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Brasilien 9340 km Die Wurzeln des Begriffs Nachhaltigkeit und Gestaltung

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Exkursion Nachhaltigkeit und Design

Mülldeponien Weltweit 12.370Teil km landetChile ein großer des Altpapiers in Verbrennungsanlagen oder auf Mülldeponien. Nur 20 Prozent des Abfalls wird recyclet.

Papiersammlung

Gesellschaft

Konsument

orte

wq

Rohstoffi

Buchbinder Drucker Designer

« Wird derhalben die größte Kunst/ Wissenschaft/ Fleiß und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen / wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes « Wird derhalben die größte Kunst/ Wissenschaft/ Fleiß anzustellen / daß es eine continuierliche beständige und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen / und nachhaltende Nutzung gebe / weiln es eine unentwie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes berliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Umwelt anzustellen / daß es eine continuierliche beständige Esse (im Sinne von Dasein) nicht bleiben mag.» und nachhaltende Nutzung gebe / weiln es eine unentCarl von Carlowitz berliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Esse (im Sinne von Dasein) nicht bleiben mag.» Carl von Carlowitz Schweden 1081 km

Wirtschaft

+ Ästhetik Finnland 1559 km

Norwegen 830 km 1645 bis 1714

1800

Carl von Carlowitz ist Erfinder und Wortgeber der Nachhaltigkeit. 1645 bis 1714

1800

Carl von Carlowitz ist Erfinder und Wortgeber der Nachhaltigkeit. Frankreich 880 km

Schweiz 750 km

Portugal 2300 km

Österreich 530 km

Spanien 1800 km

Äquator

1% Gesamtimport von Papier und Zellstoff

Brasilien 9340 km

Deutsc von Ze Deutsc

Exkursion Nachhaltigkeit und Design

Genesis 1,28

Gott segnete sie (Mann und Frau) und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehret euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen.

Paradies auf Erden?

Club of Rome 1972

Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, ! ! der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, ! der Nahrungsmittelproduktion ! und der Ausbeutung von ! natürlichen Rohstoffen ! unverändert anhält, ! werden die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht. ! !

Ja

Nein

Die Tour

8 10 14 16 18 20 26 28

Grundlagen – Nachhaltigkeit und Design Aufbruch Die Wurzeln des Begriffs Klimawandel Klimapolitik Definition von Nachhaltigkeit Nachhaltigkeit und Gestaltung Nachhaltigkeit als Trend Kriterien für nachhaltige Gestaltung

32 34 36 38 42 44 46 48 52 54 56

Trash to Treasure – Ressource Papier Papierbedarf Exkurs: Klimaneutralität Exkurs: Natürliche Kosten Papierbilanz Rohstoffimporte Papierkreislauf Papierwahl Gütesiegel

64 68 70 71 76

Begleitmaterial Glossar Ressourcen Checkliste Ausblick Impressum

Print Matters – Druck Druck und Umwelt Druckprozess Druckfarbe

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Aufbruch

Aufbruch

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Auf den Pfaden der Nachhaltigkeit begegnet man allerlei Interessantem am Wegesrand: blumigen Definitionen, verfarnten Theorien und einem bunten Gestrüpp von Gütesiegeln. Manchmal scheint diese Artenvielfalt so schöne Blüten zu treiben, dass man das Ziel ganz aus den Augen verliert und im Moment verweilen möchte. Dieser kleine Begleiter hilft bei der Orientierung auf den Wegen zu mehr Nachhaltigkeit, macht dabei kurze Exkurse in andere Gefilde und lässt jeden Wanderer selbst bestimmen, an welcher Stelle er eine Rast einlegen möchte. Grüne Informationen bewerten die Stationen aus nachhaltiger Sicht und geben Anregungen für klimaschonende Handlungsweisen. Auch das Lesen zwischen den Zeilen lohnt sich: Links vereinfachen das Suchen und Finden weiterführender Daten im Internet. Sicher ist: Weiter geht es von ganz allein. Wie – kann jeder selbst entscheiden.

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1700

Die Wurzeln des Begriffs

Nachhaltigkeit wurde vor langer Zeit in Sachsen entdeckt: Als der Oberberghauptmann von Freiberg, Hans Carl von Carlowitz zu Beginn des 18. Jahrhunderts durch die Wälder des Erzgebirges spazierte, überkamen ihn große Sorgen: Wo früher Fichten und Kiefern, Birken und Eichen den Wald begrünten, waren Kahlstellen entstanden. Diese Lücken hatten ihren Grund: Seit Jahrhunderten war das Silber aus dem Erzgebirge das Gold Sachsens. Für den Grubenbau und die mit Holzkohle betriebenen Öfen der Schmelzhütten mussten viele Bäume geschlagen werden. Die Umgebung der Bergstätten war durch die starke Übernutzung und die verheerenden Folgen des Dreißigjährigen Krieges weitesgehend kahl geschlagen und ausgebrannt. Die Holzpreise stiegen unaufhörlich, einige Handwerksbetriebe «crepirten» und ein jähes Ende der Silberproduktion drohte. Um 1700 sah man den Silberbergbau in seiner Existenz bedroht. Man fürchtete nicht etwa die Erschöpfung der Lagerstätten, sondern Holzmangel. Carlowitz kannte das Problem aus den Tagesgeschäften seines Vaters, der Förster in den Forsten des Erzgebirges war. Auf einer langen Reise durch Europa entdeckte er, dass die Knappheit an Holz überall ein akutes Problem war. Um diese «große(n) Noth» künftig zu vermeiden, schrieb er ein Buch über Forstwirtschaft, die «Sylvicultura oeconomica». Carlowitz fordert, man müsse Holz «mit Behutsamkeit» nutzen, damit «eine Gleichheit zwischen An- und Zuwachs und dem Abtrieb des Holtzes erfolget». Die Nutzung soll «immerwährend», «continuirlich» und «perpetuirlich» stattfinden. Der gemeine Mann schone die jungen Bäume nicht, weil er spüre, dass er deren Holz nicht mehr selbst genießen könne. Er gehe verschwenderisch damit um, weil er meine, es werde nicht alle. Zwar könne man aus dem Verkauf von Holz in kurzer Zeit «ziemlich viel Geld heben». Aber wenn die Wälder erst einmal ruiniert seien, «so bleiben auch die Einkünfte daraus auff unendliche Jahre zurücke ... sodaß unter dem scheinbaren Profit ein unersetzlicher Schade liegt». Gegen den Raubbau am Wald setzt er die Regel: «Daß man mit dem Holtz pfleglich umgehe.» Carlowitz starb ein Jahr nach der Veröffentlichung seines Werkes. Seine Idee trägt bis in die Gegenwart: aus der nachhaltenden Nutzung von Holz wurde im Laufe der vergangenen 300 Jahre das Prinzip der Nachhaltigkeit.

Die Wurzeln des Begriffs

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« Wird derhalben die größte Kunst/ Wissenschaft/ Fleiß und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen / wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen / daß es eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe / weiln es eine unent berliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Esse (im Sinne von Dasein) nicht bleiben mag.» Carl von Carlowitz

1645 bis 1714 Carl von Carlowitz ist Erfinder und Wortgeber der Nachhaltigkeit.

1800

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 ■

10 km

1972 Der Club of Rome veröffentlicht eine Studie zur Zukunft der Weltwirtschaft, der forstwirtschaftlich geprägte Begriff der Nachhaltigkeit findet Eingang in den wissenschaftlichen Diskurs. Die Studie zu den «Grenzen des Wachstums» (Zitat zu Beginn) fordert angesichts der Ressourcenverknappung eine neue «Weltkonjunkturpolitik».

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Das Matterhorn 1960 und der Berg im Jahr 2005. Ein klarer Ausblick.

1987

1992

Mit dem Brundtland-Report, veröffentlicht von der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, entsteht das Konzept der «Nachhaltigen Entwicklung» (sustainable development). Erstmalig ist die Rede von einem «dauerhaften Gleichgewichtszustand», der «den Bedürfnissen der heutigen Generation» entsprechen soll, «ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden».

Auf dem Weltklimagipfel in Rio de Janeiro wird die Agenda 21 verabschiedet: «Durch eine Vereinigung von Umwelt- und Entwicklungsinteressen […] kann es uns jedoch gelingen, die Deckung der Grundbedürfnisse, die Verbesserung des Lebensstandards aller Menschen, einen größeren Schutz und eine bessere Bewirtschaftung der Ökosysteme und eine gesicherte, gedeihlichere Zukunft zu gewährleisten.» Die Agenda legte den Grundstein für den internationalen Klimaschutz.

Klimawandel

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2100

18.4 °C

2040

16.4 °C

2000

14.4 °C

1960

14.2 °C

1920

14.0 °C

1860

13.5 °C

Entwicklung der globalen Durchschnittstemperatur

Seit der Entstehung der Erde verändert sich unser Klima ständig. Eiszeiten oder Hitzewellen, die Erde hat bereits viele Temperaturperioden überlebt. Die Klimaänderungen entwickelten sich so langsam, dass Tiere und Pflanzen genug Zeit hatten, sich an die neuen Bedingungen anzupassen. Heute sind wir mit einer sehr schnellen Erwärmung der Erde konfrontiert. Weltweit ist die Durchschnittstemperatur in den letzten 100 Jahren um etwa 0,74 Grad Celsius gestiegen. Das Jahrzehnt 2000 bis 2010 war mit Abstand das Wärmste, sowie die 1990er Jahre wärmer waren, als die 1980er Jahre. Dieser Effekt wird als globale Erwärmung bezeichnet. Ursache für diese unnatürliche Klimaveränderung ist, nach der Meinung vieler Experten, der Mensch und seine moderne Lebensweise in der Industriegesellschaft. Durch die Verbrennung von Kohle, Gas und Öl, die Abholzung von Wäldern und die Massentierhaltung entstehen Treibhausgase. Diese Gase reichern sich in der Erdatmosphäre an und verhindern die Abstrahlung der Sonnenstrahlen von der Erdoberfläche in das Weltall. Die derzeitige Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre ist höher, als in den letzten 650.000 Jahren. UN-Klimaforscher vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) halten einen weltweiten Temperaturanstieg von um 1,1 bis zu 6,4 Grad Celsius bis 2100 für möglich. Dieser «anthropogene» Treibhauseffekt überlagert die natürlichen Einflüsse und bringt das Klimasystem in «http://www.ipcc.ch/» Gefahr. Bei einer Erwärmung über zwei Grad droht das Aussterben zahlreicher Tier- und Pflanzenarten, da die Lebensräume nicht mehr ihren Bedingungen entsprechen. Bei über drei Grad Erwärmung könnten die Ökosysteme völlig kollabieren. Verstärkte Gletscherschmelze, steigende Meeresspiegel, veränderte Niederschlagsmuster und zunehmende Wetterextreme gefährden nicht zuletzt die Sicherheit und Gesundheit des Menschen. Es ist unmöglich, alle Konsequenzen der globalen Erwärmung abzuschätzen, da die unterschiedlichen Reaktionen der Menschheit nicht abschätzbar sind. Die Natur braucht den Menschen nicht, jedoch der Mensch die Natur zum Überleben.

Klimawandel

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60% CO ² 10% C

20% CH4

CH 4 Methan CO ² Kohlenstoffdioxid C Kohlenwasserstoff N ² O Lachgas

6% N ² O 10.000 km

0 km

Erdatmosphäre Exosphäre Thermosphäre Mesosphäre Stratosphäre Troposphäre

Erdoberfläche

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Klimapolitik

Bereits in den 1970er Jahren identifizierten Wissenschaftler den Klimawandel als die größte Herausforderung unserer Zeit. Gegen Ende der 1980er Jahre griff die internationale Politik das Thema auf. Seitdem ist Klimaschutz ein rasant wachsendes Politikfeld. Fortschritte erfolgen jedoch nur sehr langsam, da die internationale Klimapolitik durch einen stetigen Verhandlungsprozess gekennzeichnet ist. Unklar ist beispielsweise, ob die USA und Schwellenländer wie China und Indien für den Klimaschutz das wirtschaftliche Wachstum bremsen werden, oder ob sie ihren Fortschritt wenigstens klimafreundlicher gestalten. Die Konventionen und Vereinbarungen von 1995 bis 2010 haben bisher nicht zu einer nennenswerten Reduktion des weltweiten Ausstoßes von Treibhausgasen geführt. Angesichts der akuten Gefährdung unserer natürlichen Lebensgrundlagen könnten im schlechtesten Falle «Klimakriege» die geopolitische Landkarte neu ordnen. Die Carlowitzsche Nachhaltigkeit ist eine Chance dies zu verhindern. Bis die Politik den Worten Taten folgen lassen wird, laufen wir schon einmal weiter.

40.000 30.000 20.000 10.000 1997 Nach zähen Verhandlungen wird auf dem Klimagipfel in Japan das Kyoto-Protokoll verabschiedet. Es schreibt den beteiligten Staaten vor, den Ausstoss der Treibhausgase von 2008 bis 2012 um fünf Prozent zu verringern. Die EU will Emissionen um acht Prozent reduzieren und Deutschland verpflichtet sich den CO ² Ausstoß um 21 Prozent zu mindern. Seit 2005 dürfen Emissionsrechte gehandelt werden. Die USA haben das Protokoll bis heute nicht unterzeichnet.

