicht und verschoben haben. So sind mit dem Boom der Partydrogen ehemals als harte Drogen klassifizierte Substanzen massenkompatibel geworden. Unter dem Begriff «Partydrogen» werden hoch potente Substanzen konsumiert, die die Hemmschwelle zum Gebrauch «harter» Drogen wie Heroin und Kokain massiv herabsetzen. Gleichzeitig zeigen prominente und erfolgreiche Exponenten der Gesellschaft, dass der gelegentliche Konsum von Drogen wie Kokain nicht zwangsläufig zu Absturz, Ausgrenzung und Verwahrlosung führen muss. Alkohol muss, objektiv betrachtet, zu den «harten» Drogen gerechnet werden.

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Süchtig oder abhängig?

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1964 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO den Begriff «Sucht» (addiction) durch «Abhängigkeit» (dependence) ersetzt. Abhängigkeit kennzeichnet den psychischen und gegebenenfalls auch physischen Zustand, der sich aus der Wechselwirkung zwischen dem Individuum und der Droge (oder dem suchtartigen Verhalten) ergibt. Entsprechend unterscheidet man zwischen psychischer und physischer Abhängigkeit (siehe Seite 38). Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert die Abhängigkeit von einer Substanz anhand von sechs Merkmalen. Eine Abhängigkeit wird bei Vorliegen von wenigstens drei der sechs folgenden Kriterien diagnostiziert: innerer Zwang zum Konsum verminderte Kontrollfähigkeit (nicht mehr aufhören können) körperliche Entzugssymptome bei Beendigung oder Reduktion des Konsums Nachweis einer Toleranz (Erhöhung der Dosis, um die gleiche Wirkung zu erzielen) Vernachlässigung anderer Interessen, erhöhter Zeitaufwand für Beschaffung, Konsum oder Erholung vom Konsum fortgesetzter Substanzkonsum trotz Wissens um bereits vorliegende Gesundheitsschäden Sucht – was ist das? Im deutschen Sprachgebrauch findet der Begriff «Sucht» bis heute Verwendung. Abhängig ist man von vielem, Sucht beinhaltet immer ein destruktives Verhalten. Eine psychosoziale Definition von «Sucht» geht davon aus, dass es keinen Stoff braucht, um süchtig zu sein: Das süchtige Verhalten wird zwanghaft wiederholt und gewinnt für den Süchtigen immer mehr an Bedeutung. Das süchtige Verhalten führt zu einer zunehmenden Einengung der sozialen Bezüge und zum Verlust an Interessen. Bei ausbleibender Befriedigung treten psychische Entzugserscheinungen auf. Die süchtige Person versucht, ihr Verhalten zu rechtfertigen, auch wenn gesundheitliche Folgen zu befürchten sind.

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Sucht – wie sie entsteht und verläuft Sucht beginnt im Kopf. Dank moderner Technologien wie der Computertomographie können die neurobiologischen Prozesse einer Abhängigkeit im Gehirn bildlich dargestellt werden. Drogen wirken auf das Belohnungssystem im Gehirn. Dieser Bereich des Gehirns steuert unser Wohlbefinden. Zentrale Bedeutung kommt dabei dem Neurotransmitter Dopamin zu. Der Botenstoff produziert Gefühle von Zufriedenheit bis Euphorie. Wird das Belohnungssystem aktiviert, etwa durch ein gutes Essen, durch Sex, ein Lob oder einen Sieg, fühlen wir uns besonders wohl. Drogen bewirken Dopaminschübe, die die Ausschüttung bei gewöhnlichen Aktivitäten noch übertreffen.

Veränderungen im Gehirn Dauerhafter Drogenkonsum bewirkt Veränderungen in diesem Bereich des Gehirns. Die Zahl der Dopamin-Rezeptoren verringert sich. Je mehr Drogen konsumiert werden, desto mehr Rezeptoren werden vernichtet. Das Gehirn versucht so, das überbordende Belohnungssystem auf ein vernünftiges Mass zu bringen. Durch die verringerte Anzahl Rezeptoren wird weniger Dopamin eingefangen; das Belohnungssystem normalisiert sich. Für den Drogenkonsumenten, der das High sucht, bedeutet das, dass er die Dosis erhöhen muss, um dieselbe Wirkung zu erzielen wie zu Beginn seines Konsums. Als weitere Auswirkung werden Aktivitäten und Erfahrungen, die früher Freude bereiteten, nicht mehr als befriedigend erlebt. Mit der Zeit erscheint die Droge als einziges Mittel, um Depressionen, Angstzuständen und Schmerzen zu entgehen oder sie zu beheben. Geht es beim ersten Probieren einer Substanz vielleicht noch darum, sich ein angenehmes Feeling zu verschaffen, konsumiert der Abhängige praktisch nur noch, um Zustände von Leiden und Verzweiflung zu verhindern. Ohne Droge, ohne die durch Einnahme der Droge bewirkte Dopamin-Ausschüttung, wirkt das Leben nicht mehr lebenswert. Kein Wunder, fehlt doch schon rein physisch die Quelle von Freude und Glück.

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Aufhören ist schwieriger als Anfangen Auch die viel beschriebenen Qualen des Drogenentzugs sind Folge der neurobiologischen Veränderungen im Belohnungssystem. Körperliche Entzugssymptome entstehen durch die Massnahmen, die der Körper getroffen hat, um der permanenten Drogeneinwirkung zu begegnen. Beim Entzug von Opioiden etwa, die stark schmerzstillend wirken, wird der Körper hypersensibel auf Schmerzen. Wenn jemand Opioide zur Behandlung von Schmerzen konsumiert hat, erlebt er unter Umständen zwar Entzugserscheinungen, die Entwöhnung ist aber um einiges leichter als bei Heroinabhängigen. Man spricht bei Schmerzpatienten mit Opioid-Entzugssymptomen denn auch nicht von Abhängigen. Die Rückfälle Nicht restlos geklärt ist die Frage, wieso jemand, der über Wochen oder Monate hinweg drogenfrei war, plötzlich rückfällig wird. Eine mögliche Erklärung für das Auftreten von Rückfällen ist die Konditionierung der süchtigen Person: Die Erinnerungen an den Drogenkonsum sind so stark, dass das Verlangen nach der Droge schon beim Anblick einer Spritze oder eines aufgerollten Ärmels geweckt werden kann. Eine andere Erklärung macht metabolische Veränderungen für das Verhalten verantwortlich. In Tierversuchen wurde festgestellt, dass Kokain die Aktivität eines Gens dämpft, das Dopamin-Rezeptoren produziert. Gemäss dieser Theorie versucht der Süchtige, das mangelhafte Funktionieren des Belohnungszentrums durch die Einnahme von Drogen zu kompensieren.

Wer ist gefährdet? Gene spielen gemäss neueren Forschungserkenntnissen auch eine Rolle bei der Frage, weshalb manche Menschen eher zur Entwicklung einer Abhängigkeit neigen als andere. Doch lässt sich das Phänomen Sucht nicht durch genetische Disposition erklären. Sucht hat in jedem Fall mit psychischen und sozialen Bedingungen zu tun, mit Erziehung, Kindheitserfahrungen, Persönlichkeit und Veranlagung. Dazu kommen geschlechtsspezifische Besonderheiten. Der «weibliche Weg in die Sucht» führt häufig über Missbrauch in Kindheit oder Jugend.

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Mensch, Mittel, Milieu, Markt Suchtfachleute gehen von vier Faktoren aus, die bei der Entstehung und der Behandlung einer Sucht von Bedeutung sind: Mensch, Mittel, Milieu und Markt. Beim Menschen gilt es seine Persönlichkeit und ihre Entwicklung, seine aktuelle Situation und seine Erwartungshaltung beim Konsum einer Substanz zu betrachten. Beim Mittel geht es neben der Art der Substanz um die Einnahmeform, Dosis, Häufigkeit, Gewöhnung und die individuelle Reaktion des Konsumenten. Das Milieu umfasst die familiäre Situation, den Beruf und die wirtschaftliche Lage des Konsumenten, aber auch die Gesetzgebung sowie religiöse und kulturelle Umstände. Der Faktor Markt schliesslich setzt sich aus der Verfügbarkeit der Droge, der Einstellung der Gesellschaft zur Droge, Konsumgewohnheiten sowie Einflüssen von Werbung und Mode zusammen. Grundsätzlich neigen Personen mit psychischen Problemen und Kontaktschwierigkeiten eher zur Entwicklung einer Abhängigkeit. Viele Substanzen mildern Probleme dieser Art, was die Bildung einer psychischen Abhängigkeit begünstigt. Auch kann eine Sucht dem Leben eines Abhängigen durchaus Sinn und Sicherheit geben, denn die Frage, was er mit sich und seiner Zeit anfangen soll, stellt sich einem Süchtigen nicht mehr: Sein Alltag ist ausgefüllt mit der Beschaffung von Stoff. Die Szene wird zur Schicksalsgemeinschaft, gemeinsames Beschaffen und Konsumieren führt zu sozialen Kontakten, man fühlt sich nicht mehr alleine. Dass es sich bei solchen Beziehungen meistens um oberflächliche Zweckfreundschaften handelt, blendet man in aller Regel aus.

Seelische und körperliche Abhängigkeit Üblicherweise unterscheidet man zwischen psychischer (seelischer) und physischer (körperlicher) Abhängigkeit. • Psychisch abhängig ist jemand, wenn der Drogengebrauch zum vorherrschenden Mittel für die Herstellung von Wohlbefinden und für die Bewältigung von Belastungen, Problemen und schlechter Stimmung wird.

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• Eine körperliche Abhängigkeit entsteht bei häufigem Gebrauch einer Droge durch die allmähliche Anpassung des Körpers an die Wirkung der Substanz. Man braucht immer höhere Dosen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen (Toleranzentwicklung). Setzt man die Droge ab, reagiert der Körper mit Entzugserscheinungen. Typische Entzugssymptome sind Schwitzen, Schmerzen, Krämpfe, Übelkeit und Erbrechen. Sowohl bei der körperlichen wie auch bei der psychischen Abhängigkeit wird der Rausch mit der Zeit immer mehr zum Normalzustand. Fehlt die Droge, treten die durch ihre Wirkung unterdrückten Gefühle und Empfindungen verstärkt auf.

Die Stadien der Sucht Eine Sucht lässt sich in verschiedene Stadien unterteilen: die einleitende Phase, die kritische Phase und die chronische Phase. Die Übergänge von Gebrauch zu Missbrauch und Abhängigkeit sind fliessend. • Die einleitende Phase: Am Anfang steht der gelegentliche Gebrauch eines Suchtmittels. Man geniesst die Substanz wegen ihrer kurzfristigen, angenehmen Wirkung. • Die kritische Phase: Wenn der Konsum ständig wiederholt wird, spricht man von einer Gewöhnung: Die psychische Bindung verfestigt sich, das Verhalten kann aber noch durch eigene Willenskraft geändert werden. • Die chronische Phase: Missbrauch betreibt, wer eine Substanz auch zu ungünstigen Zeitpunkten (zum Beispiel beim Autofahren) oder in übertriebenen Mengen einnimmt und gesundheitliche Beeinträchtigungen in Kauf nimmt. Die wichtigsten Erkennungsmerkmale einer Abhängigkeit sind die Toleranzentwicklung und Entzugssymptome.

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Eine Sucht entsteht: der psychische Prozess

Gebrauch

Ich bin entspannt und im Gleichgewicht. Ich geniesse die kurzfristige, angenehme Wirkung der Droge. Ich bestimme, wann und wo ich geniesse.

Gewöhnung Ich habe einen Konflikt, den ich nicht lösen kann oder will. Ich konsumiere immer regelmässiger.

Missbrauch Der Konflikt ist andauernd. Ich kann oder will ihn nicht lösen. Ohne Hilfsmittel fühle ich mich nicht im Gleichgewicht. Ich konsumiere ständig.

Sucht Ich weiss nicht mehr, welcher Konflikt mein Leben belastet. Ich brauche die Droge immer. Ich bekomme unerträgliche seelische und körperliche Entzugserscheinungen, wenn ich sie nicht habe.

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Checkliste: Bin ich süchtig? Die Grenzen zur Abhängigkeit verlaufen individuell unterschiedlich. Einige Kriterien gibt es aber, mit denen sich ein problematisches Konsummuster feststellen lässt. Wer mehr als zwei der folgenden Fragen mit Ja beantworten muss, dürfte ein Suchtproblem haben. Am besten wenden Sie sich für eine genauere Abklärung an eine Fachstelle oder an einen spezialisierten Arzt. 1. Entschuldigen Sie sich hin und wieder am Arbeitsplatz, weil Sie aufgrund Ihres Suchtmittelkonsums nicht in der Lage sind, dort zu erscheinen? 2. Haben Sie schon (erfolglos) versucht, Ihren Konsum zu reduzieren? 3. Ärgern Sie sich über kritische Bemerkungen aus Ihrer Umgebung betreffend Ihres Suchtmittelkonsums? 4. Haben Sie Schuldgefühle wegen Ihres Suchtmittelkonsums? 5. Brauchen Sie schon morgens ein Suchtmittel (zum Beispiel einen Joint oder ein Bier) um auf Touren zu kommen?

Misch- und Mehrfachkonsum Wer Partydrogen konsumiert, genehmigt sich im Laufe einer Nacht oft einen pharmakologischen Mix, dessen Wirkung kaum mehr berechenbar ist (siehe Seite 78). Das gilt sowohl für die Rauschwirkung wie auch für die unmittelbaren und langfristigen Nebenwirkungen. Der anhaltende Trend zum Mischkonsum in der Partyszene und die damit einhergehenden Risiken sind eine Hauptsorge der Präventionsfachleute. Die Botschaft einer Kampagne der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) lautet denn auch: «Just mix music – Don’t mix drugs». Wenn jemand von mehreren Substanzen abhängig ist, spricht man von Polytoxikomanie. Trinker sind oftmals zugleich Raucher, Fixer stehen auf den Cocktail aus Kokain und Heroin, und auch der Gebrauch von Cannabis und Tabak geht oft Hand in Hand. Wenn Kiffer mit dem Zigarettenrauchen aufhören wollen, ist der gelegentliche Joint, den man sich nicht versagen will, oft der Auslöser des Rückfalls in die Tabaksucht. Wenn jemand nach einem Stoff süchtig ist, neigt er auch bei anderen Substanzen zu problematischem Konsumverhalten.

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Ko-Abhängigkeit von Angehörigen In Partnerschaften, in denen ein Partner süchtig ist, verstrickt sich oft auch der nichtabhängige Partner in ein destruktives Verhalten (siehe Seite 176). Über die Jahre entwickelt sich ein festgefahrenes Rollenspiel, das die Sucht des Betroffenen verhängnisvollerweise stützt und verlängert. Aber nicht nur der Lebenspartner, die Lebenspartnerin, sondern auch das übrige soziale Umfeld – Chef, Kollegen, Familie oder Freunde – spielt mit. Manchmal wissen die Betroffenen nicht, dass sie mit ihrem Verhalten dem Süchtigen mehr schaden als nützen und werden so unbewusst zu eigentlichen Komplizen der Sucht. Bei diesem Phänomen spricht man von Ko-Abhängigkeit. Unter Frauen ist es verbreiteter als unter Männern. Ko-Abhängige zeichnen sich in der Regel durch eine hohe Bereitschaft aus, Verantwortung für die Bedürfnisse anderer zu übernehmen. Sie wollen helfen, konzentrieren sich mehr und mehr auf den abhängigen Partner und vergessen sich selbst dabei. Angehörige von Alkoholabhängigen verwenden oft einen Grossteil ihrer Energie darauf, die Sucht des Betroffenen zu vertuschen und sein Funktionieren im Job aufrechtzuerhalten. Vor lauter Selbstlosigkeit isolieren sie sich und schädigen ihre eigene Gesundheit. Die Folge sind Verzweiflung, Wut, Hass und Schuldgefühle und nicht selten psychosomatische Erkrankungen.

Prävention – was heisst das? Prävention bedeutet, Massnahmen zu ergreifen, um einen unerwünschten Zustand eines Individuums oder einer Gruppe von Individuen zu verhindern oder einer Verschlechterung des Zustandes und negativen Folgeerscheinungen vorzubeugen. Früher verstand man unter Prävention, Menschen vom Erstkonsum von Drogen abzuhalten. Prävention bedeutete dementsprechend, vor der Gefährlichkeit von Drogen und vor dem Konsum zu warnen. Wie die Repression setzte die Prävention in erster Linie auf Abschreckung. Doch die Zeiten, in denen man glaubte, Menschen vom Alkohol- oder

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Drogenkonsum abzuhalten, indem man ihnen mit «Schrumpfhirnen» und ähnlichen Horrorszenarien drohte, sind vorbei. Der Grund: Diese Art von Prävention hat nicht funktioniert (siehe Seite 162).

Ziele und Schwerpunkte Heute versteht man unter Prävention nicht mehr nur die Vermeidung des Drogenkonsums, sondern auch das Verhindern und Mindern gesundheitlicher und sozialer Probleme, die sich aus dem Drogenkonsum ergeben. Statt nur Risiken zu bek��mpfen, versucht zeitgemässe Prävention, die Möglichkeiten und Ressourcen der Menschen zu stützen und zu fördern. Prävention soll die Kompetenz der Menschen fördern, ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu regulieren. Ihre Interventionen setzen auf der Ebene der Lebensstrukturen der Menschen ein, also in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Gemeinde oder im Quartier. Angehörige und das soziale Umfeld der Zielpersonen werden in die Prävention einbezogen. Nach der Definition des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) verfolgt Prävention drei Ziele: • Menschen, vor allem Kinder und Jugendliche, vom Drogenkonsum abhalten • Den Übergang vom Drogengebrauch zum Missbrauch und zur Abhängigkeit verhindern • Probleme und negative Auswirkungen des Drogenkonsums für das Individuum und die Gemeinschaft verhindern

Die drei Ebenen der Vorbeugung Je nachdem, wo Präventionsarbeit ansetzt, unterscheidet man zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention. • Primärprävention findet dort statt, wo noch keine Drogen konsumiert werden. Dazu gehören zum Beispiel Massnahmen, die das Selbstwertgefühl und das Gesundheitsbewusstsein von Kindern und Jugendlichen fördern.

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• Sekundärprävention setzt dort an, wo bereits Drogen konsumiert werden. Sie soll Tendenzen zum Missbrauch und zur Suchtentwicklung frühzeitig erkennen, gefährdete Jugendliche gezielt ansprechen und ihr Abgleiten in die Abhängigkeit verhindern. • Tertiärprävention will Folgeschäden verhindern und soll helfen, Krankheiten, Verelendung und Desintegration zu vermeiden; bei therapierten Suchtkranken soll die tertiäre Prävention dazu beitragen, Rückfälle zu vermeiden. Zu diesem Bereich gehören Gassenzimmer und Betreuungsangebote, aber auch die Nachsorge nach einer Therapie. Prävention wird von den unterschiedlichsten Menschen und Institutionen betrieben. Man unterscheidet zwischen «natürlichen» und «professionellen» Akteuren: Zu den natürlichen Akteuren gehören alle, die mit Kindern und Jugendlichen im Alltag in Beziehung stehen, zum Beispiel Eltern, Lehrpersonen, Ausbildende, Trainer, Jugendarbeiterinnen, Seelsorger. Pofessionelle Akteure sind zum Beispiel die Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenfragen (SFA) sowie die Aidshilfe. Die wirksamste Suchtprophylaxe ist laut Bundesamt für Gesundheit jene, die «die erzieherischen Kompetenzen der natürlichen Präventionsakteure im Alltag der Kinder und Jugendlichen stärkt». Prävention im Alltag – die Richtlinien der SFA

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Laut der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) soll Prävention auf fünf Arten geschehen: durch Strafe oder Androhung von Strafe durch objektive Information durch das Angebot von Alternativen durch Befähigung der Heranwachsenden, die Herausforderungen des Lebens in produktiver Weise zu meistern durch Unterstützung und Hilfe an vorbelastete Jugendliche Die grösste Bedeutung misst die SFA der Information bei. Die Glaubwürdigkeit des Informanten ist aber nur gewährleistet, wenn er sowohl die negativen als auch die positiven Seiten des Konsums von Drogen in möglichst objektiver Weise beleuchtet; dazu gehört zum Beispiel bei Cannabis auch das Aufzeigen schadensmindernder Gebrauchsmuster.

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4. Rund um den Rausch Der Rausch ist so alt wie die Menschheit. Jede Kultur kannte Rituale, in denen er eine wichtige Rolle spielte. Einen ausufernden Drogenkonsum gibt es erst seit der Industrialisierung – seit Drogen permanent verfßgbar sind.

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Der Rausch und seine Geschichte Der Mensch berauscht sich seit eh und je. Der Alkoholgebrauch war verbreitet, lange bevor man die Geschichte aufzuschreiben begann. Auch der Hanfkonsum ist seit dem dritten Jahrtausend v. Chr. dokumentiert. In der Medizin und in vielen Religionen spielen psychoaktive Substanzen seit Tausenden von Jahren eine wichtige Rolle. Jede Kultur kannte Festivitäten, während derer man sich gemeinsam berauschte und die Pflichten, Sorgen und Nöte des Alltags, aber auch die Grenzen nüchternen Erlebens für einmal hinter sich liess. Nennenswerte Probleme mit ausuferndem Konsum von Drogen gibt es erst seit relativ kurzer Zeit – seit es möglich ist, Alkoholika und Tabakprodukte in industriellen Mengen zu produzieren. Mit der permanenten Verfügbarkeit der Drogen ging die Einbettung des Drogenkonsums in gesellschaftliche Strukturen und Rituale verloren. Zeitweise frönten grosse Teile der Bevölkerung dem Rausch so sehr, dass sich die Obrigkeit nur noch mit Verboten zu helfen wusste. Die Erfahrung zeigt aber, dass sich der Mensch das angestammte Recht, sich hin und wieder zu berauschen, nicht einfach so nehmen lässt. Ein viel zitiertes Beispiel dafür ist die Akoholprohibition in den USA in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Das Verbot konnte nie durchgesetzt werden und machte die Mafia erst richtig reich und mächtig. Gleichzeitig wurde der Konsum von Opiaten gesellschaftsfähig.

Die lange Liste der Verbote Nicht immer steht hinter der Absicht, Drogenkonsum zu unterbinden, der Schutzgedanke. Viele Drogenverbote gründen auf der Angst vor Unbekanntem oder auf der Sorge, die Kontrolle über die Untertanen zu verlieren. Der Hamburger Kriminologe Sebastian Scheerer hat die Geschichte der Drogengesetzgebung untersucht und festgestellt, «dass Vorurteile gegen fremde ‹Rassen› Hand in Hand gingen mit Vorurteilen gegen fremde Drogen». So wurde etwa der traditionell verbreitete Cannabiskonsum der einheimischen Bevölkerung in Südafrika von den weissen Machthabern mit äusserstem Argwohn beobachtet. Entgegen einer verbreiteten Annahme waren nicht die USA die treibende Kraft

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hinter der internationalen Ächtung von Cannabis, sondern Länder wie Ägypten, die Türkei und Südafrika. Verboten wurden im Lauf der Jahrhunderte nicht nur stark wirkende Drogen wie Opium und Kokain. Auch Kaffeetrinker und Tabakraucher sahen sich einst scharfer Verfolgung ausgesetzt. Im 16. Jahrhundert wurden in Konstantinopel Kaffeehäuser niedergebrannt und Kaffeetrinker umgebracht. Das Kaffeeverbot in Konstantinopel konnte sich ebenso wenig halten wie das Alkoholverbot in den USA. In Ägypten ist der Hanfkonsum trotz Verbot bis heute verbreitet geblieben.

Der Schutz des Individuums Viele aufgeklärte Zeitgenossen finden, dass dem Individuum alles erlaubt sein sollte, was andere nicht schädigt oder gefährdet. Wenn es um Drogen geht, ist diese Haltung aber höchst umstritten. Drogenverbote rechtfertigen sich denn auch mit der Absicht, das Individuum und die Gesellschaft vor den Auswirkungen des Drogenmissbrauchs zu schützen. Es lässt sich nicht bestreiten, dass dieser Schutz zumindest teilweise funktioniert. Diejenigen, die Drogen nehmen wollen, nehmen sie aber in aller Regel doch. Die abschreckende Wirkung der Repression, darin sind sich die meisten Fachleute einig, hält kaum jemanden davon ab, Drogen zu konsumieren. Und jene, die darauf verzichten, werden andere Gründe haben als die Gesetzestreue allein. Rauschkunde an der Schule? Prohibition kann vielleicht die Verfügbarkeit von Drogen eindämmen. Doch zuweilen verursacht sie mehr Schaden, als sie vermeiden hilft. Roger Liggenstorfer, Präsident der Party- und Präventionsorganisation Eve & Rave (Schweiz): «Es gibt so etwas wie ein Urbedürfnis, sich zu berauschen. Durch Verbote lassen sich die Leute nicht mehr davon abhalten. Nur wer das erkannt hat, kann offene, sachliche und glaubwürdige Prävention leisten.» Gerade in einer Zeit, in der altbekannte und neu entwickelte Drogen immer verfügbarer werden, wäre es besonders wichtig, einen vernünftigen Umgang mit berauschenden Substanzen zu erlernen. Dem Drogengebrauch freundlich gesinnte Experten fordern denn auch plakativ die Einführung von Rauschkunde an den Schulen.

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Gibt es ein Recht auf Rausch? In jüngerer Vergangenheit wurde verschiedentlich das «Recht auf Rausch» postuliert. 1994 urteilte das deutsche Bundesverfassungsgericht, dass es ein solches Recht nicht gebe. Der Grundsatz der Gleichheit, auf den sich der Kläger berufen hatte, gebiete nicht, alle potenziell gleich schädlichen Drogen gleichermassen zu verbieten oder zuzulassen. Die unterschiedliche Regelung des Umgangs mit Cannabisprodukten einerseits und Alkohol oder Nikotin andererseits sei mithin rechtens. Doch davon lassen sich insbesondere die Freunde des Hanfrauschs nicht beirren. Jüngstes Beispiel ist die aus Korea stammende Berlinerin Mun-ju Kim, die sich diskriminiert fühlt, weil ihr Körper keinen Alkohol verträgt.Während andere sich vollkommen legal in jeder Bar berauschen können, sieht sich Kim per Gesetz zur Nüchternheit verdammt. Kim pocht beharrlich auf eine legale Alternative und lancierte die öffentlichkeitswirksame Kampagne: «Kim will kiffen». Allerdings ohne Erfolg. Das zuständige Verwaltungsgericht wies ihre Klage als unbegründet ab. Vor Gericht kaum durchsetzbar Die Klage des Musikers Hans Söllner, der den Hanfgenuss zur Ausübung seiner Religion als Rastafari einforderte, veranlasste das deutsche Bundesverwaltungsgericht immerhin zur Feststellung, dass das Hanfpflanzverbot die Religionsfreiheit einschränke, allerdings nur unwesentlich. Ausser einer gewissen Berühmtheit in juristischen Fachkreisen und einigen Spesen brachte die Klage dem Kläger nichts. Auch wenn sich bislang keine Schweizer Instanz explizit zum «Recht auf Rausch» geäussert hat, wäre dieses vor Gericht kaum durchzusetzen. Das oft vorgebrachte Argument, der legale Status des Alkohols müsse zwingend eine Legalisierung etwa von Cannabis nach sich ziehen, mag zwar manchem einleuchten, ist juristisch aber nicht stichhaltig, solange das Gesetz nicht geändert wird. Statt von einem «Recht auf Rausch» ist wohl eher von einem Bedürfnis zu sprechen, das der Mensch seit Urzeiten kennt.

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5. Drogen und ihre Wirkung Dieses Kapitel beschreibt die in der Schweiz verbreitetsten legalen und illegalen Suchtmittel. Was lรถsen Drogen aus? Wie lange dauert ein Rausch? Welches sind die Nebenwirkungen, und welches die gesundheitlichen Risiken? Die Antworten finden Sie auf den folgenden Seiten.

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Alkohol – Volksdroge Nummer Eins Alkohol ist die älteste Droge der Menschheit. Man muss nicht einmal Mensch sein, um Spass am Alkoholrausch zu finden. Auch Tiere fressen absichtlich vergorene Früchte, um dann beschwipst durch die Steppe zu torkeln. Der Begriff Alkohol stammt vom arabischen Wort «al-kuhl» (das Feinste) ab. Bier kannten bereits die Sumerer, die Babylonier und die alten Ägypter. Griechen und Römer favorisierten den Wein, während die für ihre ausschweifenden Trinkgelage bekannten Germanenstämme Kräuterbier und Met tranken. Der Genuss von Alkohol zu rituellen Zwecken ist in vielen Religionen anzutreffen. Früher waren die alkoholischen Getränke weniger lang haltbar als heute. Sie wurden zu bestimmten Jahreszeiten oder für besondere Festivitäten produziert. Alkoholismus war praktisch ausgeschlossen, da irgend wann der Vorrat ausging. Bis zur nächsten Trinkgelegenheit dauerte es meistens eine ganze Weile. In unserer Gesellschaft ist Alkohol überall und jederzeit verfügbar. Einen gemeinschaftlichen, auf besondere Anlässe beschränkten Umgang mit Alkohol gibt es nicht mehr. Der Konsum wird individuell ganz unterschiedlich gehandhabt. Es gibt Leute, die nicht oder nur massvoll trinken, und solche, die übermässig Alkohol konsumieren. Saufteufel und Schnapspest Schon um 1534 predigte Martin Luther gegen den «Saufteufel» an. Mit der Erfindung des Branntweins wurden Alkoholika haltbar. Gleichzeitig wurden Handelsnetze aufgebaut, die den Alkohol auch in entlegenen Gegenden erhältlich machten. Praktisch überall und jederzeit verfügbar wurde Alkohol aber erst mit der Entwicklung industrieller Brennapparate im 18. Jahrhundert. In der Folge begann die Alkoholindustrie zu blühen. Die Alkoholmisere nahm ihren Lauf. Abstinenzvereine wie das Blaue Kreuz (1877) wurden gegründet. Und auch die heutige Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) hat ihre Wurzeln in jener Zeit: 1902 wurde das Schweizerische Abstinenz-Sekretariat geschaffen, um die Bevölkerung über die Folgen der «Schnapspest» aufzuklären.

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Schweiz: 300 000 Alkoholabhängige Die letzte grosse Alkoholkrise in der Schweiz fand vor dem ersten Weltkrieg statt. Im Zeitraum von 1880 bis 1912 lag der Pro-Kopf-Verbrauch von reinem Alkohol bei 15,8 Liter pro Jahr, und das, obwohl Frauen damals kaum Alkohol tranken. Heute liegt der Verbrauch bei 9,1 Liter pro Kopf und Jahr. In der Schweiz gibt es heute rund 300 000 Alkoholabhängige. Insgesamt befinden sich derzeit rund 40 000 Personen wegen Alkoholismus in Behandlung (siehe Seite 184). In den medizinischen Abteilungen der Akutspitäler ist bei den 30- bis 50-jährigen Männern Alkoholismus die häufigste Diagnose. Jeder zehnte Verkehrsunfall mit Verletzten und jeder fünfte mit Todesfolgen ist alkoholbedingt. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schätzt die sozialen Folgekosten des Alkoholkonsums in der Schweiz auf 3 Milliarden Franken jährlich. Neun von zehn Erwachsenen trinken Trotzdem ist Alkoholkonsum normal. Neun von zehn Erwachsenen trinken, und die meisten haben kein Problem damit. Der Genuss alkoholischer Getränke ist ein toleriertes und verbreitetes Mittel, die Stimmung Einzelner oder einer ganzen Partyrunde zu heben. Verbilligte Spirituosen und die mancherorts erfolgte Abschaffung der Sperrstunde tragen ihren Teil zur Förderung des Alkoholkonsums bei. Mit Einstiegsgetränken wie den süssen Alcopops lockt die Industrie Jugendliche an die Flasche. Alkohol gilt nicht als Betäubungsmittel im Sinne des Gesetzes. Produktion, Handel und sogar Werbung sind – ebenso wie der Konsum – legal. Der Verkauf von alkoholischen Getränken an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren ist verboten. Ab 16 Jahren darf man Bier, Wein, Sekt und Apfelwein trinken. Alle Spirituosen (Rum, Whisky, Schnaps), aber auch Spirituosen enthaltende Mixgetränke (Alcopops), Wermut und Likörweine mit mehr als 15 Volumenprozent Alkohol dürfen nicht an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft werden. ■ FORM Alkohol (Äthanol, Äthylalkohol, C2H5OH) ist eine farblose, brennend schmeckende Flüssigkeit und wird in Form von Getränken konsumiert.

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Man unterscheidet zwischen den vergorenen Alkoholika wie Bier und Wein und den destillierten, zu denen die Spirituosen gehören. Der Alkoholgehalt variiert je nach Getränk: Bier enthält je nach Sorte zwischen 4 und 8, Wein zwischen 10,5 und 15 Volumenprozent. «Hochprozentiges», wie Spirituosen auch genannt werden, kann 50 und mehr Volumenprozent Alkohol enthalten. Ein Liter Rotwein enthält ungefähr 90 bis 100 g Alkohol. ■ WIRKUNG Wie Alkohol wirkt, hängt von verschiedenen Faktoren ab: von der Art der Getränke und der Menge des darin enthaltenen Alkohols sowie von der individuellen Verfassung und der Trinkgewöhnung des Konsumenten. In geringen Mengen wirkt Alkohol anregend und stimmungshebend. Er kann Ängste und Hemmungen abbauen und die Kommunikationsbereitschaft fördern. In mittleren und grösseren Mengen schlägt die gelöste, heitere Stimmung leicht in Gereiztheit, emotionale Schwankungen und Aggressivität um. ■ WIRKDAUER Etwa 30 bis 60 Minuten nach der Einnahme ist die höchste Blutalkohol-Konzentration erreicht. Die Abbauzeit ist individuell unterschiedlich und liegt bei etwa 0,1 bis 0,2 Promille pro Stunde. ■ DOSIERUNG Je nach Trinkgewöhnung und gewünschter Intensität des Rausches ist die Dosierung sehr unterschiedlich. Frauen vertragen weniger Alkohol als Männer, nicht nur weil sie eine geringere Muskelmasse und weniger Gewicht aufweisen, sondern weil der Abbau von Alkohol im Körper bei Männern effektiver erfolgt als bei Frauen. ■ NEBENWIRKUNGEN Die Blutgefässe in der Haut erweitern sich, die Körpertemperatur sinkt, der Harndrang ist verstärkt. Aufmerksamkeit und Urteilskraft sind beeinträchtigt, es kommt zu Wahrnehmungsstörungen, Koordinations- und Sprechstörungen (Lallen), Ermüdung und Benommenheit. Die Reaktionszeiten verlängern sich (Fahruntüchtigkeit!). Beim Konsum von sehr

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grossen Mengen mit hohem Promillegehalt kann Alkohol zu einem Koma mit unter Umständen tödlichem Ausgang (Atemlähmung) führen. Von einer Alkoholvergiftung spricht man ab einem Blutalkoholspiegel von etwa 3 Promille. Erste Hilfe: Betroffene Person vor Abkühlung schützen und ins nächste Krankenhaus bringen oder bringen lassen! ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Alkohol ist ein Zellgift. Seine zerstörerische Wirkung entfaltet er ab einer Menge von 20 bis 60 Gramm reinen Alkohols pro Tag. Da der Alkohol durch das Blut im ganzen Körper verteilt wird, kommt es bei regelmässigem Konsum von grösseren Mengen praktisch in allen Geweben zu Zellschädigungen. Der Langzeitkonsum schädigt zahlreiche Organe, insbesondere die Leber (Fettleber, Leberentzündungen, Leberzirrhose), die Bauchspeicheldrüse, das Herz, das zentrale und das periphere Nervensystem und die Muskulatur. Die organschädigende Wirkung von Alkohol ist bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern. Langfristiger Alkoholkonsum in hohen Dosen erhöht das Risiko, an Krebs zu erkranken (Mund-, Rachen-, Speiseröhrenkrebs, bei Frauen Brustkrebs). Alkoholkonsum während der Schwangerschaft kann zu schweren Schädigungen des Kindes führen. Verheerender als die körperlichen sind die psychischen und sozialen Folgen. Fortdauernder Alkoholmissbrauch kann zu Stimmungsschwankungen, Angstzuständen und Depressionen führen. Zu den körperlichen und seelischen Folgen kommen nachhaltige Veränderungen des sozialen Umfelds: Ehen und Beziehungen zerbrechen, der Arbeitsplatz geht verloren und so weiter. Ein grosser Teil der Unfälle und Gewalttaten steht im Zusammenhang mit Alkoholkonsum. Psychische und körperliche Abhängigkeit Alkohol hat ein ausserordentlich grosses Suchtpotenzial. Er kann eine psychische und körperliche Abhängigkeit erzeugen. Bei einer körperlichen Abhängigkeit kann ein abruptes Absetzen des Alkohols gefährliche Entzugserscheinungen auslösen, zum Beispiel zentralnervöse Krampfanfälle und Delirium tremens. Bei letzterem treten Symptome wie Orientierungsverlust, Bewusstseinsstörungen und Halluzinationen

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auf. Weitere Entzugssymptome sind Schwitzen, erhöhter Puls und Blutdruck sowie Unruhe und Angstzustände. Der gleichzeitige Konsum von Alkohol und anderen Substanzen wie Cannabis, Ecstasy, Heroin oder bestimmten Medikamenten erhöht das Risiko gesundheitlicher Schäden und kann gefährliche Wechselwirkungen auslösen (zum Beispiel Herabsetzung der Herz- und Atemfunktion). Achtung: Cannabis und Alkohol verstärken sich in der Wirkung gegenseitig! ■ SAFER USE Was als vernünftiger Umgang mit Alkohol bezeichnet werden kann, ist stark umstritten und muss letzten Endes von jedem selbst definiert werden. Ein gesunder erwachsener Mann sollte nicht mehr als zwei Standardgläser pro Tag trinken, Frauen die Hälfte. Schwangere und Frauen, die schwanger werden wollen, sollten gar nicht oder nur ein Glas pro Tag trinken. Kinder bis 14 Jahre sollten überhaupt keinen Alkohol trinken. Als Standardglas gelten 1 Deziliter Rotwein, 3 Deziliter Bier oder 0,25 Deziliter Schnaps. Wenn man ausnahmsweise mal ein bisschen mehr trinken will, sollte man es nicht auf mehr als vier Standardgläser kommen lassen. • Langsam trinken, am besten nicht mehr als ein Glas pro Stunde. Geheimrezepte für eine angebliche Beschleunigung des Alkoholabbaus funktionieren nicht. • Nicht auf leeren Magen trinken. Fetthaltige Speisen verzögern den Anstieg der Blutalkohol-Konzentration. • Bei einer Sorte Alkohol bleiben. Stark zuckerhaltige und mit Kohlensäure versetzte Drinks beschleunigen die Alkoholaufnahme. • Den Konsum kontrollieren. Dazu kann es hilfreich sein, die Menge, die man konsumieren will, von vornherein festzulegen. • Zwischendurch Alkoholfreies trinken. • Nicht angetrunken Auto fahren und nicht zu jemandem ins Auto steigen, der betrunken ist. • Gegen den «Kater» am Tag danach: Dem Körper Flüssigkeit und Salz zuführen. Frische Luft, Duschen, Eispackungen und ähnliches kurbeln den Kreislauf an. Grosse Hitze und körperliche Anstrengung vermeiden. Auf keinen Fall Alkohol trinken!

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Rauschbericht: «Mein erstes grosses Besäufnis»

« Wir waren acht Leute, alle so um die 16 Jahre alt. Wir waren zum Zelten gefahren. Es war dunkel geworden, und wir sassen um ein Lagerfeuer herum. Wir hatten ein stattliches Arsenal an alkoholischen Getränken an den Waldrand geschafft. Im nahen Fluss dümpelten zwei Kisten Bier, für die Mädchen hatten wir ein paar Flaschen billigen Sangria besorgt, einer der Jungs hatte aus der Beiz seines Vaters ein paar Liter Kirsch mitgehen lassen, den wir mit Cola mixten. Wir starteten mit Bier und Wein. Ich war damals noch kein geübter Trinker. Schon das erste Bier zeigte Wirkung. Meine Zurückhaltung verflog im Nu, ich plapperte unbeschwert über alles Mögliche, rückte mit meinen Ansichten lauthals heraus, sodass sie jeder hören musste. Ich ereiferte mich gerade in einer Diskussion, als ich die interessierten Blicke eines der Mädchen auf mir spürte. Dann sah ich meinen Kumpel, der mächtig bei der Kleinen scharrte. Ich hatte wohl bereits zwei, drei Bier intus und musste mich schon sehr zusammennehmen, um mir den Rausch nicht allzu sehr anmerken zu lassen. Meine Zunge war nicht mehr gelöst, sondern bleischwer. Sie konnte sich einfach nicht so schnell bewegen, wie ich reden wollte. Trotzdem plapperten und lallten wir, was das Zeug hielt. Jeder setzte auf seine Geschichten einen drauf. Es wurde viel gelacht. Alle fühlten sich grossartig. Das Bier war aufgebraucht, also schnappte ich mir die Kirschflasche und ging zu dem Mädchen hin. Ich bot ihr einen Drink an: halb Cola, halb Kirsch. Das Gebräu schmeckte abscheulich. Sie nippte nur an ihrem Glas, ich aber nahm einen mächtig grossen Schluck. Direkt nach dem Schlucken schüttelte es mich, was meine Nachbarin bemerkte. «Du trinkst wohl nicht so oft», fragte sie mich lächelnd. «Doch, doch», beteuerte ich, «nur so einen Fusel bin ich nicht gewöhnt.» Ich fühlte mich herausgefordert und leerte den Rest des Glases in einem Zug. Als ein Kumpel mir nachschenkte, trank ich noch ein halbes Glas. Dann musste ich pinkeln gehen. Als ich aufstehen wollte, merkte ich, wie meine Beine nachgaben. Ich torkelte rückwärts über die Leine eines Zelts und blieb erst mal liegen. Ich hörte die Stimmen der anderen, aber irgendwie schienen sie weit weg. Als ich mich aufsetzte, sah ich das Lagerfeuer nur noch

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ganz verschwommen. Ich musste die Augen zusammenkneifen, weil ich die Leute doppelt sah. Ich weiss noch, dass ich dachte: Besoffen sieht man ja wirklich doppelt. Als ich die Augen zumachte, fing ich mich innerlich an zu drehen. Mir wurde speiübel. Ich musste mich übergeben. Was dann passierte, weiss ich nicht mehr. Dafür weiss ich seither, was ein «Filmriss» ist. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, waren nur noch drei meiner Kollegen da. Die anderen, darunter das Mädchen, waren gegangen, weil für ihren Geschmack zu exzessiv gesoffen wurde. Es ist mir heute noch peinlich, wenn ich daran denke.

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Nikotin – der legale Killer Die Tabakpflanze (Nicotiana tabacum L.) stammt vom amerikanischen Doppelkontinent und wurde von Seefahrern im 16. Jahrhundert nach Europa gebracht. 1570 führte Jean Nicot sie in Frankreich ein, worauf die Pflanze nach ihm benannt wurde. Auch das Hauptalkaloid des Tabaks trägt seinen Namen: Nikotin. Die Ureinwohner Amerikas hatten damals schon jahrhundertelange Erfahrung im Tabakgebrauch. In Nordamerika rauchten sie ihn in Pfeifen, in Südamerika war das Schnupfen und Kauen des Tabaks verbreitet. Alle drei Konsumformen sind bis heute erhalten, nur der Tabak hat sich verändert. Statt der naturbelassenen Tabakblätter stopfen die Zigarettenhersteller heute ein Gemisch aus Tabak und diversen chemischen Substanzen in die Glimmstengel. So werden eine ganze Reihe von Substanzen beigemischt, welche die Nikotinwirkung verstärken, zum Beispiel Ammoniumsalze und Zucker. 40 Prozent der Jugendlichen rauchen Rauchen schadet. Das weiss jeder, und trotzdem raucht ein Drittel der Bevölkerung in der Schweiz. Pro Kopf werden in der Schweiz jährlich 2300 Zigaretten geraucht. Bei den Frauen beträgt der Anteil der Raucherinnen 27 Prozent, bei den Männern 38 Prozent. Und allen Warnungen zum Trotz ist Rauchen vor allem bei den Jungen trendy. Während die Raucherrate bei den über 25-Jährigen tendenziell sinkt, ist sie bei den 15- bis 19-Jährigen dramatisch gestiegen. Heute rauchen rund 40 Prozent der Jugendlichen in dieser Altersgruppe. Weshalb wird geraucht? Um lässiger zu wirken, Verlegenheit oder Unsicherheit zu kaschieren, um sich zu entspannen, sich zu konzentrieren, weil es andere auch machen… Studien zeigen, dass rauchende Jugendliche ein negativeres Selbstbild haben als nicht rauchende Gleichaltrige. Rauchen gibt ein Gefühl der Zugehörigkeit. Gewohnheitsraucher tun es, um Stress zu bewältigen – und weil sie es nicht mehr lassen können. Verbote schwer durchsetzbar Der Konsum von Nikotin ist legal, ebenso Produktion und Handel. Das Geschäft mit Tabakprodukten ist so bedeutend, dass selbst Werbever-

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bote schwer durchzusetzen sind. Rauchen ist sozial akzeptiert, auch wenn seine Folgen die Gesellschaft jährlich 10 Milliarden Franken kosten. Obwohl sie durch Passivrauchen geschädigt werden, haben Nichtraucher mit der Forderung nach rauchfreien Räumen immer noch einen schweren Stand. Rauchfreie Restaurants und Bars wie in New York sind für die meisten nur schwer vorstellbar, ein gänzliches Verbot von Tabak oder dem darin enthaltenen Suchtstoff Nikotin schon gar nicht. Verkauf an Kinder legal Die Hälfte aller Raucher will aufhören. Längst nicht allen gelingt dies ohne weiteres. Der Grund dafür ist das Nikotin. Nikotin ist allerdings nicht der schädlichste Stoff im Tabak. Zigarettenrauch ist ein Cocktail aus zum Teil hochgiftigen Substanzen – etwa Benzol, Formaldehyd, Blei und Arsen. Obwohl man um die Schädlichkeit des Rauchens weiss, gibt es in der Schweiz kein generelles Werbeverbot für Zigaretten. Sogar der Verkauf von Zigaretten an Kinder ist hierzulande absolut legal. ■ FORM Nikotin wird hauptsächlich durch das Rauchen von Zigaretten, Zigarren, Zigarillos, Pfeifen etc. konsumiert. Lungenschonende, aber ebenfalls schädliche Alternativen sind Schnupf- und Kautabak (Dip, Snus), wobei vor allem letzteres in Sportlerkreisen eine gewisse Popularität erlangt hat. Beim «Snüsen» gelangt das Nikotin über die Mundschleimhaut, beim Schnupfen über die Nasenschleimhaut ins Blut und von da ins Gehirn. ■ WIRKUNG Nikotin kann sowohl beruhigend als auch stimulierend wirken. Es dämpft Hungergefühle und steigert kurzfristig Aufmerksamkeit und Konzentration. Es kann ein Gefühl des Wohlbehagens bewirken und Gefühle von Müdigkeit und Unlust beseitigen. Ein eigentlicher Rausch ist, zumindest bei den gebräuchlichen Formen des Rauchens, nicht spürbar. ■ WIRKDAUER Bei Nichtrauchern beträgt die Halbwertszeit von Nikotin etwa 120 Minuten, bei einem starken Raucher weniger als 30 Minuten.

