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Vier Fragen an Prof. Dr. Andreas Luft von der Neurologischen Klinik am Universitätsspital Zürich:

Was passiert bei einem Menschen mit Hirnverletzung, wenn er einen 3D-Film schaut? Dazu kann ich nicht allzu viel sagen. Wir wissen, dass Patienten in Virtual-EnvironmentAnwendungen – wie beispielsweise in einem Flugsimulator – sich schnell unwohl fühlen. Sie werden «bewegungs-krank» – man spricht auch von motion sickness oder Reisekrankheit und meint damit die körperlichen Reaktionen, die durch ungewohnte Bewegungen wie beispielsweise im Auto ausgelöst werden können. Das könnte sich bei einer 3D-Präsentation verstärken. Aber Studien gibt es dazu noch nicht. Kann die erhöhte Hirnleistung, die beim 3D-Filmschauen verlangt wird, ein erhöhtes Risiko für einen (erneuten) Hirnschlag bedeuten? Nein. Haben Sie Tipps, damit ein 3D-Film auch für Menschen mit Hirnverletzung zum Kinoerlebnis wird? Ich würde versuchen, immer noch einen anderen visuellen Fokus zu haben, auf den man sich konzentrieren kann, wenn einem das 3D-Schauen nicht bekommt. Da es im Kino dunkel ist, müsste dieser Fokus leuchten, z.B. ein Handy oder iPad – wenn man damit nicht die Mit-Zuschauer stört. Worauf sollte man als von Hirnverletzung Betroffener achten, wann allenfalls das Kino verlassen? Wenn Übelkeit, Schwindel oder Kopfschmerzen auftreten.

Académie

Sich mit sich und den eigenen Bedürfnissen auseinandersetzen: Das ist auch für Angehörige wichtig!

Fortbildung für Angehörige

Angehörige von Menschen mit einer Hirnverletzung brauchen Austausch, Informationen und Antworten. Aus diesem Grund haben wir einen neuen Kurs organisiert: «Grenzen und Bedürfnisse». Die Teilnehmenden setzen sich mit ihrer neuen Rolle in der Partnerschaft oder in der Familie auseinander und lernen neue Möglichkeiten im Umgang mit der veränderten Situation kennen. Diese Umstellung ist nicht leicht und kostet Kraft – deshalb können neue Ideen und Impulse helfen, besser mit sich und der Situation umzugehen. Dieser Kurs wird von der Académie FRAGILE Suisse organisiert und findet im März / April 2012 in Luzern statt.

Für FRAGILE im 3D-Kino: Fabienne, 21, und Christian, 25. (Fabienne hatte vor einem Jahr einen Hirnschlag) Fabienne: Kurz nachdem der Kinofilm in 3D angefangen hat, ist mir irgendwie unwohl geworden. Ja, ich hatte leichtes Kopfweh. Dann habe ich viel getrunken und einen Kaugummi gekaut. Danach ging es etwas besser. Wahrscheinlich war es wegen den ungewohnten Effekten. Das Lesen der Untertitel hingegen war während des ganzen Filmes anstrengend – vor allem wegen der Brille. Ohne Brille war alles verschwommen. Nach dem Kino war ich ein wenig erschöpft, aber eigentlich war es gar nicht so schlimm. Im Gegenteil: Es ist halt schon ein total anderes Erlebnis, wenn man den Film in 3D sieht. FRAGILE Suisse 04 | 2011

Mehr Informationen zu diesem und anderen Kursen finden Sie hier: www.fragile.ch › AFS / Kurse oder unter 044 360 26 90

Christian: Ich war zum ersten Mal in einem 3D-Film. Am Anfang war es gewöhnungsbedürftig. Ich wusste nicht genau, wohin ich schauen soll. Aber nach ein paar Minuten war das erledigt. Mein Fazit nach dem Film? Ein wenig anstrengender war es schon als ein normaler 2D-Film, bei dem man einfach entspannen kann. Aber vielleicht hat es auch am Film gelegen: Wir haben «Immortals, Krieg der Götter» gesehen.

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FRAGILE Suisse Magazin 04/11