2001 Weltweiter CO ² Ausstoß in Millionen Tonnen

2007

Klimapolitik

Das wichtigste ist, dass wir der Diskussion die Emotionen rausnehmen. Wir reden hier von zwei Grad mehr oder weniger.

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Weißt du ob´s noch Schnittchen gibt?

Sitzen Sie da auf meinem Platz? Wer sind Sie überhaupt?

… mein Außenminister hat mir erst gestern mitgeteilt, es gäbe noch recht lukrative Ölquellen in Somalia.

 ■

1 m

2009

2010

Auf dem G8-Gipfel in L’Aquila in Italien (siehe Bild) einigen sich Staats- und Regierungschefs wichtiger Volkswirtschaften auf das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Das bedeutet, dass der weltweite CO ² Ausstoß bis 2050 um 50 Prozent gesenkt werden muss. Auf dem Klimagipfel in Kopenhagen (2009) gelingt es den Teilnehmern nicht, konkrete Klimaschutzziele zu formulieren.

Im mexikanischen Cancún entschließen sich die Vertreter aus 194 Staaten auf die Fortführung des Kyoto-Protokolls nach 2012, denn für die Zeit danach gibt es keine Regelung zum Klimaschutz. Außerdem sollen die Industriestaaten ihren Treibhausgasausstoß bis 2020 um 25 bis 40 Prozent mindern. Die alternativen Klimaziele der USA und der Entwicklungsländer sind darin mit berücksichtigt.

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Definition von Nachhaltigkeit

Definition von Nachhaltigkeit

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Nachhaltigkeit erhielt bereits vielfältige Definitionen und Ergänzungen. Der inflationäre Gebrauch in Politik und Gesellschaft, aber auch die Mehrdeutigkeit des Adjektivs «nachhaltig» führte zu einer Verunschärfung des Begriffs. Ein Überblick verschafft wieder klare Sichtverhältnisse: «nachhaltig» wird sinngemäß laut dem Duden Synonymwörterbuch häufig als Ausdruck für «auf längere Sicht», «anhaltend», «dauerhaft», «fortwährend», «einschneidend» oder «entscheidend»* verwendet. Ein nachhaltiger Eindruck ist von längerer Wirkung, er bleibt in Erinnerung. Das Substantiv Nachhaltigkeit wird unter anderem auch mit «Dauerhaftigkeit» übersetzt. Allerdings reicht die zeitliche Dimension zu kurz, um Nachhaltigkeit zu beschreiben, da Nachhaltigkeit auch qualitative Ziele verfolgt: den sorgsamen Umgang mit Ressourcen; den Erhalt des Planeten und vor allem: das Wohlergehen des Menschen, für die Gegenwart, als auch in der Zukunft. Nachhaltiges Handeln bedeutet, eigene Bedürfnisse zu befriedigen, ohne das Leben anderer Menschen und zukünftiger Generationen zu gefährden. Dies ist leichter gesagt, als getan. In manchen Situationen kann niemand im Vorfeld beurteilen, welche Auswirkungen eine Entscheidung für die Menschen und die Umwelt haben wird. Diese Ungewissheit kann auch die Nachhaltigkeit nur teilweise entkräften, da die Zukunft unvorhersehbar bleibt. Dennoch kann jede Person aus Erfahrung und mithilfe des gesunden Menschenverstandes die Folgen des eigenen Handelns abschätzen. Um nachhaltig zu handeln, ist es wichtig, alle ökologischen, ökonomischen und sozialen Folgen einer Entscheidung zu betrachten. Im besten Falle stehen diese drei Faktoren in einem gleichberechtigten Einklang zueinander.

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Nachhaltigkeit und Gestaltung

« Unser Planet Erde ist die Heimat der Menschheit, aber rein wissenschaftlich betrachtet, ist er nur ein Teil des Universums. Er gehört allen Menschen zu gleichen Teilen. Dies ist ein Naturgesetz auf der Grundlage der Geometrie…» Buckminster Fuller Im Laufe der Designgeschichte haben sich Gestalter mit Nachhaltigkeit auseinander gesetzt. Der amerikanische Architekt und Designer Richard Buckminster Fuller gilt auf diesem Gebiet als Visionär und Vordenker. Bereits 1940 machte er auf die Ressourcenverschwendung aufmerksam und entwickelte technische Konstruktionen, die der Menschheit eine nachhaltige Fortentwicklung ermöglichen sollten. Nachhaltiges Design folgt also nicht nur den Kriterien Form, Funktion und Ästhetik, sondern setzt sich mit den Interessen der Menschen auseinander. Nur wenn ein Produkt in der Gesellschaft gebraucht wird, kann es nützlich und langlebig sein. Auf der anderen Seite ist der Designer ein Dienstleister für Wirtschaftsunternehmen, den Staat, die Kirche oder kulturelle Einrichtigungen. Genau an dieser Position kann jeder Gestalter sein Wissen über Nachhaltigkeit vermitteln und wichtige Impulse geben. Design ist immer eine Vernetzung von Menschen. Bei der Umsetzung von Projekten helfen Druckereien, Techniker, Ingenieure, Handwerker, oder auch mal der Hausmeister. Jeder in diesem Kreislauf ist ein Ansprechpartner und kann über fachliche Fragen aufklären. Eine nachhaltige Wirtschaft legt nicht nur Wert auf eine umweltfreundliche Produktion und den finanziellen Gewinn, sondern hat auch die Dauerhaftigkeit menschlicher Beziehungen und die soziale Gerechtigkeit der am Prozess Beteiligten im Auge.

1895 bis 1983 Buckminster Fuller integriert Prinzipien der Nachhaltigkeit in seine Konstruktionen.

Nachhaltigkeit und Gestaltung

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Gesellschaft

Umwelt

Wirtschaft

+ Ă„sthetik

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Nachhaltigkeit und Gestaltung

 ■

40 km

Brandrodung und Abholzung des Regenwaldes an der Amazonasgrenze in Brasilien.

Nachhaltigkeit und Gestaltung

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?

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Nachhaltigkeit und Gestaltung

– nichts verschwenden! – Nachhaltigkeit schon in Ihren täglichen Arbeitsprozess integrieren – Frage zu offen – Kommunikation zu gestalten, die zu neuen Gedanken führt und nicht gleich im Müll landet. – bereits im Entwurfsprozess auf nachhaltige Materialien, Produktion und kurze Transportwege achten – ein Großteil der geleisteten Arbeit im Büro ist die Entwicklung von Projekten für neue Medien; durch E-Mail als Hauptkommunikationsweg sparen wir sogar fast jeglichen Papierverbrauch auf. – Innovative Ideen entwickeln um zu kommunizieren ohne die herkömmlichen Mittel zu verwenden. – bewusste Auswahl von Dienstleistern und Materialien, ressourcenschonendes Design – Kundenfokus auf nachhaltige Themen definieren, eigenen Ressourcenverbrauch optimieren (Papier, Strom, Tonerarten, Fuhrpark), soziales wie ökologisches Engagement sowohl durch Arbeit als auch durch die Erlöse aus der Arbeit, Integration eines Nachhaltigkeitsmanagements – nichts produzieren was sofort in den Mülleimer wandert – umweltbewusst denken und produzieren – Ökonomisch-Ökologisch verträgliche Innovationen und Trends fokussieren bzw. hervorheben – sich mit dem Thema auseinandersetzen, drucken auf zertifizierten Papieren, Umweltschutz beachten; ist eher schwer in der Werbung, weil eine Kampagne nicht lange halten soll/ muss. – Inhalt, Struktur und Kommunikation zusammenbringen. Ganzheitliche Konzepte anbieten. Ökologische Produkte anbieten. – sich selbst bewusst sein, sich selbst sein, dann kennt man die eigenen Ressourcen und kann mit denen der anderen oder der Umwelt/ Mitmenschen, etc. verantwortungsvoll umgehen – Victor Papanek: «Design für die reale Welt» lesen – auf diese Weise im Kleinen und Großen denken und handeln – Wenn jeder ein wenig tut, muss niemand viel tun! – Gute Arbeit leisten, aufmerksam bleiben, Kunden von effektiven Lösungen überzeugen – Zeitlos gestalten, nicht jedem Trend hinterherjagen; bewusst mit dem Medium Papier umgehen – Den Verstand einsetzen – Kommunikationsgestalter können wahrscheinlich nur aufmerksam machen. Service Designer können sehr viel mehr erreichen, indem sie Produkte/ Services entwickeln, die eine nachhaltige Strategie verfolgen und Benutzerverhalten ändern – Für die richtigen Kunden arbeiten. Unterstützung und Empfehlung beim Beratungsprozess für umweltfreundliche Realisierung von Projekten. – Bewusster Umgang und Einsatz von Materialien, ökologische Materialien – umweltschonende Materialien intern und bei der Umsetzung – überlegt handeln – Kunden von unsinnigen, kurzfristigen Kommunikationsmaßnahmen abhalten.

qjwktq 2010 Wie und wann kann man als Kommunikationsgestalter nachhaltiger handeln? In unserer Umfrage «Nachhaltigkeit im Designprozess» gaben Designbüros und -agenturen aus den deutschen Städten Berlin (40), Stuttgart (12), München (4) und Frankfurt (1) eine Antwort.

Nachhaltigkeit und Gestaltung

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argumentieren, 端berzeugen w q

Ansatz:

Weniger ist mehr!

Sich von der Masse abheben und ein schl端ssiges Corporate Design mit hohem

Wiedererkennungswert entwickeln q

Design mit Ethik

gutes design zu verbinden

w

q

aufmerksam machen Langlebigkeit

ber端cksichtigen

Strom sparen q Standort

w

q

:-) nachdenken q

q

bewusst und transparent beraten w

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Nachhaltigkeit als Trend

Die Zielgruppe für ökologische Produkte, Prozesse und Dienstleistungen wächst stetig. Die «Otto Group Trend«http://www.trendbuero.de/» studie 2009 zur Zukunft des ethischen Konsums» ergab, dass sich trotz Wirtschaftskrise und sinkenden Löhnen Bio-, FairTrade- und Regio-Produkte wachsender Beliebtheit in der deutschen Bevölkerung erfreuen. Auch für die Kreativbranche ergeben sich dadurch neue Aufgaben und Herausforderungen. In der Umfrage «Nachhaltigkeit im Designprozess» zählte der Großteil der befragten Designbüros und -agenturen Nachhaltigkeit zu einem ihrer Unternehmensziele. Dies äußert sich bürointern durch die Einrichtung von klimafreundlichen Arbeitsplätzen, aber auch extern in der Transparenz gegenüber Kunden und sozialem Verhalten gegenüber Mitarbeitern. Noch vor wenigen Jahren galt das Umweltthema in der Öffentlichkeit als altmodisch und weltfremd, mittlerweile kann es ein Wettbewerbsvorteil sein. Die Aufgabe des Designers ist zum einen, diese Zukunftsgewandtheit zu vermitteln und zum anderen, die Medienproduktion ökologischer auszurichten. Bisher war die Kommunikation nachhaltiger Themen stark geprägt vom Image der ÖkoBewegung der 1970er Jahre. Verpackungen sollten wie «selbstgemacht» und aus der «guten alten Zeit» aussehen. Mit diesem Design verbanden die Ökos Ehrlichkeit und Authentizität. Die neuen Zielgruppen fordern allerdings eine hohe ästhetische und technische Qualität der Produkte, da dass Erscheinungsbild der Marke und die Verpackung für sie den Spaß am verantwortungsvollen «http://www.lohas.de/» Konsum erhöhen. Die Produkte müssen einen Dreiklang verbinden: 1. ökologisch korrekt produziert, 2. äußerlich interessant und 3. ein Kommunikationsdesign, welches entsprechendes vermittelt. Nicht zu vergessen ist dabei der Kostenfaktor: Auf breiter Basis entscheidet das Portemonnaie über Nachhaltigkeit. Sie muss sich finanziell lohnen, damit eine nachhaltige Veränderung des Wirtschaftslebens keine Illusion bleibt. Und wie das Produkt selbst, sollte auch der materielle Preis: gerecht sein.

Nachhaltigkeit als Trend

Nachhaltigkeit ist ein Teil der Unternehmensphilosophie.

81% Die sozialen und ökologischen Grundüberzeugungen der Lieferanten sind wichtig.

62% Es werden umweltschonende Materialien und Handlungsweisen verwendet.

57% Es ist wichtig häufig auf nachhaltigere Produktionsweisen aufmerksam zu machen.

54%

Die sozialen und ökologischen Überzeugungen der Auftraggeber sind sehr wichtig»

8 % 2010 In unserer Umfrage «Nachhaltigkeit im Designprozess» bezogen Designbüros und -agenturen aus Deutschland Stellung zur Nachhaltigkeit im Unternehmen.