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■ DOSIERUNG Die Dosierung ist höchst unterschiedlich, je nach Konsumform beziehungsweise Rauchgewohnheit. Bei Zigaretten schwankt der Nikotingehalt, erreicht aber selten mehr als 1,5 Milligramm pro Stück. ■ NEBENWIRKUNGEN Die Blutgefässe verengen sich, die Durchblutung wird vermindert, der Blutdruck steigt an, der Puls beschleunigt sich. Bei Überdosierung kann es zu Übelkeit, Herzklopfen, Schwächegefühl und Schweissausbrüchen kommen. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Langfristig führt Rauchen zu einer Verminderung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit. Das Immunsystem des Körpers wird geschwächt. In der Schweiz ist Rauchen die wichtigste Ursache für einen vorzeitigen Tod. Jeder zweite Raucher, der nicht aufhört, stirbt irgendwann an den Folgen seines Lasters. Die Liste der durch Rauchen verursachten Krankheiten ist lang. Rauchen erhöht das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, um das Zehnfache. Das Herzinfarktrisiko erhöht sich um das Siebenfache. Neben Schädigungen von Lunge und Atemwegen (chronische Bronchitis, Emphyseme etc.) sowie anderer Organe stehen Gefässkrankheiten und Krebserkrankungen im Vordergrund. Besonders häufig sind Krebse im Mund- und Rachenraum. Aber auch das Risiko, an Magen-, Darm-, Gebärmutter- oder Harnblasenkrebs zu erkranken, ist bei Raucherinnen und Rauchern erhöht. Bei Männern kann Rauchen eine Rolle bei Potenzstörungen spielen. Rauchen während der Schwangerschaft führt zu verzögertem Wachstum des Fötus, zu Früh- und Totgeburten. Kinder rauchender Mütter wiegen bei der Geburt durchschnittlich 200 Gramm weniger als Kinder von Nichtraucherinnen. Drogenfachleute bescheinigen Nikotin ein ausserordentlich grosses Suchtpotenzial. Im Vordergrund stehen beim Entzug psychische Aspekte wie unbändige Lust zu Rauchen, Nervosität, Schlafstörungen, Gereiztheit und depressive Verstimmungen. Manche Raucher berichten aber auch von körperlichen Entzugssymptomen wie Schweissausbrüchen und Schüttelfrost.

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Cannabis – das umstrittene Kraut Cannabis, zu deutsch Hanf, ist eine der ältesten Kulturpflanzen überhaupt. In Vorderasien wird sie seit tausenden von Jahren angebaut. Auch in der Schweiz hat der Anbau und Gebrauch von Hanf eine lange Tradition, sei es als Nutz- oder Heilpflanze, sei es als Rauschmittel. Cannabis enthält rund 420 Inhaltsstoffe, darunter rund 65 so genannte Cannabinoide – Inhaltsstoffe, die bisher nur in der Hanfpflanze gefunden worden sind. Der wichtigste psychoaktive Wirkstoff im Hanf ist das Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC). Im Betäubungsmittelgesetz von 1951 wurde Cannabis als «Gefahr für die menschliche Gesundheit» verboten. Die Verteufelung des Hanfs hatte jedoch schon früher eingesetzt. Es gibt denn auch viele Ammenmärchen, die in die Welt gesetzt wurden, um Hanf als Teufelsdroge zu verdammen. Dennoch verlor der Hanf seine Anhänger nie ganz. Die Hippies verstanden Kiffen als Akt des Protests gegen die Spiessergesellschaft. Heute kiffen auch Normalbürger. Am Cannabisverbot hat sich nichts geändert. Die allermeisten Verzeigungen wegen Drogenkonsums gehen an Kiffende: 2002 wurden in der Schweiz 39 603 Personen wegen Betäubungsmittelkonsums verzeigt, 36 216 wegen Cannabiskonsum, was fast 100 Verzeigungen pro Tag entspricht. Cannabis-Boom in der Schweiz Ungeachtet des Verbots erlebt Cannabis in der Schweiz seit einigen Jahren einen regelrechten Boom. Die Normalisierung des Konsums führte zu einer immer liberaleren Politik. In Vorwegnahme der allgemein erwarteten Legalisierung des Cannabiskonsums wurden in vielen Städten Hanfshops eröffnet, in denen sich jedermann mit den berauschenden Blüten eindecken konnte. Bauern begannen, ihre Felder mit Hanf zu bestellen. Umtriebige Hanfgärtner mieteten Lagerhallen an und installierten grosse Indoor-Plantagen, um die enorme Nachfrage der Konsumentinnen und Konsumenten zu decken. Mittlerweile bläst der munter spriessenden Hanfbranche ein rauerer Wind entgegen. In vielen Kantonen wurden die Hanfshops von den Behörden dicht gemacht. Ihre Betreiber wurden, ebenso wie zahlreiche Hanfbauern und -gärtner, vor Gericht gestellt und zu Bussen und Ge-

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fängnisstrafen verurteilt. Als Folge der neu erstarkten Repression findet der Cannabishandel vielerorts wieder im Untergrund statt. In manchen Gegenden beziehungsweise Kantonen wird aber auch heute noch im grossen Stil Drogenhanf angebaut und verkauft. Hoher THC-Gehalt Mit der Renaissance des Hanfanbaus hat Marihuana (siehe «Form», Seite 62) in der Schweiz die Vormachtstellung unter den Cannabisprodukten übernommen. An die Stelle importierten Haschischs sind Hanfblüten aus heimischer Produktion getreten. Und das nicht ohne Grund. Untersuchungen von Schweizer Hanfblüten belegen die Spitzenqualität des heimischen Krauts. Unter Kunstlicht gezogene Indoor-Sorten erreichen nicht selten einen THC-Gehalt von mehr als 30 Prozent. Der hohe THC-Gehalt der in den Hanfläden gehandelten Marihuana-Sorten bereitet vielen Eltern, Lehrkräften und Fachleuten Sorgen. Es gibt aber auch Präventionsexperten, die einem hohen THC-Gehalt der Blüten Positives abgewinnen. Der einfache Grund: Von potentem Gras muss man weniger rauchen, um das gewünschte High zu erreichen. Das schont die Lunge. Andererseits fängt man sich mit potenterem Stoff schneller einen unerwünscht starken und unter Umständen unangenehmen Rausch ein. Macht Cannabis schizophren? Genährt werden die Bedenken durch neue Publikationen, in denen teils neue, teils altbekannte Fakten aufgelistet werden. Seit Jahren für Diskussionen unter Fachleuten sorgt etwa die Frage, ob Cannabiskonsum die Entstehung von Depressionen und Schizophrenie begünstige. Einigermassen unbestritten ist, dass Cannabis bei entsprechend veranlagten Personen eine latent vorhandene Psychose auslösen kann. Fakt ist aber auch, dass trotz des boomenden Hanfkonsums in der Schweiz keine signifikante Zunahme von Schizophrenie-Erkrankungen festzustellen ist. Die leichtere Erhältlichkeit von Cannabisprodukten und die grosse gesellschaftliche Akzeptanz haben dazu geführt, dass das Einstiegsalter der Cannabiskonsumenten in den letzten Jahren stetig gesunken ist. Diese Entwicklung wird auch von hanffreundlich gesinnten Experten

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mit Sorge betrachtet, denn je jünger jemand mit Rauchen beginnt, desto grösser ist das Risiko, dass er eine Abhängigkeit entwickelt. 600 000 Schweizer kiffen Die liberale Handhabung des Cannabishandels und der sich rasch verbreitende Konsum haben zu einem Umdenken geführt. Die Argumentation von Legalisierungsbefürwortern und Präventionsfachleuten, Cannabis sei keine Einstiegsdroge zu härteren Substanzen, und der Handel sei vom Schwarzmarkt zu entflechten, erzeugte in weiten Kreisen den Eindruck einer gewissen Harmlosigkeit. Inzwischen setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass Kiffen eben doch nicht so unbedenklich ist. Marihuana und Haschisch sind die meistkonsumierten illegalen Drogen in der Schweiz. Rund 600 000 Schweizerinnen und Schweizer kiffen aktuell, jede/r Vierte zwischen 15 und 74 hat mindestens einmal Cannabis probiert. Rund 90 000 Personen kiffen täglich, bei den 15- bis 19-Jährigen sind es 6,5 Prozent. ■ FORM Cannabis wird als Marihuana, Haschisch und Haschischöl gehandelt. Als Marihuana (Gras) bezeichnet man die getrockneten Blüten der Hanfpflanze, Haschisch ist das gepresste Harz der Blüten. Haschischöl ist ein dickflüssiges Konzentrat des Harzes. In den einschlägigen Geschäften gehen mit Hanfblüten gefüllte Duftsäcklein und Hanfkissen über den Ladentisch. Manche Shops verkaufen «Hanftaler» oder «Duftsteine» – gemeint ist nichts anderes als Haschisch. Cannabis kann man rauchen (Joint, Pfeife etc.), essen (zum Beispiel Haschguetzli) oder trinken (zum Beispiel Tee). Bisher wenig verbreitet ist die Konsumform des Verdampfens. Dabei wird Marihuana in einem Gerät erhitzt, bis es verdampft, aber nicht brennt. Die inhalierten Dämpfe enthalten die psychoaktiven Wirkstoffe des Cannabis, aber keine Verbrennungsrückstände. Die verbreitetste Konsumform ist das Rauchen. ■ WIRKUNG Wie Cannabis wirkt, hängt sowohl von der konsumierten Menge ab als auch von der Konsumform und der Konsumtechnik, etwa der Tiefe der

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Inhalation. Je nach Verfassung des Konsumenten, Gewöhnungsgrad, Konsumtechnik und -situation können bestimmte Effekte des Cannabisrauschs in unterschiedlicher Abfolge und Ausprägung auftreten. Die Erfahrung kann als angenehm wie auch als unangenehm erlebt werden. Das Wachbewusstsein verändert sich, man nimmt Musik und Licht intensiver wahr. Das Zeitempfinden verändert sich. Gedanken schwirren scheinbar beschleunigt durch den Kopf, man assoziiert Dinge leichter, verspürt unter Umständen einen gesteigerten Lach- und Rededrang. Cannabis kann euphorisch stimmen und entspannend wirken. Im günstigen Fall lässt es die Hemmschwelle zur Kontaktnahme sinken und steigert das Selbstbewusstsein. Im ungünstigsten Fall bewirkt es das Gegenteil: Man fühlt sich beobachtet und total daneben. ■ WIRKDAUER Beim Rauchen von Cannabis ist die maximale Wirkung nach 15 bis 30 Minuten erreicht; die berauschende Wirkung hält 2 bis 4 Stunden an. Beim Essen kann es 1 Stunde und mehr dauern, bis sich die volle Wirkung entfaltet; dafür kann der Rausch auch doppelt so lang anhalten. ■ DOSIERUNG Die Dosierung variiert je nach Qualität des Stoffs und nach Gewöhnungsgrad der Konsumierenden. Ein oder zwei Züge an einem Joint tun es für ungeübte Kiffer bereits völlig. ■ NEBENWIRKUNGEN Körperliche Nebenwirkungen: Mundtrockenheit, erweiterte Pupillen, gerötete Augen, beschleunigter Puls, verminderte Körpertemperatur (Kältegefühl), verminderter Augeninnendruck, Schwindelgefühle. Seelische Nebenwirkungen: Konzentrationsschwächen, verlängerte Reaktionszeiten, eingeschränkte Merkfähigkeit, bruchstückhaftes Denken. Selten kann es zu Angst- und Panikzuständen, Verwirrtheit und Desorientierung kommen. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Dauerhafter Cannabiskonsum kann zu einer psychischen Abhängigkeit führen. Eine solche Abhängigkeit äussert sich weniger in der Bereit-

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schaft, alles zu tun, um an den Stoff zu kommen, als vielmehr im Unvermögen, das Kiffen bleiben zu lassen, wenn Stoff vorhanden ist. Das Berauschen wird zur Strategie, Probleme zu verdrängen oder Stress zu bewältigen. Man vermeidet, dass einem der Stoff ausgeht, bis einem schliesslich ohne Kiffen gar nichts mehr Spass macht. Langjährige Kiffer berichten über Entzugssymptome wie Schlafstörungen, Verdauungsstörungen und Gliederschmerzen. Je jünger man sich einen regelmässigen Cannabiskonsum angewöhnt, desto grösser ist das Risiko, eine Abhängigkeit zu entwickeln. Das Risiko einer Abhängigkeit lässt sich begrenzen, wenn man seinen Cannabiskonsum steuert und unter Kontrolle hält. Das heisst: kleine Mengen in grösseren Zeitabständen konsumieren. Das Kiffen sollte nicht zum bestimmenden Lebensinhalt werden. Hin und wieder mal einen Joint zu rauchen ist nichts Schlimmes, wenn man am Folgetag keine Matheprüfung zu bestehen hat. Mischkonsum erschwert den Ausstieg Cannabis wird selten in reiner Form konsumiert. Meistens ist schon das Rauchen eines Joints ein eigentlicher Mischkonsum, da das Cannabis in der Regel mit Tabak gemischt wird. Wenn Nichtraucher an einem Joint ziehen, spüren sie zuerst die Nikotinwirkung; diese allein kann Schwindel und Übelkeit bewirken. Bei einer Entwöhnung vom Langzeitkonsum erschwert das Zusammenspiel von Tabak und Cannabis den Ausstieg: Ein Joint kann für Ex-Raucher das Ende der Abstinenz einleiten. Umgekehrt rauchen viele Kiffer Zigaretten, weil sie diese zum Kiffen brauchen. Achtung: Cannabis und Alkohol verstärken ihre Wirkung gegenseitig. Der Mischkonsum mit Partydrogen oder Psychopharmaka führt zu einer kaum berechenbaren Wirkung. Verstärkung psychischer Störungen Ob Cannabis allein Psychosen auslösen kann, ist in der Fachwelt stark umstritten. Fakt ist, dass Kiffen bei entsprechend disponierten Personen latent vorhandene Schizophrenien oder Depressionen auslösen oder zumindest verstärken kann. Wer unter Angststörungen leidet oder gelitten hat, muss damit rechnen, dass der Cannabisrausch die Symptome

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verstärkt oder wiederaufleben lässt. Regelmässiger Langzeitgebrauch von Cannabis beeinträchtigt die kognitive Leistungsfähigkeit (Aufmerksamkeit, Konzentration, Lernfähigkeit) und die Gedächtnisleistung. Bei manchen Konsumenten sind ein gewisser Motivations- und Interessenverlust sowie ein Hang zur Passivität zu beobachten. Das Rauchen von Cannabis schädigt die Lunge. Dafür ist allerdings nicht nur das Cannabis selbst verantwortlich, sondern auch der im Joint enthaltene Tabak. Ein Joint schädigt die Lunge stärker als eine Zigarette. Mögliche Folgen: Beeinträchtigte Lungenfunktion, chronische Bronchitis, dieselben Formen von Krebs wie beim Rauchen. Schädigungen des Immun- und Fortpflanzungssystems werden in Tierversuchen beschrieben. Beim Menschen sind sie aber wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Kiffen während der Schwangerschaft gefährdet die Gesundheit des Fötus (Wachstumsstörungen). Achtung: Cannabis beeinträchtigt das Reaktionsvermögen. Wer bekifft am Strassenverkehr teilnimmt, erhöht das Unfallrisiko für sich und andere. Seit einiger Zeit werden bei Verkehrskontrollen auch CannabisTests gemacht (siehe Seite 150). Wichtig: In der Kombination potenzieren sich die negativen Wirkungen von Cannabis und Alkohol!

Rauschbericht: «Ein unfreiwilliger Haschischtrip»

« Kiffen war eigentlich nie so richtig mein Ding. Als Teenager kiffte ich regelmässiger, aber irgendwann merkte ich, dass es mir nicht gut bekommt, und liess es. Heute bin ich 30 Jahre alt und ziehe nur noch selten an einem Joint. Wenn ich nachher nichts mehr vorhabe oder so. Eines Abends traf ich nach der Arbeit zwei alte Freunde. Einer davon ist ein notorischer Kiffer. Er lud uns zu sich nach Hause ein. Wir tranken Bier und quatschten, unser Gastgeber wickelte einen Joint nach dem anderen. Weit nach Mitternacht nahm ich ein paar Züge von der Tüte und machte mich auf den Heimweg. Als ich wenig später in meine Wohnung kam, überkam mich eine unbändige Lust auf Süsses. Endlich erspähte ich die Mailänderli, die mir ein Kollege kürzlich geschenkt hatte. Mailänderli sind meine Lieblingsguetzli. In null Komma nichts hatte ich alle sechs Guetzli weggeputzt. Wenig später legte ich mich schlafen.

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Irgendwann in der Nacht wachte ich auf. Mir war tierisch heiss, dann fror ich, mein Herz klopfte wie eine Pauke. Der ganze Körper stand unter einem extremen Druck, irgendwie wie unter Strom. Jede Bewegung fiel mir schwer. Ich hatte panische Angst. Ich glaubte, sterben zu müssen. Ich stand auf, um etwas zu trinken, konnte mich aber kaum auf den Beinen halten. Der Boden und die Wände verschoben sich. Wieder im Bett, dämmerte mir, worauf mein Zustand zurückzuführen war. «Der Depp muss irgendwas Seltsames in den Joint getan haben», war ich felsenfest überzeugt und fragte mich, was es sein könnte. LSD, Pillen, Koks, Opium … – von den Drogen, die ich kannte, kam keine in Frage. Die Nacht wurde endlos. Die Zeit dehnte sich. Ich hatte Visionen, sah Bilder wie in einem Traum: in der Vorstellung nur, aber total klar. Einmal sass ich auf dem Dach eines Inka-Tempels und schaute über den Dschungel unter mir. Ich trug die volle Montur eines InkaKriegers. Das nächste Bild, an das ich mich erinnere, könnte in Indien gewesen sein: Ich sass in einer klapprigen alten Eisenbahn und fuhr durch eine armselige Vorstadtgegend voller Leute. Das ging rund drei Stunden so. Der blanke Horror. Ich dachte, ich drehe durch. Es wollte mir partout nicht einfallen, weshalb ich so drauf war. Irgendwann wurde es Morgen und ich musste zur Arbeit. Als ich es endlich ins Auto geschafft hatte und losfahren wollte, merkte ich, dass das unmöglich war. Ich hatte mich immer noch nicht unter Kontrolle, geschweige denn ein Auto. Also ging ich zurück in die Wohnung und legte mich wieder ins Bett. Jetzt konnte ich wenigstens schlafen. Als ich am Mittag aufwachte, ging es mir besser. Am Nachmittag konnte ich wieder arbeiten gehen. Fünf Tage nach dem Trip traf ich einen anderen Freund. Den, der mir die Mailänderli gegeben hatte. Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Klar, das waren Haschguetzli gewesen! Maximal eines dürfe man essen, hatte er mir noch gesagt. Ich hatte einfach nicht mehr daran gedacht.

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Heroin & Co. – die Opioide Unter Opioiden versteht man Stoffe mit derselben Wirkungsweise wie Morphin. Das können halbsynthethische (etwa Heroin) oder vollsynthetische Stoffe (zum Beispiel Methadon) sein. Das bekannteste Opioid ist Heroin (Diacethylmorphin). Die Herstellung von Heroin ist einfach und billig. Das Ausgangsmaterial, Rohopium, wird aus dem Milchsaft des Schlafmohns (Papaver somniferum) gewonnen. Aus dem Rohopium wird Morphin-Base extrahiert und im Chemielabor zu Diacetylmorphin verkocht. Dieser Vorgang bedarf weder fundierter Fachkenntnisse noch eines teuren Labors. Erstmals hergestellt wurde Heroin im Jahre 1874 von einem Engländer namens C. R. A. Wright. Bald wurde es von der deutschen Bayer, aber auch von der Basler Chemie im grossen Stil als Heilmittel produziert und vermarktet. Wegen seiner schmerzstillenden Wirkung war Heroin zu Anfang des 20. Jahrhunderts ein verbreitetes Medikament. Erst unter massivem internationalen Druck und gegen den erbitterten Widerstand der chemischen Industrie unterstellte die Schweiz Heroin 1924 dem Betäubungsmittelgesetz. Mit der Revision des Betäubungsmittelgesetzes im Jahre 1951 wurden Produktion und Handel verboten. Per Rezept wurde Heroin aber weiterhin verschrieben. Strafbar wurde der Heroinkonsum in der Schweiz erst 1975. Heroin ist out Die Repression konnte die Blütezeit des Heroins in der Schweiz nicht verhindern. In den Achtziger- und Neunzigerjahren kam es zu regelrechten Heroin-Epidemien. Offene Drogenszenen entstanden, vorab in Zürich, wo in den Szenen von Platzspitz und Letten zeitweise viele tausend Fixer verkehrten. Erst nach einem erneuten Umdenken in der Drogenpolitik entspannte sich die Situation. Seit 1994 ist die Zahl der Heroingebraucher in der Schweiz rückläufig. Ein Teil von ihnen bezieht sein Heroin inzwischen vom Arzt. Die Zahl der drogenbedingten Todesfälle ist deutlich zurückgegangen: Starben 1992 noch 419 Menschen den meist durch eine Heroin-Überdosis verursachten Drogentod, waren es 2002 noch 167.

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Neben der verstärkten Überlebenshilfe hat der Preiszerfall auf dem Drogenmarkt zur Entspannung der Situation beigetragen. Kostete ein Gramm Heroin vor 15 Jahren noch 600 Franken und mehr, zahlte man in Zürich Ende 2001 für die gleiche Menge noch um 30 Franken. Weil der Stoff heute billiger ist, leisten sich immer mehr Konsumenten die im Vergleich zum Spritzen weniger effiziente Konsumform des Folienrauchens. Seit der Einrichtung von Gassenzimmern findet der intravenöse Heroinkonsum in einem stress- und risikoärmeren Umfeld statt. Zunehmender Mischkonsum Das Klischee vom verwahrlosten Junkie, dessen ganzes Leben sich nur um das Heroin dreht, ist ein Vorurteil. Heroinkonsumentinnen und -konsumenten führen zum Teil ein mehr oder weniger angepasstes, unauffälliges Leben. Der Schweizerische Drogenbericht von 1998 geht davon aus, dass in der Schweiz 60 000 Personen Heroin und Kokain konsumieren. Gleichzeitig gibt es immer weniger reine Heroinkonsumenten. Die meisten Süchtigen auf der Gasse konsumieren neben Heroin und anderen Opioiden (Methadon, Codein, Morphin etc.) Drogen wie Kokain, Amphetamine und gewisse Medikamente (vor allem Schlaf- und Beruhigungsmittel). Dazu kommen in aller Regel Alltagsdrogen wie Alkohol, Tabak und Cannabis. 18 000 Methadonbezüger Nach Heroin ist Methadon das meistkonsumierte Opioid. Methadon wird im Rahmen von Substitutionsprogrammen an Süchtige abgegeben (siehe Seite 190). Aktuell gibt es in der Schweiz mehr als 18 000 Methadonbezügerinnen und -bezüger. Eine durchschnittliche Therapie dauert 28,5 Monate. Als Entzugsmedikament für Heroinraucher und -sniffer kommt seit einiger Zeit das ebenfalls synthetische Opioid Buprenorphin zum Einsatz. Es wirkt schwächer als Methadon und wird in ein- bis dreiwöchigen Entzugsprogrammen abgegeben. Andere Opioide spielen in der Drogenszene eine untergeordnete Rolle. Zwar behilft sich der eine oder andere Junkie in der Not schon mal mit Kodein enthaltenden Hustenmedikamenten. Da stark wirkende morphinanaloge Opioide dem Betäubungsmittelgesetz unterstehen, ist der Zugriff auf sie medizinischem Fachpersonal vorbehalten.

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■ FORM Heroin (Sugar, H, Gift) wird in der Regel als weisses, beiges oder braunes Pulver gehandelt. Auf der Strasse gehandeltes Heroin ist in den allermeisten Fällen gestreckt. Beigemischt werden Substanzen wie Trauben- und Milchzucker, Ascorbinsäure, Aspirin und andere Medikamente, aber auch Strychnin und ähnliche Gifte. Der stark schwankende Reinheitsgrad im auf der Strasse erhältlichen Heroin ist eine der Hauptursachen für tödliche Überdosierungen. Heroin wird meistens gespritzt, was die risikoreichste Konsumform darstellt. Es wird aber auch gegessen, gesnifft, inhaliert (Folienrauchen) oder geraucht. Methadon und ähnliche Medikamente werden meist in der Form auf dem Schwarzmarkt angeboten, in der sie in den Substitionsprogrammen an die Bezüger abgegeben werden. Methadonsirup wird oft mit Wasser gestreckt. ■ WIRKUNG Die unmittelbare Wirkung des Heroins wird als Flash, Rush oder Kick bezeichnet. Je nach Konsumform ist das Flash stärker oder schwächer. Am unmittelbarsten stellt sich die Wirkung beim Spritzen ein. Innert weniger Sekunden wird der ganze Körper von einem überwältigenden Hochgefühl überflutet. Gefühle von Euphorie, Lust und Sorglosigkeit stellen sich ein, um kurz darauf von einem dösigen Zustand des Wohlbefindens abgelöst zu werden. Schwierigkeiten, Konflikte und Probleme scheinen unbedeutend, das Selbstvertrauen nimmt zu, Ängste und Hemmungen verfliegen. Beim Rauchen beziehungsweise Inhalieren der Dämpfe ist die Anflutung weniger stark. Am wenigsten ausgeprägt ist sie bei oraler Einnahme. Wie alle morphinanalog wirkenden Opioide ist Heroin ein hoch wirksames Schmerzmittel. Es wirkt atemdämpfend, was bei Überdosierungen zu tödlichem Atemstillstand führen kann. Methadon wirkt ähnlich wie Heroin, aber eben nicht gleich. Die euphorisierende Komponente fehlt, ausserdem wirkt Methadon dämpfend und antidepressiv. Es kappt sowohl positive als auch negative Gefühlsspitzen und unterdrückt die Libido. Methadon bindet die OpioidRezeptoren im Gehirn und unterdrückt so die Wirkung von Heroin weitgehend.

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■ WIRKDAUER Heroin hat eine Wirkungshalbwertszeit von 5 bis 8 Stunden. Das heisst, dass eine Heroindosis nach dieser Zeit nur noch halb so stark wirkt wie nach der Einnahme. Langzeitkonsumenten spritzen sich den Stoff deshalb meist zwei- bis dreimal täglich. Methadon hat eine Wirkungshalbwertszeit von 24 bis 36 Stunden. ■ DOSIERUNG Die Dosierung von Opioiden hängt stark vom Gewöhnungsgrad des Konsumenten ab. Bei Neukonsumenten liegt die tödliche Heroindosis bei etwa 60 Milligramm des Stoffes. Langjährige Heroinkonsumenten schaffen es durchaus auf Dosen von 500 Milligramm pro Tag. Da der Reinheitsgrad von Strassenheroin stark schwankt, liegt in der Dosierung des Stoffs ein hohes Risiko. ■ NEBENWIRKUNGEN Häufig sind Übelkeit und Erbrechen, bei übermässiger Dosierung kann es zu Blutdruckabfall, verlangsamtem Puls, Kreislaufzusammenbrüchen und im schlimmsten Fall zu tödlichem Atemstillstand kommen. Weitere für alle Opioide typische Nebenwirkungen sind verengte Pupillen und Verstopfung. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Eine der grössten Gefahren beim Heroingebrauch liegt in der Überdosierung. Wenn niemand zur Stelle ist, der einem helfen kann, stirbt man den klassischen Drogentod. Ein weiteres Gesundheitsrisiko sind die im Stoff enthaltenen Verunreinigungen und Streckmittel. Die gefährlichste Konsumform ist das Spritzen. Da die Substanz sofort ins Blut gelangt, setzt die Wirkung praktisch sofort ein – auch die eines allfälligen Giftes, das einem an Stelle von Heroin verkauft wurde. Weitere Risiken beim intravenösen Konsum sind die Infektion mit Hepatitis- und HI-Viren. Unsaubere Injektionen können zu Blutvergiftungen, Herzinnenhautentzündungen und Abszessen führen. Achtung: Wer fixt, darf nur sterile Spritzen und eigenes, sauberes Besteck verwenden (auch Filter und Löffel), und muss Löffel und Einstichstelle mit Alkohol desinfizieren!

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Das Inhalieren von Heroindämpfen (Folienrauchen, Chasing the Dragon) ist risikoärmer als das Fixen, kann aber die Lunge schädigen. Achtung: Keine lackierten Folien verwenden. Das Heroin langsam zum Schmelzen bringen. Zusatzstoffe mit tieferem Siedepunkt oder mit tiefer Zersetzungstemperatur können sich so verflüchtigen, bevor das Heroin verdampft. Überhitzung vermeiden (dicke Folie, Tropfen immer in Bewegung halten). Zum Einsaugen des Dampfs keine Strohhalme oder Plastikröhrchen verwenden. Aufgepasst: Heroindämpfe irritieren die Atemwege, was zum Beispiel bei Asthmapatienten lebensgefährlich werden kann. Der Strudel der Sucht Heroin selbst schädigt den Körper entgegen der verbreiteten Meinung kaum. Schädlich sind die Beimischungen, mit denen der Stoff gestreckt wird, und die misslichen hygienischen Bedingungen, in denen Heroin oft konsumiert wird. Verheerend wirkt sich ausserdem das grosse Suchtpotenzial der Droge aus. Der regelmässige Konsum führt zu einer Toleranzbildung, die immer grössere Dosen erfordert. Bei Gewöhnung treten körperliche Entzugserscheinungen auf, die eine permanente Versorgung des Körpers mit dem Stoff verlangen. Bald einmal dreht sich alles um die Beschaffung der Droge. Je weiter man in diesen Strudel hineingezogen wird, desto schwerer kann man sich daraus befreien. Meist ist in solchen Fällen professionelle Hilfe nötig. Die sozialen Folgen einer Heroinabhängigkeit sind meistens dramatisch, nicht zuletzt weil die Konsumenten kriminalisiert werden.

Rauschbericht: «Mit Heroin war alle Tage Sonntag»

« Ohne Not habe ich damals zum ersten Mal diese Droge genommen. Ich wollte sie nur einmal probieren, nichts weiter. Nur einmal … ja, nur einmal – am Tag, jeden Tag nur einmal, die ersten Wochen – und dann nie wieder! Nach sieben Wochen legte ich eine Pause ein, wollte sehen, ob ich schon süchtig geworden war. Ich glaube, ich war sogar ein wenig enttäuscht, keinen Entzug erleiden zu müssen – leider, denn nun konnte ich mir vorgaukeln, zu jener Schar Auserwählter zu gehören, die nicht süchtig wurden, alles schien tatsächlich nur eine Fra-

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ge der Einstellung zu sein. Und so fuhr ich fort in meinem unheilvollen Beginnen, als wäre es bloss ein Spiel. Zu Anfang fiel es schwer zu begreifen, was Menschen von dieser Droge süchtig werden liess. Es war kein Rausch, den ich erfuhr, keine Euphorie, keine Exaltiertheit, keine Halluzinationen oder Ähnliches, es war vielmehr nur ein unbestimmtes Wärmegefühl, ein gewisses Behagen, nichts weiter. Ich befand mich augenscheinlich vollkommen normal, fühlte mich wie nach einem guten Winterspaziergang, wenn ich wieder in der warmen Stube hockte und ein prickelndes Wohlbehagen unter meiner Haut empfand. Allerdings gewann jeder Gegenstand, mit dem ich mich beschäftigte, etwas fesselnd Interessantes. Die Stunden des Tages waren jetzt ausgefüllt mit vielen anregenden Beschäftigungen. Wenn ich spät in der Nacht oder morgens endlich einschlief, fiel ich in einen dunklen, traumschweren Schlaf, obgleich mir gar nichts daran lag, zu schlafen. Opiate besitzen zuvorderst eine stimulierende Wirkung. Meist lag ich die ganze Nacht reglos da, acht, neun Stunden immer in der gleichen Stellung, wie in einem Sarg. In Morpheus’ Armen zu liegen, das bedeutet es, nach dem Genuss von Opiaten zu schlafen. Täglich redete ich mir ein, noch kannst du jederzeit aufhören, du bist nicht süchtig, es macht also nichts, wenn du heute noch einmal etwas nimmst, aber morgen – morgen soll Schluss sein. Und so fand ich jeden Tag einen neuen ‹guten Grund›, das Pulver einzufahren. Nach einigen Wochen erst lernte ich mehr über die Wirkung dieses Giftes – als ich nämlich damit aufhören wollte. Was bedeutete es eigentlich, unter dem Einfluss von Heroin zu stehen? Könnte man sagen, es war damit eine Steigerung des gesamten Lebensgefühls verbunden? In der Tat glaubte ich in diesen ersten Wochen, etwas Besonderes zu sein, herausgehoben aus dem Brei des Alltäglichen. Heroin ist wie alle Tage Sonntag, wie ein fortwährender Ausnahmezustand, aber es erzeugt niemals einen Rausch.

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Aus: «Opiumessers Drachenjagd»: Victor Mala, Nachtschatten Verlag, Solothurn 2002.

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Kokain – Doping fürs Ego Kokain ist eine aufputschende Substanz, die aus den Blättern des KokaStrauchs (Erythroxylon coca) gewonnen wird. In den Andenländern wurde der immergrüne Koka-Strauch vermutlich schon 2500 v. Chr. kultiviert. Ebenso lange Tradition hat das Kauen der Koka-Blätter. Die berauschenden Blätter dämpfen den Hunger, steigern die Körperkräfte und die Ausdauer. Ursprünglich nur in rituellen und kultischen Zusammenhängen gebraucht, wurden die Blätter nach der Eroberung durch die Spanier von der einheimischen Bevölkerung bald zur Bekämpfung des Hungers «missbraucht». Mitte des 19. Jahrhunderts wurde erstmals das in den Blättern enthaltene Alkaloid Kokain isoliert. (Alkaloide sind stickstoffhaltige Inhaltsstoffe mit pharmakologischer Wirkung.) Kokain kam in der Medizin zur Behandlung von Depressionen und als Lokalanästhetikum, zum Beispiel bei Augenoperationen, zum Einsatz. 1886 erfand der Apotheker J. S. Pemberton ein kokainhaltiges Getränk, das er als Tonikum gegen alle möglichen Zipperlein anpries: Coca-Cola. Bis 1903 enthielt Coca-Cola Kokain. Nachdem sich Todesfälle im Zusammenhang mit kokainhaltigen Getränken häuften, wurde der Kokainzusatz in Getränken schliesslich verboten. Preiszerfall in den Neunzigerjahren Den Durchbruch als Rauschmittel schaffte Kokain in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Wesentlichen Anteil an der Verbreitung der Droge in der Gesellschaft hatte der Vater der Psychoanalyse, Sigmund Freud, selbst ein eifriger Kokaingebraucher. In den Dreissigerjahren wurde Kokain von den Amphetaminen verdrängt. Seit den Siebzigerjahren erlebt die Droge ein eigentliches Revival, das in Europa seit Anfang der Neunzigerjahre von einem massiven Preiszerfall unterstützt wird. In den Achtzigerjahren kam mit dem Rauchen von Crack (Kokain, verkocht mit Backpulver) eine neue Konsumform in Mode. Einst Droge der Jetsetter und «Kreativen», ist Kokain-Konsum heute in allen sozialen Schichten anzutreffen. Das Kokain wird noch in den Erzeugerländern aus den Koka-Blättern extrahiert. Die so entstehende Koka-Paste wird zu Kokainhydro-

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chlorid weiterverarbeitet, eine farb- und geruchlose, bitter schmeckende Substanz. Diese gelangt als Pulver, meistens stark gestreckt, auf den Drogenmarkt. Übliche Streckmittel sind Frucht- und Milchzucker, verbreitet sind aber auch synthetische Beimischungen wie die Lokalanästhetika Procain und Lidocain, Koffein oder Amphetamine, die in ihrer Wirkung dem Kokain zum Teil ähnlich sind. In allen Schichten verbreitet Kokain wird in höchst unterschiedlichen Zusammenhängen konsumiert. Es gibt Gelegenheitskonsumenten, die keine sichtbaren Probleme damit haben. Andere verfallen dem Stoff total und zeigen schnell Anzeichen körperlichen und geistigen Zerfalls. Bei chronischem Kokainkonsum unterscheidet man zwischen episodischem und kontinuierlichem Gebrauch. Bei ersterem konsumiert der Kokser hohe Dosen, solange er über Stoff verfügt oder bis er physisch völlig erschöpft ist. Beim kontinuierlichen Konsum werden täglich mehr oder weniger gleich grosse Mengen genommen. Je teurer das Kokain, desto verbreiteter sind riskante Konsumformen. Ursprünglich wurde Kokain ausschliesslich geschluckt. Erst die zunehmende Stigmatisierung der Kokainkonsumenten und schliesslich die Prohibition führten zu riskanteren Konsumformen wie dem Schnupfen, Injizieren oder Rauchen des Stoffs. Am effizientesten, aber auch am gefährlichsten ist das Fixen. Da die orale Einnahme von Kokain kaum mehr gebräuchlich ist, gilt das Schnupfen als gängigste Konsumform. ■ FORM Kokain (Koks, Schnee) wird in der Regel als weisses oder gelblich-weisses Pulver, manchmal auch in gepresster Form gehandelt. Da Kokain meistens stark gestreckt an den Endverbraucher verkauft wird, ist der Wirkstoffgehalt sehr unterschiedlich. Er liegt durchschnittlich bei 20 bis 50 Prozent. In der hiesigen Drogenszene hat das Rauchen von Kokainbase das Fixen in den vergangenen Jahren als üblichste Konsumform abgelöst. Anders als ihre amerikanischen Kollegen begrüssen Schweizer Drogenfachleute diesen Trend. Das Rauchen gilt zwar als ebenso suchterzeu-

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gend wie das Fixen, geht aber mit weniger Folgekrankheiten einher (HIV, Hepatitis etc.). Hiesige Kokainraucher verkochen Kokain mit Ammoniak und rauchen die dabei entstehenden Klumpen, Freebase genannt, anschliessend in einer Pfeife. Crack ist in der Schweiz bisher kaum verbreitet. Es wird ähnlich zubereitet und konsumiert wie Freebase, wobei statt Ammoniak Backpulver verwendet wird. Bei diesem Prozess bleiben mehr Verunreinigungen im Kokain zurück. ■ WIRKUNG Kokain wirkt auf den Haushalt der Botenstoffe im Gehirn. Es stimuliert das zentrale Nervensystem und wirkt lokal betäubend. Die Blutgefässe verengen sich, die Pulsfrequenz steigt an, ebenso Blutdruck, Körpertemperatur und Atemfrequenz. Die Pupillen weiten sich. Der klassische Kokainrausch verläuft in drei Abschnitten: In der ersten Phase erzeugt er ein Gefühl von Glück und Stärke. Kokain ist Doping fürs Selbstvertrauen: Man fühlt sich wach, fit, unglaublich kompetent, sorglos, kontaktfähig, ungehemmt und hat eventuell ein gesteigertes Sexualverlangen. Man glaubt, besser hören und sehen zu können, unter Umständen sieht man Dinge und Zusammenhänge, die sonst nicht zu sehen wären. Gelegentlich kommt es zu leichten Halluzinationen. In der zweiten Phase lässt die Euphorie nach. Man kann sich bedrängt oder verfolgt fühlen, ist gleichzeitig nervös, aufgekratzt, eventuell aggressiv. In der dritten Phase setzt der Kater («Crash») ein, der einer leichten bis schweren Depression gleichen kann. Diese depressive Phase dauert normalerweise 30 bis 60 Minuten. Das ist für viele Konsumenten der klassische Moment für die Einnahme einer weiteren Kokaindosis. Je häufiger und intensiver der Konsum, desto grösser die Chance, einen ausgeprägten «Crash» zu erleben. ■ WIRKDAUER Die Dauer des Kokainrausches hängt in erster Linie von der Konsumform ab. Beim Schnupfen tritt die Wirkung nach wenigen Minuten ein und erreicht ihren Höhepunkt nach 30 bis 60 Minuten. Die Maximalwirkung hält bis zu einer Stunde an. Beim Rauchen und beim Spritzen setzt die

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Wirkung sofort und ungleich stärker ein, allerdings hält sie nur wenige Minuten an. Der gesamte Wirkungsablauf spielt sich beschleunigt ab. ■ DOSIERUNG Die Dosierung hängt stark von der Konsumform ab. Bei nasaler Einnahme gelten 20 bis 50 Milligramm Kokainhydrochlorid als übliche Dosis. Wie viel Pulver das ist, hängt von dessen Reinheit ab. Beim Rauchen von Crack oder Freebase liegt die Dosierung zwischen 50 und 250 Milligramm, beim Spritzen um 10 Milligramm. Achtung: Geraucht oder gespritzt wirkt Kokain um ein Vielfaches stärker. Entsprechend grösser ist das Risiko einer Überdosierung. ■ NEBENWIRKUNGEN Herzrasen und Herzrhythmusstörungen, motorische Erregung, Schwitzen, Mundtrockenheit. Bei Überdosierung kann es zu Koordinationsstörungen, Übererregtheit, Verwirrtheit, Krampfanfällen, Kreislaufzusammenbrüchen und im schlimmsten Fall zu tödlichem Kreislaufversagen kommen. Bei überempfindlichen Personen können bereits kleinere Dosen einen «Kokainschock» auslösen. Anzeichen: Blässe, Schweissausbrüche, Atemnot. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Kokain gehört zu den suchterzeugendsten Substanzen überhaupt, wobei psychische Aspekte im Vordergrund stehen. Bei dauerhaftem Gebrauch stellt sich eine Toleranz gegen den Stoff ein, die sich bei einer Konsumpause zurückbildet. Anders als etwa bei den Opiaten, muss Kokain nicht wochen- oder monatelang konsumiert werden, um abhängig zu machen. Die Abhängigkeit äussert sich im unbändigen Verlangen, immer mehr Kokain zu bekommen. Setzt man die Droge ab, treten Entzugssymptome auf wie Müdigkeit, Erschöpfung, Lustlosigkeit, Depressionen. Bei starkem chronischen Kokaingebrauch kann dieser Zustand Wochen andauern. Das Verlangen («Craving») nach dem Stoff kann weit über diesen Zeitraum hinaus bestehen. Am stärksten suchterzeugend wirkt Kokain, wenn es geraucht oder gespritzt wird. Das High ist hier nur sehr kurz und das Verlangen nach mehr besonders stark. Das Sniffen von Kokain schädigt die Nasen-

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schleimhaut. Das Rauchen schädigt die Lunge, durch das Pressen des Atems können Luftansammlungen in Lunge und Herzbeutel entstehen. Beim Fixen liegen weitere Risiken in der Infektion mit Hepatitis- und HI-Viren, wenn die Spritze nicht steril und das Besteck (auch Filter und Löffel) verunreinigt ist. Schwere Beeinträchtigungen Regelmässiger Kokainkonsum kann zu schweren physischen, psychischen und sozialen Beeinträchtigungen führen. Der Körper wird ausgezehrt, die Widerstandskraft geschwächt. Organe wie Herz, Leber, Nieren und eventuell die Lunge können geschädigt werden. Als gravierende psychische Folgen zeigen sich bei Langzeitkonsumenten Verstimmungen, sexuelle Funktionsstörungen, Schlafstörungen, Angstzustände, Depressionen und Verwirrtheit. Manche Konsumenten entwickeln eine Kokainpsychose, bei der es zu paranoiden Wahnvorstellungen und Halluzinationen kommen kann. Bei dauerhaftem Konsum sind nachhaltige Persönlichkeitsveränderungen zu beobachten. Dauerkokser erscheinen oft asozial und narzisstisch, leicht reizbar und aggressiv. Da Kokain illegal und teuer ist, führt der Langzeitkonsum zu strafrechtlichen und finanziellen Problemen. Diese gehen oft mit dem Verlust von sozialen Bindungen einher. Kokain wird oft zusammen mit anderen Substanzen genommen. Der gängigste Mix ist Koks und Alkohol. Die Kokainwirkung überlagert jene von Alkohol, was viele zu übermässigem Trinken veranlasst. Wenn die Kokainwirkung abklingt, kann der Alkoholrausch schlagartig einsetzen. In Fixerkreisen, wo der Kokainkonsum meist ohnehin mit dem Konsum von verschiedensten Substanzen einher geht, sind Cocktails aus Kokain und Heroin (Speedballs) beliebt. Achtung: In der Partyszene wird Kokain oft mit Partydrogen kombiniert, was absolut unsinnig ist: Kokain mindert die Wirkung von Ecstasy, steigert aber dessen Neurotoxizität (Nervengiftigkeit). Generell gilt: Mischkonsum macht jede Drogenwirkung gefährlich und unberechenbar! Wegen seiner gefässverengenden Wirkung kann Kokainkonsum während der Schwangerschaft den Fötus schädigen (Sauerstoff- und Nährstoffmangel). Weitere Kontraindikationen sind Herz-/ Kreislaufprobleme und Epilepsie.