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Kriterien für nachhaltige Gestaltung

« An jedem Fall von Umweltverschmutzung trägt der Designer zumindest eine Mitverantwortung» Victor Papanek 80 Prozent der Umweltauswirkungen eines Designobjektes können bereits während der Planungsphase kalkuliert werden. Die Entscheidungen des Designers lösen Prozesse aus und in jedes Projekt fließen Ressourcen: Budget, Material, Energie, Nerven und natürlich Menschen und Zeit. Für nachhaltiges Handeln ist es notwendig, die einzelnen Schritte mit den Methoden der Nachhaltigkeit umzusetzen. Im Fokus steht dabei der gesamte Lebenszyklus eines Produktes – von der Wiege bis zur Bahre. Auf diesem Weg hat jedes Produkt Umweltauswirkungen, dazu zählen Naturentnahmen (Rohöl), sowie die Emissionen (CO²) in die Umwelt. Eine Analyse der Stoffströme und die Berechnung des Energie- und Materialverbrauchs erfolgt in der Ökobilanz eines Produktes. Um sozial und ökologisch nachhaltig zu gestalten, sind einige Überlegungen wichtig: Welche Funktion erfüllt der Entwurf in der realen Welt? Wie hoch wird der Materialverbrauch während der gesamten Herstellung sein? Wie langlebig und benutzerfreundlich ist das gestaltete Produkt? Wird es nach dem Gebrauch nutzlos oder wiederverwert«http://www.re-nourish.com/» bar und biologisch abbaubar sein? Die Allianz deutscher Designer formulierte mit der «AGD Charta für nachhaltiges «http://www.agd.de/655.html» Design» eine «Grundlage» für Kriterien von nachhaltigen Design. Die Planung beginnt am Ende der Lebenskette. Als Gestalter von Printmedien spielt dabei besonders die Auswahl der Materialien (Papier und Farbe); die Auflagengröße der Publikation und die Transportwege von A nach B eine wichtige Rolle.

1927 bis 1999 Der Industriedesigner Viktor Papanek ist Vordenker des «sozialen» Designs.

Kriterien für nachhaltige Gestaltung

Planung

Mehr Wert Mehrfachfunktionen und Alleinstellungsmerkmale erhöhen den Wert einer Marke oder eines Produktes.

Weniger ist mehr Eine Stilrichtung wird zum allgemeinen Kriterium: Ressourcen schonen heißt, sie sorgsam einzusetzen.

Schein = Sein Die Verpackung eines Produkts sollte formeffizient und logistikgerecht sein.

Herstellung

Effizienz Herstellungsprozesse sollten abfallarm und -vermindernd sein. Die aufgewendete Energie kann in jedem Produktionsschritt effizient genutzt werden.

Achtung Toxisch! Giftige Chemikalien gelangen in die Natur und gefährden die Gesundheit des Menschen. Schadstoffarme Chemikalien sind eine Alternative.

Aus einem Guss Fast jedes Produkt kann mit weniger Materialaufwand oder aus einem Material produziert werden. Effizienz entscheidet.

Reinkarnation Produkte halten nicht für immer. Mehrere Gebrauchsfunktionen erhöhen den Produktwert und verlängern die Nutzungsdauer.

Qualität … heißt Haltbarkeit. Qualitätsprodukte setzen neue Standards, haben eine längere Lebensdauer und sind wirtschaftlich erfolgreich.

Wiederwertung Jedes Material sollte nach Nutzungsende wieder in den Stoffkreislauf rückgeführt werden können oder kompostierbar sein. Die Entsorgung sollte recyclinggerecht sein.

Dematerialisierung Modulare Systeme sind bei Defekt einfacher reparabel und nach Gebrauch in der Entsorgung leichter recyclebar.

3.0 Gebrauch

Entsorgung

Upgradebility In der Medienbranche ist das Heute schnell gestern. Lang haltbare Gestaltung ist vernetzbar mit neuen Technologien.

33

Die Papierherstellung hat weltweit den vierthöchsten Energieverbrauch. Sie trägt in hohem Maße zur Luftund Wasserverschmutzung bei und erzeugt in großen Mengen Abfall. 75 Prozent aller Druckerzeugnisse landen im Müll. Die Mülldeponien weltweit bestehen zu 30 Prozent aus Altpapier.

Trash to treasure

36

384.000 km Der Papierverbrauch Deutschlands reicht, gemessen in DIN A4 Stapeln, von der Erde bis zum Mond.

Papierbedarf

Trotz der digitalen Revolution, Computertechnologie und der Kommunikation via Email ist Papier als Informationsträger immer noch das verlässlichste Medium für die Archivierung von Daten. Im Büroalltag fördern Faxgeräte, Drucker und Kopierer tagtäglich die Papierflut: seit den 50er Jahren ist der Papierverbrauch in Deutschland um 700 Prozent gestiegen. Jeder Bundesbürger verwendet durchschnittlich 250 Kilogramm Papier pro Jahr. Dieser Verbrauch entspricht der Papiermenge eines Harry PotterBandes pro Tag. In den Industrieländern ist Papier zu einem Billig- und Wegwerfprodukt geworden. In anderen «http://www.initiative-papier.de/» Teilen der Erde bleibt es eine seltene Ware, die nicht einmal ausreicht, um die Grundbedürfnisse an Bildung und Kommunikation zu befriedigen. Die Vereinten Nationen errechneten, weltweit wäre eine Papiermenge von 30 bis 40 kg pro Person und Jahr dafür eine gerechte Größe. Mit der Entwicklung von Schwellenländern zu Industrienationen wächst auch der Appetit nach Papierprodukten. Länder mit niedrigem oder mittleren Lohnniveau werden zukünftig einen ähnlichen oder höheren Bedarf an Papier haben. Bis 2015 wird mit einem Anstieg des weltweiten Papierverbrauchs von momentan 367 Millionen Tonnen auf 440 Millionen Tonnen gerechnet. Zur Verringerung des Verbrauches trägt ganz wesentlich das Papiermanagement im Arbeitsumfeld bei. Vor jedem Druckprozess ist es notwendig, zu hinterfragen, ob der Ausdruck erforderlich ist. Die aufmerksame Fehlerkorrektur macht Mehrfachausdrucke überflüssig. Drucker können Papier automatisch auf beiden Seiten bedrucken, oder auf «http://www.papercalculator.org» einem Blatt mehrere Seiten positionieren. Auch bürointern kann Recyclingpapier verwendet werden. Papiere sollten gesammelt und zur Wiederverwendung bereitgestellt werden. Für Printprodukte gelten ähnliche Maßnahmen: Der Wechsel zu niedrigeren Grammaturen erzielt eine Einsparung: 80 Gramm statt 100 Gramm pro m² bedeutet eine 20 prozentige Verringerung des Papierverbrauchs. Die Verwendung von Standardformaten (DIN Formate) verbraucht weniger Papier und spart Ausgaben. Die Bilder sollten nicht vollformatig gedruckt werden, da sie für den Anschnitt auf einem größeren Bogen gedruckt werden müssen.

Papierbedarf

37

266 251

252

Deutschland

Österreich

6 m

209

211

Niederlande

5 m

Kanada

242

191 4 m

182

3 m

109 2 m 59 48 1 m

USA

Japan

Italien

Südkorea

Polen

China

Brasilien

Papierverbrauch weltweit pro Person und Jahr in kg (Verband Deutscher Papierfabriken e.V.)

Indien

4

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1982 Von Beuys gestaltetes Titelblatt für die documenta 7 in Kassel

Exkurs: Klimaneutralität

Nicht nur Designer reagieren auf die Bedürfnisse ihrer Zeit. In den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts rückten Umweltthemen in den Fokus der Öffentlichkeit. Umweltbewegungen machten durch Protestaktionen und Demonstrationen auf das Ozonloch, die Gefahr durch Kernenergie, das Waldsterben und die Tropenwaldvernichtung aufmerksam. Auch Künstler schlossen sich der Gruppe an und bezogen in ihren Werken Stellung. Ein Beispiel ist das Landschaftskunstwerk «Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung (7000 Eichen)» des politischen Künstlers Joseph Beuys. Beuys pflanzte im Verlauf mehrerer Jahre 7000 Bäume an unterschiedlichen Standorten in Kassel. Das Projekt sollte auf die allgemeine Verstädterung und die Notwendigkeit der Umwelterhaltung aufmerksam machen. Der nachhaltige Gedanke wird durch die Zeitdimension des Baumwachstums verdeutlicht: eine Eiche kann bis zu 700 Jahre alt werden. Das anfangs umstrittene Projekt hat sich zu einem prägenden Bestandteil des öffentlichen Raums der Stadt Kassel entwickelt. Mittlerweile trägt das Pflanzen von Bäumen sonderliche Blüten: Firmen und Unternehmen nutzen Aufforstungsprojekte als Marketinginstrument, um die verursachten «http://co2frei.net» CO² Emissionen wieder auszugleichen. Grundsätzlich spricht nichts gegen Klimaneutraliät, da Treibhausgase eine globale Schädigungswirkung haben und es für das Klima irrelevant ist, an welchem Ort Emissionen entstehen und an welchem Ort sie vermieden bzw. neutralisiert werden. Allerdings ist die Methode Aufforstung fraglich: Ein Hektar Fichtenwald absorbiert in einem Zeitraum von 80 Jahren «http://www.co2-berechnen.de» 786 Tonnen CO². Das entspricht der Menge, die ein Deutscher in diesem Zeitraum produziert. Um nun alle Deutschen durch Aufforstung klimatisch lebenslang zu neutralisieren, müsste man 820.000 Quadratkilometer Fichtenwald anpflanzen - das ist mehr als die doppelte Fläche Deutschlands oder genau die Brasiliens. Fichten werden nur 80 bis 120 Jahre alt. Das bedeutet, nach einem Menschenleben würden die aufgeforsteten Bäume ihr ganzes gebundenes CO² wieder freisetzen. Die Zeitspanne ist zu groß, um den mittelfristigen Klimawandel zu bremsen. Der Erhalt schon bestehender Waldflächen – zum Beispiel der Urwälder Europas oder Südamerikas wäre sinnvoller.

Exkurs: Klimaneutralität

Klimaneutralität

«Ich wollte ganz nach draußen gehen und einen symbol ischen Beginn machen für ein Unternehmen, das Leben der Menschheit zu regenerieren innerhalb des Körpers der menschlichen Gesellschaft, und um eine positive Zukunft in diesem Zusammenhang vorzubereiten.» Joseph Beuys

1921 bis 1986 Joseph Beuys rief zu einem gemeinsamen, kreativen Gestalten der Gesellschaft auf.

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Exkurs: Natürliche Kosten

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Die Natur steht uns kostenlos zur Verfügung, doch ist sie deswegen umsonst? In der Wirtschaft ist alles was nichts kostet – wertlos. In jedes Produkt sind Rohstoffe geflossen, die der Natur entnommen sind. Für Papier müssen Bäume gefällt werden. Ein Nadelholzbaum benötigt circa 70 Jahre bis er erntereif ist und zu Holz weiterverarbeitet werden «http://www.frederic-vester.de» kann. In dieser Zeit war er ein wichtiger Pfeiler im Ökosystem: als Lebensraum für Tiere, als Wasserspeicher bei hohen Niederschlagsmengen und als Wandler von CO² zu Sauerstoff. Welchen marktwirtschaftlichen Wert die Umwelt für den Menschen hat, untersuchte der Biochemiker Frederic Vester in dem Buch «Ein Baum ist mehr als ein Baum». Im Laufe seines hundertjährigen Lebens steht er für eine Summe von 271.000 Euro, fast das 2000 fache seines bloßen Holzwertes

1925 bis 2003 Frederic Vester ist Vordenker der ökologischen Bewegung in Deutschland.

Exkurs: Nat端rliche Kosten

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42

Papierbilanz

In der Verhältnisrechung des Ressourcenverbauchs von Recycling- und Frischfaserpapier ist die klimafreundlichere Variante eindeutig. Obwohl auch bei der Produktion von Recyclingpapier Chemikalien zum Einsatz kommen und Wasser oder Energie verbraucht wird, erzeugt der Prozess «http://www.papiernetz.de/» weniger Schadstoffe als die Erzeugung von Frischfasern. Es gibt zwei Arten von Recyclingpapieren: Pre-Consumer Papier wird aus Altpapier hergestellt, das nie den Endkonsumenten erreicht hat, es stammt aus den Abfällen von Papiermühlen, -fabriken und Druckereien. Es umfasst den simplen Ausschuss, Makulaturbögen und unverkaufte Druckerzeugnisse. Hochweiße Recyclingpapiere werden aus Pre-Consumer Abfall hergestellt. Eine Herausforderung ist die Wiederverwertung der Massen von Post-Consumer Papier, dass seinen Zweck erfüllt hat und entsorgt wurde (gelesene Zeitschriften, Verpackungsmüll). Die PostConsumer Fasern müssen für eine Wiederaufbereitung von der Farbe befreit und dafür gebleicht werden. Das PCF «http://www.chlorinefreeproducts.org/» (Processed Chlorine Free) ist ein Verfahren, bei dem ohne Chlorverbindungen gebleicht wird. Die Kennzeichnung Elemental Chlorine Free (ECF) bezieht sich auf Frischfaser und Recyclingpapier. Anstelle von Chlor werden alternative Chlorverbindungen eingesetzt– meist Chloroxid. Nur für Frischfaser kann das Totally Chlorine Free (TCF) angewendet werden: die Aufhellung erfolgt ohne Chlorverbindungen. Ein Recyclingpapier sollte neben der PCF Kennzeichnung mit dem blauen Umweltengel zertifiziert sein, er garantiert den Altpapiereinsatz.

1 Altpapier

1 +

1

1

Prozesswasser + Energieeinsatz + Chemikalien +

1 CO ² Ausstoß

=

Recyclingpapier

Papierbilanz

43

Ab einem Anteil von 80 Prozent Altpapier darf ein Papier laut Gesetz die Aufschrift «aus 100 Prozent Altpapier» tragen.

2,5 Altpapier

3,5 +

2

10

Prozesswasser + Energieeinsatz + Chemikalien +

2,5 CO ² Ausstoß

=

Frischfaserpapier

In Waldaufforstungen leben 90 Prozent weniger Tierarten als in den ihnen vorausgegangen Urwälder.

Heute stehen nur noch 20 Prozent des ursprünglichen Urwaldes.

In Europa existieren in Russland und Schweden noch einige Flecken Urwald. In der Europäischen Union ist Holz das zweitwichtigste Importgut nach Rohöl.

Wälder verhindern Bodenerosion, Erdrutsche und Überschwemmungen.

Wälder sind Vorratskammern für Holz und Energiegewinnung.

Intakte Primärwälder binden zwischen 62 und 78 Prozent des Kohlenstoffs in der Biosphäre.

Die Wälder beherbergen 80 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten.

Ein Hauptgrund für die Entwaldung ist die Umwandlung der Wälder zu Plantagen für die Züchtung von Soja, Weizen, Palmöl.

Nur 19 Prozent unseres Holzes stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft.

Jeder Deutsche verbraucht durch seinen Papierkonsum jeden Tag mehr als 500 g Holz.

Jede zweite Sekunde wird ein Urwaldgebiet von der Größe eines Fußballfeldes vernichtet.

Für die Papierherstellung werden Monokulturen wie Akazien oder Eukalyptus angebaut.

Jeder fünfte Baum wird zu Papier weiterverarbeitet.

Brandrodung und Abholzung von Wald machen 20 Prozent des jährlichen Gesamtausstoßes CO² aus.

Weltweit wird Papier zu 71 Prozent aus Holz von Urwäldern und nicht aus Bäumen eigens angelegter Nutzpflanzen hergestellt.

Jährlich werden 15 Millionen Hektar Regenwald vernichtet – eine Fläche dreimal so groß wie die Schweiz.

In einem Baum stecken ungefähr 100 A4 Blätter Papier.

Wälder sind Lebensraum und Speisekammer für mehrere hundert Millionen Menschen.

Jedes Jahr werden tropische Regenwälder von der Fläche Griechenlands abgeholzt und brandgerodet. Bäume speichern und reinigen den Großteil unserer Süßwasserreserven.

Rohstoffimporte

46

Norwegen 830 km Kanada 6040 km

USA 6700 km Frankreich 880 km Portugal 2300 km 50

200

25

100

Spanien 1800 km

Menge Rohöl in kg pro Papiertonne

Süd

Nord

Süd

Nord

Äquator

CO ² Emission in kg pro Papiertonne

Brasilien 9340 km

Chile 12.370 km

Rohstoffimporte

47

Schweden 1081 km Russland 1610 km Finnland 1559 km

Schweiz 750 km Österreich 530 km Japan 8920 km

China 7350 km

Indonesien 10.760 km 1% Gesamtimport von Papier und Zellstoff

Deutschland kann seinen Papierbedarf nur mit Importen von Zellstoff und Papier stillen. Für die Produktion der in Deutschland verbrauchten grafischen Papiere müsste jährlich ein Fläche, die so groß wie die Waldfläche BadenWürttembergs ist, gerodet werden. Über 80 Prozent des benötigten Zellstoffs stammt aus Ländern wie Finnland, Brasilien Schweden oder Kanada. Ein Teil dieses Holzes hat seinen Ursprung in gut bewirtschafteten Wäldern, «http://www.wwf.de/» doch zu durchschnittlich 7 Prozent kommt das Holz für die Papiergewinnung aus illegal geschlagenen Beständen. Hierbei spielen die Rechte anderer Menschen und die Bewahrung von Ökosystemen keine Rolle. Kritisch zu betrachten ist zudem Papier, dessen Zellstoff aus Mono«http://www.papieratlas.de/» kulturen stammt. Für den Anbau werden, zum Beispiel auf Sumatra in Indonesien, wertvolle Regenwälder kahlgeschlagen. Bereits 29 Prozent des Papierzellstoffs stammt aus Eukalyptus- und Akazienplantagen. Die Garantie für Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft bietet das FSC und das PEFC Siegel. Papiere aus südlicher Hemisphäre verbrauchen aufgrund der Transportstrecken mehr Energie und verusachen höhere CO² Emissionen.

48

Holzwirtschaft Deutschland ist zu 11.075.798 Hektar, also 31 % mit Wald bedeckt. Dieser hohe Anteil ist der nachhaltigen Forstwirtschaft des 19. Jahrhunderts zu verdanken.

Papierkreislauf

Die Erzeugung von Papier aus Altpapier im Papierkreislauf ist beispielgebend für eine nachhaltige Entwicklung. Altpapier ist mit der Einsatzquote von 61 Prozent der wichtigste Rohstoff für die Papierindustrie in Deutschland. Für die Herstellung von Neupapier können bis zu 100 Prozent des recycelten Produktionsmittels eingesetzt werden. Ob und in welchem Umfang Altpapier eingesetzt werden kann, hängt von den gewünschten Eigenschaften des Neupapiers ab. Wurde das Altpapier richtig getrennt, sortiert und gereinigt ist es ein guter Rohstoff für die Weiterverarbeitung. Um Altpapier wieder verwenden zu können, wird beim Deinkingprozess die Druckfarbe entfernt. Die effizienteste und häufigste Methode ist die Flotationstechnik. Leider kann nicht jedes Altpapier in der Flotation deinkt werden: Zeitungen, die im Flexodruck gedruckt wurden besitzen zu kleine, nicht waserabstoßende Druckpartikel, um entfernt zu werden. Bereits geringe Mengen Flexozeitungen können zu einem schlechten Weißgrad führen. Ähnliche Probleme beim Deinking bereiten pigmentierte Inkjet-Tinten, UV-Lacke und digitale Druckverfahren mit Flüssigtoner. Ein kritischer Faktor bleibt auch die Verwertung des Deinking-Abfalls. Häufig wird der Papierschlamm zur Aufwertung des Bodens auf Äcker aufgebracht, laut Michael Braungart von EPEA Internationale Umweltforschung in Hamburg, führen diese Rückstände zur Kontamination des Bodens. Es ist notwendig die Deinkbarkeit der Druckfarben zu prüfen, damit das Papier nach dem Gebrauch wieder in den Stoffkreislauf geführt werden kann.

Papierkreislauf

Schaumlage

49

Luftpartikel

Farbe

Deinking Druckfarbe und Faser haften an einander. Die Druckfarbe ist wasserabstoßend, die Faser ist wasseranziehend. Mithilfe der Schaumlage, einer Natriumseife, wird die Farbe von der Faser gelöst und tritt mit den Luftpartikeln in Verbindung. Diese nehmen die Farbe mit und trennt sie von der wasseranziehenden Faser.

Mülldeponien Weltweit landet ein großer Teil des Altpapiers in Verbrennungsanlagen oder auf Mülldeponien. Nur 20 Prozent des Abfalls wird recyclet.

Papiersammlung

6 Umdrehungen Aus Altpapier gewonnene Holzfasern können bis zu sechs Mal wiederverwertet werden, bevor sie zu kurz und damit unbrauchbar werden. Um dies zu verhindern, wird beim Recycling 10 Prozent Frischfaser bei gemischt.

Konsument

q w q Holz wird in der Zellstofffabrik zu Zellstoff umgewandelt und unter Einsatz teils giftiger Chemikalien gebleicht.

Papierfabrik Zellstoff wird zu Papierbögen gepresst und gerollt.

Buchbinder Drucker Designer

Papierwahl

50

Primärpapier, Frischfaser

Sekundärpapier

Holzfreies Papier

Holzhaltiges Papier

Recyclingpapier

Hadernhaltiges Papier

Ressource

Zellstoff, maximal 5 % verholzte Fasern, ohne Verwendung von Holzschliff. Bezeichnung «Holzfrei» ist falsch, da der Faserrohstoff für Zellstoff immer Holz ist, richtiger ist «holzstofffrei»

entweder leicht holzhaltig mit mindestens 25 % Holzstoff (Holzschliff) oder holzhaltig mit mindestens 55 % Holzschliff

aus Sekundärfasern (Altpapier), die aus Papier oder Pappe hergestellt werden und Frischfaseranteil von ca. 10 %

aus 100 % Hadern (Stofffasern) oder mit mindestens 10 % Zellstoff aus Hadern und Fasern aus reinen Stoffen (Baumwolle) oder synthetischen Fasern

Anwendung

gute Qualität; gute Stabilität und Reissfestigkeit, begrenzte Opazität bei niedrigen Grammaturen sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis; verwendet für Prospekte, Briefbögen, Kataloge, Bilderdruck, Geschäftsberichte, Visitenkarten

gute Bedruckbarkeit; gute Opazität bei leichter Grammatur, preisgünstig; hoher Ligninanteil, deswegen vergilben sie sehr schnell; verwendet für Werbedrucksachen und Magazine, kurzlebige Drucksachen

Recycling aus PreConsumer Abfall erfüllt gleiche Qualitätsanforderungen wie Frischfaserpapier; Altpapiereinsatz für Verpackungspapier und Karton von Altpapier zu 90 %, bei Zeitungspapier maximal 75 %

Jahrhundertelang wichtigster Faserrohstoff für Papier; Einsatz heute stark reduziert; strapazierfähig, reissfest und alterungsbeständig; verwendet für Banknoten, Landkarten, Wertschriften, Bibeldruckpapier

Bewertung

Herstellung benötigt mehr Energie und verbraucht deutlich mehr Wasser; Papier sollte mit FSC oder PEFC Siegel zertifiziert sein, sie garantieren die Herkunft des Holzes aus nachhaltiger Forstwirtschaft; TCF Kennzeichnung für den Verzicht von Chlor; umweltfreundliche Produktion durch FSC, ISO Norm oder EMAS Label garantiert

siehe Holzfreies Papier

umweltfreundlicher als Frischfaserpapier, Holzreserven werden geschont, Herstellung erfordert ein Drittel der Wassermenge und Hälfte an Energie gegenüber Frischfaser; weniger Transporte, CO ² Ausstoß und geringeres Abfallaufkommen; PCF Label garantiert eine chlorfreie Bleichung

Hadern sind textile Abfallprodukte, daher ist Hadernpapier ein Recyclingprodukt; hohe Alterungsbeständigkeit,da lange und kurze Fasern eingesetzt werden

Alternativen

51

Papierwahl

Oberflächenbehandlung

Organische Fasern

Synthetische Fasern

gestrichen

ungestrichen

organische Fasern wie Hanf, Bambus, Kenaf, Zuckerrohr, Baumwolle oder Rückstände ländlicher Produktion (bei Ernte von Kaffee, Bananen, Reis, Weizen, Hafer, Roggen)

anorganisches Papier, keine oder nur wenige organische Fasern. Synthetisch erzeugt auf mineralischer Basis (Steinstaub) oder Kunststoffpolymeren

ein- bzw. beidseitige Bestreichung mit Bindemittel; Strich kann pigmentiert (Kreide, Kaolin, Kasein) oder kunststoffhaltig sein; Auftrag der Streichmasse mit mindestens 5 g | m²

Naturpapiere haben keine Bestreichung oder Streichauftrag (Pigmentierung) von maximal 5 g | m²

für grafischen Einsatz geeignet; Fasern nicht in bedarfsdeckender Menge erhältlich und daher etwas teurer; erfordern technische Veränderungen an Fertigungsanlagen, hat sich nie als Standard durchgesetzt

besonders für den Außeneinsatz als Plakat oder Planenmaterial geeignet, wasserfest und wetterbeständig; Oberfläche glatt, können vierfarbig bedruckt werden

Menge des Streichauftrags variiert je nach Rohpapier, der Papierdicke und dem Qualitätsanspruch: matt, halbmatt oder glänzend; wegen der geschlossenen, glatten Oberfläche sehr gute Bildwiedergabe

hohes Volumen, gute Stabilität und gute Haptik, gutes PreisLeistungs-Verhältnis, eingeschränkte Bildwiedergabe