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Überblick: Partypillen und Designerdrogen Die Club- und Partyszene folgt der Mode. Das ist auch bei den Drogen so. Mal sind Pillen in, mal ist es ein Pulver, mal fährt die Szene auf kleine Fläschchen mit berauschendem Inhalt ab. Und in regelmässigen Abständen kommen neu entwickelte und wiederentdeckte Substanzen dazu. Bei der Entwicklung von Designerdrogen wird die chemische Formel einer bekannten Substanz oft nur leicht abgeändert, um das Betäubungsmittelgesetz zu umgehen. Ein Beispiel dafür ist die Partypille A2 (Benzylpiperazin). A2 wirkt ähnlich wie das Amphetamin-Derivat MDMA – besser bekannt als Ecstasy. In Zürich wurde die Droge jahrelang in so genannten Smart Shops angeboten, bevor die Behörden den Verkauf durch eine Verfügung stoppten. Doch im Smart Shop gibt es ein Dutzend Alternativen: Sie tragen Namen wie 2C-I, 2C-T-4, TMA-2 oder TMA-6. Die Drogendesigner arbeiten so schnell, dass die Gesetzgeber mit Verbieten gar nicht nachkommen. Weil die nicht unter das Betäubungsmittel fallenden Designerdrogen in Läden erhältlich sind, nehmen viele Konsumenten an, die Substanzen seien unbedenklich. Ein voreiliger und trügerischer Schluss. Zwar hat der Kunde im Smart Shop eher Gewähr, dass die Pillen das enthalten, was auf der Verpackung steht. Die längerfristigen Auswirkungen auf Körper und Geist hingegen sind bei vielen dieser Stoffe schlicht nicht erforscht. Der Verkauf zum Konsum ist denn auch in aller Regel nicht legal. Hauptrisiko Mischkonsum Das grösste Risiko beim Konsum von Partydrogen ist der Mischkonsum. So erhöht sich die hirnschädigende Wirkung von Ecstasy, wenn es gleichzeitig mit Kokain oder Amphetaminen konsumiert wird. Manche Wirkstoffkombinationen können sogar tödlich wirken, selbst wenn die einzelnen Substanzen als vergleichsweise harmlos gelten: Die Partydroge GHB («Liquid Ecstasy») kann im Mischkonsum mit Alkohol zum Koma und im Extremfall zu einem tödlichen Atemstillstand führen.

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Ein weiteres Risiko ist die Überdosierung: Weil die Wirkung bei geschluckten Substanzen relativ spät einsetzt, können viele Konsumenten nicht der Versuchung widerstehen, «eine Pille nachzuladen». Im günstigsten Fall führt eine solche Überdosierung zu einem miesen Trip mit unangenehmen Nebenwirkungen. Der Trip kann aber auch tödlich enden, etwa wenn die Pillen den Wirkstoff Paramethoxyamphetamin (PMA) enthielten. Besonders verhängnisvoll: PMA wird oft als Ecstasy angeboten. Pillentests an Partys Angesichts der Verbreitung des Konsums von Partydrogen und der damit verbundenen Risiken kommt dem so genannten «Drug Checking» besonders grosse Bedeutung zu: Nachdem die rechtlichen Hürden vom Bundesamt für Gesundheit ausgeräumt wurden, gibt es in Zürich und Bern wieder Pillentests an Partys. Besucherinnen und Besucher können die gekauften Pillen an einem Stand analysieren lassen. Präventionsfachleute kritisieren allerdings, dass ein nationales Drug-CheckingProgramm und mit ihm ein schweizweites Erfassen und Auswerten von Informationen immer noch fehlen. Achtung: Ein Pillentest ist kein Persilschein. Die Bestimmung des Wirkstoffs und des Wirkstoffgehalts einer Pille kann das Risiko des Drogengebrauchs reduzieren. Die Gefahren, die mit dem Gebrauch der Droge einher gehen, bleiben bestehen. Nützliche Links Informationen zu Partydrogen gibt es unter diesen Adressen: • www.sfa-ispa.ch • www.eve-rave.ch • www.saferparty.ch

Safer Use und erste Hilfe Wer Drogen konsumiert, geht Risiken ein. Das gilt selbst dann, wenn der Drogenkonsum in noch so lockerem und scheinbar unbedenklichem Rahmen stattfindet. Jeder Mensch reagiert anders auf eine Sub-

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stanz: Was dem einen Spass und Erholung bringt, kann beim anderen massive Probleme verursachen. Auch kann ein und derselbe Mensch auf eine Substanz bei verschiedenen Gelegenheiten völlig unterschiedlich reagieren. Wie eine Droge wirkt, hängt neben der Beschaffenheit der Substanz immer auch von der Verfassung des Konsumenten und der Umgebung ab. Wer trotz aller Verbote, Warnungen und Einwände Drogen konsumieren will, sollte einige Regeln beachten, um die Risiken zu reduzieren. Informiere dich genau über die Wirkungen und Risiken der Substanz, die du nehmen willst. Mach dir klar, welche Risiken du einzugehen bereit bist, um «ein bisschen Spass» zu haben. Die meisten Drogen können Ungeborene im Mutterleib schädigen.Während einer Schwangerschaft ist der Konsum von Party- und anderen Drogen absolut tabu. Konsumiere Drogen nie alleine. Achte auf deine Freunde. Sprich über deine Erfahrungen und teile es mit, wenn es dir nicht gut geht. Frag nach, wenn du siehst, dass es einem deiner Freunde mies geht. Check dich selbst: Bist du wirklich in der richtigen Stimmung für ein solches Experiment? Beachte: Manche Menschen haben psychische Probleme, die den Drogenkonsum zu einem besonderen Risiko machen. Nicht immer ist man sich dieser Probleme zum Voraus bewusst. Nachher kann es zu spät sein. Wer an Herz- / Kreislauferkrankungen leidet, sollte von Partydrogen tunlichst die Finger lassen. Aber auch andere Krankheiten schliessen bestimmte Drogen aus. Check deine Umgebung: Sind das die richtigen Leute, ist das der richtige Ort? Es ist wichtig, dass du den Leuten in deiner Umgebung vertrauen kannst. Miese Feelings, schwelende Konflikte, aggressive Leute oder eine stressige Umgebung sind schlechte Voraussetzungen für einen guten Trip. Eine Party ist übrigens kaum der geeignete Ort, um eine unbekannte Substanz auszuprobieren. Bei illegalen Drogen ist der Wirkstoffgehalt generell unbekannt. Pillen, Pulver und Lösungen können gefährliche Beimischungen oder zu grosse Mengen des Wirkstoffs enthalten. Pillenlisten im Internet mit Angaben zum Wirkstoffgehalt getesteter Pillen sind ein unzuverlässiger Ratgeber. Falls es auf deiner Party die Möglichkeit gibt, die Pillen testen zu

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lassen, mache unbedingt Gebrauch davon. Ansonsten langsam an die gewünschte Dosis herantesten und, wenn überhaupt, ausreichend Zeit verstreichen lassen, bevor man «nachlegt» (2 Stunden oder mehr). Lege regelmässig Tanzpausen ein und tanke frische Luft. Ausreichend Alkoholfreies trinken (ca. ein halber Liter Wasser pro Stunde). Mit Trips ist es wie mit Filmen: Irgendwann ist jeder zu Ende. Wenn ein guter Film fertig ist, schaut man sich kaum gleich den nächsten an. So sollte man es auch mit Drogen halten: Freue dich, wenn es toll war, und lass es dabei. Je mehr man von einem Stoff konsumiert, desto grösser ist die Gefahr der Überdosierung. Das kann unangenehme Nebenwirkungen verursachen, aber auch handfeste Probleme, an denen man länger zu kauen hat. Überdosierungen können den Körper langfristig schädigen, ohne dass man es sofort merkt. Das Mischen von Substanzen macht jede Drogenwirkung unberechenbar. Die Wirkung kann sich in ungeahnter Weise verstärken und unter Umständen zu lebensgefährlichen Zusammenbrüchen führen. Auch die giftige Wirkung einzelner Substanzen verstärkt sich im Mischkonsum. Bedenke, dass man Substanzen auch unbeabsichtigt mischen kann, wenn sie einem unter falschem Etikett verkauft wurden. Manche Drogen lassen dich alle Hemmungen vergessen. Unter Umständen tust du auf einem Trip Dinge, die du sonst nie machen würdest. Vielleicht tun dir diese Dinge leid, wenn du wieder nüchtern bist. Manche Drogen steigern die Lust. Sorge vor: Trag Kondome bei dir und halte dich an die Safer-Sex-Regeln, egal wie überflüssig dir das im Moment erscheinen mag. Tanzpausen sind das eine, Party- und Drogenpausen das andere. Der Organismus braucht Erholungsphasen, vor allem wenn man leistungssteigernde Substanzen konsumiert. Wer seinem Körper die nötige Erholung nicht gönnt, macht ihn kaputt! Wer fährt, bleibt nüchtern! Erste Hilfe Falls es zu Zwischenfällen kommt: Leiste Beistand und erste Hilfe. Scheue dich nicht, einen Arzt zu rufen. Ärzte unterliegen gegenüber der Polizei der Schweigepflicht.

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• Horrortrips /Angstzustände: Person nie alleine lassen. Hand halten und beruhigend zureden. Frische Luft und Wasser zuführen. Wenn sich der Zustand nicht bessert, Sanität benachrichtigen. • Hitzschlag: Symptome sind ein roter, heisser Kopf, heisse Haut, rasender Puls, Übelkeit, Kopfweh. Hilfe: Ruhe und frische Luft. Beim Lagern den Kopf anheben. Person nie alleine lassen. Vitamin- oder mineralhaltige Getränke verabreichen, wenn die Person ansprechbar ist. Beruhigend auf sie eingehen. Die Sanität über eingenommene Substanzen informieren, sofern bekannt. • Bewusstlosigkeit: Umgehend Sanität (Tel. 144) rufen! Person in Seitenlage bringen. Auch bei Bewusstlosigkeit die Person zum Atmen, Sprechen, Öffnen der Augen usw. auffordern. Reize vermitteln (Hände drücken, streicheln, kneifen, nicht schlagen). • Atemstillstand: Symptome: kein Heben und Senken des Brustkorbs, keine Atmung fühlbar an Nase und Mund, blaue Lippen, bleichblaue Haut, blau unter den Fingernägeln. Erste Hilfe nach dem ABC-Prinzip leisten: A = Atemwege freimachen, B = Beatmen, C = Circulation (Herzmassage, Kompression). Sofort Sanität (Tel. 144) rufen!

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Speed – die Leistungsdroge Speed ist der im Drogenhandel übliche Name für Amphetamin. Die ersten Amphetamine oder amphetaminähnliche Stoffe enthaltenden Medikamente kamen in den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts als Narkosehemmer, Appetitzügler und zur Behandlung von Krankheiten wie Asthma, Schnupfen und Kreislaufschwäche auf den Markt. Breite Anwendung fanden die Amphetamine und die noch potenteren Methamphetamine bei Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Die aufputschenden «Weckamine» hielten wach und steigerten die Kampfbereitschaft. Heute noch halten sich Militärpiloten auf längeren Einsätzen mit Speed wach. Eine lange Tradition hat auch der Gebrauch von Amphetaminen als Appetitzügler. Erst als ihr Konsum und die damit einhergehenden negativen psychosozialen Folgen Besorgnis erregende Ausmasse angenommen hatte, wurden die zuvor frei zugänglichen Substanzen des Amphetamintyps international dem Betäubungsmittelrecht unterstellt. Speed kills! Amphetamine wurden und werden auch als Dopingmittel im Sport missbraucht. Mancher Sportler zahlte dafür mit dem Doping-Tod. Heute spielen Amphetamine im Profisport praktisch keine Rolle mehr, weil es effizientere, weniger leicht nachzuweisende und auch weniger gefährliche Substanzen gibt. Auch in der Medizin kommen Amphetamine nur noch selten zur Anwendung. Als Droge hingegen erfreut sich Speed grösserer Beliebtheit denn je. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Speed eine Leistungs- und EgoDroge ist. In Japan ist der Konsum von Amphetaminen als Leistungsförderer weit verbreitet. In unseren Breitengraden kam Speed mit dem Techno-Boom über die Drogenszene hinaus in Mode. Heute sind Amphetamine und Amphetamin-Derivate wie Ecstasy (siehe Seite 87) aus der Partyszene kaum mehr wegzudenken. Seit einiger Zeit tauchen in den Clubs vermehrt Methamphetamine auf, die aufgrund ihrer massiv potenteren Wirkung ein entsprechend grösseres Risiko in sich bergen.

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■ FORM Amphetamin wird unter der Bezeichnung Speed (manchmal auch Pep) als Pulver oder in Pillenform gehandelt. Das Pulver wird geschnupft (gesnifft, gezogen), seltener geraucht oder gespritzt. Manchmal wird es auch in Papier eingewickelt und wie eine Pille geschluckt. Methamphetamin wird unter den Bezeichnungen Yaba, Shabu und Thaipillen in Pillenform angeboten, seltener auch als Pulver (Crystal). Achtung: Dealer bieten das viel stärkere Methamphetamin oft als gewöhnliches Amphetamin an, von dem es optisch nicht zu unterscheiden ist. Dadurch kommt es immer wieder zu lebensgefährlichen Überdosierungen. ■ WIRKUNG Speed ist ein synthetisches Aufputschmittel. Seine Wirkung entsteht durch eine erhöhte Ausschüttung der Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin im Gehirn. Schmerzempfinden und Schlafbedürfnis sowie Hunger- und Durstempfinden sind herabgesetzt. Der Puls ist beschleunigt, Blutdruck und Körpertemperatur sind erhöht. Auf Speed fühlt man sich wacher, konzentrierter und leistungsfähiger. Das Selbstvertrauen ist gesteigert, man fühlt sich zufrieden, gelöst, wohl oder gar euphorisch, und man hat ein gesteigertes Mitteilungsbedürfnis. Methamphetamin wirkt ähnlich, aber viel stärker als Amphetamin. Zusätzlich berichten Konsumenten von zwanghaftem Bewegungsdrang und aggressivem Verhalten. Bei hoher Dosierung sind Sinnestäuschungen und Halluzinationen möglich. ■ WIRKDAUER Speed wirkt rund 6 bis 12 Stunden. Achtung: Bei Methamphetamin kann die Wirkung 30 Stunden und länger anhalten! Bei oraler Einnahme setzt die Wirkung nach 30 bis 60 Minuten ein, beim Sniffen bereits nach wenigen Minuten. Bei der riskantesten Konsumform, dem Spritzen, setzt die Wirkung, wie auch beim Rauchen, nach wenigen Sekunden ein.

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■ DOSIERUNG Speed ist schon in geringen Mengen wirksam. Bei Amphetamin gelten ungefähr 50 Milligramm pro Dosis als mässige Dosierung, bei Methamphetamin liegt die übliche Dosierung zwischen 5 und 50 Milligramm. Die Dosierung hängt stark von der Gewöhnung des Konsumenten ab. ■ NEBENWIRKUNGEN Herzrasen, Übelkeit, Zittern, aggressives Verhalten. Bei Überdosierung drohen Blutdruckabfall, Kollaps, Schlaganfall und im ungünstigsten Fall der Tod. Wenn die Wirkung nachlässt, kann es zu Erschöpfungszuständen und Depressionen kommen. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Speed kommt meistens gestreckt und in wechselhafter Dosierung auf den Markt. Bei Tests der Organisation Eve & Rave (Verein zur Förderung der Partykultur und Minderung der Drogenproblematik) schwankte der Reinheitsgrad zwischen 10 und 80 Prozent. Das grösste Risiko liegt in der Überdosierung, vor allem wenn Methamphetamin mit Amphetamin verwechselt wird. Die potenziell tödliche Amphetamin-Dosis liegt bei 100 Milligramm (orale Einnahme). Für ungewohnte oder kreislaufgeschwächte Konsumenten können schon niedrigere Dosen lebensgefährlich sein. Beim Fixen liegen weitere Risiken in der Infektion mit Hepatitis- und HI-Viren, sofern nicht sterile Spritzen und eigenes, sauberes Besteck verwendet werden. Alkoholkonsum verstärkt den Kater am nächsten Tag. Achtung: Auf Speed spürt man die Wirkung des Alkohols nicht! In Kombination mit Ecstasy konsumiert, zerstört Speed dessen Wirkung. In Kombination mit Cannabis oder Beruhigungsmitteln konsumiert, kann es Kreislaufzusammenbrüche auslösen. Die fehlende Wahrnehmung von Erschöpfung und Flüssigkeitsmangel erhöhen dieses Risiko zusätzlich. Die Langzeitfolgen Bei Langzeitgebrauch macht Speed psychisch abhängig. Typische Entzugssymptome sind Schlaflosigkeit, Unruhe, Depressionen und paranoid-psychotische Reaktionen (Amphetamin-Psychose). Die dauerhafte

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Drogen und ihre Wirkung

Einnahme von Amphetaminen führt zu Hautentzündungen (Speedpickel) und Magenbeschwerden. Psychische Langzeitfolgen sind Konzentrationsstörungen und Persönlichkeitsveränderungen mit Realitätsverlust bis hin zu delirischen Zuständen. Bei Frauen kann häufiger Gebrauch zu Menstruationsstörungen führen. Für Methamphetamin gilt das Gleiche wie für Amphetamin – allerdings hoch zwei! Regelmässig und in hohen Dosen konsumiert, führt es zu massiven Persönlichkeitsveränderungen mit aggressivem Verhalten und Wahnvorstellungen. Der Körper bezahlt den Langzeitkonsum mit Gewichtsverlust, Zahnausfall und Magenerkrankungen. Regelmässiger Amphetaminkonsum steht im Verdacht, die Nervenzellen im Gehirn langfristig zu schädigen. Auf jeden Fall die Finger von Speed und Thaipillen lassen sollten Personen mit psychischen Problemen, Herz-/ Kreislaufproblemen, Diabetes, Nieren- oder Lebererkrankungen sowie Schwangere.

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Ecstasy – Trips für Raver Ecstasy (MDMA) ist eine synthetische Substanz, die ursprünglich aus der Muskatnuss synthetisiert wurde. MDMA (3,4-Methylendioxy-NMethylamphetamin) wurde im Jahre 1914 vom Pharmakonzern Merck als Appetitzügler patentiert, kam aber nie auf den Markt, weil es «seltsame Nebenwirkungen» auslöste. 1965 produzierte der damals noch für den Chemiekonzern Dow tätige Forscher Alexander «Sasha» Shulgin Ecstasy als «Penicillin für die Seele». Als Heilmittel fand es unter anderem in der Psychotherapie Verwendung, wo es wegen seiner «herzöffnenden» Wirkung geschätzt wurde. Den Durchbruch als Freizeitdroge («recreational drug») hat Ecstasy der Ravekultur zu verdanken. Ecstasy war und ist die Raver-Droge schlechthin, auch wenn mittlerweile eine Vielzahl von weiteren Substanzen unter diese Kategorie fallen. Obwohl MDMA wie Speed eine aufputschende Wirkung hat, wird es nicht zu den Amphetaminen gerechnet. Bis 1993 wurde es als Halluzinogen klassifiziert, heute zählt man es aufgrund seiner bewusstseinsverändernden Wirkung zu den Entaktogenen («das Innere berührend»). Wie andere Designerdrogen aus der Gruppe der Entaktogene (DOM, 2CB, DOB) gehört Ecstasy zu den Phenylethylaminen. Seit 1986 illegal In den USA wurde Ecstasy 1985 auf die Liste der gefährlichen Substanzen gesetzt und verboten. Die Schweiz zog ein Jahr später nach. Der Boom der Partydroge, der gerade begonnen hatte, liess sich dadurch aber nicht aufhalten. Heute noch sind Clubs und Partys die wichtigsten Umschlagplätze für den Handel mit Ecstasy. Die Kriminalisierung trug ihren Teil dazu bei, dass eine Vielzahl MDMA-ähnlicher Drogen designt und auf den Markt geworfen wurden. Die Bezeichnung Ecstasy wurde mehr und mehr zum Überbegriff für eine ganze Reihe von Amphetamin-Derivaten. Zu nennen sind hier beispielsweise MDA, MDEA (Eve) und MBDB. Kaum mit Ecstasy zu vergleichen sind trotz der ähnlichen Bezeichnungen Herbal Ecstasy (siehe Ephedra, Seite 118) und Liquid Ecstasy (siehe GHB, Seite 92). Der ganz grosse Ecstasy-Boom scheint heute vorbei zu sein. Die Beschlagnahmungen sind seit einigen Jahren rückläufig, was allerdings

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auch auf eine Verschiebung der Prioritäten bei der Polizei hindeuten könnte. Die Zahl der Konsumenten stabilisiert sich auf hohem Niveau. So geben in Deutschland rund 40 Prozent der Besucherinnen und Besucher von Techno-Partys an, Erfahrung mit Ecstasy zu haben. ■ FORM Ecstasy wird meistens als Tablette, seltener als Kapsel, Pulver oder in flüssiger Form angeboten. Die verbreitetste Handelsform sind Tabletten mit mehr oder weniger originellen Prägungen (Rolex-Krönchen, Apple-Logo, Mercedes-Stern etc.) Achtung: Kapseln und Pulver sind für die Zwischenhändler leicht zu strecken. Dabei wird der Wirkstoff mit Substanzen wie zerstossenen Tabletten, Koffein etc. gepanscht. Aber auch die Prägung einer Pille ist ein wenig verlässliches Indiz für ihre Qualität. Safer-Use-Regeln beachten! (siehe Seite 79) ■ WIRKUNG Die Rauschwirkung von Ecstasy setzt etwa 20 bis 60 Minuten nach der Einnahme ein. Typisch ist ein leichtes Kribbeln, das von den Beinen her den ganzen Körper durchflutet. Der Mund fühlt sich trocken an, die Pupillen erweitern sich, der Puls wird beschleunigt. Es folgt eine Phase ausgeprägten Wohlbefindens. Gefühle und Wahrnehmung intensivieren sich, Hemmungen fallen ab, man wird einfühlsam und kommunikativ. Muskeln lösen sich, Müdigkeit ist ein Fremdwort, man bekommt Lust auf Bewegung und kann stundenlang durchtanzen. Auch Hunger- und Durstgefühl sind unterdrückt. Manchmal wirkt Ecstasy erotisierend (Safer-Sex-Regeln befolgen!), es kann aber auch eine (vorübergehende) Impotenz bewirken. Die Wirkung hängt wesentlich von der Wirkstoffkombination, von der Stimmung, vom Konsummotiv, von der individuellen Erwartung und der körperlichen / seelischen Verfassung der Konsumierenden ab. ■ WIRKDAUER Die durchschnittliche Dauer der Hauptwirkung beträgt 4 bis 6 Stunden. Manche Teilwirkungen, wie zum Beispiel der Appetitmangel, sind unter Umständen am Folgetag noch spürbar. Obwohl sich der eigent-

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liche Ecstasy-Rausch nicht verlängern lässt, ist das «Nachladen» gang und gäbe. Die volle Wirkung entfaltet Ecstasy aber erst nach einer Pause von 4 bis 6 Wochen wieder. ■ DOSIERUNG 1 bis 1,5 Milligramm pro Kilo Körpergewicht. 2 Milligramm pro Kilo Körpergewicht gelten als absolute Obergrenze. Höhere Dosierungen sind zwar durchaus nicht unüblich, gelten aber als schädlich. Bei Daueranwendung und Überdosierung drohen Schädigungen von Nervenzellen im Gehirn. ■ NEBENWIRKUNGEN Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Verkrampfung der Kaumuskulatur («Kieferschieber»), Anstieg der Körpertemperatur, Austrocknung, Desorientierung, innere Unruhe, starke Gefühlsschwankungen. In den Folgetagen können Konzentrations- und Schlafstörungen sowie depressive Verstimmungen auftreten. Seltener kann es zu Schädigungen an Organen wie Leber, Nieren und Herz bis hin zu tödlichem Organversagen kommen. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Ein grosses Problem beim Ecstasy-Konsum ist, dass man nicht weiss, was man genau schluckt. Unter der Bezeichnung Ecstasy werden vielerlei Substanzen angeboten, und das in höchst unterschiedlicher Dosierung. Selbst der Dealer weiss nur in den seltensten Fällen, was seine Pillen genau enthalten. Ein weiteres Risiko des Ecstasy-Konsums liegt in der Überhitzungs- und Austrocknungsgefahr: Weil man auf Ecstasy weder Durst noch Erschöpfung wahrnimmt, tanzt man unter Umständen bis zum tatsächlichen Umfallen. Achtung: Besonders verhängnisvoll kann sich die Kombination unterschiedlicher Substanzen auswirken. Mischkonsum kann zu unberechenbaren Rauschzuständen und körperlichen Schädigungen führen. Im Mix mit Alkohol belastet Ecstasy die Leber sehr stark, in Kombination mit dem Wirkstoff Benzylpiperazin (siehe A2) soll Ecstasy sogar lebensbedrohliche Hirnödeme verursachen können. Auch in Verbindung mit gewissen Psychopharmaka und Medikamenten (Antidepressiva und MAO-

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Hemmer) zur Behandlung von HIV-Infektionen (insbesondere Ritonavir®) kann Ecstasy zu lebensbedrohlichen Situationen führen. Die möglichen Folgen Frauen berichten bei längerfristigem Konsum von Ecstasy über Menstruationsstörungen, während der Schwangerschaft kann die Einnahme von Ecstasy zu Schädigungen des Fötus führen. Nicht restlos geklärt ist die Frage nach der nervenschädigenden Wirkung von Ecstasy. Es gilt aber als sicher, dass langfristiger Konsum von Ecstasy in hohen Dosen zu Gehirnschäden führt. Als besonders schädlich in dieser Hinsicht gilt die Ecstasy-Variante MDA. Wie toxisch Ecstasy und seine Verwandten tatsächlich sind, wird sich erst in einigen Jahren zuverlässig abschätzen lassen. Ecstasy macht nicht körperlich abhängig. Allerdings besteht die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit: Man lebt nur noch für die Party am Wochenende, wird immer «pillengeiler» und bezahlt im Alltag mit Konzentrations- und Leistungsschwäche. Das Bedürfnis, der Realität zu entfliehen, wird immer grösser – und damit auch das Risiko eines Totalabsturzes. Klare Kontraindikationen für MDMA und andere Entaktogene sind Herz-/Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Asthma, Epilepsie sowie eine bestehende Schwangerschaft.

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A2 – die Alternative zu Ecstasy A2 ist eine synthetisch hergestellte Substanz. Sie enthält den Wirkstoff Benzylpiperazin. Weil Benzylpiperazin nicht dem Betäubungsmittelgesetz untersteht, wurde A2 in einschlägigen Läden jahrelang als «legale Partypille» verkauft. Für viele Konsumenten war A2 eine beliebte Ausweichdroge zum verbotenen und nur auf dem Schwarzmarkt erhältlichen Ecstasy. Mittlerweile ist der Verkauf von den Behörden gestoppt worden. ■ FORM A2 wird in der Regel als Pille angeboten, seltener als Pulver. Manchmal kommt es auch in flüssiger Form vor. ■ WIRKUNG A2 wirkt ähnlich wie Ecstasy, aber schwächer. Man spürt Euphorie, sexuelle Stimulation sowie ein gesteigertes Bewegungs- und Kommunikationsbedürfnis. ■ WIRKDAUER Die Wirkung setzt 30 bis 60 Minuten nach der Einnahme ein und klingt nach 6 bis 8 Stunden wieder ab. ■ DOSIERUNG Zwischen 150 und 500 Milligramm, abhängig vom Körpergewicht und von der beabsichtigten Intensität des Rausches. ■ NEBENWIRKUNGEN Bei Überdosierung Hypernervosität und gesteigerte Aggression, Herzrasen, erhöhter Blutdruck, eventuell Hirnkrämpfe. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Kaum bekannt, da nicht erforscht. A2 in Kombination mit MDMA kann laut Konsumentenberichten Atemnot, Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen bewirken. Möglicherweise kann die Kombination Ecstasy/A2 sogar lebensbedrohliche Hirnödeme auslösen.

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GHB – «Liquid Ecstasy» GHB (Gamma-Hydroxybutyrat) ist ein Vorläuferstoff des Botenstoffs Gaba, der als Molekül in jeder Zelle des menschlichen Körpers enthalten ist. 1961 erstmals synthetisiert, kam GHB in der Medizin unter anderem als Narkosemittel zum Einsatz, ist heute aber kaum mehr gebräuchlich. Vor zwanzig Jahren war GHB in Bodybuilder-Kreisen in Mode, da es die Ausschüttung von Wachstumshormonen stimuliert. Heute wird es vor allem als Party- und Afterparty-Droge konsumiert. GHB war in der Schweiz unter Bezeichnungen wie «Original G» oder «Liquid Ecstasy» jahrelang in Smart Shops erhältlich. Per 1. Januar 2002 wurde es vom Bundesamt für Gesundheit in das Verzeichnis der streng kontrollierten Stoffe aufgenommen. Seither darf GHB nur noch mit Bewilligung der Heilmittelkontrollstelle Swissmedic zu medizinischen Zwecken gehandelt, produziert und konsumiert werden. ■ FORM GHB wird meistens in flüssiger Form in kleinen Fläschchen, manchmal auch als Pulver angeboten. Achtung: Beide Handelsformen sind leicht zu strecken beziehungsweise zu imitieren! Die gebräuchlichste Konsumform ist das Mischen von flüssigem GHB mit Orangensaft, da dieser den salzigen Geschmack der Flüssigkeit neutralisiert. ■ WIRKUNG Obwohl der Szenename «Liquid Ecstasy» anderes vermuten lässt, hat GHB mit Ecstasy nichts zu tun. In geringer bis mittlerer Dosierung (0,5 bis 1,5 Gramm) wirkt es leicht euphorisierend und entspannend, vergleichbar mit einem Alkoholschwips. Es macht gesellig und steigert den Rededrang. GHB kann sexuell anregend wirken. Der Tastsinn wird sensibilisiert, Empfindungen werden intensiver, die Hemmschwelle sinkt. Die optische Wahrnehmung von Bewegungen, Farben und Konturen verändert sich. In höherer Dosierung (2 bis 5 Gramm) verstärkt sich der Entspannungseffekt bis zur Schläfrigkeit. Es kann sich tiefer Schlaf bis zur Bewusstlosigkeit einstellen.

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■ WIRKDAUER Der Höhepunkt der Wirkung stellt sich nach etwa 30 Minuten ein, der gesamte Rausch dauert 2 bis 3 Stunden. Das Abklingen der Wirkung wird als angenehm beschrieben. ■ DOSIERUNG Die angemessene Dosierung von GHB hängt stark vom Körpergewicht und der Verfassung des Konsumierenden ab und ist relativ schwierig zu treffen. Als üblich gelten Dosierungen von 0,5 bis maximal 5 Gramm. Achtung: Ab 2,5 Gramm kann überfallartig Müdigkeit eintreten. Erstkonsumenten müssen sich immer vorsichtig an die gewünschte Wirkung herantasten; das gleiche gilt bei unbekannter Wirkstoffqualität. ■ NEBENWIRKUNGEN GHB selbst gilt als ungiftig. Bei zu hoher Dosierung führt GHB zur Narkose und im schlimmsten Fall zu einer Atemlähmung. Die Motorik wird schon bei geringeren Mengen stark beeinträchtigt. Je höher die Dosierung, desto wahrscheinlicher kommt es zu Schwindelgefühlen, Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Übelkeit und Erbrechen. Herzschlag und Blutdruck werden herabgesetzt. In sehr hohen Dosen kann es zu Gedächtnisstörungen, Atemnot, Krämpfen und Bewusstlosigkeit kommen. Auf GHB sollte man keine Milchprodukte konsumieren, da diese Übelkeit und Erbrechen fördern. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Bei Überdosierung führt GHB zu tiefem Schlaf. Hat ein Konsument ausschliesslich GHB und nicht mehr als 5 Gramm davon zu sich genommen, sollte man ihn an einem ruhigen Ort weiterschlafen lassen, bis er von selbst wieder aufwacht. Bei Verdacht auf Mischkonsum von GHB mit Alkohol oder Opiaten sofort ärztliche Hilfe rufen! Unter keinen Umständen sollte man unter GHB-Einwirkung aktiv am Strassenverkehr teilnehmen oder Maschinen steuern. Achtung: GHB darf auf keinen Fall zusammen mit Alkohol, Opiaten (auch Codein), Antibiotika oder anderen Medikamenten genommen werden. Obwohl GHB in der Wirkung dem Alkohol ähnelt, kann die Kombination beider Drogen tödlich sein (Atemlähmung). Ebenfalls tunlichst

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zu unterlassen ist die Kombination von GHB mit Viagra und/oder Kreislauf-Medikamenten (Kollapsgefahr). Personen mit Epilepsie und Herzoder Nierenfunktionsstörungen sollten auf keinen Fall GHB konsumieren. GHB macht nach bisherigen Forschungsergebnissen nicht körperlich abhängig, die Gefahr einer ernsthaften psychischen Abhängigkeit ist ebenfalls vernachlässigbar. Allerdings kann man durchaus ein «hartes» Konsummuster entwickeln: Weil soziale Kontakte leichter fallen und eine Party auf GHB «einfach lustiger» ist, greift man bald einmal regelmässig zu dem Stoff. Interessanterweise scheint aber vielen regelmässigen Konsumentinnen und Konsumenten irgendwann einfach die Lust auf GHB zu vergehen.

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2C-B & Co – nicht nur angenehme Halluzinationen 2C-B (auch Nexus, Erox, Herox, Bees, BDMPEA) ist ein psychedelisch und halluzinogen wirkendes Empathogen («das Einfühlen erleichternde Substanz») aus der Gruppe der Phenylethylamine (4-Brom-2,5Dimethoxyphenethylamin). Wie so viele synthetische Drogen wurde 2C-B vom legendären Drogendesigner Alexander Shulgin synthetisiert. Weitere in der Schweiz gebräuchliche Vertreter aus dieser Gruppe sind 2C-T-2, 2C-T-7 und 2C-I. Während 2C-B seit Anfang 2003 auf der Liste der verbotenen Substanzen figuriert, unterstehen seine weniger verbreiteten Verwandten derzeit noch nicht dem Betäubungsmittelgesetz. Manche von ihnen sind in Smart Shops erhältlich. Die betäubungmittelrechtliche Klassifizierung eines Stoffs sagt wenig über seine Gefährlichkeit aus. In den USA, wo 2C-B ebenfalls verboten ist, wurde 2C-T-7 von der Drogenbehörde DEA per Eilbeschluss verboten. Die DEA entschied sich zu diesem Schritt, nachdem es zu drei Todesfällen gekommen war, die in Zusammenhang mit 2C-T-7-Konsum standen. Fakt ist, dass auch routinierte Konsumenten halluzinogener Drogen über unangenehme Erfahrungen auf 2C-T-7 berichten – vor allem, wenn sie relativ hohe Dosen konsumiert hatten. ■ FORM 2C-B und die meisten seiner Verwandten werden in der Regel in Pillenform, manchmal auch als Kapseln vertrieben. Der Dealer verkauft es nicht selten als Ecstasy. Manchmal wird 2C-B auch als Pulver gesnifft. Das Sniffen (Schnupfen) soll aber sehr schmerzhaft sein und ist nicht zu empfehlen! ■ WIRKUNG 2C-B wirkt, grob gesagt, wie eine Mischung aus LSD- und Ecstasy-Trip. Allerdings kann 2C-B bei unterschiedlichen Personen sehr unterschiedlich wirken. Im Idealfall wirkt es stimulierend, euphorisierend, manchmal erotisierend. Berührungen werden intensiver empfunden. Die Wahrnehmung verändert sich, wobei halluzinogene Effekte im Vordergrund

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stehen: Man sieht perserteppichartige Muster vor Augen und nimmt Musik voluminöser wahr. Wie bei LSD kann man einen «Horrortrip» erwischen. Achtung: Die Wirkung von 2C-B ist sehr stark dosisabhängig! ■ WIRKDAUER Die Wirkung setzt beim Sniffen nach 5 bis 10 Minuten, bei oraler Einnahme nach 30 bis 60 Minuten ein. Bei oraler Einnahme ist die maximale Wirkung nach 1 bis 2 Stunden erreicht und dauert gegen 6 Stunden an. ■ DOSIERUNG Als übliche Dosierung gelten 12 bis maximal 30 Milligramm. Langsam antesten und mindestens 90 Minuten abwarten. Wer nachlegt, muss vorsichtig sein: Die Wirkung steigert sich unverhältnismässig schnell! Beim Sniffen darf die Dosis maximal um 2,5 Milligramm erhöht werden. ■ NEBENWIRKUNGEN Nach der Einnahme kommt es oft zu Übelkeit, die aber meistens wieder vergeht. Der Puls beschleunigt sich, der Blutdruck und die Körpertemperatur steigen an. Die Reaktionsfähigkeit ist stark eingeschränkt (Fahruntauglichkeit!). Die psychedelische Wirkung von 2C-B kann einen mit Seiten seines Selbst in Kontakt bringen, die man vorher nicht gekannt hat, und vergangene oder verdrängte Probleme oder Konflikte aufleben lassen. Bei hohen Dosen können Gedächtnisstörungen und Angstzustände auftreten. Unter Umständen kann es zu Hirnkrämpfen kommen. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL 2C-B und seine Schwestersubstanzen sollten nur von Personen genommen werden, die Erfahrung mit der Wirkung von psychedelischen Drogen haben. Wer einfach ein paar «Nexus»-Pillen einwirft, um an einer Party lustig draufzukommen, hat gute Chancen auf einen üblen Trip. Vor allem, wenn er eine Pille zu viel erwischt. Psychedelische Drogen können psychische Probleme verstärken. Psychisch labile Personen, Epileptiker und Personen mit Herz-/Kreislaufstörungen sollten keinesfalls 2C-B und dessen Schwestersubstanzen konsumieren.

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Langzeitfolgen noch unbekannt Über die körperschädigende Wirkung von 2C-B und anderen Phenylethylaminen ist bislang wenig bekannt. Das heisst aber nicht, dass die Substanzen harmlos sind. Da sie relativ neu sind, ist ihre Langzeitwirkung schlicht nicht erforscht. Auch über die negativen Auswirkungen eines regelmässigen Gebrauchs liegt kaum Datenmaterial vor. Dasselbe gilt für den Mischkonsum mit anderen Substanzen. Sicher ist: Mischkonsum (auch mit Alkohol!) macht die Wirkung von Drogen generell unberechenbar und erhöht das gesundheitliche Risiko. Aus heutiger Sicht gilt 2C-B nicht als suchterzeugend. Da es aber oft abwechselnd oder gar im Mix mit anderen Partydrogen konsumiert wird, ist das Konsummuster wichtiger als die Abhängigkeit von einer einzelnen Substanz. Wer jedes Wochenende Party braucht und sich jedesmal künstlich in Stimmung bringt, hat ein Drogenproblem.

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Ketamin – «Special K» Ketamin(-hydrochlorid) ist ein Narkosemittel, das heute praktisch nur noch in der Veterinärmedizin verwendet wird, weil es bei den Patienten zu Halluzinationen und Delirien kam, wenn sie aus der Narkose aufwachten. Diese Nebenwirkungen sind es, die Ketamin als Droge attraktiv machen. Als Droge wird Ketamin vor allem in England, Holland und den USA konsumiert. Aber auch in Deutschland und in der Schweiz wird es in der Techno-Szene vereinzelt angeboten, meistens unter dem Namen «Special K». Dennoch ist Ketamin keine eigentliche Partydroge. Im Gegenteil: Sie erschwert die Kommunikation und die Körperkoordination. ■ FORM Ketamin wird flüssig oder als kristallines Pulver angeboten, manchmal auch in Tablettenform. «Special K» wird geschluckt, gesnifft oder gespritzt (intramuskulär). ■ WIRKUNG Der Ketamin-Trip wird als eine Art Wachtraum beschrieben. Halluzinationen können auftreten. Die Wahrnehmung der Umwelt und das Körperempfinden verändern sich drastisch, bis man sich von allem losgelöst fühlt oder mit der Umwelt verschmilzt. Musik wird verzerrt wahrgenommen. Die Kommunikation und die Körperkontrolle können einem sehr schwer fallen. Das Schmerzempfinden ist herabgesetzt oder ganz unterdrückt, weshalb man allfällige Verletzungen durch Stürze, Verbrennungen oder Verbrühungen (etwa durch Getränke) nicht spürt. Da Ketamin in zu hoher Dosis zu Ohnmacht und Narkose führt, besteht erhöhte Verletzungsgefahr. Wer Ketamin probiert, sollte sich dazu unbedingt hinsetzen oder hinlegen. ■ WIRKDAUER Oral eingenommen, wirkt Ketamin nach 15 bis 20 Minuten, geschnupft oder gespritzt nach einigen Minuten. Die Wirkdauer beträgt je nach Konsumart zwischen 30 Minuten und 3 Stunden.

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■ DOSIERUNG In zu hoher Dosierung bewirkt Ketamin eine Narkose. Wo die Grenze liegt, ist vom Körpergewicht des Konsumenten und vor allem von der Anwendungsform abhängig. Bei oraler Anwendung liegt die Dosierung bei 250 bis 400 Milligramm, beim Schnupfen und bei der intramuskulären Injektion bei 50 bis 150 Millligramm. Intravenös sollte Ketamin keinesfalls angewendet werden, weil der Knock-out-Effekt augenblicklich einsetzt! ■ NEBENWIRKUNGEN Erhöhter Blutdruck, beschleunigter Puls, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen (Erstickungsgefahr bei Bewegungs- und Bewusstlosigkeit), Amnesie (vorübergehender Gedächtnisverlust), in seltenen Fällen Koma und Atemstillstand. Auf einem Ketamintrip kann es leicht vorkommen, dass man die Bewegungen des Körpers nicht mehr koordinieren kann. Manche Konsumenten berichten von Angstzuständen (Albtraum-Halluzinationen und ähnliches) und Flashbacks (unvermittelt einsetzende, «erinnerte» Rauschwirkung ohne vorherige Einnahme der Droge). Eine stressige Umgebung erhöht dieses Risiko. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Das nahe liegendste Risiko beim Ketamingebrauch liegt in der Gefahr einer Überdosierung. Da diese zur Narkose führt, kann man sich leicht verletzen. Achtung: Kein Mischkonsum! In Kombination mit Substanzen, welche die Atmung beeinflussen (Alkohol, Opiate, GHB etc.), kann Ketamin zu Ohnmacht und im Extremfall zu tödlichem Atemstillstand führen. Wer Ketamin konsumiert, sollte das deshalb nie alleine tun! Über die Risiken des Langzeitgebrauchs liegen kaum gesicherte Erkenntnisse vor. Sicher ist, dass der regelmässige Gebrauch zu einer Toleranzentwicklung führt. Um das High zu erreichen, braucht man immer grössere Mengen. Bei häufigem Gebrauch drohen Gehirn- und Nervenschäden. Ketamin macht nicht körperlich abhängig, kann aber zu einer Konsumgewöhnung und einer gewissen psychischen Abhängigkeit führen, wenn man auf den Rauschzustand abfährt.

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PMA – die «Finger weg!»-Pille PMA (Paramethoxyamphetamin oder auch Paramethoxymethamphetamin) hat in den letzten Jahren immer wieder für negative Schlagzeilen gesorgt. Sowohl in den USA als auch in Europa kam es schon zu Todesfällen nach PMA-Einnahme. Auch szenenahe Organisationen wie Eve & Rave warnen vor der hohen Toxizität der Droge. Freiwillig konsumiert daher kaum jemand PMA. In aller Regel werden die Pillen im Glauben geschluckt, es handle sich um Ecstasy, denn PMA wird oft unter dieser Bezeichnung angeboten. Der einzige Vorteil von PMA ist der, dass es billig ist und aus einer schwer zu kontrollierenden Vorläufersubstanz (Anisöl) gewonnen wird. PMA hat keinen medizinischen Nutzen und untersteht dem Betäubungsmittelgesetz. ■ FORM PMA wird in der Regel in Tablettenform angeboten, manchmal aber auch in seiner ursprünglichen Form als beiges, weisses oder pinkfarbenes Pulver. Die übliche Konsumform ist das Schlucken der Pillen. ■ WIRKUNG PMA ist ein stark halluzinogen wirkendes Amphetaminderivat. In korrekter Dosierung soll die Wirkung jener von Ecstasy ähneln: Euphorie, gesteigertes Selbstbewusstsein, gesteigerter Bewegungsdrang, eventuell Halluzinationen. Der Blutdruck und die Körpertemperatur (40 Grad und mehr!) steigen rasch an. Das Körperempfinden verändert sich (taubes Gefühl auf der Haut, Kribbeln). ■ WIRKDAUER Bei einer normalen Dosis hält der PMA-Trip etwa 5 Stunden an, bei hohen Dosen kann er bis zu 24 Stunden dauern. Achtung: Die Wirkung von PMA setzt vergleichsweise spät ein. ■ NEBENWIRKUNGEN Bei Einnahme von PMA in höheren Dosen steigen Blutdruck und Körpertemperatur noch rascher an. Der Puls rast, die Atmung wird schneller und schwerer, die Körperkontrolle schwindet. Die Augen bewegen

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sich sprunghaft, Muskelkrämpfe, Übelkeit und Erbrechen können auftreten. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Über die Folgen des Langzeitgebrauchs und das Suchtpotenzial von PMA ist bislang wenig bekannt. PMA ist aber schädlicher (Neurotoxizität) als Ecstasy. Achtung: Das grösste Risiko beim PMA-Konsum liegt in der Verwechslungsgefahr. PMA-Pillen werden oft als Ecstasy angeboten. Besonders verhängnisvoll daran ist, dass die Wirkung bei PMA viel später einsetzt als bei MDMA. Legt der Konsument im Glauben, eine niedrig dosierte Ecstasy-Pille erwischt zu haben, eine PMA-Pille nach, kann es zu Überdosierungen mit verheerenden Folgen kommen: Die Körpertemperatur kann auf über 42 Grad ansteigen. Aufgrund der hohen Körpertemperaturen kann es im späteren Verlauf zu Blutungen im Magen, Dünndarm und Dickdarm sowie zu Gehirnblutungen kommen. Betroffene fallen in ein Koma und sterben nach durchschnittlich 6 bis 24 Stunden an Organversagen. Weitere mögliche Symptome einer Überdosis sind Herzrhythmusstörungen und Hirnkrämpfe. Bei Verdacht auf PMAÜberdosis sofort einen Notarzt (Tel. 144) rufen! Punkto PMA gibt es nur einen vernünftigen Rat: Finger weg! Wer es trotzdem nicht lassen kann, sollte auf keinen Fall mehr als eine Pille nehmen und jeden Mischkonsum (auch Alkohol) vermeiden.

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LSD – psychedelische Träume LSD (Lysergsäure-diethylamid) wurde erstmals 1938 in den Forschungslabors des Basler Chemiekonzerns Sandoz synthetisiert. Der Chemiker Albert Hofmann arbeitete an der Isolierung und Abwandlung von Mutterkornalkaloiden, die eine Rolle bei der Entwicklung von Medikamenten spielten. Hofmann setzte die Lysergsäure frei, den Grundbaustein aller therapeutisch bedeutenden Mutterkornalkaloide. Dann synthetisierte er eine ganze Reihe von Lysergsäure-Verbindungen. Die fünfundzwanzigste Substanz in dieser Reihe war das Lysergsäurediethylamid, abgekürzt LSD-25. Der erste LSD-Trip Die Substanz wurde zunächst für pharmakologisch uninteressant befunden. Erst 1943 synthetisierte Hofmann die Substanz erneut. Noch während der Synthese fing sich der Forscher den allerersten LSD-Trip ein, weil ihm ein wenig von der Substanz auf die Haut gelangte. Hofmann entschloss sich zu einem weiteren Selbstversuch, den er (mit Mühe) protokollierte. Der LSD-Erfinder nahm 250 Mikrogramm von dem Stoff, eine Menge, die die übliche Anfangsdosierung deutlich übersteigt. Hofmanns imposanter Trip-Bericht ist in seinem Buch «LSD – Mein Sorgenkind» nachzulesen. Er sollte den Anfang einer neuen Drogen-Ära markieren. In den Folgejahren wurde Hofmanns LSD als Medikament mit der Markenbezeichnung Delysid im psychiatrischen Einsatz erprobt. Aber auch das Militär der USA und der Geheimdienst CIA testeten den Wirkstoff – als Kampfmittel. Mitte der Fünfzigerjahre prägte der Schriftsteller Aldous Huxley den Begriff «psychedelisch» (die Seele hervorbringend). Der Konsum der Droge breitete sich unter Künstlern, Schriftstellern und Intellektuellen aus. An der Harvard Universität führte Timothy Leary Versuche mit LSD durch. Als sich aus seinen Testreihen eigentliche LSD-Partys entwickelten, wurde er entlassen. Leary gründete die International Federation for Internal Freedom (IFIF) und trug mit zahlreichen Jüngern wesentlich zur Verbreitung des LSD-Konsums bei.

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Von der Hippie- zur Technodroge LSD war die Droge der Hippiebewegung. Bald wurde sie vom Establishment ebenso bekämpft wie die Ideale der Bewegung. 1966 wurde LSD in den USA verboten. In der Schweiz war LSD als Arzneimittel im Rahmen therapeutischer Behandlungen bis in die Siebzigerjahre erhältlich. Am 9. Mai 1973 wurde der Gebrauch von Halluzinogenen verboten. Zu den Halluzinogenen zählen neben dem halbsynthetischen LSD in der Natur vorkommende psilocybinhaltige Pilze, Meskalin und weitere psychoaktive Gewächse, aber auch synthetische Substanzen wie Phencyclidin (PCP) und 2C-B. Dennoch verschwand LSD nie gänzlich vom Markt. Mit der Techno-Bewegung erlebte die Droge ein Revival. Vor allem die Goa- und Trance-Anhänger brauchen auf ihren psychedelisch angehauchten Partys gern «Acid» und sehen ihre Tanzfeiern als moderne Version schamanischer Rituale aus vergangenen Zeiten. Die Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) schätzt, dass in der Schweiz derzeit rund 50 000 Personen Halluzinogene gebrauchen. ■ FORM LSD (Acid, Trips) gibt es in zwei verbreiteten Handelsformen. Bei der einen werden bunte, oft mit Comic-Motiven bedruckte Papierbögen mit der Substanz getränkt und anschliessend als kleine quadratische Papiertrips («Filz») verkauft. Die zweite gebräuchliche Form sind Mikrotabletten, so genannte «Mikros». Ein Papiertrip enthält durchschnittlich 80 Mikrogramm LSD. Der Wirkstoffgehalt kann aber zwischen 25 und 250 Mikrogramm schwanken. Besonders hoch dosiert sind üblicherweise die «Mikros»: Sie enthalten im Schnitt 250 Mikrogramm LSD. LSD wird in aller Regel geschluckt, kann aber auch gesnifft und injiziert werden. ■ WIRKUNG LSD ist ein ausgesprochen potentes, psychedelisch wirkendes Halluzinogen. Es wirkt auf die Teile des Gehirns, welche die emotionale Reaktion auf Sinneseindrücke steuern und für die Auswahl von Informationen verantwortlich sind. Als typisches erstes Merkmal eines beginnenden LSD-Trips wird die Wahrnehmung intensiviert: Farben erscheinen bril-

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lanter; man meint, besser hören zu können. Bei höherer Dosierung können so genannte Pseudo-Halluzinationen auftreten: Bei ihnen sieht man Muster, Ornamente, eventuell auch Masken und Fratzen, weiss jedoch in der Regel, dass dies auf die Wirkung des LSD zurückzuführen ist. Mystische Erlebnisse und Einsichten in das eigene Selbst und eigene Verhaltensweisen sind möglich, weshalb LSD (von seinen Anhängern) als «bewusstseinserweiternde» Droge bezeichnet wird. Ein LSD-Trip kann aber auch ganz anders wirken. «Schlechte Trips» kennen viele erfahrene LSD-Konsumentinnen und -konsumenten. Dabei kann es zu Angstzuständen kommen, die einer kurzzeitigen psychotischen Reaktion gleichen. Typische Inhalte von «bad trips» sind Szenen, in denen man sich von Menschen, Tieren oder Monstern verfolgt, bedroht oder gesteuert fühlt. Im günstigen Fall kann man auf LSD eine «Selbstentgrenzung» erfahren: Man fühlt sich eins mit sich und der Welt, befreit von den Beschränkungen von Zeit und Raum. Beim «bad trip» erlebt man hingegen eine beängstigende «Ich-Auflösung». ■ WIRKDAUER Ein LSD-Trip dauert je nach Dosierung 6 bis 12 Stunden. ■ DOSIERUNG Die übliche Dosierung liegt zwischen 25 und 250 Mikrogramm. Bei einer «Schwellendosis» von 25 bis 50 Mikrogramm zeigen sich erste körperliche und psychische Effekte. In hohen Dosen ab 150 Mikrogramm kann es zu starken Halluzinationen kommen. Wurden in der Hippie-Ära Dosen von 300 Mikrogramm und mehr eingenommen, sucht der Konsument von heute offenbar das weniger massive Rauscherlebnis. Nicht selten werden kleinere LSD-Dosen in Kombination mit Ecstasy oder anderen Partydrogen konsumiert. Bei fortgesetztem LSD-Konsum kommt es schnell zu einer Gewöhnung. Die Toleranz baut sich nach 1 bis 2 Wochen wieder ab. ■ NEBENWIRKUNGEN LSD ruft verschiedene vegetative (nicht bewusst steuerbare) Reaktionen hervor: Die Pupillen sind erweitert, der Puls beschleunigt, Körper-

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temperatur, Blutdruck und Blutzuckerspiegel können erhöht sein. Es kann zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Das subjektive Empfinden von Wärme und Kälte ist eventuell gestört. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL LSD soll latent vorhandene Psychosen auslösen können. Eine weitere Gefahr ist das «Hängenbleiben»: Manche Konsumenten berichten über wochenlanges Anhalten von Wahrnehmungsveränderungen und Halluzinationen. Ein anderes für LSD typisches Phänomen sind so genannte «Flashbacks»: das Wiederauftreten von Rauschsymptomen ohne Einnahme der Droge. Beim LSD-Konsum sind «Set» und «Setting» besonders wichtig. Die Chancen auf einen Horrortrip erhöhen sich dramatisch, wenn der Konsument in schlechter Stimmung ist oder sich in einer Umgebung nicht wohl fühlt. Das Suchtpotenzial von LSD ist eigentlich vernachlässigbar. Über eine körperliche Abhängigkeit ist nichts bekannt. Die meisten Konsumenten, die viel und regelmässig LSD nehmen, hören irgendwann von selbst damit auf. Allerdings kann LSD eine Rolle bei einem harten (problematischen) Konsummuster spielen. Wer den Alltag ohne Drogen öde findet, hat ein Drogenproblem!

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Überblick: Pilze, Kräuter, Samen, Wurzeln Der Bio-Boom macht auch vor dem Drogenmarkt nicht Halt. Seit einiger Zeit erfreuen sich verschiedenste psychoaktive Gewächse wachsender Beliebtheit. Dabei handelt es sich keineswegs um neue Substanzen. Im Gegenteil: Die berauschende Wirkung gewisser Pilze, Kräuter, Samen und Wurzeln ist seit Urzeiten bekannt. Viele ethnobotanische Drogen sind erst mit der Entwicklung der modernen Medizin in Vergessenheit geraten. Eine experimentierfreudige Generation von Drogenkonsumentinnen und -konsumenten entdeckt sie heute neu. Tabak und Hanf gehören zu den ältesten und bekanntesten psychoaktiven Pflanzen. Doch sind sie beileibe nicht die einzigen psychoaktiven Gewächse, die hier zu Lande gedeihen. Auch Psilocybin- und Fliegen-Pilze, Mohn, Stechapfel, Tollkirsche und Bilsenkraut sind in unseren Breiten heimisch. Dazu kommt eine kaum überschaubare Zahl von psychoaktiven Pflanzen aus allen Gegenden der Welt. Die Palette reicht von mässig anregenden oder beruhigenden Mitteln wie Kaffee und Schwarztee bis zu hochpotenten Halluzinogenen wie den meskalinhaltigen Peyote-Kakteen oder den LSD-ähnlich wirkenden Samen mancher Winden. Schwierige Dosierung Nicht jede ethnobotanische Droge hat das Zeug zur Massendroge. Zum einen sind die psychoaktiven Blätter, Samen und Wurzeln oft recht unangenehm zu konsumieren: Selten schmackhaft, meistens bitter, oft Übelkeit bis zum Erbrechen verursachend, verlangen sie den Konsumentinnen und Konsumenten in der Regel einiges ab, bevor die gewünschte Wirkung einsetzt. Dazu kommt, dass der Wirkstoffgehalt in Pflanzen naturgemäss stark schwankt. Entsprechend schwierig ist die Dosierung. Unbedarfte Experimente Jugendlicher, die sich aus Stechapfel einen kostenlosen Rauschtrank brauen, enden nicht selten in der Aufnahmestation einer psychiatrischen Klinik, weil die Wirkung bei hoher Dosierung mitunter tagelang anhalten kann. Trotz aller Probleme, die sich dem Konsumenten im Umgang mit ihnen stellen, haben es einige ethnobotanische Drogen zu einer gewissen Popularität gebracht. Nicht erst seit dem Verbot der «Zauberpilze»

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genannten Psilo-Pilze finden sich in Smart Shops und Headshops legale und halblegale Alternativen. Ein Klassiker unter den Naturdrogen ist der Meskalin enthaltende Peyote-Kaktus. In unseren Breiten bis vor kurzem weitgehend unbekannt waren die Blätter des «Wahrsagesalbei» (Salvia divinorum) und die Samen der «Hawaiian Baby Woodrose» (Argyreia nervosa) – beides hoch wirksame Halluzinogene. Eine natürliche Alternative zu chemischen Aufputschmitteln wie Amphetamin findet der Biodrogen-User im altbekannten Mormonentee (Ephedra nevadensis). Die Liste der ethnobotanischen Drogen liesse sich fast beliebig verlängern.

Nützliche Links • www.tacethno.com (englisch) • www.lycaeum.org • www.erowid.org

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Psilos – die Zauberpilze Die jurassischen Freiberge sind seit eh und je ein Paradies für Pilzsammler. Doch seit sich herumgesprochen hat, dass es dort auch berauschende Pilze gibt, ist das Durchschnittsalter der Sammler drastisch gesunken. In derart grosser Zahl fallen junge Städter über das Wanderparadies her, dass sich die Polizei bereits zum Einschreiten genötigt sah. Der psilocybinhaltige Pilz, auf den es die Sammler abgesehen haben, heisst Spitzkegeliger Kahlkopf (Psilocybe semilanceata). Da Psilos dieser Gattung nur wenige Zentimeter hoch werden und für das ungeübte Auge nicht so leicht aufzuspüren sind, erkennt man ihre Liebhaber leicht an der gebückten oder hockenden Haltung. Handel, Besitz, Konsum verboten Die psychoaktiven Wirkstoffe der «Zauberpilze», Psilocybin oder Psilocin, wurden 1958 vom LSD-Entdecker Albert Hofmann isoliert. Hofmanns Arbeitgeber, der Basler Chemiekonzern Sandoz, brachte Psilocybin unter dem Namen Indocybin® auf den Markt. Die Firma musste ihr Produkt aber, wie zuvor schon LSD, bald wieder vom Markt nehmen. Psilocybin und Psilocin sind in der Schweiz seit langem verboten. Durch eine Lücke im Betäubungsmittelgesetz war aber der Handel mit den Pilzen bis Anfang 2003 legal, solange sie nicht zum Konsum bestimmt waren. Da die «Magic Mushrooms» in Hanfläden und Smart Shops verkauft wurden, breitete sich der Konsum jedoch rasch aus. Auch der Psychedelik-Trend in der Goa- und Trance-Szene trug zur Verbreitung der Pilze bei. Inzwischen figurieren auch die psilocybin- und psilocinhaltigen Pilze als solche auf der Liste der verbotenen Substanzen. Wer Psilos verkauft, besitzt oder konsumiert, macht sich strafbar. ■ FORM Als Zauberpilze, «Magic Mushrooms» oder Psilos bezeichnet man jene Pilze, die Psilocybin und/oder Psilocin enthalten. Entsprechende Sorten sind Psilocybe mexicana, Stropharia cubensis sowie der auch in unseren Breiten heimische Psilocybe semilanceata. Zauberpilze gibt es frisch oder getrocknet. Die übliche Konsumform ist das Essen der Pilze.

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■ WIRKUNG Wie Psilos wirken, hängt stark von der Dosierung ab, aber auch von der Verfassung des Konsumenten. Eine halbe Stunde nach Einnahme spürt man als erste Rauschwirkung ein Wärmegefühl. Nach einer Stunde treten optische Wahrnehmungsveränderungen auf. Im günstigen Fall hebt sich die Stimmung bis ins Euphorische, man wird kommunikativ, kann sich für scheinbar Unbedeutendes interessieren und findet alles lustig. Unter Umständen kann es zu Lachanfällen kommen. In höheren Dosen kann es zu Halluzinationen und spirituellen / visionären Erfahrungen kommen. ■ WIRKDAUER Die ersten Anzeichen des Rausches setzen nach 30 Minuten ein, die volle Wirkung ist nach etwa 2 Stunden erreicht und dauert etwa 5 Stunden. Danach klingt die Wirkung langsam ab. ■ DOSIERUNG Die übliche Dosierung liegt bei 10 bis 20 mg Psilocybin, was beim Spitzkegeligen Kahlkopf ca. 1 g getrockneter bzw. 5 bis 10 g frischer Pilze entspricht. Achtung: Der Wirkstoffgehalt der Pilze variiert auch innerhalb einer Gattung stark. Eine exakte Dosierung ist deshalb unmöglich. ■ NEBENWIRKUNGEN Bekannte unerwünschte Wirkungen sind Übelkeit, Atembeschwerden, Herzrasen, Veränderung von Puls und Blutdruck, erhöhte Körpertemperatur (Schweissausbrüche), Gleichgewichtsstörungen, verändertes Raum-Zeit-Empfinden. Im Einzelfall sind panische Reaktionen, Angstund Wahnvorstellungen möglich (vor allem bei psychisch labilen Personen, aber auch bei jungen oder unerfahrenen Konsumenten). ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Auch eingefleischte «Psychonauten» begegnen den Psilos mit Respekt. Der Pilz-Trip ist immer auch eine Reise ins Innere. Wie es dort gerade aussieht, entscheidet zusammen mit der Umgebung mit darüber, wie diese Reise herauskommt. Auf einen Pilz-Trip sollte man sich nie allei-

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ne begeben, sondern immer mit Menschen, die man mag und denen man vertraut. Die Chancen auf einen «bad trip» erhöhen sich, wenn man Psilos bei schlechter Grundstimmung konsumiert. Ein weiterer ungünstiger Faktor ist Angst. Mischkonsum, etwa mit Speed oder Ecstasy, macht das Risiko gänzlich unkalkulierbar und ist unbedingt zu unterlassen. Der Psilo-Rausch kann lange vergessene oder verdrängte Erfahrungen wieder aufleben lassen. Die auf dem Trip gemachten Erfahrungen können so intensiv sein, dass sie sich unter Umständen schwer verarbeiten lassen. Wenn jemand entsprechend disponiert ist, kann ein Psilo-Trip eine latent vorhandene Psychose auslösen. Eine körperliche Abhängigkeit von Psilocybin oder Psilocin ist nicht bekannt. Allerdings kann der regelmässige Konsum der Pilze eine psychische Abhängigkeit bewirken.

Rauschbericht: «Ich hatte Angst, in der Psychiatrie zu landen.»

« Ich hatte schon viel von «Pilzli» gehört und war neugierig auf ihre Wirkung. Als einer meiner Freunde mir ein Plastiksäckchen mit getrockneten Zauberpilzen anbot, griff ich zu. Ich stellte mir die Wirkung etwa ähnlich vor wie die von Ecstasy, womit wir schon Erfahrung hatten. Deshalb nahm ich die Pilze, bevor ich mit meiner Freundin an eine Party ging. Ich dachte, die Dinger könnten nicht so stark wirken, weil sie ja auch in der Schweiz auf der Wiese wachsen. Deshalb nahm ich alle auf einmal. Meine Freundin verzichtete, sie wollte auf mich aufpassen. Das war ein ziemliches Glück, wie sich bald herausstellen sollte. Nach etwa einer halben Stunde, kurz bevor wir zur Party aufbrachen, setzte die Wirkung ein. Ganz langsam und zuerst eher harmlos. Ich fühlte mich abwechselnd weggetreten und albern. Ich konnte mich darüber totlachen, wie manche Leute aussahen. Am Anfang war das ganz lustig. Aber die Lachanfälle wurden immer extremer. Ich konnte nicht mehr aufhören zu lachen. Auch die Aussetzer wurden immer heftiger. Ich verlor zeitweise total den Anschluss an die Aussenwelt. Ich sah Farben und Licht extremer und irgendwie «anders». Plötzlich

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sah ich Alltagsgegenstände wie Strassenlaternen oder auch Büsche mit völlig anderen Augen. Alles schien mir irgendwie bedeutungsvoller. Auf dem Weg zur Party bemerkte ich, wie sehr sich das Zeitgefühl auf einem Pilz-Trip verschiebt. Der Weg zum Club dauert zu Fuss normalerweise höchstens eine halbe Stunde. Auf einmal kam es mir vor, als ob wir schon stundenlang unterwegs seien. Dabei hatten wir gerade mal die halbe Strecke geschafft. Da wurde mir mein Zustand langsam unheimlich. Denn zwischen den Aussetzern hatte ich immer wieder mal scheinbar klare Momente. Ich realisierte, dass ich noch nie etwas so Intensives genommen hatte und im Begriff war, die Kontrolle zu verlieren. Irgendwie landeten wir dann doch in dem Club. Die Musik und die Lichter an der Party gaben mir den Rest. Wir trafen Freunde und Bekannte. Aber irgendwie nahm ich kaum war, was sie uns erzählten. Langsam setzten echte Halluzinationen ein, die für mich völlig real waren. Ich konnte die Luftmoleküle sehen! Es kam mir vor, als hätte ich bis jetzt immer nur einen Teil der Realität wahrgenommen, und die Pilze hätten quasi die Wahrnehmungsfilter ausgeschaltet. Ich war überzeugt, dass ich die Gedanken und Gefühle der Leute auf der Tanzfläche wahrnehmen konnte. Statt selbst zu tanzen, sass ich in einer Ecke und staunte. Ich glaube, meine Freundin machte sich langsam ziemliche Sorgen. All diese Erscheinungen wurden immer stärker, und die klaren Momente kürzer und seltener. Ich wollte nach Hause. Ich dachte, wir seien schon die halbe Nacht auf der Party. Aber als ich nach der Uhrzeit fragte, stellte sich heraus, dass erst knapp eine Stunde vergangen war. Da geriet ich endgültig in Panik. Ich hatte Angst, total die Kontrolle zu verlieren und womöglich in der Psychiatrie zu landen oder vor ein Auto zu springen. Ich bat meine Freundin, mich nach Hause zu bringen. Ein Kollege, der Erfahrungen mit Pilzen hatte, beruhigte uns. Mein Zustand sei völlig «normal» und morgen wäre ich wieder ganz der Alte. Wieder zu Hause, legte ich mich ins Bett. Meine Freundin machte mir Tee und legte beruhigende Musik auf. Bald ging es mir besser. Ich erlebte unbeschreibliche Glücksgefühle. Ich glaubte auf einmal, dass ich die Gesetze und den Sinn des Universums begriffen hätte. Ich

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fühlte mich völlig eins mit meiner Umgebung. Ich kann es nicht in Worte fassen. Es war die totale Erleuchtung. Wirklich. Aber ebenso plötzlich löste sich diese Gewissheit wieder auf. Es war, als könnte ich den Faden nicht mehr aufnehmen. Das machte mich rasend. Ich hab mal gelesen, dass die Hölle nicht ein Ort mit Feuer und Schwefel ist, sondern die Gewissheit, dass es die Erlösung gibt, aber dass man sie nicht erreichen kann. Genauso fühlte ich mich. Plötzlich wurde mir schlagartig alles Negative und Trostlose in meinem Leben, ja auf der ganzen Welt bewusst. Dann schlug wieder alles ins gegenteilige Extrem um, und so weiter. Das ständige Hin und Her dauerte tatsächlich etwa eineinhalb Stunden. In meiner Wahrnehmung war es eine Ewigkeit. Mit der Zeit liess der Rausch nach. Die Aussetzer wurden weniger heftig und die klaren Momente länger. Ich war wahnsinnig erleichtert und genoss den Rest des Rausches eigentlich sehr. Beim Einschlafen schwirrten mir zwar immer noch diffuse Visionen vor den geschlossenen Augen herum. Aber am nächsten Morgen war ich wieder wie neu. Ehrlich gesagt, ich möchte die Erfahrung nicht missen. Aber wenn ich überhaupt noch einmal Pilze anrühren werde, dann nur in einer viel, viel schwächeren Dosis.

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Meskalin – Dope vom Kaktus Das Halluzinogen Meskalin kommt in diversen Kakteen vor. Der bekannteste von ihnen, Peyote (Lophophora williamsii), ist ein stachelloser, kugelförmiger Kaktus, der in den Wüsten Nordmexikos wächst. Ein ausgewachsener Kaktus erreicht einen Durchmesser von rund 15 cm. Peyote wächst sehr langsam: Von der Keimung des Samens bis zur ersten Blüte vergehen rund 13 Jahre. Der Peyote-Kaktus enthält rund 30 Alkaloide (stickstoffhaltige Inhaltsstoffe mit pharmakologischer Wirkung), wovon das Meskalin das Wichtigste ist. Meskalin (3,4,5-Trimethoxyphenethylamin) ist ein stark psychedelisch wirksames Alkaloid und gehört zur Klasse der Methoxyamphetamine. Der medizinische Gebrauch von Peyote ist bei den mexikanischen Ureinwohnern Tradition. Peyote wird beispielsweise bei Kopf- und Ohrenschmerzen, Bronchitis, Geburten und zur Wundpflege verabreicht. Meskalin kommt auch in anderen Pflanzen vor. Seine synthetisierte Form war Vorläufer der im Pharmalabor kreierten Substanz STP (besser bekannt als DOM). DOM steht wie Meskalin auf der Liste der verbotenen Substanzen. Handel, Besitz und Konsum sind somit strafbar. Um dem Trend zu ethnobotanischen Drogen zu begegnen, hat das Bundesamt für Gesundheit anfangs 2002 den Handel mit Peyote-Kakteen ebenfalls verboten. ■ FORM Der Peyotekaktus wird frisch oder getrocknet auf nüchternen Magen gegessen oder mit heissem Wasser aufgekocht als Tee getrunken. Er schmeckt extrem bitter. Reines Meskalin ist weisslich durchsichtig und bildet ca. 0,5 Zentimeter lange Kristalle. ■ WIRKUNG Der Meskalinrausch ist mit dem von LSD vergleichbar. Man fühlt sich euphorisch, neigt zu Lachanfällen. Bei höheren Dosen macht man unter Umständen visionäre Erfahrungen. Sämtliche Sinne verändern sich, vor allem das Farbsehen wird stark intensiviert. Zeitsinn und räumliche Wahrnehmung verändern sich. Niedrige Meskalindosen können

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leicht aphrodisierend wirken; hohe Dosen können starke Halluzinationen hervorrufen. ■ WIRKDAUER Die halluzinogene Wirkung setzt 1 bis 1,5 Stunden nach Einnahme ein und hält 12 bis 16 Stunden an. ■ DOSIERUNG ca. 100 Milligramm (leichte Dosis) bis 400 Milligramm (starke Dosis). ■ NEBENWIRKUNGEN Übelkeit und eventuell Erbrechen sind normal. Weitere unerwünschte Wirkungen sind Erhöhung des Pulsschlages und des Blutdrucks, Speichelfluss, Pupillenerweiterung, Anstieg der Körpertemperatur, abgeschaltetes Hungergefühl während der Wirkungsdauer, danach oftmals Heisshunger auf Süssigkeiten. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Der regelmässige Langzeitkonsum von Meskalin ist nicht gerade üblich. Die Langzeitfolgen des Konsums sind kaum erforscht, was nicht heisst, dass es sie nicht gibt. Wie alle Halluzinogene kann Meskalin psychische Probleme und Krankheitssymptome verstärken. Wer Peyote konsumiert, sollte das nie allein und nie in schlechter Verfassung tun. Es besteht die Gefahr, dass man an Erbrochenem erstickt. Wie bei LSD kann es zu Horrortrips und Panikattacken kommen. Auf keinen Fall sollte man im Meskalinrausch Fahrzeuge lenken.

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Salvia divinorum – der Wahrsagesalbei Salvia divinorum – auch Wahrsage- oder Zaubersalbei genannt – kommt aus Mexiko und ist eine Naturdroge, die nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Es gibt sie in vielen Hanf- und Headshops sowie im Internet zu kaufen. Aber auch ohne Verbot sind die Blätter der Pflanze mit Respekt zu geniessen. Ihr wichtigster Wirkstoff, Salvinorin A, ist das potenteste Halluzinogen, das die Natur zu bieten hat. Salvia divinorum wird oft als legale Alternative zu Cannabis gehandelt. Das ist Salvia aber auf keinen Fall. Auch wenn er nicht verboten ist, handelt es sich beim Zaubersalbei doch um eine äusserst potente Droge. Salvia ist keine Partydroge! ■ FORM Der psychoaktive Wirkstoff ist in den Blättern der Pflanze enthalten. Üblicherweise werden die getrockneten Blätter in einer Bong (Wasserpfeife) geraucht, manchmal wird aber auch ein höher konzentrierter Extrakt aus den Blättern verwendet. Eine Alternative zum Rauchen ist das Kauen eines Priems aus Salvia-Blättern. ■ WIRKUNG Die Wirkung von Salvia divinorum wird höchst unterschiedlich erlebt und beschrieben: Die Wahrnehmung verändert sich, man sieht Muster, Tunnels oder ähnliches bis hin zu regelrechten Visionen. Manche erleben den Trip als total verwirrend bis verrückt, manche als bereichernd bis erleuchtend. Manche Konsumenten berichten von totalem Kontroll- und Realitätsverlust und ausserkörperlichen bis übersinnlichen Erfahrungen. ■ WIRKDAUER Die Dauer des Salvia-Trips hängt in erster Linie von der Konsumform ab. Sie kann von 15 Minuten bis zu 3 Stunden reichen. Geraucht setzt die Wirkung nach 5 Minuten ein. Die eigentliche Wirkung dauert normalerweise 20 Minuten und klingt dann langsam ab.

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■ DOSIERUNG Die Dosierung schwankt stark je nach Konsumform (Kauen oder Rauchen der Blätter oder des Extraktes). Als übliche Anfangsdosierung gelten fünf Züge aus einer mit Salvia-Blättern gefüllten Wasserpfeife (0,2 bis 0,4 Gramm Blätter). Beim Kauen sind sechs bis zehn Blätter üblich. Achtung: Die im Handel erhältlichen Extrakte sind um ein Vielfaches stärker als das Ausgangsprodukt. ■ NEBENWIRKUNGEN Das Salvia-High wird längst nicht von allen Konsumenten als angenehm erlebt. Unangenehme Nebenwirkungen sind Schweissausbrüche, Angst, Panik, Desorientierung. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Das grösste Risiko beim Salvia-Gebrauch liegt im Kontrollverlust. Manche Konsumenten kippen um, andere torkeln unkontrolliert durch die Gegend, unter Umständen ohne sich des Drogenkonsums noch bewusst zu sein. Dabei besteht Verletzungsgefahr. Wer Salvia konsumiert, sollte deshalb immer einen nüchternen «Trip-Sitter» bei sich haben. Achtung: Brandgefahr durch aus der Hand fallende Rauchgeräte! Über Langzeitschäden des Salvia-Gebrauchs ist wenig bekannt. Sicher ist, dass das Rauchen die Lunge schädigt. Wie alle Halluzinogene birgt Salvia ein erhöhtes Risiko für Personen mit psychischen Problemen. Ein starker Salvia-Trip überdeckt alle bekannten Drogen. Allerdings kann es zu unkalkulierbaren Wirkungsverstärkungen und Wechselwirkungen kommen (vor allem in Kombination mit LSD und Psilocybin).

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Argyreia nervosa – Hawaiian Baby Woodrose Die Hawaiian Baby Woodrose ist ein Windengewächs, das in allen tropischen Regionen anzutreffen ist.Von hawaiianischen Schamanen wird sie seit Urzeiten kultisch verwendet. In unserer Zeit wird sie von der ärmeren Bevölkerung für ein billiges High gebraucht. Ihre Verwandte Ipomoea (Prunkwinde) wächst auch in Europa und ist ein beliebtes Ziergewächs. Die Samen mancher Ipomoea-Arten sind ebenfalls psychoaktiv. Woodrose und der Wirkstoff LSA stehen nicht im Verzeichnis der verbotenen Stoffe. Sie sind in diversen Ethnobotanik- und Smart Shops erhältlich und werden auch über das Internet vertrieben. ■ FORM Berauschendes Potenzial haben die etwa 5 Millimeter grossen Samen der Holzrose. Sie enthalten das in der Wirkung mit LSD vergleichbare Lysergsäureamid (LSA). ■ WIRKUNG LSD-ähnlich, stark euphorisierend, stimulierend, halluzinogen. Die optischen Effekte sind weniger ausgeprägt als bei LSD. ■ WIRKDAUER Der Trip dauert 6 bis 8 Stunden, manche Wirkungen können aber bis zu 12 Stunden länger anhalten. ■ DOSIERUNG Als übliche Dosierung gelten 3 bis 8 Samen. ■ NEBENWIRKUNGEN Übelkeit, Erbrechen, schlechte Trips. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Das Suchtpotenzial der LSA-haltigen Samen ist kaum erforscht. Auch die langfristigen Konsumrisiken sind kaum dokumentiert, was nicht heisst, dass sie nicht existent wären. Die bekannten Risiken entsprechen in etwa jenen des LSD-Konsums.

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Ephedra – der Mormonentee Ephedra – auch Meerträubel oder Mormonentee genannt und mitunter als «Herbal Ecstasy» gehandelt –, wird in der chinesischen Medizin seit mehreren tausend Jahren eingesetzt. Bei den Mormonen ist Ephedra eine Alternative zum verpönten Alkohol. Aber auch rezessionsgebeutelte Börsianer greifen in kokainarmen Zeiten auf das legale Aufputschmittel aus der Natur zurück. Hauptwirkstoff des Mormonentees ist das Alkaloid Ephedrin, das auch in der Schulmedizin als Bestandteil von Asthma-, Husten- und Schnupfenmitteln verwendet wird. Ephedra untersteht dem Heilmittelgesetz. Ausserhalb von Apotheken darf es nur zu Räucherzwecken verkauft werden. In den USA, wo Ephedra als Nahrungsergänzungsmittel bislang frei verkäuflich war, wird die Aufputschdroge für gegen 120 Todesfälle verantwortlich gemacht. Nach dem Tod eines 16-Jährigen, der Ephedra nahm, um im ersten Football-Team mithalten zu können, hat der USStaat Illinois den Stoff im Mai 2003 verboten. Andere US-Staaten sollen das Verbot rasch übernehmen. ■ FORM Ephedra wird in der Regel als Tee konsumiert. Es wird aber auch in Kapselform oder in Mischungen mit anderen Substanzen («Herbal Energizer») angeboten. Neben der natürlichen Form gibt es Ephedrin(-hydrochlorid) auch in der synthetisierten Variante. Diese kommt vor allem in Medikamenten zum Einsatz. ■ WIRKUNG Wird gern mit Speed (Amphetamin) verglichen, wirkt aber weniger stark. Kurz: aufputschend, anregend, antriebs- und leistungssteigernd, appetithemmend. Ephedra kann aber auch entspannend und bei manchen Leuten sexuell stimulierend wirken. ■ WIRKDAUER Wird Ephedra als Tee getrunken, setzt die Wirkung nach 30 bis 60 Minuten ein, als Kapsel konsumiert nach 20 bis 40 Minuten. Die Wirkung

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kann bis zu 8 Stunden dauern, in seltenen Fällen aber auch länger anhalten. ■ DOSIERUNG Üblicherweise wird aus 2 bis 5 g des Krauts ein Tee gebraut. Achtung: Der Wirkstoffgehalt kann je nach Erntezeit und Herkunft des Produkts stark schwanken! ■ NEBENWIRKUNGEN Herzklopfen, Unruhe, Schlafstörungen, Mundtrockenheit, Pupillenerweiterung. Bei Überdosierung Schweissausbrüche, Zittern, Kreislaufstörungen, Schock. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Ein längerer intensiver Ephedra-Konsum kann zu psychischer Abhängigkeit führen. Bei häufigem Konsum kann es zu einer Gewöhnung kommen, wodurch immer höhere Dosen benötigt werden. Gleichzeitig kann der dauerhafte Gebrauch zu Symptomen wie Müdigkeit und Niedergeschlagenheit führen. Manche Konsumenten berichten über anhaltende Schlafstörungen (Aufputsch-Hangover). Die Fahrtauglichkeit ist beeinträchtigt. Mögliche Langzeitfolgen sind: Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten (Gedächtnis, Konzentration etc.), Gereiztheit, Nervosität, aggressives Verhalten. Psychische Probleme können sich verstärken. Körperliche Schädigungen sind Herzrhythmusstörungen, Schädigungen an Leber und Nieren, schlechte Zähne. Finger weg bei Herz-/Kreislaufproblemen, Schilddrüsenstörungen, Leber- und Nierenerkrankungen und Schwangerschaft! Im Mischkonsum mit anderen Substanzen kann Ephedra unberechenbare Wirkungen erzeugen. Koffein verstärkt die Nebenwirkungen, Alkoholwirkung wird nicht mehr im gleichen Ausmass wahrgenommen, bei der gleichzeitigen Einnahme von Halluzinogenen kann sich ein «bad trip» intensivieren. Ephedrin steht auf der Dopingliste. Der Konsum von Ephedrin / Ephedra kann einen positiven Drogentest bewirken (Amphetamine)!

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Schnüffelstoffe – die Arme-Leute-Drogen Unter Schnüffeln versteht man das absichtliche Inhalieren von Dämpfen organischer Lösungsmittel, Aerosolen und ähnlicher flüchtiger Stoffe. Das Schnüffeln ist keineswegs ein neues Phänomen. Schon im 19. Jahrhundert war der Gebrauch von Lachgas und Äther zu Berauschungszwecken verbreitet. Das Schnüffeln von Klebstoff-Dämpfen («Glue Sniffing») kam in den USA in den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts in Mode. Heute steht den Schnüfflern eine riesige Palette von Produkten aus unterschiedlichsten Bereichen zur Verfügung. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind für jedermann leicht zugänglich und kosten nicht viel. Schnüffeln ist deshalb auch nicht illegal. Das sollte jedoch niemanden darüber hinweg täuschen, dass Schnüffeln eine der destruktivsten Formen des Drogenkonsums überhaupt ist. Schnüffelstoffe sind klassische Arme-Leute-Drogen. Am stärksten verbreitet ist das Schnüffeln in Lateinamerika und Osteuropa. In der Schweiz haben immerhin drei Prozent der 15-jährigen Jungen und Mädchen mehrfache Erfahrungen mit Schnüffelstoffen. ■ FORM Gebräuchliche Schnüffeldrogen sind Klebstoffe, Verdünner, Fleckenentferner, Feuerzeuggas, Nagellackentferner, Wachslöser, Haarsprays, Imprägniersprays und Benzin. Die Dämpfe werden auf ein Tuch geträufelt, in eine Tüte gegeben oder direkt aus Kanistern, Tuben oder Flaschen inhaliert. ■ WIRKUNG Ähnlich wie bei einem Alkoholrausch kommt es zu einem Hochgefühl und zu Benommenheit mit unterschiedlich starkem Kontrollverlust. Man fühlt sich leicht, sorglos und ungehemmt. Optische und akustische Wahrnehmungen verändern sich, manche Konsumenten berichten von einem Kribbeln an Händen und Füssen. Bei hohen Konzentrationen können Halluzinationen auftreten.

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■ WIRKDAUER Der Rausch setzt unmittelbar nach dem Inhalieren ein und dauert wenige Minuten bis maximal eine halbe Stunde. ■ DOSIERUNG keine exakten Angaben möglich. ■ NEBENWIRKUNGEN Während des Schnüffelns kann es zu Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Schnupfen, Husten, Halsweh und Nasenbluten kommen. Nach dem Schnüffeln berichten viele Konsumenten von einem «Kater» mit Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten. Bei Überdosierung kann es zu Bewusstlosigkeit kommen. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Schnüffeln kann tödliche Folgen haben. Todesursache sind bei solchen Fällen zumeist Herzrhythmusstörungen und Ausfälle des Atemzentrums im Gehirn. In England sind jedes Jahr etwa hundert Todesfälle auf das so genannte «Sudden Sniffing Death Syndrome» zurückzuführen. Auch in der Schweiz ist es schon zu Fällen von «plötzlichem Schnüffeltod» gekommen. Grösser ist das Risiko, dass man an einem durch Schnüffeln verursachten Unfall stirbt. Beispiele sind gefährliche Konsumpraktiken, Explosionen bei unsachgemässem Umgang mit Feuer oder im Rauschzustand begangene Fehlhandlungen. Ferner kann man in bewusstlosem Zustand am eigenen Erbrochenen ersticken. Riskanter Langzeitkonsum Die langfristigen Auswirkungen des Schnüffelns sind wenig erforscht, zumal eine Unzahl von Substanzen in Frage kommt, deren Zusammenwirken unzureichend bekannt ist. Allgemein gelten flüchtige Substanzen als Nervengifte. Langzeitschnüffler riskieren Gehirnschädigungen mit Gehörverlust, Gleichgewichtsstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten. Stoffe wie Hexan und Benzin können die Nervenbahnen und das Knochenmark schädigen. Der Gebrauch von chlorierten Kohlenwasserstoffen schädigt Lungen, Leber und Nieren.

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Schnüffelstoffe werden vornehmlich von Personen konsumiert, die der Realität entfliehen wollen. Auch wenn man bei den Schnüffelstoffen von einer psychischen Abhängigkeit spricht, haben sie ein grosses Suchtpotenzial. Da der Körper bei Langzeitkonsum eine Toleranz entwickelt, nimmt man immer grössere Mengen der Substanzen zu sich, was die negativen Auswirkungen beschleunigt. Wer chronisch schnüffelt und davon loskommen will, sollte professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Achtung: Niemals eine Plastiktüte über den Kopf ziehen! Keine aktive Teilnahme am Strassenverkehr, kein Bedienen von Maschinen.

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Poppers – die Sex-Droge Poppers ist eine Schnüffeldroge, die aus kleinen Fläschchen inhaliert wird. Poppers wird unter anderem in Sexshops angeboten und ist vor allem in der Homosexuellenszene seit langem verbreitet. Im Zug des Partydrogen-Booms sieht man die Droge seit einiger Zeit aber auch vermehrt in der nicht homosexuellen Partyszene. Poppers besteht zumeist aus Nitriten, vor allem Amylnitrit und (seltener) Butylnitrit oder verwandten Substanzen. Die Nitrite wurden erstmals 1857 synthetisiert. Weil Amylnitrit die Herzkranzgefässe erweitert, wird es in der Medizin zur Behandlung von Angina pectoris eingesetzt. Ferner findet es in der Geburtshilfe und in der Behandlung von Zyanid-Vergiftungen Verwendung. ■ FORM Poppers wird meistens in kleinen Fläschchen angeboten. Die Fläschchen enthalten eine flüchtige, gelblich-braune Flüssigkeit. Die Rauschwirkung entsteht durch das Inhalieren der Dämpfe aus dem Fläschchen, einem Kognakschwenker oder ähnlichem. Achtung: Auf keinen Fall die Flüssigkeit einnehmen (Lebensgefahr)! ■ WIRKUNG Nach dem Inhalieren spürt man ein Wärmegefühl und eventuell ein Druckgefühl im Kopf. Danach stellen sich Glücksgefühle ein, die optische und die akustische Wahrnehmung verändern sich. Das Schmerzempfinden ist herabgesetzt, das Zeitgefühl verschwindet. Poppers kann die Lust am Sex steigern: Es entspannt die Muskulatur und verstärkt Berührungsempfindungen. ■ WIRKDAUER Der Poppers-Rausch setzt unmittelbar nach dem Inhalieren ein und dauert etwa 3 bis 10 Minuten. Bei hoher Dosierung kann der Rausch auch bis zu 30 Minuten anhalten. ■ DOSIERUNG keine exakten Angaben möglich.