Verarbeitung benötigt weniger Chemie, Energie und Wasser als Holzfaser; Kenaf und Hanf sind dauerhaft, da sie kurze und lange Fasern besitzen; Kenaf ist säurefrei und enthält weniger Lignin; Fasern wachsen zügig, allerdings benötigen sie mehr Pestizide als Bäume bei derselben Menge Faser; filtern weniger CO ² und Wasser als Bäume

technisch ist Wiederverwertung kein Problem, doch bisher existieren nur wenige Betriebe, die Papier wiederaufbereiten können; Recycling bis zu 90 Mal möglich; Einsatz ist abhängig vom technischen Fortschritt und der Einführung neuer Standards

für Recycling muss Bindemittelauftrag aus Faser gelöst werden; dafür kommt es zum Einsatz von Chemikalien

einfacher recyclebar, da sich Farbe leicht aus Faser lösen lässt; bei ungestrichenem Papier können im Gegensatz zu bestrichenem Papier 40 % mehr Fasern wiederverwertet werden

52

Gütesiegel

Gütesiegel stellen eine wesentliche Hilfe bei der Auswahl von nachhaltigen Papierprodukten dar. Papiere ohne Kennzeichnung können unter allen denkbaren Bedingungen hergestellt worden sein. Zwei Initiativen haben sich für die Zertifizierung der Holz verarbeitenden Industrie etabliert: Sehr bedeutend ist das internationale Waldzertifizierungs«http://www.pefc.de» system PEFC (Programme for Endorsement of Forest Certification Schemes) und das FSC-Zertifizierungssystem «http://www.fsc-deutschland.de/» des Forest Stewardship Council. Kern beider Initiativen ist die Mischwald-Wiederaufforstung, die Schonung des Waldbodens, wertvoller Waldbestände und der Schutz indigener Völker. Für die Zertifizierung eines holzverarbeitenden Betriebes oder einer Druckerei fordern die Siegel eine lückenlose Dokumentation der Schutzmaßnahmen und der Chain of Custody (Stoffkette vom Holzeinschlag über den Verarbeiter und die Händler bis hin zu den Anwendern). Deshalb werden beide Umweltsiegel, sowohl an Papierfabriken, als auch an Druckbetriebe vergeben. Über diese Zertifizierungen hinaus verpflichten sich viele «http://www.iso.org» Papierhersteller zu Transparenz und Verantwortlichkeit mit der Umweltnorm ISO 14000. Hierfür müssen sie Recyclingsanteile, Ökobilanzen, Stoffkreisläufe, Reduktion von Grammaturen, sowie Umwelt- und Sozialstandards bei der Papierproduktion dokumentieren. Generell ist bei Zertifizierungen wichtig, dass unabhängige Gutachter nach allgemein definierten Standards urteilen und eine Vergleichbarkeit zwischen den Herstellern möglich machen. Für jeden Druckauftrag können andere Kriterien im Vordergrund stehen.

Gütesiegel

55

Unabhängige Frischfaser- und Recyclingpapierlabels

Name

Blauer Umweltengel

Nordischer Schwan

EU-Umweltzeichen «Euroblume»

1 FSC Recycling 2 FSC Mix 3 FSC 100 %

Zuständigkeit

Jury Umweltzeichen, BMU, UBA, RAL

Institut für Normung SIS

Europäische Kommission

Forest Stewardship Council

Geltungsbereich

Deutschland

Nord-, Westeuropa

EU Mitgliedsstaaten

weltweit

Altpapieranteil

100 % Altpapier, davon 65 % untere und mittlere Sorten

Nachhaltige Forstwirtschaft

Einsatz von Bleichmitteln

kein Chlor oder halogenierte Bleichmittel erlaubt

mindestens 20 %, oder 75 % aus Altpapier, Durchforstungsholz oder Sägeresteholz

mindestens 15 %

kein Chlor

kein Chlor, jedoch halogenierte Bleichmittel erlaubt

Begrenzung Chemie

1 100 % Altpapier (keine Sortenbeschränkung) 2 Post-Consumer Recyclingmaterial und Frischfaser 3 100 % Frischfaser 1 nicht relevant 2 und 3 ja (kontrollierte Herkünfte dürfen beigemischt werden)

✕ ✕

Chemikalienausschluss

Emissionsbegrenzung

✕ ✕

Begrenzung des Energieverbrauchs

nein, aber gewährleistet, da Recyclingpapier

Begrenzung des Wasserverbrauchs

nein, aber gewährleistet, da Recyclingpapier

Alterungsbeständigkeit

DIN 6738, LDK 24-85

Verifikation durch

Selbstauskunft, Prüfunginstitute, Herstellererklärung

Selbstauskunft und Herstellererklärung

Selbstauskunft und Herstellererklärung

externe Zertifizierung

Bewertung

ausschließlicher Einsatz von Altpapier, strenge Anforderungen an das Ausgangsmaterial; anspruchsvollstes Umweltzeichen für Papierprodukte; Aspekte des Gesundheitsschutzes werden mit berücksichtigt

verlangt nicht den Einsatz von Sekundärfasern; jedoch wird der lückenlose Herstellungsprozess von Quelle bis Produktion nach Umweltkriterien bewertet; das Label fördert Holz aus zertifizierten Forsten

prüft umfangreiche Kriterien, hat jedoch milde Anforderungen für den umweltfreundlichen Herstellungsprozess eines Papiers; bewertet den gesamten Produktionsprozess

FSC Standards sorgen für den Erhalt der biologischen Vielfalt und eine schonende Bewirtschaftung von Wäldern, setzen den Fokus auf nachhaltige Forstwirtschaft; keine Garantie für umweltfreundliche Weiterverarbeitung des Papiers

ja nein

1 nein, aber gewährleistet, da Recyclingpapier, 2 und 3 ✕

1 nein, aber gewährleistet, da Recyclingpapier, 2 und 3 ✕

Die deutsche Druckindustrie hatte 2010 einen Ausstoß von 92.596 Tonnen VOCs. VO was? Flüchtige organische Verbindungen, die zur Ozonkonzentration beitragen und teilweise krebserzeugend sind. Die Mehrheit der Tinten auf Mineralölbasis produzieren rund 30 % VOCs.

Print matters

58

Druck und Umwelt

1400 bis 1468

Die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg revolutionierte die herkömmlichen Methoden der Buchproduktion und löste im Europa des 15. Jahrhunderts eine Medienrevolution aus. Erstmalig war es möglich, Bücher identisch zu reproduzieren und maschinell in großer Masse zu produzieren. Diese Innovation machte die Aufklärung, den Fortschritt und grundlegende kulturelle Veränderungen erst möglich. Seit Gutenbergs Erfindung wurde das Druckgewerbe lange Zeit als «schwarze Kunst» bezeichnet, was sich auf die schwarze Druckfarbe bei Büchern bezieht. Neben Farbe nimmt der Druckprozess eine ganze Reihe unterschiedlicher Ressourcen in Anspruch: Papier, Energie, Alkohol, Reinigungsmittel, Wasser und Puder. Die Stoffe werden während des Druckvorgangs wieder in die Umwelt abgegeben und sind teilweise bedenklich. Es gibt verschiedene Stellschrauben den Output zu verringern oder umweltfreundlicher zu gestalten. Ausschlaggebend ist die Optimierung der einzelnen Prozesse, Energieeffizienz der Duckmaschine, Makulatur- und Abfallvermeidung, die Reduzierung von giftigen Materialien und Hilfsstoffen (Abwässer und Abgase). Nicht zuletzt sollten Doppelarbeiten oder unnützer Materialeinsatz vermieden werden. Zweimal produzieren bedeutet immer die doppelte Menge – ganz egal wie umweltfreundlich hergestellt wurde. Druckereien können ihre «weiße Weste» mit der Norm ISO 14001 sichtbar machen. Das weltweit anerkannte UMS (Umweltmanagementsystem) stellt für beteiligte Betriebe zahlreiche internationale Standards zur Bewertung von umweltrelevanten Problemstellungen zur Verfügung. Auch «http://www.emas.de» die EMAS-Verordnung der EU baut auf die ISO 14001 auf, jedoch fordert das Siegel weiterhin, dass die Betriebe in Berichten Auskunft über ihre Umweltbilanzen geben. Das EMAS Siegel soll Unternehmen auszeichnen, deren Umweltleistungen deutlich über den gesetzlichen Mindeststandards liegen.

Johannes Gutenberg ist für die Erfindung des Buchdrucks zum «Man of the Millennium« gewählt worden.

Druck und Umwelt

59

Papier 31 %

Farbe 17 %

Druckvorgang 52 %

Druck 24 %

Reinigung 18 %

Fertigstellung 0,4 %

6 %

Energie zum Drucken

Repro 2 % Plattenherstellung 2% Umweltauswirkungen von Offsetdruck

60

Druckprozess

Druckvorlage: Vor Einreichung der Druckvorlage steht der Designer vor der Entscheidung die entsprechende Drucktechnik und eine Druckerei für sein Projekt auszuwählen. Auf der Webseite von FSC sind umweltfreundliche Druckbetriebe, die nach Norm ISO 14001 zertifiziert sind, aufgelistet. Wichtig ist ebenfalls die Entfernung zur Druckerei: eine Chance lokale Betriebe zu fördern.

Druckvorstufe: Eine gute Vernetzung von Vorstufe und Druckmaschine spielt eine wichtige Rolle, denn so kann Druckabfall während dem Druckprozess gespart und Fehler im späteren Projekt vermieden werden.

Druckplattenherstellung Nach der Druckvorstufe werden für den Offsetdruck Druckplatten hergestellt. Bei der Computer-to-Plate-Produktion können im Vergleich zur konventionellen Druckplattenherstellung auf die Chemikalien bei der Filmbelichtung verzichtet werden. In modernen Druckereien werden Alu-Druckplatten nach dem Gebrauch recycelt und als neue Druckplatten wiederverwendet.

Offsetdruck Die beim Nass-Offsetdruck verwendeten Feuchtmittel stellen ein ökologisches Problem dar, da verschiedene bedenkliche Chemikalien eingesetzt werden. Die schnellflüchtigen Lösungsmittel (VOC) wirken sich negativ auf die Gesundheit der Arbeiter und die Umwelt aus. Eine schonendere Alternative ist der wasserlose Offsetdruck. Dieses Verfahren reduziert den Austoß an flüchtigen organischen Verbindungen und verzichtet komplett auf Wassereinsatz. Darüber hinaus ist es schneller und spart Energie.

Verpackung Am Ende des Druckprozesses steht die Verpackung, welche das Produkt ausreichend schützen soll. Der zu bewahrende Inhalt besteht fast immer aus einem ungleich höheren Ressourcen- und Energiewert, als es die Verpackung ist. Zudem ist jeder Verpackungsentscheid auch ein Logistikentscheid, denn erst die Verpackung ermöglicht eine sichere Güterverteilung.

Lieferung Der Transport von Druckerzeugnissen erfolgt in hohem Anteil über die Straße, was natürlich große Umweltbelastungen in Form von Schadstoffemissionen und Ressourcenverbrauch darstellt. Es empfiehlt sich der Ansatz «Vermindern» und der Umstieg auf Alternativen (Erdgasautos). Bei kleinen Auflagen ist bspw. die Lieferung durch Fahrradkuriere eine klimaschonende Alternative.

Druckprozess

61

Für die Ökotauglichkeit des Druckens spielen alle vor- und nachgeschalteten Prozesse, eine wichtige Rolle. Um die Walzen einer Druckmaschine von Farbrückständen zu befreien, werden spezielle Reinigungsmittel benötigt. Die aus der Druckmaschine abfließenden Abfälle sind sehr stark mit Farbe und Papierstaub beladen. Sie müssen entweder als Sondermüll entsorgt werden oder in einer Filterung von Wasser getrennt werden. Statt lösungsmittelhaltigen Reinigern können Mittel auf Citrusbasis eingesetzt werden. Für die Weiterverarbeitung des Druckwerks sollten die bedenklichen UV-Versiegelungen durch Versiegelungen, die zu 100 Prozent wasserlöslich und ungiftig sind, ersetzt werden. Leider wird diese alternative UV-Versiegelung noch nicht flächendeckend angeboten. Bei der Bindung sind natürlich Heftklammern am leichtesten recyclebar. Bei den Leimbindungen sind die Inhaltsstoffe des Leims relevant.

Digitaldruck Der Digitaldruck ist besonders geeignet für kleine Auflagen und Print-on demand Projekte. Unter Umweltaspekten hat er klare Vorteile gegenüber dem Offsetdruck, da die Übertragung der digitalen Daten auf Filme und Druckplatten und der damit verbundene Einsatz von giftigen Chemikalien entfallen. Allerdings erreicht der Digitaldruck nicht die gleichen Qualitäten in der Bildwiedergabe.