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■ NEBENWIRKUNGEN Poppers bewirkt einen raschen Abfall des Blutdrucks. Der Puls beschleunigt sich. Viele Konsumenten berichten über starke Kopfschmerzen nach Abklingen des Rauschs (Sauerstoffmangel im Hirn). Weitere Nebenwirkungen sind Schwindel, Übelkeit, Hustenreiz, Hitzewallungen und Reizungen von Haut und Schleimhäuten. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Der regelmässige Konsum von Schnüffelstoffen kann bleibende Beeinträchtigungen der Konzentrations- und Gedächtnisleistung sowie des Reaktionsvermögens nach sich ziehen. Lange Konsumphasen können zu Herzrhythmusstörungen, folgenschweren Hirn- und Nervenschädigungen, epileptischen Anfällen sowie zu Leber- und Nierenschäden führen. Weitere Langzeitschäden sind verätzte Nasenschleimhäute sowie Potenzstörungen. Eine Überdosierung kann zu rapidem Blutdruckabfall führen, was zu dauerhaften Schäden im Gehirn und Lähmungen aufgrund der Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff und Blut führen kann. Da Poppers den Blutdruck senkt, sind gefährliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten/ Substanzen möglich. Poppers nie gleichzeitig mit Viagra nehmen! (Beide Substanzen bewirken einen Blutdruckabfall.) Auf keinen Fall Poppers schnüffeln sollten Personen mit Herzproblemen, Blutarmut und niedrigem Blutdruck. Eine körperliche Abhängigkeit ist nicht bekannt. Hingegen kann regelmässiger Poppers-Konsum zu psychischer Abhängigkeit führen. Achtung: Sollte die Flüssigkeit mit Schleimhäuten oder Augen in Kontakt kommen, sofort abspülen und einen Arzt aufsuchen. Poppers ist brennbar: Also Vorsicht beim Umgang mit Feuerzeug und Zigaretten! Safer-Sex-Regeln beachten.

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Lachgas – flüchtiges Party-Vergnügen Lachgas (Distickstoffoxid, N20) ist ein farbloses Gas, das 1771 von John Priestley entdeckt wurde. Priestleys Entdeckung kam allerdings nicht sofort der Medizin zunutze. Im 18. Jahrhundert fand es in Varietéshows und bei Lachgas-Partys Verwendung. Erst 1844 erkannte der Bostoner Zahnarzt Horace Wells die schmerzbetäubende Wirkung des Gases. Er war der erste, der Zähne schmerzfrei zog. Lachgas wird bis heute als Anästhesiemittel und Narkotikum in der Medizin eingesetzt. Es wird aber auch zu industriellen Zwecken und in Haushaltsprodukten wie Rahmbläser-Kapseln verwendet. Vor einigen Jahren ist die ursprüngliche Verwendung des Gases wieder in Mode gekommen: Vor allem an Techno-Partys wird in Ballons abgefülltes Lachgas als harmlose Alternative zu härteren Partydrogen angeboten. Tatsächlich gilt Lachgas selbst als einigermassen ungefährlich. Dennoch ist es, wenn überhaupt, mit Vorsicht zu geniessen: Es sind schon Leute gestorben, weil sie das Gas direkt aus RahmbläserPatronen inhalieren wollten. ■ FORM Lachgas wird in der Regel aus grossen Flaschen in Ballons oder ähnliche Behältnisse gefüllt und aus diesen inhaliert. Es ist geruchlos und schmeckt leicht süsslich. ■ WIRKUNG Lachgas benebelt und hebt die Stimmung. Optik und Akustik verändern sich, im ganzen Körper ist ein Prickeln zu spüren. Das Schmerzempfinden ist herabgesetzt. Der Zustand wird als hypnotisch oder tranceartig beschrieben. ■ WIRKDAUER Die Wirkung setzt nach wenigen Sekunden ein und dauert zwischen 30 Sekunden und einigen Minuten. Nach 10 Minuten ist jegliche Wirkung verschwunden.

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■ DOSIERUNG keine exakten Angaben möglich. ■ NEBENWIRKUNGEN Es können Schwindel und Taubheitsgefühle auftreten. Bei Überdosierung wird man ohnmächtig und kann sich bei Stürzen verletzen. Nach Alkoholkonsum kann es zu Übelkeit und Erbrechen kommen. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Das grösste Risiko beim Lachgas-Konsum liegt in der Anwendungsform. Wer Lachgas direkt aus der Flasche konsumiert, riskiert gefährliche Erfrierungen im Mund- und Rachenraum. Dasselbe gilt für Rahmbläser-Kapseln. Diese stehen ausserdem unter hohem Druck. Deshalb nie direkt aus der Kapsel konsumieren! Wer Lachgas mit einer Maske konsumiert oder sich eine Plastiktüte über den Kopf zieht, kann unter Umständen ersticken. Da medizinisches Lachgas dem Heilmittelgesetz untersteht, wird oft Industriegas verwendet, das schädliche Verunreinigungen und Beigemische enthalten kann. Keinesfalls Lachgas konsumieren sollten Asthmatiker und Schwangere. Auch wer ein beschädigtes Trommelfell (Mittelohrentzündung/ Tauchunfall) oder einen Rippenbruch hat, sollte die Finger davon lassen. Bei wiederholtem Konsum führt Lachgas zur Gewöhnung. Im Langzeitgebrauch kann es das Knochenmark und die Nervenbahnen schädigen. Eine körperliche Abhängigkeit ist nicht bekannt.

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Überblick: Medikamente 127

Überblick: Medikamente And though she’s not really ill There’s a little yellow pill She goes running for the shelter of a mother’s little helper And it helps her on her way, gets her through her busy day Rolling Stones – «Mother’s Little Helpers»

Schon 1966 besangen die Rolling Stones in ihrem Song «Mother’s Little Helpers» die verbreitete Medikamentensucht. Das, obwohl die Mitglieder der Rockband selbst gern bewusstseinsverändernde Substanzen konsumierten. Aber während psychedelische Drogen im Swinging London als hip galten, haftete dem Konsum von Beruhigungsmitteln etwas Systemkonformes, Angepasstes, ja Unterdrücktes an. Nicht ganz zu Unrecht. Neben dem Alkohol sind psychoaktive Medikamente die meistverbreiteten Suchtmittel der westlichen Welt. Laut dem deutschen Jahrbuch Sucht 2001 besitzen etwa sechs bis acht Prozent aller häufig verschriebenen Medikamente ein Suchtpotenzial. Rund ein Drittel dieser Mittel verschreiben die Ärzte laut Schätzungen nicht aus medizinischen Gründen, sondern langfristig zur «Suchtunterhaltung» und Vermeidung von Entzugserscheinungen. Die Studie der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) über den «Gebrauch von Medikamenten mit Abhängigkeitspotenzial in der Schweiz» aus dem Jahr 1999 geht davon aus, dass in der Schweiz 60 000 Personen medikamentenabhängig sind. Weitere 100 000 weisen einen «auffälligen Gebrauch» auf. Unter Frauen ist die Medikamentenabhängigkeit fast doppelt so häufig wie unter Männern. Die Droge der Unauffälligen Im Gegensatz zu anderen Drogenabhängigen sind Medikamentenabhängige meist sozial unauffällig und können trotz ihrer Sucht normal funktionieren. Man spricht in diesem Fall von einer Niedrig- oder Normaldosisabhängigkeit. Sie brauchen die Pillen, wie die Stones schon 1966 sangen, um sich durch den Tag zu bringen.

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Die Mittel mit dem eigentlichen Suchtpotenzial sind Medikamente mit Wirkung auf die Psyche, vor allem Schlaf- und Beruhigungsmittel der Benzodiazepin- oder Barbitursäuretypen, Schmerzmittel und kodeinhaltige Medikamente (meistens Hustenmittel), und so genannte Stimulanzien mit aktivierender und stimmungsaufhellender Wirkung. Vielleicht nicht missbräuchlich, aber sicher leichtfertig lassen sich immer mehr Menschen die neueren Antidepressiva, so genannte Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wie Fluctine® (Prozac®), verschreiben. Ein Suchtpotenzial ist zwar nicht bekannt. Kritiker warnen aber davor, dass mit dem massenhaften Konsum dieser Mittel in einigen Jahren ganz neue, heute noch unbekannte Probleme auftauchen könnten. Vom Hausarzt verschrieben Die meisten dieser Medikamente sind rezeptpflichtig und auf dem Schwarzmarkt – mit Ausnahme von Rohypnol®, Toquilone® und neuerdings auch Ritalin® – nur selten zu haben. Die überwältigende Mehrheit der Medikamentenabhängigen wird also immer noch von ihrem Hausarzt mit Stoff versorgt. Entsprechend nehmen viele Medikamentenabhängige ihre Sucht gar nicht als Problem wahr. Schliesslich kann nicht schlecht sein, was der Arzt verordnet. Auch das soziale Umfeld bemerkt oft jahrelang nicht das Geringste. Die Sucht kommt erst ans Tageslicht, wenn schwer wiegende Symptome wie nachlassende Leistungsfähigkeit oder hohe, oft lebensgefährliche Überdosierung auftauchen. Die Folgen der Medikamentensucht sind so unterschiedlich wie die Wirkstoffe mit Abhängigkeitspotenzial. Sie reichen von innerer Unruhe und Verspannungszuständen über Depressionen und Muskelschwäche bis hin zu Wahnvorstellungen, Halluzinationen und tödlichen Überdosierungen. Nützliche Links

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Informationen über Medikamentenabhängigkeit: www.narcotics-anonymous.ch www.medi-info.ch www.sfa-ispa.ch www.kompendium.ch

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Barbiturate – riskante Beruhiger Der deutsche Chemiekonzern Bayer synthetisierte 1864 die Barbitursäuren. Der Durchbruch der Barbiturate als Schlaf-, Beruhigungs- und Narkosemittel kam aber erst mit den Wirkstoffen Hexobarbital und Thiopental in den Dreissigerjahren. Schon in den Vierzigerjahren konsumierten Heroinabhängige Barbiturate als Ersatzdroge. Durch tödliche Überdosierungen und das hohe Suchtpotenzial kamen Barbiturate zusätzlich ins Gerede. Heute sind die Barbiturate als Schlaf- und Beruhigungsmittel weitgehend von den Tranquilizern verdrängt worden. Sie werden vor allem klinisch zu Narkosezwecken verwendet. Ambulant kommen Barbiturate vor allem als Anti-Epileptika zum Einsatz. Barbiturate sind Wirkstoffe wie Cyclopentobarbital, Barbexaclonum, Aprobarbital, Phenobarbital, Pentobarbital, Thiopental. Sie sind unter Markenbezeichnungen wie Luminal®, Maliasin®, Aphenylbar-bit® erhältlich. ■ WIRKUNG Krampflösend, beruhigend, einschläfernd, bei hoher Dosierung narkotisch. ■ NEBENWIRKUNGEN Bei hoher Dosierung können Sprachstörungen, Gleichgewichtsverlust, Wahrnehmungsstörungen sowie Fehleinschätzungen von Situationen und der eigenen Leistungsfähigkeit auftreten. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Bei Überdosierung und Kombination mit Alkohol und anderen Drogen kann es zu sinkender Körpertemperatur, Koma und tödlichen Atemlähmungen kommen. Barbiturate haben ein sehr grosses Suchtpotenzial. Die Entzugserscheinungen sind Angstzustände, Unruhe, Muskelzuckungen, Kreislaufstörungen, Erbrechen und in schweren Fällen Krampfanfälle und Delirium tremens.

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Rauschbericht: «Man merkt gar nicht, wie verladen man ist.»

« Ich war 16 und zog mit einem Freund herum, der eine Ausbildung als Tierpfleger in einem Versuchslabor machte. Zu dieser Zeit kifften wir viel und probierten alles aus, was uns an Drogen in die Finger kam. An diesem Abend aber war es unmöglich, etwas zum Kiffen aufzutreiben. Also sassen wir bei meinem Freund in der Wohnung und tranken Wein. Plötzlich meinte er, er hätte noch eine Flasche Nembutal, die er aus dem Versuchslabor geklaut habe. Er sagte, dass sie damit die Tiere narkotisieren. Erst hatte ich keine Lust, das auszuprobieren. Ich wollte mir keine Tiernarkotika reinziehen. Aber mein Freund erklärte mir, dass Nembutal ein Barbiturat, also eigentlich ein Schlafmittel für Menschen sei. Das Zeug sah aus wie Wasser. Es war in einer Ampulle mit Gummihaut-Verschluss, durch den man eine Injektionsnadel stossen konnte. Aus dem Labor hatte mein Freund alles, was man brauchte. Zuerst waren wir vorsichtig. Wir zogen mit der Spritze etwas Nembutal aus der Flasche, verteilten es in zwei Gläser mit Sirup und schluckten es. Man spürte etwas. Aber unser Rauschbedürfnis war nicht befriedigt. Also zogen wir nochmals die gleiche Dosis in die Spritze und fixten das Zeug direkt in die Vene. Mein Freund hatte so etwas offensichtlich schon mal gemacht und zeigte mir, wie es geht. Das Hinterhältige an Barbituraten ist, dass man gar nicht merkt, wie verladen man schon ist. Man tut Sachen, die man sonst nie machen würde, und findet gar nichts dabei. Es war sicher eine Wirkung des geschluckten Nembutals, dass ich mir überhaupt nichts dabei dachte, mir das Zeug in den Arm zu drücken. Nachdem wir das Zeug gefixt hatten, gerieten wir ganz schön durcheinander. Wir waren zwar unbestreitbar verladen, aber irgendwie unbefriedigt. Wir tranken weiter Wein und luden auch mehrmals Nembutal nach. Eigentlich fühlten wir uns aber noch völlig als Herren unserer Sinne. Ein Irrtum, wie sich später herausstellen sollte. Unsere Gier auf einen «richtigen Rausch» wurde so gross, dass wir beschlossen, eine Bekannte zu besuchen, von der wir sicher waren, dass sie was zu kiffen hat. Die wohnte aber etwa 70 Kilometer entfernt und es war schon weit nach Mitternacht. Also beschlossen wir, per Autostopp hin-

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zufahren. Wir kamen gar nicht auf die Idee, dass wir vielleicht ungelegen kommen könnten, und machten uns ohne Vorwarnung auf den Weg. Wir packten das Nembutal und die Spritze ein und zogen los. Mittlerweile waren wir schon völlig durch den Wind. Ich weiss noch, dass wir uns in einer hell beleuchteten Telefonzelle beim Bahnhof noch mal einen Nembutalschuss setzten, ohne uns im Geringsten um die Passanten zu kümmern. Es war zwar schon spät, aber Samstagabend. Entsprechend waren immer noch viele Leute unterwegs. Was dann folgte, war totale Verwirrung. Auf halbem Weg zur Autobahnauffahrt merkten wir, dass wir die Spritze, den Gummischlauch und die Nembutalflasche in der Telefonzelle vergessen hatten und gingen wieder zurück. Unterwegs vergassen wir beide komplett, warum wir wieder Richtung Bahnhof liefen. Das ging so eine ganze Weile, bis wir schliesslich doch zur Telefonzelle gelangten und die Sachen einpackten. Der Hohn bei der Sache ist, dass wir uns trotz allem irgendwie nüchtern fühlten. Auf dem Weg zur Autobahnauffahrt vergassen wir nochmals mehrfach, was wir eigentlich vorhatten. Beim Autostopp wechselten wir uns ab und schliefen auch immer mal wieder in der kalten Nacht ein (es war Anfang März). Das hat uns aber nicht weiter gestört. Wie wir schliesslich zu unserer Bekannten gekommen sind, ist mir bis heute ein Rätsel. An die Fahrt selber erinnere ich mich überhaupt nicht mehr. Und dass uns jemand mitgenommen hat, ist mir bis heute unbegreiflich. Aber ich erinnere mich, dass unsere Bekannte uns im Morgengrauen völlig verschlafen die Tür aufgemacht und Kaffee gekocht hat. Sie schien bemerkenswerterweise weder besonders überrascht noch erbost über den ungebetenen Besuch. Von Barbituraten kann man sicher sagen, dass sie jedes Schamgefühl ausschalten. Völlig unverfroren forderten wir unsere Bekannte auf, einen Joint zu bauen. Als wir den geraucht hatten, brachen ich und mein Freund endgültig zusammen. Er musste sich übergeben (auf den Boden) und ich rollte mich ohne zu fragen auf dem Sofa zusammen und schlief wie ein Stein bis zum Abend. Als ich in der fremden Wohnung aufwachte, war mir alles unglaublich peinlich. Gottseidank hatte ich zuerst einen ziemlichen Filmriss und erinnerte mich nur bruchstückhaft an die vergangene Nacht. Sonst wäre ich vermutlich vor Scham gestorben.

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Benzodiazepine – die weit Verbreiteten Benzodiazepine wurden 1956 erstmals vom Schweizer Chemiekonzern Hoffmann-La Roche synthetisiert. Die neuen Schlaf- und Beruhigungsmittel verdrängten weitgehend die gefährlichen Barbiturate. Die Schlaf- und Beruhigungsmittel der Benzodiazepingruppe gehören auch heute noch zu den meistverschriebenen Medikamenten. Dies, obwohl ihr immenses Abhängigkeitspotenzial schon seit den Sechzigerjahren bekannt ist. Die mit Abstand grösste Gruppe der Medikamentenabhängigen ist benzodiazepinsüchtig. Heute gibt es etwa halb so viele Benzodiazepinwie Alkoholabhängige. Typische Benzodiazepinabhängige sind in ihrer Aufnahmefähigkeit beeinträchtigt, wirken desinteressiert und schlaff. Bei Überdosierungen können Benzodiazepine massive Rauschzustände bis hin zu ekstatischen und psychotischen Zuständen auslösen. Zu den Benzodiazepinen gehören Wirkstoffe wie Bromazepam, Brotizolam, Diazepam, Flunitrazepam, Lormetazepam, Lorazepam, Nitrazepam, Oxazepam, Temazepam, Tetrazepam und Trialzolam. Sie sind unter zahllosen Handelsnamen wie Valium®, Xanax®, Lexotanil®, Seresta®, Dormicum® oder Rohypnol® erhältlich. ■ WIRKUNG Benzodiazepine wirken angstlösend, beruhigend, schlaffördernd und krampflösend. ■ NEBENWIRKUNGEN Müdigkeit, Kopfschmerz, Niedergeschlagenheit, Muskelschwäche, Benommenheit, Schwindel, Störungen der Libido. Besonders bei älteren Patienten kommt es oft zu Erregungszuständen und Verwirrtheit. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Schon nach wenigen Wochen regelmässiger Einnahme entsteht eine sehr starke Abhängigkeit. Benzodiazepinabhängigkeiten treten oft in Kombination mit Alkoholabhängigkeit oder im Rahmen einer Politoxikomanie (siehe Seite 41) auf. Der Entzug dauert länger und die Entzugserscheinungen sind stärker als bei einer Alkoholsucht.

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Die Entzugssymptome reichen von Schlafstörungen über Angstzustände und Panikattacken, depressive Verstimmungen, Zittern, Kopfund Muskelschmerzen bis hin zu Krampfanfällen und psychotischen Schüben. Diese Symptome lassen sich aber bei einer schrittweisen, über Monate verteilten Dosisreduktion weitgehend vermeiden.

Benzodiazepinähnliche Substanzen Neuerdings gibt es als Alternative zu den Benzodiazepinen die Wirkstoffgruppen der Zyklopyrrolone, Imidazopyrinide und Pyrazolopyrimidine, die unter Handelsnamen wie Stilnox®, Sonata® und Imovane® erhältlich sind. Diese Substanzen wirken ähnlich, haben aber eine kürzere Wirkungsdauer und vermutlich ein geringeres Abhängigkeitspotenzial als Benzodiazepine. Gesicherte Aussagen kann man zur Zeit aber mangels Langzeiterfahrungen nicht machen.

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Stimulanzien / Weckamine – die Muntermacher Die ersten synthetischen Stimulanzien waren Amphetamine. Das erste Amphetamin war als Asthmamittel gedacht, weil Amphetamin die Atemwege erweitert. Im Zweiten Weltkrieg «dopten» Deutschland, die USA und England ihre Soldaten mit Amphetaminen. In Japan versorgte die Regierung auch die Zivilbevölkerung mit Amphetaminen. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Amphetaminen und amphetaminähnlichen Stimulanzien. Klinisch kommen Stimulanzien und Weckamine heute noch als Appetitzügler (zum Beispiel Dexamin ®), bei der Behandlung von Narkolepsie (zum Beispiel Modasomil®) und Hyperaktivität von Kindern (zum Beispiel Ritalin®) zum Einsatz. Bis in die Achtzigerjahre waren amphetaminähnliche Abmagerungspillen sehr verbreitet. Diese Mittel waren oft rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Wegen massiver Missbräuche in der Drogenszene und Häufungen von Abhängigkeiten sind diese Mittel heute streng kontrolliert und tauchen nur noch selten im Zusammenhang mit Medikamentenmissbrauch auf. Allerdings tauchen Medikamente gegen Hyperaktivität wie Ritalin® in den letzten Jahren vermehrt auf dem Schwarzmarkt auf, weil sie bei gezielter Überdosierung ähnlich wirken wie die gängigen Partydrogen. ■ WIRKUNG Gesteigerte geistige und körperliche Leistungsfähigkeit, Stimmungsaufhellung, Appetithemmung. ■ NEBENWIRKUNGEN Erregung, Aggressivität, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, nervöse Ticks. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Hohes Suchtpotenzial. Bei dauerhaftem Konsum, besonders in hohen Dosierungen, drohen Persönlichkeitsveränderungen bis hin zur paranoiden Psychose. Die Entzugserscheinungen sind Gereiztheit, Niedergeschlagenheit, Müdigkeit und Depressionen.

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Opioide, Schmerz-, Husten- und Schlafmittel – die Ersatzdrogen Zahllose hochwirksame Schmerz-, Migräne- und Hustenmittel enthalten Wirkstoffe aus der Gruppe der Opioide (siehe auch Seite 67). Vor allem Kodein- und Dihydrokodeinpräparate werden oft missbräuchlich verwendet. Das Problem ist, dass sie in verschiedenen Anwendungsgebieten zum Einsatz kommen und die Patienten oft nicht wissen, dass sie ein Kodeinpräparat nehmen. Manche davon sind in der Schweiz sogar rezeptfrei erhältlich. Die meisten opioiden Medikamente wirken spezifischer und weniger berauschend als Morphin oder Heroin. Dennoch sind sie bei Heroinabhängigen wegen der einfachen Beschaffung als Ersatzdroge sehr verbreitet. Ausserdem verstärkt Kodein die Wirkung von anderen Rauschmitteln wie Benzodiazepinen, Alkohol oder Opiaten. Insbesondere das Schlafmittel Toquilone® findet in der Schweizer Drogenszene in den letzten Jahren zunehmend Verbreitung. Die Heroinabhängigen rauchen, schlucken oder spritzen die Tabletten. Seit 1990 hat sich die Zahl der Toquilone-Vergiftungen nahezu verdreifacht. ■ WIRKUNG Husten- und schmerzstillend. Bei hoher Dosierung wirkt Kodein angstlösend, stark beruhigend, bis hin zu euphorischen Rauschzuständen. ■ NEBENWIRKUNGEN Verstopfungen, Abflachen der Atemzüge, Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel, Depressionen, Verwirrtheit, Übelkeit, Juckreiz. ■ RISIKEN / SUCHTPOTENZIAL Bei Überdosierung oder Kombination mit Alkohol und anderen Rauschmitteln besteht das Risiko einer Atemlähmung. Alle genannten Medikamente haben ein grosses Suchtpotenzial. Die Entzugssymptome reichen von depressiven Verstimmungen, Schmerzüberempfindlichkeit, Angst und Unruhe, Aggressivität, Zittern, Muskelund Bauchkrämpfen, Erbrechen und Durchfall.

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6. Sucht ohne Stoff Spielsucht, Essstörungen, Arbeitssucht: Um sich süchtig zu verhalten, braucht es nicht unbedingt eine Droge. So genannte stoffungebundene Abhängigkeiten können das Leben von Betroffenen und ihren Angehörigen genau so sehr dominieren wie die Sucht nach einer bestimmten Substanz.

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Die Sucht nach einem Verhalten Alkohol-, Drogen- und Medikamentensucht sind heute allgemein als Krankheiten anerkannt. Sie sind geprägt von einem Stoff, nach dem der Abhängige süchtig ist und der ihn körperlich und geistig beeinträchtigt. Anders sieht es aus, wenn kein Stoff im Spiel ist. Beispiele für süchtiges Verhalten ohne Substanzabhängigkeit sind Glücksspielsucht, Kaufsucht, Essstörungen wie Ess- / Brech- und Magersucht sowie die neueren Phänomene von Computerspiel- und Internetsucht. Aber auch Sex, Arbeiten, Fernsehen und andere alltägliche Tätigkeiten können in ein süchtiges Verhalten eskalieren. In solchen Fällen spricht man von einer «stoffungebundenen Abhängigkeit». Ob das süchtige Verhalten im Einzelfall medizinisch wirklich als Suchtkrankheit definiert werden kann, ist unter Fachleuten umstritten. Für die Betroffenen selbst spielt die begriffliche Einordnung indes eine untergeordnete Rolle. Die Sucht nach einem Verhalten hat dieselben Merkmale wie die Sucht nach einer Droge: Die Betroffenen können an nichts anderes mehr denken, die Sucht bestimmt ihren Alltag, das soziale Umfeld und die Gesundheit leiden. Und auch die Auswirkungen auf die Angehörigen unterscheiden sich kaum von denen einer stoffgebundenen Sucht. Bedingung für eine erfolgreiche Behandlung ist in jedem Fall die Einsicht der betroffenen Person, dass ihr Suchtverhalten krankhaft ist und therapeutischer Hilfe bedarf. Und genau da liegt oft das Problem: Wer an einer stoffungebundenen Abhängigkeit leidet, begibt sich oft wegen körperlicher Symptome in Behandlung. Dass die Ursache der Symptome in einem süchtigen Verhalten liegt, wollen viele Betroffene nicht einsehen. Selbst bei einer Essstörung, die bedrohliche Formen angenommen hat, weigern sich die Betroffenen oft noch, ihre Essgewohnheiten zu normalisieren. Ein Arbeitssüchtiger wird von seinem Umfeld oft noch in seinem Verhalten bestärkt. Und manchmal hindern wirtschaftliche Zwänge die Betroffenen daran, ihren Arbeitseifer zu zügeln.

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Leidenschaft oder Sucht? Wenn sich jemand in die Arbeit flüchtet und seine Kicks nur noch aus dem Job beziehen kann, redet man von einem Workaholic. Sitzt jemand Tag und Nacht vor dem Computer, chattet nur noch mit Leuten, die er nicht sieht, und vergisst die reale Welt um sich herum, wird gern von Internetsucht gesprochen. Fakt ist, dass sich mancher Internetfreak und PC-Gamer selbst als «süchtig» bezeichnet. Fakt ist aber auch, dass man als Laie das Urteil «süchtig» oft allzu schnell fällt. Es gibt auch Fachleute, die bestreiten, dass es so etwas wie eine Internetsucht überhaupt gibt. Tatsächlich kann wohl jede Art von Aktivität und Konsum bedenkliche Ausmasse annehmen. Dabei ist die Grenze zwischen grosser Leidenschaft und süchtigem Verhalten meist nicht einfach zu ziehen. Zu berücksichtigen gilt es, dass Neues gerade junge Menschen stark faszinieren und in seinen Bann ziehen kann. Und dass man sich in einem gewissen Alter lieber im «Deathmatch» mit Kollegen misst als mit den Eltern zu diskutieren, ist völlig normal. Kritisch wird es immer dann, wenn man eine Aktivität betreibt, um Konflikten aus dem Weg zu gehen oder unangenehme Gefühle zu verdrängen, wenn die Aktivität zwanghaft wird und zur sozialen Isolation führt.

Spielsucht – Spielen bis zur Verzweiflung Eine Glücksspielsucht kann den Betroffenen, und mit ihm seine Familie, finanziell ruinieren. Fachleute gehen davon aus, dass die Zahl der Spielsüchtigen mit der Zahl der Kasinos zunehmen wird, die aufgrund des neuen Spielbankengesetzes in der ganzen Schweiz ihre Tore eröffnen. Suchtfachleute schätzen, dass etwa 2 Prozent der Kasinobesucher süchtig werden, und fordern Massnahmen zur Früherkennung und Betreuung von Problemfällen. Gemäss Artikel 35 der eidgenössischen Spielbankenverordnung sind die Kasinos verpflichtet, Massnahmen gegen die Spielsucht zu treffen. Resultat dieser Verpflichtung ist das Kompetenzzentrum für Spielsuchtprävention «careplay», das der Höheren Fachschule für Soziale Arbeit (HSA) Luzern angegliedert ist und von sechs Grand Kasinos der Schweiz unterstützt wird. Neben der Tätigkeit als Anlauf- und Vermittlungsstelle ist «careplay» aber auch um die Vernetzung von öffentlichen und privaten Institutionen sowie die Information der Öffentlichkeit bemüht.

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Der typische Spielsüchtige verkehrt allerdings weniger im Grand Kasino als in Restaurants und Spielsalons, und verspielt sein Geld an Spielautomaten. Die Phasen der Spielsucht • Die einleitende Phase der Spielsucht ist von positiven Erlebnissen geprägt. Man gewinnt vielleicht grössere Geldbeträge. So wird das Spiel mit positiven Gefühlen gekoppelt. Man wird vom Erstspieler zum Unterhaltungsspieler. • In der kritischen Phase wird aus der Unterhaltung Missbrauch: Man spielt mit geliehenem Geld, verliert weiter, spielt wieder … Unter Umständen verheimlicht man Darlehen, geht Nicht-Spielern aus dem Weg, glaubt aber noch daran, die Schuldensituation wieder in den Griff zu bekommen. • In der chronischen Phase schliesslich ist das Spiel zum bestimmenden Lebensinhalt, der Betroffene zum Missbrauchs- und letzten Endes zum Verzweiflungsspieler geworden.

Spielsüchtige können sich an jede Suchtberatungsstelle wenden. Dort erfahren sie auch die Adressen von Selbsthilfegruppen. Selbsttests und weiterführende Informationen gibt es im Internet. Nützliche Links • Berner Gesundheit: www.glueck-im-unglueck.ch • Careplay: www.careplay.ch • Anonyme Spieler: www.anonyme-spieler.org

Essstörungen – Nahrung als Zwang Auch Essstörungen tragen Merkmale einer Sucht: Man handelt zwanghaft, verheimlicht und schädigt sich selbst. Verbreitete Essstörungen sind die Ess- / Brechsucht (Bulimie) und die Magersucht (Anorexie). Der Übergang vom gestörten Essverhalten zur Essstörung ist fliessend. Von einer Essstörung im engeren Sinn spricht man dann, wenn die übermässige Beschäftigung mit der Nahrung und dem eigenen Körper dazu führt, dass die emotionale, die soziale und die körperliche Integrität verletzt werden. Essstörungen sind zudem dadurch gekennzeich-

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net, dass das Essen den Betroffenen nicht mehr dem Stillen von Hunger dient, sondern zum Ersatz für fehlende Gefühle wird. Frauen erkranken häufiger an Essstörungen als Männer. In den letzten Jahren sind Essstörungen aber auch bei Männern ein Thema geworden. Vor allem Bulimie tritt unter Männern immer häufiger auf. Hungern bis zum Tod Magersüchtige essen wenig bis gar nichts. Sie hungern, um immer dünner zu werden, selbst dann, wenn sie bereits vollkommen abgemagert sind. Die Folge sind körperliche Schädigungen und im schlimmsten Fall der Tod. Laut Angaben des Netzwerks Essstörungen Schweiz (siehe folgende Seite) erkrankt in der westlichen Welt rund ein Prozent aller Frauen zwischen 15 und 35 Jahren an Magersucht. Gemäss Zahlen des Inselspitals Bern sterben 5 bis 10 Prozent der Betroffenen an ihrer Krankheit. An Magersucht erkranken mehrheitlich junge Frauen in der Pubertät. Sie sind zehnmal häufiger betroffen als junge Männer. Eine wichtige Rolle spielt dabei offenkundig die Orientierung an perfekt «gebauten» Vorbildern. Am Anfang einer Magersucht stehen oft eine Diät und das Streben nach einem bestimmten Schönheitsideal. Dahinter liegen aber meistens massive familiäre, soziale oder psychische Probleme. Heimliche Fressanfälle Häufiger als die Magersucht ist die Ess-/ Brechsucht. An Bulimie leiden in Europa und Nordamerika 2 bis 4 Prozent der 15- bis 35-jährigen Frauen und 0,5 Prozent der Männer. Die Bulimie äussert sich in Heisshungerattacken mit regelrechten Fressanfällen und anschliessendem, selbst herbeigeführtem Erbrechen, manchmal auch im exzessiven Gebrauch von Abführmitteln. Eine Bulimie kann selbst nahen Angehörigen lange verborgen bleiben, weil die Betroffenen durchaus normalgewichtig sein können. Sie führen ein Doppelleben und verheimlichen ihre Störung. Das Geheimnis fliegt oft erst auf, wenn psychische und physische Folgeschäden auftreten. Zu den unspezifischen Essstörungen gehören Übergewicht (Adipositas), das für immer mehr Betroffene die Ursache von schweren seelischen Problemen ist, und Binge Eating Disorder. So nennt man das

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Auftreten von Essanfällen, auf die weder Erbrechen noch die Einnahme von Abführmitteln folgen. Nützlicher Link Weitere Informationen zum Thema Essstörungen, Tests zur Selbstbeurteilung sowie Adressen von Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und Therapieeinrichtungen gibt es auf der Homepage des Netzwerks Essstörungen Schweiz: www.netzwerk-essstoerungen.ch

Muskeldysmorphie – die Sucht der Bodybuilder Unter Bodybuildern beobachtet man seit einiger Zeit das Krankheitsbild der Muskeldysmorphie (Muskelsucht). Angespornt vom Streben nach dem perfekt gestählten Body mit definierten Muskeln und makellosem Waschbrettbauch, verbringen die Betroffenen jede freie Minute im Fitnessstudio. Etwa 1 Prozent der Besucher von Fitnessstudios soll an Muskeldysmorphie leiden, schätzt die Innsbrucker Psychologin Barbara Mangweth. Nicht selten geht das endlose Training mit dem Gebrauch von legal erhältlichen und/oder (illegal beschafften) anabolen Steroiden einher. Manchmal leiden die Betroffenen auch an psychischen Symptomen wie Depressionen oder Panikattacken. Muskelsüchtige haben wie Magersüchtige eine gestörte Körperwahrnehmung: Selbst wenn ihr Körper vor Muskeln nur so strotzt, nehmen sie sich selbst noch als schmächtig wahr. Das kann so weit gehen, dass sich die austrainiertesten Bodybuilder schämen, sich in der Badehose zu zeigen. Die Autoren einer britischen Studie sehen kulturelle Veränderungen wie die zunehmende Orientierung an Schönheitsidealen als Ursache für die Störung. Das Phänomen, das immer mehr Männer in die Muskel- und Magersucht treibt, hat bereits einen Namen: «Adonis-Komplex».

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7. Drogen und Recht Mit dem neuen Bet채ubungsmittelgesetz soll das Recht an die gesellschaftliche Realit채t angepasst werden. Die Repression wird aber Bestandteil der Drogenpolitik bleiben. Wie verhalten Sie sich am besten im Umgang mit der Polizei? Welches sind Ihre Rechte im Strassenverkehr und am Arbeitsplatz?

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Konsum: Das Gesetz kennt kein Pardon «Die unmittelbaren Ziele der Repression im Drogenbereich sind die Angebotsverknappung, das Bekämpfen des illegalen Betäubungsmittelhandels und der damit verbundenen ungesetzlichen Finanztransaktionen sowie das Bekämpfen der organisierten Kriminalität. Deswegen stehen bereits seit Jahren nicht mehr die Konsumierenden im Zentrum der polizeilichen Ermittlungstätigkeit im Drogenbereich, sondern die Drogenproduzenten, -transporteure und -dealer.» So steht es in der Broschüre «Die Schweizer Drogenpolitik» des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Die Realität sieht freilich anders aus. In Tat und Wahrheit hat sich die Zahl der Verzeigungen wegen Konsums von Betäubungsmitteln seit 1991 mehr als verdoppelt. Von den 49 201 Verzeigungen wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, die im Jahre 2002 registriert wurden, betrafen 39 603 reine Konsumenten. Der Anteil verzeigter Drogenhändler betrug mit 3447 nicht einmal ein Zehntel. Noch bescheidener nimmt sich die Zahl der verzeigten Schmuggler aus: Gerade mal 248 Personen gingen den Behörden ins Netz. Die allermeisten Verzeigungen betreffen den Konsum von Cannabisprodukten. Mit rund 36 000 Fällen machen sie rund drei Viertel aller Verzeigungen wegen Betäubungsmitteldelikten aus. Rund die Hälfte der verzeigten Cannabiskonsumenten ist zwischen 18 und 24 Jahre alt. 83 Prozent der im Jahr 2002 wegen Betäubungsmitteldelikten verzeigten Personen waren Männer.

Unterschiedlich strenge Kantone Der Vollzug des Betäubungsmittelgesetzes liegt in erster Linie in der Verantwortung der Kantone. Das bringt es mit sich, dass das gleiche Recht in ein und demselben Land recht unterschiedlich gehandhabt wird. Mitunter trennt die Grenze zwischen zwei Nachbarkantonen einen besonders liberalen von einem besonders restriktiven Umgang mit Handel und – vor allem – Konsum illegaler Substanzen. Traditionellerweise als besonders repressionsfreudig gelten die Westschweizer Kantone und der Aargau. Dass in absoluten Zahlen am meisten Personen in

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Zürich verzeigt werden, vermag kaum zu überraschen, wenn man bedenkt, dass sich in der Metropole viele Leute mit Stoff eindecken. Schon eher erstaunt, dass der Kanton Waadt an zweiter Stelle liegt. Dort werden mehr als dreimal so viele Konsumenten verzeigt wie in BaselStadt und Baselland zusammen.

Entkriminalisierung gefordert Die jüngste der vier Säulen, auf welchen die schweizerische Drogenpolitik fusst, ist die so genannte Schadensminderung (neben Prävention, Therapie und Repression). In ihrem Rahmen wurden niederschwellige Überlebenshilfe (Gassenarbeit, Gassenzimmer etc.) und Substitutionsprogramme (Methadon-/ Heroinabgabe) eingeführt. Die Schadensverminderung wurde Bestandteil der offiziellen Drogenpolitik, nachdem sich die Erkenntnis durchgesetzt hatte, dass mit Repression allein dem Drogenproblem nicht beizukommen ist. Mit der Verankerung der Schadensverminderung als Säule der offiziellen Drogenpolitik verabschiedete sich die Schweiz von der rein abstinenzorientierten Drogenpolitik. (Wobei sich die Abstinenzorientiertheit natürlich ohnehin immer nur auf die illegalen Drogen bezogen hatte.)

Realität: Jeder Kontakt mit illegalen Drogen ist strafbar Suchtfachleute fordern deshalb seit langem, dass diese Entwicklung auf rechtlicher Ebene berücksichtigt und der Drogenkonsum entkriminalisiert wird. Vorläufig bleibt aber jeder Kontakt mit illegalen Rauschmitteln verboten. Strafbar nach Artikel 19, Ziffer 1 des Betäubungsmittelgesetzes (BetmG) macht sich, «wer unbefugt Betäubungsmittel herstellt, auszieht, umwandelt oder verarbeitet, wer sie unbefugt lagert, versendet, befördert, einführt, ausführt oder durchführt, wer sie unbefugt anbietet, verteilt, verkauft, vermittelt, verschafft, verordnet, in Verkehr bringt oder abgibt, wer sie unbefugt besitzt, aufbewahrt, kauft oder sonstwie erlangt, wer hiezu Anstalten trifft, wer den unerlaubten Verkehr mit Betäubungsmitteln finanziert oder seine Finanzierung vermittelt, wer öffentlich zum Betäubungsmittelkonsum auffordert oder

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öffentlich Gelegenheit zum Erwerb oder Konsum von Betäubungsmitteln bekanntgibt.» Die Sanktionen Wer die Tat vorsätzlich begeht, wird mit Busse oder Gefängnis bestraft. In schweren Fällen lautet die Strafe Zuchthaus oder Gefängnis zwischen 1 und 20 Jahren; dazu kann eine Busse von bis zu 1 Million Franken kommen. Mit Haft oder Busse wird nach geltendem Recht (BetmG 19a, Ziffer 1) aber auch bestraft, wer unbefugt Betäubungsmittel konsumiert oder eine Vorbereitungshandlung dazu trifft. In leichten Fällen kann das Verfahren eingestellt oder von einer Strafe abgesehen werden. Die Strafbarkeit des Konsums ist nach Ansicht vieler Suchtfachleute die Hauptursache für das durch Drogenabhängigkeit verursachte Elend. Ob sich die verbreitete Forderung nach der grundsätzlichen Strafbefreiung des Drogenkonsums in der Revision des Betäubungsmittelgesetzes (siehe Seite 153) durchsetzen lässt, ist aber unklar.

Befragungen durch die Polizei Grosse Fische gehen den Behörden vergleichsweise selten ins Netz.Weitaus häufiger kommt es vor, dass sich auf frischer Tat ertappte Konsumenten im Verhör selbst belasten. Ein Grund dafür ist, dass viele Betroffene ihre Rechte nicht kennen. Wenn man sich mit einer Aussage selbst belasten würde, hat man das Recht zu schweigen. Ein weiterer Grund ist der Druck, den die Behörden während der Vernehmung ausüben («Am besten machst du gleich reinen Tisch», «Wenn du nicht auspackst, behalten wir dich ein Weilchen hier»). Grundsätzlich hält man sich beim Verhör mit Vorteil an die Devise «Schweigen ist Gold».

Antwort verweigern erlaubt Wenn man beim Betäubungsmittelkonsum erwischt worden ist oder bei einer Personenkontrolle illegale Drogen auf sich getragen hat, erstellt die Polizei in der Regel ein Protokoll. Das kann an Ort und Stelle oder auf dem Polizeiposten geschehen. Die einzige Frage, die man

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zwingend beantworten muss, ist die nach den Personalien (Name, Vorname, Adresse, Geburtsdatum). Auf alle anderen Fragen darf man die Antwort verweigern («Diese Frage möchte ich nicht beantworten», «Dazu habe ich nichts zu sagen»). Das tönt einfach, ist es aber nicht unbedingt. Denn die befragenden Polizisten sind darin geschult, möglichst viel aus den Beschuldigten herauszukitzeln. Die Befragungssituation wird von den meisten Leuten als unangenehm empfunden. Die Aussicht auf ein rasches Ende des Ärgers lässt viele schwach werden, vor allem wenn es sich um die erste Konfrontation mit dem Arm des Gesetzes handelt. Bei einem Junkie kommt noch die Angst dazu, in einer Zelle übernachten zu müssen und einen Entzug zu erleben.

Die heiklen Fragen • «Wurden Sie schon einmal wegen Betäubungsmitteln verzeigt?» Wer hier Ja sagt, outet sich als Wiederholungstäter. Für die Behörden geradezu eine Aufforderung, die Busse ein bisschen höher ausfallen zu lassen. • «Leben Sie in Haushaltgemeinschaft mit Kindern?» Hinter dieser Frage verbirgt sich die Sorge, ob Eltern noch fähig sind, sich um ihre Kinder zu kümmern. Achtung: Je nach Region kann ein Ja auf diese Frage sogar kiffende Eltern in Schwierigkeiten bringen. • «Seit wann konsumieren Sie Betäubungsmittel? Welche Mengen und zu welchem Preis?» Die Preisfrage wird gestellt, um belegen zu können, dass der Konsument Betäubungsmittel gekauft und damit besessen hat. Erwerb und Besitz werden härter bestraft als der blosse Konsum. Je mehr man zugibt, desto höher kann die Busse ausfallen. Achtung: Die in den letzten beiden Jahren konsumierten Mengen können zusammengerechnet werden. Bei Besitz zählen sogar die letzten zehn Jahre. So wird auch aus einem kleinen Fisch ein schwerer Fall. • «Sind Ihnen Ihre Lieferanten bekannt?» Wer hier mit Ja antwortet, kann darauf wetten, dass die Polizei diese kennen lernen möchte. Die Folge ist mit aller Wahrscheinlichkeit eine Einvernahme.

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Protokoll: Zuerst lesen, dann unterschreiben Auf dem Protokoll wird die Art und die Menge der sichergestellten Betäubungsmittel festgehalten. Es empfiehlt sich, die Daten genau zu kontrollieren. Ist das Protokoll erst einmal unterschrieben, gilt es als Aussage. Wer zugibt, unter Drogeneinfluss ein Fahrzeug gelenkt zu haben, muss mit dem Entzug des Führerausweises rechnen. Das gilt auch für Kiffer (siehe Seite 150)! Im übrigen ist man gut beraten, während der Befragung höflich und möglichst gelassen zu bleiben, selbst wenn man sich ungerecht behandelt fühlt. Denn nach wie vor gilt: Sowohl Konsum als auch Handel von Drogen wie Cannabis, Kokain oder Heroin sind illegal und werden von Gesetzes wegen bestraft. Achtung: Wer Drogen auf sich trägt, kann immer mal in eine Razzia geraten. Das Dümmste, was man in diesem Fall machen kann, ist, die Drogenration zu schlucken! Je nach Substanz kann das zu lebensgefährlichen Überdosierungen führen. Also: Lieber auf den Boden oder in eine Ecke werfen.