62

Druckfarbe

Druckfarben bestehen aus Pigmenten, Bindemitteln und Lösungsmitteln. Lösungsmittel können auf pflanzlicher Basis, wie zum Beispiel aus Soja, Leinsamen, Baumwollsamen oder Chinaholz hergestellt werden. Ihr Umweltvorteil ist, dass sie deutlich weniger flüchtige organische Verbindungen (VOCs) enthalten. Ein großer Nachteil liegt allerdings in der Anbauweise von Soja: Teilweise kommen für die Farbherstellung genmanipulierte Sorten zum Einsatz. Hierfür werden Regenwälder vernichtet und Monokulturen angebaut, die ihr Erbgut auch an benachbarte Felder abgeben. Daher empfehlen Umweltschutzorganisationen wie der WWF die Verwendung von Farben, die zwar auf Pflanzenbasis, jedoch nicht auf Sojabasis hergestellt wurden. Für die Lacke gibt es matte und glänzende mineralölfreie Alternativen. Sie bestehen aus einer Mischung von Polymeren und Wasser, sind recyclebar und geben weniger VOCs, flüchtige organische Verbindungen, an die Umwelt ab. Diese Maßnahmen vereinfachen die Deinkbarkeit des bedruckten Altpapiers.

Druckfarbe

63

Negativ für die Umwelt sind die Pigmente in den Farben. Sie enthalten Schwermetalle wie Zink, Kupfer oder Barium. Je nach Farbe liegt die Konzentration der Schwermetalle über den gesetzlich definierten Schwellenwerte für toxische Mittel. Besonders metallische, oder fluoreszierende Druckfarben, zum Beispiel opak-gelbe, orangefarbene und grüne Farben haben einen hohen Anteil an Karzinogenen. Pigmente sind nicht biologisch abbaubar. Sie reichern sich in den flüssigen Abfällen an und vergiften die Gewässer und Böden. Es gibt noch keine natürlichen oder technischen Alternativen zu Pigmenten, die ähnliche Eigenschaften wie Brillanz, Farbstärke und Lichtechtheit in gleicher Qualität wiedergeben. Daher enthalten auch die auf Pflanzenöl basierenden Farben, Pigmente. Einige positive Entwicklungen, wie zum Beispiel die «konsequent ökologischen» Offsetfarben earthColors®, entwickelt «http://www.hessdesign.de» von der Designerin Dorothea Hess beweisen, dass auch auf giftige Chemikalien bei der Farbherstellung verzichtet werden kann, allerdings sind die Farben nicht auf dem Markt erhältlich, da sie keinen Produzenten fanden.

Druckfarbe

64

Barium ppm 130 120 110 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10

0 300 600 900 1200 1500 1800 2100 2400 2700 3000 3300 3600 3900 ppm Kupfer

3405

340

Gr端n

3278

3275

3272

327

320

3135

313

Blau

3005

300

293

286

2735

259

213

192

185

1788

Rot

172

1655

165

1585

151

1375

137

123

PMS#

0

Druckfarbe

65

Barium ppm 130 120 110 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10

5747

569

562

5535

5463

5463

534

5255

5185

520

5115

513

506

4975

499

492

471

4625

464

457

450

445

438

419

389

368

361

354

347

0

0 300 600 900 1200 1500 1800 2100 2400 2700 3000 3300 3600 3900

Metallische und fluoroszente Druckfarben haben den höchsten Anteil von Metallen. Sie beinhalten einen hohen Anteil von Kupfer und Zink. PMS# steht für das Pantone® Matching System Color Chart (Farbauswahl der Grafik sind Annäherungen); die Angabe ppm für parts per million oder 10 -6.

66

Druckfarbe

 ■

Unbenannt-2 1 100 km

Lena Fluss Delta, Russland: Das Delta ist die meiste Zeit im Jahr gefroren. Im Sommer verwandelt es sich in ein Feuchtgebiet von enormer ökologischer Bedeutung. Für Klimawissenschaftler ist es ein Indikator des Klimawandels, da sich die Wassermengen jährlich verringern.

Druckfarbe

Schwermetalle in Sonderdruckfarben belasten 26/01/2011 08:38 die Gewässer. Die Umrechnung in CMYK-Werte schont die Umwelt und das Portemonnaie. «http://www.colormatch.de/»

67

Begleitmaterial

70

Glossar

A Aufforstung Die vom Menschen geleitete Baumbepflanzung von seit mindestens 50 Jahren unbewaldeten Flächen. Abwasser ist durch Herstellungs- und Wiederaufbereitungsprozesse in Papierfabriken meist schadstoffbelastet und kann das Grundwasser und die Erdböden kontaminieren. Abfall Wertlos gewordene Gegenstände oder Dinge, deren sich der Besitzer entledigen will oder deren Beseitigung zur Wahrung des gesellschaftlichen Wohls und zum Schutz der Umwelt staatlich gefordert wird. Reststoffe, die einer Wiederverwertung zugeführt werden (Schrott, Altpapier, Altglas) fallen nicht unter die Abfalldefinition.

Kohlenstoffdioxid macht etwa 60 Prozent des vom Menschen verursachten zusätzlichen Treibhauseffektes aus. Der weltweite anthropogene CO ² Ausstoß betrug im Jahr 2006 ca. 32 Gigatonnen. Cradle to Cradle Der deutsche Chemiker Michael Braungart und der amerikanische Architekt William McDonough prägten in ihrem Buch «Cradle to Cradle» («Von der Wiege bis zur Wiege») das Konzept der Ökoeffektivität. Cradle to Grave oder «Von der Wiege bis zur Bahre» bezieht sich auf die Betrachtung des gesamten Lebensweges eines Produktes (von der Produktion bis zur Entsorgung) zur Messung der Ökobilanz.

D

Agrarfasern Nicht von Bäumen stammende organische Fasern, die speziell für die holzfreie Papierproduktion angebaut werden.

De-Inking bezeichnet den Bleichungsprozess für das Entfärben von bedrucktem Altpapier.

Ausschuss Während der Papierherstellung und beim Druck angefallener Papierabfall, der als Pre-Consumer Abfall in den Herstellungsprozess zurückgeführt werden kann.

Dioxine Toxische chemische Verbindungen, die während der Papierherstellung beim Einsatz von elementaren Chlor entstehen. Die Auswirkungen auf die Umwelt und den Menschen sind noch nicht völlig erforscht, werden aber mit Krebserkrankungen und Fehlgeburten in Verbindung gebracht.

B Biomasse Die gesamte organische Trockenmasse bzw. die gesamte gespeicherte Energie lebender Organismen. Biomasse kann durch Verbrennen (z.B. Holz) oder indirekt durch die Umwandlung zu Alkohol (z.B. Zucker) oder in brennbare Öle (z.B. Sojabohnen) als Brennstoff genutzt werden.

C Carbon Footprint Der Kohlendioxid-Fußabdruck ist eine ökologische Bilanzierung und erfasst die CO ² Emissionen, die bei der Herstellung eines Produktes, eines Prozesses oder der Tätigkeit eines Unternehmens entstehen.

Downcycling Recyclingprozess, bei dem das recyclete Material nicht mehr die ursprüngliche Qualität bzw. Verarbeitbarkeit des Primärproduktes erreicht. Drei Säulen Modell Konzept für Unternehmen, dass davon ausgeht, dass Nachhaltigkeit durch ein ausgewogenes Verhältnis von ökologisch, ökonomisch und sozial orientierten Entscheidungen erzielt werden kann.

Chlor Bei der Papierherstellung zum Bleichen und zum Entfernen von Lignin verwendete Chemikalie. Sie verhindert das Vergilben von Papier, ist jedoch sehr umweltbedenklich.

Dymaxion Abkürzung von «dynamic maximum tension» (dynamische maximale Spannung). Begriff, den der Architekt Richard Buckminster Fuller für einige seiner Erfindungen verwendete. Die Dymaxion-Weltkarte ist die Projektion einer Weltkarte auf ein Polyeder, das auf unterschiedliche Weise zu einer zweidimensionalen Karte aufgefaltet werden kann. Fuller nannte das Projekt zuerst The One-Town World.

CO² Kohlenstoffdioxid ist mit einem Anteil von etwa 0,038 Prozent (ca. 380 ppm) in der Atmosphäre enthalten und hat einen Anteil von ca. 20 Prozent am natürlichen Treibhauseffekt. Es entsteht u.a. durch die Verbrennung fossiler Energieträger und wird im Schnitt erst nach 120 Jahren in der Atmosphäre abgebaut.

Dow Jones Sustainability Indexes (kurz DJSI, deutsch: Dow Jones Nachhaltigkeits-Indizes) sind eine Familie von Aktienindizes, welche neben ökonomischen auch ökologische und soziale Kriterien berücksichtigen. Damit heben sich die DJSI von klassischen Aktienindizes und von rein ökologisch-orientierten Indizes ab.

71

Glossar

E ECF (Elementally Chlorene Free) Klassifikation für Fasern, die bei der Herstellung mit Chlorverbindungen wie Chlordioxid (CIO ² ) gebleicht wurden, nicht aber mit elementaren Chlor. EMAS Gemeinschaftssystem für das freiwillige Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung ist ein von der EU 1993 entwickeltes Instrument für Unternehmen, die ihre Umweltleistung verbessern wollen. Emissionsbilanz Berechnung der CO ² Emissionen. Im Umfeld «klimaneutral Drucken» das Erstellen einer Emissionsübersicht und -berechnung von einzelnen Druckerezeugnissen unter Berücksichtigung der relevanten Klimafaktoren. Emissionshandel Berechtigung zur Emission von Treibhausgasen (Kohlendioxid, Schwefeldioxid oder Stickoxid) innerhalb eines konkreten Gebiets und eines konkreten Zeitraums. Der Handel mit Verschmutzungsrechten gilt für die Industriestaaten. Wurde z.B. für eine Region eine Obergrenze von 100 Millionen Tonnen CO ² innerhalb eines Jahres festgelegt, so werden Zertifikate, die zur Emission von 100 Millionen Tonnen CO ² berechtigen, ausgegeben. Energieeffizienz Die effiziente (viel Leistung in Relation zum Aufwand) Nutzung von Energien ist immer noch nicht an der Tagesordnung, obwohl zahlreiche Möglichkeiten bestehen, Förderungen angeboten werden und durch Energieeffizienz neben CO ² Emissionen auch Energiekosten in erheblichen Umfang eingespart werden können.

Fehler In der Produktion und Herstellung keine Fehler zu verursachen, ist wahrscheinlich die wichtigste Umweltschutzleistung überhaupt. Zweimal produzieren bedeutet immer die doppelte Menge – ganz egal wie umweltfreundlich hergestellt wurde.

I IPCC Internationale Organisation, die 1988 vom United Nations Environmental Programme und der World Metereological Organisation gegründet wurde; besteht aus weltweit führenden Wissenschaftlern und soll die Regierungen der Vertragsstaaten des UNFCCC bei der Klimapolitik beraten. Das IPCC veröffentlicht periodisch Sachstandsberichte zum Klimawandel. ISO 14001 Weltweit anerkannte Umweltmanagementsystem – Norm der International Standard- ization (ISO), mit dem die Umweltleistung von Unternehmen bewertet werden kann.

K Klimaneutralität bedeutet den Ausgleich von Treibhausgasen, also die Neutralisierung durch die Einsparung einer bestimmten Menge an anderer Stelle. Dies ist möglich, da Treibhausgase eine globale Schädigungswirkung haben und es für das Klima irrelevant ist, an welchen Ort Emissionen entstehen und an welchen Ort sie vermieden werden. Emissionen an Ort A können an Ort B neutralisiert werden.

Erneuerbare Energien Energiequellen, die sich durch einen natürlichen Prozess ständig erneuern. Zu den erneuerbaren Energien zählen Technologien, die nicht auf Kohlenstoff basieren, z.B. Wasser- und Gezeiten-, Wind-, Solar-, Geothermie-, Biomasse, Faul- und teilweise Deponiegasenergie.

Klimawandel Die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre hat sich seit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert extrem erhöht: Die CO ² Konzentration stieg um 30 Prozent, die Konzentration von CH4 nahm um 50 Prozent zu und der Anteil von N ² O erhöhte sich um rund 17 Prozent. Die Folge: der Wandel der klimatischen Bedingungen auf der Erde mit teilweise verheerenden Wirkungen.

F

Kompensieren Ausgleichen der Treibhausgase nach dem Prinzip der Klimaneutralität.

FSC (Forest Stewardship Council) Unabhängige Organisation, die nachhaltige Verfahren bei der Gewinnung von organischen Fasern zertifiziert. Um das FSC Siegel zu erhalten, muss eine Papiersorte auf dem kompletten Weg von der Rohstoffbeschaffung über den Hersteller bis zur Druckerei nachhaltig produziert und weiterverarbeitet worden sein (Zertifizierung der gesamten Produktkette).

L Lösemittel In deutschen Offset-Druckereien werden in der Produktion jährlich rund 40.000 Tonnen Lösemittel eingesetzt. Davon verdunsten drei Viertel und verschmutzen die Luft.

72

Glossar

M Makulatur Abfall eines Druckbogens. Weniger Abfall (also Makulatur) bedeutet weniger Umweltbelastung. Technologien wie wasserloser Offsetdruck, aber auch sichere Prozesse und engagierte und gut geschulte Mitarbeiter in der Druckerei sind Wege, die Makulatur gering zu halten.