Drogentests am Arbeitsplatz In den letzten Jahren haben immer mehr Arbeitgeber damit begonnen, von ihren Angestellten, insbesondere von Lehrlingen, Drogentests zu verlangen. Das ist in mehrfacher Hinsicht problematisch, denn: • Drogentests haben rein repressiven Charakter. Eine Hilfe sind sie nicht. • Die Kontrolle stellt einen Eingriff in die Persönlichkeit der Betroffenen dar und ist nur unter ganz bestimmten Bedingungen (siehe nächster Abschnitt) erlaubt. • Die Drogentests sind sehr unzuverlässig: Schon die Berührung gewisser Substanzen mit den Händen kann einen positiven Urintest verursachen. Auch können manche Medikamente (zum Beispiel Hustenmittel) zu positiven Testergebnissen führen.

Die Datenschutz-Richtlinien Die Praxis verbreitete sich trotz aller Bedenken so schnell, dass sich der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte (EDSB) dazu veranlasst fühlte,

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verbindliche Richtlinien zu erarbeiten. Um einen generellen Drogentest in der Lehre durchführen zu dürfen, müssen insbesondere zwei Bedingungen erfüllt sein: • Überwiegendes Sicherheitsrisiko: Wenn ein reelles Risiko für die Gefährdung anderer Angestellter oder Aussenstehender besteht, hat der Arbeitgeber das Recht, präventive Drogentests anzuordnen. Beispiele für solche Situationen sind der Zug- oder Luftverkehr. Diese Tests müssen vertraglich festgelegt sein und dürfen nur stichprobenweise erfolgen. • Einwilligung des Lehrlings: Die Einwilligung muss für jeden Test einzeln und schriftlich erfolgen. Eine generelle Einwilligung im Lehrvertrag reicht nicht. Zudem muss der Lehrling über den Zweck und die möglichen Folgen aufgeklärt sein. Niemand kann dazu gezwungen werden, den Test durchzuführen. Eine Weigerung hat aber die vertraglich vereinbarten Folgen. Weiter schreibt der Datenschutzbeauftragte: «Der Arbeitgeber kann sich nicht auf seine Pflicht berufen, die Gesundheit seiner Angestellten schützen zu müssen. Diese Bestimmung bezieht sich einzig auf das Arbeitsumfeld, nicht auf das Verhalten der Angestellten. Auch die Obhutspflicht des Arbeitgebers gegenüber seinen Lehrlingen rechtfertigt einen Drogentest nicht.» Weiter führende Informationen Der Bericht über Drogentests in der Lehre kann auf der Website des EDSB abgerufen werden: www.edsb.ch Für weitere Informationen: Eidgenössischer Datenschutzbeauftragter, Feldeggweg 1, 3003 Bern, Tel. 031 322 43 59, Fax 031 325 99 96, E-Mail: info@edsb.ch

Kündigung wegen Heroinkonsums? Der Konsum von Drogen stellt nicht in jedem Fall einen Grund für eine fristlose Kündigung dar. Für einiges Aufsehen sorgte der Fall eines leitenden Informatikers, der zugegeben hatte, einmal wöchentlich Heroin zu konsumieren. Der Arbeitgeber kündigte ihm fristlos ohne vorherige

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Verwarnung. Das Bundesgericht bestätigte ein Urteil des Zürcher Obergerichts, das die fristlose Entlassung als ungerechtfertigt wertete. Zwar könne, so das Bundesgericht, eine Straftat durchaus ein Grund für die fristlose Entlassung sein. Allerdings komme es dabei massgebend auf die Umstände und die Schwere der Tat an. Solange wie im beurteilten Fall die Arbeitsleistung stimmt und das Arbeitsklima im Betrieb sowie das Ansehen des Arbeitgebers nicht leiden, liegt gemäss Bundesgericht kein Grund für eine fristlose Kündigung ohne vorherige Abmahnung vor. Das gilt übrigens selbst dann, wenn der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz Drogen konsumiert.

Kiffen und Strassenverkehr Es ist unbestritten: Der Konsum von Cannabis kann sich auf die Fahrfähigkeit von Lenkerinnen und Lenkern auswirken. Doch es existiert bis jetzt kein Grenzwert wie beim Alkohol für die Frage, wann ein bekiffter Motorfahrzeuglenker unwiderlegbar fahrunfähig ist und seinen Ausweis abgeben muss. Zudem war das Verfahren zur Feststellung, ob jemand wegen Drogen nicht mehr in der Lage ist, sein Fahrzeug ordnungsgemäss zu führen, bis anhin Sache der Kantone. Bis eine die Details regelnde Verordnung zum revidierten Strassenverkehrsgesetz (siehe Kasten) ausgearbeitet ist und in Kraft tritt, wird noch einige Zeit verstreichen. Bis dann kommen weiterhin die

Null-Grenzwert auf der Strasse? Im revidierten Strassenverkehrsgesetz (SVG), das am 1. Januar 2004 in Kraft tritt, ist eine einheitliche Grundlage für Untersuchungen im Zusammenhang mit Drogenkonsum geschaffen worden. Damit können nun die zuständigen Beamten aller Kantone bei Anzeichen von Fahrunfähigkeit Urin- und Speichelproben oder ähnliche Massnahmen vornehmen. Darüber hinaus ist der Bundesrat ermächtigt worden, für den Drogenkonsum – analog zum Alkoholkonsum – verbindliche Grenzwerte festzulegen. Nach dem heutigen Stand hat der Bundesrat vor, zumindest den Konsum von einzelnen Kategorien von Drogen im Strassenverkehr vollständig zu verbieten.

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heute geltenden Empfehlungen des eidgenössischen Justizdepartements (EJPD) zur Anwendung. Danach müssen die zuständigen Behörden – also in der Regel die Polizei – den Konsum von Drogen abklären, wenn eine Person nicht mehr fähig scheint, ein Fahrzeug zu lenken, die Alkoholkontrolle aber negativ ausgefallen ist. Gleichzeitig dürfen sie dem Lenker vor Ort für eine bestimmte Zeit den Ausweis abnehmen. Für die Abklärung des Drogenkonsums genügt eine Befragung alleine nicht, denn das Bundesgericht hat festgehalten, dass nicht leichtfertig auf grundsätzliche Fahrunfähigkeit geschlossen werden darf. Die Beamten müssen weitere Voruntersuchungen wie eine Urin- oder eine Speichelprobe vornehmen und den verdächtigen Fahrer allenfalls von einem Arzt untersuchen lassen. Der Cannabis-Wirkstoff THC muss im Blut nachgewiesen und nachher durch einen Sachverständigen begutachtet werden. Einer Person, die lediglich ab und zu einen Joint dreht, darf der Fahrausweis nicht für unbestimmte Zeit entzogen werden (Sicherungsentzug). Vielmehr muss eine erhebliche Gefahr bestehen, dass sich jemand im akuten Rauschzustand ans Steuer eines Motorfahrzeugs setzen wird. Ob eine solche Gefahr besteht, muss durch ein gerichtsmedizinisches Gutachten eruiert werden. Nur in Fällen «offensichtlicher, schwerer Drogensucht» darf nach Ansicht des Bundesgerichts auf eine Begutachtung verzichtet werden.

Die Nachweiszeiten von Drogen Wie lange Drogen im Körper nachweisbar sind, hängt immer von der Substanz, der konsumierten Menge und der Urinkonzentration ab. Nachfolgend die Nachweiszeiten einiger gängiger Drogen. • Amphetamine (auch Ecstasy etc.) im Urin: 1 bis 3 Tage (stark abhängig vom pH-Wert des Urins) im Blut /Serum: 6 Stunden • Barbiturate im Urin: 24 Stunden (kurz wirksame, z. B. Secobarbital); bis zu 3 Wochen (lang wirksame, z. B. Phenobarbital) im Blut /Serum: einige Stunden bis Tage

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• Benzodiazepine im Urin: 3 Tage (bei therapeutischer Dosierung); 4 bis 6 Wochen (nach Langzeiteinnahme) im Blut /Serum: einige Stunden bis Tage • Cannabinoide im Urin: 24 bis 36 Stunden (einmaliger Joint); 5 bis 20 Tage (mässiger Konsum); Wochen bis Monate (chronischer Konsum) im Blut /Serum: THC bis 12 Stunden, THC-Carbonsäure einige Tage • Kokain im Urin: 7 Tage im Blut /Serum: 6 Stunden • Opiate im Urin: 2 bis 7 Tage im Blut /Serum: mehrere Stunden (stark dosisabhängig) • Methadon im Urin: 3 Tage im Blut /Serum: je nach Person unterschiedlich Quelle: drogenscreening.info

Achtung: Diese Angaben sind Richtwerte und können stark variieren. Es wurde auch schon ein 10 Tage zurückliegender Kokainkonsum nachgewiesen. Tipp: Reichlich Trinken und Sport können die Nachweiszeit von Drogen im Körper reduzieren. Abzuraten ist vom Gebrauch entwässernder Medikamente; sie können unter Umständen schädigend wirken.

Unzuverlässige Drogentests Drogentests sind nicht besonders verlässlich. Die Vielzahl der im Handel erhältlichen Tests sowie mangelnde Fachkenntnisse der Anwender führen oft zu falschen Resultaten. Dazu kommt, dass mitunter schon der Verzehr bestimmter Nahrungsmittel zu einem positiven Drogentest führen kann. Beispiele dafür sind Mohnkuchen und legale Cannabisprodukte wie Hanfriegel, -müesli und -öl.

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Haartests: präzis, aber kompliziert Mit Haaranalysen kann Drogengebrauch noch Monate nach dem letzten Konsum nachgewiesen werden. Dazu wird ein Büschel Haare abgeschnitten und in einer Flüssigkeit aufgelöst. Das Ganze wird dann im Gaschromatografen/ Massenspektrometer analysiert. Haartests sind sehr verlässlich, können im Gegensatz zu Urintests aber nur von Experten interpretiert werden. Sie sind deshalb nicht sehr verbreitet.

Das neue Betäubungsmittelgesetz Die Vier-Säulen-Drogenpolitik (Prävention, Therapie, Schadensminderung, Repression) hat massgeblich zur Linderung der Probleme der Drogenabhängigen beigetragen: Seit Mitte der Neunzigerjahre ist die Zahl der Drogentoten deutlich zurückgegangen. Schwerstsüchtige profitieren von methadon- und heroingestützten Behandlungen und Betreuungsangeboten (siehe Seite 190). Die offenen Drogenszenen mit ihren teils menschenunwürdig anmutenden Verhältnissen sind verschwunden. Das Drogenproblem wird heute deutlich weniger emotionsgeladen diskutiert als vor zehn Jahren. Auch international hat die vom Stimmvolk mehrfach gutgeheissene Vier-Säulen-Politik der Schweiz Beachtung und Anerkennung eingetragen. Seit 1999 erhalten in der Schweiz im Rahmen von wissenschaftlich begleiteten Programmen Schwerstsüchtige ihr Heroin vom Staat. Aktuell befinden sich rund 1100 Schwerstsüchtige in einem Heroinprogramm. Die Kosten für eine Substitutionstherapie mit Heroin betragen 18 000 Franken pro Patient und Jahr. Zum Vergleich: Ein Süchtiger, der 100 Franken pro Tag für Stoff ausgibt, braucht mehr als doppelt so viel Geld. Nachdem die Heroinabgabe anfänglich international heftig kritisiert wurde, interessieren sich mittlerweile auch andere Länder für das Schweizer Modell.

Die laufende Revision Das geltende Betäubungsmittelgesetz (BetmG) der Schweiz datiert aus dem Jahre 1951 und wurde letztmals 1975 revidiert. Mit der gegenwär-

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tig laufenden Revision sollen alle vier Säulen der Drogenpolitik, inklusive der heroingestützten Behandlung, im Gesetz verankert werden. Das Gesetz soll an die Realität angepasst und die vorrangigen Ziele im Umgang mit der Suchtproblematik darin festgeschrieben werden. Vorrangige Ziele sind gemäss der Botschaft des Bundesrates die Entkriminalisierung des Cannabiskonsums die Verstärkung des Jugendschutzes die gezielte Verstärkung der Repression in ausgewählten Bereichen praktikable Regelungen für Produktion von und Handel mit Cannabis die Vereinheitlichung des Vollzugs. Drogenfachleute fordern seit langem eine Strafbefreiung jeglichen Drogenkonsums, auch wenn es sich dabei um harte Drogen handelt. Ausdrücklich strafbefreit werden soll im neuen Betäubungsmittelgesetz aber nur der Cannabiskonsum. Beim Konsum harter Drogen wie auch beim Kleinhandel zur Finanzierung des Eigenkonsums sollen die Richter die weiterhin vorgesehene Bestrafung nach freiem Ermessen abmildern können. Der Bundesrat will sich die Möglichkeit vorbehalten, die Verfolgungspflicht für Widerhandlungen gegen das Gesetz einzuschränken. Schränkt er die Verfolgungspflicht ein, haben die Kantone von Ermittlungen, Eröffnungen von Strafverfahren und Bestrafungen abzusehen, sofern sich der Konsum im Privaten abspielt und keine Dritten involviert oder gefährdet. Dasselbe Recht will sich der Bundesrat für den Handel mit Cannabisprodukten einräumen.

Umstrittene Liberalisierung Gerade die Strafbefreiung des Konsums und erst recht des Handels ist es aber, die zunehmend unter Beschuss gerät. In vielen Kantonen führte eine vorübergehend lockerere Handhabung des Cannabisverbots zur explosionsartigen Verbreitung von Hanfläden. In manchen Städten florierte das Geschäft mit dem Hanf so sehr, dass die Auswüchse überhand nahmen. Obwohl den Hanfproduzenten und -händlern mittlerweile wieder ein rauerer Wind ins Gesicht bläst und sich die Zahl der Hanffelder und -läden deutlich verringert hat, fordern konservative Geister die Beibehaltung des Cannabisverbots. Auch der Dachverband

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der Lehrerinnen und Lehrer rief dazu auf, die geplante Liberalisierung zu überdenken. Anderen geht die Liberalisierung nicht weit genug. Ein strittiger Punkt ist insbesondere die Altersgrenze von 18 Jahren für den Konsum von Cannabisprodukten. Die meisten Kiffer sind minderjährig, wenn sie ihre ersten Erfahrungen mit Cannabis sammeln. Sie würden bei einer Entkriminalisierung des Konsums zwar vor Strafverfolgung geschützt. Da jedoch der Verkauf von Cannabis an Minderjährige verboten wäre, müssten sie sich den Stoff weiterhin auf der Gasse beschaffen, sprich auf illegalem Weg.

Europaweite Aufmerksamkeit Auch Anbau und Handel von Hanfmengen, die über das Mass für den Eigenkonsum hinausgehen, werden im neuen Betäubungsmittelgesetz verboten bleiben. Trotzdem wird das neue Schweizer Modell in Europa grosse Aufmerksamkeit erregen. Es geht weiter als etwa das holländische System, indem es den Handel und den Anbau miteinbezieht. Eine Absicht des neuen Gesetzes ist es, den Cannabiskonsum aus der Illegalität herauszuführen, damit keine Berührungspunkte mit harten Drogen und der Kriminalität bleiben. So weit geht kein anderes europäisches Land. Das neue Betäubungsmittelgesetz wird mit Sicherheit eine Volksabstimmung provozieren und kaum vor 2005 in Kraft treten.

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8. Internet: Drogendeals und mehr Das Internet ist eine erstklassige Informationsquelle: Fachstellen und Konsumierende liefern Know-how rund um Drogen aller Art. Im Internet tummeln sich aber ebenfalls allerhand zwielichtige Gestalten, darunter auch Dealer.

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Der grosse Online-Markt «US-Ermittler verhaften Internet-Drogendealer», «Internet-Dealer verschickten Ecstasy per Post», «Boom bei Drogenverkäufen im Internet». Solche Schlagzeilen häufen sich seit einiger Zeit. In seinem Jahresbericht 2001 warnte der Suchtstoffkontrollrat der Vereinten Nationen (INCB) vor der Bedrohung junger Menschen durch «Drogendealer im Cyberspace». Drogenhändler bedienten sich neuer Technologien wie dem Internet, um die Lieferung und Verteilung von Suchtstoffen zu optimieren und sich vor Entdeckung zu schützen. Auch die Überweisung und Wäsche von Drogengeldern erfolge zunehmend auf elektronischem Weg. In Tschechien, so das INCB, würden Drogengeschäfte online in Internetcafés abgewickelt. Firmen in den Niederlanden verkauften weltweit über das Internet Hanfsamen. Auch dass gewisse Online-Apotheken über Websites und private Chatrooms rezeptpflichtige Medikamente feilbieten, ist der UNO-Behörde nicht entgangen.

Berauschendes auf Bestellung Auch Schweizer Anbieter von psychoaktiven Substanzen nutzen das Internet, um ihre Ware an die Konsumenten zu bringen. Jahrelang konnte man in der Schweiz sein Duftsäckli ohne weiteres per Mausklick bestellen. Bezahlen konnte man im Voraus, per Nachnahme bei der Lieferung oder mit Rechnung wie beim Bestellen einer CD. Geliefert wurde die Ware vom Briefträger direkt ins Haus. Erst als der Hanfhandel allgemein unter Druck kam, stellten die Betreiber ihre Online-Shops ein, oder boten neu legale Artikel wie Raucherzubehör und Literatur sowie Kleider und Kosmetika aus Hanf an. Wo heute noch mit Rauchhanf gehandelt wird, geschieht dies zumeist im Versteckten. Berauschende Substanzen kann man trotzdem noch online ordern: Das Angebot reicht von anregenden Pülverchen über halluzinogene Samen, Wurzeln und Blätter bis hin zu synthetischen Designerdrogen. Gehandelt wird mit allem, was das Betäubungsmittelgesetz nicht ausdrücklich verbietet und wofür eine nennenswerte Nachfrage besteht. Der in der Schweiz einst ebenfalls betriebene Online-Handel mit Psilocybin-Pilzen ist mittlerweile zwar verboten. Baukästen und Sporen für

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die Pilzzucht in den eigenen vier Wänden kann man sich aber von jedem gut sortierten Smart Shop ins Haus liefern lassen.

Infos vom World Wide Web Aber auch Drogengebraucher nutzen das Internet in erster Linie als Informationsquelle. Zahlreiche Fachstellen bieten Websites an, auf denen sie über die gebräuchlichen Substanzen und die mit ihrem Gebrauch verbundenen Risiken informieren (siehe Anhang Seite 204). Der Erkenntnis folgend, dass es mit dem Abraten vom Drogenkonsum allein nicht getan ist, enthalten die Seiten oft auch Tipps zum risikoärmeren Gebrauch der beschriebenen Drogen. Musste man früher weite Wege gehen und teures Geld hinlegen, wenn man sich Literatur über Drogen beschaffen wollte, sind die Informationen heute dank dem Internet für jedermann frei zugänglich. Das Problem ist dabei, dass die Richtigkeit der ins Web gestellten Infos für Nichtexperten kaum zu beurteilen ist. Allzu gern werden Behauptungen und Annahmen als Fakten präsentiert, sei es um gewisse Substanzen als harmlos zu propagieren, sei es um vor ihrem Konsum zu warnen beziehungsweise abzuschrecken. Ein optisch professioneller Auftritt ist dabei keineswegs ein verlässlicher Garant für die Seriosität der veröffentlichten Informationen.

Austausch in der Szene Das Internet eignet sich wie kein anderes Medium für den interaktiven Austausch unter den Usern. Auf einschlägigen Websites wie «The Vaults of Erowid» (erowid.org) und «The Lycaeum» (lycaeum.org) ist alles aufgelistet, was die stetig wachsende Gemeinschaft der Nutzerinnen und Nutzer an Drogenwissen zusammengetragen hat. Das Informationsangebot umfasst neben Herstellungs- und Gebrauchsanleitungen auch Angaben zur Pharmakologie der beschriebenen Stoffe, Erfahrungsberichte sowie Warnungen vor Risiken und Nebenwirkungen. Auf dem Community-Gedanken beruht auch die Präventionsarbeit von Organisationen wie Eve & Rave, die sich selbst als Teil der Partyszene betrachten. Eve & Rave (Schweiz) publiziert regelmässig die Resultate der von

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ihr durchgeführten Pillentests im Internet, warnt, wenn gefährliche Pillen im Umlauf sind, und betreibt ein Forum, in dem sich die Szene austauschen kann, auch über Erfahrungen mit bestimmten Drogen. Um Drogenkonsum zu vermeiden, mögen solche Angebote manchem als das falsche Mittel erscheinen. Um die Risiken zu minimieren, die mit dem Konsum von Drogen einhergehen, sind sie ein wichtiges und zeitgemässes Instrument.

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9. Drogenprävention – Suche nach dem sinnvollen Weg Klassische Prävention begreift Drogenkonsum als Übel, vor dem Jugendliche bewahrt werden müssen. Das, so manche Experten, ist der Hauptgrund für ihr Scheitern. Gefordert wird deshalb eine Drogenerziehung. Dass eine Prävention, die auf die Stärkung der Persönlichkeit abzielt, nicht leicht umsetzbar ist, zeigt das Beispiel der Schweiz.

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Drogenerziehung statt Drogenprävention? Es gibt gestandene Fachleute, die zum Schluss kommen, dass die gegenwärtigen Präventionsprogramme weitgehend gescheitert sind. Einer von ihnen ist der langjährige Direktor des Instituts für Drogenforschung an der Universität Bremen, Stephan Quensel. In allen westlichen Ländern sei ein Ansteigen des jugendlichen Drogenkonsums zu beobachten, obwohl die Präventions-Bemühungen immer mehr ausgeweitet würden. Einen Hauptgrund für das Scheitern sieht Quensel in der nahezu nur die negative Seite betonenden Defizit-Perspektive: «Die traditionelle Drogenprävention begreift sowohl die Droge wie auch den Drogenkonsum und die drogenkonsumierende Persönlichkeit – notwendigerweise – vom negativen Ende her. Notwendigerweise, weil sie mit der Zielvorstellung der Drogenfreiheit den Jugendlichen vor solch einem Übel bewahren will.» Diese Auffassung führt dazu, dass Drogen ausschliesslich negativ und mit Blick auf ihre Gefährlichkeit betrachtet werden. Das verunmöglicht das Wahrnehmen der Tatsache, dass es einen genussvollen und risikoarmen Umgang mit solchen Substanzen durchaus gibt, und verhindert, diesen zu erlernen. Quensel: «Die derzeitige Drogenprävention hat das Stadium einer Sexualaufklärung erreicht, die uns seinerzeit den vorehelichen Sexualverkehr durch Hinweise auf Geschlechtskrankheiten und unerwünschte Schwangerschaft vermiesen wollte.»

Ziel: Drogenmündigkeit Ganz klar: Der Konsum von Drogen birgt Risiken. Gerade deshalb muss der Umgang mit ihnen erlernt werden. Stephan Quensel plädiert daher für eine Drogenerziehung, deren Ziel es ist, «Drogenmündigkeit» zu erreichen. Diese erst befähigt den Menschen, sich eigenverantwortlich und frei für oder gegen eine Droge zu entscheiden. Quensel: «Eine solche Drogenerziehung bietet drogenspezifische Informationen über deren Wirkung, kulturellen Gebrauch und deren Risiken. Sie baut übertriebene Ängste und Sorgen ab und entlarvt Mythen, Werbung und überzogene Erwartungen.» Natürlich gehört zu einer solchen Drogenerziehung schliesslich auch das Erlernen von Abstinenz – doch soll

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sie selbstverantwortlich gewählt sein, und nicht auferlegt oder angstgefärbt. Drogen übernehmen unterschiedliche Funktionen Es ist hilfreich, sich bewusst zu machen, dass Drogen für unterschiedliche Jugendgruppen ganz unterschiedliche Funktionen übernehmen: Man grenzt sich von den Erwachsenen ab, man unterstreicht die Zugehörigkeit zu einer Gruppe oder distanziert sich von dieser. In einer vergleichenden europäischen Studie fand Stephan Quensels Institut drei interessante Drogenkonsum-Gruppen: Jene Jugendlichen, die stärker Drogen konsumierten, teilten sich in zwei Gruppen – die eine war sozial hoch integriert, sportlich und gut in der Schule, die andere war mit familiärem Ärger, depressiven Zügen und schulischen Problemen belastet. Die dritte Gruppe ist die der «Braven»: Sie konsumiert kaum Drogen, ist gut in der Schule, fühlt sich aber tendenziell depressiv, unternimmt wenig in der Freizeit und zeigt sich in den sozialen Kontakten gehemmt. Während die beiden anderen gleichaltrigen Gruppen viele Freunde hatten, über ihre Probleme reden konnten, schon mal verliebt waren und sexuelle Erfahrungen aufwiesen, waren die «Braven» relativ isoliert, wenig verliebt und ohne sexuelle Erfahrungen.

Das Schweizer Modell: am Alltag angebunden Wie es in der Broschüre «Die Schweizer Drogenpolitik» (Bundesamt für Gesundheit BAG) heisst, soll sich Prävention «am Alltag anbinden». So sollen in den zentralen Lebensbereichen von Kindern und Jugendlichen – Familie, Schule, Gemeinde, Quartier und Freizeit – mehrjährige Präventionsprogramme durchgeführt werden. Zudem soll Prävention nicht in erster Linie drogenspezifisch arbeiten, sondern den Schwerpunkt auf die Förderung von Ressourcen und sozialen Netzen legen. Substanzbezogene Massnahmen (Aufklärung über Alkohol, Tabak, Cannabis etc.), bilden eine Ergänzung und sollen möglichst sachlich informieren. Ein weiteres Ziel ist die «Schaffung von Allianzen»: Zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden und den Strukturen von Familie,

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164 Drogenprävention – Suche nach dem sinnvollen Weg

Schule und Freizeit sollen gut vernetzte und gemeinsame Präventionsprojekte entstehen. Ferner sollen die Erkenntnisse der Forschung vermehrt einbezogen, die Früherfassung verstärkt und die Nachhaltigkeit gesichert werden. Wie so oft liegen die Schwierigkeiten natürlich auch hier in der Praxis. So erweisen sich die Strukturen der Organisationen und Personen, die «gemeinsam Prävention betreiben» sollen, bisweilen doch als sehr unterschiedlich und nur bedingt kompatibel. Auch herrscht in dem Punkt, was genau unter Prävention zu verstehen sein soll, keineswegs immer Einigkeit. Was die einen als «sachliche Information» und «Aufklärung» betrachten, sehen andere schon als «Werbung für Drogen».

Autonomie versus Anpassungsfähigkeit Ziel der Prävention ist es, Jugendliche zu autonomen und kompetenten Menschen zu formen, die sich obendrein behaupten können und sagen, wenn ihnen etwas nicht passt. Das klingt vernünftig. Die Realität in der Schule oder in der Lehre sieht freilich anders aus: Gehorsam und Anpassungsfähigkeit sind Tugenden, die dort durchaus etwas zählen. Dazu kommt, dass nicht alle, die gemäss den Zielen des BAG Präventionsarbeit leisten sollen, das als ihre Aufgabe sehen. Gerade die Lehrerschaft verschliesst sich angesichts immer dichter gedrängter Stundenpläne und immer grösserer Schulklassen vor neuen Aufgaben, die nicht zum klassischen Pflichtenheft gehören. Zusätzlich erschwert wird die Umsetzung durch fehlende finanzielle Mittel und mangelnden politischen Willen. So steht für die Prävention nur ein verschwindender Bruchteil des Geldes zur Verfügung, das für die Repression oder auch für die Alkohol- und Tabakwerbung aufgewendet wird. Die Psychologin und Nationalrätin Anne-Catherine Menétrey beschreibt das «Paradox der guten Prävention» folgendermassen: «Je besser die Prävention, desto weniger lässt sie sich umsetzen.»

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10. Mit Drogen richtig umgehen – Ratschläge für Familien Drogen sind heute in grosser Vielfalt verfügbar, und das Alter der Drogenkonsumentinnen und -konsumenten sinkt zunehmend. Umso wichtiger ist es, im Familienkreis das Thema Drogen bewusst anzugehen – mit vorbeugenden Massnahmen und offenen Gesprächen.

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Prävention in der Familie Der Familie kommt in der schweizerischen Drogenprävention eine wichtige Rolle zu: Eine Prävention, die am Alltag anknüpft, muss daheim beginnen, denn die Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen von Kindern und Jugendlichen. Sie sind es schliesslich, die die Erziehungsarbeit leisten. Doch wie können Mütter und Väter einen Boden legen, der ihrem Kind so viel Stabilität bietet, dass es einen vernünftigen Umgang mit Drogen pflegen kann, ohne einer Sucht zu verfallen?

So stärken Sie Ihr Kind

Drogenprävention beginnt bei den grossen kleinen Dingen des Familienalltags – in der Art und Weise, wie Sie miteinander umgehen, wie Sie miteinander reden, wie Sie miteinander Konflikte angehen. Deshalb: Nehmen Sie sich Zeit! Obwohl man bekanntlich heutzutage besonders wenig davon hat: Zeit ist wichtig! Das gelangweilte Kind vor den Fernseher zu setzen oder ihm den Gameboy in die Hand zu drücken, ist das Gegenteil von Suchtprophylaxe. Nehmen Sie sich Zeit für Aktivitäten und Gespräche. Hören Sie zu, fragen Sie nach, lassen Sie sich auf die Sorgen und Nöte Ihres Kindes ein. Lernen Sie zu geniessen! Nehmen Sie sich Zeit, Dinge eingehend zu betrachten und ihre Schönheit zu würdigen. Kosten Sie schöne Momente aus, im Wissen, dass sie einmalig sein können. Teilen Sie sich mit! Versuchen Sie in der Familie so miteinander zu kommunizieren, dass allen Standpunkten Gehör geschenkt wird. Teilen Sie Ihre Gefühle mit und zeigen Sie Interesse an der Befindlichkeit anderer Familienmitglieder. Tragen Sie Konflikte offen aus! Versuchen Sie, Spannungen und miese Stimmungen auch einmal auszuhalten. Machen Sie es innerhalb der Familie publik, wenn es Ihnen nicht gut geht. Kinder sind aufmerksame Beobachter, auch wenn es um Ihre Strategien geht, mit Problemen umzugehen. Die Eltern sind die wichtigsten Vorbilder, auch wenn die Kleinen einen das meist nicht spüren lassen. Lassen Sie Kritik zu! Kritik muss erlaubt sein, auch wenn sie scheinbar an Ihrer Autorität rüttelt. Wer seinen Ärger hinunterschluckt und Pro-

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bleme verdrängt, hat ein grösseres Risiko süchtig zu werden als eine Person, die ihre Gefühle zeigt und aktiv nach Lösungen sucht. Hänschen lernt das viel leichter als später der Hans. • Hinterfragen Sie Ihr eigenes Konsumverhalten! Wann konsumieren Sie welche Dinge? Wann steht Ihnen der Sinn nach welchen Aktivitäten? Sind das wirkliche Aktivitäten, oder wollen Sie nur einen Film im Kino konsumieren? Machen Sie diese Überlegungen transparent und planen Sie Unternehmungen gemeinsam. Kaum jemand wird all diesen Ratschlägen ohne Einschränkungen nachleben können. Aber auch wenn einem gerade die Zeit fehlt, um sich mit ganzem Herzen um die Bedürfnisse der Kinder zu kümmern, sollte man dies nicht mit einem gekauften Geschenk kompensieren. Auch der Fernseher ist ein denkbar schlechter Trostspender: Er lenkt zwar von Frust und Langeweile ab, ist aber ein ausgesprochen schlechter Zuhörer. Zudem wird die Botschaft, dass wir nur das richtige Produkt kaufen müssen, um uns Freude, Genuss, Abenteuer und Glück zu verschaffen, zu einem grossen Teil über ihn verbreitet. Probleme nicht heraufbeschwören! Sie spüren ein ganz intensives Bedürfnis, Ihr Kind vor dem Übel der Drogen zu bewahren? Denken Sie an die berühmte Tragödie von Ödipus aus der griechischen Mythologie. Seinen Eltern war vom Orakel prophezeit worden, dass Ödipus dereinst seinen Vater töten und die Mutter heiraten würde. Die Eltern unternahmen alles, um das zu verhindern, gaben ihren Sohn sogar weg. Und was passierte schliesslich? Genau: Ödipus tötete seinen Vater und heiratete die Mutter. Was uns Sophokles mit der Geschichte von Ödipus sagt: Je mehr wir danach streben, etwas zu verhindern, desto mehr tragen wir dazu bei, dass es passiert.

Triple P: Eltern lernen erziehen «Willst du nicht endlich mal dein Zimmer aufräumen?», fragt die Mutter. «Nein», antwortet die Tochter trocken. Irgendwann fängt die Mutter an zu brüllen, die Kleine quengelt. Oder der Sohn, der am Mittagstisch rumhampelt und ständig seine Schwester zwickt. «Kannst du dich

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nicht mal normal aufführen?», schimpft der Vater. Doch der Sohnemann scheint ihn nicht einmal wahrzunehmen. Zwei alltägliche Situationen, die viele Eltern zur Genüge kennen. Sie fühlen sich hilflos und überfordert. Manchmal rutscht ihnen die Hand aus, aber auch das hilft nichts. Mit der Zeit ist die Eltern-KindBeziehung so festgefahren, dass man alleine keinen Ausweg findet. Dabei ist gute Erziehung lernbar – und einfacher, als man denkt! Eltern gutes Erziehen beizubringen, ist das Ziel von Triple P (Positive Parenting Program). Triple P ist ein mehrstufiges Erziehungs- und familienunterstützendes Programm, das in Zusammenarbeit mit Eltern und Kindern an der Universität Queensland in Australien entwickelt und erprobt wurde. Mittlerweile wird es auch in der Schweiz angeboten. Es fusst auf der Erkenntnis, dass Eltern, die ein gutes Verhältnis zu ihren Kindern haben und klare Grenzen setzen, seltener Probleme mit ihren Kindern haben als Eltern mit ungünstigem Erziehungsverhalten. Die 5 Basisprinzipien von Triple P • • • • •

Für eine sichere und interessante Umgebung sorgen Das Kind zum Lernen anregen Im Verhalten konsequent sein Angemessene Erwartungen an das Kind haben Die eigenen Bedürfnisse nicht vernachlässigen Triple P-Kurse gibt es mittlerweile in der ganzen Schweiz. Sie richten sich an alle Eltern von 2- bis 12-jährigen Kindern, die sich bei der Erziehung manchmal in schwierigen Situationen wiederfinden und Unterstützung wünschen. Die Kurse finden an vier Abenden statt und dauern je zwei Stunden. Lehrmittel sind das Video «Überlebenshilfe für Eltern» und ein Arbeitsbuch. Darin wird den Eltern eine umfassende Palette verschiedener Erziehungsstrategien vermittelt. Anschliessend an die Gruppensitzungen haben die Eltern Gelegenheit, mit dem Trainer oder der Trainerin in Telefonsitzungen an ihren Zielen weiter zu arbeiten.

Weitere Informationen und Kursdaten: • www.triplep.ch • Schweizerischer Bund für Elternbildung SBE, Zeltweg 21 a, 8032 Zürich

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Über Alkohol reden Alkohol ist die Volksdroge Nr. 1. Ein Grossteil der Menschen unserer Zeit konsumiert ihn, die überwiegende Mehrheit von ihnen ohne nennenswerte Zwischenfälle. Wer selbst Alkohol konsumiert, sollte sich davor hüten, mit Floskeln wie «Bier macht dumm!» oder ähnlichem um sich zu schmeissen. Machen Sie sich klar, dass Ihre Taten viel mehr bewirken als Ihre Worte. Wer Wasser predigt und Wein trinkt, verliert rasch an Glaubwürdigkeit. Und ist die erst einmal weg, ist es schwer, sie wieder zu erlangen.

Warum trinken wir wann? Sprechen Sie mit Ihren Kindern über den Alkoholkonsum: Wann trinkt man eigentlich? In welchen Situationen? Zu welchem Zweck? Beziehen Sie sich im Gespräch auf ganz konkrete Situationen: den Ausgang am Wochenende, den Griff in Papas Hausbar, das Bier beim Fussballspiel. Machen Sie sich klar, was dem Jugendlichen in der jeweiligen Situation am wichtigsten ist: autonom und selbständig zu sein, dazugehören zu wollen, Prestige zu erlangen etc. Hat man dann – zusammen mit den Kindern – den eigentlichen Sinn des Alkoholkonsums erkannt, geht es darum, nach angemesseneren Mitteln zu suchen, das Ziel zu erreichen. Wichtig: Verzichten Sie auf konkrete Vorschläge à la «Mach dies!» oder «Geh doch besser …!» Die grössten Chancen, in die Tat umgesetzt zu werden, haben die Ideen, die einem selber eingefallen sind.

Vorbild sein – was heisst das? Wenn Sie sich Gedanken über Ihre Vorbildfunktion machen, sollten Sie eines bedenken: Man macht sich nie selbst zum Vorbild, sondern wird dazu gemacht. Wichtig sind nicht nur die Situationen, in denen Sie sich vorbildlich verhalten, sondern auch unbewusste Verhaltensweisen. «Das beste Vorbild ist man, wenn man sich selbst in Frage stellt und in Frage stellen lässt», rät Richard Müller, Direktor der Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA). Dazu gehöre aber auch, dass man sowohl den Kindern wie auch sich selbst Grenzen setze.

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Über Drogen reden Ein Viertel der Jugendlichen kifft regelmässig, jeder zweite probiert es zumindest einmal. Und dass an Technopartys Pillen gespickt werden, wissen die Eltern jedes Ravers. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch der eigene Nachwuchs irgendwann mit Drogen in Berührung kommt, ist also gross. Und das Alter, in dem Jugendliche ihre ersten Alkohol- und Drogenerfahrungen sammeln, ist in den letzten Jahren massiv gesunken. Umso wichtiger ist es, sich als Eltern über die Entwicklungen in Sachen Drogen und Drogenkonsum auf dem Laufenden zu halten und das Thema innerhalb der Familie immer wieder auf den Tisch zu bringen. Die Medienberichte geben ja Anlass genug, das Gespräch darüber zu suchen. Tun Sie dies oft und möglichst offen. Wer sich rechtzeitig und regelmässig mit dem Thema Drogen auseinandersetzt, ist vorbereitet und reagiert gefasster, wenn das Thema in der eigenen Familie aktuell wird. Tabuisieren macht Drogen nur noch geheimnisvoller und interessanter.

Runter mit dem Zeigefinger Moralpredigten, Vorwürfe und Drohungen prallen an den meisten Jugendlichen ab. Wenn Sie mit Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter über Drogen reden möchten, müssen Sie deshalb anders vorgehen. Hier die wichtigsten Tipps: • Runter mit dem Zeigefinger! Die Verteufelung von Drogen und das Verhängen unbegründeter Verbote wird Sie in keinem Fall weiter bringen. Eine klare Haltung der Eltern ist nötig, auch Sorge ist berechtigt. Denken Sie aber immer daran: Nicht die Substanzen selbst sind das Problem, sondern die Folgen ihres Konsums und die Ursachen, die dazu führen. Wesentlich effizientere Präventionsarbeit leistet, wer Konflikte in der Familie offen und konstruktiv austrägt. Seien Sie sich Ihrer Vorbildfunktion auch dann bewusst, wenn Sie Ihren Ärger im Schnaps ertränken möchten. • Ruhe bewahren! Ob der Konsum einer Substanz schädlich ist, ist in erster Linie eine Frage des Masses. Wie aber sieht die angemessene Reaktion aus, wenn schon dem 12-jährigen Spross ein Duftsäckli aus der

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Jackentasche fällt? «Es ist sicher etwas anderes, wenn ein Kind oder ein Jugendlicher Cannabis konsumiert, als wenn dies ein Erwachsener tut», findet Bea Goldberg von der Basler Elternvereinigung drogenabhängiger Jugendlicher (EVDAJ). Dennoch ist der Erlass einer generellen Ausgangssperre hier sicher nicht angezeigt. Vielmehr gilt es, ruhig Blut zu bewahren und den offenen Dialog zu suchen. Nachfragen («Warum kiffst du eigentlich?» «Was bringt dir das Kiffen?») ist immer erlaubt, das Äussern von Sorge und Bedenken ebenfalls. Versuchen Sie, klare Abmachungen mit dem Jugendlichen zu treffen. • Kritische Fragen stellen! Wird aus dem neugierigen Versuch mehr und mehr eine Gewohnheit, sollten Sie im Gespräch nach Problemen fragen, die Ihr Kind allenfalls im Haschrauch zu vernebeln sucht. Kritisches Hinterfragen macht Sie noch nicht zum Spiesser. • Informieren Sie sich! Der Grundsatz «Ruhe bewahren!» gilt auch für alle anderen Substanzen, unter deren Einfluss ein Jugendlicher aus dem Ausgang heimkehren kann. Erstens lässt sich das Geschehene ohnehin nicht rückgängig machen, und wahrscheinlich ist es auch nicht das erste Mal, dass es vorgekommen ist. Sprechen Sie den Sohn oder die Tochter auf den Vorfall an. Fragen Sie, was er oder sie konsumiert hat, und aus welchem Grund. Machen Sie sich über die betreffende Substanz und die Auswirkungen ihres Konsums kundig. Je fundierter und sachlicher Sie über das Thema reden können, desto besser. Bedenken Sie: Der Konsum von Drogen, so fremd er Ihnen scheinen mag, ist in der heutigen Zeit ein weit verbreitetes Phänomen. Die Jugend ist die Zeit, in der man Drogenerfahrungen in der Regel sammelt. Im Erwachsenenalter hören die meisten von selbst damit auf. Hier gibt es Hilfe Antworten auf Suchtfragen aller Art hat die Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA). Die SFA betreibt auch ein Online-Forum, in dem man sich mit seinen Fragen anonym an Fachleute wenden kann. SFA, Postfach 870, 1001 Lausanne, Tel. 021 321 29 11, Fax 021 321 29 40, E-Mail: info@sfa-ispa.ch, www.sfa-ispa.ch

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Wenn Ihr Kind harte Drogen konsumiert Auch für aufgeklärte Eltern ist es ein Schock, wenn sie herausfinden, dass ihr Kind harte Drogen nimmt. «Viele reagieren panikartig», so Bea Goldberg von der Basler Elternvereinigung drogenabhängiger Jugendlicher (EVDAJ). «Man will es nicht wahrhaben, man schämt sich, macht sich oder dem Partner Vorwürfe und fragt sich, was man falsch gemacht hat.» Verbreitet ist auch die Strategie, den Verdacht auf Drogenkonsum zu verdrängen. Aber das Problem löst sich nicht von selber. Bea Goldberg appelliert in diesem Zusammenhang insbesondere an die Väter, sich der Auseinandersetzung zu stellen. Denn leider sei es oft so, dass sie sich der Verantwortung entziehen.

Dialog statt Drohungen Panik ist ein schlechter Ratgeber. Umso wichtiger ist es, dass Sie als Mutter oder Vater nach dem ersten Schock möglichst ruhig und klar vorgehen. Versuchen Sie, folgende Hinweise zu befolgen: • Drohen bringt nichts. In der Auseinandersetzung sollte man auf Verurteilungen und Drohungen verzichten. Auch Hektik ist unangebracht. «Eine Abhängigkeit entsteht nicht von einem Tag auf den anderen», gibt Bea Goldberg zu bedenken. Um abhängig zu sein, müsste der Betroffene die Droge über einen längeren Zeitraum konsumiert haben. Und dann würden ein oder auch zehn Tage mehr die Situation nicht entscheidend verschlechtern. • Den Dialog suchen. Wenn das Gespräch zustande kommt und konstruktiv verläuft, gilt es den Dialog aufrecht zu erhalten. Achten Sie in der folgenden Zeit auf Anzeichen für andauernden Drogenkonsum. «Versuchen Sie, Ihr Kind für andere Aktivitäten zu interessieren», rät die Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und Drogenprobleme (SFA). «Auf keinen Fall sollten Sie aufgrund eines unbewiesenen Verdachts unverhältnismässige Massnahmen ergreifen.» • Klare Abmachungen treffen. Auch wenn das Gespräch destruktiv verläuft und Ihre Standpunkte nicht vereinbar sind, können Sie klare Abmachungen bezüglich Freizeitgestaltung, Ausgang und Geld treffen.

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Angehörige: So läuft es besser Vom Verdacht zur Gewissheit bis zur Eskalation: Eltern, Partnerinnen oder Partner von Drogenabhängigen fühlen sich mit ihren Nöten oft allein gelassen. Die Wirkungen sind wechselseitig: Jedes Verhalten und jede Einstellung hat Auswirkungen auf die Beziehung zum Betroffenen – und umgekehrt wirkt sich die Beziehung auf das eigene Verhalten aus. Hier einige Tipps, was Sie je nach Situation für sich selber und die abhängige Person tun können. Was kann ich als Angehöriger für mich selber tun?

Bei Verdacht

Bei Gewissheit

Was kann ich für die abhängige Person tun?

Ich verschaffe mir Informationen über Sucht und Drogen.

Ich belehre sie nicht, sondern spreche über meine Ängste und Befürchtungen.

Ich suche nicht nach Beweisen und spiele nicht Detektiv. Ich durchsuche weder Taschen noch Schubladen.

Ich versichere ihr, dass sie mir vertrauen kann. Ich bin offen und ehrlich.

Ich bin mir bewusst, dass ihr Konsum Auswirkungen auf unsere Beziehung haben kann.

Ich vermeide Sätze wie «Das tust du nur, weil...», sondern sage ihr, dass mich ihr Konsum belastet.

Ich versuche zu verstehen, was das Suchtmittel dem Angehörigen zu bieten hat – und was ihn daran so fasziniert.

Bei Gesprächen stehen Probleme des Alltags und des Zusammenlebens im Vordergrund, nicht der Konsum von Suchtmitteln.

Ich weiss, dass ich nicht schuld bin am Drogenkonsum meines Sohnes oder meiner Tochter.

Ich vermeide Schuldzuweisungen und mache sie auf Beratungsstellen aufmerksam.

Meine Probleme fresse ich nicht in mich hinein. Ich werde nicht zum Geheimnisträger.

Ich bin ein Vorbild, indem ich selber Hilfsangebote nutze.

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Eine andere Frage ist, ob sich das Kind daran hält. Ist dies nicht der Fall und verschärft sich die Situation, ist definitiv der Zeitpunkt gekommen, um Hilfe in Anspruch zu nehmen. Und zwar nicht in erster Linie für Ihr Kind, sondern für sich selbst (siehe Seite 176). • Hilfe holen. Nehmen Sie Kontakt mit einer Beratungsstelle auf (siehe Anhang Seite 201) und machen Sie Ihr Kind auf entsprechende Angebote aufmerksam. Grenzen Sie sich ab, lassen Sie sich nicht zum Komplizen der Sucht machen, indem Sie Geld für den Drogenkauf geben. Versuchen Sie, Ihr Kind für eine Therapie zu motivieren, ohne Ihr eigenes Wohl davon abhängig zu machen.

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11. Angehörige – Wege aus der Hilflosigkeit Eltern, Lebenspartnerinnen und Lebenspartner von Drogenabhängigen sind von der Sucht auf schmerzliche Weise mitbetroffen. Umso wichtiger ist es, rechtzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen und den Weg aus der Ko-Abhängigkeit zu finden.

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Der Ko-Abhängigkeit entrinnen Sucht ist nie die Sache eines Einzelnen. Süchtige beziehen vielmehr ihr ganzes Umfeld in ihre Sucht ein. Wer sich das nicht mit ansehen oder nicht Teil dieses Dramas sein will, verabschiedet sich irgendwann. Zurück bleiben diejenigen, die den Süchtigen «nicht fallen lassen» wollen oder können: Lebenspartnerinnen und Lebenspartner, Eltern und Angehörige zumeist. Für sie ist die Suchtkarriere des Betroffenen gepflastert mit Enttäuschungen. Vom ersten guten Zureden und Flehen, das nichts nützt, über die nicht fruchtenden Abstinenzversuche des Abhängigen bis zum möglichen Ausstieg des Süchtigen oder etwa der Trennung ist es ein weiter, schmerzvoller Weg. Manchmal endet er nie, und man kann nur lernen, irgendwie mit der Sucht des Partners oder des Kindes umzugehen. Belogen, betrogen und allenfalls auch bestohlen zu werden gehört zu den üblichen Erfahrungen, die Angehörige von Abhängigen machen. Man fragt sich, wieso der Süchtige einem all das antut. Wieso er den Stoff mehr liebt als seine Geliebte. Man versucht, Schaden wie Strafen oder den Stellenverlust vom Süchtigen abzuwenden und verstrickt sich selbst in das Ausreden- und Lügengeflecht des Süchtigen. Das eigene Gefühlsleben ist geprägt von Scham- und Schuldgefühlen, Wut, Hass und Traurigkeit. Man nimmt Verletzungen in Kauf, lässt sich Dinge gefallen, bis man sich selbst nicht mehr versteht. Und irgendwann merkt man, dass man mit seinem «Helfen wollen» ein Teil des Motors ist, der die Sucht seines Partners oder Kindes am Laufen hält: Man ist «ko-abhängig».

Rechtzeitig Unterstützung suchen Solange Angehörige es mit Vorwürfen versuchen, wird der Abhängige sich mit seiner Verteidigung beschäftigen und nicht mit sich selbst. Erst wenn die negativen Auswirkungen der Abhängigkeit für den Betroffenen grösser sind als der Lust- und Trostgewinn durch die Droge, wird er echte Bereitschaft zeigen, seine Situation zu verändern beziehungsweise aus der Sucht aussteigen zu wollen. Man muss aber nicht zwingend das ganze Trauerspiel durchmachen. Für Angehörige von Abhän-

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gigen gibt es heute ein gut ausgebautes Netz von Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen, die Erfahrung mit allen Begleiterscheinungen der Sucht eines Angehörigen haben. Checkliste: Bin ich ko-abhängig? Wenn Sie eine oder mehrere der folgenden Fragen mit Ja beantworten müssen, ist es höchste Zeit, Hilfe in Anspruch zu nehmen. • Schützen Sie Ihren Partner vor den Konsequenzen seiner Sucht, indem Sie ihn zum Beispiel am Arbeitsplatz entschuldigen? • Erfahren Sie von Ihrem Umfeld Verständnis für Ihre Tapferkeit in solch schwierigen Umständen? • Leben Sie von den Hoffnungen und Versprechungen Ihres süchtigen Partners? • Haben Sie Geldprobleme wegen des Suchtmittelkonsums Ihres Partners? • Greifen Sie selbst zu Suchtmitteln, weil Sie das Verhalten Ihres Partners nicht aushalten?

«Hilfe durch Nichthilfe» Sich vom Abhängigen und dessen Problemen abzugrenzen, ist der Schlüssel aus dem Gefängnis der Ko-Abhängigkeit. «Hilfe durch Nichthilfe» lautet die Devise. Der Begriff wurde von Selbsthilfegruppen von Angehörigen geprägt und meint, dass es darum geht, der abhängigen Person die Verantwortung für ihr Leben zurückzugeben. Der Süchtige muss lernen, die Konsequenzen für sein Tun selbst zu tragen. Sich abgrenzen – das klingt einfacher, als es ist. Das Nichtstun kann in solchen Fällen sogar ausserordentlich schwer fallen. Zu festgefahren sind die Muster, zu eingespielt die Rollen, als dass man sie einfach so abschütteln könnte. Und wie der Ausstieg aus der Sucht ist auch der Ausstieg aus der Ko-Abhängigkeit mühselig. Die effizienteste Hilfe für die Angehörigen von Drogenabhängigen sind Selbsthilfegruppen. Niemand versteht besser, was Angehörige von Suchtkranken durchmachen, was es heisst, während Monaten und vielleicht Jahren rund um die Uhr mit der Suchtproblematik konfrontiert zu sein. Selbsthilfegruppen haben langjährige Erfahrung mit allen Be-

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gleiterscheinungen von Sucht und Ko-Abhängigkeit. Hier kennt man sich aus mit Sachfragen wie Verwandtenunterstützung, Vorgehen bei der Planung von Entzug und Therapie etc. Der Haken an der Sache: Selbsthilfe in der Gruppe funktioniert nach dem Prinzip «Geben und Nehmen». Und zu solchem Engagement sind immer weniger Leute in unserer Zeit bereit. Hier gibt es Hilfe Die Beratungsstelle des VEV DAJ vermittelt Adressen von Gruppen in der ganzen Schweiz. Die Adresse: Seefeldstrasse 128, Postfach, 8034 Zürich, Tel. 01 384 80 18, Fax 01 384 80 16, E-Mail: daj@bluewin.ch, www.daj.ch

Elternvereinigungen – gegenseitige Unterstützung Jürg Kauers Sohn ist 30 Jahre alt und seit 12 Jahren auf harten Drogen. Viermal ging er in Therapie, jedes Mal brach er ab. «Unlängst klaute er in einem Laden ein Schoggistängeli und liess sich dabei erwischen», erzählt der Vater. Der Streitwert der Süssigkeit liege mittlerweile bei 320 Franken. Kauer: «Zahlt er nicht, muss er die Strafe absitzen. Die Kosten dafür trägt der Staat.» Der Sohn befindet sich derweil zu Therapie-Zwecken im Ausland. Zuhause stapeln sich Forderungen in der Höhe von mehreren tausend Franken. Eltern von Drogenabhängigen leiden besonders stark unter der Sucht ihres Kindes. Anders als Freunde oder auch Lebenspartner können sie die Beziehung nicht beenden, wenn das Mass voll ist. Um sich gegenseitig zu unterstützen, haben betroffene Eltern vor bald dreissig Jahren begonnen, sich in Selbsthilfegruppen zusammenzuschliessen. Jürg Kauer ist Geschäftsleiter des Verbandes der Eltern- und Angehörigenvereinigungen Drogenabhängiger VEV DAJ.

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Neue Zeiten, andere Probleme Die erste Vereinigung dieser Art wurde 1976 in Zürich gegründet. Seither hat sich die Situation der Drogenkonsumierenden, aber auch die Wahrnehmung der Drogenproblematik in der Öffentlichkeit grundlegend verändert. Für Jürg Kauer ist klar: «Die Vier-Säulen-Politik der vergangenen Jahre hat die Situation der Drogenabhängigen in der Schweiz aus dem Elend herausgeführt.» Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Drogenproblem nach wie vor existiert. «Überlebenshilfe und niederschwellige Therapieangebote haben die schlimmsten Probleme der Abhängigen gemindert. Das Drogenproblem selbst ist geblieben, auch wenn es nicht mehr so sichtbar ist wie zu Zeiten von Platzspitz und Letten.» Mit der Drogenpolitik hat sich auch die Drogenszene grundlegend gewandelt. Neue Substanzen sind auf den Markt gekommen, die Preise sind zusammengebrochen, die Konsumenten und ihre Konsumgewohnheiten haben sich verändert. Waren es die Eltern heroinabhängiger Jugendlicher, die 1976 in Zürich die erste Elternvereinigung gründeten, sind es heute mehr und mehr Lebenspartner von Abhängigen, die die Beratungsstelle der DAJ aufsuchen. «Partner von Abhängigen machen ein Drittel der Klientel in unserer Zürcher Beratungsstelle aus», sagt Kauer. Für die DAJ-Beratungsstellen hat diese Entwicklung eine Veränderung in der Beratungstätigkeit bewirkt, wird man doch vermehrt mit dem Thema Ko-Abhängigkeit konfrontiert. «Anders als ein Vater oder eine Mutter hat man als Lebenspartner ja die Freiheit zu gehen», stellt Kauer fest. «Es ist wirklich erstaunlich, wie viel die Partner manchmal erdulden.» Früher Heroin, heute Kokain Standen früher der Heroinkonsum und damit verbundene Begleiterscheinungen im Zentrum der Arbeit der Elternvereinigung, so hat heute das Kokain diese Stellung eingenommen. Kürg Kauer: «Eigentlich müsste es längst die kontrollierte Kokainabgabe geben. Von Heroin spricht man derzeit kaum mehr.» Auffällig sei, dass es eine zunehmende Zahl Kokainabhängiger mit relativ hohem Einstiegsalter gebe. Nicht selten seien es gestandene Männer, bei denen ein Jobverlust oder ähnliche Krisen zum Absturz führe.

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Angehörige: So läuft es besser Was kann ich als Angehöriger für mich selber tun?

Bei Eskalation

Was kann ich für die abhängige Person tun?

Indem ich mir Sorge trage, schaue ich auch für sie.

Notfalls muss sie sich (räumlich) von mir trennen.

Ich überlege mir, was mir am Zusammenleben mit ihr wichtig ist.

Ich stelle Bedingungen für das Zusammenleben und ziehe notfalls auch die Konsequenzen.

Ich lasse nicht zu, dass der Drogenkonsum mein Leben oder unsere Beziehung dominiert.

Ich bespreche mit ihr auch Dinge, die nichts mit Sucht und Drogen zu tun haben.

Ich weiss, dass es Rückfälle geben kann und bin darauf gefasst.

Ich reagiere ohne Zorn auf einen Rückfall. Aber wir führen keine Gespräche, wenn sie verladen ist.

Ich gebe ihr kein Geld, weder für Schulden noch für Drogen.

Ich mache sie auf Budgetberatungsstellen aufmerksam.

Ich bin weder Psychotherapeut noch Arzt – auch nicht Polizist oder Richter, sondern Angehöriger.

Ich zeige ihr, dass mir die Beziehung zu ihr wichtig ist.

Professionelle Beratung Um der veränderten Zusammensetzung der Klientel Rechnung zu tragen, wurde der einstige «Verband der Elternvereinigungen drogenabhängiger Jugendlicher» 1998 in «Verband der Eltern- und Angehörigenvereinigungen Drogenabhängiger» umbenannt. Um der steigenden Nachfrage nach Einzelberatungen begegnen zu können, professiona-

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lisierte man die Strukturen. «Die Bereitschaft der Leute, sich in einer Selbsthilfegruppe zu engagieren, schwindet. Das ist schade, denn der Austausch in der Gruppe kann einem in mancherlei Hinsicht mehr geben als ein Beratungsgespräch», sagt Kauer. Der VEV DAJ-Geschäftsleiter führt den Trend auf die gestiegene Konsumhaltung der Leute und die allgemeine Entsolidarisierung in der Gesellschaft zurück. Aber auch die Veränderungen in der Drogenszene spielen eine Rolle: «Die Not, die früher herrschte, bewirkte auch einen gewissen Zusammenhalt. Heute scheint die Solidarität nicht mehr so nötig zu sein.» Durch die Entspannung in der Drogenszene hat sich auch die Wahrnehmung der Angehörigenproblematik in der Öffentlichkeit verändert. Zu glauben, dass sich die Lage für die Angehörigen ebenso entspannt habe wie für die Abhängigen, ist allerdings ein Trugschluss. Die zwischenmenschlichen Konflikte, die die Drogenabhängigkeit eines Familienmitglieds mit sich bringt, sind die gleichen geblieben. Angehörige von Drogenabhängigen müssen sich in rechtlichen Fragen auskennen, um im Kontakt mit Behörden und Versicherungen ihre Interessen wahrnehmen zu können. Ein Schwerpunkt der Beratungstätigkeit der Eltern- und Angehörigenvereinigungen liegt im Vermitteln von Knowhow im Umgang mit Versicherungen, Behörden und Gläubigern.

Drogenpolitisches Engagement Als Dachverband vertritt der VEV DAJ die regionalen Angehörigenvereinigungen in politischen Belangen, äussert sich zu Vernehmlassungen und engagiert sich in Abstimmungskämpfen. So engagierte man sich gegen die Initiative «Jugend ohne Drogen», gehörte zu den Erstunterzeichnern der DroLeg-Initiative und setzte sich für die kontrollierte Heroinabgabe ein. Auch in der Vernehmlassung zur Revision des Betäubungsmittelgesetzes setzte sich der VEV DAJ für eine Legalisierung aller Drogen, insbesondere von Cannabis, ein. Heute sieht man, wie die Diskussion um die Cannabis-Freigabe die Kriminalisierung der Drogenabhängigen immer weiter in den Hintergrund drängt. «Das ist fatal», erklärt VEV DAJ-Geschäftsleiter Jürg Kauer. «Wenn wir an den wirklichen Problemen etwas ändern wollen, gibt es nur eines: Der Konsum aller Drogen muss straffrei werden.»

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12. Therapie – der Sucht begegnen Der Ausstieg aus einer Sucht ist kein einfacher Prozess. Kompetente Begleitung und Unterstützung ist in vielen Fällen unumgänglich. Das Therapieangebot ist breit. Dieses Kapitel stellt Ihnen die verschiedenen Möglichkeiten vor und geht auch auf die finanziellen Aspekte ein.

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Der Alkoholsucht entkommen Wer seine Alkoholabhängigkeit erkennt und trocken werden will, hat gute Erfolgschancen: Immerhin zwei Drittel der Betroffenen schaffen langfristig den Ausstieg. Das nicht zuletzt wegen des vielfältigen, auf individuelle und geschlechtsspezifische Bedürfnisse zugeschnittenen Hilfsangebots in der Schweiz: Rund 200 Stellen befassen sich mit der Beratung, Betreuung und Behandlung von Alkoholgefährdeten und Alkoholkranken. Viele Alkoholabhängige bewältigen ihr Problem individuell und ohne direkte fachliche Unterstützung. Andere nehmen Hilfe von Beratungs- und Fachstellen oder Spezialkliniken in Anspruch oder besuchen Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker, die in jeder grösseren Stadt präsent sind. Nochmals andere suchen Ärzte und Sozialdienste auf. Die besten Erfolgsaussichten hat, wer Hilfe von aussen annimmt.

Aus eigener Kraft Grundvoraussetzung für jeden Ausstieg aus der Abhängigkeit ist, dass man sich seine Sucht eingesteht. Aber nicht jeder Abhängige ist ein Fall für einen stationären Entzug. Vielleicht will man zuerst versuchen, sein Konsumverhalten zu ändern und die konsumierten Mengen zu reduzieren. Viele Institutionen bieten dafür Hilfen an. Man sollte sich jedoch nicht täuschen lassen: Kontrolliert zu trinken erfordert von einem Trinker nicht weniger Disziplin, als es ganz bleiben zu lassen. Ambulante Behandlungen werden von den Beratungsstellen für Alkoholprobleme, von Suchtberatungsstellen, Sozialmedizinischen und Sozialpsychiatrischen Diensten sowie den Beratungsstellen des Blauen Kreuzes angeboten. In der Behandlung wird nicht nur der Alkoholkonsum thematisiert. Auch andere Lebensbereiche wie Arbeit, Beziehungen, Freizeit, Partnerschaft und Sexualität werden besprochen. Nützliche Links • www.anonyme-alkoholiker.ch • www.blaueskreuz.ch

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Vielleicht will man die Finger auch ganz von der Flasche lassen. Zunächst wird man dies wohl aus eigener Kraft versuchen.

Tipps fürs Aussteigen Hier einige Tipps, die helfen können auf Alkohol zu verzichten: • Rechnen Sie damit, dass das Verlangen nach Alkohol auftreten kann. Das ist normal. Das Verlangen dauert in der Regel nur einige Minuten und verschwindet von selbst wieder. • Beobachten Sie sich selbst. Vermeiden Sie Situationen, in denen Sie wieder anfangen könnten zu trinken. • Pflegen Sie Ihre Interessen und Hobbys. Lenken Sie sich auch mal mit einer angenehmen Beschäftigung (Sauna, Sport, Musik, Kino etc.) ab. • Reden Sie mit Bekannten und Angehörigen über Ihre Absicht, auf Alkohol zu verzichten. • Achten Sie auf einen ausgewogenen Lebensstil. Die normalen Alltagsbelastungen kosten Kraft und Energie. Sorgen Sie für Ausgleich durch Momente der Ruhe und Erlebnisse, die Ihnen Freude bereiten. • Planen Sie Aktivitäten, die Ihnen Spass machen, und halten Sie sich konsequent an diese Pläne. Je mehr angenehme Dinge Ihren Alltag bereichern, desto weniger brauchen Sie den Alkohol zur Entspannung.

Mit fremder Hilfe Vielleicht haben Sie schon mehrfach erfolglos versucht, die Finger vom Suchtmittel zu lassen. In diesem Fall besteht der nächste sinnvolle Schritt darin, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Therapie für Alkoholkranke teilt sich in vier Phasen: Die Kontaktphase, die Entziehungsphase, die Entwöhnung und schliesslich die Rehabilitation. • Die Kontaktphase: Als erster Schritt empfiehlt sich in jedem Fall der Gang zum Arzt. In Zusammenarbeit mit spezialisierten Sozialdiensten klärt dieser neben der medizinischen Diagnose auch die psychologische und soziale Situation ab. In dieser Phase wird versucht, eine vorübergehende Abstinenz zu erreichen und allfällige Entzugserscheinungen zu behandeln.

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• Die Entziehungsphase: Wer starke körperliche Entzugssymptome erleidet, verbringt die ein- bis dreiwöchige Entziehungsphase am besten stationär in einem Spital oder in einer Klinik. Dort ist man permanent unter Aufsicht und wird in der schwierigsten ersten Zeit kompetent unterstützt. • Die Entwöhnungsphase: Diese Phase dauert mehrere Wochen bis Monate. In dieser Zeit trainiert man, unterstützt von den Fachleuten einer Beratungsstelle, das Leben ohne Alkohol. Wer immer wieder rückfällig wird, kann sich stationär in einer Spezialklinik behandeln lassen. Die Aufenthaltsdauer variiert zwischen 3 und 12 Monaten. Die Kliniken bieten psychotherapeutische und pädagogische Methoden, Einzel- und Gruppenbetreuung, Ehe- und Familientherapie sowie Arbeitsund Beschäftigungstherapie. Falls nötig, können auch unterstützende Medikamente verabreicht werden. • Die Rehabilitationsphase: Sie dauert am längsten, nämlich mehrere Jahre. Um langfristig trocken zu bleiben, ist der Austausch von Erfahrungen und Problemen in Selbsthilfegruppen wichtig.Wer es ambulant nicht schafft, kann auf halbstationäre Einrichtungen zurückgreifen, welche zum Teil auch Arbeitsplätze (in heiminternen Werkstätten) vermitteln oder bei der Arbeitsbeschaffung behilflich sind. Medikamente können helfen Verschiedene Medikamente können die Behandlung der Alkoholabhängigkeit unterstützen. Der Klassiker unter diesen Medikamenten heisst Antabus®. Dieses Medikament unterbricht den Abbau von Alkohol im Körper. Bei gleichzeitiger Einnahme von Alkohol kommt es zu äusserst unangenehmen Nebenwirkungen. Antabus® kann eine Hilfe sein, wenn jemand abstinent leben will, aber immer wieder rückfällig wird. Ein neueres Medikament zur Behandlung der Alkoholsucht ist Campral®. Es soll das Trinkverlangen, das so genannte «Reissen» (Craving), verringern. Nemexin® ist ein Mittel, das die euphorisierende Wirkung des Alkohols ausschalten soll. Wichtig: Keines dieser Medikamente heilt Alkoholiker von ihrer Sucht. Sie unterstützen lediglich die Therapie und sollten daher nur in Verbindung mit einer psychosozialen oder psychotherapeutischen Behandlung eingesetzt werden. Detaillierte Informationen erteilt der Hausarzt oder die Hausärztin.

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Den Drogenkonsum beenden oder verändern Wer aus einer Sucht aussteigen will, hat als Ziel meistens die Drogenfreiheit vor Augen. Man träumt von einem selbstbestimmten Leben ohne Abhängigkeiten und Zwänge, und von einem Ende des stressigen Lebens auf der Gasse. Aber auch Aussenstehende betrachten Drogenabhängige in der Regel erst dann als «geheilt», wenn sie absolut drogenfrei leben. Wenn sich Drogenabhängige schliesslich für einen Entzug entscheiden, wollen sie das meistens augenblicklich – wobei die Motivation für den Ausstieg aus der Sucht ebenso schnell wieder verfliegen kann, wie der Entschluss zum Entzug gefasst wurde. Auch Angehörige verfallen oft in Aktionismus: Sie wollen sofort alles unternehmen, damit ihr Kind mit dem Drogenkonsum aufhört, und setzen alle möglichen Hebel in Bewegung. Ist gerade kein Platz in einer Gemeinschaft frei oder will einen die Entzugsklinik nicht sofort aufnehmen, reagieren Angehörige und Betroffene oft mit Unverständnis.

Hektik ist kontraproduktiv Ein Entzug will gut überlegt und sorgfältig vorbereitet sein. Ansonsten kann er ein riskantes Unterfangen darstellen. Der Abbruch ist mit Gefahren verbunden: • Wer von einer Droge abhängig ist, hat die Substanz über einen längeren Zeitraum konsumiert. Der Körper hat eine Toleranz entwickelt und ist an bestimmte Dosen der Droge gewöhnt. Wird jemand nach einem Entzug oder nach einem Therapieabbruch rückfällig, ist sein Körper entgiftet. Spritzt sich ein Fixer die Dosis, die er vor dem Entzug gewohnt war, riskiert er eine lebensgefährliche Überdosierung. • Wer einen Entzug oder eine Therapie abbricht, gerät in eine Krise, die von Enttäuschung, Resignation und Schuldgefühlen geprägt ist. Man versucht abstinent zu sein, droht aber immer wieder in alte Konsummuster zu verfallen, die am Ende meistens stärker sind. In so einem Moment kann man sich leicht als Versager fühlen und auf Selbstmordgedanken kommen.

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Achtung: In dieser Situation brauchen die Betroffenen jede mögliche Unterstützung. Vorwürfe sind zu diesem Zeitpunkt absolut unangebracht und gefährlich! Für Drogenabhängige, die sich aus ihrer Sucht befreien wollen, existiert in der Schweiz ein vielfältiges Angebot an ambulanten und stationären Behandlungen. Man unterscheidet zwischen Therapien mit abstinenzorientiertem Ansatz und Therapien mit integrationsorientiertem Ansatz mit Substitution von Methadon oder Heroin (siehe Seite 190).

Via Entzug zur Abstinenz Abstinenzorientierte Therapien erfolgen meistens stationär: Nach der körperlichen Entgiftung in einer Entzugsklinik tritt man in eine therapeutische Gemeinschaft über, wo man in der Gruppe eine zumeist in Stufen gegliederte Langzeittherapie mit psycho- und sozialtherapeutischen Elementen absolviert. Der Alltag in der therapeutischen Gemeinschaft ist in der Regel klar durchstrukturiert, um die Bewohner an einen geregelten Tagesablauf zu gewöhnen. Das Übernehmen von Verantwortung wird in Werkstätten, Haushalt und anderen Arbeitsbereichen geübt. Durch das Zusammenleben in der Gruppe entstehen Beziehungen und es kommt zu Konflikten, deren Bewältigung unter fachlicher Begleitung erlernt und geübt wird. Üblich sind Modelle mit zeitweiligen Kontakt- und Ausgangssperren, die phasenweise gelockert werden, bis der oder die ehemalige Abhängige schliesslich ganz aus der Gemeinschaft austritt. Auch Kiffen und Trinken werden in der Regel nicht toleriert. Wer gegen das Abstinenzgebot verstösst, muss mit Sanktionen bis hin zum Ausschluss rechnen. Die Reintegration in das «normale» Leben erfolgt gegen Ende der Therapie. Für die Zeit danach gibt es Nachsorgeangebote wie Aussenwohngruppen und Integrationshilfen. In der Schweiz gab es im Juli 2002 gemäss Angaben des Instituts für Suchtforschung rund 1200 Plätze in stationären Einrichtungen. Zwei Jahre vorher waren es noch 1500 Plätze. Allein zwischen 1998 und 2002 wurden rund dreissig Einrichtungen geschlossen. Und viele kämpfen noch um ihr Überleben.

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Stationäre Therapie im Umbruch Das stationäre Angebot befindet sich derzeit im Umbruch. Vor einigen Jahren hat sich die Invalidenversicherung (IV) aus der Finanzierung von Drogentherapien zurückgezogen. Der überraschende Rückzug der IV stellte viele Einrichtungen vor existenzielle finanzielle Probleme, war aber nicht der einzige Grund für den tiefgreifenden Umstrukturierungsprozess. Die sinkende Nachfrage nach abstinenzorientierten Therapien und die Veränderungen auf dem Drogenmarkt tragen ihren Teil zur Krise im stationären Bereich bei. Reine Heroinkonsumenten, auf die das Angebot der therapeutischen Gemeinschaften ursprünglich ausgerichtet war, gibt es heute fast nicht mehr. Fast alle Klienten sind von mehreren Substanzen abhängig. Das neue Finanzierungsmodell für die stationäre Suchttherapie (FiSu) verlangt, dass sich die Institutionen einer Qualitätszertifizierung unterziehen und zu einer systematisierten Qualitätskontrolle verpflichten. Um die Zertifizierung zu erhalten, mussten und müssen viele Gemeinschaften ihr Angebot neu definieren und einheitlichen Standards anpassen. Ein besonderes Augenmerk legte man dabei auf eine verbesserte berufliche Rehabilitation der Klienten. Doch auch Institutionen, die sich fit gemacht haben für das neue Finanzierungsmodell, sind längst nicht über den Berg. Ob es überhaupt einen Bedarf für therapeutische Angebote gibt, entscheiden nämlich neuerdings die Kantone. Und dort wird der Drogentherapie recht unterschiedliche Priorität beigemessen.

Umstrukturierungen – ein Beispiel Ein Beispiel für die Umstrukturierungen im Suchthilfe-Markt sind die Einrichtungen der Suchthilfe Region Basel (SRB): Deren einst auf Heroinentzüge spezialisierte Entzugsklinik «Cikade» hat das Haus der Therapeutischen Gemeinschaft «Waldruh» in Böckten übernommen und bietet dort individuell gestaltete Entzugsprogramme an. Zu ihrer Zielgruppe zählt die «Cikade» heute neben Heroin- und Methadon-Abhängigen auch Konsumenten von Kokain, Designerdrogen und sogar Cannabis. Auch Teilentzüge und Krisenintervention gehören zum Angebot der «Cikade». Die «Waldruh» zügelte von Böckten nach Langenbruck ins Haus der «Oberen Au», die berufliche Integration ist heute fester Bestandteil des Therapieprogramms. Die «Obere Au» wurde geschlossen.

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Integration durch Methadon- oder Heroinprogramm Der integrationsorientierte Ansatz mit Substitution basiert auf der Idee, den Abhängigen nicht aus seiner gewohnten Lebenssituation herauszureissen, sondern seine Situation im aktuellen Umfeld zu verbessern. Der Süchtige bekommt seinen Stoff legal vom Arzt. So wird der Konsum illegal beschaffter Drogen auf ein Minimum reduziert; der Beschaffungsstress entfällt. Die dadurch frei werdenden Kapazitäten werden in die Verbesserung der Arbeits- und Wohnverhältnisse, die Lösung familiärer Probleme, das Knüpfen neuer Beziehungen und in eine sinnvolle Ausgestaltung der Freizeit investiert. Nach einer gewissen Zeit wird die Substitution langsam und schrittweise abgebaut. Integrationsorientierte Therapien mit Substitution werden teilstationär oder ambulant durchgeführt. Die häufigste Form der Substitutionstherapie ist die Methadonbehandlung. 2002 standen rund 18 000 Personen in einem Methadonprogramm. Man schätzt, dass das gut die Hälfte aller Heroinabhängigen in der Schweiz ist. Von den Abhängigen, die zwei Jahre in einer Methadonbehandlung waren, nehmen zwei Jahre nach der Therapie gemäss Angaben des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) mehr als 40 Prozent kein Heroin mehr, über 20 Prozent sind teilweise abstinent. 35 Prozent werden rückfällig. Statistische Angaben über die Erfolgsquote bestimmter Therapien sind aber grundsätzlich mit Vorsicht zu geniessen. Heroinverschreibung für Schwerstabhängige Seit 1999 gibt es in der Schweiz die heroingestützte Behandlung von Schwerstsüchtigen (HeGeBe). Von den 1200 Plätzen, die im Jahr 2001 zur Verfügung standen, waren 1100 belegt. Die wissenschaftliche Auswertung der Programme zeigt, dass die Heroinabgabe eine Erfolg versprechende Therapie ist: Der Gesundheitszustand der Abhängigen verbessert sich rasch, sie verkehren nicht mehr in der Szene, gehen arbeiten und streben mit zunehmender Dauer der Therapie ein suchtfreies Leben an. Wie viele es erreichen, lässt sich statistisch derzeit noch nicht sagen, weil Langzeiterfahrungen mit der Heroinverschreibung noch fehlen. Aufgrund der viel versprechenden Resultate, die bisherige Programme zeitigten, soll die Heroinverschreibung jetzt gesetzlich verankert und ausgeweitet werden. Ebenfalls eine zunehmende Rolle

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spielt die Substitution mit dem Opioid Buprenorphin. Es wirkt weniger stark und lang als Methadon und kommt vor allem in der Behandlung von weniger schwer süchtigen Konsumenten, zum Beispiel Heroinrauchern, zum Einsatz. In enger Absprache mit dem Arzt Bedingung für jede opioidgestützte Behandlung ist ein ärztliches Rezept. Die tägliche Dosis legen Arzt und Patient gemeinsam fest. Das Methadon wird normalerweise mit Sirup vermischt abgegeben. Eine Methadontherapie beschränkt sich im Idealfall aber nicht auf die Verabreichung der Ersatzdroge, sondern ist von sozialen Massnahmen begleitet. Wenn sich die Lebensumstände normalisiert haben und man eine längere Zeit stabil ist, kann man die Methadondosis langsam reduzieren. Der Abbau erfolgt meistens über eine grosse Zeitspanne und in enger Absprache mit dem Arzt. In manchen Städten gibt es spezielle Abgabelokale, wie jene der Arbeitsgemeinschaft für risikoärmeren Umgang mit Drogen (Arud) in Zürich und Basel. Die Methadonbehandlung ist kassenpflichtig.

Ritalin als Kokain-Ersatz? Viele Heroinabhängige konsumieren auf der Gasse Kokain, zum Teil mit verheerenden Folgen für ihren Gesundheitszustand. Um diesem Phänomen zu begegnen, hat das BAG eine wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben, in deren Rahmen 60 Abhängige das Amphetamin Ritalin ® als Ersatzdroge erhalten sollen. Das Angebot richtet sich an Heroinabhängige, die bereits in einer Substitutionstherapie sind und wegen ihres Kokainkonsums weiterhin auf der Gasse verkehren. Suchtfachleute wie Daniel Meili, Chefarzt der Zürcher Arbeitsgemeinschaft für risikoärmeren Umgang mit Drogen (Arud), bezweifeln aber, dass Ritalin den Durchbruch in der Behandlung von Kokainabhängigkeit bringen kann. Sie fordern die Möglichkeit, statt eines Ersatzstoffes direkt Kokain an die Abhängigen abgeben zu können. Ob es die kontrollierte Kokainabgabe je geben wird, kann man heute aber noch nicht sagen.

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Therapien in der Diskussion Den abstinenzorientierten Institutionen der Schweiz, die international immer einen ausgezeichneten Ruf genossen haben, war die Methadonabgabe lange ein Dorn im Auge. Nicht zuletzt aus moralischen und dogmatischen Gründen. Die Methadonabgabe sei eine «Verwaltung der Sucht» und wirke «suchterhaltend», lauteten die Vorwürfe. Sie kritisierten insbesondere das hohe Abhängigkeitspotenzial des synthetischen Heroinersatzes und die Nebenwirkungen des Langzeitgebrauchs. Heute ist die Methadonabgabe als Suchttherapie längst etabliert. Unter Druck sehen sich vielmehr die abstinenzorientierten Therapieangebote (siehe auch Seite 189). Nicht nur propagieren renommierte Suchtfachleute die Substitution als Therapieform der Wahl, auch die Klientel scheint die mildere Form der Entwöhnung zu bevorzugen. «Niemand wird ein erstes Lauftraining mit der Olympia-Norm im Kopf absolvieren», schreibt Matthias Barth, Psychologe in der Tagesklinik für Drogenrehabilitation der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. «Von Drogenabhängigen wird oft ein Mass an Abstinenz verlangt, das weit über jenem von Normalverbrauchern liegt.» Von einem Abhängigen, dessen Leben sich zuletzt nur noch um die Droge gedreht hat, sei das zu viel verlangt. Die Vorzüge der opioidgestützten Behandlung liegen auf der Hand: Sie ist niedrigschwellig, verbessert die Lebensumstände und den Gesundheitszustand der Abhängigen effektiv, ohne sie aus ihrem Beziehungs- und Arbeitsumfeld zu reissen und ohne zu viel von ihnen zu verlangen – das alles erst noch bei vertretbaren Kosten. Halbherzige Methadonabgabe In vielen Fällen wird Methadon aber nur zur Eindämmung des problematischen Drogenkonsums verabreicht. Ob eine Methadontherapie langfristig zur Entwöhnung führen kann, hängt nicht zuletzt vom Mut des Arztes zur ausreichend hohen Dosierung ab. Und hier gibt es offenbar noch moralische Schwellen zu überwinden. «Weltweit werden Methadonbehandlungen meistens viel zu niedrig dosiert», kritisiert der Zürcher Arzt André Seidenberg, der zu den Pionieren der Methadongestützten Suchttherapie in der Schweiz gehört. Unter geringer Methadondosis würden die Patienten häufiger Heroin und Heroin / KokainCocktails konsumieren als unter den eigentlich erforderlichen Dosen

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von 80 bis 100 mg pro Tag. Oft erhielten die Abhängigen nur die Hälfte dieser Tagesdosis. Der Grund für die mangelnde Bereitschaft zur ausreichenden Dosierung ist augenscheinlich die Angst von Ärzten und Patienten, die Sucht zu verstärken und zu verlängern. Aus denselben Gründen werden viele Methadontherapien zu kurz angelegt. Seidenberg: «Erst wenn unter Methadon neun Monate lang keine anderen Drogen konsumiert werden, kann die Dosis langsam reduziert werden. Zu gering dosierte und zu kurze Methadonbehandlungen sind die häufigsten Ursachen für Rückfälle.» Stationäre Einrichtungen bleiben wichtig Auch wenn der Abstinenzanspruch in der Drogentherapie zuletzt an Bedeutung verloren hat, werden abstinenzorientierte Institutionen bis auf weiteres ihren Platz auf dem Therapiemarkt haben. Es ist heute ein vielfältiges Angebot vorhanden, das den unterschiedlichsten Bedürfnissen gerecht wird. Welche Therapie die richtige ist, hängt vom Einzelfall ab. Wer einen Job und eine Familie hat, wird den Wert seines sozialen Umfeldes sicher anders gewichten als jemand, der die letzten Jahre nur noch auf der Gasse verbracht hat. Die beste Grundlage für die Wahl der richtigen Therapie ist eine eingehende Situationsanalyse. Diese kann beim Hausarzt oder in einer Beratungsstelle stattfinden. Nach eingehender Abklärung der Motivation des Abhängigen können die Ziele der Therapie festgelegt und das entsprechende Angebot gewählt werden. In der Beratungsstelle können auch Fragen wie die Finanzierung der Therapie geklärt werden, was vor allem bei stationären Therapien ein gewisses Prozedere darstellen kann. An einer fehlenden Kostengutsprache scheitert die Therapie aber meistens nicht. Mehr als die Hälfte schafft den Ausstieg Längst nicht jeder Drogenabhängige findet den Ausstieg aus der Sucht beim ersten Anlauf. Der Weg zur Drogenfreiheit ist in den meisten Fällen geprägt von schmerzhaften Rückschlägen. Tatsache ist aber auch, dass die Mehrheit der Drogenabhängigen irgendwann den Ausstieg schafft: Laut Schätzungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) machen immerhin 60 bis 70 Prozent der Süchtigen irgendwann Schluss mit der Droge.

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Wie eine Therapie finanziert wird Es wäre schade, wenn eine Therapie wegen ungeregelter Finanzierung scheitern würde. Deshalb dürfen die anfallenden Kosten von Anfang an nicht ausser Acht gelassen werden. Praktisch alle Institutionen verlangen vor Behandlungsbeginn oder vor dem Eintritt ein Depot in Form von Geldzahlungen und /oder eine Kostengutsprache. Therapien sind teuer und werden nur in den seltensten Fällen durch die Krankenkasse oder andere Versicherungen getragen. Wenn nicht genügend oder gar keine eigenen Mittel vorhanden sind (was meistens der Fall ist) und keine andere Stelle für die Kosten aufkommt, musse bei der Sozial- oder Fürsorgebehörde am Wohnsitz der ab-hängigen Person ein Gesuch um Sozialhilfe gestellt werden (es sei denn, es handle sich um einen unfreiwilligen Massnahmevollzug, der von der Justiz finanziert wird). Damit ein Anspruch geprüft und in der Folge Kostengutsprache geleistet werden kann, müssen die finanziellen – und oft auch die persönlichen – Verhältnisse offen gelegt werden. Wenn einer Finanzierung nichts im Wege steht, nehmen die Behörden in der Regel mit der Therapieeinrichtung Kontakt auf und erteilen direkt Gutsprache. Wenn es Probleme mit der Finanzierung gibt Nicht immer verläuft die Finanzierung problemlos. Hier drei Tipps für den Fall, dass die Behörden sich gegen die Finanzierung einer Therapie sträuben: • Sollte Ihr Gesuch um Kostenübernahme abgelehnt werden, können Sie einen schriftlichen Entscheid mit Rechtsmittelbelehrung verlangen und in der Folge Beschwerde einlegen oder eine Neuprüfung verlangen. • Unwahr ist die hie und da gehörte Behauptung, dass für Therapiekosten die vermögenden Eltern aufkommen müssen. • Falsch ist die Annahme, dass immer nur die günstigste Therapie finanziert wird. Die günstigste Variante kann, muss aber nicht erfolgversprechend sein.

Verwandtenunterstützung Nach den geltenden gesetzlichen Grundlagen ist es den Behörden erlaubt, Leistungen unter dem Titel Verwandtenunterstützungspflicht zu fordern. Zwar ist diese humaner, als man gemeinhin denkt. Dennoch beinhaltet die Bestimmung Zündstoff – insbesondere wenn die Ver-

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wandten der Ansicht sind, der oder die Therapiewillige habe sich die Suchtkrankheit selber eingebrockt und sei somit selber schuld. Die Verwandtenunterstützungspflicht kommt zum Tragen, wenn • ein Verwandtschaftsverhältnis in gerader Linie vorliegt: Eltern – Kinder – Grosseltern. (Nicht in gerader Linie verwandt sind Geschwister und weitere Verwandte.) • die Verwandten in günstigen finanziellen Verhältnissen leben. • ein allfälliger Unterstützungsbeitrag für die Verwandten zumutbar ist. Nicht zumutbar wäre es, wenn Eltern ihr eigenes Haus verkaufen müssten, um ihrem Kind eine Therapie zu finanzieren. Unzumutbar ist auch, wenn Unterstützungspflichtige Beiträge bezahlen müssen, die sie selber an die finanzielle Schmerzgrenze bringen. Wenn Vermögen in Form eines Hauses vorhanden ist oder in anderen Werten steckt, so kann mit den Sozialhilfebehörde eine Vereinbarung ausgehandelt werden, in der festgehalten wird, dass die Fälligkeit erst nach einem Verkauf der Vermögenswerte oder bei einem Erbgang erfolgt. Wenn Verhandlungen mit den sozialhilferechtlichen Organen zu keiner Einigung führen oder deren Forderungen unhaltbar sind, so muss schlussendlich ein Gericht prüfen, ob eine Unterstützungspflicht vorliegt und, wenn ja, den Unterstützungsbeitrag festlegen. Ebenso wird das Gericht entscheiden, wenn die Pflichtigen nicht verhandlungsbereit sind. Gesprächsbereitschaft lohnt sich deshalb von beiden Seiten! Rückerstattung Kostengutsprachen von Sozialbehörden sind keine Bankkredite. Dennoch ist Sozialhilfe im Grundsatz immer rückerstattungspflichtig. Oberstes Ziel einer jeden Therapie ist jedoch, dass Betroffene nach einem erfolgreichen Abschluss wieder ein selbstbestimmtes und wirtschaftlich unabhängiges Leben führen können. Die Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) empfehlen denn auch, dass Rückerstattungen nur bei Lottogewinnen und Erbschaften in Betracht gezogen werden, nicht aber bei späterem Erwerbseinkommen. Auch ein Abbruch der Therapie rechtfertigt keine Rückerstattung.

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Wer nachträglich für den selben Zeitraum, in dem er Sozialhilfe bezogen hat, Leistungen der Invalidenversicherung oder einer anderen Versicherung erhält, muss die Sozialhilfe zurückzahlen. Die Sozialhilfe war in diesem Fall sozusagen als Vorschuss auf die Versicherungsleistungen zu verstehen.

Hier können Sie sich informieren Was punkto Verwandtenunterstützung und Rückerstattung zumutbar ist, hält die SKOS in ihren Richtlinien zur Ausgestaltung und Bemessung der Sozialhilfe fest. Diese Richtlinien können im Internet unter www.skos.ch (Kapitel F4 und E3) eingesehen werden. Anschauungs- und Berechnungsbeipiele sind im Buch «Habe ich Anspruch auf Sozialhilfe» des Beobachter-Buchverlags (siehe Literaturliste Seite 206) zu finden.

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13 13. Anhang • Glossar

• Suchtberatungsstellen

• Schweizerische Suchthilfe-Websites • Websites rund um Drogen • Literatur

• Verzeichnis der in der Schweiz verbotenen Substanzen • Register

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Glossar Alkaloide – basische Stickstoffverbindungen in Pflanzenteilen mit pharmakologischer Wirkung. Anästhetika – Mittel zur Verminderung oder Ausschaltung der Schmerzempfindung. Lokalanästhetika schalten das Schmerzempfinden an bestimmten Körperstellen aus. basen, freebasen – Kokainbase (Freebase) oder Crack rauchen. Cannabinoide – Cannabis enthält rund 420 Inhaltsstoffe, darunter rund 65 so genannte Cannabinoide. Die Cannabinoide sind die pharmakologisch bedeutsamsten Inhaltsstoffe des Hanfs. Je nach chemischer Grundstruktur unterscheidet man zwischen 10 verschiedenen CannabinoidTypen. Der wichtigste Typ ist der Delta9-THC-Typ. Craving – «Reissen»; das Verlangen, das ein Süchtiger nach seiner Droge verspürt. DEA – Drug Enforcement Administration; US-amerikanische Drogenbehörde. Delirium (tremens) – Zustand geistiger Verwirrtheit, oft begleitet von Halluzinationen, Gleichgewichts- und Kreislaufstörungen. Ein typisches Symptom des bei langjährigen Alkoholkranken verbreiteten Delirium tremens ist das Sehen von weissen Mäusen. Derivate – Von einer Grundsubstanz abgeleitete Abkömmlinge mit überwiegend eigener Wirkung. Die Ecstasy-Wirkstoffe (MDMA, MDA usw.) sind AmphetaminDerivate.