N Nachhaltigkeit Es gibt unzählige Definitionen für das viel genutzte Wort. Das Konzept beschreibt die Nutzung eines regenerierbaren natürlichen Systems in einer Weise, dass dieses System in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleibt und sein Bestand auf natürliche Weise wachsen bzw. fortgeführt werden kann. Neutralisieren Ausgleichen der Treibhausgase nach dem Prinzip der Klimaneutralität. Treibhausgase haben eine globale Schädigungswirkung, daher spielt es keine Rolle, an welchem Ort die Emissionen entstehen und an welchem sie vermieden werden. NGO Non-Govermental-Organisation: NichtRegierungs-Organisation (z.B. FSC). NPO Non-Profit Organisation verfolgen keine kommerziellen Interessen, sondern dienen den gemeinnützigen, sozialen, kulturellen oder wissenschaftlichen Zielsetzungen ihrer Mitglieder oder einer adressierten Gruppe.

O Ökobilanz systematische Analyse der Umweltwirkungen von Produkten während des gesamten Lebensweges (LCA – Life Cycle Assessment) von der «Wiege bis zur Bahre». Dazu gehören sämtliche Umweltwirkungen während der Produktion, der Nutzungsphase und der Entsorgung des Produktes, sowie die damit verbundenen vor- und nachgeschalteten Prozesse (z.B. Herstellung der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe). Summiert werden alle umweltrelevanten Entnahmen aus der Umwelt (z.B. Erze, Rohöl) sowie die Emissionen in die Umwelt (z.B. Abfälle, Kohlendioxidemissionen, Verdunstungen). Ökoeffektivität Methode zur Umsetzung von Nachhaltigkeit. Entwickelt wurde das Konzept von dem deutschen Chemiker Michael Braungart und dem amerikanischen Architekten William McDonough. Die Annahme ist, dass nicht die Ökoeffizienz (Sparen, Verzichten, Vermeiden)

die Lösung für umweltfreundliche Produktionsund Lebensweisen ist, sondern eine radikale Neuerfindung der Prozesse durch eine «neue» industrielle Revolution. Das Prinzip dazu lautet: Abfall ist Nahrung («waste equals food»). Alles was hergestellt, konsumiert oder benutzt wird, soll entweder schadstofffrei kompostierbar oder endlos wiederverwertbar sein. Ökoeffizienz Methode zur Messung der Nachhaltigkeit von Produkten. Die Modellrechnung wurde von dem deutschen Chemiker und Umweltforscher Friedrich Schmidt-Bleek (Spitzname «Bio») am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, entwickelt. Ökoeffizienz verfolgt das Ziel, die Naturressourcen bei der Produktion effektiver (mit größeren Nutzen) zu nutzen. Dieser Mehrnutzen soll durch die Maximierung des Wertes pro Einheit «Umweltbelastung», der Verminderung des Material- und Energieeinsatzes, der Reduzierung des Schadstoffausstoßes, der Erhöhung der Recyclingfähigkeit von Produkten und dem maximalen Einsatz wiederverwendeter Materialien erreicht werden. Ökologischer Rucksack Kenngröße zur Bewertung von Umweltbelastungen eines Prozesses, Produktes oder einer Dienstleistung. 1994 durch Friedrich Schmidt-Bleek eingeführt. Die Größe ist die Grundlage für die Berechnung der Einheit «Material-Input pro Serviceeinheit» (SchmidtBleek, 1998). Der ökologische Rucksack soll verdeutlichen, welche ökologischen Folgen die Bereitstellung bestimmter Güter verursacht. Der Rucksack eines Computers von 15 kg ist bspw. 1500 kg. In dieses Gewicht fließen sämtliche natürliche Ressourcen und die Energie ein, die für die Herstellung investiert wurden. Hinzukommen die Werte aus Transport, Verarbeitung, Gebrauch und Entsorgung. Ökostrom Elektrische Energie, die aus regenerativen Quellen (Wasserkraft, Windenergie, Biogas- und Biomasse, Photovoltaik und Solarenergie, Geothermie) gewonnen wird.

P Papier Papiere haben unterschiedlichste Emissionsbilanzen, abhängig von dem Produktionsverfahren, der Rohstofflogistik und dem Standort bzw. der Energieeffizienz und -gewinnung der Papiermühle. PCF (Process Chlorene Free) Klassifikation für Recyclingfasern, die bei der Wiederaufbereitung nicht mit Chlor gebleicht wurden.

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Glossar

Post-Consumer Abfall (Altpapier) Nach Nutzung durch den Konsumenten anfallender Papierabfall, z.B. gelesene Zeitschriften oder Verpackungsmüll, auch Papierabfall aus Einfuhren. Pre-Consumer Abfall (Altpapier) Hierzu zählen Ausschuss aus der Papierproduktion und aus den Druckereien, aber auch fertiggestellte, unverkaufte Druckerzeugnisse. PEFC Programme for Endorsement of Forest Certification Schemes ist ein Waldzertifizierungssystem, welches für die Erhaltung und dem ökologischen Gleichgewicht der Wälder eintritt. Die zertifizierten Betriebe bezeugen mit den PEFC Label ihr Engagement für die Umwelt und ihre Verantwortung mit dem Rohstoff Holz.

R Recycling «Wiederverwertung», «Wiederaufbereitung» oder Rezyklierung von Produkten, deren Nutzungsdauer erloschen ist. Aus gebrauchten, defekten, unmodernen oder nicht mehr benötigten Produkten (Abfall) wird durch Recycling ein Sekundärrohstoff. Der Stoff bzw. das Material kann entweder für den ursprünglichen Zweck oder für andere Zwecke aufbereitet werden.

S Stakeholder eine natürliche oder juristische Person, die ein Interesse an der wirtschaftlichen Entwicklung eines Unternehmens hat. Diese können Mitarbeiter, Manager, Eigentümer, aber auch Lieferanten, Kunden, die Gesellschaft und der Staat sein.

T TCF (Totally Chlorene Free) Klassifikation für Fasern, die bei der Herstellung entweder gar nicht oder nicht mit Chlor bzw. Chlorverbindungen gebleicht wurde. Urwald Auch Primärwald genannte Waldgebiete (einschließlich Regenwald und borealer Wald), die sich über mehr als 100 Jahre natürlich zu kompletten Ökosystemen mit Bäumen jeden Alters und einer großen Artenvielfalt an Tieren und Pflanzen entwickeln konnten.

U Upcycling Aus dem Stoff bzw. Material wird nach dem Recyclingprozess ein hochwertigeres Produkt als das Primärprodukt hergestellt. UNFCCC steht für das United Nations Framework Convention on Climate Change, sprich das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen.

V VOC Volatile Organic Compounds sind flüchtige organische Verbindungen (Gase), die von Lösungsmitteln, Farben und Benzin emittiert wurden. Wegen ihrer umwelt- und gesundheitsschädlichen Wirkung wurde in der Verordnung des Bundesemissionsschutzgesetzes Obergrenzen definiert, die für Druckereien gelten.

Z Zertifikatehandel Ein marktbasierte Ansatz zum Erreichen von Zielen im Bereich des Umweltschutzes. Dieser Ansatz ermöglicht es den Vertragsparteien ihre Treibhausgasemissionen stärker als erforderlich zu senken.

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Ressourcen

Ästhetik und Ethik

Nachhaltigkeit und Design

Otl Aicher Analog und Digital. Verlag ernst & sohn, Berlin 1991

Aaris Sherin Grafikdesign nachhaltig: Ein Handbuch über Materialien und Herstellungsverfahren für Grafikdesigner und deren Kunden Stiebner, München 2009

Die Welt als Entwurf. Verlag ernst & sohn, Berlin 1991

Victor Papanek Design für die reale Welt: Anleitungen für eine humane Ökologie und sozialen Wandel. Springer, Wien 2008

Manfred Kröplin Es könnte so oder auch anders sein – Nachdenken über Grafikdesign. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2003

Kalle Lasn Culture Jamming – das Manifest der Anti Werbung. orange press, Freiburg 2006

Stefan Sagmeister Things I have learned in my life so far. Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2008

Volker Harlan Was ist Kunst? Werkstattgespräch mit Beuys. Urachhaus, Stuttgart 2001

Manuela Pfrunder Neotopia. Atlas zur gerechten Verteilung der Welt. Limmat Verlag, Zürich 2002

Wolfgang Welsch Die Aktualität des Ästhetischen Wilhelm Fink Verlag, München 1993

Heide Hackenberg Was kostet Grafik-Design? Vergütung für Visuelle Kommunikation Birkhäuser, Basel 2002

Frank Berzbach Kreativität aushalten: Psychologie für Designer Verlag Hermann Schmidt Verlag, Mainz 2010

Brian Dougherty, Celery Design Collaborative Green Graphic Design Allworth Press, New York 2008

Jutta Nachtwey, Judith Mair Design ecology! Neo-grüne Markenstrategien Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2008

Ursula Tischner Was ist EcoDesign? Verlag form, Frankfurt am Main 2000

Fuad-Luke Alastair Handbuch ökologisches Design. Möbel, Objekte, Geräte, Materialien, Adressen Dumont Verlag, Köln 2004

Suzanna Mc Stephens, Anthony B. Stephens The Big Book of Green Design Collins Design, USA 2009

Henning Otto, Elisabeth Plass Think Green! Design To Save The World EIGA Design, Hamburg 2009

Patrick Gan, Mary Loh Useless Nasheer Graphic Books, Singapur 2007

IdN Magazine Fucking Recycle - designer's responsibility for eco-friendly design. IdN Magazine, Deutschland 2010

Alex Steffen, Al Gore Worldchanging: A User's Guide for the 21st Century Harry N. Abrams, New York 2008

Benoît B. Mandelbrot Die fraktale Geometrie der Natur. Birkhäuser, Basel 1991

Ressourcen

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Nachhaltigkeit und Ökologie

Nachhaltigkeit und Wirtschaft

Felix Ekardt Das Prinzip Nachhaltigkeit: Generationengerechtigkeit und globale Gerechtigkeit C. H. Beck, München 2005

Eike Wenzel, Anja Kirig, Christian Rauch Greenomics. Wie der grüne Lifestyle Märkte und Konsumenten verändert Redline Verlag, München 2008

Ulrich Grober Die Entdeckung der Nachhaltigkeit. Kulturgeschichte eines Begriffs Antje Kunstmann, München 2010

Gunter Dueck Abschied vom Homo Oeconomicus: Warum wir eine neue ökonomische Vernunft brauchen Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 2008

Serge Halimi, Barbara Bauer, Joseph Stieglitz Atlas der Globalisierung: Sehen und verstehen, was die Welt bewegt Taz, Berlin 2009

Beatrix Kuhlen Corporate Social Responsibility (CSR). Die ethische Verantwortung von Unternehmen für Ökologie, Ökonomie und Soziales: Entwicklung, Initiativen, Berichterstattung, Bewertung Deutscher Wissenschafts-Verlag, Baden-Baden 2005

Michael Braungart, William McDonough Die nächste industrielle Revolution: Die Cradle to Cradle-Community Europäische Verlagsanstalt; Hamburg 2008

Friedrich Schmidt-Bleek Nutzen wir die Erde richtig? Von der Notwendigkeit einer neuen industriellen Revolution. Forum für Verantwortung Fischer, Frankfurt 2006 Der ökologische Rucksack: Wirtschaft für eine Zukunft mit Zukunft Hirzel, Stuttgart 2004

Niklas Luhmann Ökologische Kommunikation. Kann die moderne Gesellschaft sich auf ökologische Gefährdungen einstellen? Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden

Frederic Vester Ein Baum ist mehr als ein Baum Kösel, München 1986

Peter Unfried Öko: Al Gore, der neue Kühlschrank und ich Dumont Verlag, 2008

Dieter Birnbacher Ökologie und Ethik: 7 Beiträge Reclam, Ditzingen 2001

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Checkliste

Bevorzugen

!

Beachten

Vermeiden

Ressource

Energie

Verwertbarkeit

erneuerbare Energien, keine Gifte, nachhaltige Wirtschaft

erneuerbare Energien, moderater Einsatz

Voll recyclebar, kompostierbar, wiederverwertbar

konventionelle erneuerbare Energien

nicht regenerierbare Energien

Kompatibel mit Müllverbrennung

nicht regenerierbare Rohstoffe, giftige Stoffe

nicht regenerierbare Energien, Energieverschwendung

Mülldeponie

Papierarten Post-Consumer Faser Pre-Consumer Faser

!

FSC Frischfaser Frischfaser

Alternative Faser

!

!

TCF/PCF gebleicht

!

ECF gebleicht

Druckfarben auf Mineralölbasis auf Pflanzenbasis

CMYK Pigmente Großteil Sonderfarben Metallige Sonderfarben Metallpigmente Lack H O Streichung ² UV-Tinten

✕ ✕

! !

Folienprägung

! ! ! ! ! ! ! ! ! !

Bindung Mechanische Bindung Perfekte Bindung

Heißklebung

Perfekte Bindung

(EVA geklebt)

Starkkleber

! ✕

!