Downers – (<-> Uppers) Drogen mit sedierender (beruhigender oder betäubender) Wirkung, z. B. Heroin, Alkohol, Schlaf- und Beruhigungsmittel. empathogen – Empfindsamkeit, Einfühlungsvermögen und Kommunikationsfähigkeit verstärkend entaktogen – lat. die innere Berührtheit fördernd, sprich: Gefühle verstärkend, anregend Ethnobotanik – Als Überschneidungsbereich zwischen Ethnologie und Botanik befasst sich die Ethnobotanik mit der Beziehung zwischen Menschen und Pflanzen, im Besonderen psychoaktiven Gewächsen. Beispiele für ethnobotanische Drogen sind Psilocybin-Pilze und der Peyote-Kaktus. Flash – Einsetzen der Rauschwirkung (auch «Kick» oder «Rush») Flashback – Wiederauftreten von Rausch-

symptomen ohne Einnahme der Droge. Zu Flashbacks kommt es, wenn fettlösliche Wirkstoffe (THC, LSD) sich in Körperdepots angereichert haben und plötzlich freigesetzt werden. halluzinogen – optische, akustische und/oder taktile Erscheinungen (Halluzinationen) erzeugend. Hepatitis – entzündliche Viruserkrankung der Leber. Symptome: Niedergeschlagenheit, Appetitlosigkeit etc. Unter Umständen vergrössert sich die Leber, und eine Gelbsucht tritt auf (Gelbfärbung der Haut). Es gibt unterschiedliche Hepatitis-Viren (Typ A, B, C, D und G), die recht unter-

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schiedliche Krankheitsbilder erzeugen und auf unterschiedliche Weise übertragen werden. Hepatitis gibt es in akuter und chronischer Form.

Mischkonsum – gleichzeitig oder direkt aufeinander erfolgende Einnahme verschiedener psychoaktiver Substanzen.

HIV – engl. Human Immunodeficiency Virus, Humanes Immunschwäche Virus. Auslöser von Aids (Acquired Immuno Deficiency Syndrome)

Neurotoxizität – Nerven schädigende Wirkung einer Substanz; Neurotoxin = Nervengift.

Indoor – (engl.) im Hause, innen; als Indoor-Marihuana bezeichnet man Hanfblüten, die in geschlossenen Plantagen kultiviert wurden. <–> Outdoor = draussen, unter freiem Himmel. intramuskulär – in den Muskel gespritzt intravenös – in die Vene gespritzt MAO-Hemmer – hemmen das Enzym Mono-

aminoxidase (MAO). MAO bauen Botenstoffe des zentralen Nervensystems ab und machen sie so unwirksam. MAO-Hemmer sorgen dafür, dass mehr Serotonin, Noradrenalin und Dopamin im Gehirn zur Verfügung steht. Nach der Einnahme von MAO-Hemmern können gewisse, normalerweise unbedenkliche Lebensmittel (reifer Käse, Bananen, Ananas) und Medikamente (z. B. Tranquilizer, Stimulanzien) Vergiftungserscheinungen auslösen! Morphin – Morphin ist der wichtigste Inhaltsstoff des aus der Mohnpflanze gewonnenen Opiums. Es wirkt schmerzlindernd und euphorisierend, beruhigend und schlaffördernd. Zusätzlich dämpft Morphin den Hustenreiz, weshalb es früher auch als Hustenmittel verwendet wurde. Morphin ist in Opiaten wie Heroin (Diacetylmorphin) enthalten. Daneben gibt es zahlreiche synthetisch hergestellte Morphin-Derivate.

nasal – durch die Nase (sniffen, schnupfen)

Neurotransmitter – chemische Botenstoffe im Gehirn. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Impulsübertragung von Nervensignalen sowie bei der Auslösung von Schmerzsignalen, Gefühlen usw. Wichtige Neurotransmitter sind Adrenalin und Noradrenalin, Endorphine, Histamin, Prostaglandine, Serotonin. Opiate – von gr. opion = Mohnsaft; natürliche Stoffe mit morphinähnlicher Wirkung (z. B. Opium, Morphium) Opioide – Überbegriff für alle Stoffe mit morphinähnlicher Wirkung, ob natürlich (z. B. Opium), halbsynthetisch (Heroin) oder vollsynthetisch (Methadon) oral – zum Mund gehörend, durch den Mund, vom Mund her; orale Einnahme heisst essen, schlucken oder trinken. Paranoia – Der Begriff stammt aus der Psychiatrie und beschreibt eine Art von Psychose, die von Wahnvorstellungen (z. B. Verfolgungswahn) und Halluzinationen geprägt ist. Polytoxikomanie – Abhängigkeit von mehr als einer Droge (z. B. Heroin und Kokain, Alkohol und Tabletten). psychedelisch – «die Seele, den Geist hervorbringend» (aus gr. Psyche = Seele, Geist und delos = hervorbringen, offenbaren); Aldous Huxley prägte den Begriff, um die Wirkung von LSD zu beschreiben.

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psychoaktiv – als psychoaktiv bezeichnet man Substanzen, die das Bewusstsein verändern Stimulanzien – Aufputschmittel (auch «Uppers»), die kurzfristig die Leistung steigern und die Stimmung heben. Die chemische Struktur typischer Stimulanzien wie Amphetamin oder Ephedrin ähnelt jener der körpereigenen Hormone Adrenalin und Noradrenalin. Substitution – Therapieform, bei der der Suchtstoff durch ein Ersatzmedikament ersetzt wird. Die bekannteste Substitution ist die Behandlung von Heroinabhängigen mit Methadon. Aber auch wenn illegal beschafftes Heroin durch legal vom Arzt verschriebenes ersetzt wird (Heroinprogramme), spricht man von Substitution. synthetisch – zusammensetzend; künstlich hergestellt (Kunststoffe)

THC – der für die psychoaktive Wirkung von Cannabisprodukten hauptverantwortliche Wirkstoff ist das Delta-9-Tetrahydrocannabinol (Delta-9-THC). Ebenfalls im Hanf enthalten ist das etwas schwächer psychoaktive Delta-8-THC. In der Pflanze liegt der grösste Teil des Wirkstoffs als Carbonsäure des THC vor (THC-Säure). Erst durch Erhitzen (z. B. Rauchen oder Backen) wird die THC-Säure zu psychoaktivem THC umgewandelt. Toleranz – Durch regelmässigen Konsum entstandene Gewöhnung; der Grund, wieso Abhängige immer grössere Mengen eines Stoffs brauchen, um die gewünschte Rauschwirkung zu erzielen. Zentralnervensystem – Das zentrale Nervensystem (ZNS) wird aus Gehirn und Rückenmark gebildet. Als zentrale Schaltstelle des menschlichen Nervensystems steuert es die willkürlichen Bewegungen, die der Körper als Reaktion auf Wahrnehmungen der Sinnesorgane durchführt.

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Suchtberatungsstellen Die folgenden Adressen sind eine Auswahl. In den meisten Kantonen gibt es mehrere Suchtund Drogenberatungsstellen für Betroffene und Angehörige. Entsprechende Adressen erhalten Sie bei untenstehenden Stellen oder auf Ihrer Wohngemeinde.

AG Aargauischer Verein für Suchthilfe AVS Vordere Vorstadt 21 5000 Aarau Tel. 062 822 88 00 www.suchthilfe-avs.ch AI Sozialberatungsstelle des Kantons Appenzell I. Rh. Sucht- und Drogenberatung Marktgasse 10 c 9050 Appenzell Tel. 071 788 10 20 www.sozialberatung-ai.ch AR Beratungsstelle für Suchtfragen des Kantons Appenzell A. Rh. Herr Paul Marti Hauptstrasse 60 9053 Teufen Tel. 071 333 44 33 suchtberatung@gd.ar.ch BE für illegale Drogen: Contact Jugend-, Eltern- und Suchtberatung des Contact Netz Monbijoustrasse 70 3000 Bern 23 Tel. 031 378 22 22 www.contactnetz.ch

für legale Drogen und Alkohol: Berner Gesundheit Zentrum Bern Eigerstrasse 80 Tel. 031 370 70 70 www.bernergesundheit.ch BL für Alkohol und legale Drogen oder Spielsucht: Basellandschaftliche Beratungsstelle für Alkohol- und andere Suchtprobleme (BfA) Goldbrunnenstrasse 14 4410 Liestal Tel. 061 901 85 85 www.alkoholberatung.ch für illegale Drogen: Drogenberatung Baselland Heroingestützte Behandlung Baselland Baselstrasse 1 4153 Reinach Tel. 061 712 15 15 www.kpd.ch BS für volljährige Suchtmittelabhängige und vor allem Alkohol: Gesundheitsdienste Basel-Stadt Alkohol- und Suchtberatung Schanzenstrasse 13 4004 Basel Tel. 061 265 89 50 as-beratung@bs.ch

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für illegale Drogen: Drop In Drogenberatungsstelle Mülhauserstrasse 113 4056 Basel Tel. 061 387 99 99 www.suchthilfe.ch FR für Alkohol und Sucht: Centre psycho-social de Fribourg Av. Général-Guisan 56 1700 Fribourg Tel. 026 465 20 20 für illegale Drogen: Toxicomanes, centre de conseils aux Unité spécialisée en Toxicomanie (UST) rue François-d’Alt 3 1700 Fribourg Tel. 026 347 21 11 uehlingerc@fr.ch

JU Service Cantonale de l’action sociale Faubourg des Capucins 20 2800 Delémont Tel. 032 420 51 40 LU für legale Drogen: Sozial-BeratungsZentrum (SoBZ) für Alkohol- und andere Suchtfragen, Amt Luzern Obergrundstrasse 49 6003 Luzern Tel. 041 249 30 60 www.sobz.ch für illegale Drogen: Drogentherapeutisches Ambulatorium Löwengraben 20 Tel. 041 228 68 28 6004 Luzern dta@dta.gsd.lu.ch

GE ARGOS Direction Aide aux toxicomanes Bd St-Georges 71 1205 Genève Tel. 022 809 62 62 www.argos.ch

NE Drop-in Neuchâtel Centre d’information, prévention et traitement des addictions Fausses-Brayes 5 2000 Neuchâtel Tel. 032 724 60 10 www.drop-in.ch

GL Beratungsstelle für Alkohol- und andere Suchtgefährdete Schweizerhofstrasse 6 8750 Glarus Tel. 055 640 91 72 edith.marti@bluewin.ch

NW Beratungsstelle für Suchtfragen Kanton Nidwalden Rathausplatz 9 6371 Stans Tel. 041 618 76 03 suchtberatung@nw.ch

GR Jugend- und Drogenberatung Loestrasse 37 7000 Chur Tel. 081 257 26 93

OW Gesundheits- und Sozialdepartement Obwalden Dorfplatz 4 6061 Sarnen Tel. 041 666 64 58 sozialamt@ow.ch

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SG Suchtfachstelle Rorschacherstrasse 110 9000 St. Gallen Tel. 071 245 05 45 www.stiftung-suchthilfe.ch SH Beratungsstelle Alkohol- und Suchtprobleme Neustadt 17 8200 Schaffhausen Tel. 052 624 78 88 aber.sh@bluewin.ch S0 Perspektive Beratungsstelle Suchtprobleme Weissensteinstrasse 33 4502 Solothurn Tel. 032 626 56 30 www.perspektive-so.ch SZ Fachstelle für Suchtfragen c/o Sozialpsychiatrischer Dienst des Kantons Schwyz Rigistrasse 1 6410 Goldau Tel. 041 859 17 17 www.spd.ch TG Fachstelle für Suchtberatung und Prävention Oberstadtstrasse 6 Postfach 70 8501 Frauenfeld Tel. 052 721 17 43 www.fsp-frauenfeld.ch TI

für Alkohol: Centre Ingrado Via Orelli 29 6600 Locarno Tel. 091 922 96 05

für Drogen: Antenna Icaro Via S. Balestra 21 Tel. 091 751 59 29 UR Sucht- und Jugendberatung Uri Gemeindehausplatz 2 6460 Altdorf Tel. 041 874 11 80/81 sjb.uri@bluewin.ch VD ACT Action Communautaire et Toxicomaine Rue de l’Ancienne Monneresse 5 1800 Vevey Tel. 021 921 50 50 a.c.t.@urbanet.ch VS CAP-LVT Brig, Beratungs- und Präventionsstelle Sebastiansgasse 7 3900 Brig Tel. 027 923 25 72 www.infoset.ch/inst/lvt/ ZG Jugend- und Drogenberatung Fachstelle für Suchtfragen und Prävention des Kantons Zug Aegeristrasse 56 6300 Zug Tel. 041 728 39 39 www.zug.ch/fsp ZH Drop-in Zürich, Psychiatrische Jugend- und Drogenberatungsstelle Asylstrasse 23 8032 Zürich Tel. 01 253 80 00

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Schweizerische Suchthilfe-Websites www.drogindex.ch www.bag.admin.ch www.infoset.ch

www.sfa-ispa.ch www.blaueskreuz.ch www.at-schweiz.ch

Websites rund um Drogen Deutschsprachige Websites www.sfa-ispa.ch Auf den Seiten der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) kann man sich über Drogen, ihre Wirkungen und ihre Verbreitung informieren. Die SFA betreibt auch ein Online-Forum, in dem Fachleute anonyme Fragen beantworten. Publikationen der SFA können online bestellt werden. www.tschau.ch Beratungs- und Informationsportal für Jugendliche. Neben Drogen und Sucht werden auch die Themen Sexualität, Freundschaft, Gesundheit, Schule und Arbeitswelt behandelt. Ein Expertenteam beantwortet anonyme Fragen in kürzester Zeit. www.eve-rave.ch Der Verein zur Förderung der Partyund Technokultur und Minderung der Drogenproblematik klärt über Drogen auf, warnt vor gefährlichen Substanzen und führt Pillentests durch. Die Testresultate publiziert Eve & Rave (Schweiz) im Internet.

www.saferparty.ch Saferparty.ch wird von Streetwork betrieben, einem Projekt der ambulanten Drogenhilfe der Stadt Zürich. Safer-Use- und Notfall-Tipps, Infos zu Drogen, E-Mail-Beratung. www.dhs.de Website der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. Unter der Rubrik «Basiswissen» gibt es jede Menge Infos zu Drogen (auch Alkohol und Nikotin): interessant, ausführlich, sachlich und leicht verständlich. www.hanfkonsum.ch Will Vorurteile abbauen und objektiv über Cannabis informieren. Mit Lexikon und ständig aktualisiertem Archiv mit Zeitungsartikeln, Agentur-Meldungen und wissenschaftlichen Beiträgen. www.drugscouts.de Infos zu psychoaktiven Substanzen und ihren Risiken, Erfahrungsberichte, Nachweiszeiten etc. www.partypack.de Projekt der Drogenhilfe Köln e.V. mit Drogeninfos, Online-Beratung, Forum und FAQ (Fragen und Antworten).

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www.drug-infopool.de Privat zusammengetragenes und regelmässig aktualisiertes «Kompendium», in dem auch exotischere Substanzen behandelt werden. Hilfreich ist auch das Synonym-Lexikon, in dem man Drogen nach deren Szenenamen nachschlagen kann. www.suchtundaids.bag.admin.ch/ themen/sucht Die Seiten des Bundesamtes für Gesundheit zu den Themen Sucht und Aids. Aktuelle Infos zur laufenden Revision des Betäubungsmittelgesetzes und News aus Politik und Suchtforschung. www.stangl-taller.at/ ARBEITSBLAETTER Werner Stangl-Taller ist Assistenzprofessor am Institut für Pädagogik und Psychologie der Johannes Kepler Universität in Linz. Nach dem Motto «Giving Science Away» macht Stangl seine laufend aktualisierten Arbeiten der Öffentlichkeit zugänglich. www.admin.ch/ch/d/sr/ c812_121.html Das Schweizerische Betäubungsmittelgesetz. www.admin.ch/ch/d/sr/ 812_121_2/app4.html Verzeichnis der verbotenen Stoffe. www.letitbe.ch «Rauchen schadet – Let it be» ist ein gemeinsames Projekt von Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention, Krebs-

liga Schweiz, Bundesamt für Gesundheit und Lungenliga Schweiz mit dem Ziel, den Rauchstopp zu fördern.

Englischsprachige Websites www.nida.nih.gov Das US-amerikanische National Institute on Drug Abuse (NIDA) kann nicht wirklich als liberal gelten, wartet aber mit aktuellen Resultaten klinischer Studien auf. www.who.int Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verfügt über eine unerschöpfliche Datenbank mit Berichten und Studien zu allen Gesundheitsthemen, natürlich auch zu Sucht und Drogen. Tipp: Suchmaschine benutzen! www.erowid.org Die «Vaults of Erowid» sind eine OnlineBibliothek mit Informationen zu psychoaktiven Pflanzen und chemischen Substanzen. Die Erowid-Bibliothek umfasst rund 16 000 Dokumente, darunter Bilder, Forschungsarbeiten und Beiträge zu Chemie, Dosierung, Wirkung, traditionellem und spirituellem Gebrauch etc. www.lycaeum.org; leda.lycaeum.org Das Lycaeum will die Öffentlichkeit über alle Aspekte des Drogengebrauchs aufklären. Dazu gehören auch Angaben zum risikoärmeren Gebrauch von Drogen. Lycaeum spezialisiert, aber beschränkt sich nicht auf psychedelische Drogen. Herzstück ist die Lycaeum Entheogen Database (Leda).

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Literatur Broschüren, Zeitschriften, Flyers Informativ und hilfreich sind die Publikationen der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA): – Alkohol – Mit Jugendlichen darüber reden – Alkohol und Gesundheit – Tabakkonsum in der Schweiz – Cannabis – Mit Jugendlichen darüber sprechen – Drogeninfo Cannabis – Drogeninfo Amphetamine / Speed – Drogeninfo Schnüffeln – Drogeninfo Heroin – Drogeninfo Heroin- und Methadonabgabe – Drogeninfo Kokain – Drogeninfo Halluzinogene und Zauberpilze – Drogeninfo Schlaf- und Beruhigungsmittel Erhältlich bei SFA, SPA, Case postale 870, 1001 Lausanne, Tel. 021 321 29 11, oder online auf www.sfa-ispa.ch Eve & Rave (Schweiz): Drugs – die Partydrogeninfo. Die 48-seitige Broschüre ist erhältlich für 2 Franken bei Eve & Rave, Postfach 140, 4502 Solothurn. Legalize it!: Shit Happens. Rechtshilfebroschüre für Kiffende. Erhältlich bei: Legalize it!, Postfach 2159, 8031 Zürich, Tel. 01 272 10 77.

Alkohol- und Suchtfachleute A + S: Was tun bei Alkoholproblemen? Die Broschüre ist erhältlich bei A + S, Postfach, 6208 Oberkirch, Tel. 041 921 98 44. DAJ: Forum – Zeitschrift der Elternund Angehörigenvereinigungen Drogenabhängiger. Erhältlich bei der DAJ Zürich, Seefeldstrasse 128, Postfach, 8034 Zürich. Bundesamt für Polizei: Schweizerische Betäubungsmittelstatistik 2002

Bücher Meier, Isabelle: Wenn Essen zum Zwang wird. Ratgeber für Betroffene von Magersucht und Bulimie. Beobachter-Buchverlag, Zürich 2003 Moser, Heinz; Nufer, Heinrich: Mein Kind – fröhlich und stark. Ein Kompass für den Erziehungsalltag. Beobachter-Buchverlag, Zürich 2000 Moser, Heinz: Jung, na und! Was Eltern über Jugendliche wissen müssen. Beobachter-Buchverlag, 2. Auflage, Zürich 1997 Wirz, Toni; Alfirev-Bieri, Charlotte: Habe ich Anspruch auf Sozialhilfe? Rechte und Pflichten, Richtlinien und Berechnungsbeispiele. BeobachterBuchverlag, 2. Auflage, Zürich 2003

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Adelaars, Arno: Alles über Psilos. Nachtschatten Verlag, Solothurn 2003 Amendt, Günther; Böllinger, Lorenz; Dittrich, Adolf; Kanitscheider, Bernulf; Suchan, Berthold: Drogenkonsum. Bekämpfen oder Freigeben? Hirzel Verlag, Stuttgart 2000 Cousto, Hans: Drug-Checking. Nachtschatten Verlag, Solothurn 1997 Cousto, Hans: DrogenMischKonsum. Nachtschatten Verlag, Solothurn 2003 Gehrig, Leo: Kiffen. Was Eltern wissen müssen. Pro Juventute, Zürich 2002 Hofmann, Albert: LSD – mein Sorgenkind. Die Entdeckung einer Wunderdroge. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2001

Hofmann, Albert: Einsichten Ausblicke, Nachtschatten Verlag, Solothurn 2003 Mala, Victor: Opiumessers Drachenjagd. Nachtschatten Verlag, Solothurn 2002 Pellerin, Cheryl: Trips – Wie Halluzinogene wirken. AT Verlag, Aarau 2001 Rätsch, Christian: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. AT Verlag, Aarau 2002 Samorini, Giorgio: Halluzinogene im Mythos. Nachtschatten Verlag, Solothurn 1998

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Verzeichnis der in der Schweiz verbotenen Substanzen Verordnung des Schweizerischen Heilmittelinstituts über die Betäubungsmittel und psychotropen Stoffe vom 12. Dezember 1996 (Stand 18. Dezember 2001), Anhang, Art. 4 3-(2-Aminobutyl)-indol siehe unter Etryptamin 2-Amino-1-(2,5-dimethoxy-4-methyl)phenyl-propan siehe unter 2,5-Dimethoxy-4-methylamphetamin cis-2-Amino-4-methyl-phenyl-2-oxazolin siehe unter 4-Methylaminorex

Conocybe siehe unter Halluzinogene Pilze DET siehe unter N,N-Diethyltryptamin Diacetylmorphin siehe unter Heroin Diamorphin siehe unter Heroin

2-Aminopropiophenon siehe unter Cathinon

Didehydro-9,10-N,N-diethyl-methyl-6ergolin-carboxamid-8 siehe unter Lysersäurediethylamid

Brolamfetamin siehe unter 4-Brom-2,5-dimethoxyamphetamin

3-(2-Diethylaminoethyl)-indol siehe unter N,N-Diethyltryptamin

4-Brom-2,5-dimethoxyamphetamin (DOB) [(±)-Isomer]

N,N-Diethyllysergamid siehe unter Lysersäurediethylamid

4-Brom-2,5-dimethoxyamphetamin-hydrochlorid (DOB-hydrochlorid) [(±)-Isomer]

N,N-Diethyltryptamin (DET)

4-Brom-2,5-dimethoxyphenylethylamin (2C-B) 4-Brom-2,5-dimethoxyphenylethylaminhydrochlorid (2C-B-hydrochlorid) Cannabis zur Betäubungsmittelgewinnung Cannabisextrakt zur Betäubungsmittelgewinnung Cannabisharz (Haschisch) Cannabisöl zur Betäubungsmittelgewinnung

N,N-Diethyltryptamin-hydrochlorid (DET-hydrochlorid) 2,5-Dimethoxyamphetamin (DMA) 2,5-Dimethoxy-4-ethylamphetamin (DOET) [(±)-Isomer] 2,5-Dimethoxy-4-ethylamphetamin-hydrochlorid (DOET-hydrochlorid) [(±)-Isomer] 2,5-Dimethoxy-4-methylamphetamin (DOM, STP) [(±)-Isomer]

Cannabistinktur zur Betäubungsmittelgewinnung

2,5-Dimethoxy-4-methylamphetaminhydrochlorid (DOM-hydrochlorid, STP-hydrochlorid) [(±)-Isomer]

Catha edulis-Blätter (Blätter der Kath-Pflanze)

3-(2-Dimethylaminoethyl)-indol siehe unter N,N-Dimethyltryptamin

Cathinon

3-(2-Dimethylaminoethyl)-indol-4-ol siehe unter Psilocin

2C-B siehe unter 4-Brom-2,5-dimethoxyphenylethylamin

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Anhang 209

3-(2-Dimethylaminoethyl)-indol-4-yldihydrogenphosphat siehe unter Psilocybin Dimethylheptyltetrahydrocannabinol (DMHP) N,N-Dimethyltryptamin (DMT) DMA siehe unter 2,5-Dimethoxyamphetamin DMHP siehe unter Dimethylheptyltetrahydrocannabinol DMT siehe unter N,N-Dimethyltryptamin DOB siehe unter 4-Brom-2,5-dimethoxyamphetamin DOET siehe unter 2,5-Dimethoxy-4-ethylamphetamin DOM (STP) siehe unter 2,5-Dimethoxy-4-methylamphetamin Dronabinol siehe unter (-)-trans-delta-9-Tetrahydrocannabinol Ephedron siehe unter Methcathinon N-Ethyl-MDA siehe unter N-Ethyl-3,4-methylendioxyamphetamin N-Ethyl-3,4-methylendioxyamphetamin (MDE, MDEA) [(±)-Isomer] N-Ethyl-3,4-methylendioxyamphetaminhydrochlorid (MDE-hydrochlorid, MDEA-hydrochlorid) [(±)-Isomer] alpha-Ethyl-N-methyl-3,4-methylendioxyamphetamin (MBDB) alpha-Ethyl-N-methyl-3,4-methylendioxyamphetamin-hydrochlorid (MBDB-hydrochlorid) N-Ethyl-1-phenyl-cyclohexylamin siehe unter Eticyclidin Eticyclidin (PCE) Etryptamin Etryptamin-acetat Halluzinogene Pilze der Gattungen Conocybe, Panaeolus, Psilocybe und Stropharia

Hanf siehe unter Cannabis Haschisch siehe unter Cannabisharz Heroin (Diacetylmorphin / Diamorphin) Heroin-hydrochlorid 1-Hydroxy-3-(1,2-dimethylheptyl)7,8,9,10-tetrahydro-6,6,9-trimethyl-6Hdibenzo[b,d]pyran siehe unter Dimethylheptyltetrahydrocannabinol 1-Hydroxy-3-n-hexyl-7,8,9,10-tetrahydro6,6,9-trimethyl-6H-benzo[b,d]pyran siehe unter Parahexyl N-Hydroxy-MDA siehe unter N-Hydroxy-3,4-methylendioxyamphetamin N-Hydroxy-3,4-methylendioxyamphetamin (N-Hydroxy-MDA) N-Hydroxy-3,4-methylendioxyamphetaminhydrochlorid (N-Hydroxy-MDA-hydrochlorid) Ibogain Ibogain-hydrochlorid Lophophora williamsii siehe unter Peyotl LSD siehe unter Lysergsäurediethylamid LSD-25 siehe unter Lysergsäurediethylamid Lysergid siehe unter Lysergsäurediethylamid Lysergid-tartrat Lysergsäurediethylamid (LSD-25) MBDB siehe unter alpha-Ethyl-N-methyl3,4-methylendioxyamphetamin MDA siehe unter 3,4-Methylendioxyamphetamin MDE siehe unter N-Ethyl-3,4-methylendioxyamphetamin MDEA siehe unter N-Ethyl-3,4-methylendioxyamphetamin MDMA siehe unter 3,4-Methylendioxymethamphetamin

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210 Anhang

Meskalin

Parahexyl (Synhexyl)

Meskalin-hemisulfat (C11 H17 N03 ◆ 1⁄2H2 SO4)

Paramethoxyamphetamin (PMA)

Meskalin-hydrochlorid

PCE siehe unter Eticyclidin PCPY siehe unter Rolicyclidin

Meskalin-hydrogensulfat (C11 H17 N03 ◆ H2 SO4)

Peyotl (Lophophora williamsii)

Meskalin-sulfat (C11 H17 N03 ◆ x H2 SO4)

1-(1-Phenyl-cyclohexyl)-pyrrolidin siehe unter Rolicyclidin

Meskalin-sulfat, dihydrat (C11 H17 N03 ◆ 1⁄2H2 SO4 ◆ H2 O)

PHP siehe unter Rolicyclidin

Meskalin-sulfat, tetrahydrat (C11 H17 N03 ◆ 1⁄2H2 SO4 ◆ 2H2 O)

PMA siehe unter Paramethoxyamphetamin Psilocin

Methcathinon (Ephedron) [(±)-Isomer]

Psilocybe siehe unter Halluzinogene Pilze

Methcathinon-hydrochlorid (Ephedron-hydrochlorid) [(±)-Isomer]

Psilocybin

para-Methoxyamphetamin siehe unter Paramethoxyamphetamin (PMA) 5-Methoxy-3,4-methylendioxyamphetamin (MMDA)

Pyrahexyl siehe unter Parahexyl Rauchopium und die bei seiner Herstellung oder seinem Gebrauch entstehenden Rückstände Rolicyclidin (PHP, PCPY)

2-(Methylamino)-1-phenylpropan-1-on siehe unter Methcathinon

San Pedro (Trichocereus pachanoi)

4-Methylaminorex

STP (DOM) siehe unter 2,5-Dimethoxy-4-methylamphetamin

N-Methyl-1-(1,3-benzodioxol-5-yl)-2butylamin siehe unter alpha-Ethyl-N-methyl3,4-methylendioxyamphetamin 3,4-Methylendioxyamphetamin (MDA) [(±)-Isomer] 3,4-Methylendioxyamphetamin-hydrochlorid (MDA-hydrochlorid) [(±)-Isomer] 3,4-Methylendioxymethamphetamin (MDMA) [(±)-Isomer]

Stropharia siehe unter Halluzinogene Pilze Synhexyl siehe unter Parahexyl TCP siehe unter Tenocyclidin Tenamfetamin siehe unter 3,4-Methylendioxyamphetamin Tenocyclidin (TCP) Tenocyclidin-hydrochlorid (TCP-hydrochlorid)

3,4-Methylendioxymethamphetamin-hydrochlorid (MDMA-hydrochlorid) [(±)-Isomer] 4-Methylthioamphetamin (4-MTA)

(-)-trans-delta-9-Tetrahydrocannabinol (Dronabinol, [-]-trans-9-THC)

MMDA siehe unter 5-Methoxy-3,4-methylendioxyamphetamin

Tetrahydrocannabinol (THC), alle Isomere und deren stereochemischen Varianten ausser (-)-trans-9-THC

4-MTA siehe unter 4-Methylthioamphetamin Panaeolus siehe unter Halluzinogene Pilze

1-[1-(2-Thienyl)-cyclohexyl]-piperidin siehe unter Tenocyclidin

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Anhang 211

TMA siehe unter 3,4,5-Trimethoxyamphetamin Trichocereus pachanoi siehe unter San Pedro 3,4,5-Trimethoxyamphetamin (TMA) 1-(3,4,5-Trimethoxyphenyl)-2-aminoethan siehe unter Meskalin

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212 Anhang

Register 2C-1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78, 95 2C-B . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95ff. – Dosierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96 – Form . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 96 – Risiken/Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . . 96 – Wirkdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95 2C-T-2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95 2C-T-4 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78 2C-T-7 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95

A A2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78, 91 – Dosierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 – Form . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 – Risiken/Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . . 91 – Wirkdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 Abhängigkeit . . . . . . . . . . . . . 35, 38, 39, 41 Acid . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103 Alcopops . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51 Alkohol . . . . . . 46, 30ff., 50ff., 169, 184ff. – Dosierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52 – Form . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 52 – Pro-Kopf-Verbrauch . . . . . . . . . . . . . . . 51 – Reden über Alkohol . . . . . . . . . . . . . . 169 – Risiken/Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . . 53 – Safer Use . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54 – Verkaufsverbot . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51 – Wirkdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52 Alkoholabhängigkeit . . . . . . . . . . . . . 184ff. Beratung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 184 Medikamente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 186 Therapie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185 Alkoholvergiftung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53 Amphetamin . . . . . . . . . . 83ff., 134ff., 151 Angehörige und Sucht . . . . . 173, 176ff., 180 Anonyme Alkoholiker . . . . . . . . . . . . 31, 184 Anorexie siehe Magersucht Antabus® . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 186 Antidepressiva . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128

Aphenylbar-bit ® . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129 Arbeitsgemeinschaft für risikoärmeren Umgang mit Drogen ARUD . . . . . . . . . . . 191 Arbeitsplatz und Drogen . . . . . . . . . . . 148f. – Datenschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 148 – Drogentests . . . . . . . . . . . . . . . . . . 148f. – Kündigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149 – Lehrlinge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 148 Argyreia nervosa . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117 – Dosierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117 – Form . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . 117 – Risiken/ Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . 117 – Wirkdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117 Aussenwohngruppen . . . . . . . . . . . . . . . 188 Ausstieg aus der Sucht . . . . . . . . 187ff., 193

B BAG . . . . . . . . . . . . . 43, 163, 190, 191, 193 Barbiturate . . . . . . . . . . . . . . . . 129ff., 151 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . 129 – Risiken/ Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . 129 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129 Basler Elternvereinigung drogenabhängiger Jugendlicher EVDAJ . . . . . . . . . . . . 171, 172 BDMPEA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95 Bees . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95 Befragungen durch die Polizei . . . . . . . 146ff. Benzodiazepine . . . . . . . . . . . . . . 132f., 152 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . 132 – Risiken/ Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . 132 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132 Benzodiazepinähnliche Substanzen . . . . . 133 Betäubungsmittelgesetz . . . . . . . . 21, 60, 67, 144, 145, 153 – Delikte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 144 – Revision . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 153ff. – Sanktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146 Blaues Kreuz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 184 Bodybuilder-Sucht . . . . . . . . . . . . . . . . . 142 Bulimie siehe Ess-/Brechsucht Bundesamt für Gesundheit BAG . . . . 43, 163, 190, 191, 193

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Bundesgericht . . . . . . . . . . . . . . . . 150, 151 Buprenorphin. . . . . . . . . . . . . . . . . . 68, 191

C Campral® . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 186 Cannabinoide . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60, 152 Cannabis . . . . . 18, 21, 29ff., 46, 60ff., 144, 150, 151, 170 – Dosierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63 – Form . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 63 – Risiken/Suchpotenzial . . . . . . . . . . . . . 63 – Wirkdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 careplay . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139 Crack . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73, 75 Crystal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84

D DAJ-Beratungsstelle . . . . . . . . . . . . . . . . 179 Datenschutzbeauftragter, eidg. . . . . . . . . 148 Designerdrogen . . . . . . . . . . . . . . . 78ff., 87 Dexamin® . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134 Dihydrokodeinpräparate . . . . . . . . . . . . . 135 DIP . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58 DOB . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87 DOM . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87, 113 Dopamin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36, 84 Doping . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83 Dormicum® . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132 Drogen, Definition . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 – Harte Drogen . . . . . . . . . . . . . . . . 34, 172 – Weiche Drogen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 Drogenentzug . . . . . . . . . . . . . . . 37, 187ff. Drogenerziehung . . . . . . . . . . . . . . . . 162f. Drogenpolitik . . . . 21, 144, 145, 153ff., 154, 163, 179, 181 – Repression. . . . . . . . . . . . 20, 46f., 144ff. – Schadensminderung . . . . . . . . . . 145, 153 – Vier-Säulen-Politik . . . . . . . . 153, 154, 179 Drogentests . . . . . . . . . . . . . . . . 148f., 152 Duftsäckli . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158, 170 Duftsteine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62

E Ecstasy . . . . . . . . . . . 26f., 77, 78, 79, 87ff. – Dosierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89 – Form . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88

– Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 89 – Risiken/Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . . 89 – Wirkdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88 Eltern/Erziehung . . 19, 166ff., 169, 170, 172 – Elternvereinigungen . . . . . . . . . . . . 178ff. – Kurse für Eltern . . . . . . . . . . . . . . . . . 168 Empathogen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95 Entaktogen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87 Entkriminalisierung . . . . . . . . 145, 154, 181 Entzugskliniken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 188 Ephedra . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 – Dosierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119 – Form . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . 119 – Risiken/ Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . 119 – Wirkdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 Erox . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95 Ess-/Brechsucht . . . . . . . . . . . . . . 140, 141 Essstörungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140ff. Ethnobotanische Drogen . . . . . . 27ff., 106f. Eve . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87 Eve & Rave . . . . . . . . . . . . . 47, 85, 100, 159

F Familie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166ff. – Alkoholprävention . . . . . . . . . . . . . . . 169 – Alltag. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166 – Drogenkonsum . . . . . . . . . . . . . . . . . 170 – Drogenprävention . . . . . . . . . . . . . . . 170 – Harte Drogen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 172 Fluctine ® . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128 Folienrauchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68, 71 Freebase . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75 Fürsorgebehörde . . . . . . . . . . . . . . . . . . 194

G Gaba . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92 GHB . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78, 92 – Dosierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93 – Form . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 93 – Risiken/Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . . 93 – Wirkdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92 Glücksspielsucht . . . . . . . . . . . . . . . . . 139f.

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214 Anhang

H Haartests . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 153 Halluzinogen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87, 103 Hanf siehe Cannabis Hanftaler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 Haschisch . . . . . . . . . . . . . . . . 61, 62, 65ff. Hawaiian Baby Woodrose siehe Argyreia nervosa Herbal Ecstasy . . . . . . . . . . . . . . . . . 87, 118 Herbal Energizer . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 Heroin . . . . . . . . 18, 24ff., 67ff., 149, 179, – Dosierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 – Form . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 – Risiken/Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . . 70 – Wirkdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 Heroinabgabe, -programm . . . 153, 188, 190f. Herox . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95

I Imovane® . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133 INCB . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158 Institut für Suchtforschung . . . . . . . . . . 188 Integrationshilfe . . . . . . . . . . . . . . . . . . 188 Internet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158ff. – Drogenhandel . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158 – Interaktiver Austausch . . . . . . . . . . . . 159 – Online-Shops . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 159 Internetsucht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139 Invalidenversicherung IV. . . . . . . . . 189, 196

K Kaffee . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47 Kautabak . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58 Ketamin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 – Dosierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99 – Form . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 99 – Risiken/Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . . 99 – Wirkdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 Kiffen siehe Cannabis Ko-Abhängigkeit . . . . . . . . . . . . . 42, 176ff. Kodein, Kodeinpräparate . . . . . . . . . . 68,135 Kokain. . . . . . . . . . . . . . . . . 73ff., 152, 179 – Dosierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 – Form . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74

– Kokainbase . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 – Risiken/Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . . 76 – Wirkdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75 Koks . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74 Kostengutsprache . . . . . . . . . . . . . . . . . 194 Krankenkasse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 194

L Lachgas . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125 – Dosierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126 – Form. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . 126 – Risiken/ Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . 126 – Wirkdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125 Lexotanil® . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132 Liquid Ecstasy . . . . . . . . . . . . . . . 78, 87, 92 LSD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102ff. – Dosierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104 – Form . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . 104 – Risiken/ Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . 105 – Wirkdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103 Luminal® . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129

M Magersucht . . . . . . . . . . . . . . . . . 140, 141 Magic Mushrooms . . . . . . . . . . . . . . . . . 108 Maliasin® . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129 Marihuana . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61, 62 MBDB, MDA, MDEA, MDMA . . . . . . . . . . . . 87 Medikamente . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127ff. Meerträubel. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 Meili, Daniel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 191 Meskalin. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113 – Dosierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114 – Form. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . 114 – Risiken/ Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . 114 – Wirkdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113 Methadon. . . . . . . . . . . . . . . 68, 69, 70, 152 Methadonabgabe, Methadonprogramme . . 188, 190, 191, 192 Methamphetamine . . . . . . . . . 83, 84, 85, 86,

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Misch- und Mehrfachkonsum . . . . 41, 64, 68, 77, 78, 81, 85, 89, 93 Modasomil® . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134 Mormonentee siehe Ephedra Muskeldysmorphie . . . . . . . . . . . . . . . . . 142

N Nachweiszeit von Drogen . . . . . . . . . . . 151f. Naturdrogen . . . . . . . . . . . . . . 27ff., 106ff. Nemexin® . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 186 Netzwerk Essstörungen . . . . . . . . . . . . . . 142 Nexus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95 Nikotin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57ff. – Dosierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59 – Form . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 59 – Raucherrate. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57 – Risiken/Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . . 59 – Wirkdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58 Noradrenalin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84

O Opiate . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 152 Opioide . . . . . . . . . . . . . . . . . 37, 67ff., 135 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . 135 – Risiken/ Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . 135 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 135 Opioidgestützte Behandlung . . . . . . 190, 191 Original G . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92

P Partydrogen . . . . . 19, 26f., 41, 77, 78ff., 87 – Erste Hilfe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81f. – Safer Use . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79ff. Pep . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84 Peyote-Kaktus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113 Pillentests (Partys) . . . . . . . . . . . . . 79, 160 PMA. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79, 100f. – Form. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . 100 – Risiken/ Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . 101 – Wirkdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100 Poppers . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123f. – Dosierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123 – Form. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . 124

– Risiken/ Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . 124 – Wirkdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123 Polizei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146 – Befragungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 146f. – Fahrausweisentzug . . . . . . . . . . . . . . . 151 – Protokoll . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146, 148 – Razzia . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 148 Positive Parenting Program siehe Triple P Prävention . . . . . 21, 42ff., 47, 162f., 166ff. Prozac® . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128 Psilos . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108ff. – Dosierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109 – Form. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . 109 – Risiken/ Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . 109 – Wirkdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109 Psychoaktive Pflanzen . . . . . . . . 27ff., 106f.

R Rausch (historisch) . . . . . . . . . . . . . . . 46ff. Rechtsprechung Deutschland . . . . . . . . . . 48 Repression . . . . . . . . . . . . . 20, 46f., 144ff. Ritalin® . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128, 134 Rohopium . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 Rohypnol®. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128, 132 Rückfälle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37, 187f.

S Salvia divinorum. . . . . . . . . . . . . . . . . 115f. – Dosierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 – Form . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . 116 – Risiken/ Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . 116 – Wirkdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115 SBE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 168 Schadensminderung . . . . . . . . . . . . 145, 153 Schizophrenie . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61, 64 Schnee . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74 Schnüffelstoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . 120ff. – Dosierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120 – Form. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . 120 – Risiken/Suchtpotenzial. . . . . . . . . . . . 120 – Wirkdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120

02.anhang.drogen.–1ZEILE!!

06.08.2003

13:38 Uhr

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216 Anhang

Schnupftabak . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58 Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme SFA . . . . . 13, 41, 44, 50, 103, 127, 169, 171 Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe SKOS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 195, 196 Schweizerischer Bund für Elternbildung SBE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 168 Selbsthilfegruppen . . . . . . . . . . . 177, 178ff. Seresta® . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132 Shabu . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84 Snus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58 Sonata® . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133 Sozialbehörde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 194 Sozialhilfe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 194 – Richtlinien . . . . . . . . . . . . . . . . 195, 196 – Rückerstattungspflicht . . . . . . . . . . . . 195 Special K . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 Speed . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83ff. – Dosierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85 – Form . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 85 – Risiken/Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . . 85 – Wirkdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84 Spielsucht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139f. SRB . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 189 Stadien der Sucht . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39 Stilnox® . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133 Stimulanzien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134 – Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . 134 – Risiken/ Suchtpotenzial . . . . . . . . . . . 134 – Wirkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134 Strassenverkehr und Drogen . . . . . . . . . 150f. – Empfehlungen EJPD . . . . . . . . . . . . . . 151 – Fahrausweisentzug . . . . . . . . . . . . . . . 151 – Fahrfähigkeit . . . . . . . . . . . . . . . 150, 151 – Strassenverkehrsgesetz . . . . . . . . . . . . 150 Substitutionsprogramme, -therapie . . 68, 145, 153, 188, 190ff. Sucht, Definition . . . . . . . . . . . . . . 35, 36ff. Suchtgefährdung . . . . . . . . . . . . . 20, 37, 38 Suchthilfe Region Basel SRB . . . . . . . . . . 189 Suchtkontrollrat der Vereinten Nationen INCB . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158 Sucht nach einem Verhalten . . . . . . . . 138ff.

T Tabak . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47, 57 Tagesklinik für Drogenrehabilitation der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 192 Thaipillen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84, 86 THC-Gehalt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61, 151 Therapien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187ff. – Abstinenzorientierte Therapien. . . 188, 192 – Ambulante Therapien . . . . . . . . . . . . . 188 – Finanzierung Therapie . . . . . . . 193, 194ff. – Finanzierungsmodell stationäre Therapien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 189 – Integrationsorientierte Therapien . . . . 188, 190ff. – Langzeittherapie . . . . . . . . . . . . . . . . 188 – Stationäre Therapien . . . . . . . . . 188, 189 – Wahl geeignete Therapie . . . . . . . . . . . 193 – Therapeutische Gemeinschaften . . . . . . 188 Toquilone® . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128, 135 TMA-2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78 TMA-6 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78 Triple P . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167f. Trips . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103

V Valium® . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132 Verband der Eltern- und Angehörigenvereinigungen Drogenabhängiger VEV DAJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 178ff. Verwandtenunterstützung . . . . . . . . . . . . 194 Vier-Säulen-Drogenpolitik . . . . 153, 154, 179

W Wahrsagesalbei siehe Salvia Divinorum Weckamine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83, 134 Weltgesundheitsorganisation WHO. . . . . . . 35

X Xanax®

132

Y Yaba . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84


Rausch und Risiko von Dani Winter