! ! ! ! ✕ ✕

! ! ! ✕

Eine Suchanfrage bei der Suchmaschine Google kostet zwei Gramm CO ² Ausstoß. Weltweit sind 14 Kraftwerke nötig, um die Server dieser Welt mit Energie zu versorgen. Ökologische Suchmaschinen wie Forestle, Greenseng oder Hornvogel reduzieren die Klimabelastung.

Der Autoverkehr verursacht mit 59 % die höchsten CO ² Emissionen im Gesamtverkehr in Deutschland. Ein CO ² Ausstoß unter 140 g pro Kilometer ist laut Automobilindustrie der Grenzwert für ein klimafreundliches Modell. Ein Wechsel auf das Fahrrad ist immer noch klima- und gesundheitsfreundlicher. Im Stand-by Modus verbrauchen Elektrogeräte heimlich Strom, das Abschalten spart im Jahresdurchschnitt 70 Euro. Tintenstrahler benötigen weniger Strom als Laserdrucker und Geräte, die ständig mit Strom versorgt werden müssen, sollten vom Netz getrennt werden.

Das Licht macht 44 % des Gesamtenergieverbrauchs in einem Büros aus. LED-Lampen verbrauchen bis zu 90 % weniger Strom als Glühlampen, etwa 50 % weniger als Halogenlampen und 1 % weniger als Energiesparlampen. Sie enthalten keinerlei Schadstoffe und leben 60 Mal länger.

Der Deutsche trinkt im 20 Liter Kaffee pro Jahr aus «Coffee-to-Go» Bechern. Das sind 80 Pappbecher pro Person. Diese Zahl auf alle Einwohner gerechnet, macht 6.560.000.000 Becher. Übereinander gestapelt ist der Müllberg 590.400 km hoch. Die Zugspitze misst nur 2.962 m.

Pflanzen bauen 70 % aller flüchtigen organischen Verbindungen in der Luft ab. Um saubere Luft zu haben, sollten mehr Pflanzen am Arbeitsplatz sein. Laut der internationalen Initiative «Plants for People« sind besonders die Madagaskarpalme, die Sanseverie und die Efeutute gute Filterer. Im Durchschnitt verbraucht ein Büroarbeiter 10,000 A4 Papierblätter pro Jahr. Deswegen ist es wichtig Kopierpapier zu kaufen, dass aus 100 % PostConsumer Abfall besteht und chlorfrei gebleicht ist.

Bei täglicher Lektüre der Tagesnachrichten verbraucht das E-Paper im Jahresdurchschnitt 6.500 MJ Energie und 690 kg CO ² weniger als die konventionelle Tageszeitung. Erst bei regelmäßigem Lesen lohnt sich das E-Paper, da der Ressourcenbedarf zur Herstellung wesentlich höher ist.

Finde die richtigen Text-Bild Kombination

Ausblick

79

Jedes Ende ist ein Anfang und jede zurückgelegte Etappe ist ein großer Schritt näher zum Ziel. Es gibt viele Straßen zur Nachhaltigkeit und welche Route die beste ist, muss jeder Wanderer selbst herausfinden. Hat man sich verirrt, und wandelt auf Holzpfaden können auch Wegbegleiter oder ein guter Kompass neue Orientierung geben. Nachhaltigkeit ist ein komplexes Zusammenspiel von Prozessen und Menschen. Kommunikation kann Brücken schlagen und diese Zusammenhänge verständlicher machen. Dieses Buch soll eine Anregung für nachhaltiges Handeln in Designprozessen geben und grundsätzliches Wissen über die geschichtliche, kulturelle und technische Definition von Nachhaltigkeit vermitteln.

«Ästhetik ohne Ethik tendiert zur Täuschung» Otl Aicher

80

Ausblick

 ■

100 km

Der tropische Sturm Aila über Bangladesch und Indien verursachte 2009 schwerwiegende Folgen. Die New York Times dokumentierte, dass die Wasserfluten 191 Menschen töteten und die landwirtschaftlichen Flächen in Bangladesch mit Salzwasser überschwemmt wurden.

Ausblick

Brainstorming

81

Genesis 1,1

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde; die Erde aber war w端st und wirr, Finsternis lag 端ber der Urflut und Gottes Geist schwebte 端ber dem Wasser. Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen:

erster Tag.

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Impressum

Wir danken herzlich Jutta, Teresa, Barbara, Martin und Paul, Atar, Reut

Exkursion Nachhaltigkeit und Design Bachelorthesis Wintersemester 2010 | 2011

Hanna Heer für die fleißige Bestellung der grünen Literaturliste Prof. Angelika Karger und Prof. Jürgen Hoffmann und für die Projektbetreuung Cornelia Dollacker, Christine Fehrenbach, Astrid Rabin, Ulrike Schneider von der Initiative come closer und Dorothea Hess für die aufklärenden Gespräche Holger Frieß und Patricia Peckels von der Druckerei Gaiser für interessante Einblicke in die Druckindustrie 69 anonymen Designstudenten, 62 anonymen Designagenturen und 40 anonymen Designhochschulen für die Teilnahme an unseren Umfragen

Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd Konzept und Gestaltung Daniela Aschenbach Nikolaus-Anton Kruch Projektbetreuung Prof. Dr. habil. Angelika Karger Prof. Jürgen Hoffmann Schrift Trade Gothic | Jackson Burke Papier FSC zertifiziert Igepa Design Offset naturweiss 120 g | m² Igepa Design Offset naturweiss 250 g | m² Produktion Bahnmayer Druck und Repro GmbH, Schwäbisch Gmünd Buchbinderei Sihler, Renate Hauke-Sommer, Geislingen an der Steige

© 2011 Daniela Aschenbach, Nikolaus-Anton Kruch

1 kg Buch

1,5 kg Holz

26 l Wasser

5,4 kWh Energie

0,5 kg CO² Emission

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Es ist wichtig häufig auf nachhaltigere Produktionsweisen aufmerksam zu machen.

54%

on Papier aus Altpapier im Papierkreislauf nd für eine nachhaltige Entwicklung. Alter Einsatzquote von 61 Prozent der wichtigste Papierindustrie in Deutschland. Für die Neupapier können bis zu 100 Prozent des Die sozialen und ökologischen Überzeugungen uktionsmittels eingesetzt werden. Ob und der Auftraggeber sind sehr wichtig» fang Altpapier eingesetzt werden kann, hängt chten Eigenschaften des Neupapiers ab. 8% apier richtig getrennt, sortiert und gereinigt Rohstoff für die Weiterverarbeitung. Um r verwenden zu können, wird beim Deinkingckfarbe entfernt. Die effizienteste und de ist die Flotationstechnik. Leider kann apier in der Flotation deinkt werden: m Flexodruck gedruckt wurden besitzen zu serabstoßende Druckpartikel, um entfernt its geringe Mengen Flexozeitungen können hten Weißgrad führen. eme beim Deinking bereiten pigmentierte UV-Lacke und digitale Druckverfahren mit n kritischer Faktor bleibt auch die Verwerng-Abfalls. Häufig wird der Papierschlamm des Bodens auf Äcker aufgebracht, laut art von EPEA Internationale Umweltforschung hren diese Rückstände zur Kontamination ist notwendig die Deinkbarkeit der Druckn, damit das Papier nach dem Gebrauch Nachhaltigkeit als Trend toffkreislauf geführt werden kann.

1982 Von Beuys gestaltetes Titelblatt für die documenta 7 inistKassel Nachhaltigkeit ein Teil der Unternehmensphilosophie.

81%

Nicht nur Designer reagieren auf die Bedürfnisse ihrer Zeit. In den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts rückten Umweltthemen in den Fokus der Öffentlichkeit. Schaumlage Umweltbewegungen machten durch Protestaktionen und Luftpartikel Demonstrationen auf das Ozonloch, die Gefahr durch KernFarbe energie, das Waldsterben und die Tropenwaldvernichtung aufmerksam. Auch Künstler schlossen sich der Gruppe an und bezogen in ihren Werken DeinkingStellung. Druckfarbe Ein Beispiel ist das und Faser haften an statt StadtverLandschaftskunstwerk «Stadtverwaldung einander. Die Druckwaltung (7000 Eichen)»farbe desistpolitischen Künstlers Joseph wasserabstoßend, die Faser ist Beuys. Beuys pflanzte im Verlauf mehrerer Jahre Nachhaltigkeit entwickelt sich angesichts der7000 Bevölkewasseranziehend. MitBäume an unterschiedlichen Kassel. Das rungszunahme, demhilfe Klimawandel undinder RessourcenverderStandorten Schaumlage, einer Natriumseife, Projekt sollte auf die allgemeine Verstädterung und die knappung zu einem immer wichtiger werdenden Konzept, wird die Farbe von Notwendigkeit der Umwelterhaltung aufmerksam machen. um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen. Es der Faser gelöst und Der ist nachhaltige Gedanke wird durch die Zeitdimension tritt mit den Luftparein komplexes Zusammenspiel von Prozessen und Mentikeln in Verbindung. des schen. Baumwachstums verdeutlicht: eine Eiche kann und bis zu Kommunikation kann Brücken schlagen diese Diese nehmen die 700Zusammenhänge Jahre alt werden.verständlicher Das umstrittene machen. Projekt Farbeanfangs mit und trennt sie von der wasseran- des öffentlichen hat Die sichPublikation zu einem prägenden Bestandteil „Exkursion Nachhaltigkeit und Design“ ziehenden Faser. Raums der Stadt Kassel entwickelt. soll DesignstudentenInnen (Schwerpunkt Grafikdesign) Mittlerweile trägt dasaus Pflanzen von Bäumen sonderliche auf und DesignerInnen der Praxis bei der Orientierung Blüten: undmehr Unternehmen nutzen den Firmen Wegen zu Nachhaltigkeit imAufforstungsprivaten und berufprojekte alsUmfeld Marketinginstrument, um die verursachten lichen verhelfen. Nachhaltigkeit ist überfrachtet «http://co2frei.net» CO² von Emissionen wieder auszugleichen. Grundsätzlich sprichtdas Vorstellungen und Definitionen, deswegen beginnt nichts gegen Klimaneutraliät, da Treibhausgase eine Buch inhaltlich bei den Ursprüngen: der Forstwirtschaft globale haben und es 42 für das gibt Klima des Schädigungswirkung 18. Jahrhunderts. Eine kurze Entwicklung Aufirrelevant ist, an welchem Ort Emissionen entsteheninund schluss über die Integration von Nachhaltigkeit Politik an welchem Ort sie vermieden bzw.den neutralisiert werden. und Gesellschaft und schließt Bogen zu heutigen Allerdings ist die Methode in Aufforstung fraglich: Ein Hektar Nachhaltigkeitstrends der Wirtschaft. An dieser Stelle Fichtenwald absorbiert in einem Zeitraum von Jahren arbeiten KommunikationsdesignerInnen als80 Bindeglied «http://www.co2-berechnen.de» 786und Tonnen CO²die . Das entsprichteine der nachhaltige Menge, die ein können Weichenfür Entwicklung 27 Deutscher in diesem Zeitraum produziert. Um nun alleDie Kapistellen: in Beratung, Konzeption und Produktion. Deutschen durch klimatisch lebenslang tel Papier undAufforstung Druck geben Anregungen und Tipps für die zu neutralisieren, müsste man 820.000 Quadratkilometer Umsetzung praktischer Nachhaltigkeit. Erstmalig für das Fichtenwald anpflanzen - das istauf mehr alsprägnante, die doppelte Thema, wird Nachhaltigkeit eine informaFläche Deutschlands oder genau die Brasiliens. Fichten tive und unterhaltsame Art und Weise vorgestellt. Visualiwerden nurProzesse 80 bis 120 alt. Das Fakten bedeutet, nach sierte und Jahre anschauliche rund um unseren einem Menschenleben die aufgeforsteten Bäume Lebensstil machen würden das theoretische Konzept plastisch. ihr ganzes gebundenes Holz CO² wird wieder Die Zeit-Zellstoff Papierfabrik in derfreisetzen. Zellwird zu Papierbögen zu Zellstoff Klimawandel spanne ist zu groß, um stofffabrik den mittelfristigen zu gepresst und gerollt. umgewandelt und bremsen. Der Erhalt schon Waldflächen – unterbestehender Einsatz teils giftiger Chemikalien zum Beispiel der Urwälder Europas oder Südamerikas wäre gebleicht. sinnvoller.

6 Umdrehungen Altpapier gewon Holzfasern könn bis zu sechs Ma derverwertet we bevor sie zu kur damit unbrauch werden. Um die verhindern, wird Recycling 10 Pr Frischfaser bei g mischt.

K

100

Menge Rohöl in kg pro Papiertonne

Süd

57%

25

Süd

Es werden umweltschonende Materialien und Handlungsweisen verwendet.

200

Nord

62%

50

Nord

Die sozialen und ökologischen Grundüberzeugungen der Lieferanten sind wichtig.

CO ² Emission in kg pro Papiertonne


Publikation "Exkursion Nachhaltigkeit und Design"